UPDATE #Corona: „‚Alle Beatmungsbetten sind belegt‘: Münchner Intensivmediziner verzweifelt“ + Die spekulativen Aussagen des Herrn Streeck + Corona-Leugner auf Abwegen + 2G in Sachsen, Ungeimpften-Inzidenz auf Rekordniveau | #Frontpage #Corona #Lage | Rekordzahlen auf mehreren Ebenen #Booster #2GRegel

Frontpage | Corona Lage | Intensivbetten, Streeck, 2G, Booster, vierte Welle mit weiterem Höchststand

Dass die Updates in Sachen Corona nun wieder in rascher Abfolge kommen, liegt zum einen an der Lage, zum anderen an dem Ärger, der bei uns langsam immer mehr hochsteigt. Da die Coronaleugner und Impfskeptiker:innen zu immer härteren Propagandamitteln greifen, halten wir mit Fakten dagegen und bleiben dabei immer auf dem Teppich. Wir geben nur Dinge weiter, die allgemein zugänglich sind und nicht auf wissenschaftlichen Analysen beruhen, die wir nicht verifizieren können.

Auslöser für unser heutiges Update ist dieser Artikel in der Münchener TZ, in dem unter anderem diese Passage zu lesen ist:

„Alle Beatmungsbetten sind belegt“: Münchner Intensivmediziner verzweifelt. Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant. In München werden die Intensivbetten vor Covid-Patienten knapp. In der München Klinik Neuperlach ist die Lage ernst. Im weiteren Verlauf wird geschildert, dass mittlerweile verstärkt darüber nachgedacht wird, Patienten nordwärts, in andere Bundesländer zu verlegen. Auch in München werden mittlerweile die Inzidenzzahlen von Geimpften und Ungeimpften getrennt veröffentlicht. Wir finden das komplett richtig: Wie gestern für Sachsen geschildert, liegen sie die Zahlen bei Ungeimpften um ein Mehrfaches höher (in Sachsen um das mehr als 11-fache, in München etwa um das 9-fache). Weiter heißt es, dass die Operationen von Nicht-Corona-Patienten verschoben werden müssen, weil immer mehr Intensivbetten mit ungeimpften Corona-Patienten belegt sind.

Felbinger (ein Intensivmediziner am Klinikum Neuperlach, A. TH) berichtet von weinenden Patienten, deren Operationen verschoben werden müssen, von erschöpften Pflegekräften – und von wütenden, wenn ungeimpfte Covid-Patienten, kurz bevor sie ins künstliche Koma versetzt werden müssen, weiter behaupten, sie hätten nur einen Schnupfen. „Das sind Momente der Frustration, die wir aushalten müssen.“  

Als sei das alles nicht genug, meldet sich nun auch der unvermeidliche Herr Streeck wieder zu Wort, auf den sich zuletzt unter anderem Sahra Wagenknecht bei Anne Will berufen hat und was zu einer breit angelegten Diskussion auch in der Linken geführt hat. Streeck gibt zur Lage dies kund:

(…) der Bonner Virologe Hendrik Streeck sieht die 2G-Regel in Gastronomie und bei Veranstaltungen mit Problemen behaftet. „Die Geimpften haben das Gefühl, sie sind nicht mehr Teil der Pandemie und verhalten sich auch entsprechend risikoreich“, sagte Streeck am Samstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Wir müssen uns als Geimpfte mittlerweile allerlei Zumutungen seitens der Ungeimpften gefallen lassen, aber das schlägt wirklich dem Fass den Boden aus: Wir werden zur Problemgruppe erklärt und implizit wird behauptet, die Ungeimpften seien die Vorsichtigen, weil sie ja wüssten, dass sie einem höheren Risiko ausgesetzt sind und deswegen schön achtsam sind. Ach ja? Deswegen ist bei ihnen wohl auch die Inzidenz derzeit um ein Vielfaches höher als bei den Geimpften. Manchmal fragen wir uns, ob manche Leute noch merken, was sie daherreden. Ja, es gäbe etwas Besseres als die 2G-Regel: Einen harten Lockdown und danach einen Neustart. Derlei ist aber nicht mehr durchsetzbar, egal, wie die Zahlen aussehen. Die in dem Artikel, in dem auch Streeck zu Wort kommt, erwähnte 1G-Regel ist zumindest bei größeren Veranstaltungen kaum durchführbar und darum ging es doch, dass endlich wieder Big Fun herrschen darf, das war vielen doch so wichtig. Wir hätten aber auch kein Problem damit, uns jeden Tag testen zu lassen. Kostenlos selbstverständlich, wir haben uns bisher nichts vorzuwerfen. Auch für uns war das keine einfache Entscheidung, umgehend zwei Termine zu buchen, als es möglich war.

Die Reputation von Streeck als Virologe können und möchten wir hier nicht betrachten, aber als Psychologe ist er entweder besonders dilettantisch und wildert in der Verhaltungsforschung, oder er ist als Charakter bösartig: Niemand, den wir kennen, der geimpft ist, verhält sich absichtlich leichtsinnig, denn gerade die Geimpften haben ja dokumentiert, dass sie die Pandemie ernst nehmen, indem sie sie impfen ließen. Wir haben eine Abwägung getroffen: zugunsten der Allgemeinheit und zugunsten der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass die Impfungen mehr nützen als schaden. Auch wir sind nicht begeistert davon, dass die Wirksamkeit derzeit in der Diskussion steht und klar geworden ist, dass der Schutz nicht sehr lange auf hohem Niveau anhalten wird. Aber derzeit sieht es noch gut aus und nur wenige von uns werden jetzt Intensivbetten belegen, die Patient:innen mit anderen Erkrankungen dann nicht mehr zur Verfügung stehen. Denn eines gilt bisher als sicher: Wir erkranken weniger häufig schwer an Covid19. Und offensichtlich auch weniger häufig neu, das belegen die aktuellen, nach Gruppen getrennten Inzidenzzahlen.

Nun zur Vorsicht der Geimpften: Am Arbeitsplatz gelten bei uns immer noch strikte Regeln, wir haben keine Vollbelegung, enge Hygiene- und Maskenanforderungen, trotz (jetzt leider: nahezu, siehe vorausgehender Artikel) vollständigem Impfstatus im Team und trotz der Lästigkeit dieser Maßnahmen, die immer wieder den Flow von Arbeitsabläufen und die ungehinderte Kommunikation beeinträchtigen. Zumindest ist das bei uns so, weil wir Alltagsdinge stark automatisiert ausführen und die vollständige Gewöhnung an die internen Regeln nach drei Monaten Präsenz (zuvor ein halbes Jahr Homeoffice) noch nicht vollständig erreicht ist. Wir fühlen uns durchaus beeinträchtigt durch die Corona-Maßnahmen, es ist nicht so, dass wir sie super finden. Aber wir haben alles getan, damit wir die Pandemie so wenig wie möglich mitbefördern. Dies zu einer Zeit im Frühjahr und Sommer, als die Ungeimpften beliebten auf Demos frei zu drehen, unter Missachtung jeglicher Abstands- und Hygieneregeln und mit einem angemaßten Status als Nachfahren der Holocaust-Opfer, der bei uns ein erhebliches Maß an Übelkeit hervorrief.

Gestern hat die Zahl der Neuinfizierten in Deutschland mit 35.806 einen neuen Höchststand erreicht. Das war gestern Platz drei weltweit und bezogen auf die Einwohnerzahl der zweithöchste Wert nach Großbritannien in allen größeren Ländern. Das ist erschreckend und frustrierend, denn wir sind der Pandemie eben nicht mehr ausgeliefert, sondern können uns mittlerweile angemessen verhalten und uns schützen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Inzidenzwerte, die wir z. B. aus München oder Sachsen kennen, allgemeingültig sind, dann müssten über 30.000 oder, vorsichtig gerechnet, also mindestens ca. 80 Prozent dieser Fälle, auf Ungeimpfte entfallen, während diese nur noch ca. 35 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ob es noch mehr braucht, um die Schwurbler endlich zu überzeugen? Vermutlich ja. Wer erst einmal irrlichtert, ist schwer davon abzubringen. Deswegen erzählen wir heute wieder eine Anekdote und liefern im Anschluss Fakten.

Auch in unserer Umgebung gibt es Corona-Leugner:innen. In der Regel keine „Wahlverwandtschaften“, sondern z. B. Menschen, deren Nähe wir uns nicht ausgesucht haben, Nachbar:innen etc. Eine dieser Personen behauptet permanent, sie hätte einen quasi geheimen Zugang zu den Zahlen des Klinikums Buch im Norden von Berlin: Es gebe dort keine Corona-Fälle und die Mitarbeitenden hätten eine Schweigeverpflichtung unterschreiben müssen, damit sie das nicht nach außen tragen.

Bereits vor einem Jahr waren die Helios-Kliniken, zu denen das Klinikum-Buch gehört, dadurch aufgefallen, dass deren recht niedirige Zahlen in der Diskussion standen. Seitdem veröffentlichen sie jeden Tag von jedem ihrer über 80 Häuser in Deutschland die Belegungszahlen, und zwar alle, getrennt nach Corona-Fällen und Nicht-Corona-Fällen. Correctiv hatte damals recherchiert und die Leitung der Helios-Kliniken hatte ausdrücklich klargestellt, dass die in einigen Kliniken noch recht günstige Lage kein Beleg für die Irrelevanz von Corona ist. Die aktuellen Zahlen für das Klinikum Buch haben wir nun nachgeschaut: Drei Corona-Patient:innen auf Intensivstation, 18 Corona-Patient:innen insgesamt, bereits 391 Menschen, die wegen Corona ein Intensivbett belegt haben, gerechnet seit Ausbruch der Pandemie.

Eines kann Berlin: Medizin. Nirgendwo gibt es so viele Spitzenkliniken wie hier, allein die Charité mit ihren vielen spezialisierten Häusern ist einmalig in Deutschland. Daher ist die Lage hier besser im Vergleich zu anderen Gegenden, besonders in Relation zum ländlichen Raum, daher sind auch die Todesfallzahlen im Vergleich zu den Infektionen in unserer Stadt vergleichsweise gering. Trotzdem gibt es mittlerweile offensichtlich überall Corona-Patient:innen, die Intensivbetten belegen. Zu Engpässen scheint das bisher nicht zu führen, aber Berlin hat auch nur eine durchschnittliche Inzidenz, anders als Sachsen oder Bayern. Was von dort zu hören ist, wie der oben zitierte Bericht, kann letztlich zur Triage führen, die wir alle niemals wollten. Ergänzung: Wir haben erst nach der Veröffentlichung gesehen, dass „Triage“ gerade auf Twitter trendet. Aber verwundert es?

TH

Frontpage 05.11.2021, 21:00 Uhr | Corona Lage | 2G, Booster, vierte Welle auf bisherigem Höchststand

Heute habe ich auf Twitter einen Post gelesen, der etwa so lautete: „Wir haben ein Szenario, das in keinem Katastrophenfilm vorkommt. Die Apokalpyse geht weiter, aber niemanden interessiert’s„.

Das kommt wohl von der Gewöhnung. Kino ist kurzfristige Sensation, aber Kriege können ewig währen, ohne dass die Bevölkerung aufsteht und die Soldaten die Waffen niederlegen. Die Menschen machen einfach weiter, obwohl das, was wir aktuell sehen, wahrlich beängstigend ist. Gemäß der folgenden Darstellung war gestern der Tag mit der bisher höchsten Zahl von Neuinfektionen in Deutschland seit Beginn der Pandemie:

Damit hat Deutschland gegenwärtig die weltweit vierthöchste Zahl an neuen Fällen. Wieder einmal. Wie schon während der zweiten Welle vor einem Jahr, aber mit noch größerem Abstand vor den meisten europäischen Ländern. Aber noch extremer als damals ist der rasche Anstieg der Fallzahlen seit einigen Tagen. Und nun wird Sachsen das einführen, was in Teilbereichen des Veranstaltungsbetriebs auch in Berlin schon gilt, aber auf allgemeiner Ebene: Die 2G-Regel (nur noch Genesene und Geimpfte haben Zutritt). Die 3G-Regel schließt auch Getestete ein und gilt z. B. an unserem Arbeitsplatz. Die Testung für Mitarbeitende erfolgt dort für sie kostenfrei. Es gibt einen Grund, warum wir das schreiben.

In Sachsen allein steckten sich zuletzt 4.000 Menschen täglich an und die 7-Tage-Inzidenz beträgt in Sachsen bei Ungeimpften 868. Das ist der höchste je bisher während der Pandemie in Deutschland für ein Bundesland gemessene Wert. Geimpfte hingegen kommen auf eine Inzidenz von 79. Auch das ist viel zu viel, aber der Unterschied macht drastisch klar, warum wir die Pandemie wieder ernst nehmen sollten. Selbstverständlich denken wir über eine Booster-Impfung nach, obwohl wir nicht zu den Risikogruppen rechnen, für welche die STIKO sie jetzt schon empfiehlt.

Allerdings haben wir uns doch etwas von Christian Drosten nachdenklich stimmen lassen, der gesagt hat, seine dritte Impfung geht erst einmal nach Afrika, wo bisher viele nicht einmal einen Erstschutz erhalten konnten. In Israel hat man hingegen mit der flächendeckenden Booster-Impfung die vierte Welle gebrochen, so jedenfalls der aktuelle Stand.

Es wird immer komplizierter, zumal neue Behandlungsmethoden wie Pillen erste Zulassungen in EU-Ländern erhalten. Und mitten in dieser Situation bzw. mit einem Tag Vorlauf, passierte in unserem Team dies:

„Ich muss hinzufügen, dass wir sehr auf Vertrauen gesetzt haben. Wer gesagt hat, er ist zweimal geimpft, der musste nicht sein Impfbuch vorlegen oder den QR-Code zeigen. Gestern outete sich erstmals jemand, der Bedenken gegen die mRNA-Impfstoffe hat, dahingehend, dass er / sie nicht die Wahrheit über seinen Impfstatus sagte. Die Person wird nun vor jedem Arbeitsantritt getestet werden. Ich mag die Person, aber ich war froh, dass sie zuletzt relativ wenig anwesend war und damit das Risiko gering, sich bei ihr anzustecken“

Wir sind einigermaßen erschüttert, aber niemand wird deswegen soziales Bashing inszenieren, das ist nicht unser Ding und außerdem: passiert ist passiert. Das kommt unter anderem dabei heraus, dass gewisse Medien und Politiker:innen meinen, sie müssten die Bevölkerung gegen sinnvolle Schutzmaßnahmen aufhetzen und den Menschen einreden, ausgerechnet dadurch sei auf immer die Freiheit verloren. Da gibt es wirklich andere Tendenzen, gegen die man sich seltsamerweise nie so heftig gewehrt hat.

Gerade Menschen, die eine sehr selektive Weltwahrnehmung haben, lassen sich aber von dieser Entsachlichung des Diskurses stark beeinflussen und selbstverständlich sind auch wir, die solidarisch Denkenden und Handelnden, dadurch mehr gefordert: Es gehört durchaus Mut dazu, bei jeder Maßnahme mitzumachen und weiterhin der Wissenschaft bzw. deren Hauptlinie in dieser Angelegenheit zu vertrauen, die für viele bereits tödlich verlaufen ist oder erhebliche Nachwirkungen nach einer Erkrankung gezeigt hat. Wir müssen aber all das aushalten, was andere in dieser Krise uns aufdrücken, die ihren Teil zur Eindämmung der Pandemie nicht beitragen wollen und wir müssen versuchen, durch unser eigenes Verhalten noch Schlimmeres zu verhindern.

Wir hätten nicht gedacht, dass wir ad hoc wieder in die Corona-Berichterstattung einsteigen werden, auch wir haben uns zuletzt bei „Pegelständen“, die vor einem Jahr noch für Riesendiskussionen gesorgt hätten, weitgehend rausgehalten, weil die meisten es getan haben und auch wir irgendwie müde von dem Ganzen sind.

„Wir hatten uns sehr auf die von uns angeregte erste größere Teamsitzung seit langer Zeit gefreut, die am nächsten Dienstag stattfinden soll. In dem großen Saal, in den wir gehen, wird das wohl trotzdem kommen, mit Abstand. Wir werden wohl nicht canceln oder auf online umstiegen. Aber die Thematik wird eine ganz andere sein als vorgesehen. Geplant war, Projekte und kleine Verbesserungen im Nach-Corona-Betrieb zu besprechen. Was kommen wird: Wie wird nun mit der neuerlichen Groß-Herausforderung umgegangen werden?“

Unsere eigenen Maßgaben haben wir schon sehr gelockert, mit verschiedenen Hilfsargumenten. Aber wenn die Inzidenz in Berlin über 200 steigt, werden wir uns wieder ums Homeoffice bemühen, selbst, wenn es Verdienstausfälle nach sich ziehen sollte. Eigentlich wollten wir spätestens bei 150 einen Schussstrich unter die Präsenzarbeit ziehen, aber die sind ja nun schon überschritten. Und wir werden bei Argumenten pro Vernunft weit mehr unter Druck sein als vor über einem Jahr, als Vorsicht noch selbstverständlicher Stand der Dinge war. Das Problem ist: Immer wieder neue Ausfälle können wir uns kaum noch leisten, in jedem Sinne des Wortes. Deswegen denken wir mit einem Gefühl an die frei drehenden Coronaleugner und Impfverweigerer, die jetzt auch eine gigantische Inzidenz aufweisen und demgemäß die solidarisch Handelndenden massiv anstecken, das wir im Moment lieber nicht benennen möchten. Wir denken auch daran, dass in einzelnen Bundesländern die Intensivbettenkapazität an der Grenze angelangt ist.

Vor allem aber denken wir an Politiker:innen, die durch ihre öffentlichen Statements diese Verweigerungshaltung befördern, sie werden wir in unserer Berichterstattung nicht mehr von Kritik ausnehmen. Gerade dann nicht, wenn sie nicht der gruseligen AfD angehören, aber dieser Tage wieder einmal sehr gerne von Rechten zitiert werden. Zuletzt haben wir uns vorgestern hier zur Sache geäußert.

Einige Medien titeln jetzt in diesem Stil: „Die vierte Welle rollt und wieder kein Plan“. Doch, die Pläne gibt es längst. Aber niemand traut sich, sie durchzusetzen. Aus Gründen. Auch Politiker:innen haben einen Überlebensdrang und befürchten Angriffe aller Art, auch tätliche, falls sie das einzig Richtige tun: Sofort auf die Bremse treten, wobei es ja durchaus Variationsmöglichkeiten gibt. Wir mögen uns gar nicht vorstellen, wie es gegenwärtig aussehen würde, wäre nicht die tapfere Bevölkerungsmehrheit bereits geimpft. Trotzdem läuft es ähnlich wie letztes Jahr im Herbst, was angesichts der ansteckenderen Delta-Variante ebenfalls lange genug vorhergesagt wurde, damit sich alle darauf hätten einrichten können.

Was jetzt wieder läuft, wird noch Folgen haben, auch die politische Kultur und den gesellschaftlichen Zusammenhalt betreffend. Gesellschaften wie diejenigen in Deutschland können solche Krisen nicht mehr managen, das zeigt sich immer mehr, und der Unterschied im negativen Sinne zu anderen Ländern, die ebenfalls als demokratisch gelten, aber in denen man achtsamer miteinander umgeht und der Comment noch einigermaßen intakt zu sein scheint, ist erschreckend.

Damit fällt, lange nach dem Märchen von der deutschen Effizienz, auch die Erzählung von der überwiegenden Konsensgesellschaft in diesem Land, die ein Ergebnis des Zusammenbruchs der Zivilisation in den 1930ern war, eine Gegenbewegung, die doch einige Jahrzehnte weitgehend das Bild bestimmt hat, endgültig in sich zusammen. Anzeichen dafür gibt es schon länger, unter anderem die Zerstörung des Sozialstaates, den Rechtstrend und nicht umsonst sind wieder sehr viele Rechte unter den Spaltern dieser Tage. Aber man kann sagen, jetzt ist es amtlich: Die Reaktionsunfähigkeit der Politik beruht, anders als zu Beginn der Pandemie, auch darauf, dass die Verantwortlichen Angst vor diesen rüden und nicht selten latent oder offen gewalttätigen „Querdenkern“ haben. Was diese Schein-Freiheitlichen damit nebenbei nicht nur selbst gelernt, sondern auch uns allen vermittelt haben: Im politischen Ernstfall wird uns kein Rechtsstaat vor ihnen schützen.

TH

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