Unten – Tatort 1149 #Crimetime #Bewertung #Analyse #Vorschau 20.12.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Wien #Eisner #Fellner #ORF #unten

Crimetime Vorschau / Analyse Team Eisner + Fellner - Titelbild ORF / Superfilm, Philipp Brozsek

Der Stand der Dinge in Wien + Vorschau „Unten“

Es ist an der Zeit, wieder eine Bewertungskurve zu präsentieren. Das Team Eisner-Fellner nähert sich seinem 50. Tatort, dem größten Jubiläum, das bisher ein Team feiern konnte, bis zur 100 wird es vermutlich niemals jemand schaffen. Oder doch? Wenn die Münchner so weitermachen oder die Kölner oder Lena Odenthal? Wer weiß. Man soll nie etwas für unmöglich halten, das hat uns dieses Jahr gelehrt. Aber die Wiener bräuchten eben noch einmal mindestens 20 Jahre, nicht fünf oder sechs, wie das Bayern-Duo Batic und Leitmayr, wenn die Premierenfrequenz so bliebe wie bisher, nämlich bei knapp 2,5 Filmen pro Jahr.

Wie viele Tatorte haben Eisner und Fellner gefilmt?

  • Eisner solo: 23 Fälle von 1999 bis 2010 (von „Nie wieder Oper“ bis „Glaube, Liebe, Tod“)
  • Eisner und Fellner bisher 25 Fälle von 2011 bis 2020 (ab „Vergeltung“)

Wenn man genau hinschaut, hat sich die Taktzahl seit Bibis Einstieg tatsächlich etwas erhöht, aber grundsätzlich: Ca. weitere 20 Jahre wären erforderlich, mit sie auf 100 kommen könnten. Immerhin, den 25. gemeinsamen Fall haben sie jüngst mit „Krank“ feiern dürfen.

Hat Bibis Einstieg als Ermittlungspartnerin den ORF-Tatort nach vorne gebracht?

Die meisten Tatortkundigen würden diese Frage wohl eindeutig mit „Ja!“ beantworten. Ich bin ebenfalls der Ansicht: Geschadet hat die Teamerweiterung keinesfalls und mit „Kein Entkommen“ wurde der bis heute am höchsten in der Gesamtrangliste des Tatort-Fundus stehende ORF-Krimi kurz nach ihrem Einstieg (2012) erstmals gezeigt. Hier nun die Tabelle, auf die ich mich bei der Analyse beziehe:

2020-12-17 Tatorte Eisner Fellner Bewertungskurve

Wir haben jetzt die Solo-Zeit von Moritz und ab wann er mit Bibi zusammenging, kenntlich gemacht. Wir sehen, dass Eisner keinen leichten Start hatte und seine frühen Tatorte lange um einen Durchschnitt von 6/10 dümpelten. Aber: Der Aufstieg begann bereits links von der roten Linie, und da war er noch allein unterwegs, mehr auf dem Land als in Wien. Seit Bibi dabei ist, ermitteln die beiden häufiger in der Hauptstadt. Generell finde ich, dass die frühen Filme von Eisner etwas unterbewertet sind, sie haben ihre eigenen Qualitäten. Klar, sie sind langsamer und die wunderbaren Dialoge zwischen ihm und Bib fehlen. Gerade auf dem Land konnte man dadurch aber auch Charakterstudien von Dörflern betreiben, die mir heute etwas abgehen, weil sich alles auf die beiden so sympathischen Cops konzentriert.

Es war eben eine Konzeptrevision, die sie 2011 gemacht haben und grundsätzlich hat sie funktioniert, und zwar, das ist sehr begrüßenswert, ohne dass der bisherige Ermittler ausgetauscht werden musste, denn sie haben erkannt, Harald Krassnitzer als Moritz Eisner ist einer der Besten im Tatortland. Es hat den ORF-Tatorten halt manchmal nach Ansicht der Fans etwas der Schwung oder Pep gefehlt.

Wie lief es in den letzten Jahren?

Tendenziell gab es in den letzten Jahren sogar eine Abwertung der frühen Tatorte, wenn neue Nutzer sie sich angeschaut oder bisherige ihre Wertungen geändert haben. Man sieht es daran, dass die rote Linie auf der linken Seite des Tableaus, den Eisner-allein-Tatorten, sich in den sechs Jahren, seit denen wir die Erfassung der Episodenwertungen vornehmen, nach unten verschoben hat. Die organefarbene Linie von 2019 und die neue violette von heute überdecken sich hingegen fast komplett, weshalb die neuere erst auf der rechten Hälfte sichtbar wird. Und da sehen wir, dass Eisner und Fellner auch für ihre bisherigen Tatorte etwas mehr Zuspruch bekommen. Leider aber auch etwas anderes: Nämlich erstmals eine nach unten zeigende Kurve, die vor allem dem letzten Tatort der beiden, „Krank“ zuzuschreiben ist, den offenbar viele Nutzer des Fundus tatsächlich so empfunden haben und im Durchschnitt nur 5,05/10 vergaben. Stand ist bei diesen Zahlen immer der 17.12.2020.

Generell kann man aber sagen: Die beiden sind auf einer Art Plateau angekommen, auf dem sich nicht mehr viel bewegt und das entspricht durchaus der Wahrnehmung: Man geht mehr auf Nummer sicher, als das Konzept immer weiter voranzutreiben. In Österreich die Politik hopp zu nehmen ist allerdings auch schon ein Standard, was soll man noch mehr machen, als sie alle so zeigen, wie sie sind? Höchstens nochmal mit mehr Rasanz und Blutvergießen arbeiten, aber die beiden sind nun einmal nicht mehr die Jüngsten und wenn ich es zu entscheiden hätte: Ich würde ihnen wieder mehr wirklich ausgefeilte Episodenfiguren zur Seite stellen und vielleicht, unserer Zeit entsprechend, etwas mehr aus Grausliche setzen. Denn dass die Oberen Zehntausend überwiegend Oberarschlöcher sind, wissen wir ja nun. Man kann es sozusagen als Formel gerne behalten, aber in eine neue Klammer gehören die ganz verschrobenen Sachen und dafür sind die beiden so gut geeignet, weil sie mit ihrer Persönlichkeit jedes Thema covern und auch ein wenig ironisieren können.

Insgesamt haben die beiden mehr als den 10. Platz unter allen Ermittlern verdient, den sie gemäß Tatort-Fundus derzeit innehaben. Die Tabelle wird im Moment offenbar nicht optimal gepflegt, es sind noch Teams drin, die schon außer Dienst gegangen sind, aber die rangieren hinter den beiden Wienern. Die Gelegenheit, weiter voranzukommen, ist günstig, denn einige der Top-Teams haben in letzter Zeit durch einige Filme, welche von den Fans als schwach empfunden wurden, etwas Federn lassen müssen, nur zwei liegen (knapp) über 7/10. Eines davon ist gerade erst gestartet und die Bewertung basiert auf nur einem Film. Aber der Weg von Eisner und Fellner hin zu Ballauf / Schenk und Batic / Leitmayr beträgt unter 0,3/10 und auf der Höhe sehe ich die Wiener auch. Würde man nur die Eisner-Fellner-Paar-Tatorte berechnen, lägen die beiden auf 6,7/10 und damit 0,11/10 hinter Ballauf / Schenk, leider auch wegen „Krank“, sonst wären es nur 0,04/10. So sind es eben nur 6,51/10.

Nun zur Vorschau des aktuellen Tatorts „Unten“

Wird der neue Film, die Nr. 48 oder 25, die Delle wieder ausgleichen, welche „Krank“ in die Kurve gedrückt hat, der übrigens nach der Fundus-Wertung der schwächste Eisner-Film von allen 48 ist? Der zweitschlechteste soll demnach „Der Wächter der Quelle“ sein (Tatort 572, aus Eisners Solo-Ermittlerzeit). Nach diesem Film war auch der Tiefpunkt der in der Grafik gezeigten Kurve erreicht. Es war aber bisher ein Merkmal der Wiener, dass sie nie ganz aus dem Rahmen fielen, darauf weist auch „Krank“ hin. Einige der großen Teams, zu denen ich die beiden auf jeden Fall rechne, haben sich schon Filme mit Wertungen von ca. 4 Punkten und schlechter „geleistet“ bzw. von Drehbuchautor*innen und Regisseur*innen verpasst bekommen.

„Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) bestreiten mit dem Tatort „Unten“ ihren 25. gemeinsamen Einsatz in Wien. Das Ermittlerduo mit dem sympathischen Dialekt arbeitet dabei ein letztes Mal mit ihrem leicht absonderlichen Chefinspektor „Fredo“ zusammen. Der Schauspieler Thomas Stipsits gab erst im Laufe der Dreharbeiten bekannt, dass er sein festes Engagement beim Tatort aufgeben werde, um sich neuen Projekten widmen zu können“, schreiben einleitend die Redakteur*innen von Tatort Fans. Ist für sie „Unten“ eher oben?: „Bibi hat die Haare schön! Und sonst? Eine schmackhafte Krimikost, präsentiert vom Tatort-Team aus Wien. Ganz heiß und spannend bleibt die Mahlzeit bis zum Ende nicht, eher lau, einzig die saucoole „Sackerl-Grete“ bringt noch etwas Pfefferpep in die Geschichte. In der Summe sind’s 3 Sterne. Ist ja schließlich bald Weihnachten“, heißt es. Hätte es an Nicht-Weihnachten nur 2 Sterne gegeben? Der Kollege des Kritiker-Duos meint, man kann bei dem Film auch nebenbei mal was anderes machen, ohne dass man den Handlungsfaden verliert.

Viele Kritiken erscheinen erst am Freitag oder Samstag vor der Ausstrahlung, aber wenn wir die Analyse mit Grafik machen, lassen wir den Kritikerspiegel raus, damit die Vorschauen nicht zu umfangreich und zeitaufwendig werden. Krimis in den Milieus der Armen kommen bei der angstgeplagten heutigen Mittelschicht, aus der die Tatortfans überwiegend stammen, nicht so gut an, es sei denn, diese Mittelschichtler sind im Staatsdienst beschäftigt, aber ich will nicht unken und nicht präjudizieren und hoffe auf einen interessanten Sonntagabend. Und, siehe oben, Bib und Moritz sind diejenigen, die den richtigen Ton finden werden, davon bin ich jetzt schon überzeugt.

TH

Handlung

Auf einem verlassenen Industriegelände wird ein toter Obdachloser gefunden. Indy und Tina haben die Leiche entdeckt und die Polizei verständigt. Das junge Pärchen lebt selbst auf der Straße und kannte den Toten sehr gut.

Zunächst sieht es für Bibi Fellner und Moritz Eisner nach einer Tat im Obdachlosenmilieu aus: Ein Streit um Alkohol oder Geld eskaliert, am Schluss bleibt einer der Kontrahenten tot am Boden liegen. Das kommt relativ häufig vor, ein klassischer Fall. Bald gibt es jedoch weitere Hinweise, die diese These infrage stellen: Am Tatort finden die Ermittler*innen beispielsweise jede Menge Psychopharmaka und an der Kleidung des Toten Spuren von Crystal Meth. Hat der ermordete Gregor Aigner etwa mit Drogen gedealt und kam es deshalb zu einem Streit? Wissen Indy und Tina vielleicht doch mehr, als sie zugeben?

Gregor hat erst vor kurzem Tina als Begünstigte seiner alten Lebensversicherung eingesetzt. Wollte sie das Geld kassieren? Oder hatten Tina und Gregor ein Verhältnis und Indy hat den Kontrahenten aus Eifersucht beseitigt? Die Spuren führen Moritz Eisner und Bibi Fellner ins Heim „Lebensraum“, in dem Gregor Aigner lange Zeit gemeldet war. Indys Freundin Tina kommt hier immer wieder unter, aber auch für Johanna und ihren Sohn Tobi ist das Heim eine rettende Anlaufstelle, nachdem sie ihre Wohnung verloren haben. Die Kommissare erfahren außerdem von einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Gregor und Micha Schmidt, einem deutschen Obdachlosen. Und sie lernen die Sackerl-Grete kennen, eine stark verwirrte alte Frau, die Einiges beobachtet hat, der aber tragischerweise niemand richtig zuhört. Der Heimleiter Franz Zanger kannte Gregor Aigner ebenfalls schon lange und vermutet ebenso wie die ärztliche Leiterin des Heims eine Drogengeschichte hinter dem Verbrechen. Von Aigners Exfrau erfahren Moritz und Bibi schließlich die traurige Geschichte, warum der frühere Journalist nacheinander den Job, die Frau und schließlich seine gesamte Existenz verloren hat.

Langsam verdichten sich die Hinweise, dass Gregor Aigner, der sich selbst trotz seiner prekären Lage noch immer als Investigativjournalist sah, scheinbar einer großen Sache auf der Spur war. Musste er vielleicht deshalb sterben? Der vermeintliche Nullachtfünfzehn-Fall im Obdachlosen-Milieu entpuppt sich jedenfalls nach einem weiteren Mord größer als gedacht.

Besetzung und Stab

Oberstleutnant Moritz Eisner – Harald Krassnitzer
Majorin Bibi Fellner – Adele Neuhauser
Oberst Ernst Rauter – Hubert Kramar
Chefinspektor Manfred „Fredo“ Schimpf – Thomas Stipsits
Gerichtsmediziner Prof. Werner Kreindl – Günter Franzmeier
Tina Kranzinger – Maya Unger
Jonathan „Indy“ Lechner – Michael Steinocher
Journalist Gregor Aigner – Jonathan Fetka
Isabelle Aigner, Ex-Frau von Gregor – Bettina Ratschew
Frank Zanger, Leiter des Obdachlosenheims – Michael Pink
obdachlose Mutter Johanna Wallner – Sabrina Reiter
ihr Sohn Tobi – Finn Reiter
Obdachlose Sackerl-Grete – Inge Maux
Kellner im Beisl – Alexander Stecher
Micha Schmidt – Klaus Huhle
Barbesitzerin Hedi – Gerda Drabek
Zivildienstleistender – Felix Stichmann
Polizeiwache – Florian Tröbinger
Forensiker – Jochen Schneider
u.a.

Drehbuch – Thomas Christian Eichtinger, Samuel R. Schultschik
Regie – Daniel Prochaska
Kamera – André Mayerhofer
Szenenbild – Attila Plangger, Julia Oberndorfinger
Schnitt – Alarich Lenz
Ton – Thoams Szabolcs
Musik – Karwan Marouf

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