Ein Pyjama für zwei (Lover Come Back, USA 1961) #Filmfest 550

Filmfest 550 Cinema

Ein Pyjama für zwei (Lover Come Back) ist eine US-amerikanische Filmkomödie des Regisseurs Delbert Mann aus dem Jahr 1961 mit Doris Day und Rock Hudson in den Hauptrollen. Der Film ist die zweite von drei Liebeskomödien, die Doris Day und Rock Hudson gemeinsam zeigt. Sie konnten damit an den Erfolg von Bettgeflüster anschließen. Im Jahr 1964 folgte die Komödie Schick mir keine Blumen.

Für „Bettgeflüster“, den Vorgänger, gibt es beim Wahlberliner bereits reine Rezension, welcher Film ist besser? „Der Mann, der zuviel wusste“ natürlich. Es ist der Hitchcock-Film von 1956, in dem Doris Day das einzige Mal mit dem Meister zusammengearbeitet hat und in dem sie den Riesenhit „Que Sera, Sera“ singt, ist wohl der beste Doris-Day-Film. Und der einzige Hitchcock, in dem es ein Original-Musikstück gibt, das Weltrum erlangte. Und damit mehr zu den Komödien und zu „Lover Come Back“, es steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

Jerry Webster und Carol Templeton sind rivalisierende Werbefachleute. Jerry geht bei seinen Geschäften recht skrupellos vor, um sich neue Kunden zu sichern, während Carol ihre Klienten mit Charme und Fachwissen ködert. Nachdem Templeton dann Webster beim Werbefachverband anzeigt, schickt dieser ein Showmädchen, um dessen Mitglieder zu verführen. Als er dieser dafür eine Rolle in einem Werbespot für ein imaginäres Produkt namens VIP verspricht und auch einen solchen Werbefilm dreht, wird dieser Werbefilm versehentlich ausgestrahlt.

Jerry muss nun irgendein Produkt finden, um weiteren Problemen zu entgehen, also gibt er das Produkt bei dem Chemiker Linus Tyler in Auftrag. Bei ihren Nachforschungen gelangt Carol Templeton in das Labor des Chemikers, wo sich zur selben Zeit auch Jerry Webster befindet. Kurzentschlossen gibt sich Webster selbst als Chemiker und Erfinder von VIP aus.

In den folgenden Tagen versucht Carol Templeton der Werbeagentur Websters den VIP-Werbeauftrag auszuspannen, indem sie den vermeintlichen Chemiker umgarnt. Dabei lässt sich Webster in der Rolle des Chemikers von ihr aushalten, mit Wein, Abendessen, Golfspiel und Strandbesuchen. Webster nutzt die Unwissenheit von Carol auch aus, um an ihre Werbeslogans zu gelangen, die sie ihm frei Haus liefert.

Mittlerweile erfindet der echte Chemiker das Produkt: ein Bonbon, das, in der Blutbahn angekommen, einen starken Alkoholrausch auslöst. Durch die Verköstigung und deren Folgen bedingt, verbringen Webster und Templeton eine gemeinsame Nacht, die nicht folgenlos bleibt, sogar im doppelten Sinne.

Webster und Templeton wachen gemeinsam in einem Hotelzimmer in Maryland auf – wobei sich beide einen Pyjama teilen und miteinander verheiratet sind.

Am nächsten Tag platzen dann so ziemlich alle Lügenkonstrukte, und Carol Templeton lässt die Ehe annullieren. Erst neun Monate später stimmt sie der Heirat – auf der Liege, schwanger und auf dem Weg in den Kreißsaal – zu.

Rezension

Für „Bettgeflüster“, den Vorgänger, gibt es beim Wahlberliner bereits reine Rezension, welcher Film ist besser? „Der Mann, der zuviel wusste“ natürlich. Es ist der Hitchcock-Film von 1956, in dem Doris Day das einzige Mal mit dem Meister zusammengearbeitet hat und in dem sie den Riesenhit „Que Sera, Sera“ singt, ist wohl der beste Doris-Day-Film. Und der einzige Hitchcock, in dem es ein Original-Musikstück gibt, das Weltrum erlangte.

Das kann man von den Songs, die in „Bettgeflüster“ und „Lover Come Back“ (so der Originaltitel von „Ein Pyama für zwei“) von Doris Day oder Rock Hudson vorgetragen werden, schon nicht mehr behaupten, obwohl sie recht nett klingen.

Nun aber zur Ausgangsfrage. Manchmal sind es Nuancen und Stimmungen spielen auch eine Rolle, aber ich finde „Ein Pyama für zwei“ einen Tick besser. Sicher, er ist sehr deutlich dem Muster von „Bettgeflüster“ nachempfunden, aber er wirkt auch wie ein Upgrade. Vor allem dieser Clash der Werbetreibenden ist weitaus besser als die unterschiedliche Berufswelt der Hauptfiguren in „Bettgeflüster“ und bietet mehr echten Grund zum Zoff. Das Drehbuch war für den Oscar nominiert – das für „Bettgeflüster“ hatte ihn allerdings gewonnen. Ich gehe aber davon aus, dass es 1962 entweder starke Konkurrenz gab, als „Ein Pyjama“ an der Reihe war und dass man nicht wieder einen ähnlichen Film prämieren wollte. Am Drehbuch hatte wieder Stanley Shapiro mitgewirkt, und ich nehme an, er war auch in „Bettgeflüster“ schon für die Dialoge verantwortlich. Sicher bin ich nicht, weil ich sie eben in „Ein Pyjama“ noch besser gelungen finde.

Obwohl die Sprache des Films outdated ist, funktioniert sie immer noch auf einer ganz simplen komödiantischen Ebene und auf einer zweiten ist der Film dann wesentlich mehr tricky. Zunächst versucht sich eine kompetente Businessfrau mit guten Ideen und gutem Design gegen einen Mitbewerber durchzusetzen, der vor allem Sex und Alkohol anbietet, um Aufträge an Land zu ziehen, und wer wollte der Tatsache widersprechen, dass beides funktionieren kann und unter Männern vielleicht Letzteres häufiger vorkommt. Selbst in der Welt der Ausschreibungen, deren Standardisierung derlei Vergabepraxis verhindern solle, gibt es Manipulationen aller Art und die Beziehungspflege ist oft das Wichtigste. Und dass die durch gemeinsame Privataktionen betrieben wird, versteht sich von selbst. Es muss dabei nicht immer so wüst zugehen wie auf der Party für den Bohnerwachsproduzenten aus dem Süden, aber schon die Art, wie Webster Gemeinsamkeiten mit seinem Kunden vortäuscht ist, etwas verfeinert, absolut gängige Praxis, um von der sachlichen auf die emotionale Ebene zu kommen, auf der sich eben doch mehr entscheidet, als man im faktenorientierten Geschäftsleben annehmen sollte.

Der satirische Blick steht eindeutig auf der Plus-Seite des Films, und damit das funktioniert, sind eben die gut funktionierenden Dialoge unerlässlich.

Das Schauspiel fällt dagegen schon leicht ab. Wenn man Rock Hudson noch als differenzierten Protagonisten in den Douglas-Sirk-Filmen der 1950er kennt oder in dem epischen Drama„ Giganten“, wo er jeweils sehr natürlich in seinen Rollen wirkt, in letzterem Film wohltuend zurückhaltend im Vergleich zum exaltierten James Dean, kann man ohne Weiteres feststellen, dass er eine große Bandbreite hat. Zusammen mit Doris Day, die 1960 mit „Mitternachtsspitzen“ ihren letzten ernsten Film gedreht hatte, schob er sich aber im Anschluss ganz ins Komödienfach, und das war ja auch zu Beginn der 1960er äußert beliebt. Ob das Teaming der beiden Hauptdarsteller wirklich so gut ist, die Frage darf man sich allerdings stellen. Weder wirkt Doris Day wie jemand, der sich ausgerechnet in Rock Hudson verliebt noch umgekehrt, obwohl beide Schauspieler deutsche Wurzeln und durchaus ähnliche Grundzüge im Auftritt haben. Da wirkt einiges recht stimmig, nur eben die Love Story nicht so recht.

Vor allem der Moment, in dem Carol erfährt, wen sie da in ihre Wohnung mitgenommen hat, war für mich ein Stolperstein. Vielleicht, weil er allzu deutlich und lang vorbereitet wurde – und dann schaltet die Frau von einer Sekunde auf die andere ihrerseits auf Camouflage um, obwohl ihr das, im Gegensatz zu Webster, überhaupt nicht liegt. Da hätte ich mir etwas mehr Fassungslosigkeit gewünscht. Aber das Drehbuch verlangt unverzügliche Rache, und so – wenn auch eher milde, revanchiert sich Carol, indem sie Webster nackt am Strand zurücklässt. Tony Randall gibt wieder den Sidekick und macht das routiniert, der Gag mit dem Wissenschaftler, der das VIP erfinden soll, ist eine weitere Spitze auf die Werbeindustrie und einiges um diese Figur herum ist klassischer Slapstick.

Der Film krankt zum Glück nicht sehr an der übergroßen Dialoglastigkeit, die dazu beitrug, das Hollywoodkino zu Beginn der 1960er in die Sackgasse zu manövrieren, auch wenn er als Komödie genrebedingt viel Text enthält. Die Gespräche der Figuren miteinander werden aber immer so rechtzeitig beendet, dass nicht das Gefühl der Überdehnung entsteht, das manche Komödie aus diesen Jahren und heute ganz schön nervig wirken lässt. Die Kombination von Wortwitz und visuellen Ideen ist überzeugend, aber man merkt an einer anderen Sache, dass dies ein noch ein Film aus der klassischen Periode der Filmstadt ist – vielleicht sind einige New York-Szenen wirklich auf der Straße gedreht, aber der Strand wird komplett im Studio nachgebaut, damit die Beleuchtung optimal, also sehr künstlich wirkt und keine Leute ins Bild rennen. Das fand ich doch etwas sehr aseptisch und es passt auch zu der Art, wie Doris Day ihre eigenen Rollen interpretiert und als Typ wirkt.

In ihren Wutzszenen wirkt sie etwas zu aufgekratzt, und diese extreme Tugendhaftigkeit im Werbebusiness lässt sie nicht nur für Webster exotisch wirken, der weitaus realistischer daherkommt, wenn auch etwas übertrieben in seiner Position als Weiberheld. Da er sich aber, nachdem er für den Chemiker Tyler gehalten wird, permanent verstellt und ihm das mal mehr, mal weniger gut gelingt und er immer wieder zu entgleisen droht, ohne dass Carol es merkt, kann er weitaus mehr zeigen als Doris Day, und das gelingt ihm auch. Sein Wissenschaftler mit echtem Bart wirkt so unecht, dass es schon wieder etwas Authentisches hat. Und wie er die Situation ausspielt, das würde wohl jeder tun, der in dieser Lage ist und die Gelegenheit dazu hat.

In den Szenen, in denen sie Linus Tyler versucht, die Welt beizubringen, wirkt auch Doris Day mit am besten, vermutlich, weil die harmonischen Darstellungen ihr mehr lagen als die auf Kontrast gebürsteten. Dass ihr Privatleben nicht sehr harmonisch verlief und sie auch am Set nicht immer als maxial kooperativ galt, widerlegt diese Onscreen-Beobachtung nicht.

Die Tendenz des Films wirkt zwar zunächst kritisch, die Businesswelt betreffend, sie ist es auch, aber wie schon in „Pillow Talk“ ist sie auch deutlich konservativ. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich die humorlose Carol Templeton alles, was ihr durch Webster angetan wird, selbst zuzuschreiben hat, und zwar nicht nur durch ihre Art, sondern bereits dadurch, weil sie sich in eine Welt hineinbegibt, in der die höchste für eine Frau zu besetzende Stelle nun einmal die einer Sekretärin ist. Es gibt genug Hinweise darauf, dass die Partywelt der Männer doch irgendwie die natürliche Ordnung ist. Am Schluss, als sie dann ein Kind bekommt und im wörtlichen Sinne flach liegt, wir das am deutlichsten.

Finale

Es hat Spaß gemacht, den Film zu schauen, weil diese Art von Komödien heute beinahe ausgestorben ist. Daher gelten alle annehmbaren Filme des Genres als Klassiker, vor allem, wenn sie ansprechend besetzt und gestaltet sind. Danach war ich nicht einmal müde und konnte mir noch einen zweiten Film für den Wahlberliner anschauen, obwohl ich das mittlerweile zu vermeiden suche, weil es vor allem dem ersten Film oder demjenigen, der am nächsten Tag den etwas weniger deutlichen Eindruck hinterlässt, nicht gerecht wird.

73/100

© 2021 (Entwurf 2016) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Delbert Mann
Drehbuch Stanley Shapiro
Paul Henning
Produktion Robert Arthur
Martin Melcher
Stanley Shapiro
Musik Frank De Vol
Kamera Arthur E. Arling
Schnitt Marjorie Fowler
Besetzung

 

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