Cowboy (USA 1958) #Filmfest 473

Crimetime 473 Cinema

Cowboy ist ein US-amerikanischer Western von Regisseur Delmer Daves aus dem Jahre 1958 mit Glenn Ford und Jack Lemmon in den Hauptrollen. Der Film basiert auf dem autobiografischen Buch Scenes from the life of a cowboy von Frank Harris. Seine Premiere feierte der Film am 7. Januar 1958 in Oklahoma City. In die deutschen Kinos kam der Streifen am 18. Juni 1958.

Regisseur Delmer Daves hat einige sehr bekannte Filme inszeniert, wie „Dark Passage“ (1947) mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall, „Broken Arrow“, den Western, der als ein Wendepunkt in der Darstellung der Native Americans im Film gilt, das Original von „3:10 to Yuma“ (1957), mit Glenn Ford in der Hauptrolle und manches mehr, was es heute als verwunderlich erscheinen lässt, dass Daves nie auch nur für einen Regie-Oscar nominiert war. Nur einmal wurde er von der DGA, der Director’s Guild of America, für deren Award nominiert – für „Cowboy“ aus dem Jahr 1958, in dem Glenn Ford und Jack Lemmon die Hauptrollen spielen. Spiegelt sich diese immerhin erkennbare Bereitschaft, Daves zu ehren, in dem Film? Wir klären das im Verlauf der -> Rezension.

Handlung

Der in Chicago arbeitende Hotelangestellte Frank Harris träumt vom wagemutigen Leben als Cowboy. Als der reiche Großgrundbesitzer Vidal in dem Hotel absteigt, verliebt sich Harris, gegen den Willen ihres Vaters in dessen Tochter Maria. Bevor Vidal mit Maria das Hotel verlässt, verkauft er eine Rinderherde an den Viehtreiber Tom Reece, der mit seinen Leuten ebenfalls im Hotel abgestiegenen ist. Nachdem Reece sein Geld für den Erwerb der Herde beim Pokerspiel verloren hat, wittert Harris seine Chance. Im Gegenzug für seine Ersparnisse bietet er Reece eine Partnerschaft an und hofft somit nicht nur auf Erfahrung als Cowboy, sondern auch Maria wiederzusehen.

Reece und seine Männer begeben sich widerwillig und ohne ihre Abneigung gegen das Greenhorn zu verstecken auf den Weg nach Mexiko. Während der Reise muss, Harris feststellen, dass das Leben als Cowboy deutlich härter als in seinen romantischen Vorstellungen ist. Da Harris trotzdem nicht aufgibt, fängt Reece an ihm gegenüber Respekt aufzubauen.

Als die Männer Vidals Ranch erreichen muss Harris erfahren das Maria in der Zwischenzeit Don Arriega geheiratet hat. Als Arriega von der Schwärmerei des Greenhorns für seine Frau erfährt, fordert er Harris am Vorabend der Abreise zu einer Mutprobe an einem Stier heraus. Durch Reece Eingreifen wird Harris zwar bloßgestellt, bleibt aber unverletzt. Auf dem Treck zurück nach Chicago wird Harris mit jeder zurückgelegten Meile mürrischer. Bei einem Angriff der Comanchen verlieren die Cowboys einen Teil der Rinder und Reece wird angeschossen. Der unerfahrene Harris übernimmt daraufhin die Leitung vom Treck und treibt die Männer rücksichtslos an.

Als Harris bei der Verladung der Rinder einen Fehler begeht und in dem überfüllten Viehwagen fast niedergetrampelt wird, rettet Reece ihm erneut das Leben. Nun erkennt Harris die wahre Freundschaft, die Feier über den erfolgreichen Abschluss wird in Harris ehemaligem Hotel abgehalten.

Rezension

Der Film ist in der Tat ansehnlich, vor allem tritt Jack Lemmon aus dem Schatten von Glenn Ford und beweist, dass er nicht nur Komödie kann, obwohl er vor allem in Komödien auftrat, so in Billy Wilders Meisterwerken „Some Like it Hot“ im Folgejahr und wieder ein Jahr später in „Das Appartement“, der für uns zum engeren Kreis der besten Filme zählt.

Ein bisschen erinnert die Ausgangssituation an Buster Keaton: Nur, wer sich draußen bewährt, hat eine Chance auf das Mädchen („Der General“). Es gibt sicher bessere Vergleichsbeispiele, aber die fallen uns gerade nicht ein. Dummerweise wird das Mädchen aber inzwischen vom Vater verheiratet und das Widersehen fällt nicht sehr erfreulich aus, nachdem der Rezeptionschef doch schon überwiegend zum Cowboy, aber auch zum Geschäftspartner des Treckführers geworden ist. In der Darstellung ist übrigens ein Fehler enthalten. Wenn Glenn Ford behauptet, das Meiste von dem Geld zurückgewonnen zu haben, das er zuvor am Spieltisch verloren hat (es geht um 48.000 Dollar), wieso ist Lemmon dann noch hälftig sein Partner, wenn er nur 3.800 Dollar zugeschossen hat? Die Auflösung könnte aber so aussehen: Es waren die 3.800 Dollar, die Ford im Spiel gehalten haben, ansonsten hätte er einen Totalverlust verbucht. Somit hat sich Lemmon mit der nachgeschossenen Summe das verdient, was sich Ford in einer folgenden Glücks- oder Geschicklichkeitssträhne erspielt hat. Eigentlich sogar alles, aber wir wollen den Anteil von Ford, nämlich, dass er die Ruhe bewahrt und zurückgepokert hat, nicht unterschätzen.

Psychologisch ist der Film recht stimmig, die beiden Kontrahenten, die zu Freunden werden, wirken authentisch und kongruent, auch der Wandel von Lemmon von einem geschniegelten Bürschlein hin zum harten Hund nach enttäuschter Liebe und am Ende zu jemandem, der mit sich und der Welt im Reinen ist, kann überzeugen. Glenn Ford hat etwas weniger zu tun, weil sein Typ sich nicht so stark wandelt. Oder? Es ist interessant, zu sehen, wie die beiden sich sozusagen in der Charakterentwicklung kreuzen: In dem Moment, in dem Ford bemerkt, dass er Harris zu einem Ebenbild von sich selbst erzogen zu haben glaubt, wird er seinerseits weicher und fähig, um einen Cowboy, der den Trail mitgemacht hat, zu trauern, nachdem dieser sich selbst erhängt hat. Eigentlich ist er die tragische Figur des Films, der Shootist, der immer wieder herausgefordert wird und dadurch nie zur Ruhe findet, obwohl er sich unauffällig in einen Trail eingliedert und niemals unüberlegt handelt. Dieser Part ist auch eine Reminiszenz an Rollen, die Glenn Ford bereits selbst gespielt hat („The Fastest Gun Alive“, 1956). Er galt in der Realität als der Schauspieler in Hollywood, die am schnellsten eine Waffe aus dem Holster ziehen konnten.

So, wie der Idealismus von Harris anfangs etwas blasiert wirkt, ist er später als Anführer des Viehtriebs zu sehr auf der anderen Seite, dem Zynismus, angekommen. Es ist eine Initiationsgeschichte, die in „Cowboy“ vorgeführt wird, erst am Ende stellt sich eine ausgeglichene Selbstsicherheit bei Harris ein. Immerhin hat er das auf nur einem einzigen Trail geschafft, so würden sich die meisten Menschen im realen Leben wohl gerne verbessern. In Filmen wie „City Slickers“ wird diese Idee, vom verweichlichten Stadtmenschen zum rauen Westerner zu werden, dann auch schön komödiantisch aufbereitet, während „Cowboy“ bemerkenswert humorfrei an sein Thema herangeht, das für Slapstick und witzige Dialoge allerlei Möglichkeiten bieten würde. Wir meinen aber, es ist ein Verdienst, dass man nicht der Versuchung erlag, das Werden des Harris ein wenig ironisch zu kommentieren, weil es so stilisiert wirkt, in seiner Verkürzung. Der Western ist nun einmal das Genre, in dem das Exemplarische an menschlichen Verhaltensweisen in eine karge Landschaft gestellt wird und in eine Zeit, in der nicht alle möglichen Regulierungen das Zusammenleben bestimmt haben. Damit war es möglich, das Essenzielle gut herauszuarbeiten, das Gute und das Böse, nicht zu vergessen die Bewährung in Gefahr, die auch in diesem Film eine Rolle spielt: Auf dem Rückweg findet der Angriff der „Indianer“ doch noch statt und es kommt zu einer dem Genre gemäßen großen Schießerei. An diesem Massaker an den „Rothäuten“ ist wiederum Harris schuld. Anstatt den Teil der Herde, der sich verlaufen hat, preiszugeben, wie Reece es tun wollte, will er sie alle einfangen und stört dadurch die Pläne der Native Americans, sich der Streuner zu bemächtigen, erweist sich dann als sehr guter Schütze, überschätzt sich aber noch einmal, als er glaubt, er hätte die Situation im Alleingang für sich entscheiden können. Bei diesem Kampf wird Reece verwundet und muss Harris als seinem Geschäftspartner das Kommando über die raue Männerschar überlassen, in der immer wieder auch Konflikte aufbrechen.

Finale

Dieses Szenario ist recht gut ausgedacht und der Film profitiert davon, dass er nur knapp über 90 Minuten lang ist. Die Dramaturgie passt, es wird nicht langweilig und die Darstellerleistungen sind ansehnlich. Trotzdem erhält „Cowboy“ von den Nutzer*innen der IMDb nur 6,7/10. Wir haben aus Zeitgründen nicht nachgeforscht, was an dem Film kritisch gesehen wird, aber wir gehen etwas höher.

74/100

© 2021 (Entwurf 2020) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv: Wikipedia

Regie Delmer Daves
Drehbuch Edmund H. North
Produktion Julian Blaustein
Musik George Duning
Kamera Charles Lawton junior
Schnitt Al Clark, William A. Lyon
Besetzung

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