Könige der Sonne (Kings of the Sun, USA 1963) #Filmfest 569

Filmfest 569 Cinema

Könige der Sonne ist ein US-amerikanischer Abenteuerfilm von J. Lee Thompson, inszeniert im Jahr 1963. Uraufgeführt wurde der Film am 18. Dezember 1963. In Deutschland erschien der Film schon zwei Tage später, am 20. Dezember 1963, in den Kinos.

Warum hatte ich, als ich den Film sah, immer „1960“ im  Kopf? Weil ich nicht vorher recherchiere, sondern nachher und über diesen Film bis zum Anschauen wenig wusste. Den Namen kannte ich und wusste, dass Yul Brynner mitmacht. Die Musik stammt von Elmer Bernstein, der einem weiteren Film mit Brynner den unverwechselbaren Sound gab: „Die glorreichen Sieben“. Mein Eindruck war, musikalisch gesehen, dass „Könige der Sonne“ ein Werk ist, das vor diesem Westernklassiker entstand, als sei Bernstein noch auf der Suche nach der Grundmelodie, die er ab 1960 für so viele Filme verwendete – aber nicht für alle, wie wir nun wissen. Regisseur von „Könige der Sonne“ war J. Lee Thompson, der im Jahr zuvor (es war das Jahr zuvor, wie wir nun wissen) „Taras Bulba“ gedreht hatte, einen ebenso weitgehend „pseudohistorischen“ Film wie „Könige der Sonne“, die Kritiker und heute auch die Nutzer der IMDb waren bzw. sind nur mäßig begeistert. Aber im Jahr zuvor hatte J. Lee Thompson auch den Thriller „Ein Köder für die Bestie“ gedreht und zwei Jahre zuvor „Die Kanonen von Navarone“, der unter den Kriegsfilmen bis heute eine ansehnliche Stellung genießt. Mehr zum Schlachten- und Kulturgemälde „Die Könige der Sonne“ in der –> Rezension.

Handlung

Die gefürchteten Krieger unter der Führung von Hunac Ceel dringen in die Gebiete der Mayas vor. Bei den Kämpfen wird der König der Mayas getötet. Sein Sohn Balam wird sein Nachfolger und führt sein Volk, gegen den Einspruch des Hohepriesters Ah Min, zur Küste. Die feindlichen Krieger drängen nach und zwingen die Mayas, über das Meer zu fliehen.

Sie erreichen Nord-Amerika, wo sie sich in Frieden ansiedeln wollen. Doch schon bald werden sie von einem benachbarten Indianerstamm unter der Führung von Black Eagle angegriffen. Im Kampf mit Balam wird der Indianer verwundet und gefangen genommen. Balams Verlobte Ixchel pflegt Black Eagle wieder gesund. Balam kann die Opferung Black Eagles verhindern. Die beiden werden Freunde, sie beschließen, dass ihre Stämme in Frieden nebeneinander leben sollen.

Unterdessen sind die Krieger Hunac Ceels, die die Maya-Zivilisation zerstören wollen, nach Nord-Amerika gelangt. Sie greifen die Mayas an, doch diesmal werden die Eindringlinge, mit der Hilfe von Black Eagles Stamm, geschlagen. Bei dem Kampf rettet Black Eagle seinem Freund Balam das Leben und wird dabei getötet.

Rezension

Trotzdem fand ich offenbar die Inszenierung leicht „outdated“, was möglicherweise auch an der Farbgebung von de Luxe liegt, die eher an die späten 1950er erinnert als an die meist schon recht natürlich wirkende Colorierung gegen Mitte der 1960er.

Aus der Maya-Kultur hat man viele Elemente verwendet, die einerseits zusammengeklaubt wirken, andererseits eine verblüffende Gesamtidentität herstellen – die herausragende Rolle der Menschenopfer wurde zum Beispiel erst 1973 durch Entziffern der Maya-Schrift bestätigt, der König heißt „Balam“, den Namen tragen historische Aufzeichnungen der Maya ebenso wie eine Gegend und natürlich gab es die Yúcatán-Maya mit ihrer Hauptstadt Chicen Ítza, die im Film beschrieben werden. Sie werden von einem konkurrierenden Stamm vertrieben und erreiche per Schiff den Golf von Mexiko. Dass Maya auch im Golf von Mexiko siedelten, ist ebenfalls bekannt. Wofür wir bei der Grundrecherche keinen Beleg fanden: Dass sie dort auf Native Americans, Prärie-Indianer, trafen und dass die Begegnung so spannend verlaufen wäre wie im Film. Wenn man das Ende weiterdenkt, müssten sich die Völker im Anschluss vermischt haben, nachdem der alte Widersacher von Balam, der es geschafft hatte, die Geflüchteten aufzuspüren, mit Hilfe der „Indianer“ besiegt worden war.

Weiterhin reflektiert der Film den heute überwiegend als Grund für das Ende der klassischen Maya-Epoche angenommenen Verlust an ökologischer Einbindung der Kultur: Zu viele Menschen beanspruchten den wenig fruchtbaren Boden der Gegend zu sehr, die Art des Ackerbaus konnte nicht so umgestellt werden, dass er der Bevölkerungsexplosion gerecht wurde. Im Film erreichen die Maya um König Balam das gelobte Land, in dem der Boden viel fruchtbarer ist als in der alten Heimat, bauen dort im Expresstempo Hütten und sogar eine Steinpyramide, denn nichts geht über die religiöse Kontinuität in der Fremde. Am Ende aber lassen sie von den Menschenopfern ab – ein einziges auslösendes Ereignis, die kulturelle Konfrontation und dann die Kooperation mit dem Stamm der Native Americans unter Häuptling „Schwarzer Adler“ reicht dazu aus, um die Macht des Priestertums einzuschränken, symbolisch muss auch derjenige Priester dran glauben, der die aufrechten heimischen Einwohner gegen die neuen Mitbewohner aufbringen will. In der nachklassischen Phase gab es diese Opfer tatsächlich nicht mehr.

Die Geschichte der Kriege oder bewaffneten Auseinandersetzungen in diesem Film ist geradezu gleichnishaft. Alle Menschen sind mehr oder weniger tapfer, aber der Stamm von Balam kann mit seinen Holzwaffen den Angreifern nicht standhalten, die aus Erz geschmiedete, schwertähnliche Instrumente besitzen, muss fliehen und die berühmte Stufenpyramide von Chichen Itza zurücklassen. In der neuen Heimat, das spürt man, hätte die eher am Ackerbau orientierte Gruppe gegen die flinken Prärie-Indianer, die als Jäger leben, das Nachsehen gehabt. Da diese sich aber schlussendlich mit den Neuankömmlingen gegen die alten Feinde Balams verbünden, kommt der multiethnischen Waffenbrüderschaft etwas zugute, was die Verfolger aus Yucatan nicht kennen: Die Möglichkeit, mit Pfeil und Bogen auf Distanz anzugreifen. Dadurch wendet sich das Kriegsblatt, Balam und sein Volk und die neuen Verbündeten siegen.

Der Fortschritt, die Veränderung, die gegenseitige kulturelle Bereicherung, die einen lernen Ackerbau, die anderen das Jagen, sind große Themen von „Könige der Sonne“ und nach meiner Ansicht wurde er wegen seines etwas sehr freien Umgangs mit der Historie von zeitgenössischen Kritikern unterschätzt. Sicher ist die Darstellung idealisiert, aber sie entspricht der hoffnungsfrohen Zeit, in welcher der Film entstand. Vielleicht ist er gerade deshalb inhaltlich auf der Höhe, obwohl die Inszenierung recht klassisch oder auch ein wenig steif wirkt. Heute kann man vielleicht wieder darüber lächeln, wie seinerzeit davon ausgegangen wurde, dass alle sich auf gleich zusammenfinden und es am Ende keine Vorbehalte gibt, die aus dem Bewusstsein der Überlegenheit der eigenen Kultur resultieren. Zur Sicherheit wird deshalb darauf abgestellt, dass die Maya den Native Americans dankbar gewesen sein dürften, weil sie von ihnen vor dem Untergang bewahrt wurden. Ein bisschen übertrieben erscheint die Motivation des Verfolgers, der es nicht bei der Vertreibung des Königs belässt, sondern ihm nachsetzt, nicht, weil er dessen Volk vernichten will, sondern weil er selbst erst als König inthronisiert werden kann, nachdem der Vorgänger getötet wird.

Finale

Vieles in dem Film erscheint gar nicht unlogisch, auch wenn ich zwischenzeitlich dachte: Klar, dass eine Frau fast einen Krieg heraufbeschwört. Die schöne Ixchel ist allerdings auch ein Symbol – obwohl sie von dem attraktiven und temperamentvollen Schwarzen Adler begehrt wird und es zwischenzeitlich so aussieht, als würde sie ihm ebenfalls zugeneigt sein, liebt sie doch immer Balam, mit dem sie ursprünglich  zwangsvermählt werden sollte.

Im Grunde haben sich ja  zwei Gruppen übers Meer gen Norden begeben: Ihr Stamm, der die Boote stellt, und die Gruppe von Balam, die aus dem Inland stammt. Letztlich aber bleibt die Zuneigung innerhalb der Kultur, der beide Gruppen entstammen. Ob das 1963 noch ein konservatives Element war, lässt sich schwer sagen, denn es gab zuvor schon Filme, in denen vor allem progressiv gesinnte Schauspieler wie Kirk Douglas auftraten, die eine Verbindung zwischen Weißen und Native Americans zeigen. Eine offiziell sanktionierte Liebe zwischen einer Weißen und einem Afroamerikaner wurde allerdings erst 1967 in „Rat mal, wer zum Essen kommt“ in einem Film verarbeitet und die Überwindung der Rassenschranken war auch das Thema des Films. In den historischen Kontext zweier „anderer“ Ethnien eingebettet, hätte man allerdings auch 1963 schon eine Heirat zwischen Angehörigen dieser Ethnien zulassen dürfen.

71/100

© 2021 (Entwurf 2020) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie J. Lee Thompson
Drehbuch Elliott Arnold
James R. Webb
Produktion Lewis J. Rachmil
Musik Elmer Bernstein
Kamera Joseph MacDonald
Schnitt William H. Reynolds
Besetzung

 

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