Mein Leben ist der Rhythmus (King Creole, USA 1958) #Filmfest 567 #LoveMovie

Filmfest 567 Cinema – Lieblingsfilm

Mein Leben ist der Rhythmus ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Michael Curtiz aus dem Jahr 1958. Das Drehbuch basiert auf Harold Robbins’ Roman Die Gnadenlosen (OT: A Stone for Danny Fisher). Die Hauptrolle eines Heranwachsenden im New Orleans der Weltwirtschaftskrise wird von Elvis Presley verkörpert, der in Mein Leben ist der Rhythmus seinen vierten Filmauftritt hatte.

Man muss sich dies vorstellen: Erst seit zwei Jahren war Elvis Presley im Shogeschäft, 23 Jahre alt und spielte bereits zum vierten Mal eine Film-Hauptrolle, ohne ausgebildeter Schauspieler zu sein. Das war auch in Hollywood damals nicht mehr üblich, denn es regierten unter den jungen Darstellern die Method Actors, die Brandos, Deans, Newmans, die alle auf Bühnen in New York begonnen hatten. Dennoch konnte Elvis Presley sich einen Platz unter jenen erobern, die zu den „Rebellen“ zählten. Allerdings von der Musik her, dem Rock’n Roll. Seinen folgenden Auftritt, der eine Zäsur darstellt und den Titel „G.I. Blues“ trägt, haben wir kürzlich besprochen, mehr zu „King Creole“, in dem auch das gleichnamige berühmte Lied aufgeführt wird, steht in der –> Rezension.

Handlung

Danny Fisher hat nach dem Tod seiner Mutter vor drei Jahren arbeiten müssen, um mit seinem Vater, einem arbeitslosen Drogisten, und seiner Schwester Mimi einigermaßen über die Runden zu kommen. Infolgedessen ist er bereits einmal durch die Abschlussprüfung gefallen und hat ein Schuljahr wiederholen müssen. Fest davon überzeugt, diesmal sein Reifezeugnis zu erhalten, macht er sich am letzten Schultag auf den Weg zur Schule. Auf halber Strecke muss er noch in einem kleinen Nachtclub aufräumen, diese Tätigkeit gehört zu seiner Arbeit. Ein paar Betrunkene belästigen dort die Prostituierte Ronnie, der Danny mit einem Trick helfen kann, ihren Freiern zu entfliehen. Als die beiden in einem Taxi in Richtung von Dannys Schule fahren, erfährt Danny von Ronnies Zuhälter Maxie, dem sie trotz vielfacher Versuche nicht entfliehen kann.

Durch den Zwischenfall kommt er zu spät in die Schule, was seine Lehrerin veranlasst, ihm kein Zeugnis auszustellen. Tief betrübt kehrt Danny abends nach Hause zurück. Sein Vater nimmt die Nachricht gefasst auf und will seinen Sohn ermutigen, ein zweites Mal das Schuljahr zu wiederholen. Er werde sich selbst wieder um Arbeit bemühen, damit Danny wegen seiner Nebenjobs nicht allzu sehr vom Lernen abgehalten werde. Doch sein Sohn will davon nichts wissen, sondern lieber Sänger im Klub „King Creole“ des großzügigen Charlie LeGrand werden. Doch sein Vater heißt Dannys Absichten nicht gut, selbst als Danny zum gefeierten Star des Klubs wird und ihn damit vor dem Ruin rettet.

Dannys Glück wird von den Machenschaften des skrupellosen Maxie Fields durchkreuzt, der Danny lieber für seinen Klub gewinnen möchte und ihm daher allerhand Schwierigkeiten bereitet: Er lässt Dannys Vater verprügeln und setzt Ronnie immer mehr zu, zu der Danny ein immer engeres Verhältnis aufzubauen versucht. Während eines Gefechts können Danny und Ronnie fliehen und sich in einer etwas von der Stadt entfernten Hütte verstecken. Doch Maxie findet die beiden und erschießt Ronnie. Sie kann Danny vor ihrem Tod noch sagen, dass sie ihn liebe und die Zeit mit ihm in der Hütte als schönste ihres Lebens befinde, auch wenn sie nicht lange gewährt habe. Maxie stirbt durch einen Unfall, bevor er auch Danny töten kann.

Trotz seiner Trauer um Ronnie tritt Danny fortan wieder im „King Creole“ auf und kann das Verhältnis zu seinem Vater revidieren.

Rezension

Elvis Presleys vierter Film ist um eine ganze Klasse besser als der oben erwähnte „G.I. Blues“. Es handelt sich um nicht weniger als ein A-Movie oder wenigstens um ein B1-Movie, das sieht man bereits an den Mitwirkenden. Die Regie stammt von niemand anderem als von Michael Curtiz, der u. a. „Casablanca“ gemacht hat. Auch wenn Curtiz Ende der 1950er nicht mehr auf der Höhe der 1930er und 1940er arbeitete, die versierte, in Schwarz-Weiß gehaltene Inszenierung, sie sichere Hand eines guten Routiniers merkt man in jeder Sekunde. Timing und Visuelles sind sehr stimmig, Letzeres ist deutlich an den Film noir angelehnt, ohne es zu übertreiben. Hinzu kommen überdurchschnittliche Dialoge, die an keiner Stelle seltsam wirken oder unpassend und die Handlung und die Charaktere, besonders den von Elvis, sehr gut unterstreichen.

Es ist so makaber, dass die noch in der Nazi-Zeit verhaftete deutsche Kritik jener Tage „King Creole“ verriss, weil sie alles ablehnte, was Elvis Presley verkörperte. So kamen dann beim Nachfolgefilm „G.I. Blues“, der in Deutschland spielt, Beurteilungen zustande wie „Jetzt wirkt er etwas freundlicher, vielleicht wird ja schauspielerisch noch etwas aus ihm“. Sinngemäß wiedergegeben. Es ist leider genau umgekehrt. In Filmen wie „King Creole“ bemerkt  Potenzial und Authentizität der Darstellung. Letztere ist so gut, dass man über ein paar schauspielerische Mängel hinwegsehen kann, da hätte man auch noch dran arbeiten können, denn Elvis Presley war ein Performer und als der „King Creole“ in der Bar vorstellt, die dem Film und dem Lied den Namen gegeben hat, merkt man, dass künftige Sänger auch Bühnenschauspieler sein würden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sicher konnte er nicht so exzentisch spielen wie Marlon Brando oder gar James Dean, aber das macht seine Darstellung so sympathisch: Er wirkt echt, nicht wie jemand, der sich als herausragender Interpret einer herausragenden Figur fühlt. Er stellt einen im Grund ehrlichen, gutherzigen Durchschnittsjungen dar, der allerdings mit einer besonderen Gabe gesegnet ist oder deren zwei: Er kann singen und sich auf eine Weise bewegen, die damals neu war und wenn er den Hals seiner Gitarre ins fast ausschließlich weibliche Publikum hält, wenn er den wilden King Creole besingt, dann versteht man und in Deutschland schäumt die Kritik:

Der katholische film-dienst befand 1958, dass Presley „darstellerisch eine Durchschnittsqualität in Marlon-Brando-Manier“ besitze, wobei sich die Tanzeinlagen zu seinen Liedern im Film nur abgeschwächt zeigen. „Das Drehbuch bleibt ebenso natürlich dabei, daß seine ‚Kunst‘ die Menschen nach wie vor in einen Taumel versetzt, nur wirkt dies jetzt, da die Rock’n-Roll-Mode verebbt, selbst auf die unvermindert zuströmenden Halbwüchsigen schon nicht mehr sehr aufregend. Dabei serviert der junge Mann in diesem Film nichts als vierzehn teils neue Schlager. […] Es ist alles unerquicklich, ja widerlich genug, um nicht nur Jugendlichen abzuraten.“[3]

Was hier beschrieben wird, ist 1958 noch gar nicht die Realität gewesen, der Bruch kam erst 1959/60, aber wer viel zu Gott betet, vor allem wenn es um die Sittsamkeit der Jugend geht, der wird erhört. Hätten die Eltern mehr zugehört, anstatt alles, was die neue Jugendkultur ausmachte, zusammen mit Kritiker:innen wie diesen in Grund und Boden zu verfluchen, dann wäre es 1968 und in den darauf folgenden Jahren vielleicht nicht so hart und konfrontativ geworden. Elvis Presleys Karriere haben solche Einschätzungen nicht geschadet, ihr sehr wohl aber eine neue Richtung gegeben. Dafür war es entscheidend, dass die oben zu lesenden Einschätzungen auch in den USA von vielen mitgetragen wurden und auch in der Unterhaltungsindustrie berücksichtigt wurden oder werden mussten. Das führte dazu, dass Presley sich schon durch seine Tätigkeit beim Militär im wörtlichen Sinne in die Gesellschaft einreihte und danach nie wieder dieses rebellische Image aufbauen konnte, das er zuvor hatte. Das war sehr kalkuliert und seine Komödien aus den 1960ern sind nicht mehr mit der durchaus zu erkennenden Ernsthaftigkeit vergleichbar, mit der „King Creole“ gedreht wurde. Ich fand bisher seine Darstellung in einem Nach-Deutschland-Film, in „Flaming Star“ am besten, der ein letzter Ansatz zu einem größeren Entwurf mit Elvis als Schauspieler war, aber als Junge, der zu kämpfen hat, Unverständnis erntet und dann einen blöden Fehler macht, wirkt er in „King Creole“ ebenso überzeugend.

Die Handlung hat einen deutlichen Tiefpunkt, da wusste man offenbar mit dem Drehbuch nicht so recht weiter und wenn ich die Kritik am Moralischen verstehen kann, dann nicht wegen Elvis‘ Liedkunst, sondern, weil er, obwohl er schon auf einem guten Weg ist, sich von den Junggangstern in einen Raubüberfall hineinziehen lässt. Als Vehikel für seine Motivation wird verwendet, dass er seinen Vater aus der Position des Unterdrückten und Ausgebeuteten durch einen fiesen alten Ladenmanager befreien will. Was der Überfall auf diesen, der dann irrtümlich auf seinen Vater ausgeübt wird, dabei bewirken soll, sofern niemand vorhatte, den schikanierenden Chef umzubringen, ist mir schleierhaft, denn Geld aus dem Überfall wollte Danny, Elvis‘ Rollenfigur, ja nicht, auch nicht für seinen Vater. Notwendig ist ein solcher Akt, damit der böse Max ihn erpressen und dazu bewegen kann, doch für ihn zu arbeiten. Angeblich reicht dazu das Wissen der anderen um seine Mitwirkung am Kaufhausdiebstahl nicht aus, aber vor allem war er nicht dramatisch genug. Sogar Dannys Freundin wusste davon. Besser gesagt, das Mädchen, das seine Freundin werden möchte. Dass der Überfall so ablaufen konnte, wie er stattfand, liegt wiederum daran, dass der bösartige Drugstore-Chef plötzlich ganz nett wird und dem Vater von Danny seinen Regenmantel und Hut überlässt. Dass Max hingegen überraschenderweise doch von Ronnies Hidden Place weiß, ist weniger als Plotfehler denn als persönliche Fehleinschätzung ihrerseits zu bewerten.

Die Darstellerin von Dannys Wannabe-Girlfriend, Dolores Hart, ging ein paar Jahre später ins Kloster, weil Danny sie im Film immer wieder vertröstet. Dabei respektiert er sie nur als anständige Person und will erst einmal seine eigene Lage verbessern. Allerdings veliebt er sich im Verlauf auch in ein „gefallenes Mädchen“ und die Gefühle sind echt. So muss die Kaufhausangestellte am Ende wieder warten, weil Danny sich erst einmal über seine Gefühle klarwerden und Gras über den Schock des Todes der anderen wachsen lassen muss. Das wirkt psychologisch sehr nachvollziehbar und lässt Danny viel sympathischer wirken, als wenn es kurz nach dem Tod von Ronnie ein Happy-End mit Nellie gegeben hätte. Deswegen ist auch der Film-noir-Stil richtig gewählt. Zum einen ist der Film auch ein Krimi, zum anderen wird zwar Dannys Karriere Fahrt aufnehmen, doch neben der angedeuteten Versöhnung mit dem Vater muss er sich erst einmal mit einem Verlust auseinandersetzen. Das eigentliche Liebespaar wurde also getrennt.

Wenn ich diesen Film z. B. mit „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ vergleiche, mit dem James Dean zum Idol wurde, wirkt „King Creole“ zwar als Show-Vehikel für Presley zwangsläufig nicht so dicht, aber trotzdem irgendwie echter. Glaubwürdiger. Nicht so abgezirkelt. Kommt eher auf „Blackboard Jungle“, der, wie der Dean-Film, 1955 entstand. Außerdem gibt es mit Carolyn Jones eine sehr gute Darstellerin, die das Mädchen im Zwielicht verkörpert und mit ihrem Boss namens Max sehen wir Walter Matthau, der in jenen Jahren einer der besten Bösewichte-Darsteller Hollywoods war. Dadurch wird der Film packend und Presley kann sich in eine fähige, erfahrene Crew einreihen, deren Support ihn sicher ans Ziel bringt, nämlich einen mehr als anständigen Auftritt abgeliefert zu haben, und dies nicht nur beim Singen von Liedern.

Zu den Liedern selbst: Über „King Creole“ müssen wir nicht viel schreiben, oben haben wir bereits ein paar Worte dazu verloren. Die übrigen Songs sind in einer Art von Staffelung sanfter, einige gehen mehr ins Dixie-mäßige, es gibt ja etwa wie die Stilrichtung Dixie-Rock, die sich hier andeutet, sind teilweise jazziger, greifen den New-Orleans-Blues sachte auf. Insgesamt kann der Soundtrack sich hören lassen. Sehr berührend ist das Ende, als Danny den einstigen Signature Song der toten Ronnie im „King Creole“ vorträgt. Damit hat die Musik über den Film hinweg auch eine starke dramaturgische Funktion, weil häufig an der richtigen Stelle das Richtige gespielt wird. Danny bzw. Elvis wirkt aber auch überzeugend, wenn der die Fäuste fliegen lässt und man kann sich aufgrund der Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit seiner Bewegungen gut vorstellen, dass er den hochgewachsenen, hartgesottenen Gauner Max wirklich zusammenschlagen kann und dieser erst einmal benommen ist, bis er zum Telefon greift und die Dinge so richtig ins Rollen bringt.

Finale

Die Nutzer:innen der IMDb vergeben aktuell für „King Creole“ 7/10. Das ist okay und belegt, dass man Elvis als Schauspieler differenziert sieht und nicht ablehnt, weil er nun mal ein Rock’n-Roll-Star war, der hätte besser beim Singen bleiben sollen oder dergleichen. Vielleicht haben ihm manche, die ihn damals filmisch betreuten, sogar eine Karriere ähnlich der von Frank Sinatra zugetraut, der erst als Sänger, dann auch im Film zu überzeugen wusste. Wäre der Bruch von 1960 nicht so deutlich gewesen, wer weiß. Aber es änderten sicha uch die Zeiten. In der Kennedy-Ära war Rebellion nicht mehr so konfrontativ, denn das ganze Land befand sich im Aufbruch und die Lieder wurden wieder sanfter, das war auch am Anfang der Beat-Ära noch so und wenn man die Beatles von 1964 mit den Rock’n-Rollern von 1955, 1956 vergleicht, ist es schon erstaunlich, dass es ältere Semester gab, die nicht froh darüber waren, dass der Nachwuchs sich den vier Pilzköpfe zuwandte. Schade, dass die Beatles nur wenige und die Stones keine Filme gemacht haben. Ich hätte zu gerne gelesen, was die deutsche kirchliche Filmkritik dazu geschrieben hätte. Gerade Werke wie „King Creole“ erlauben durch die Rückkopplung mit der hiesigen zeitgenössischen Kritik auch einen Blick in die gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit, besser sogar als die Äußerungen zu Mainstream-Filmen mit anerkannten, etablierten Stars und gepflegter Filmmusik.

Um ein Gefühl für die Elvis-Mania zu bekommen, für die Zeit, in der Rock’n Roll mit dem King der King war, auch als King Creole im New Orleans der späten 1950er, ist der Film sehr geeignet und auch dafür, sich anzuschauen, wie eines der großen Hollywoodstudios, die Paramount, die Superstars wie James Stewart unter Vertrag hatte und unter deren Dach Alfred Hitchcock zur selben Zeit einige seiner besten Filme realisierte, sich durchaus progressiv dieses jugendliche Talent zu sichern und in den sicheren Rahmen eines klassischen Liebes- und Krimidramas zu stecken wusste.

76/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Michael Curtiz
Drehbuch Herbert Baker,
Michael V. Gazzo
Produktion Hal B. Wallis,
Paul Nathan
Musik Walter Scharf
Kamera Russell Harlan
Schnitt Warren Low
Besetzung

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