Was die Frau so alles treibt (The Thrill of It All, USA 1963) #Filmfest 574

Filmfest 574 Cinema

Zurück an den Herd, bitte!

Was diese Frau so alles treibt (Originaltitel: The Thrill of It All) ist eine US-amerikanische Filmkomödie mit James Garner und Doris Day aus dem Jahr 1963.

Doris Day war zu Beginn der 1960er der weibliche Kassenmagnet in den USA, wurde mehrfach zur Nr. 1 unter den beliebtesten Schauspielerinnen gewählt. Ihre Popularität steigerte sich bereits während der 1950er immer mehr und gipfelte in der Komödie „Pillow Talk“ („Bettgeflüster“, 1959), in der man mit Rock Hudson ihren Idealpartner gefunden hatte, die beiden machten 1961 weiter mit „Lover Come Back“ („Ein Pyama für zwei“). Ab 1963 übernahm dann der bürgerlicher wirkende James Garner, ab 1965 Rod Taylor die Rolle an der Seite der Blondine mit dem abwaschbaren Image. Ums Waschen geht es auch in diesem Film und das passt wirklich perfekt. Warum? Das steht alles in der –> Rezension.

Handlung

Beverly Boyer ist die Gattin des Frauenarztes Dr. Gerald Boyer und kümmert sich als Hausfrau um Andy und Maggie, beide noch im Kleinkind-Alter. Geralds Rat verhilft seiner Patientin Mrs. Fraleigh zu einer lang ersehnten Schwangerschaft, weshalb sie das Ehepaar Boyer zu einem formellen Abendessen einlädt. Dort macht es die Bekanntschaft von Mr. Fraleigh und dessen Vater, dem Familienpatriarchen Old Tom Fraleigh, der die Seifenmarke Happy produziert und in den Pausen eines Fernsehspiels bewerben lässt. Verärgert über die laszive Atmosphäre der bisherigen Werbebotschaften und angetan von Beverlys natürlichem Charme, macht er ihr das Angebot zu einem großzügig entlohnten Fernsehauftritt, das sie annimmt. Das Fernsehspiel des Sponsors und die von Beverly zu bestreitende Werbepause werden live gesendet, unvorbereitet steht sie im Studio und wird vom Zeichen zu ihrem Einsatz überrascht. Leicht konsterniert blamiert sie sich mit einer peinlichen Begrüßung und einem unbeholfenen Auftritt, der vom unverhohlenen Amüsement der Studiobelegschaft begleitet wird. Gekränkt und gedemütigt will sie es bei dieser Erfahrung belassen.

Der Kritiker einer Tageszeitung indes lobt ihre Vorstellung, was Old Tom Fraleigh dazu bewegt, ihr ein dauerhaftes Engagement mit exorbitanter Entlohnung anzubieten. Gerald versucht Beverly zunächst davon abzubringen, wird von ihr aber an seine frühere Forderung erinnert, Frauen sollten sich nicht auf den Haushalt beschränken. Nach ihrem Auftritt wird Beverly von der Einladung zu einer anschließenden Party überrascht, bei der sie von Mitarbeitern des Sponsors und der Sendeanstalt begeistert aufgenommen wird. Zuhause führt ihr Fehlen jedoch zu Irritationen und der fristlosen Kündigung der Haushälterin Olivia. Beverlys zunehmende Beliebtheit erhöht ihr Arbeitspensum, neben Foto- und Filmaufnahmen wird sie auch noch für einen zweiten, wöchentlichen Sendetermin verpflichtet. Darunter leidet das Familienleben, zudem ist die neue Haushälterin Magdalena mit ihren sprachlichen Defiziten keine große Hilfe. Die Situation eskaliert, als der Sponsor ohne Beverlys Wissen einen Pool im Garten der Familie bauen lässt, in den der ahnungslose Gerald seinen Wagen fährt, worauf er im Streit das Haus verlässt und die Nacht im Hotel verbringt. Anderntags beginnt er damit, eine vermeintliche Affäre mit seiner Assistentin Ms. Thompson zu inszenieren, Beverly reagiert eifersüchtig und verunsichert.

Nach einem missglückten Fernsehauftritt hofft sie auf eine Aussprache mit Gerald und erwartet ihn auf einer Party des Sponsors. Als bei Mrs. Fraleigh die Wehen einsetzen, macht sie sich zusammen mit ihrem Mann und Beverly auf den Weg ins Krankenhaus. Gerald ist inzwischen bei der Party eingetroffen, erfährt die neue Entwicklung und macht sich auf den Rückweg. Beide Parteien nehmen allerdings unterschiedliche Routen, während Gerald im Krankenhaus ankommt, bleiben die Fraleighs und Beverly im Verkehrsstau stecken. Mit Hilfe einer berittenen Polizeistreife gelangt Gerald noch rechtzeitig zu seiner Patientin und entbindet sie mit Beverlys Hilfe von einer Tochter. Das wieder versöhnte Ehepaar plant nun selbst weiteren Nachwuchs.

Rezension

Möglicherweise ist diese Komödie hintersinniger als man beim Anschauen zunächst denkt: Wenn etwa die Arztfrau in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal berufstätig wird, erzählt „Mein Name ist Beverly Boyer und ich bin ein Schwein“, weil sie verwirrt ist durch das Anti-Nazi-Fernsehspiel, das live gesendet wird und das ebenfalls live durch ihre Werbeansprache für Happy-Seife unterbrochen wird. Der Kontrast ist witzig, die Art, wie all diese Fernsehspiele gleich aufgebaut sind, wie man noch sehen wird, ist witzig, aber dass die Frau ein Schwein ist, weil sie das Häusliche fürs Berufliche – verrät? Das kann man nicht einmal sagen, sie wupptprinzipiell ihr Leben mit den Kindern weiter und hat ja auch schon vorher eine Haushaltshilfe gehabt, aber jedenfalls, weil da ein neues Element in ihrem Leben ist, für das ihr Mann etwas Aufmerksamkeit abgeben muss, sich selbste mit einem Mega-Freund als Schwein zu bezeichnen, das ist starker Tobak.

Die Gags in dem Film sind ziemlich gut, für mich plotmäßig einer der besten Doris-Day-Filme und in vieler Hinsicht liebenswerter als „Bettgeflüster“ oder der Nachfolger „Ein Pyama für Zwei“. Die Kinder sind reizend, Garner ein sehr sympathischer Typ und Doris Day spielt nicht schlecht – zweimal gibt es zwar diese körperschüttelnden Wutanfälle, aber nichts wird übertrieben oder zu häufig gespielt. Eigentlich eine sehr süße Familienkomödie, die auch die Werbewirtschaft noch auf die Schippe nimmt, wie eben schon „Ein Pyama für Zwei“ es tat. Aber was immer man den Day-Hudson-Filmen auch nachsagen kann und wenn auch bei ihnen das Rollenbild noch sehr traditionell ausschaut, keiner der anderen Filme ist so deutlich reaktionär wie „Was die Frau so alles treibt“. Schon der deutsche Titel ist eine Beleidigung, denn sie treibt ja nichts, sondern geht nur für ein paar Stunden pro Woche einer beruflichen Tätigkeit nach – die allerdings ein Mehrfaches dessen einbringt, was der Mann in seiner wichtigen Stellung als Kinderarzt in einer Klinik tut.

Das ist es, worüber man in der Tat streiten kann: Ob dies gerechtfertigt ist und man darf es als Seitenhieb auf die gehaltlose Werbekultur der USA verstehen Aber man darf es natürlich nicht mit einer geforderten Festlegung auf überholte Rollenklischees verbinden, nach denen eine Frau tatsächlich nur zum Kinderkriegen da ist, denn auch der Haushalt ist ja so organisiert, dass sie nicht die einfachen Tätigkeiten ausüben muss.

Hollywood hat in den späten 1950ern und frühen 1960ern, also noch überwiegend im klassischen Stil und im klassischen Studiosystem, anspruchsvolle und sozialkritische Filme gemacht, aber eben auch solche, bei denen man sich wirklich fragen muss, wie so etwas im letzten Kennedy-Jahr noch angehen konnte. Zehn Jahre zuvor gedreht, hätte ich den Film als zeittypisch eingestuft, weil die Frauen, die sich im Zweiten Weltkrieg ihre Stellungen außerhalb von Bad und Küche teilweise erobert hatten, weil die Männer abwesend waren, wieder zurück an den Herd gedrängt werden sollte und in den frühen 1950ern war die Welt stockkonservativ. Aber 1963? Sicher, es gibt durch die veränderte Situation ein paar Abstimmungsfprobleme beim Familienleben, diese beruhen aber auf Missverständnissen, auf Umstellungsschwierigkeiten, als auf der Tatsache, dass nun beide Ehepartener berufstätig sind.

Natürlich kann man auch neidisch auf die Zeiten zurückblicken, in denen das Einkommen einer Person für alles Wesentliche ausgereicht hat. Und vermutlich ist das hübsche Haus der Boyers, das ja durchaus sehr modern wirkt, auch im Zeitkontext nicht unrealistisch für einen Arzt, der die Geburtsstation einer großen Klinik leitet. Vielleicht ein bisschen über dem Schnitt, Hollywood eben, aber nicht außerhalb jeder Norm und nicht so maßlos aufgehübscht wie in vielen anderen Hollywoodfilmen. Ums Ökonomische geht es jedoch gerade nicht, hier werden keine Notwendigkeiten diskutiert, sondern eine Frau soll einfach keinen Spaß an der Selbstverwirklichung haben dürfen. Selbst diese ist ja wieder sehr hintergründig auf die Hausfrauenrolle bezogen, aber er weiß, vielleicht wäre Beverly Boyer doch zum Spielfilm gekommen, mit ihrem „natürlichen Charme“, und sowas ging natürlich nicht. In der Tat hatten weibliche Hollywoodstars erst Familien gegründet, nachdem sie bereits bekannt waren und oft funktionierten die Ehen nicht besonders gut.

Eigentlich ist dies kein Familienfilm, sondern ein Film für Männer, die sich nicht emanzipiert haben von der Rolle des großen Jungen, der zuhause die verlängerte Mutter in Person der Ehefrau antreffen will. Diese Angst vor der Unabhängigkeit der Frau ist geradezu greifbar. Sie zerstört nicht den Witz, der in vielen Szenen steckt, den Schwung und das nette Spiel der Darsteller, aber sie überzieht natürlich das Ganze mit einem Ärgerschleier, zumindest für jemanden, der im Jahr 2018 lebt, in dem die meisten Paare, dazu mit zwei Kindern, gar nicht mehr anders können als zu zweit arbeiten, um sich einen Lebensstil leisten zu können, der um einiges unterhalb dessen der Arztfamilie Boyer angesiedelt ist. Ja, wäre schön, wenn heute noch die Wahl bestünde und bei Arztfamilien besteht sie in der Mehrheit wohl auch noch, doch übertragbar auf die Verhältnisse der Mehrheit ist das nicht mehr. Aber so muss diese Komödie damals ja funktioniert haben: Dass viele Familien in ihr Fragen gespiegelt sahen, die auf sie selbst übertragbar waren und nicht auf Männer im weißen Kittel beschränkt.

Eigentlich ist es sogar anders herum: Was der leitende Arzt allein erwirtschaftete, konnte eine durchschnittliche Familie damals, wenn beide Ehepartner arbeiteten, in etwa auch erreichen und es wäre daher doch sinnvoll gewesen, dies etwas mehr herauszuheben.

Finale

Immerhin, der Film hat funktioniert, die Amerikaner hatten damals im Durchschnitt eher drei Kinder als zwei und nachdem die Boyers am Anfang schon zwei haben, soll ja noch mindestens eines hinzukommen. Dadurch wäre die Frau dann auch wieder ausgelastet, denn ein Säugling erfordert nun einmal mehr Aufmerksamkeit als die beiden schon vorhandenen Kids, von denen eines bereits schulpflichtig ist. Mann kann es auch so sehen: Die heutigen Verhältnisse, die vielen Menschen beruflich immer mehr abverlangen, helfen der Emanzipation, weil Frauen sich gar nicht mehr hinter den Herd zurückziehen können, selbst wenn sie es wollten. Aber das macht es nicht besser und der Ärger über die rückwärtsgewandte Tendenz des Films vermischt sich durchaus mit Bedauern darüber, dass heutige Paare häufig nicht mehr die Wahl haben, ob beide berufstätig sein wollen oder nicht. Wenn sie diese Wahl aber haben, dann gibt es ja auch mittlerweile viele Wahlvarianten, die eine etwas fortgeschrittenere Lebensgestaltung ermöglichen.

Dass der Film trotz seiner Haltung noch eine einigermaßen gute Bewertung bekommt, liegt daran, dass er gut gemacht ist und ohne den allzu konservativen ideologischen Background noch um einiges besser wegkäme.

66/100

© 2021 (Entwurf 2018) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Norman Jewison
Drehbuch Larry Gelbart
Carl Reiner
Produktion Ross Hunter
Martin Melcher
Musik Frank De Vol
Kamera Russell Metty
Schnitt Milton Carruth
Besetzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s