Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (Support Your Local Sheriff, USA 1969) #Filmfest 580

Filmfest 580 Cinema

Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe (Originaltitel: Support Your Local Sheriff!) ist eine amerikanische Westernkomödie aus dem Jahr 1969.

Man kann sagen, in den 1950ern war der Western ein stilistisch recht einheitliches Genre, das vor allem auf Action und Dramatik setzte, auf exemplarische Situation und natürlich auf den Mythos, den die USA mit diesem Genre wie mit keinem anderen von sich selbst schufen. In den 1960ern ging es fast ruckartig auseinander: Entmystifizierung führte zu gleich drei Hauptsträngen: Dem Spätwestern, der brutaler war als alles zuvor und in dem die Moral der Protagonisten in Zweifel gezogen wird, dem Italo-Western, der das, was es bisher gab, stilisierte und ebenfalls mit der allzu glorifizierenden bisherigen Sichtweise brach. Und die Westernkomödie als dritte Variante.

Joe Hembus‚ Westernlexikon: „Eine angenehme Abwechslung für alle, die ‚Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming‘ schon dreimal gesehen haben.“

„Cat Ballou“ war 1965 gedreht worden und hinterließ, wie man am obigen Zitat ersehen kann, Eindruck bei hiesigen Kritikern, vielleicht auch, weil mehrere Jahre lang nichts Vergleichbares auf den Film folgte, in dem Jane Fonda Cat Ballou spielte und Lee Marvin den Durchbruch schaffte. Ist nun „Support Your Local Sheriff“ vergleichbar? Darüber und mehr zu diesem Werk mehr in der –> Rezension.

Handlung (1)

Jason McCullough befindet sich nach eigenen Angaben gerade auf dem Weg nach Australien, als er von Goldfunden nahe der fiktiven Goldgräberstadt Calendar in Colorado erfährt. Er hält die Goldsuche für ein gutes Mittel, um seine weitere Reise zu finanzieren. In Calendar angekommen, beobachtet er ein unfaires Duell. Der Überlebende ist Joe Danby, der zu dem einfältigen, aber berüchtigten Danby-Clan gehört, der Abgaben von den Minenbesitzern kassiert und sich in der Region gewohnheitsmäßig fast alles erlauben darf. Jason weist Joe noch darauf hin, dass er eben einen Mord begangen habe, bevor er wieder seiner Wege geht.

Kurz darauf unterhält er sich beim Essen mit den anderen Gästen und erkundigt sich, wie sich ein Mann, der keine Arbeit scheue, in der Gegend ein wenig Geld verdienen könne, da er „…bei der hiesigen Preisentwicklung spätestens heute Nachmittag pleite“ sein werde. Am örtlichen Aushang ist die Stelle des Sheriffs ausgeschrieben. Jason bewirbt sich bei Bürgermeister Olly Perkins, Minenbesitzer und Inhaber des Krämerladens, um die Stellung. Nachdem er seine Schießkunst unter Beweis gestellt und zugesichert bekommen hat, nebenher nach Gold graben zu dürfen, bekommt er vom Bürgermeister und dem zufällig anwesenden Stadtrat die Stelle, zu der neben 150 Dollar im Monat freie Kost und Logis im Haus des Bürgermeisters gehören.

Seine erste Amtshandlung besteht in der Schlichtung einer Prügelei, bei der er gleich den stadtbekannten Trottel Jake als Hilfssheriff rekrutiert. Mit dessen Hilfe verhaftet er auch Joe Danby, den er zunächst mit einem Trick daran hindert, aus dem Gefängnis zu fliehen – denn dieses hat noch keine Gitter.

Die anderen Danbys sind sehr aufgebracht, und ihr Anführer, „Papi“ Danby, versucht erst einmal auf seine Weise, Joe aus dem Gefängnis zu holen. Er begreift aber schnell, dass der neue Sheriff von einem anderen Kaliber ist als seine Vorgänger.

Rezension

Hauptdarsteller James Garner ist ein sympathischer Typ mit Humor, ohne clownesk zu wirken, der einige Jahre zuvor im Komödienfach bekannt wurde. An der Seite von Doris Day in deren Vehikeln. Gerade erst haben wir auf dem Filmfeste „Move Over, Darling„, produziert 1963, vorgestellt. In den 1970ern spielte Garner sich als Detektiv Rockford in die Herzen der Zuschauer. Dazwischen lagen mehrere Westernkomödien wie „Support Your Local Sheriff“ oder „Support Your Local Gunfighter“, schon durch den Titel ist erkennbar, es handelt sich um eine Fortsetzung oder einen ähnlich gestrickten Film, den wir ebenfalls demnächst rezensieren werden.

Der Western als Komödie ist bis heute eine eher seltene Spielart, weil man alles, was man im Western komödienhaft zeigen kann, in jeder Komödie unterbringen kann und die Verballhornung von häufigen Schusswechseln nicht so gut funktioniert, wenn nie jemand dabei stirbt. Anders als ein gelungener Slapstick-Gag reizt das nicht zum Lachen, sondern wirkt lächerlich. An der Grenze dazu operiert auch „Support Your Local Sheriff“. Niemals wäre Neusheriff McCollough angesichts der vielen Schüsse, die auf ihn abgegeben, in der Realität nur ein einziges Mal durch einen Streifschuss leicht verletzt worden. Und skurrile Typen? Sie wirken nirgends besser als in einer Screwball-Komödie, das kann man im Western nicht übertreffen. Der Western lebt von rauer Landschaft, harten Zeiten und Menschen und der Tatsache, dass man vorzivilisatorische Zustände und den Weg zur Zivilisation hier exemplarisch und auf eine glaubwürdige Weise vereinfacht darstellen kann.

Das wird auch in „Support“ thematisiert, aber auf eine ironische Weise, die nichts mehr von den schweren Schicksalen ahnen lassen, von der Mühsal der Pionierarbeit, die schon in der klassischen Hollywood-Ära idealisiert dargestellt wurden. Aber einen skurrilen Typ gibt es auch, zumindest kennt man seinen Darsteller noch in dieser Funktion: Die Legende Walter Brennan. Er hatte schon an der Seite von Humphrey Bogart und John Wayne den Sidekick gegeben und sah in den 1940ern dabei schon so alt aus, wie er Ende der 1960ern tatsächlich war. In „Support“ gibt er die ungewöhnliche Rolle eines jener Rancher, die mit ihren Leuten ihre eigenen Gesetze schaffen wollen und eine Stadt terrorisieren.

Während „Cat Ballou“ eine Frau in den Vordergrund rückt und eine eher ungewöhnliche Handlung aufweist, stellt sich „Support“ ganz in die Tradition und durchbricht sie, indem er einzelne Versatzstücke, die man aus unzähligen Filmen des Genres kennt, auf die Schippe nimmt. Und er versucht sich an einer Frau als komischem Charakter. Gleichzeitig stellt dieser aber auch das Love Interest des Neusheriffs McCollough dar und nach meiner Ansicht funktioniert diese Kombination nicht perfekt, weil die Abweichung zu Frauentypen, die man bisher im Western sah, zu groß geraten ist, um si ein die Tradition des Happy Endings mit dem Protagonistin zu stellen. Bis heute ist diese Figur eine Ausnahme und das empfinde ich auch nicht als frauenfeindlich. Sie wird nämlich vor allem durch etwas eingeführt, was die Amerikaner unendlich lieben: Einen Mudfight mitten auf der vom Regen aufgeweichten, nicht befestigten Straße, die dafür steht, dass die Zivilisation noch ein paar Schritte zu gehen hat, bis sie vollständig etabliert ist. Erstmals gab es eine solche Aktion in einem größeren Film meines Wissens im John-Wayne-Abenteuerfilm „North to Alaska“ (1960), der auch als eine der ersten Westehekomödien gelten kann, aber mehr ausbalanciert ist, weil das Geschehen einen halbwegs ernsten Hintergrund hat. Abenteuer und Humor halten sich in der neun Jahre älteren Produktion die Waage.

Das kann man von „Support“ nicht sagen, hier wird fast im wörtlichen Sinne in die Kacke gehauen, der Schlammkampf war mir zu ausgedehnt und dem Film mangelt es auch sonst manchmal ein wenig an Fokussierung und Rhythmus. Dafür ist er sehr lässig und die Darsteller spielen ihre meist stereotypen Rollen, die auf Grundfiguren des Genres fußen, auch ganz gut, aber ob alle Gags zünden, ist auch eine Frage des Zugangs. Ich habe mich nie schiefgelacht, aber fand den stellenweise überwiegend amüsant und insgesamt nicht langweilig. Das liegt auch daran, dass man sich auf das Wesentliche besonnen hat und er mit 93 Minuten Spielzeit auskommt.

Finale

Eines kann „Support Your Local Sheriff“ auf jeden Fall für sich verbuchen. Er ist heute mit einer Durchschnittswertung von 7,5/10 um einiges beliebter als „Cat Ballou“ mit 6,8/10, zumindest, wenn es nach der Meinung der IMDB-Nutzer:innen geht, die Bewertungen abgeben. Vielleicht, weil er, Kómödie hin oder her, weniger die Konventionen sprengt und doch ein wenig subtiler daherkommt, sofern das bei einem Western überhaupt möglich ist, wenn er nicht den Titel „Der mit dem Wolf tanzt“ trägt. Dass die Westernkomödie sich als Subgenre nicht etabliert hat, muss aber Gründe haben und ich meine, man kann sie in „Support“ auch sehen. Es ist wie bei der Kriegskomödie. Das eigentliche Geschehen ist zu rüde, als dass man es in tausenden von Varianten auf eine Art und Weise persiflieren kann, die nur noch Lachsalven hervorruft. Es gibt Möglichkeiten, eine davon zeigt dieser Film.

Regisseur Burt Kennedy hat unter anderem „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ und „Die Gewaltigen“ mit John Wayne und Kirk Douglas gemacht, ist also auch ein versierter Regisseur für ernstere Spielarten des Genres gewesen, als er „Support“ drehte. Allerdings ist der zweite Film mit den sieben Revolverhelden auf Mission für das Gute nicht mehr so gut wie der erste, auch wenn er einen moderneren, härteren Stil zeigt, das Gleiche gilt für „The War Wagon“, der versucht, dem Durchbringen eines Transports durch alle Gefahren des Westens mit neuen Impulsen zu versehen.

71/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1), kursiv und tabellarisch: Wikipedia

Regie Burt Kennedy
Drehbuch William Bowers
Produktion William Bowers
Musik Jeff Alexander
Kamera Harry Stradling junior
Schnitt George W. Brooks
Besetzung

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