(Eine total, total verrückte Welt) It’s a Mad Mad Mad Mad World, USA 1963) #Filmfest 483

Filmfest 483 Cinema

2021-05-24 FF 0483 Eine total, total verrückte Welt It's a mad, mad, mad, mad World USA 1962

2021-02-06 Filmfest Cinema 2021Eine total, total verrückte Welt ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Stanley Kramer aus dem Jahre 1963 mit Spencer Tracy in einer Hauptrolle. Auffällig viele Stars bekleiden selbst kleine Nebenrollen im Film, des Weiteren finden diverse Cameo-Auftritte statt.

In der Wikipedia heißt es auch, die deutsche Fernsehfassung sei 154 Minuten lang, nun gebe es aber die 197-minütige restaurierte Langfassung. Der Film ist so turbulent, dass ich mir vorstellen könnte, auch 197 Minuten würden ihn noch nicht länglich wirken lassen. Wirklich? Manchmal bordet es ein wenig über, soweit ich mich erinnern kann. Aber vielleicht wäre ja gerade eine Entzerrung durch die Verlängerung genau das Richtige, um aus einer ambitionierten Komödie, wenn man das so nennen kann, auch eine sehr gut getimte zu machen. Denn die Fassung die ich kenne, hat überhaupt keinen Rhythmus, sondern besteht nur aus der Aneinanderreihung von Gags, befördert durch die sehr vielen Beteiligten, die nach dem Schatz jagen. Kleiner Tipp Das große „W“!

Einst wurde dieser Film immer an Silvester ausgestrahlt, wenn man ganz optimistisch ins neue Jahr startete. Jetzt haben sie ihn schon auffällig lange nicht mehr gezeigt, vermutlich, weil niemand mehr optimistisch ins neue Jahr startet. Als der Film herauskam, war noch klar, dass jedes Jahr für jeden Menschen vielleicht den persönlichen Schatz bereithält. Der Film ist in der Wikipedia und in der IMDb als Produktionsjahr 1963 ausgewiesen, aber auch dies passt gerade noch: Um die sprühende gute Laune der frühen 1960er zu verkörpern. Kubakrise hin oder her; ansonsten war es eine sehr fröhliche Zeit, die in den USA schon zuvor abzusehen war, aber durch John F. Kennedy als Präsident ab 1961 noch einmal eine Personifizierung erhielt, die nicht allen so gefiel, wie es nachträglich gerne dargestellt wurde. Soweit ich mich erinnere, gibt es in „Eine total, total verrückte Welt“ noch keinen einzigen Anflug von Diversität, und gerade in einem solchen Film wäre das doch ungefährlich gewesen, oder?

Na ja, vielleicht ist es genau umgekehrt. Ich bin trotzdem ein Fan des Duos im roten Käfer Cabrio, also von Mickey Rooney, und wer ist noch mit ihm gefahren? Der Grundplot ist genial, das kann man nicht anders sagen, und hat mich bereits dazu inspiriert, einen Film noir zu schreiben, der ähnlich funktioniert. Aber vermutlich kommt es auc daher: Ich war verblüfft, kürzlich einen tatsächlich Film noir zu sehen bzw. schon mal anzureißen, den ganzen Film werde ich mir noch zwecks Rezension reinziehen, in dem ein Ehepaar eine Tasche voller Geld ins offene Auto geschmissen kriegt. Dem Mann ist der Segen nicht geheuer, die Frau will ihn behalten, aber freilich war das Ganze eine Verwechslung und die Mafia ist nun hinter dem Geld her und denen, die es auf einer staubigen Landstraße abgestaubt haben. Ich glaube, bei „Mad World“ gibt es den Part nicht, dass die Unterwelt mitmischt, wohl aber setzt sich ein gewiefter Polizist auf die Spur der zufällig von dem sterbenden Smiler Crogan informierten Menschen und zockt sie ab. Das war nochmal eine wunderbare Rolle für Spencer Tracy, der ernste Typen ebenso spielen konnte, wie er in Komödien eine gute Figur machte. Falls der Film nicht doch bald mal vorgeführt wird, werde ich ihn mir ausleihen. Wenigstens noch einmal die verrückte, weite Welt sehen, bevor alle gegen Covid19 Geimpften eingehen wie die Primeln, wenn die Primelblütezeit vorbei ist. 

So richtig begeistert hat mich der Film seinerzeit übrigens nicht, 6 Punkte sind damals eine mittlere Bewertung gewesen. Vielleicht war’s mir wirklich zu viel aneinandergereihter Slapstick. Es hat auch einen Grund, warum Komödien selten epische Länge haben. Das widerspricht ein wenig dem, was ich oben geschrieben habe, könnte man meinen, aber es geht ja immer auch um eine Hoffnung, selbst in diesen Zeiten. Nämlich um die Hoffnung auf die große Ausnahme, welche die Regel bricht. Ich habe gerade mal nachgesehen: Einige Kritiker bemängeln neben der Überlänge des Films auch den moralisierenden Zeigefinger von Regisseur Stanley Kramer. Ich habe nicht mehr in Erinnerung, ob der mir auch aufgefallen war, aber eine Assoziation hatte ich sofort, als ich zur vorliegenden Veröffentlichung ansetzte: Stanley Kramer ist kein Komödienregisseur. Der letzte Film von ihm, den wir vor „It’s A Mad, Mad, Mad, Mad World“ rezensiert haben, ist „Flucht in Ketten“ gewesen, der in der Tat und zu Recht sehr moralisch ist, wie es einem Gefangenendrama oder Fluchtdrama zukommt, das damals gleichermaßen innovativ und brisant war. Danach hatte Kramer den Endzeitfilm „On the Beach“ gedreht und dann den berühmten „Das Urteil von Nürnberg“ (1961). Keine perfekte Vorbereitung auf eine Komödie, die so burlesk ist wie „Mad World“. Whatever, die IMDb weist ihn sogar mit einer Laufzeit von 3 Stunden 30 Minuten aus und die Nutzer*innen geben durchschnittlich 7,5/10, also satte 1,5 Punkte mehr als ich im Jahr 1989. Also, mir fällt keine weitere Filmkomödie mit (im Original) 210 Minuten Spielzeit ein. Ihnen?

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Stanley Kramer
Drehbuch William Rose
Tania Rose
Produktion Stanley Kramer
Musik Ernest Gold
Kamera Ernest Laszlo
Schnitt Gene Fowler Jr.
Robert C. Jones
Frederic Knudtson
Besetzung

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