„Ferdinand von Schirach – Glauben“ nach doppeltem Cannes-Triumph am 4.11. auf RTL+ und am 1.12. bei VOX: Fiktive Geschichte inspiriert von „Wormser Prozessen“ | #Filmfest #Vorschau | #Schirach #Glauben #Glaube #Canneseries

Filmfest Vorschau Zuhause – Titelfoto © RTL / MOOVIE / Stephan Rabold

Liebe Leser:innen,

es ist nach einiger Zeit wieder angesagt, Ihnen ein Fernseh-Highlight vorzustellen, das uns noch in diesem Jahr angeboten wird. Wieder hat Ferdinand von Schirach sich mit der Justiz, mit Recht und Gerechtigkeit beschäftigt. Nach den vielbeachteten Dramen „GOTT“ und „Feinde“ kommt mit „Glauben“ eine Miniserie auf den Bildschirm, die reale Vorkommnisse aufbereitet. Dabei handelt es sich nicht um x-beliebige Fälle, sondern um die Wormser Missbrauchsprozesse der 1990er, in denen es zu aufsehenerregenden und gesellschaftlich nicht komplett gebilligten Freisprüchen kam. Sie werden fiktionalisiert auf die heutige Situation übertragen, in der die Reaktionen in den sozialen Medien eine wichtige Rolle spielen.

Sicher wurde gründlich recherchiert und nichts Wesentliches ausgelassen, auch wenn man den Weg gewählt hat, die damaligen Fälle auf eine heutige Situation zu übertragen, um die Reaktionen auf den Verlauf der Prozesse zeitgemäß anhand dessen darzustellen, was in den sozialen Medien dazu gepostet wird. Dafür hat man viel Spielzeit investiert und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis. Leider ist es uns zeitlich nicht möglich, alle sieben Folgen der Serie vor dem Start am 04.11. anzuschauen, aber wir werden uns das Event auf jeden Fall zur Rezension vormerken. Wir haben diesen Beitrag nicht unter „Crimetime“, sondern im „Filmfest Zuhause“ (Fernsehfilme) platziert. Es handelt sich zwar um Sexualdelikte, die hier behandelt werden, aber im Zentrum steht, was vor Gericht geschieht. Wir glauben übrigens, dass die Von-Schirach-Formate dazu beitragen, das Rechtsstaatsverständnis der Menschen zu stärken und nicht wohlfeilen, aber primitiven Instinkten zu folgen, besonders, wenn es um Missbrauch und Vergewaltigung geht und mit noch einmal höherer emotionaler Wirkung, wenn Kinder betroffen sind. Dieser Satz gilt allgemein und ist kein versteckter Hinweis auf die Tendenz der Serie.

*** Pressetext folgt ***

Lieber Herr Hocke,
gerade erst hat die neue Serie „Ferdinand von Schirach – Glauben“ auf dem Canneseries Festival doppelt abgeräumt, schon startet das siebenteilige Fiction-Highlight am 4.11. als Box-Set auf RTL+. Die High End-Produktion der MOOVIE für RTL+, für die Ferdinand von Schirach erstmals auch komplett die Drehbücher geschrieben hat, basiert auf den Wormser Missbrauchsprozessen der 90er Jahre. Alle 25 Angeklagte wurden damals nach 300 Verhandlungstagen freigesprochen.

Von Schirach transportiert den vermeintlich größten Justiz-Skandal der BRD mit einer eigenen fiktionalen Geschichte in die heutige Zeit, in der sich öffentliche Debatten zunehmend in die Sozialen Medien verlagert haben. Die Free-TV-Premiere der Serie mit Peter Kurth und Narges Rashidi in den Hauptrollen ist am 1.12. ab 20:15 Uhr mit vier Folgen am Stück bei VOX zu sehen. Die restlichen Folgen laufen am 8.12. Weitere Rollen spielen Sebastian UrzendowskyDésirée NosbuschKatharina Marie SchubertJulika JenkinsMichael Pink u.v.m.

Wie kollektive Hysterie und Wut die kritische Vernunft ausschalten und blinde Rachegelüste die Opfer übersehen – zum Inhalt: 

Ein Kinderarzt diagnostiziert bei einem Mädchen körperliche Spuren einer Vergewaltigung und bringt damit einen Missbrauchsprozess von bis dato ungekanntem Ausmaß ins Rollen. Kurz nach der Aufnahme der Ermittlungen durch Hauptkommissarin Laubach (Désirée Nosbusch, „Bad Banks“) in dem mutmaßlichen Verbrechen wird in den sozialen Medien bereits die Forderung nach der Wiedereinführung der „Todesstrafe für Kinderschänder“ laut. Der Staatsanwalt Cordelis (Sebastian Urzendowksy, „Babylon Berlin“, „Der Turm“) erhebt in drei Prozessen Anklage gegen 26 Bewohner der Kleinstadt. Die Männer und Frauen werden beschuldigt, einen Kinderpornografie-Ring betrieben zu haben. Der alkoholkranke Berliner Strafverteidiger Schlesinger (Peter Kurth, „Babylon Berlin“, „Die Protokollantin“) soll im Auftrag der kriminellen Geldeintreiberin Azra (Narges Rashidi, „Gangs of London“, „Spuren des Bösen“) einen der Angeklagten im Prozess vertreten. Dabei kämpft Schlesinger nicht nur für seinen Mandanten, sondern auch gegen Falschaussagen, suggestive Befragungsmethoden und die Mühlen der Justiz selbt.

Die Produktion des Justizdramas „Ferdinand von Schirach – Glauben“ liegt bei MOOVIE, Produzent ist Jan Ehlert, Executive Producer ist Oliver Berben. Executive Producerin für RTL+ ist Brigitte Kohnert unter der Leitung von Hauke Bartel. Regie führt Daniel Prochaska. Das Justiz-Drama wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg und der Film- und Medienstiftung NRW gefördert.

Die Wormser Missbrauchsprozesse – begleitende Dokumentation und mehrteiliger Podcast zum Hintergrund der Serie: 

Es war einer der größten Skandale in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte. Es war ein Prozess, der über dreieinhalb Jahre dauerte und Leben ruinierte, Familien zerstörte und Eltern ihre Kinder nahm. Es war aber auch ein Prozess, der Richtern, Staatsanwälten und Gutachtern noch heute keine Ruhe lässt. Ein Prozess, der auf unterschiedliche Art alle 25 Angeklagten und ihre Angehörigen zu Opfern machte. Die begleitende Doku zur Serie „Empörung – Der Skandal von Worms“ beleuchtet, wie sich öffentliche Empörung und Hetze zur Zeit der Wormser Prozesse in den 90er Jahren für die Betroffenen äußerte und welche zerstörerische Kraft öffentliche Empörung bis heute hat. Wie haben die Justizopfer diese schreckliche Zeit erlebt? Wie geht es ihnen heute? Was sagen Expert:innen zu diesem in der deutschen Geschichte einmaligen Justiz-Skandal? RTL+ hält die bewegend und zugleich spannend erzählte Dokumentation ebenfalls exklusiv ab dem 4.11. zum Streamen abrufbereit. Die Free-TV-Premiere läuft am 8.12. um 22:15 Uhr im Anschluss an die Serie bei VOX. 

„Empörung – Der Skandal von Worms“ ist eine Produktion von der Constantin Entertainment im Auftrag von TVNOW/VOX. Produzent ist Otto Steiner, Executive Producer Jan Vogelgesang, Producer Susanne Laermann. Die Redaktion liegt bei Sven Meyer und Julia Schmidt. Ulrich Klugius, Leitung Magazin/Doku Soap/Dokumentation VOX, verantwortet als Executive Producer.

Der Podcast zu „Ferdinand von Schirach – Glauben“ erscheint parallel exklusiv bei AUDIO NOWDie Produktion der Audio Alliance ist der erste Podcast von Autor Ferdinand von Schirach. In neun Episoden und aus drei Perspektiven berichten Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, Richter Hans Eberhard Lorenz sowie Rechtspsychologe Prof. Dr. Max Steller aus ihrem jeweils eigenen Blickwinkel über die Wormser Prozesse. So tauchen die Hörer:innen nach und nach in die unfassbare Geschichte aus Verdacht und angeblicher Schuld ein. Der Podcast erzählt auch, wann die Zweifel begannen und wie der Fall eine Wendung fand. Je drei Podcast-Folgen erscheinen am 4.11., 17.11. und 2.12. Die Hörerinnen und Hörer können dabei selbst entscheiden, welcher Perspektive sie zuhören möchten – oder alle Episoden hören, um das vollständige Bild zu erhalten. 

Der Streamingdienst TVNOW wird am 4. November in RTL+ umbenannt.

***

Wir hatten seinerzeit die Wormser Prozesse nicht mitverfolgt, weil wir schlicht eine andere Agenda hatten und trotz grundsätzlicher Befassung mit juristischen Themen. Auch dieses Mal werden wir vermutlich nicht alles mitnehmen können, was die umfangreiche Produktion von RTL beinhaltet. Es ist aber wichtig, sich zu informieren und Diskussionen zu versachlichen, keine niedrigen Instinkte freidrehen zu lassen und keine Vorverurteilung zu betreiben. Das gilt gerade in dieser aufgeregten Zeit, in der alle einander bei jedem wichtigen Thema Hysterie und Fake News vorwerfen. Die weitere Entwicklung ist abzusehen, wenn sich der Diskussionsstil nicht ändert, nämlich eine Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Stellen, die dafür nicht geeignet sind, u. a. private Plattformbetreiber wie Facebook, jetzt „Meta“, und Twitter. 

Aufgrund der Erkenntnisse aus mittlerweile über 1000 veröffentlichten Crimetime-Rezensionen (Tatort, Polizeiruf 110) müssen wir leider festhalten, dass nicht nur die sozialen Medien falsche Akzente setzen, sondern auch in diesen Formaten die Rechtsstaatlichkeit oft mit Füßen getreten wird, um auf sehr durchsichtige Weise die angesprochenen Instinkte weiter Teile des Publikums zu befriedigen. Bei einer Episode der Reihe Polizeiruf 110 kam es dadurch sogar zu einer Reduzierung der Punktzahl auf die Hälfte und auch hier ging es um Sexualdelikte („Für Janina„, Schiene Rostock). Manchmal gehen Recht und Gerechtigkeit nicht miteinander, das ist besonders in Fällen von Klassenjustiz offensichtlich und nicht nur eine Frage der persönlichen Vorstellung von Gerechtigkeit, aber niemals ist Privatjustiz die bessere Lösung. Die Rächer von heute könnten, wenn der Rechtsstaat seine normative Kraft und seine Durchsetzungsfähigkeit seitens der Exekutive verliert, die Verfolgten von morgen sein. Forderungen nach der Todesstrafe befördern in Wirklichkeit die Gesetzlosigkeit, die wir aus Ländern kennen, in denen deren Anwendung keineswegs zu einer Verbesserung der Sicherheit und zu mehr Gerechtigkeit geführt hat. Mit dieser Haltung werden wir auch ans Rezensieren herangehen, wenn es so weit ist.

TH

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