Road to Hong Kong (Der Weg nach Hongkong, GB 1962) #Filmfest 541

Filmfest 541 Cinema

Nostalgia for Americans, made in an ancient British Crown Colony

Der Weg nach Hongkong, Originaltitel The Road to Hong Kong, ist eine britische Filmkomödie in schwarz-weiß aus dem Jahr 1962. Regie führte Norman Panama nach einem Drehbuch, das er zusammen mit Melvin Frank geschrieben hatte. Die Hauptrollen spielten Bob Hope, Bing Crosby und Joan Collins. Es ist der siebte und letzte Film der Reihe Der Weg nach …. 

Wie kommen wir dazu, einen Film zu rezensieren, den in Deutschland kaum jemand kennen dürfte? Der Hauptgrund ist, dass er in unserem Archiv aufgezeichnet war, das wir Schritt für Schritt auswerten – als Double Feature mit dem – nehmen wir’s vorweg – wesentlich prägnanteren „Man on Fire“ (1957), den wir zuletzt für die FilmAnthologie des Wahlberliners beschrieben haben (2). Einige übergreifende und andere Betrachtungen stehen deshalb in der –> Rezension.

Handlung (1)

Der Film wird in Rückblenden erzählt. Diane (Joan Collins) erklärt der amerikanischen Geheimdienstsektion in Hongkong, dass aufgefangene Nachrichten von einer Rakete nicht, wie zu vermuten wäre, von Russen, sondern von Amerikanern stammen. Diese beiden Amerikaner sind Harry Turner (Bing Crosby) und Chester Babcock (Bob Hope).

Harry und Chester sind Trickbetrüger in Kalkutta, die den Indern einen „Do it yourself interplanetaren Flug-Kit“ verkaufen wollen – beim Vorführen des Gerätes verletzt sich Chester und das bringt ihm eine Amnesie ein. Ein indischer Arzt (Peter Sellers), sagt, der einzige Weg für Chester, wie seine Amnesie geheilt werden könne, führe in ein Lamakloster in Tibet. Am Flughafen nimmt Chester irrtümlich einen Koffer mit einer Markierung auf – dieser stammt von einem Agenten von „The Third Echelon„, was in der deutschen Synchronisation mit „Die dritte Macht“ übersetzt wird; dies ist eine der SPECTRE aus den James Bond-Filmen ähnliche Organisation, welche die Weltherrschaft an sich reißen will. In dem bewussten Koffer befinden sich Pläne von einer russischen Rakete, die eine Formel für verbesserten  Kraftstoff enthalten. Irrtümlich hält Diane, zu dem  Zeitpunkt Agentin des „3rd Echelon“, Chester für den Agenten, mit dem sie sich treffen und die Pläne austauschen soll – wegen des Zeichens der Organisation auf dem Koffer.

Chester und Harry fliegen aber erst einmal nach Tibet, gehen ihren Weg zum Lamakloster in einer „Lost Horizon“-Manier (1). Im Kloster wird Chester geheilt, mit einer Art Memory-Gras. Doch er bekommt aufgrund seines ausgezeichneten Ansprechens auf die Medizin ein weiteres Kraut in Form von Tee verabreicht, das ihm zu einem Hyper-Gedächtnis ohne Lücken verhilft. Chester und Harry sehen die Ergebnisse anhand von Klosterbrüdern, welche große Werke der Literatur auswendig gelernt haben: „Fahrenheit 451“ (2); ein kichernder Bruder (David Niven) kennt „Lady Chatterley’s Lover„. Der intrigante Harry beschließt, eine Flasche zu stehlen um Chester die Macht fotografisches Gedächtnis für geschäftliche Zwecke auszunutzen.

Diane weiß inzwischen, dass eine Verwechslung vorliegt und verfolgt die beiden Kurzzeit-Klosterbrüder ab dem Moment, als sie nach Kalkutta zurückkehren. Harry testet mit Chester testen die Ergebnisse der Gedächtnisspeicher-Pflanze durch das Auswendiglernen der Raketen-Treibstoffformel und vernichtet das Original. Diane kommt zu spät, aber nachdem sie die Ergebnisse von Chester Rezitieren hört, bietet sie Harry, der sie ohne Chester Wissen in der Hotelbar trifft, US-$ 25.000 (etwa das Zehnfache eines damaligen durchschnittlichen amerikanischen Jahresgehalts) in Hong Kong. Am Flughafen auf dem Weg nach Hong Kong wartet ein Agent des Hohen Lama, der mittlerweile den Diebstahl bemerkt hat, und ersetzt während dies Fluges die gestohlenen tibetischen Kräuter mit einer gleich aussehenden Flasche, in der nur gewöhnliche Teeblätter enthalten sind.

The Third Echelon sucht die Formel für den Kraftstoff für ihr eigenes Raumfahrzeug zu bekommen, das auf einer Unterwasser-Startrampe in Hong Kong auf seinen Einsatz wartet. Das Fernziel der Organisation ist, die ersten Menschen auf den Mond zu bringen – und dort eine Basis für Atomwaffen zu  errichten, die gegen die  Erde gerichtet werden sollen. Die gefügigen Überlebenden eines Angriffs auf die Erde sollen sich der Weltherrschaft der Organisation beugen. Da gerade ein russischer Raktenstart zum Mond mit zwei Affen stattfand, entscheidet “ Third Echelon“, den sowjetischen Erfolg zu übertreffen, indem zwei Menschen zum Mond geschickt werden. – da kommen Chester und Harry, die inzwischen auf dem Stützpunkt der Organisation eingetroffen sind, gerade recht. Die beiden werden bis zur Mondumlaufbahn geflogen und dann zurückgeholt – Die Mission ist insofern erfolgreich, als das Mondlichtund künftig alle Mondsymbole Chesters fotografisches Gedächtnis zurückbringen, das er im Kloster erlangt hatte.

„The Third Echelon“ möchte, nachdem es die Formel komplett erhalten hat, was sich umständehalber als schwierig erweist, Chester und Harry zu sezieren, um die Auswirkungen der Raumfahrt auf Menschen zu ermitteln.  Diane hilft Chester und Harry zu entkommen, sie werden zu dritt quer durch Hong Kong verfolgt, Diane gelangt zu den Behörden – der Moment des Filmanfangs. Chester und Harry gelangen in einen Nachtclub, in dem Dorothy Lamour auftritt, wo sie vom „3rd Echelon“ wieder geschnappt werden.

Hope, Crosby und Collins enden in einer Rakete, die auf einen anderen Planeten fliegt. Dort treffen sie ein anderes Comedy-Team – „Die Italiener“ wie Hope sie (im Original) nennt: Frank Sinatra und Dean Martin.

Rezension

Im ursprünglich veröffentlichten Text war dieser Film dem Produktionsland USA zugewiesen, vermutlich haben wir das „blind“ getan, weil die Stars US-Amerikaner sind. Obwohl er in Großbritannien entstand bleiben wir aber bei der Wiederveröffentlichung auf dem Filmfest in der US-Chronologie, bei der wir bezüglich von Rezensionen, die ab 2011 entstanden sind, derzeit das Premierenjahr 1962 abarbeiten.

Dass wir vieles in „The Road to Hong Kong“ finden, worüber sich berichten lässt, heißt nicht, dass dies ein guter Film ist. Doch er zeigt zwei der größten amerikanischen Stars und Entertainer des 20. Jahrhunderts im letzten ihrer gemeinsamen Filme aus der „Road to …„-Serie. Da wir aus insgesamt sieben Komödien, die in der langen Zeitspanne von 1940 bis 1962 entstanden, bisher nur „Road to Hong Kong“ gesehen haben, nehmen wir den Nutzern der IMDb, die für uns eine unerschöpfliche Datenquelle für alles Filmische ist, erst einmal ab, dass die älteren Werke die besseren sind.

Dass der Film in der IMDb eine ordentliche Durchschnittsbewertung von 6,3/10 bekommt, ist hauptsächlich den amerikanischen Nutzern zu verdanken (Schnitt 6,7/10), für die Crosby und Hope einen weitaus höheren Nostalgiefaktor besitzen als für Nicht-US-Bürger, außerdem können Amerikaner viele Insider-Momente, die in den Film gepackt sind und von denen wir vermutlich nicht alle entschlüsseln konnten, weitaus besser verstehen als Europäer, auch als ältere, für die Crosby und Hope ein Begriff sind, aber möglicherweise nicht diese Filme („The Road to Hong Kong“ ist z. B. in der deutschsprachigen WIKIPEDIA nicht beschrieben).

Wir haben uns als Bewohner des alten Europas auf die Qualität der Handlung, in einer Komödie natürlich auf die der Gags und Witze sowie auf die technische Qualität des Films konzentriert, und bei dieser Betrachtung kommen wir nicht auf 6,3/10. Auch dann nicht, wenn wir einige nette Einfälle, die Kurzauftritte vieler Hollywoodstars und die große Reputation der beiden Hauptdarsteller, insbesondere von Bing Crosby, in Anrechnung bringen.

„Road to Hong Kong“ ist eine durchaus seltsame Mischung aus Gesangskomödie, Science-Fiction-Parodie und Star-Vehikel, mit einem ruckelnden und abstrusen Drehbuch, einer Regie, welche die Brüche keineswegs glättet, selbst technisch ist dieser Schwarzweiß-Film für sein Entstehungsjahr 1962 veraltet. Es hat lange gedauert, bis wir zum ersten Mal lachen konnten – das war ausgerechnet bei einer Szene der Fall, die deutlich auf „Modern Times“ (1936) von Charles Chaplin anspielt und die Sequenz mit der Essmaschine aus diesem legendären Film auf eine Weise variiert, die uns zwar den Appetit auf Bananen (da sind wir uns mit Crosby und Hope einig) erst einmal verdorben hat, die aber nicht unoriginell gemacht ist.

Dass Norman Panama und Melvin Frank ein Team sind, das gute Komödien schreiben und dirigieren kann, haben sie mit dem wundervollen „The Court Jester“ (195r) bewiesen, „The Road to Hong Kong“ war der einzige der „Road to …“-Filme, bei dem die beiden für Plot und Regie verantwortlich waren.

Woran es beim letzten gemeinsamen Film von Bob Hope und Bing Crosby fehlt – ist beinahe alles, was einen guten Film ausmacht. Damit die vielen Sprünge des Plots verständlich bleiben, muss Diane, die zur Staatsmacht übergelaufene Gemeinorganistons-Agentin als Rückblenden-Narratorin fungieren, inhaltliche Übergänge in bildhafter Form spart man sich nicht selten. Vielleicht ist das eines von vielen Augenzwinkern in diesem Film, dass die einzelnen Szenen oft sehr einzeln stehen, aber zusammen mit den manchmal schlecht getimten und ausgeführten Gags wirkt das wie Flickschusterei, hinzu kommt eine Bildqualität, die teilweise wirkt wie bei einem 20 Jahre älteren Film – was graduell auch an der Kopie liegen kann, die wir gesehen haben.

Nicht nur die Übergänge, auch alle Szenen, die hohe Produktionskosten hätten verursachen können, werden weggelassen – dies korrespondiert damit, dass der Film günstig in England hergestellt wurde, was in den 60ern eine beliebte Methode war, Geld zu sparen. Die großen US-Firmen unterhielten in der Regel eigene Studios auf der britischen Insel.

Damit zu etwas Positivem, das mit der Produktion in Europa zu tun hat. Robert Morley, ein Urbrite, wie man sich ihn vielleicht nicht unbedingt vom Aussehen, aber vom Verhalten vorstellt  (auch Bob Hope ist geborener Londoner und sein Humor und seine Art haben etwas Britisches), spielt in „Road to Hong Kong“ den Chef der Organisaton „3rd Echelon“. Wir haben ihn schon im schönsten aller Miss-Marple-Filme als Reitstallbesitzer bewundert („Murder At the Gallop“, GB/USA 1963), aber auch als manchmal nett und jovial wirkender, gleichwohl grausamer Möchtegern-Weltherrscher wirkt er sehr präsent und verleiht den Szenen, in denen er mitwirkt, eine Aura, die über das hinausgeht, was der Film sonst zeigt.

Seine Organisation selbst wirkt wie eine Persiflage auf die Gegenspieler von James Bond, die manchmal in einem Geheimbund namens „SPECTRE“ agieren. Und nicht nur diese Ansammlung von kruden Typen, welche sich die Welt untertan machen wollen, das ganze Szenario zwischen Russen, Amerikanern und eben einer dritten, bösen Macht, wirkt wie aus den James Bond-Streifen abgekupfert. Kann es aber nicht, denn der erste der Serie, „Dr. No“ wurde zwar im selben Jahr produziert wie „Road To Hong Kong“, aber erst später uraufgeführt. Außerdem war die Verlagerung des Kräftemessens der Supermächte und ihrer hinzugedachten beidseitigen Gegner in den ersten Bond-Filmen noch kein Thema, erst 1966 mit „You Only Live Twice“ wurde erstmalig außerhalb der Erde agiert, erst 1977 kam „Moonraker“ als direktes Mondszenario in die Bond-Reihe. Vielleicht aber ist das alles nicht bei den Filmen, sondern in Büchern wie denen von Ian Fleming abgeschaut, die  Vorlage für die Bond-Stoffe waren und sind.

Natürlich ist „3rd Echelon“ auch ein Echo auf das „3rd Reich“ / „Third Reich“, wie die Amerikaner die NS-Diktatur nennen, und damit auf alles, was vor dem zweiten Weltkrieg in dieser Form nicht denkbar schien – ein einziges Reich des Bösen, das mit allen Mitteln und unter strikt diktatorischer Führung versucht, sich alle Nationen untertan zu machen. Die Idee, dass die Welt in Brand gesetzt wird, um genau das zu erreichen, war alles andere als fiktional, sondern zwanzig Jahre zuvor erschreckende Realität geworden.

Der amerikanisch-russische Konflikt als Thema, der kurz nach der Uraufführung des Films mit der Kuba-Krise seinen dramatischen Höhepunkt erlebte, lag in der Luft. Der Wettlauf im Weltraum war eröffnet, seit John F. Kennedy in seiner Antrittsrede erklärt hatte, man wolle noch in den 60ern einen Menschen zum Mond schicken. Dies wiederum war eine Ansage an die UdSSR, die zu der Zeit einen Vorsprung in der Weltraumtechnik hatten und im Jahr vor der Produktion von „The Road to Hong Kong“ mit Juri Gagarin den ersten Mensch in eine Erdumlaufbahn befördern konnten. Dass also die Sowjets eine Formel für besseren Treibstoff haben, an die andere Mitspieler gelangen wollen, ist nicht etwa abwegig, wenn natürlich auch für einen Film wie diesen vereinfacht und parodistisch dargestellt.

Die Leidtragenden des Kampfes der Supermächte um Vorsprung im Kalten Krieg sind in „The Road to Hong Kong“ die beiden Kleingauner und -performer Turner und Babcock. Sie werden von Bob Hope und Bing Crosby routiniert, aber nicht überragend verkörpert, was auch daran liegt, dass die Gags oft nicht stimmig inszeniert sind und etwas müde wirken, zudem ist der Film überfrachtet mit solchen Einlagen. Ein Tibetkloster, in dem alle Mönche sehr europäisch aussehen, besonders David Niven als Gedächtnisbewahrer von Lady Chatterley – okay, man hätte aus dieser vermutlichen Anspielung auf den Eurozentrismus des alten Hollywood machen können, wie es so schön generalisierend heißt. Peter Sellers, der bald seine herrliche Rolle als Inspektor Clouseau in „The Pink Panther“ (1963) spielen sollte als indischer Arzt wirkt viel zu grob geschnitzt und Dorothy Lamour, die in jüngeren Jahren die weibliche Hauptrolle in den „Road to …“-Filme spielte als Cameo ist okay, aber der Show-Act zusammen mit den beiden Großentertainern ist kein Höhepunkt des Filmmusicals, Fische, die aus der Kleidung von Bob Hope wabern, hin oder her.

Die schönste Szene ist die eingangs erwähnte, in welcher Hope und Crosby Nahrung in Form von Bananen aus einem Automaten erhalten, weil die Kurzfristigkeit der Entscheidung, Menschen anstatt Affen in den Weltraum zu schicken, keinen Umbau der Apparatur mehr zuließ. Dass aufgrund einer Funkstörung diese Ernährungsmaschine außer Kontrolle gerät, ist beinahe eine 1:1-Kopie der Szene aus „Modern Times“, in der ein profitsüchtiger Fabrikbesitzer am Arbeiter Charlie (Charles Chaplin) eine Maschine testen lässt, die Nahrungsaufnahme während der Arbeit und somit eine Verkürzung der Pausenzeiten erlaubt. Dort brennt die Sicherung durch und der Effekt ist derselbe wie in der Mondrakete – die Maschine dreht sozusagen durch und traktiert den Mensch, den sie ernähren sollte.

Man darf getrost davon ausgehen, dass in „Road to Hong Kong“ nicht so viel Sozialpolitik in diesem maschinellen Kontrollverlust steckt wie 26 Jahre zuvor bei Chaplin, trotzdem ist schon die Art, wie die Bananen durch ein Sichtfenster transportiert, geschält und über einen Roboterarm den Astronauten zugeführt werden, witzig.

Wie so vieles in „Road to Hong Kong“ erschließt sich aber der Sinn einer solche Maschine nicht, denn später, jenseits der Schwerkraft (was ja auch nicht funktioniert) spazieren die Männer frei in der etwas überdimensionierten Raumkapsel herum und hätten sich eigenhändig Butterstullen schmieren können.

Eigenhändig erarbeitet war das Standing im Showbusiness, das Bing Crosby und Bob Hope, jeder für sich, erreicht hatten. Beide halten noch heute Branchenrekorde, die von der legendären Stellung dieser Größen künden. So ist „White Christmas“ in der Originalversion von Bing Crosby bis heute das bestverkaufte Lied auf Schallplatte, Bob Hope ist der Viersterne-General unter den Entertainern. Viermal kann man ihn auf dem Walk of Fame antreffen, weil er in allen vier verschiedenen Sparten des Showbusiness (Radio, Film, Theater, Fernsehen) außerordentliche Erfolge vorweisen konnte.

So ist ein gemeinsamer Film der beiden, den wir rezensieren, selbstverständlich auch Reverenz für Karrieren, die in der großen Zeit des Entertainments und den damals tatsächlich beinahe unbegrenzten Möglichkeiten der USA entstehen konnten. Beide Schauspieler hatten beinahe unterbrechungsfreie Karrieren von jeweils mehr als 30 Jahren, Bob Hope erlebte ein ganzes Jahrhundert und war bis zuletzt geistig auf der Höhe. Heutige Schauspieler können froh sein, wenn sie sich in einer oder zwei Sparten für einige Jahre ganz oben halten, niemand ruft in den USA mehr dieses Gefühl hervor, dass jemand ein guter Gefährte der ganzen Nation ist und deren Träume und Möglichkeiten verkörpert, wie es seinerzeit viele Entertainer konnten (das gilt zum Beispiel auch für Frank Sinatra und Dean Martin, die im Film Kurzauftritte als „italienische Fraktion“ haben).

Finale

Alle Mitwirkenden in und an „Road to Hong Kong“ sind größere Könner, als der Film es ausdrückt, dabei stecken einige gute und interessante Ideen drin. Man hat sie aber eher lieblos aneinandergereiht und alles Mögliche so miteinander vermischt, dass darin vielleicht auch schon wieder eine Ironie gesehen werden kann – Topkräften wie Hope und Crosby kann nicht entgangen sein, dass der Film plottechnisch und überhaupt technisch nicht auf der Höhe der Zeit noch irgendeiner Höhe ist, so liegt in diesem letzten Road-Movie der beiden auch ein Hauch von Gesamt-Selbstironie. Ikonen, Legenden können solch einen Film drehen, ohne dass sie beschädigt werden. Dazu ist er auch nicht wichtig genug.

Wer zwei alternde Superstars (besonders Crosby wirkt schon ein wenig angejahrt) am Ende ihres gemeinsamen Weges beobachten will und Joan Collins, die hierzulande vor allem in ihrer Rolle als Denver-Biest namens Alexis Carrington bekannt ist – der sollte die beiden Granden lieber in ihren guten Filmen sehen und Joan Collins ist als Alexis auch charakterlich besser definiert als in diesem Feature aus den frühen 60ern.

Viele Ideen, deren Vorhandensein aber auch die schwache Ausführung beinhaltet, dazu eine handwerklich-inhaltlch bescheidene Gesamtausstrahlung führen zur schlechtesten Bewertung, die wir bisher für einen amerikanischen Film vergeben haben (2). Dabei spielt sicher eine Rolle, dass wir weniger nostalgische Gefühle für Bob Hope und Bing Crosby als Personen haben, als dass wir ihr Leistungen als Sänger, Schauspieler, Komödiant, Entertainer schätzen. Davon aber gibt es in anderen Filmen weit mehr zu sehen.

Angesichts der aktuellen Situation in Hongkong käme es heute vielleicht noch zu einigen zusätzlichen Anmerkungen, wenn wir den Film jetzt erst gesichtet hätten. Als Titelbild haben wir ein Still gewählt, das keine Elemente von rassistischer Diskriminierung oder kultureller Aneignung zeigt, sondern Bob Hope und Bing Crosby in der für die „Road to …“-Filme typischen Kluft mit gestreiften Jacketts und Strohhüten, wobei sie die Joan Collins, die weibliche Hauptdarstellerin, rahmen.

44/100

© 2021, 2012 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Eine weitere Anspielung – auf „Lost Horizon“, der 1937 einen Flugzeugabsturz im Himalaya beschreibt und als genreprägendes Werk auch in anderen Filmen vielfach zitiert wird.   (2) Dieser Metagag wird von der deutschen Synchronisation vernichtet. „Fahrenheit 451“ ist selbst ein Buch über Menschen, die Bücher auswendig lernen, weil Literatur in ihrer negativen Zukunftswelt (Dystopie) vernichtet wird. Die hiesige Übersetzung rekurriert auf die Ilias und die Odyssee und enthält auch sonst Anspielungen auf deutsche Verhältnisse („Pyjama von Curd Jürgens“ für einen etwas asiatisch designten Raumanzugtyp), die man anstelle von Originalwitzen eingesetzt sind, die man wohl für zu speziell fürs deutsche Publikum hielt.
(2) Wie die gesamte Rezension gibt diese Bemerkung den Stand vom Oktober 2012 und der damaligen „FilmAnthologie“ des ersten Wahlberliners wieder, die zu dem Zeitpunkt 68 Positionen enthielt.

 

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