Borowski und die Angst der weißen Männer – Tatort 1159 | Zum #Weltfrauentag #Frauentag am 8. März | #Crimetime Vorschau 07.03.2020, Das Erste, 20:15 Uhr #Tatort #Kiel #Borowski #Sahin #NDR #Männer #weiß #WomansDay #InternationalWomensDay

Crimetime Vorschau 07.03.3021 - Titelfoto © NDR, Christine Schröder

Der Tatort zum internationalen Frauentag

Zur Rezension jetzt hier!

Wenigstens lautet der Titel nicht „Die Angst der alten weißen Männer“ oder gar „Die Angst der weißen alten Männer“, sonst hätte ich mich sofort angesprochen, wenn nicht sogar diskriminiert gefühlt und Kommissar Borowski als Leidensgenossen identifiziert oder für mich in Anspruch genommen. Ich finde aber, er ist seit seinem Einstieg als Kieler Ermittler im Jahr 2002 gut gealtert – auch, weil die Borowski-Rolle recht zeitlos angelegt ist.

Brummel-Borowski (Axel Milberg) und seine schlagfertige Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) arbeiten ein fünftes Mal an einem gemeinsamen Fall: Der NDR-Tatort „Borowski und die Angst der weißen Männer“ führt vom Mord an einer jungen Discobesucherin in das Milieu von militanten Männerrechtlern, die sich im Internet gegen die bösen selbstbestimmten Frauen formieren“, leitet die Redaktion von Tatort-Fans ihre Beschreibung zum Film ein und vergibt 2 und 4 Sterne. Die niedrigere Wertung kommt auch dadurch zustande, so heißt es, dass er Film zu viel will und abhebt. Ich habe immerhin aus der obigen Einleitung gelernt, dass es Männerrechtler gibt. Ich fühle mich nicht mehr so schutzlos in einer fast durchweg feministischen Welt. Aber Militanz ist natürlich und jede Rechtsverteidigung oder -erwirkung betreffend, eine andere Sache.

Gutes Thema – Spannung erst später titelt Michael Haas im SWR3-Tatortcheck und meint, der Film käme vor allem im letzen Drittel in Fahrt und das Thema zum Weltfrauentag stünde zunächst im Vordergrund: Frauenhass als Einstiegsdroge in die rechte Szene. Am Schluss hängen drei von fünf möglichen Elchgeweihen an der Wand.

Mit „Mario, mach Männchen!“ findet Chrstian Buß im Spiegel wieder mal eine Schlagzeile, die sofort Aufmerksamkeit erregt. Von Machos in Männerseminaren bis zu misogynen Trollen im Internet: Der Kiel-»Tatort« zeigt Facetten von Frauenhass – und wie er sich in Gewalt entlädt.“ Allerdings findet Buß noch etwas, nämlich kritische Töne, zum Beispiel, weil es Handlungselemente gibt, die eine Mitschuld der Frauen am konkreten Delikt suggerieren – wenn auch wohl auf einer anderen Ebene angesiedelt als die Diskussion, die z. B. anlässlich von „Angeklagt“ in den späten 1980ern stattfand, das Thema Gewalt gegen Frauen aber wenigstens auf die Tagesordnung der Mainstream-Diskurse gebracht hat.

Der Begriff Femizid („Frauen werden von Männern ermordet, weil sie Frauen sind und keine Männer“, verkürzt ausgedrückt) ist freilich jüngeren Datums.

Thomas Gehringer schreibt in „Tittelbach-TV“: Der „Tatort“ in seinem Element: Mit der Episode „Borowski und die Angst der weißen Männer“ (NDR / Nordfilm Kiel) setzt die ARD am Vorabend des Weltfrauentags ein klares Statement gegen Hass und Gewalt. Die weibliche Disco-Bekanntschaft eines jungen Einzelgängers, der sich in Internet-Foren von Frauen-Hassern tummelt, wird tot aufgefunden. Auch die Büroleiterin einer angefeindeten Politikerin wird überfallen. Der Film von Nicole Weegmann greift das besorgniserregende Phänomen der sogenannten „Incels“ auf. Das sind – zum Teil rechtsextreme, rassistische – Männer, die insbesondere die Frauen-Emanzipation für ihr „unfreiwilliges Zölibat“ (engl.: „involuntary celibat“) verantwortlich machen und sich im Netz gegenseitig aufstacheln.“ Trotz einiger Schwächen sei ihm dieser Film 4,5/6 wert. Daran hatte ich nicht gedacht: Am 8. März ist Weltfrauentag. Wahrscheinlich kommt das daher, weil für mich jeden Tag Frauentag ist und ich mich lieber über den echten Gender Pay Gap unterhalt als über den, der ca. am 8. März ausgeglichen sein soll (bedeutet: Bis etwa zu diesem Tag im Jahr verdienen Männer alleine, Frauen gar nicht – dieser Tag liegt allerdings nicht auf dem 8. März, sondern selbstverständlich je nach Land an einem anderen).

 Für mich ist die Kiel-Schiene mit Kommissar Borowski und seinen bisher drei Ermittlungspartnerinnen noch heute eine derjenigen, die ich am liebsten sehe. Der etwas umständliche Satz deutet es aber an: Es ist nicht mehr ganz so cool mit dem Nordlicht und seinen Fällen wie vor ein paar Jahren, wo sie zu den besten der Reihe zählten. Es fehlt ein wenig der makabere Thrill, den Hits wie „Die Frau am Fenster“ auslösten, die in der Regel als Howcatchem und eben als Thriller angelegt waren. Am Sonntagabend wissen wir wieder einmal mehr und ich freue mich auf jeden Fall auf das Schreiben der Rezension zu „Borowski und der Angst der weißen Männer“ und habe auch keine Angst davor.

TH

Handlung

Auf einer Brachfläche in der Nähe eines beliebten Kieler Clubs wird die misshandelte Leiche einer jungen Frau aufgefunden. Die Videoüberwachung des Clubs liefert Klaus Borowski und Mila Sahin ziemlich bald einen Verdächtigen: Mario Lohse. Der verschüchtert wirkende Außenseiter schaut sich regelmäßig im Internetforum des sogenannten „Pick-Up-Artists“ Hank Massmann frauenverachtende Videos an.

Da Lohse kein stichhaltiges Alibi vorweisen kann, entscheiden sich Borowski und Sahin zu einer vorübergehenden Festnahme. Doch Borowski bemerkt bald Anzeichen, die die Tat in völlig anderem Licht erscheinen lassen: In unmittelbarer Nähe des Tatortes meint er eine in den weichen Boden getrampelte „14“ erkannt zu haben, ein Erkennungssymbol amerikanischer Neonazis.

Als Mila Sahin herausfindet, dass auf Hass-Listen im Internet weitere Attacken auf Frauen in Kiel propagiert werden, ist auch sie alarmiert. Beim Versuch, die offenbar akut bedrohte Kieler Politikerin Birte Reimers zu warnen, stößt sie auf ein Vergewaltigungsopfer. Als Undercover-Agent im Umfeld von Massmann muss Borowski erleben, welch enorme Energie hinter den Aufrufen steckt.

Zusatzinfo

Mit „Borowski und die Angst der weißen Männer“ greift der NDR ein hochaktuelles Thema auf: Frauenfeindlichkeit funktioniert in der rechten Szene als „Einstiegsdroge“ in ein destruktives Menschenbild. Der Film rekonstruiert, wie die Gefahr aus dem Netz in reale Gewalt mündet. Regie führte die mehrfache Grimme-Preisträgerin Nicole Weegmann.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Klaus Borowski – Axel Milberg
Kommissarin Mila Sahin – Almila Bagriacik
Kriminalrat Roland Schladitz – Thomas Kügel
Gerichtsmedizinerin Dr. Kroll – Anja Antonowicz
Paulig, Ermittler für Cybercrime – Jan-Peter Kampwirth
Parkhausangestellter Mario Lohse – Joseph Konrad Bundschuh
seine Bekanntschaft Viktoria „Vicky“ Steffens – Mathilde Bundschuh
Männerrechtler und Trainer Hank Massmann – Arnd Klawitter
Nils Balde, Assistent von Massmann – Patrick Heinrich
Politikerin Birte Reimers – Jördis Triebel
Duschanka Tomi, Assistentin von Reimers – Vidina Popov
u.a.

Drehbuch – Peter Probst
Regie – Nicole Weegmann
Kamera – Willy Dettmeyer
Szenenbild – Sabine Pawlik, Iris Trescher-Lorenz
Schnitt – Andrea Mertens
Ton – Maarten van de Voort
Musik – Florian van Volxem, Sven Rossenbach

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