Saskatschewan (Saskatchewan, USA 1954) #Filmfest 392

Filmfest 392 Cinema

Saskatschewan [səsˈkɛtʃivn̩], in Österreich Rote Reiter von Kanada,[2] ist ein US-amerikanischer Western der Produktionsfirma Universal International Pictures aus dem Jahr 1954 von Raoul Walsh mit Alan Ladd und Shelley Winters in den Hauptrollen. Der Film wurde im Banff-Nationalpark in Kanada gedreht, unweit des Quellgebiets des Saskatchewan River. (1)

Inhaltsangabe (1)

Thomas O’Rourke ist Offizier der berittenen kanadischen Polizei, ein „Mountie“. Er ist aber auch ein halber Indianer, aufgezogen vom friedlichen Stamm der Cree. Als die amerikanischen Sioux sich der kanadischen Grenze nähern, werden seine Vorgesetzten nervös. Gegen seinen Willen muss O’Rourke die Cree dazu zwingen, ihre Waffen abzugeben, denn man fürchtet, dass die Sioux planen, gemeinsam mit den Cree-Indianern einen Aufstand anzuzetteln. Dadurch zerbricht seine enge Freundschaft zu Cajou, seinem Halbbruder und Häuptlingssohn der Cree.

Als der US-Marshall Smith einen Indianer erschießt, kulminiert der Konflikt. O’Rourke teilt die Strategie seiner Vorgesetzten nicht und entmachtet seinen Captain. Er rettet aber auch seiner Truppe das Leben, muss dafür allerdings in Haft. Dorthin soll auch Grace gebracht werden, in die er sich verliebt hat und die er retten will. Sie ist jedoch nicht ganz so hilflos, wie sie scheint, denn sie wird in den USA wegen Mordes gesucht.

Als die Soldaten in eine Falle geraten, kann O’Rourke mit Cajous Hilfe fliehen. Cajou hat ebenfalls die Gefahr für seinen Stamm erkannt, in dem Konflikt aufgerieben zu werden. Durch eine List gelingt es O’Rourke schließlich, den Zusammenschluss von Sioux und Cree zu vereiteln und somit viele Leben zu retten.

Infos (2)

Der 1887 in New York City geborene Regisseur und Schauspieler Raoul Walsh kam bereits 1912 zum Film und drehte bis in die 60er Jahre über 100 Spielfilme, die ihm bald den Ruf eines der besten Handwerker in der Industrie eintrugen. Walsh inszenierte seinen Western „Saskatchewan“ mit dem Star Alan Ladd als action- und kampfbetontes Spektakel vor überwältigender Kulisse und erschloss Kanada als Schauplatz für das amerikanische Genre des Westerns. Viele Szenen entstanden an den kanadischen Originalschauplätzen in Saskatchewan. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

Kurzrezension

In diesem farbenprächtigen und ganz vor Ort gefilmten Western aus dem Jahr 1954 sehen wir Alan Ladd, einen der Helden des Films noir aus den 1940er Jahren in dem Genre, in dem er seine wohl berühmteste Rolle gespielt hat – ein Jahr zuvor (der Film wurde allerdings schon 1951 gedreht) in „Mein großer Freund Shane“ (Rezension beim Wahlberliner).

Ladd hat selbst einmal bemerkt, dass sein Leinwanderfolg angesichts seines wenig prägnanten Aussehens und seiner schmächtigen Statur kaum erklärbar sei („I have the face of an aging choirboy and the build of an undernourished featherweight. If you can figure out my success on the screen you’re a better man than I”).

Vielleicht war es aber gerade diese sehr ernsthafte und stoische Haltung, die aus seiner eigenen, von Missgeschicken geprägten Biografie erwuchs, die Ladd so beliebt machte. Mit der Statur eines John Wayne oder Gary Cooper Eindruck zu schinden, ist einfacher und hat per se nichts Heroisches. Die Charaktere, die Rollen, die man diesen heute um vieles bekannteren Schauspielern schrieb, konnten sie im wörtlichen Sinn ohne größere Anstrengung verkörpern.

Nicht so Alan Ladd, der zum Beispiel nie hätte mit einer großgewachsenen Hauptdarstellerin als Liebespaar hätte geteamt werden können. Und anders als etwa in der heutigen Zeit z. B. der ebenfalls eher klein gewachsene Tom Cruise hat Ladd nicht diese forsche,  Ausstrahlung, die ihm das Ganze hätte erleichtern können. Ein dritter Aspekt ist, dass gerade in der klassischen Zeit Hollywoods die Heldenrollen mehr an die Körpergröße gebunden sind als heute, wo diesbezüglich eine weitaus größere Varianz herrscht.

Man weiß das alles, wenn man sich einen Film mit Alan Ladd ansieht und auch, dass der Mann trotz vieler Privilegien, die er genoss und einer weitaus glücklicheren Familiengründung als bei den meisten Kollegen, die sicher auch seinem dezenten und netten Wesen zu verdanken war, früh an Alkohol- und Tablettensucht starb. Und dass er offenbar Rollen in A-Filmen abgelehnt hat, obwohl seine Karriere Mitte der 1950er, Filmen wie „Shane“ und „Saskatchewan“ zum Trotz, der ihn im schmucken Kostüm eines kanadischen Mounties zeigt, in eine Abwärtsbewegung geraten war. Hätte der die Rolle von James Dean als Jett Rhink in „Giganten“ wirklich bekommen und hat er sie nicht angenommen, weil er sie als zu groß, seine Kräfte übersteigend, empfand? Jedenfalls wäre dieses wuchtigste epische Melodram der Mitt-1950er mit ihm in der Rolle von James Dean ein anderer Film geworden. Vielleicht kein schlechterer, denn den Aufsteiger, der sich aus dem Nichts nach oben boxt – in einer Szene sogar im wörtlichen Sinn – den hätte er wieder einmal glaubwürdig und mit weniger Aplomb verkörpert als das Jugendidol Dean, dem der Film aber sicher einen Teil seines Erfolgs zu verdanken hatte.

„Saskatechwan“ hat, und das passt wiederum zu dem, was man Alan Ladd zurechnet, den Vorzug, einer der ersten – nicht indianerfreundlichen, aber differenzierten Western zu sein, in dem die Native Americans in gute (Crees) und böse (die Sioux, die General Custer verhauen haben und sich auf nach Norden machen, um die Crees für einen Krieg gegen die Weißen zu gewinnen) Rothäute separiert werden. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte mit Shelley Winters, die in den 1950ern viele interessante Rollen spielte (auch in Western, u. a. „Winchester 73“, Rezension beim Wahlberliner).

Fazit

Unter Filmkennern gilt „Saskatschewan“ (auf Deutsch mit „sch“ geschrieben) als ein gelungener Western. Das Filming on Location wird gesondert hervorgehoben, weil es damals noch etwas Besonderes war und die Zeit der prächtigen Breitwandwestern deutete sich an, obwohl dieser Film noch nicht in Cinemascope gedreht ist. Die Geschichte soll nach einem realen Vorfall konstruiert worden sein – was vermutlich für das Überschreitern der Nordgrenze durch die Sioux gilt, nicht für die persönliche Konstellation der Weißen, die wir in „Saskatchewan“ vorfinden.

Einfach war es gewiss nicht, die psychologische Seite der vielen menschlichen Beziehungen zu gestalten, die sich hier zeigen. Die verschiedenen Ureinwohner-Stämme und die Weißen, die Ureinwohner untereinander, O’Rourke und der Sherff, O’Rourke und die Frau, O’Rourke und sein Vorgesetzter, die nicht miteinander klarkommen. Etwas viel Stoff für einen eher kurzen Western von 87 Minuten. Langweilig wird es wegen der dichten Aneinanderreihung von Handlungselementen nicht, aber manches wirkt trotzdem ein wenig  unfertig oder roh und ein wenig redundant, trotz der geringen Spielzeit und der wie üblich versierten Inszenierung von Regisseur Raoul Walsh.

61/100

© 2021 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia
(2) ARTE

Regie Raoul Walsh
Drehbuch Gil Doud
Produktion Aaron Rosenberg
Musik William Lava
Kamera John F. Seitz
Schnitt Frank Gross
Besetzung

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