Madame X (USA 1966) #Filmfest 499

Filmfest 499 Cinema

Madame X ist ein US-amerikanischer Spielfilm des Regisseurs David Lowell Rich aus dem Jahr 1965 mit Lana Turner und John Forsythe in den Hauptrollen. Das Drehbuch stammt von Jean Holloway. Es basiert auf dem Theaterstück La femme X des französischen Dramatikers Alexandre Bisson. In den Vereinigten Staaten kam der Streifen das erste Mal am 3. März 1966 in die Kinos. In der Bundesrepublik Deutschland hatte er seine Premiere schon vorher am 25. Februar desselben Jahres.

Wie man oben sehen kann, kam es bereits im Jahr 1988 vor, dass ich keine Lust auf eine längere Rezension hatte und irgendwie habe ich mich auch mehr getraut. Allerdings, ohne diese Kritiken damals schon zu kennen doch eine Art Gefühl für Filme bewiesen:

Das Lexikon des internationalen Films bemerkt lediglich, es handle sich um ein „Melodram auf Illustriertenniveau“.[2] Auch der Evangelische Filmbeobachter hält nicht viel von dem Streifen: „Die mögliche Dramatik des Stoffes wurde auf schlechte Hollywoodmanier hoffnungslos verschmalzt und alles auf Romanheftchenniveau reduziert. Nur noch für Kitschhungrige geeignet.“[1]

Die deutsche Kritik jener Tage hatte es zwischen korrekter Moral im Film und Anspruch nicht immer leicht, denn das eine und das andere lassen sich nicht ohne Weiteres miteinander kombinieren. Aber jetzt kommt’s: Die IMDb-Nutzer*innen geben dem Film 55 Jahre nach seinem Erscheinen 7/10. Das ist zwar kein absoluter Spitzenwert, aber erstaunlich, zumal ich das Gefühl habe, dieser Film war wohl schon ziemlich aus der Zeit gefallen, als er das Licht der Leinwand erblickte bzw. mit der Projektionsleuchte hinter sich die Leinwand erhellte. Freilich ist das, was wir heute als „New Hollywood“ sehen und was etwa zu jener Zeit begann, in der auch der Production Code abgeschafft wurde, nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Hollywoodspektrum.

Aber lesen Sie in der Wikipedia die Handlungsangabe. Kann das, was da steht, ein guter Film sein? Ich würde das nicht prinzipiell verneinen wollen, es kommt bei diesen Melodramen darauf an, wie sie gemacht sind. Man kann Weltliteratur zuschanden filmen, aber auch den Inhalt von „Groschenheften“ zu einem Originaldrehbuch von Qualität aufarbeiten, natürlich ohne die verfassende Person des Heftromans eines Credits zu würdigen. Der Regisseur von „Madame X“ hat nicht einmal einen Eintrag in der deutschen Wikipedia und das gibt letztlich den Ausschlag. Das Drehbuch stammt sogar von einer Frau, der Film ist aus der Sicht einer Frau gefilmt, aber auch die Autorin hat, Überraschung, keine Seite in der deutschen Wikipedia. Der Verfasser dieser Zeilen ebenfalls nicht, aber das ist etwas anderes.

Lassen Sie uns lieber an Lana Turners beste Rollen denken. Die der verführerischen Rasthaus-Cora in „The Postman Always Rings Twice“ (1947), die bösartige Lady de Winter in „Die drei Musketiere“ (1948), des gefallenen und auferstandenen Stars in „Stadt der Illusionen“ (1952) oder der geprüften und vom Schicksal für gut befundenen Witwe in „Solange es Menschen gibt“ von Douglas Sirk (1959).

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie David Lowell Rich
Drehbuch Jean Holloway
Produktion Ross Hunter
Musik Frank Skinner
Kamera Russell Metty
Schnitt Milton Carruth
Besetzung

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