ES surft auf der dritten Welle – neue Zahlen ++ Testzahlen in Relation zu Fallzahlen | #Frontpage | #Corona Lage #NoCovidJETZT #NoCovid #Neuinfektionen #Tests #Testzahlen #Covid19 #Covid–19 #Deutschland #Lockdown #Ostern

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Gestern gab es einen weiteren Anstieg der neuen Corona-Fälle in Deutschland gegenüber den ohnehin viel zu hohen Zahlen der Vortage. Beinahe 23.000 Neuinfektionen werden sich mit einem gewissen Zeitversatz auch wieder in den Todesfallzahlen niederschlagen, die aktuell bereits mit über 200 pro Tag inakzeptabel hoch sind. Reichen die Corona-Maßnahmen nicht aus? Noch könnte man eine Mehrheit für Verschärfungen gewinnen. Doch zunächst zu den Zahlen:

2021-03-26 Zahlen gestern weltweit

Leider werden die Testzahlen vom RKI nur einmal wöchentlich erfasst, daher lässt sich schwer sagen, wie viel vom aktuellen Anstieg auf einen Wechsel der Teststrategie zurückzuführen sind. Seit dem vergangenen Herbst fiel Deutschland erheblich hinter andere europäische Länder zurück und die niedrigeren Fallzahlen gegenüber diesen Ländern sind auch auf zu wenig Testung zurückzuführen. Die Todesfallzahlen waren nämlich demgegenüber auffällig hoch, sodass Deutschland in Europa eine der höchsten Letalitätsraten hat. So schlecht aber ist die medizinische Versorgung denn doch nicht und bisher ist auch kein „Zusammenbruch“ des Gesundheitssystems zu beklagen gewesen, wie ihn Jens Spahn für den April mehr oder weniger angedroht hat.

Es ist erstaunlich, welchen Aufwand Medien darauf verwenden, darzustellen, dass Testzahlen und Fallzahlen nicht so sehr miteinander zusammenhängen. Doch, tun sie. Natürlich nicht im Maßstab 1:1, das hat auch niemand behauptet. Selbstverständlich spielt z. B. die Rate der positiven Tests eine entscheidende Rolle. Sie war im Sommer 2020 bei unter 1 Prozent angekommen, stieg im heißen Herbst auf bis zu 12 Prozent, ging zwischenzeitlich auf ca. 6 Prozent zurück und liegt aktuell bei 7,9 Prozent (Stand Ende letzter Woche, das RKI meldet den Stand der Testung leider nur einmal pro Woche, anders als die zuständigen Stellen in vielen anderen Ländern, die täglich Daten liefern). Weil bei uns nur einmal pro Woche erfasst wird, lässt sich schwer sagen, welcher Faktor nun für den erheblichen Anstieg der letzten Tage am meisten verantwortlich war, aber es muss unbedingt mehr getestet werden – und schneller geimpft natürlich, wenn die Pandemie endlich in den Griff bekommen werden soll.

Bei den neuen Fällen stand Deutschland gestern auf Platz 8 weltweit, bei den Todeszahlen auf Platz 12 (siehe Grafik), der Rang bei der Bevölkerungszahl ist 19. Seit dem vergangenen Herbst liegen in Deutschland die Fallzahlen erheblich höher, als es seinem Rang in der Bevölkerungsstatistik entspricht und das ist eine wichtige Kennziffer dafür, ob ein Land gut mit der Krise klarkommt oder nicht. Selbstverständlich melden nicht alle Länder gleichermaßen exakt und in manchen Weltregionen wird auf eine horrible Weise zu wenig getestet, sodass keine realistischen Zahlen zustande kommen können. Da aber alle stark betroffenen Länder mehr oder weniger zum Kreis der Industrienationen, speziell der westlichen, zählen, kann man die Zahlen auf den vorderen Plätzen einigermaßen gut vergleichen und z. B. bei den Todesfallzahlen, gerechnet auf die Bevölkerungszahl, und ebenso wie bei den dort teilweise extrem hohen Testquoten ein paar Kleinstaaten aus der Betrachtung lösen. Bezüglich der Todesfallzahlen pro 100.000 Einwohner liegt Deutschland mit gestern 906 immer noch besser als viele andere europäische Länder, aber um das 2,55-fache über dem Weltdurchschnitt (aktuell 355/1.000.000). Auch wenn dieser statistische Durchschnitt nach unten verzerrt sein dürfte, die realen Fallzahlen betreffend: Das sah im Sommer 2020 noch ganz anders aus, damals wurde der Weltdurchschnitt nicht erreicht, der damals bei ca. 100 bis 120 Todesfälle pro eine Million Einwohner lag.

Dass Testzahlen und Fallzahlen nicht vollkommen voneinander unabhängig sind, belegt hingegen diese Tabelle des RKI, die auf dem Stand vom 24.03. ist, aber nur Fälle und Testungen bis zum 22.03. berücksichtigt.

2021-03-20 Testzahlen und Fallzahlen

Die Positivquote steigt, die Testquoten steigen aber ebenfalls. Die starken Steigerungen bei den Neu-Fallzahlen in dieser Woche werden wir nach der nächsten Aktualisierung der RKI-Darstellung noch einmal anschauen. Wir rufen die Politik aber ausdrücklich dazu auf, viel testen zu lassen, denn es nützt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und gleichzeitig zu behaupten, in Deutschland gäbe es immer noch weitaus weniger Fälle als in vergleichbaren Ländern, zumal Deutschland die Kapazität für ca. 2,3 Millionen (Labor-) Tests pro Woche hat, diese aber derzeit nur zu ca. 60 Prozent ausgenutzt werden. Die Gesamt-Testquote in Deutschland liegt immer noch unter 0,6 pro Einwohner, während sie in immer mehr Nachbarländern die 1,0 überschreitet, Großbritannien, das die Pandemie offenbar langsam in den Griff bekommt, wie die rückläufigen Fall- und vor allem die stark rückläufigen Todesfallzahlen belegen, verzeichnet sogar 1,7 Testungen pro Einwohner. Auffällig ist auch der Unterschied zu Frankreich, der sich immer mehr vergrößert. Im Sommer 2020 lag Frankreich noch etwas hinter Deutschland zurück, jetzt erreicht es mit beinahe 0,9 Tests pro Einwohner fast ein Drittel mehr „Durchtestung“. Wir dürfen also getrost davon ausgehen, dass bei gleichermaßen engagiertem Testtempo die Infektionszahlen auch in Deutschland höher lägen, die Letalitätsrate, die bei auffällig hohen 3 Prozent verharrt, dadurch aber niedriger wäre.

Leider haben wohl auch diejenigen recht, die eine alles Bisherige übertreffende dritte Welle prophezeit haben, falls der Lockdown aufgeweicht bzw. nicht noch verschärft wird. Auch das belegen, unabhängig von evtl. höheren Testzahlen (verdoppelt haben sie sich in den letzten Tagen sicher nicht) die Neuinfektionszahlen, die das sehr wohl getan haben. Bleibt es so, wird sich auch der in der nachfolgenden Grafik ausgewiesene Sieben-Tage-Durchschnitt verdoppeln.

2021-03-26 Zahlen Deutschland bis 2021-03-26

Bisher war es üblich, dass mit einem Zeitversatz auch die Todesfallzahlen wieder ansteigen, wenn die Neuinfektionen zunehmen. So, wie es im Moment läuft, werden wir so schnell nicht aus der Krise kommen.

Leider findet derzeit auch noch ein Kampf in den Medien um verschiedene Aussagen von Prominenten und wegen Artikeln zu Corona statt, der wieder einmal klarmacht, dass wir uns verzetteln, anstatt die Aufmerksamkeit aufs Wesentliche zu legen: Wie wir so schnell wie möglich die Pandemie beenden können. Alle regen sich furchtbar auf, die einen über die „Leugner“, die anderen über die „Staatspropaganda“, aber wer glaubt, das Virus ließe sich durch sowas alles beeindrucken, irrt sich. Wir haben schon darüber nachgedacht, den krassesten Kram aus den sozialen Netzwerken zu sammeln, aber unser Verdruss über die Pandemiebewirtschaftung und wie Menschen auf diese Anforderung reagieren, ist ohnehin groß genug.

Eine große Chance wurde ohnehin verpasst: Im vergangenen Herbst einen raschen, harten Lockdown einzurichten, der uns jetzt besserstellen würde. Nun wird wieder NoCovid gefordert und noch ist eine überwiegende Akzeptanz dafür in der Bevölkerung vorhanden. Der Aufwand, um die Fallzahlen jetzt auf nahe null zu bringen, ist aber ungleich größer, als er noch im Oktober 2020 gewesen wäre. Heute oder morgen werden wir auch ein Interview mit Karl Lauterbach veröffentlichen, der wie kaum ein anderer Politiker im Fokus der Medien und der aktiven privaten Teilnehmer*innen an der Meinungsbildung steht, seit die Pandemie zum beherrschenden Thema wurde. Wäre es nach ihm gegangen, wären wir bei jetzt ein Stück weiter auf dem Weg zurück in die Normalität.

TH

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