Tod eines Fahnders – Polizeiruf 110 Episode 287 ::: #50JahrePolizeiruf110 #Crimetime 999 ::: #50JahrePolizeiruf110 Polizeiruf #Polizeiruf110 #Halle #Schmücke #Schneider #MDR #Fahnder #Tod

Crimetime 999 - Titelfoto © MDR

Aufgeflogen, erschossen

Wie gefährlich es sein kann, als V-Mann die Ermittlungsarbeit so zu gestalten, dass die Gefühle mehrerer Frauen dabei verletzt werden, erzählt uns der 287. Polizeiruf. Gemeint ist nicht Hauptkommissar Schmücke, dieser ist von Edith schon aus der gemeinsamen Wohnung gemobbt worden, hat nach einer WG-Zeit mit Schneider nun eine eigene und lernt eine Mitbewohnerin seines Hauses kennen, deren Katze zwischenzeitlich bei ihm logiert. Ein Zivilfahnder, ein V-Mann hingegen ist ins Visier geraten. Mehr darüber steht in der -> Rezension.

Handlung

Spät abends wird der Zivilfahnder Stefan Häfner erschossen in seiner Wohnung aufgefunden. Die Kommissare Schmücke und Schneider erfahren, dass der Fahnder derzeit gegen den flüchtigen Bankräuber Robert Sakowski ermittelte und offensichtlich „aufgeflogen“ ist. Da Sakowskis Ehefrau mit der Polizei zusammenarbeitet und sich sehr oft mit Häfner getroffen hatte, liegt ein Racheakt des Ehemanns nahe. Schmücke lässt Anja Sakowski und ihren Sohn observieren, aber der Flüchtige ist vorsichtig.

Allmählich geht Robert Sakowski das Geld aus und er zwingt seinen Schwager mit ihm zur Bank zu gehen. Dabei werden Streifenbeamte auf die beiden aufmerksam und Sakowski kann endlich verhaftet werden. Er leugnet etwas mit dem Mord an dem Fahnder zu tun zu haben und dummerweise gibt es keinerlei Spuren am Tatort, die auf Sakowski hinweisen. Schmücke findet heraus, dass Stefan Häfner im Rahmen seiner Arbeit auch zu Sakowskis Schwester eine Beziehung aufgebaut hat. Das dürfte seiner Verlobten, der Polizeiobermeisterin Pia Hesse nicht entgangen sein und so ist eine Eifersuchtstat nicht auszuschließen. Als die Kommissare das Alibi von Anja Sakowski überprüfen, fallen ihnen Ungereimtheiten auf und sie nehmen sie fest. Sie hatte herausgefunden, dass Häfner sie nur als Lockvogel benutzt hatte, während sie die große Liebe in ihm sah. Aus Enttäuschung hat sie seine Pistole genommen und geschossen.

Kritiken

Tilmann P. Gangloff von tittelbach.tv kommt zu dem Schluss: „Alles beim Alten in Halle: Der ‚Polizeiruf – Tod eines Fahnders‘ knüpft an die gemächliche Gangart der Herren Schmücke & Schneider nahtlos an. Weniger ‚Ein seltsames Paar‘, mehr richtiger Krimi – aber wie immer mit viel Kopf- und Fußarbeit.[…] Die recht prominente Besetzung mit Nadeshda Brennicke und Katharina Wackernagel kann bei diesem Buch und dieser Regie auch nichts reißen.“[2]

Bei Kino.de heißt es: „Mit etwas Wohlwollen hat der Film also durchaus seine Reize, vorausgesetzt, man sieht über gewisse Details hinweg.“[3]

Frank Kober bei telekritik.de zerreist diese Episode und meint: „Unbeholfen dümpelt die Story vor sich hin. Die Frage-Antwort-Spielchen machen wieder nur Gähnen. Und mehr als ein paar Gluckser im Brei der Einfallslosigkeit sind nicht zu vernehmen. Ja, Schwarz und Winkler sind auf dem besten Wege zurück in die Gruft. Dahin, wo es nach alten Sünden riecht und wo selbst kleine Miezekätzchen das große Jammern überkommt.“[4]

Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm vergaben auch nur eine mittlere Wertung (Daumen zur Seite) und schrieben: „Gemächliche Krimiroutine aus Halle“.[5]

Rezension

Wir haben mehrfach darüber geschrieben, wie sich die Schmücke-Schneider-Tatorte Mitte der 2000er doch arg ähnelten und dass es ermüdend sein kann, sie in kurzen Abständen zu schauen, wie ich das gegenwärtig tue, um die Vergangenheit der Polizeirufe zu erforschen. Da es mit Schmücke und Schneider 50 Polizeirufe gibt, steht mir noch einiges bevor, aber es war nicht immer so, wie man es auch in diesem Film wieder sieht – womit ausgesagt ist, dass ich den oben zitierten Kritikern weitgehend Recht gebe.

Die Halle-Kommissare hatten durchaus einen guten Start, mit Filmen wie „Der Pferdemörder“, der von Matti Geschonnek inszeniert wurde, aber schon nach vier, fünf Produktionen machte sich ein gewisses eingeschliffen sein bemerkbar und die Kommissare wurden immer ruhiger. Wie wir sie im Jahr 2007 und in der Episode 287 sehen, das ist vor allem bei Schmücke geradezu die ruhige Kugel – so ruhig, dass er nicht einmal mit Kollegen bowlen will und ein malades Bein vorschiebt, und das, obwohl in „Tod eines Fahnders“ ein Kollege ermordet wird. In seinen ersten Filmen wirkte Jaecki Schwarz als Herbert Schmücke wesentlich intensiver und regte sich auch mal auf, während das Spiel von Wolfgang Winkler als Herbert Schneider eine beeindruckende Kontinuität aufweist. Er tritt  nie aus der Rolle des braven zweiten Mannes heraus. Zum Ende ihrer Dienstzeit hin hat man den Herren S. die junge Nora Winkler (Isabell Gerschke) zur Seite gestellt und einige Filme gemacht, die deutlich den Willen erkennen ließen, es nochmal zu probieren.

Davon war man 2007 ein gutes Stück entfernt und hatte vielleicht auch mangels erkannter Notwendigkeit noch nicht den Willen dazu. Schmücke und Schneider hatten besonders im Osten eine große und treue Fangemeinde. Wolfgang Winkler war schon in DDR-Polizeirufen immer wieder in Episodenrollen zu sehen und Jaecki Schwarz war im Osten einer der begabtesten Jungdarsteller der 1970er.

Ein Plus des Films ist aber sicher die Besetzung der weiblichen Rollen mit Nadeshda Brennicke, Sabine Vitua und Katharina Wackernagel. Sie sind das Frauentrio, das mit V-Mann Häfner in Kontakt ist, zwei der Frauen haben auch ein Ding mit dem entflohenen Robert Sakowski. Diese unterschiedlichen Typen mit hohem Wiedererkennungswert machen es leicht, sich in dem Film zurechtzufinden und man sieht ihnen gerne beim Schauspiel zu. Die Handlung ist relativ sauber konstruiert und wirkt schlüssig – aber sie ist eben auch gemächlich und nicht gerade innovativ. Ich konnte trotzdem gut dranbleiben. Eine Frage, die wohl kaum ein Kritiker so in eine Rezension hineinschreibt: Wie groß ist die Rolle, die eigene Formschwankungen bei der Beurteilung von Filmen spielen? Derzeit kann ich auch einem Film wie „Tod eines Fahnders“ allein aus Polizeiruf-historischem Interesse gut folgen, außerdem ist dieses genervt sein von Schmückes und Schneiders zu gleich aufgebauten Filmen fast weg, weil ich zwischenzeitlich viele andere Filme zu rezensieren hatte. Es gibt derzeit sogar etwas wie einen Sog, die Hallenser Polizeirufe hintereinanderweg zu schauen, auch wenn sie nicht chronologisch ausgestrahlt werden. Der Wunsch, die Rezensionen von Alt-Filmen der Reihe zu Ende zu bringen, ist stark ausgeprägt, zumal die DDR-Zeit nun bis auf einige „Restanten“ fast abgearbeitet ist, es fehlen nur noch einige Filme aus 1982, 1983.

Ein wenig getriggert hat mich das Herumkaspern mit den Motiven, besonders bei der Schwester des Entflohenen, welcher er eine Niere gespendet hat. Natürlich kann sie den Polizisten nicht sagen, ich weiß, wo mein Bruder ist und ich halte ihn versteckt, weil – aber zumindest mit ihrem Mann könnte die Diskussion offener laufen, er weiß von dieser Überlebenshilfe. Damit der Mord an Häfner einigermaßen plausibel wird, müssen die Gefühle von Frau Sakowski etwas hin- und herbewegt werden, aber das hält sich alles im Rahmen der für klassische Whodunits üblichen Konstruktionen. Mein Tipp war zwischenzeitlich die Kollegin des Polizisten, aber das wäre wohl doch zu offensichtlich gewesen. Die überraschendste Variante (die Schwester des Sträflings hat es getan, weil Häfner ihrem Bruder dicht auf den Fersen war) hat man nicht gewählt, obwohl man auch sie hätte plausibel darstellen können. An dieser immer gegebenen Plausibilität erkennt man Vor- und Nachteile der Konstruktion: Sie ist sehr flexibel und man läuft plotseitig nicht so leicht auf einer Klippe auf – aber sie hat auch etwas Beliebiges.

Finale

Die kleine, rot getigerte Katze war süß und hat Erinnerungen wachgerufen, aber natürlich musste man um sie herum gleich zwei Dinge konstruieren: Einen Disput zwischen Schmücke und Schneider und die Bekanntschaft mit der Hausmitbewohnerin, der die Katze bzw. der Kater gehört. Das ist alles gefällig, reicht aber, da sind wir wieder bei den oben zitierten Kritikern, um einen überdurchschnittlichen Polizeiruf zu kreieren. Leider fehlt auch die ironische Eleganz, die man zuletzt als Ersatz für einen dynamischen Plot bei „Rot ist eine schöne Farbe“ aus der Anfangszeit des Duos geboten bekam.

6/10

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Wolfgang Münstermann
Drehbuch Clemens Berger
Produktion Susanne Wolfram
Musik Günther Illi
Kamera Axel Rothenburg
Schnitt Claudia Fröhlich
Besetzung

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