Unternehmen Petticoat (Operation Petticoat, USA 1959) #Filmfest 485 #DGR

Filmfest 485 Cinema – Die große Rezension

 Seeschwein oder der rosa Elefant im Raum, das ist die Frage

Unternehmen Petticoat ist eine Filmkomödie von Blake Edwards mit Cary Grant als U-Boot-Kommandant Sherman und Tony Curtis als Versorgungsoffizier Holden in den Hauptrollen.

Die Handlung in einem Satz: Die „Sea Tiger“ wird während der ersten Tage nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg von japanischen Jagdbombern an seinem Liegeplatz angegriffen und versenkt, mit einigem Aufwand, Erfindungsgeist und Organisationstalent wird es gehoben, notdürftig repariert und zu einem Stützpunkt geschickt, an dem es generalüberholt werden kann, leider hält die Technik nicht und so muss ein Zwischenstopp eingelegt werden auf einer kleinen Militärbasis, die gerade verlassen werden soll und auf der sich einige weibliche Offiziere des medizinischen Dienstes befinden – sie sollen von dem U-Boot weitertransportiert werden, dringen in die Männerwelt an Bord dieser engen Stahlröhre ein und die Operation Petticoat beginnt. Wir beginnen mit der ausführlichereren Betrachtung derselben in der -> Rezension.

Handlung (1)

Matt Sherman, ehemals Kommandant des amerikanischen Unterseebootes Sea Tiger und inzwischen zum Konteradmiral befördert, kehrt lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinem U-Boot zurück, um es vor der Fahrt zur Verschrottung ein letztes Mal zu sehen. In seiner ehemaligen Kommandantenkammer nimmt er das Logbuch zur Hand und lässt die turbulenten Ereignisse der Jahreswende 1941/1942 Revue passieren. Hier beginnt die eigentliche Filmhandlung.

Bei einem japanischen Luftangriff auf die Philippinen wird die Sea Tiger am Pier des Marinestützpunkts Cavite schwer getroffen und versenkt. Der örtliche Kommandeur Henderson will das Schiff aufgeben, doch Lieutenant Commander Sherman besteht darauf, es zu heben und wieder einsatztauglich zu machen. Da ein Teil seiner Mannschaft bereits auf andere Schiffe versetzt worden ist, teilt ihm der Kommandeur Ersatzleute zu, darunter Lieutenant Holden.

Holden aber ist ein Partygänger und Schürzenjäger, der noch nie einen Kampfeinsatz hatte und seine Stellung als Offizier hauptsächlich für den Zugang zur feinen Gesellschaft nutzt; dementsprechend sind Sherman und seine Mannschaft anfangs skeptisch, was seine Eignung als U-Boot-Offizier angeht. Holden stellt sich jedoch auch als gerissener Gauner heraus, der mit unorthodoxen Methoden wie Diebstahl und Betrug die notwendigen Ersatzteile für das beschädigte U-Boot beschafft. Seine waghalsigen Beutezüge bringen ihm den Respekt der Mannschaft ein, jedoch auch die Abneigung von Sherman. Der Konflikt zwischen den ungleichen Offizieren wird zu einem der beherrschenden komischen Elemente des Films.

Ein erneuter Luftangriff zwingt die Sea Tiger zum Auslaufen, bevor die Reparaturarbeiten abgeschlossen sind. Bei einem Zwischenstopp auf der Insel Marinduque trifft Holden auf eine Gruppe von fünf Krankenschwestern der US-Army, die dort festsitzen. Ohne Rücksprache mit dem Kommandanten verspricht er ihnen, sie mit an Bord zu nehmen. Sherman, vor vollendete Tatsachen gestellt, bleibt nichts anderes übrig, als die Frauen mitreisen zu lassen.

Die amouröse Spannung zwischen den Frauen und der Mannschaft bringt weitere komische Elemente mit sich. So melden sich beispielsweise etliche Mannschaftsmitglieder mit fadenscheinigen Beschwerden krank, nur um sich von den Krankenschwestern medizinisch versorgen zu lassen. Sherman hat alle Hände voll zu tun, um einen einigermaßen geregelten militärischen Alltag an Bord sicherzustellen.

Im Hafen von Cebu wird die Reparatur des U-Boots abgeschlossen; Ersatzteile sind rar, und so muss wie immer improvisiert werden, was darin gipfelt, dass das U-Boot nun einen rosafarbenen Schutzanstrich trägt. Bevor die endgültige – graue – Lackierung aufgetragen werden kann, wird auch Cebu von japanischen Flugzeugen bombardiert und die Sea Tiger muss erneut überstürzt auslaufen. Dabei nimmt sie eine Gruppe von Flüchtlingen an Bord, denen Holden – wiederum ohne Absprache mit Sherman – im Tausch gegen Lebensmittel versprochen hat, sie vor den japanischen Angreifern zu retten.

In der allgemeinen Verwirrung eröffnen sowohl Japaner als auch Alliierte die Jagd auf das geheimnisvolle „rosa U-Boot“. Als sich die Sea Tiger einem Zerstörer der US-Marine zu erkennen geben will, eröffnet dieser das Feuer. Nur ein erneuter gewitzter Einfall von Holden bewahrt die Sea Tiger davor, von den eigenen Leuten versenkt zu werden: Durch ein Torpedorohr lässt er die Büstenhalter der Frauen an Bord ausbringen. Die Besatzung des Zerstörers angelt einen davon aus dem Wasser und erkennt an dem Namensschild, dass er einer US-Offizierin gehört. Schlussendlich schafft es das Boot, Port Darwin in Australien anzulaufen, die bunt zusammengewürfelten Passagiere in Sicherheit zu bringen und sich wieder den alliierten Flottenverbänden anzuschließen.

Am Ende kehrt der Film wieder zur Rahmenhandlung zurück und vervollständigt die Eindrücke vom Anfang: Holden ist bei der Marine geblieben und inzwischen selbst U-Boot-Kommandant im Rang eines Commanders. Ihm ist die Überführung der Sea Tiger zur Verschrottung anvertraut worden. Holden und Sherman, die nun ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, verabschieden sich am Kai voneinander. Sherman hat inzwischen Dolores Crandall geheiratet und Holden ist mit Barbara Duran liiert, zwei der geretteten Krankenschwestern, mit denen sich bereits damals an Bord eine Liaison abgezeichnet hat.

Rezension

Cary Grant wollte bereits 1953 seine Karriere beenden, einigen Quellen zufolge, weil er über die Behandlung Charles Chaplins in Hollywood schockiert war – zu dem  Zeitpunkt war Chaplin bereits nach Europa emigriert – ein anderer, vermutlich überwiegender Grund war, dass Cary Grant sich höchst unbehaglich mit den neuen Schauspielern fühlte, die Hollywood in jenen Jahren eroberten – insbesondere mit Marlon Brando und James Dean und deren Method Acting. Aber kann das so stimmen? Für Brando vielleicht, für Dean wohl eher nicht, denn der machte seinen ersten Film erst 1954-55, als Alfred Hitchcock Grant nach zweijähriger Pause zurück ans Set holte und ihn mit der bezaubernden Gracy Kelly in der bezaubernden Krimikomödie „Über den Dächer von Nizza“ zusammenbrachte – woraufhin Grants zweite erfolgreiche Karrierephase startete, aller jüngeren Kollegen zum Trotz, die sich inzwischen etabliert hatten.

Wir hätten ohne dieses Comeback weder „Der unsichtbare Dritte“ genießen können, in dem Hitchock und Grant gleichermaßen auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angelangt waren, aber auch nicht „Unternehmen Petticoat“, eine der ersten US-Komödien, die wir im Fernsehen angeschaut haben  und die damit zu den Ikonen unserer Kindheit zählt. Cary Grant ist für uns immer noch der größte unter den Gentleman-Komödianten, aber wie sieht es mit dem Film mit dem rosa U-Boot aus und der Damenunterwäsche?

Mit zunehmend tieferem Einstieg ins Thema Film kann man besser Vergleiche ziehen, und so machen wir’s auch, wenn wir unser heutiges Verhältnis zu „Unternehmen Petticoat“ erklären. Dass Blake Edwards der Regisseur ist, hatte für uns mit 15 oder 16 keine Relevanz, heute denken wir sofort an „The Pink Panther“ (1963), den wir jüngst für den Wahlberliner rezensiert haben, aber auch an „Frühstück bei Tiffany“ (1961), eine der romantischsten unsinnigen Komödien bis heute. Blake Edwards aber konnte auch andere Genres als die gar nicht so einfache Komödie: Zum Beispiel Jack Lemmon in dem Trinkerdrama „Die Tage des Weines und der Rosen“ (1962) zu einer oscarprämierten Leistung führen. Diese Möglichkeit, in verschiedenen Sparten erfolgreich zu sein, lässt uns an einen anderen Regisseur denken: Billy Wilder, der vom Film noir bis zu übermütigen Filmen wie „Manche mögen’s heiß“ beinahe jedes Genre bis zur Perfektion beherrschte – auf Kosten einer eindeutigen eigenen Handschrift, wie manche Kritiker sagen. Doch die Filme, die dabei herauskamen, gehören zum Kanon, auch wenn wir nie sagen würden, den einen oder anderen Film muss man unbedingt gesehen haben, bevor man das Zeitliche segnet.

Einen Link zu Billy Wilder gibt es auch direkt, das „Unternehmen Petticoat“ betreffend: Cary Grant, dessen eigene Produktionsfirma an diesem Unternehmen beteiligt war, fand Tony Curtis in „Manche mögen’s heiß“, Billy Wilders Komödie des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts, so gut, dass er ihn als Co-Star haben wollte. Und Curtis macht seine Sache im U-Boot-Film blendend, seine Bildschirmpräsenz ist beinahe charismatischer als die von Grant, was eine Menge heißen will.

Aber ist „Unternehmen Petticoat“ auch ähnlich gut wie etwa „Manche mögen’s heiß?“. Nein, sicher nicht. Edwards stand 1959 noch am Beginn seiner Karriere, erzielte den Durchbruch mit Audrey Hepburns Holly Golightly zwei Jahre später, und mit „Moon River“, der nassen Katze und und einem der schönsten New York-Filme aller Zeiten, zumindest, was die romantische Verklärung der Stadt angeht, die hier geradezu pariserisch wirkt.

Da „Unternehmen Petticoat“ einen leicht satirischen Einschlag hat, und die US-Navy zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als nur bedingt kriegsbereit darstellt, kann man den Film auch  mit „Das Appartement“ vergleichen, Billy Wilders ein Jahr später entstandenem Beitrag zum Aufbruch in ein gesellschaftskritisches Jahrzehnt.

Beide Vergleiche besteht „Petticoat“ selbstverständlich nicht. Das aberwitzige Timing beider Wilder-Filme, die gnadenlose Perfektion der Dialoge, die fantastische Schauspielerführung und hochpräzise Ausformung jeder noch so nebensächlichen Figur mit wenigen Sätzen ist etwas, das Blake Edwards nie erreicht hat.

Als wir „Unternehmen Pettiocoat“ jetzt noch einmal angeschaut haben, fanden wir viele Gags immer noch amüsant, andere aber haben etwas von ihrem Reiz verloren. Auf jeden Fall war es faszinierend anzuschauen, wie sich der Hollywood-Film in kleinen oder größeren Schritten im Verlauf der 1950er Jahre immer mehr aus sehr engen Vorgaben und konservativen Mustern befreite und wie elektrisierend im Wasser schwimmende, von der Mannschaft eines Zerstörers aufgegabelte Damenunterwäsche damals gewesen sein muss. Heute heute wirkt das nostalgisch-gemütlich, wie die gesamte Handlung des Films, in der es mitten im Pazifikkrieg nicht einen einzigen Toten gibt. Natürlich, sonst wäre es ja allenfalls eine Tragikomödie geworden. Die Wikipedia hat sich eigenständig um eine Zusammenfassung bemüht, die wir anlässlich der Veröffentlichung der Kritik im Jahr 2021 nicht unter den Tisch fallen lassen wollen:

Zusammenfassend lässt sich der Film als Satire auf chaotische Zustände an der Pazifikfront des Zweiten Weltkriegs bezeichnen. Wesentliche Motive sind die Knappheit an Ersatzteilen und die bürokratischen Hürden, um die knappen Vorräte vor den eigenen Leuten zu „schützen“, aber auch die Not der Menschen im Kriegsgebiet. All dies humoristisch darzustellen, ohne dabei in plumpen Slapstick abzugleiten oder den Krieg zu verharmlosen, gehört zu den wohl brillantesten Leistungen des Filmteams.

Jetzt sind wir verdächtig nah dran an den 3.000 Wörtern, die es mindestens braucht, um eine Kritik als „Die große Rezension“ zu labeln, also hier noch ein bisschen was von der deutschen Kritik:

„[…] Köstliche Komödie von Blake Edwards, der vor dem Durchbruch mit ‚Frühstück bei Tiffany‘ erstmals Stars wie Cary Grant und Tony Curtis, der Grant in ‚Manche mögen’s heiß‘ parodiert hatte, inszenierte. Die U-Boot-Komödie, von Grant koproduziert, wurde ein großer Kassenerfolg für Universal. […]“ – VideoWoche

„Eine turbulente Komödie mit psychologisch treffsicherem Humor und originellen Einfällen.“ – Lexikon des internationalen Films[5]

Der Krieg ist präsent, aber die eigenen Kriegsschiffe sind gefährlicher für die USS Seatiger als die Japaner und die Konzentration liegt auf der Improvisation und der Interaktion von Charakteren mit verschiedenen sozialen Hintergründen und beiderlei Geschlechts, nicht auf der Darstellung der ersten Kriegsmonate im Pazifik. Cary Grant als Berufssoldat, der sich hochgearbeitet hat und in der Rahmenhandlung bereits Admiral ist und der junge, etwas snobistische und mit allen Wassern gewaschene Leutnant Holden, dessen Name eine Anspielung auf den damals sehr populären William Holden sein könnte, sind ein gutes Gegensatzpaar und eines ist Cary Grant in seinen späteren Filmen nicht mehr passiert:

Dass er einen einem so blendend aussehenden, viel jüngeren Schauspieler in nahezu gleichwertiger Rolle gegenübergestellt wurde. Denn „Unternehmen Petticoat“ ist der einzige Grant-Film, bei dem wir hin und wieder den Eindruck haben, dass dieser beinahe alterslose Schauspieler eben doch etwas betagt wirkt und auch zu reif, um im Krieg noch ein U-Boot zu befehligen (ein Problem, das auch Clark Gable in „U23 – Tödliche Tiefe“, einem ganz anders gelagerten Film aus dem Vorjahr, betrifft, wo die Gesundheit des Kommandanten allerdings auch thematisiert wird). Da Grant aber ein Feind der Maske war, hat er 1941-42 schon dieselben grauen Haare als Kapitän wie 1959 als Admiral, was die Zeitspanne von 18 oder 17 Jahren zwischen dem Rahmen, der die letzte Fahrt der „Seatiger“ zur Verschrottung behandelt, ein wenig surreal wirken lässt (2).

Grant hatte immer wieder mit seinem Alter zu kämpfen und lehnte deswegen einige Rollen ab, in denen er insbesondere mit Schauspielerinnen ein Paar bilden sollte, die 25 oder mehr Jahre jünger waren als er. Volten gibt es aber auch hier: 1953 lehnte er die männliche Hauptrolle in „Ein Herz und eine Krone“ ab, weil er sich als zu betagt für die Debütantin Audrey Hepburn empfand, ähnlich „Sabrina“ 1954, die eine Rolle ging an Gregory Peck, die andere an Humphrey Bogart, der vom Typ wesentlich älter wirkte als Cary Grant und drei Jahre später verstarb. 1963 aber filmte er mit der Hepburn, wie man sie damals schon nennen konnte, „Charade“ – der relative Altersunterschied war ja auch geringer geworden und Grant bestand u. a. darauf, dass in die Dialoge einige Witze über sein Alter eingebaut wurden.

Diese Art von offener Selbstreflektion gibt es in „Unternehmen Petticoat“ nicht, vielmehr sieht man stellenweise Cary Grant agieren, wie man es eher aus einer früheren Schaffensphase kennt – da ist zum Beispiel eine Stelle, die auch seltsam eingefroren und gekürzt wirkt, in der er die Hände verkrampft und die Augen übermäßig weitet – komplett undenkbar für einen U-Boot-Kommandanten, aber sehr an die Art angelehnt, wie er zum Beispiel „Arsen und Spitzenhäubchen“ mit skurrilen Grimassen und seinem Sinn für Situationskomik bereicherte. Grant lernte, noch unter seinem echten Namen Archibald Leach das Schauspielern in einer umherziehenden Vaudeville-Gruppe in England, reiste mit dieser in die USA und blieb dort. Manchmal bricht in „Unternehmen Petticoat“ die urtümliche Art von Grant wieder durch, die er in Filmen wie „Der unsichtbare Dritte“ beinahe komplett abgelegt hatte – bis auf ein oder zwei Szenen, in denen Hitchcock Feuer frei für gegeben hatte und die  zu den komischsten ihrer Art in der Filmgeschichte zählen (wie etwa der Szene bei der Polizei, die ihm seine Entführungsstory nicht glauben will, ebenso wenig wie seine Mutter es tut).

Das Drehbuch zu „Unternehmen Petticoat“ wiederum stammt von Stanley Shapiro und Maurice Richlin – dem Team, das im selben Jahr Rock Hudson und Doris Day in „Bettgeflüster“ mit Handlung und Dialogen versorgt hat. Blake Edwards, der Regisseur hingegen, hat danach „Frühstück bei Tiffany“ gefilmt, womit wir einige Komödien-Highlights jener Jahre erwähnt hätten. Und diesem Film ähnelt „Unternehmen Petticoat“ trotz seines ganz anderen Szenarios durchaus. Er ist ein wenig frech, ein wenig provozierend für damalige Verhältnisse, spielt mit den Geschlechterrollen und ist bei näherer Betrachtung ein wenig sexistisch und von konservativer Grundhaltung – und auch deshalb immer jenseits der Schärfe oder des Feuerwerks, das Billy Wilder in den oben erwähnten Filmen erzielte und der Tiefe, die besonders „Das Appartment“ erreicht, den wir deshalb noch nicht rezensiert haben, weil wir den Film so sehr verehren, dass wir noch uns noch nicht herantrauen (3).

Die Sequenz mit dem Schwein, das als „Matrose Hornsby“ an Bord er „Seetiger“ gebracht wird,  ist eine der besten im Film, und wenn man es genau nimmt, missbraucht sie die ärmlichen Verhältnisse der einheimischen Bevölkerung auf den Philippinen ein wenig für einen echten Hieb aufs Militär, aber sie lässt sie zumindest aufblitzen.

Diese Stelle, in der Militärpolizisten ein Schwein tatsächlich als Matrose durchwinken und der eine im Nachgang noch in etwa sagt: „Bei dem Aussehen des einen verstehe ich, warum die U-Boote auch Seeschweine genannt werden.“

Einige der Vorkommnisse wie das Versenken eines Lastwagen durch einen fehlgeleiteten Torpedo oder die Unmöglichkeit, Toilettenpapier auf Anforderung zu erhalten, sind wirklich vorgekommen und es gab auch ein US-U-Boot, das aufgrund einer Zerstörung seines ursprünglichen, grauen Anstrichs in Rot durch den Pazifik schipperte und dabei durchaus erfolgreich auf die Jagd nach feindlichen Schiffen ging. Auch die „Tokyo Rose“, eine japanische Radiomoderatorin (oder mehrere), die auf Englisch die Amerikaner immer wieder freundlich zur Aufgabe bewegen wollte, ist Realität gewesen – sie spielt eine wesentlich bedeutendere Rolle als in „Unternehmen Petticoat“ in „U23 – Tödliche Tiefe.“

Finale

Für den Dreh von „Unternehmen Petticoat“ wurden seitens der US-Navy drei echte U-Boote jener Klasse zur Verfügung gestellt, die wohl wirklich Ende der 1950er Jahre außer Dienst gestellt wurde. Man kann sich „Unternehmen Petticoat“ immer noch anschauen, ohne sich über Details ärgern zu müssen, die heute vielleicht zu sehr gegen die PC laufen würden, man sieht sehr gute Schauspieler auch in den Nebenrollen, die eine bis auf den Lt. Holden und Cary Grant gewiss recht typische U-Boot-Mannschaft formen und voller Engagement dabei sind, wenn es darum geht, die „Seatiger“ flott zu bekommen, den Damen zu Diensten zu sein und den im Verlauf ebenfalls an Bord gekommenen philippinischen Flüchtlingen das Los zu erleichtern, wo es geht.

Die deutsche Fernsehversion ist, wie üblich, ein wenig gekürzt, wobei man sich langsam fragt, was es sollte, im Jahr 1959 Szenen aus einem Film herauszuschneiden, die keinerlei moralische, sexuelle oder sonstige Relevanz haben, aber dem Film möglicherweise ein paar satirische Momente nehmen – zum Beispiel gibt es hierzulande bei der immer noch verwendeten Version, die seinerzeit in die Kinos kam, nicht den Moment, in dem der Medizinmann, der das U-Boot beschwören woll, die Maske abnimmt und ein ziemlich pessimistisches Statement von sich gibt. Damit geht die Doppeldeutigkeit der Szene verloren – weil nämlich im Anschluss an die Geisterbeschwörung die bis dahin notleidende Maschine wirklich anspringt und die „Seatiger“ wieder Fahrt aufnehmen kann. Dass der Medizinmann selbst nicht daran glaubt, gibt dem Ganzen einen  zusätzlichen Kick, der den deutschen Zuschauern verborgen wird.

An dieser Stelle ergänzen wir anlässlich der Veröffentlichung der Rezension im Jahr 2020 noch einmal aus der Wikipedia:

Die deutsche Originalfassung ist gegenüber der amerikanischen um 22 Minuten gekürzt, sie hat damit eine Laufzeit von 104 Minuten. Später wurden der deutschen Fassung einige Szenen zurückgegeben, die allerdings ohne Dialoge waren. Im Jahr 2020[3] kamen weitere Szenen hinzu, die mit neuen Sprechern nachsynchronisiert wurden, da die Originalsprecher inzwischen verstorben sind. Für Curt Ackermann, den Originalsprecher von Cary Grant, kam Frank Röth zum Einsatz. Die anderen neuen Sprecher sind nicht bekannt. Die restaurierte Fassung entspricht der ungekürzten Originalfassung, Laufzeitunterschiede ergeben sich durch die PAL-Beschleunigung auf 25 Bilder pro Sekunde.

Was wir gesehen haben, war also eine Zwischenversion, länger als die deutsche Kinoversion, aber kürzer als das Original. Da werden wir uns möglicherweise noch einmal an das Stück heranmachen, sofern klar ist, dass es sich um die voll restaurierte Fassung handelt. Uns hat vorhin beim Sichten des Textes überrascht, dass wir nur 7/10, jetzt auf 71/100 gehoben, vergeben hatten, die Nutzer*innen der IMDb kommen auf 7,3/10. Auch das ist eher weniger, als ich erwartet hätte.

71/100

© 2021 (Entwurf 2014) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv: Wikipedia
(2) In einigen anderen Filmen aus der Zeit hat man sehr wohl seine Haarfarbe „angeglichen“, um ihn etwas jünger wirken zu lassen, da war er aber nicht Mitproduzent der Filme, wie hier mit seiner Firma „Granart“.
(3) Das hat sich mittlerweile geändert. Aber nicht, weil wir den Film nicht mehr verehren. Es gab nämlich schon eine Kurzrezension dazu in „Das internationale Filmverzeichnis Nr. 8“ aus dem Jahr 1989 und die haben wir kürzlich veröffentlicht, auch eine neuere längere Kritik als „DGR“ ist vorhanden.

Regie Blake Edwards
Drehbuch Stanley Shapiro,
Maurice Richlin
Story: Paul King,
Joseph Stone
Produktion Robert Arthur
Musik David Rose
Henry Mancini
Kamera Russell Harlan
Schnitt Frank Gross
Ted J. Kent
Besetzung

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