Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955) #Filmfest 421

Filmfest 421 Cinema

Kirk Douglas gibt alles, aber reicht es?

Originaltitel The Indian Fighter) ist ein amerikanischer Western aus dem Jahr 1955 mit Kirk Douglas als Held und Walter Matthau als dessen Gegenspieler. Die Regie führte André De Toth nach einem Drehbuch von Robert L. Richards, Frank Davis und Ben Hecht.  

Regisseur André de Toth war durchaus ein Westernspezialist. Für „The Gunfighter“ mit Gregory Peck(1950) wurde er für den Oscar nominiert. Allerdings nicht für die Regie, sondern fürs Drehbuch, an dem er mitgearbeitet hat. Der Name dieses Regisseurs sagt dem heutigen Publikum nur in Ausnahmefällen etwas. Was der Film uns gesagt hat, steht in der -> Rezension.

Handlung

Auf dem Weg nach Oregon wird ein Treck amerikanischer Siedler von einem Stamm der Sioux-Indianer bedroht. Um die Situation zu beruhigen, ruft man den berühmten Trapper und Indianerkenner Johnny Hawks zu Hilfe. Von dem Indianer-Häuptling Red Cloud erfährt Hawks, dass weiße Männer dessen Krieger mit Whisky bestochen haben, um an das Gold der Indianer heranzukommen. Zwar gelingt es Hawks, der sich in Red Clouds schöne Tochter verliebt hat, einen Friedensvertrag mit den Indianern auszuhandeln – doch als die goldgierigen weißen Banditen mehrere Stammesmitglieder ermorden, scheint ein Krieg unvermeidlich (Handlung aus „moviepilot.de„).

Kirk Douglas als Treckführer Johnny Hawks ist wieder einmal voll auf Adrenalin, sowohl als Kämpfer für die gute Sache als auch, wenn er eine Frau – beinahe – vergewaltigt. Dass wir ausgerechnet „The Indian Fighter“ / „Zwischen zwei Feuern“ als ersten mit ihm in der Hauptrolle rezensieren, ist ein zeitlicher Zufall (1).

Der Originaltitel ist mehrdeutig: „Indian Fighter“ steht normalerweise für einen Mann, der sich in den Kampfen mit den amerikanischen Ureinwohnern als „Indianerfresser“ hervorgetan hat, hier jedoch für einen Mann der in erster Linie für die Rechte der Native Americans eintritt, aber nicht verhindert oder verhindern kann, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen den Völkern kommt – und dadurch zwischen die beiden Feuer gerät, die der deutsche Titel benennt.

In den 50er Jahren versuchten immer mehr Schauspieler, aus dem Studio-Vertragssystem auszubrechen, ließen sich nur noch für einzelne Filme anheuern – oder gründeten mit dem vielen Geld, das sie als Stars erworben hatten und natürlich auch mit geliehenen Mitteln ihre eigenen Produktionsfirmen. Das tat auch Kirk Douglas, das Unternehmen nannte sich „Bryna“. Zwei Jahre nach „The Indian Fighter“ entstand unter diesem Label – vor allem aber unter der Regie von Stanley Kubrick – der berühmte „Wege zu Ruhm“, der bis heute zu den wenigen echten Antikriegsfilmen zählt.

Oft aber waren die Eigentunternehmungen der Stars nicht von Erfolg gekrönt und hatten kein sehr langes Leben. Vielfach deshalb, weil sie konsequent an den Erfahrungen der großen Studios vorbei Ambitionen der Jungunternehmer ans Publikum bringen wollten. Die Versuche waren meist ehrenhaft, die Resultate oft durchwachsen.

Das trifft leider auch auf „The Indian Fighter“ zu. Schön „on location“ und in Cinemascope gefilmt, ist das Werk holprig inszeniert, psychologisch unstimmig und ein wenig over the top, den guten Johnny Hawks betreffend. Schauspieler, wenn man sie lässt, projezieren eben gerne ihre Eigensicht auf die Leinwand. Keine Frage, Douglas ist, mehr als sein Sohn Michael, der sich im Lauf der Zeit aber auch immer mehr zum Kernigen entwickelt hat und seinem Vater heute verblüffend ähnelt, ein viriler, energiegeladener Typ.

Auf so etwas stehen die Frauen in „The Indian Fighter“. Die weiße Siedlerin aus dem Wagentreck ist hinter ihm her, aber er will nicht. Die junge Native American (Elsa Martinelli [„Hatari“] in ihrer ersten Hollywoodrolle) will erst nicht, er weiß aber, was sie wirklich will. Im Fluss zieht er sie einfach an den Haaren und die beiden liegen umschlungen im rauschenden Bach. Eine für damalige Verhältnisse offensive Szene, das wilde Wasser symbolisiert die Gefühle. Dass seine ersten Annäherungsversuche nicht als versuche Vergewaltigung interpretiert werden, dafür sorgt ein einfacher Trick – er weiß ja, dass sie ihn will, nur sie weiß es noch nicht oder gibt es nicht zu und ziert sich. Schwamm drüber, irgendwie hat es Charme, wie die beiden einander näher kommen. Diesen Part hat Douglas sich gegönnt, denn in anderen Filmen der Zeit steht er meist hinter einem anderen zurück, wenn’s um die Eroberung von Damenherzen geht – hinter Burt Lancaster oder Rock Hudson und wie die anderen, charmanter und weniger maniacmäßig wirkenden Stars hießen. Oder er zieht weiter, wie im oben per Fußnote erwähnten „Mit stahlharter Faust“, der ebenfalls 1955 entstand.

Dass die Native Americans von weißen Schauspielern dargestellt werden, war in den 50ern noch üblich. Erkennbar ist hingegen das Bemühen des liberalen Schauspielers Douglas, einen „indianerfreundlichen“ Film zu machen. Alles, was Schlimmes passiert, sogar der Angriff auf ein Fort mit Brandpfeilen und einem brennenden Siedlerwagen, wird von den Weißen verursacht – die Ureinwohner reagieren nur darauf. Man muss dem Film gutschreiben, dass er nicht sentimental ist, dass beide Seiten eher unkommentiert und ohne den pseudopsychologischen Zuckerguss gezeigt werden, der im Film der 50er immer dickere Schichtstärken erreichte – allerdings auch ohne Feinzeichnung, deswegen kann man sich durchaus die Frage stellen, ob diese Raue und Naturbelassene Absicht war oder der erwähnten, schwachen Inszenierung zu verdanken ist.

Die weißen Schurken, die hinter dem Gold der Ureinwohner her sind und immer wieder für Streit sorgen und deren Kopf ein gewisser Wes Todd ist (Walter Matthau in einer frühen Bösewicht-Rolle), werden rudimentär gezeichnet, das gilt vor allem für den Kumpel von Todd, der mit seiner dummdreisten Art auch für die wenigen komischen Momente des Films sorgt (gespielt von Lon Chaney Jr. – dem Sohn des berühmten Gruselfilmdarstellers der 1920er Jahre).

Wie sich hier Menschen miteinander verhalten, ist, vorsichtig ausgedrückt, undurchschaubar, ihre Motivationen sind kaum nachzuvollziehen. Die Soldaten im Fort sind konfus, die Siedler ebenso, die Schurken haben nicht wirklich einen Plan, wie sie mit Johnny Hawks umgehen sollen, einzig die Sioux werden einigermaßen glaubwürdig dargestellt – in ihren Handlungen zumindest. Das ist zwar wichtig für einen Film, der zwar nicht aus ihrer Perspektive, aber doch mit Sympathie für sie und mit dem Akzent auf deren Sichtweise gedreht ist, ersetzt jedoch nicht die Plausibilität der übrigen Figuren. Abgesehen davon, dass eben auch die Ureinwohner so unterschiedlich rüberkommen, wie man es in einem 88-Minuten-Film besser nicht zeigt, weil zu wenig Spielzeit vorhanden ist, um die Unterschiede auszuarbeiten und so herzuleiten, dass sie schlüssig wirken.

Man darf sich die Frage stellen, ob Douglas mit dem Film der Sache der Ureinwohner einen Dienst erwiesen hat. Die Weißen wirken zu wenig erleuchtet, inkonsequent, inkonsistent, um den sehr konservativen Mainstream-Kinogeher der 50er Jahre zu der Überzeugung zu bringen, dass die Einwanderer mit den „Indianern“ etwas falsch gemacht haben – schlicht deshalb, weil er sich in den Figuren nicht wiederfindet, die hier gezeigt werden. Selbst der Charakter Johnny Hawks leistet es sich, den Treck, den sie führen soll, auf einem Umweg über die Berge fahren zu lassen, um ein Techtelmechtel mit der jungen Squaw koordinieren zu können. Ausgerechnet während dieser Liebeszene, mithin der Abwesenheit der Person, die als einzige erfahren genug ist, um damit umgehen zu könen, entwickeln sich die Ereignisse im Camp der Siedler so dramatisch, dass sein Eingreifen unbedingt erforderlich gewesen wäre. Der Kommandant, dessen kleine Festung die Sache dann ausbaden muss, ist angesichts dieses Verhaltens recht zahm gegenüber Hawks.

Man fragt sich während des Films nie „Wie hättest du dich in dieser oder jener Situation verhalten“, weil man den Charakteren dazu nicht nah genug kommt und ihr Verhalten als zu absurd empfindet, dieser Western ist ja keine Komödie mit den Marx Brothers. Es liegt auch nicht daran, dass „The Indian Fighter“ ein früher Autorenfilm wäre, der mithilfe stilisiert-suboptimalen Verhaltens seiner Figuren auf Distanz setzt, sondern ein plot- und figurenmäßig ganz normaler, traditioneller Hollywood-Streifen.

Neu ist der gewisse körperliche Appeal, den einige Ureinwohner hier haben und die Musik in den ruhigeren Szenen im Umfeld des Sioux-Dorfes und besonders in den Szenen mit der jungen Onahti (Martinelli), die wirkt vergleichsweise modern, schlicht instrumentiert und den Weisen der Natives ein wenig angenähert. Die dramatischen bzw. Actionszenen sind hingegen mit einem damals (und heute wieder) üblichen, orchestrierten Score unterlegt.

Ben Hecht, der unzählige problematische Drehbücher repariert hat und auf diese Weise an vielen bekannten Filmen beteiligt war – oft, ohne dafür im Vorspann genannt zu werden -, hat sich auch hier versucht, aber es ist ihm nicht gelungen, aus der Vorlage etwas komplett Stimmiges zu machen. Wäre da nicht die erkennbare Absicht, Verständnis für die Sicht der Ureinwohner auf die amerikanische Geschichte zu erzeugen, wäre dies einer der schlechtesten Western, die wir bisher gesehen haben – derjenige Film, der innerhalb des Genres die bisher schlechteste Bewertung von uns erhalten wird, ist er trotzdem.

Finale

Ab etwa 1950 und in den folgenden Jahren hat es besser gemachte Filme gegeben, die zunehmend „indianerfreundlich“ waren, bis hin zu den unter der Ägide der Political Correctness entstandenen Neowestern der 1990er und bis heute. Die Besetzung hat einen gewissen Show-Wert, das gilt für Kirk Douglas, wie in jedem seiner Filme, und der doch ein klein wenig auf Native American gestylten Italienerin Elsa Martinelli – und natürlich für Walter Matthau, der in den 50ern mit seinem Aussehen nur den bösen Part geben durfte. Erst im New Hollywood, wo Charakteren mit Charaktergesichtern gefragt waren, konnte er sich zu einem hoch geschätzten Hauptdarsteller mit großer Bandbreite entwickeln.

61/100

© 2021, 2017, 2013 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Aussagen mit zeitlichem Zusammenhang sind bezogen auf die Erstfassung der Rezension, die im Jahr 2013 entstand. Mittlerweile haben wir aus demselben Jahr z. B. „Mit stahlharter Faust“ auf dem Filmfest vorgestellt.

Regie André De Toth
Drehbuch Robert L. Richards,
Frank Davis,
Ben Hecht
Produktion William Schorr
Musik Franz Waxman
Kamera Wilfred M. Cline
Schnitt Richard Cahoon
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s