Scaramouche, der galante Marquis (Scaramouche, USA 1952) #Filmfest 352

Filmfest 352 A

2021-01-18 FF 0352 Scaramouche, der galante Marquis Scaramouche USA 1952

2020-08-14 Filmfest AScaramouche, der galante Marquis (Originaltitel: Scaramouche) ist ein US-amerikanischer Mantel-und-Degen-Film von George Sidney aus dem Jahr 1952 mit Stewart Granger in der Hauptrolle. Als Vorlage diente ein Roman von Rafael Sabatini. In der DDR lief der Film unter dem Titel Scaramouche – Der Mann mit der Maske (hier kurioserweise ungekürzt, da man das Warner-Video mit der dialoglosen Napoleonszene zum Finale ausstrahlte, während bis heute west- bzw. gesamtdeutsche Ausstrahlungen nur die gekürzte Kinofassung verwenden). (1)

Das ist das Richtige für heute, die Rezension zu diesem Werk zu veröffentlichen, die aus „Das internationale Filmverzeichnis Nr. 8“ aus dem Jahr 1989 stammt. Mitten im Lockdown und dieser und jener Kalamität farbenprächter Optimismus. „Scaramouche“ habe ich auch später noch mindestens zwei Mal gesehen und die Einleitung der Wikipedia sagt mir: Es gibt einen guten Grund, es wieder zu tun.

Der Höhepunkt des im 18. Jahrhundert im Vorfeld der französischen Revolution spielenden Films ist das beinahe 10 Minuten dauernde DegenDuell zwischen André Moreau und dem Marquis de Maynes im voll besetzten Theater. Eine besondere Intensität erreicht das Duell dadurch, dass es im Film nicht mit Musik unterlegt ist. Es wird noch heute als die beste Fechtszene der Filmgeschichte bezeichnet. Die beiden Kontrahenten erwiesen sich als so versiert, dass zumindest teilweise deutlich sichtbar mit scharfen Waffen gedreht werden konnte. Die junge Janet Leigh spielt eine junge Adlige und Eleanor Parker die begabte und kumpelhafte Gauklerin.

Vor allem wird minutiös dargestellt, wie Scaramouche das Fechten elernt und trotz aller Verspieltheit ist der Film in gewisser Weise logisch und seriös. Eine solche Mischung von Humor, Attraktion und Aktion ist bis heute kaum wieder gelungen und die pompöse Technik unserer Tage kann die Verve eines solches Films nicht ersetzen. Deswegen glaube ich, eine erneute Sichtung würde wieder zu einer Wertung im 80er-Bereich führen und das ist doch beruhigend: Nicht alle Filmschätze meiner Jugend verlieren bei der Revision an Glanz. Wir nähern uns beim Durchforsten des „Internationalen Filmverzeichnisses“ dem Höhepunkt des klassischen Hollywood-Abenteuerkinos und ich freue mich auch auf „The Court Jester“, der für mich auch den Abschluss dieser Epoche darstellt, dieser noch mehr ins Komödiantische gewendete Film entstand drei Jahre nach „Scaramouche“.

„Bewegte, abwechslungsreiche und exquisit ausgestattete Unterhaltung, die zuweilen auch hintergründige Konturen gewinnt“, befand das Lexikon des internationalen Films.[1] Die Fernsehzeitschrift Prisma zählte die Romanadaption zu „eine[m] der besten Mantel- und Degen-Filme aller Zeiten“ und lobte sie als „wunderbare und überaus aufwändige Produktion“. So würden „[e]ine hervorragende Ausstattung, die gekonnte Inszenierung und die unrealistischen Technicolor-Farben […] für beste Abenteuer-Unterhaltung [sorgen]“.[2]

Ich schließe mich der Meinung an, dass es sich hier um einen der besten Filme seines Genres handelt, obwohl ausnahmsweise nicht Basil Rathbone, der beste Fechter in Hollywood, der Gegner des Helden ist. Aber Mel Ferrer macht seine Sache ausgezeichnet und Stewart Grangers Mischung aus Arroganz und Wendigkeit funktioniert her hervorragend, weil Regisseur George Sidney es hinbekommen hat, ihm auch etwas wie humoristisches Talent zu entlocken – ohne dass es zu klamaukhaft wird. Einige „Mätzchen“, wie eine andere Kritik befindet, stehen dieser Beurteilung nicht entgegen.

Sidneys Regie zeichnet sich vor allem durch eine herausragende Musikalität aus. Das mag in diesem Genre ein wenig seltsam klingen, aber die Choreografie von komischen oder aktionsreichen Szenen ist ebenso wie der Gesamtrhythmus stark vom Gefühl der Person abhängig, die für die Inszenierung verantwortlich ist. Sidney hat einige der großen MGM-Muscials verantwortet und es gibt einen Vorgänger von „Scaramouche“, was die Brillanz der Fechterei angeht: „Die drei Musketiere“ aus dem Jahr 1948, den wir hier bereits besprochen haben. Auch dieser Film zählt zu den Tops des Genres und es gibt wohl keine bessere Adaption des unzählige Male verfilmten Stoffes über die vier Kampfgefährten mit dem Spruch „Einer für alle, alle für einen!“- wobei die schrullige und prachtvolle Version von Richard Lester, die in zwei Teilen in den Jahren 1973 und 1974 entstand, auf ihre Art ebenfalls zu gefallen weiß.

Wer Spaß an echter, nicht computergefakter Aktion hat und es gerne romantisch und sogar ein wenig politisch mag, der ist bei „Scaramouche“ an der richtigen Adresse. Ein bisschen leid tat mir die schöne Gauklerin, weil sie Scaramouche ziehen lassen muss – und da sieht man, dass es doch Rezeptionsveränderungen gibt: 1989 fand ich es gewiss ganz und gar okay, dass die reiche Adelige ihn kriegt. Aber diese wird ja auch von Janet Leigh gespielt, die man hätte für solche Rollen erfinden müssen, wenn sie nicht ohnehin irgendwo in Kalifornien aufgewachsen und zum Kino gegangen wäre.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) sowie kursiv = Wikipedia

Regie George Sidney
Drehbuch Ronald Millar
Produktion Carey Wilson / MGM
Musik Victor Young
Kamera Charles Rosher
Schnitt James E. Newcom
Besetzung

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