„Wenn man jeden, der bei uns irgendwas nicht sehr Kluges sagt, aus der Partei ausschließen würde – oje.“ | #Frontpage #Quiz #BTW21 | #Parteien #Politik

„Wenn man jeden, der bei uns irgendwas nicht sehr Kluges sagt, aus der Partei ausschließen würde – oje.“

Die naheliegende Interpretation: Es sind nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, die sich bei uns als Mitglieder registrieren lassen. Da ist etwas dran, worauf u. a. dieser IQ-Durchschnitt nach Parteianhängershaft oder -präferenz (nicht Mitgliedschaft) hinweist. Denn es handelt sich um eine Aussage, die sich auf die AfD bezieht. Sie stammt von jemandem, der es wissen muss, nämlich von Alexander Gauland, dem Ehrenvorsitzenden der AfD und stellvertretenden Vorsitzenden von deren Bundestagsfraktion.

Für einen satirischen Tweet könnte man die obige Interpretation nutzen, denn sie zu widerlegen, dürfte schwierig werden. Was man ebenfalls in dem Satz von Gauland entdecken kann, wird im heutigen RND-Newsletter (unterhalb des Merkel-DFB-Textes) erklärt. Es geht nach Ansicht des RND um innerparteiliche Machtkämpfe und um eine sowohl nach außen wie nach innen gerichtete Empfehlung, wie man mit von AfD-Politiker*innen geäußertem rechtsextremem Gedankengut umgehen sollte.

Am 26. September ist es so weit. Der 20. Deutsche Bundestag wird gewählt. Die Idee zu dem Quiz entstand im Zusammenhang mit der zunehmenden Konzentration unserer Berichterstattung auf die Wahl. Freilich sind viele Sprüche von Politiker*innen das, was man in etwa von ihnen erwarten darf, aber es gibt immer wieder interessante Aussagen, die bestimmte Hintergründe haben und einige von ihnen machen Karriere als Memes, als Aufreger, werden zu allen möglichen guten oder finsteren Zwecken ge- oder missbraucht, werden aus dem Zusammenhang gerissen etc. Über Letzteres regen sich die Komplettbücherleser gerne auf, vor allem dann, wenn sie an Werke schon vor dem Normalleser*innen herankommen, was ein bisschen klassistisch wirkt. Mal sehen, ob dieser Insider-Satz dort ankommt, wohin er gezielt ist.

So, wie sich jene, die sich als Anhänger der kompletten Interpretation einer Person verstehen, ist die Medienrezeption aber bei politischen Aussagen nicht, dass man von jedem, dem eine solche Aussage präsentiert wird, verlangen darf, dass er sich erst, und das möglichst wohlwollend, durch ebenjenen Zusammenhang kämpft. Um die Logik der Aufmerksamkeitsökonomie zu verstehen, sollte man die hohe Geschwindigkeit der Verbreitung von knackigen, kurzen Statements und der Zustimmung und Gegenrede in den sozialen Netzwerken, besonders bei Twitter, im Blick haben.

Kleiner Tipp für Anfänger, den Profis im Politikgeschäft eigentlich nicht brauchen sollten: Manches kann man auch mal weglassen, weil klar ist, dass genau das passieren wird, nämlich die Isolierung einer Aussage aus dem Kontext. Aber es gibt eben Menschen, sogar Politiker*innen, die zu Spitzen neigen oder / und noch Rechnungen offen haben. Die Konsequenzen von provozierenden Sätzen müssen Personen, die (meist sehr gerne) in der Öffentlichkeit stehen und denen klar sein muss, dass es ein Echo auf ihre kernigen oder auch ungeschickten Formulierungen geben wird, tragen. Ganz im Sinne der Meinungsfreiheit und natürlich im Rahmen von deren Spielregeln.

Das Gauland-Zitat ist ein Solitär, der sich ohne Drumherum erfassen lässt und ich denke, dass die Erklärung des RND eine zumindest sinnvolle darstellt. Eine Bitte in diesem Zusammenhang an alle, die Zitate auf diese Weise aufgreifen: Bitte dazuschreiben, wann und bei welcher Gelegenheit es gesagt wurde, das erleichtert die Interpretation, sofern man nicht ausschließlich auf die „werkimmanente“ Variante setzt. Dies hat das RND aber nicht getan, sondern sich auf einen aktuellen Vorgang in der AfD bezogen.

TH

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