„Der ‚Tagesspiegel‘ steht vor den rauchenden Trümmern seiner #allesdichtmachen-Berichterstattung“ (Meedia) | #Timeline #DieseeG #Gesellschaft #Mietenwahnsinn | #Corona #Covid19 #Schwurbler #Antischwurbler #Verschwörung #Stadtpolitik #Stasi

Timeline 14.05.2021 | Gesellschaft | Berliner Tagesspiegel und "allesdichtmachen"

Um es von Beginn an klarzustellen: Wir sind keine Fans der Aktion „allesdichtmachen“. Die Statements waren teilweise naiv, teilweise überheblich und die Reaktion des dieses Mal nicht so geneigten Publikums entsprach nicht selten dem Niveau der Aussagen in „allesdichtmachen“. Insofern war es auch das Recht der Medien, diese Aktion angemessen zu kritisieren.

Wir möchten auf etwas anderes hinaus.

Das hat nach Ansicht von „Meedia“, einer Publikation, die sich nur mit der Medienlandschaft in Deutschland befasst, der Berliner Tagesspiegel aber nicht getan.

Der „Tagesspiegel“ steht vor den rauchenden Trümmern seiner #allesdichtmachen-Berichterstattung | MEEDIA

In der Meedia-Kolumne „Winterbauers Woche“ heißt es dazu:

Die Zeitung raunte in einem Bericht von einem „antidemokratischen Netzwerk“, das da im Hintergrund am Werk sei. U.a. spekulierte der Artikel im Duktus einer schwer investigativen Enthüllungsgeschichte, dass der Berliner Arzt und Publizist Paul Brandenburg, der Anti-Corona-Maßnahmen sehr kritisch sieht, einer der Hintermänner bei #allesdichtmachen gewesen sei. Blöderweise hatte niemand vom „Tagesspiegel“ bei Brandenburg angerufen und ihn gefragt. Der wies die Behauptungen zurück.

Pflichtgemäß und auch einigermaßen beeindruckt weist der Autor darauf hin, dass der Tagesspiegel sich entschuldigt und dafür sogar ein eigenes Format lanciert hat. Das belege immerhin den Pluralismus innerhalb der Publikation.

Keine Frage, viele junge, engagierte Redakteur*innen schreiben mehr an den Bedürfnissen der Zivilgesellschaft entlang als etwa die Springer-Presse, aber strukturell sehe ich es aus meinen Berliner Erfahrungen eher so: Die dürfen sich ein wenig austoben, besonders die Bezirksredakteur*innen, aber nach oben wird es konservativer und neoliberaler. Was pluralistisch aussieht, ist eher eine Pyramide, in der die Etablierten die Positionen der Etablierten einnehmen. Und diese bestimmen, vor allem in Person des Chefredakteurs Lorenz Maroldt, was letztlich an Pluralismus möglich ist. Wozu kann das aber führen?

Mich hat der Vorgang „allesdichtmachen“ und seine Bearbeitung durch den Tagesspiegel an etwas erinnert, das mir wesentlich mehr am Herzen liegt als das, was ein paar Promis über Corona gesagt haben: Die Wohnungspolitik in Berlin.

Im Rahmen der vom Tagesspiegel im Kampfmodus geführten Berichterstattung gegen die Wohnungsgenossenschaft „DieseeG“ im Jahr 2019 hat der damit besonders befasste und besonders leidenschaftlich gegen die Selbstermächtigung von Mieter*innen schreibende Redakteur der Genossenschaft u. a. einen Stasi-Hintergrund unterstellt, den der Leser als fortwirkend interpretieren sollte. Eine nicht haltbare Position, angesichts der aktuellen Akteur*innen dort, die aber das konservative und neoliberale Publikum gut aktivieren kann. Für mich hatte dieser Feldzug des Tagesspiegels eine persönliche Note und wir beim Wahlberliner zählten zu denjenigen, die sich diesem Spin entgegengestemmt haben. Aus Gründen der Ethik und der Gerechtigkeit, nicht, weil wir etwas davon gehabt hätten.

Der betreffende Redakteur ist nicht mehr beim Tagesspiegel. Raten Sie mal, wo er nun tätig ist oder lesen Sie einfach weiter: bei der BILD-Zeitung. Damit ist die Sache aber nicht erledigt, zumal der Tagesspiegel nie einen Zusammenhang zwischen dem Abgang dieses Journalisten und seiner radikal gegen Mieter*innen eingestellten Berichterstattung zum Berliner Mietenwahnsinn hergestellt hat.

Vor allem gab es auch keinerlei Entschuldigung seitens des Tagesspiegels, der versucht hatte, ein Modell der zivilgesellschaftlichen Partizipation durch medialen Druck zu zerstören, das einige wacklige Momente zu überstehen hatte, über die man auch berichten durfte und die man so weitreichend wie möglich ausgeschlachtet hat. Ob man das so tun muss, ist eine andere Frage, es wirkte jedenfalls überengagiert und m. E. in dieser Form mit dem Ziel geschrieben, das Vertrauen der wirtschaftlichen Partner dieser Genossenschaft in sie zu beschädigen. Das ist Journalismus gegen die Zivilgesellschaft, dazu kann man stehen, wie man will, was aber nicht korrekt war: Einem urdemokratischen Modell quasi eine antidemokratische bzw. eine SED-Genese unterzujubeln, um es auf einer weiteren Ebene diskreditieren zu können.

Eine tatsächliche Verbindung zur Stasi im Häuserkampf von Berlin ist dem Tagesspiegel hingegen entgangen. Ich habe mich über eine stasinahe Person in diesem Zusammenhang, auch wegen ihres arroganten Auftritts, ziemlich geärgert, aber wir haben uns zurückgehalten, weil ich kein Interesse daran hatte, dem Bezirk, der mit jener speziellen Häuserangelegenheit befasst war, Schwierigkeiten zu machen (sofern wir das als Kleinmedium gekonnt hätten), für uns zählten die Idee und das Ergebnis für Menschen, die in dieser Stadt leben, 30 Jahre nach dem Ende der DDR.

Gerade Mittelmainstream-Medien, die sonst immer tun, als sei jede Kritik an den herrschenden Verhältnissen das Herausbilden einer Verschwörungstheorie, sind sich nicht zu schade, Verschwörungen zu konstruieren, wenn es der Story nützt, die sie gerne verkaufen möchten oder Menschen schaden soll, die man nicht mit gebührendem journalistischem Abstand behandeln möchte, sondern die man als Gegner ansieht, gegen die man seine Medienmacht ausspielen kann.

Warum hat der Tagesspiegel sich für den Vorgang „DieseeG“ nie entschuldigt? Ich denke, weil es nicht um Promis mit bundesweitem Bekanntheitsgrad ging, sondern um einen Vorgang, der „nur“ in Berlin von Bedeutung war und dort nur für Menschen, die sich auf allen Seiten aktiv in Sachen Wohnungspolitik einbringen. Der Tagesspiegel hat es nicht geschafft, jene Genossenschaft niederzuschreiben, auch, weil Akteure in der Politik nebst vielen Initiativen sich hinter sie gestellt hatten, aber der Vorgang ist bei vielen von uns, die sich für eine soziale Wohnungspolitik einsetzen, unvergessen.

Dieser Link steht stellvertrend für unserer Berichterstattung über „DieseeG “ mit Bezug zum Tagesspiegel. Wenn Sie unsere Suche mit dem Begriff „DIESEeG“ verwenden, werden sie eine zweistellige Zahl von Artikeln zum Vorgang finden.

Den Checkpoint beziehe ich weiterhin, er wird aber nicht immer, anders als der betreffende Wikipedia-Eintrag suggeriert, vom Chef selbst verfasst.

TH

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