Unter Strom ++ Mix ++ Entwicklung ++ größte Konzerne ++ EU ++ Erneuerbare ++ Dekarbonisierung | #Frontpage #Energy | #Klima #Umwelt | #BVerfG #ClimateChange #Carbon #Coal #Renewables #btw21 #Bundestagswahl #Dekarbonisierung #Altmaier #Bundesregierung

Frontpage | Umwelt Klima / Wirtschaft Wandel | Stromreport 

Die Klimapolitik schiebt sich wieder mit Macht in den Vordergrund. Zu Recht. Denn die Schäden, wenn die Erderwärmung nicht doch noch auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, werden um ein Vielfaches höher sein als diejenigen, die das Corona-Virus angerichtet hat oder die durch irgendeine Wirtschaftskrise zuvor entstanden sind, wenn dieses Ziel nicht mehr geschafft wird, viele Experten sagen längst, das ist ohnehin utopisch, wir können froh sein, wenn wir die Erwärmung auf 2 oder 2,5 Grad begrenzen können.

Statista hat vor einigen Tagen eine Grafik für die großen Stromkonzerne in Deutschland und ihre Umsätze veröffentlicht, diese machen wir zum Ausgang für unseren ersten Energiereport und sie zeigt für 2020 folgendes Bild:

• Infografik: E.ON steigert Umsatz um 47 Prozent | Statista (Grafik 1)

Der Energiekonzern E.ON ist der umsatzstärkste Stromanbieter in Deutschland. Knapp 61 Milliarden Euro hat das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Essen 2020 erwirtschaftet und konnte somit seinen Umsatz um rund 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Grund für den großen Anstieg ist unter anderem die Übernahme der Geschäfte von Konkurrent Innogy.

Größter Konkurrent auf dem Strommarkt ist Uniper. Das Unternehmen ist im Jahr 2016 durch eine Abspaltung aus E.ON entstanden und mittlerweile mehrheitlich in der Hand des finnischen Energiekonzerns Fortum. Im Jahr 2019 konnte das Unternehmen noch mit einem Umsatz von 65,8 Milliarden Euro aufwarten – 2020 ist dieser jedoch um rund 22 Prozent eingebrochen. Dennoch hat Uniper von allen Stromanbietern den meisten Strom an die Kundin oder den Kunden bringen können. Einen Absatz von rund 553 Terawattstunden hat der Konzern 2020 registriert – deutlich mehr als alle anderen Energiekonzerne.

Interessant, dass Eon trotz viel weniger verkauftem Strom mehr umgesetzt hat als Uniper. Daraus sollte man aber keine voreiligen Schlüsse ziehen. Falls Sie bei einem Stromanbieter sind, der ziemlich groß wirkt und nicht oben gelistet, denken Sie bitte daran, dass einige weitere Anbieter zu diesen Konzernen gehören. Der Braunkohleanteil am deutschen Strommix ist immer noch sehr hoch, wobei die Daten der Grafik sich auf das Jahr 2017 beziehen:

Die Bundesregierung setzt ab heute eine Kommission ein [06.06.2018, Zeitpunkt der Erstellung der Braunkohleanteil-Grafik], die den Ausstieg Deutschlands aus der Stromgewinnung durch Braunkohle planen und ein Enddatum festsetzen soll. (…) Die Grünen wollen bis spätestens 2030 das letzte Kraftwerk abgeschaltet haben. Vertreter der Braunkohlebranche wollen den Ausstieg bis weit nach 2050 verzögern.

Die Politik spielt bei der Verzögerung eine entscheidende Rolle:

Im Dezember 2020 erschienen mehrere Artikel, unter anderem auch vom RedaktionsNetzwerk Deutschland, nach denen [Bundeswirtschaftminister] Altmaier ein Gutachten zum Braunkohleabbau, das ihm schon seit November 2019 vorlag, zurückgehalten hatte, um damit [gemeint ist: mit dem Zurückhalten des Gutachtens] die Interessen von RWE zu vertreten. Demnach wurden fünf Dörfer im Rheinland ohne Notwendigkeit geräumt (1).

Erinnern Sie sich an die vergangene Woche, als Peter Altmaier sich auf Twitter erfreut zeigte, dass das Bundesverfassungsgericht endlich seiner eigenen Energiewandel-Verhinderungspolitik eine Absage erteilte? Und wie Altmaier gleichzeitig dafür verantwortlich ist, dass die Windenergiewirtschaft die nächste Failed Industry in Deutschland nach der Solarstromerzeugung werden dürfte, wenn man den aktuellen Energieminister weitermachen lässt wie bisher.

Auch ein Energiereport ist politisch: Es muss unbedingt verhindert werden, dass solche Verantwortliche weitermachen wie bisher, denn sie zerstören unsere Zukunft und vor allem diejenige der nachfolgenden. Peter Altmaier und die vielen anderen lobbylastigen Unionspolitiker müssen bei der Bundestagswahl 2021 abgewählt werden.

Wie schmutzig ist nun die Kohleverstromung? Es sind erhebliche CO²-Mengen, die jährlich in die Luft geblasen werden. Ohnehin kommt der Energiewirtschaft eine Schlüsselrolle zu, denn sie emittiert 50 Prozent des CO² in Deutschland, doppelt so viel wie der gesamte Verkehrssektor.

„Ich stamme, wie die vielen Menschen aus dem Ruhrgebiet, aus einer Gegend in Deutschland, in welcher der Steinkohleabbau überragende Bedeutung hatte. Fast jeder hatte Bergleute in der Familie oder im Bekanntenkreis. Im Jahr 1962 kam es bei uns zum größten Unglück in einem deutschen Bergwerk nachdem Zweiten Weltkrieg. 299 Kumpel ließen dabei ihr Leben.“ (TH)

Der Steinkohlebergbau wurde mittlerweile eingestellt und der Strukturwandel ist anhaltend schwierig, zumal die Stahlindustrie in denselben Regionen einen Schwerpunkt hat und ebenfalls viel weniger Arbeitsplätze anbietet als vor Jahrzehnten.

Aber es führt nichts daran vorbei: Wir müssen uns entscheiden für eine umweltgerechte Energiewirtschaft und auch damit lässt sich die Zukunft gewinnen. Auch Arbeitsplätze werden damit sicherer und sauberer, nicht nur die Luft.

Der Energiesektor ist für den Großteil der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Bei der Energiegewinnung aus Steinkohle und Braunkohle wird viel klimaschädliches CO2 freigesetzt. Wie die Statista-Grafik zeigt, ist allein das Braunkohlekraftwerk Neurath für 32,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2018 verantwortlich – das ist fast so viel wie der gesamte polnische Energiekonzern PGE im selben Jahr verursachte.

Ein Schlaglicht auf die Geschehnisse am Energiemarkt im Jahr 2020 wirft diese Grafik. Sie belegt gleichzeitig, warum eine stark verkürzte zeitliche Sicht falsche Rückschlüsse nach sich ziehen kann:

Dieser Rückgang von fast 20 Prozent beim Kohleverbrauch innerhalb nur eines Jahres klingt fantastisch, ebenso wie die Steigerung von Wind- und Solarenergie um mehr als 10 Prozent. Die 90 Terawattstunden, die bei der Kohle EU-weit eingespart wurden, entsprechen fast dem gesamten deutschen Braunkohleverbrauch. Aber bei dieser starken Veränderung hat auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt, ebenso, wie die Wirtschaftskrise von 2009 einen Rückgang beim Einsatz von Braunkohle in Deutschland ausgelöst hatte (siehe Grafik 2):

Insgesamt wurde 2020 weniger Strom als im Vorjahr verbraucht. Die Nachfrage war laut Studie um 105 Terawattstunden geringer als zuvor – das entspricht einer Verringerung von fast vier Prozent.

2019 aber lag der Stromverbrauch in der EU höher als 1990, und das trotz all der Stromsparmaßnahmen in privaten Haushalten, die seitdem aufgrund modernerer Licht- und Elektrogerätetechnik vollzogen wurden. Es wird zu ergründen sein, ob nicht auch in diesem Bereich die Fortschritte durch leistungsstärkere andere Geräte, die 1990 noch nicht so weit verbreitet waren oder auf anderer Technik basierten, aufgezehrt wurden. Große Flachbildfernseher ab 60 Zoll, wie sie immer mehr Verbreitung finden, verbrauchen z. B. mehr Strom als frühere Röhrengeräte. Beim gesamten Energieverbrauch der EU gab es in den letzten Jahren sehr wohl Fortschritte: Allerdings in erkennbarem Umfang erst nach der Finanzkrise von 2009.

Grafik: Eurostat (Grafik 5)

Der Rückgang sollte sich in den letzten Jahren abgeschwächt und während der Corona-Pandemie verstärkt fortgesetzt haben. Die Primärproduktion belief sich im Jahr 2019 auf 1.736 Mio. Tonnen RÖE. Man sieht eine Verschiebung zugunsten nichtfossiler Energieträger, sie haben jedoch immer noch einen Anteil von ca. 70 Prozent an der Energieerzeugung.

Zurück zur Stromerzeugung: Wer sind aktuell die besten in der EU gemäß Anteil an erneuerbaren Energien?

• Infografik: Österreich führend bei erneuerbarer Energie | Statista (Grafik 6)

Österreich kommt auf fast 80 Prozent, Dänemark ebenfalls. Das klingt super, aber in Österreich hatte immer schon die Wasserkraft einen sehr hohen Anteil an der Energieversorgung und Österreich muss nicht, wie Deutschland, die bisherigen Kernkraftanteile ausgleichen. Dänemark wird einen großen Offshore-Windpark bzw. eine Windpark-Insel bauen, das größte Projekt dieser Art in Europa, das vermutlich auch dem Stromexport dienen wird. Wie die Kernkraft den Einsatz der Erneuerbaren bremst, sieht man am besten am Beispiel Frankreichs. Trotzdem hat Frankreich eine vergleichsweise gute CO²-Bilanz, weil es nur wenig fossile Energieträger einsetzt. „2023 soll in Flamanville der nächste Atommeiler ans Netz gehen„, heißt es im Begleittext von Statista.

Langfristig wird sich der Atomausstieg Deutschlands lohnen, aber aktuell ist die CO²-Bilanz kaum auf französisches Niveau herunterzubringen. Deswegen sieht Deutschland zwangsläufig schlecht aus, trotz etwas mehr als 40 Prozent Erneuerbaren im Jahr 2020. Es liegt damit trotzdem oberhalb des EU-Durchschnitts und die gestellte Aufgabe ist, die saubere Energie rasch weiter auszubauen. Wir erinnern uns: Im Jahr 2020 ergab sich eine Verschiebung zugunsten der Erneuerbaren auch aufgrund der besonderen Bedingungen der Corona-Krise, daher könnte der Anteil an Erneuerbaren nach dem Ende der dadurch ausgelösten Rückgangs der Energienachfrage seitens der Industrie zunächst wieder sinken.

Erst vor wenigen Tagen hat das Bundesverfassungsgericht klargemacht, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu wenig ambitioniert sind. Infolgedessen haben wir uns entschlossen, unseren ersten Energiereport zu verfassen. Wir werden also in den nächsten Jahren einen verstärkten Wandel beim Energiemix sehen. Diesen voranzutreiben und gleichzeitig sozial abzufedern, ist die Gemeinschaftsaufgabe, der wir uns nun zu stellen haben. Die Politik muss dazu aber die Rahmenbedingungen schaffen, denn Freiwilligkeit ist bei vielen Industrien keine Option. Ebenso muss der Lobbyeinfluss begrenzt werden, den wir oben anhand eines Beispiels kurz angerissen haben.

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke / Grafiken und Begleittexte dazu gemeinfrei gemäß Abbildungen. (1)

(1) Wikipedia zu Peter Altmaier
Kursiv: Begleittexte zu den Statista-Grafiken, erstellt von Statista

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s