Jagdgeschwader Wildkatze / Stählerne Schwingen / Guadalcanal – Entscheidung im Pazifik (Flying Leathernecks, USA 1951) #Filmfest 324

Filmfest 324 A

Ledernackenkino

„The Flying Leathernecks“ heißt der Film im Original und wir haben ihn uns vor allem angeschaut, weil uns noch viele Filme von John Wayne fehlen – um festzustellen, dass so viel möglicherweise gar nicht fehlt, denn er spielt auch hier den kompromisslosen, aufrechten Typ, der durchgreift, um sein Jagdgeschwader, das sich den Beinamen „Wildkatze“ gegeben hat, auf Vordermann zu bringen, nachdem er als Kommandant eingeführt ist. Wird er das schaffen? Optimismus ist angebracht und mehr steht in der -> Rezension.

Handlung

Der strenge Major Kirby übernimmt eine Abteilung Marineflieger an Stelle von Captain Griffin. Bei der Schlacht um Guadalcanal hat er nur wenige Flugzeuge zur Verfügung und viel zu bewältigen. Außerdem werden die Soldaten täglich von Japanern angegriffen. Die Piloten sind sehr jung, missachten Befehle und werden oft abgeschossen. Kirby verlangt das Äußerste, und auch Captain Griffin, der eine gewisse Nähe zu den jungen Soldaten hat, erweist sich als zäher als erwartet. Einer von ihnen, Blithe, genannt Cowboy, ist Griffins Schwager.

Kirby hadert mit den Entscheidungen, die er fällen muss. Er weiß, dass er seine Jungs oftmals auf Himmelfahrtskommandos schickt, aber der Erfolg steht für ihn im Vordergrund. Kirby wird immer strenger gegenüber seinen müden Leuten. Er verweigert malariakranken Soldaten Krankheitsurlaub, wenn Flugzeuge technische Probleme haben. Die Anspannung zwischen Kirby und Griffin wird immer größer. Griffin erkennt die Not in Kirbys Gesicht, aber er lässt sich mehr von seinen Gefühlen leiten.

Rezension

„Jagdgeschwader Wildkatze“ ist komplett affirmativ dem Krieg gegenüber und erzählt uns davon, wie schwer es ist, zwischen persönlichen Gefühlen und Dienstvorschriften den richtigen Weg zu finden. Für Fans solcher Dinge gibt es viele Flugszenen, die bis auf einige Cockpitaufnahmen nicht für diesen Film gedreht wurden, sondern echte Kriegsaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg sind, in dem der Film spielt. Man sieht junge Soldaten als Individuen, das muss man dem Werk immerhin zugutehalten, und dass jeder Verstoß gegen die Ordnung intensiv diskutiert wird, mithin der Einzelne zählt. Einen Film über deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg mit solchem Tenor wäre gar nicht möglich gewesen, weil der Kadavergehorsam solche Diskussionen als ein ganz fernes Szenario erscheinen lässt.

Wenn sich die Jungs hier widersetzen, dann eher aus Abenteuerlust oder Laxheit, nicht, weil sie Zweifel am Krieg oder gar dem System haben, für das sie kämpfen. Eine gewisse Aufmüpfigkeit erscheint eher als Privatsache und es wird über Dritte gesprochen, auch über Generäle. Die einzige armeekritische Stelle ist jene, bei der sich Major Kirby darüber beschwert, dass die Generäle seine Tiefflugtaktik zur Unterstützung von Bodentruppen noch nicht auf dem Schirm haben und vermutlich noch zwei Kriege brauchen wird, um endlich zu kapieren, wie viel leichter es sich im Gras es sich kämpfen lässt, wenn man über die weite Luft darüber die Hoheit hat. Hitler hat den Angriff auf Großbritannien nicht von ungefähr storniert, nachdem die Luftschlacht um England verloren war.

Kritiker haben angemerkt, dass es ungewöhnlich für den als kritisch geltenden Regisseur Nicolas Ray war, dass er einen so mehr oder weniger kommentarlosen Kriegsfilm gedreht hat, wo er doch in späteren Werken andere Töne anschlug („Better Victory“, 1957). Ray war erst 1948 zum Regisseur geworden, mit einem Film namens „They Live by Night“, der heute als ein Klassiker des Film noir gilt, aber der manchmal recht roh wirkende „Jagdgeschwader Wildkatze“ ist nach unserer Ansicht kein sehr persönlicher Film und, von der Diskussionsfreudigkeit der Soldaten und ihrer Vorgesetzten abgesehen, kann man keinen Individualstil erkennen.

Diese allerdings gibt einen Hinweis auf den wohl berühmtesten Nicholas Ray-Film: „Rebel Without A Cause“ / „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ (1955), mit dem James Dean schlagartig zum Topstar wurde. Denn das Dialektische, der Streit über die Richtigkeit verschiedener Verhaltensweisen im Krieg, die in „Jagdgeschwader Wildkatze“ wichtiger erscheint als die ausgeführten Operationen, zeigt „Rebel Without A Cause“ für damalige Verhältnisse geradezu exzessiv. So auf quälende Art dialoglastig war bis dahin kaum ein amerikanischer Film – die Literaturverfilmungen der 1950er und frühen 1960er Jahre stellten diesbezüglich allerdings neue Rekorde auf, was nicht ungewöhnlich erscheint, wenn man ein Bühnenstück fast wortgetreu auf die Leinwand bringt.

John Wayne als der aufrechte Major, später Oberst Kirby spielt sich selbst, also den geradlinigen Typ, der die Linie durchsetzen muss, wo andere sich emotionale Entscheidungen leisten. Am Ende hat sich Kirby gegen seinen Kontrahenten Griffin weitgehend durchgesetzt – und erst dadurch und nach einem zähen Ringen zwischen den beiden, das beinahe in einer körperlichen Auseinandersetzung geendet hätte, darf Griffin dann als Geschwaderkommandeur die Nachfolge des zum Obst aufgestiegenen Major Kirby antreten. Griffin wird gespielt von Robert Ryan, dem in Hollywoodfilmen der Zeit oft die etwas verschwommene, zwielichtige Haltung im Vergleich zum eindeutigen Helden des Films zukommt.

Am meisten berührend fanden wir die Szene, in welcher der Native American im Geschwader, der einzige Nichtweiße, nach seiner Verwundung bei Feindflug verletzt auf seinen Heimtransport wartet und Major Kirby persönlich lässt sich den Brief an die Familie des jungen Mannes diktieren, wie er alle Gefallenenmeldungen persönlich verfasst, obwohl es einen Feldgeistlichen gibt, der für diese Aufgabe zuständig ist. Da der junge Mann sein Bein verlieren wird, lässt er seinen Eltern ausrichten, dass seine Pferde jetzt verkauft werden dürfen und Autos ja auch etwas Schönes seien.

Finale

Wenn man in die Internet Movie Database (IMDb) schaut, stellt man fest, dass dieser Film nicht zu den am höchsten bewerteten mit John Wayne oder von Nicholas Ray gehört, dass Amerikaner ihn deutlich positiver sehen als Nichtamerikaner, überrascht angesichts der Thematik nicht. Noch heute identifizieren sich die USA sehr stark mit dem Zweiten Weltkrieg, dem letzten Ereignis, in dem sie eindeutig die Moral und nicht nur mehr Material auf ihrer Seite hatten. Dass Frauen ihn deutlich besser bewerten als Männer, erscheint erst auf den zweiten Blick logisch, weil es doch ein überaus männliches Thema ist, das hier abgehandelt wird.

Es wird die starke Verbindung zur Heimatfront sein, welche die Frauen auf ihre Seite zieht, vor allem natürlich die zwischen Müttern und Söhnen, die der Film zeigt, die unzweideutige Gefühle bei Frauen hervorruft, während Männer die Art, wie Männer sich hier teilweise verhalten und ständig abgeschossen werden, wohl nicht so schätzen. Man weiß zwar, wenn die Jungen ihr Leben lassen, nicht mehr recht, welcher Familie sie nun zugeordnet waren, aber das Gesamtbild eines starken, absolut korrekten Rückhalts der jungen Männer, die nach der Lesart alle aus der Mitte der Gesellschaft kommen, vermittelt ein Bild von einem Land, in dem es in jeder Hinsicht ideal zugeht, von kleinen Diskussionen um Kriegstaktik und Führungsstil abgesehen. Dass viele Soldaten in den USA eher aus trostlosen Verhältnissen kamen und kommen, denen sie mit ihrer Verdingung bei der Armee, der Luftwaffe, oder wie hier, den Marinefliegern, entfliehen wollen, ist hier nicht ansatzweise zu erkennen.

Wir finden uns mit unserer Bewertung, gemessen an den gegenwärtigen Votes der IMDb-Nutzer etwa bei den Nichtamerikanern wieder.

58/100

© 2014 Der Wahlberliner, Alexander Platz

Regie Nicholas Ray
Drehbuch James Edward Grant
Produktion Howard Hughes,
Edmund Grainger
Musik Roy Webb
Kamera William E. Snyder
Schnitt Sherman Todd
Besetzung

 

 

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