#Corona Update 20: Inzidenzlicht und Omikronschatten + eklektische Veranstaltungen und notwendige Maßnahmen + most desired vaccines | #Frontpage #Covid19 #Lage | #Omicron #Omikron #Steingart #Inzidenz

Frontpage | Corona Lage | Inzidenz geht leicht zurück, Omikron kommt, Impfstoffe für Ungeimpfte

Sollen wir heute mal mit etwas Schönem beginnen? Mit Hoffnung in der Krise? Erst vor wenigen Minuten erreichte uns diese Meldung:

In den vergangenen sieben Tagen infizierten sich in der Hauptstadt nachweislich 343,7 von 100.000 Menschen mit dem Coronavirus, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen mitteilte. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damit leicht unter den Werten vom Samstag (351,4) und Freitag (360,7). Am Sonntag vergangener Woche hatte sie 371,6 betragen. Nach wie vor liegt Berlin unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 440.

Die Hospitalisierungsrate steht aktuell in Berlin bei 4,6, die Hospitalisierungsampel demnach auf Gelb und vielleicht kommen wir doch um Rot herum (beginnt bei 6,0). Und damit um ganz viele lockdownartige Maßnahmen, die natürlich nicht Lockdown genannt werden dürfen, sonst führt das sofort wieder zu schrillen Kampagnen seitens der Covidioten und von denen hatten wir in der Hauptstadt wahrlich genug. Der Bundesdurchschnitt liegt inzidenzweise derzeit bei 440, das wurde oben miterwähnt. Dass Berlin etwas besser abschneidet, ergibt sich daraus, aber seit dem Interview in der Zeit, das wir in den Mittelpunkt des 19. Updates gestellt hatten, sind wir uns nicht mehr so sicher, ob das die Realität spiegelt oder ob die Berliner Verwaltung, wie eigentlich bei allem, bei der Erfassung von Neuinfektionen den Underachiever gibt. Nun ja, wir müssen uns auf Argumente vorbereiten, falls die Inzidenz unter 150 fällt, denn dann, so haben wir vor ein paar Wochen verkündet, kehren wir freiwillig vollumfänglich aus dem Homeoffice zurück in die Präsenz, also in dieses raue Leben da draußen, in dem man es mit echten Menschen zu tun hat. Außerdem könnte uns Omikron beim Verlängern helfen.

Sie kennen Omikron nicht? Es ist die Variante Nr. 5, die nicht nur lebt, sondern sich flugs verbreitet. Das gelingt ihr auch deswegen, weil Genesene gegen sie offenbar nicht immun sind, auch für Geimpfte dürfte das also mehr oder weniger gelten. Deswegen wird Omikron als „Immunitätsdurchbrecher“ bezeichnet. Der Rammbock oder Gerhard Schröder („Ich will hier rein!“) unter den bisherigen Corona-Varianten, aber man sagt bisher auch, die Verläufe sind eher milder als zuletzt bei Delta. Selbstverständlich ist das nur eine Momentaufnahme, denn von jedem guten Produkt, das schnell Verbreitung findet, kommt alsbald eine „Plus“- oder „Premium“-Version auf den Markt. Oder einfach eine neue Nummer mit neuem Namen. Allerdings: Geht es besser als „Omikron“? Das klingt doch wie keine Variante zuvor nach einer tödlichen Bedrohung aus dem All. Geheimnisvoll, bedrohlich, unsichtbar. Es gibt zum Beispiel Alpha-, Beta- und Gammastrahlen, aber hat jemand je von einer Omikron-Strahlung vernommen? Wir fragen für einen Freund: Wtf is Omikron?

Und wer glaubt der Berliner Tagesspiegel zu sein? Das würden wir gerne sehen, wie dessen Redaktion Berlin wirklich besser macht, anstatt immer süffisant-ironisch darauf hinzuweisen, dass man es besser könnte, wie im verlinkten Checkpoint gar nicht so subtil angedeutet. Alles, was dort steht, gibt es aber auch beim gescholtenen Senat oder bei Doctolib, und zwar als Gesamtübersicht. Ja, so sind sie, die Berliner. Immer mit der Klappe dem Denken mindestens einen Schritt voraus. Und wir haben es uns freiwillig ausgesucht, mit den Füßen abgestimmt, sozusagen, bis die Füße in Berlin angelangt waren. Jetzt sitzen wir hier und schütteln den ganzen Tag lang den Kopf und was sagt das über uns? Wir sind gute, schon beinahe echte Berliner.

Nun dürfen Sie wieder abstimmen, liebe Leser:innen. Natürlich nicht darüber, ob Omikron rein darf, wir wollen ja realistisch bleiben, aber zum Beispiel hierüber:

Finden Sie es richtig oder falsch, dass Clubs und Diskotheken bei hohen Corona-Infektionszahlen wieder geschlossen werden?

Gegenwärtig sind zwei Drittel derer, die schon mitgemacht haben, absolut dafür, weitere fast 14 Prozent überwiegend dafür. Weil wir uns Ersteres schon beinahe gedacht hatten, haben wir uns für Variante zwei entschieden, einfach, um nichts vorzutäuschen. Die meisten, die so sehr gegen das Clubleben sind, sind was nicht? Clubgänger:innen. Und so ist es auch mit uns, aus dem Alter sind wir raus und denken nur an den Schutz aller: Unter bestimmten Umständen wären wir dafür, alles wieder zu schließen, dann aber wirklich alles bis auf die notwendigen Versorgungseinrichtungen. Auszug aus dem Civey-Begleittext:

Ärzte und Wissenschaftlerinnen fordern indes strengere Maßnahmen. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhard plädiert im Deutschlandfunk z.B. für ein bundesweites 2G-Plus-Modell in Gastronomie und Freizeit. Aufgrund der schweren Kontrollierbarkeit fordert Epidemiologe Hajo Zeeb derweil Kontaktbeschränkungen für alle. Der Einzelhandel kritisiert die 2G-Regel für die meisten Geschäfte zur eigentlich umsatzstärksten Phase.

Dass der Umsatz wichtiger ist als Menschen, ist systembedingt, aber nur mal ein kleiner Tipp: Was passiert wohl mit dem Umsatz, wenn viele Menschen an Corona sterben? Das ist jetzt nicht so schwer, aber wohl doch einen Schritt zu weit gedacht, sorry dafür. Weil es das einzige ist, woran m an beim Lesen von Corona-Artikeln Spaß haben kann, gleich noch eine Umfrage:

Sollte die künftige Bundesregierung eine drastische Kontaktreduzierung aufgrund der aktuellen Coronalage verordnen? Dazu heißt es unter anderem:

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll am Dienstag einen sofortigen Lockdown bis Anfang Dezember gefordert haben. Der Bild zufolge sollen die Ampelparteien dies abgelehnt haben. Zuvor sagte Merkel dem CDU-Bundesvorstand laut dpa : „Wir haben eine Lage, die alles übertreffen wird, was wir bisher hatten.“ Sie warnte vor einer Handlungsunfähigkeit im Gesundheitssystem, besonders auf Intensivstationen.

Ach ja, Gott schenke ihr einen ruhigen Lebensspätsommer, der lieben Angela. Aber hat sie nicht auch dafür gesorgt, dass alles so ist, wie es jetzt ist? Warnen ist gut, vorsorgen und das Gesundheitssystem erhalten, die Verwaltung verbessern, die soziale Ungleichheit bekämpfen ist viel, viel besser. Angela Merkel hat 16 Jahre lang die politische Schule des Lebens in diesem Land geleitet und es nicht verstanden. Daher wirkt das Salbaderische vieler Statements, denen sich auch politische Gegner:innen angesichts ihres Abgangs, getragen von Wehmut, nicht enthalten (zumindest glaubte man, es seien Gegner:innen) lächerlich, vorsichtig ausgedrückt. Die Devise, es hätte ja schlimmer kommen, zum Beispiel mit einer Ampelregierung (die keine zukünftige mehr ist) und in der die FDP den Ton angibt, ist keine Option für progressiv und solidarisch denkende Menschen.

Zum Schluss aber noch etwas, das sogar uns überrascht hat: Viele Impfgenger:innen sind gar keine Impfgegner:innen. Sie sind nur gegen diese wieselwuseligen, sich überall einschleichenden, vollkommen unvorgesehen andockenden mRNA-und auch gegen die Vektorimpfstoffe. Sollten hingegen die Totimpfstoffe endlich zugelassen werden, dann aber. Dann sofort ins Impfzentrum! Hoffentlich sind die Ungeimpften bis dahin nicht alle tot. Denn eine Kritik möchten wir hier ernsthaft anbringen: Es wirkt durchaus wie ein Schutz für die Pharmaindustrie und deren Mega-Gewinne in der Krise, dass die vglw. günstigen Totimpfstoffe, die woanders schon in Anwendung sind, in der EU noch nicht zugelassen wurden. Das soll ja nun kommen, dann gibt es für die vorgeblich nur partiellen Impfgegner:innen, also die Hälfte aller bisher Ungeimpften, keine Ausrede mehr und es wäre dann auch nicht so schlimm, wenn diese toten Impfstoffe nicht ganz so wirksam wären wie die bereits in Gebrauch befindlichen Lebendkulturen. Wenn wir fast alle geimpft wären, wäre die Verbreitung von Covid19 auf jeden Fall mehr begrenzt als so weit unterhalb der „Herdenimmunität“, wie es derzeit immer noch in den DACH-Staaten der Fall ist. Haben wir schon geschrieben, dass wir nächste Woche schon den Booster kriegen können? Aber es wäre Moderna, nicht BionTech. Mon Dieu!, oder, gemäß der hier verwendeten ersten Person Plural: Le Nôtre!

TH

Frontpage | Corona Lage | Gesundheitsämter: Wasser bis Oberkante Unterlippe

Wir haben gerade erst das Update 18 veröffentlicht und schreiben schon am nächsten. Das ist die beste Methode, um der Nachrichtenlage einigermaßen gerecht zu werden, alles, was uns so beim Check der Medien begegnet, gleich festzuhalten. Allerdings haben wir dann doch zwei Tage weiter gesammelt, um hiermit einsteigen zu können:

Deutliche Mehrheit für Impfpflicht und stärkere Maßnahmen

Angesichts drastisch steigender Infektionszahlen unterstützt die Mehrheit der Deutschen eine Verschärfung der Corona-Regeln. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“ gaben sechs von zehn Befragten an, ihnen gingen die bestehenden Corona-Maßnahmen nicht weit genug, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. Der Anteil lag demnach so hoch wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie (Web.de).

Nur 20 Prozent der Befragten finden aktuell die Corona-Regeln angemessen, 17 Prozent gehen sie zu seit. Für eine Impfpflicht haben sich 71 Prozent ausgesprochen (darunter alle Personen in unserem Freundeskreis, mit denen wir bisher über das Thema gesprochen haben), aber etwa Drei Viertel der Befragten haben sich gegen Schul- und Kitaschließungen positioniert. Das sehen wir anders, denn konsequent ist konsequent und wenn man nicht möchte, dass auch für Kinder eine Impfpflicht gilt, was wir nach wie vor bei unter 12-Jährigen nicht befürworten, dann muss auch dieser Übertragungsweg für eine Zeit geschlossen werden. Dass es so weit kommen musste, ist eine ganz andere Geschichte. Dieses Desaster hat die Politik zu verantworten. Wir fühlen mit allen, die von strengeren Maßnahmen besonders betroffen wären und die sich bisher vernünftig im Sinne von kooperativ oder gar solidarisch verhalten haben.

Weihnachtsnormalisierung?

Im Gegensatz zu den obigen Wünschen scheint zu stehen, dass immer mehr Menschen sich ein „normales Weihnachten“ wünschen, wie diese Statista-Grafik zeigt. Aber es war immer schon so, auf Widersprüche stößt man am schnellsten, wenn man zwei oder drei Fragen stellt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, bei näherer Betrachtung aber sehr wohl. Je mehr man in die Tiefe geht, desto mehr merkt man auch, dass wir dringend Regeln brauchen, die sich nicht daran orientieren, wie lange es dauert, bis auch der / die Letzte den Ernst einer Lage begriffen hat und mit seiner Beratungsresistenz unverhältnismäßig großen Schaden anrichten kann. 

Aus dem Begleittext: (…) Lag der Anteil derjenigen, die versuchen wollen Weihnachten so wie immer zu feiern 2020 in Deutschland bei 36 Prozent, sind es dieses Jahr 46 Prozent. Damit ist die Sehnsucht nach einem „Weihnachten wie immer“ hierzulande besonders ausgeprägt, wie der Vergleich mit den USA und Großbritannien zeigt. (…)

Omikron in Berlin

Wie die »Berliner Zeitung« meldete, sei die neue Corona-Variante offenbar bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika, der am Montagmorgen in Berlin ankam, nachgewiesen worden. Am Nachmittag bestätigte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, dass in Berlin ein erster Fall nachgewiesen sei (nd). Mittlerweile gibt es mehrere weitere Verdachtsfälle.

Die täglichen Grunddaten zu Corona und ihr Wert

Im Grunde wäre dies eine Extrameldung wert gewesen, was wir im Folgenden lesen. Denn die leicht rückläufige Inzidenz, ist sie etwa ein Fake? Aus dem Interview mit , das die Zeit mit Ute Teichert, der Vorsitzenden des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst heute geführt und heute veröffentlicht hat:

ZEIT ONLINE: Frau Teichert, stehen die Gesundheitsämter in Deutschland vor einem Kontrollverlust?

Ute Teichert: Die Ämter stehen nicht davor, sie haben die Kontrolle längst verloren. Natürlich gibt es regionale Unterschiede, das ist abhängig von den Inzidenzen. Aber gerade die kennen wir ja oft gar nicht wirklich. Die Zahlen, die gemeldet werden, sind vermutlich nur ein Teil dessen, was wir tatsächlich an positiv gemeldeten Testergebnissen haben.

Das bedeutet nichts anderes, als dass das Chaos bei der Erfassung vermuten lässt, dass die Inzidenz in Wirklichkeit höher liegt. Besonders dürfte das für Gegenden gelten, die ohnehin zu den Hotspots der Pandemie zählen. Liegt die Inzidenz in einzelnen sächsischen Landkreisen also nicht bei 2.000, sondern bei 3.000? Wir werden es an den Todesfallzahlen sehen, denn bei ihnen gibt es keine Untererfassung. Der Zusammenhang zwischen Neuinfektionszahlen und Todesfallzahlen ist zwar nicht mehr so eng wie vor dem Beginn der Impfkampagne, aber wo die Impfquote niedrig und die Inzidenz hoch ist, sind auch relativ viele Todesfälle zu erwarten. Besonders im Osten dürfte sich das auswirken, wo die Bevölkerung zudem relativ stark überaltert ist und dementsprechend viele vulnerable Menschen wohnen.

Im Verlauf des Interviews wird auch erklärt, warum die Überlastung der Gesundheitsämter letztlich zu mehr Hospitalisierung führt, z. B., weil Kontaktermittlung nicht mehr stattfinden und nicht mehr genug Menschen in Quarantäne geschickt werden können, die das Virus tragen und weitergeben, ohne selbst ernste Symptome der Erkrankung zu zeigen. Die Folge der isolierten Betrachtungsweise des Klinik-Desasters hat sich allerdings aufgedrängt, weil zu wenige Beiträge wie dieser durch die Medien vermittelt werden. Aber wie sollte es in dieser vernetzten Welt anders sein, dass ein Management-Fail den nächsten hervorruft oder verschärft? Lesen Sie das Interview weiter und überlegen Sie, wie es aussehen muss, wenn staatstreue Menschen wie die Interviewte sich so äußern. „Politikversagen“, raunt es wieder unüberhörbar durchs Land.

Die Anschlussfrage, die sich uns unweigerlich gestellt hat: Wie hoch ist die Inzidenz in Berlin wirklich, angesichts der traditionell besonders mangelhaften Qualität der hiesigen Verwaltung? Liegen wir tatsächlich, obwohl die Logik nicht unbedingt dafür spricht (dichte Besiedlung, viele Übertretungen der Regeln im Alltag, viele harte Corona-Leugner:innen) unter dem Bundesdurchschnitt? Und damit zur Inzidenz:

  • Deutschlandweit liegt die Inzidenz gemäß RKI bei 442, laut „Zeit“ bei 483, das sind in etwa die Werte, die in den Vortagen bereits gemeldet wurden und signalisieren, dass der Peak der vierten Welle möglicherweise erreicht oder schon überschritten ist. Allerding zeigt sich gegenüber gestern auch wieder ein leichter Anstieg. D
  • Denken Sie bitte bei der Beurteilung an die vielen Unwägbarkeiten, unter anderem an das Interview mit Ute Teichert. Um ein vollständigeres Bild zu erhalten, müsste man alle Gründe sammeln, die dafür sprechen, dass die wirklichen Zahlen nach oben, aber auch nach unten abweichen können. Es scheint derzeit aber sicher, dass die Zahlen nicht übertrieben sind.
  • Die Inzidenz in Berlin ist ebenfalls von ihren Spitzenwerten aus leicht auf 361 gesunken (RKI-Zahl).
  • Der Landkreis Mittelsachsen hat jetzt mit einer Inzidenz von 2062 die Spitzenposition, die zuvor andere sächsische Landkreise innehatten, übernommen.
  • Bundesweit sind gestern wieder 390 Menschen an / mit Corona verstorben. Ende der letzten Woche war der Höchstwert innerhalb der vierten Welle mit 448  gemeldet worden.

Die allzu Verständnisvollen und diejenigen, die das Verständnis gnadenlos ausnutzen

Ein wenig Politikversagen haben wir noch für Sie: Gestern haben wir auf Twitter anlässlich der Update-Publikation die Hashtags #Staatsversagen und #Politikversagen beigefügt. Damit klar ist, warum wir glauben, dass wir nicht übertreiben, lesen Sie bitte diesen Artikel über das sächsische Krisenmanagement. Auch Sachsens Innenminister Wöller trendet heute, meist im Zusammenhang mit „Rücktritt“. Schauen Sie sich das Bild zum Artikel an, prägen Sie sich das personifizierte Versagen ein.

Kein Wunder, dass Corona in Sachsen fast ungehemmt wütet. Die Politik kommuniziert ein unfassbares Verständnis für die rechten Covidioten, was auch bedeutet, alle Menschen, die sich an die Vorgaben halten, müssen sich komplett verarscht vorkommen. Da hilft wirklich nur noch intrinsische Solidarität, damit man die Maske nicht hinschmeißt, auf die lockdownähnlichen Maßnahmen scheißt und sich denkt, warum gerade soll ich mich noch vernünftig verhalten? Nun ja, darum eben. Weil es vernünftig ist. Mehr Rat haben wir für Menschen, in Sachsen, die nicht vom Leugner-Virus infiziert sind, derzeit auch nicht. die Politik wird den Vernünftigen nicht helfen und keine Wertschätzung für sie zeigen.

Damit endet unser heutiges Corona-Update und wir hoffen, für Sie wieder das eine oder andere zusammengefasst zu haben, um verschiedene Aspekte und Perspektiven der Crona-Krise zu beleuchten. 

TH

Frontpage | Corona Lage | Zweitagesbericht, "Dieses Land wird armselig regiert"

Gestern hatten wir eine Pause gemacht, eine Pietäts- und Nachdenkpause. Dafür haben wir heute einige neue Perspektiven auf Corona, die selbstverständlich auch wieder mit Omikron zu tun haben, teilweise stammen die Nachrichten vom gestrigen Tag.

Was gibt es heute Morgen an Meinungen? Gabor Steingart ist in seinem Morning Briefing der Ansicht, Deutschland werde nicht rechts oder links, sondern besch… armselig regiert. Er nennt nicht weniger als sieben Gründe dafür, warum Deutschland seinen Vorsprung in Sachen Corona-Politik sukzessive verspielt hat. Die Covidioten werden dabei auffällig geschont, vielmehr schreibt Steingart die niedrige Impfquote in Deutschland vor allem der „fehlenden traumatischen Erfahrung“ zu, welche die südeuropäischen Länder während der ersten Welle gemacht haben.

Das sehen wir ein wenig anders: Es bedeutet nämlich, dass man hierzulande nicht in der Lage war, aus den Fehlern anderer zu lernen und das ist genauso negativ, wie nicht aus eigenen Fehlern lernen zu können, denn im Ernst: Muss man wirklich jeden Fehler, auch jeden tödlichen, selbst schon gemacht haben, um zur Vernunft zu kommen oder kann man sich anhand von positien und blöden Beispielen auch als denkender Mensch verhalten und Rückschlüsse aus dem ziehen, was anderen passiert? Das ist keine Ansage gegen die Länder, die es anfangs am härtesten getroffen hat, denn damals war Corona komplett neu und die Maßnahmen dagegen waren überall in Europa ähnlich gestrickt, mancherorts sogar härter als während des ersten Lockdowns hierzulande. Nein, die Coronaleugner und Impfgegner sind auch ein typisches Phänomen des DACH-Raumes, wie wir in einem der vorherigen Updates zumindest als eine von mehreren Erklärungen für die niedrigen Impfquoten erläutert haben. Und eine rückgratlose Politik gibt diesen Leuten immer wieder nach, anstatt die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung konsequent zu schützen.

Auch die „Zeit“ ist der Ansicht, die Ampel sei bisher coronapolitisch nicht fit, allerdings mit einem merkwürdigen Spin, der darauf hinausläuft, als ob der Koalitionsvertrag in anderen Bereichen richtig gut sei und die aktuellen Politiker:innen genau richtig für die Krisenlage. Das ist beides eindeutig nicht der Fall und Corona und die soziale Frage, die im Koalitionsvertrag mit „interessiert uns nicht“ beantwortet wurde, hängen miteinander zusammen. Gutes Beispiel ist, dass Olaf Scholz die Impfpflicht irgendwann im März 2022 einführen will. Echt jetzt? Eben nicht jetzt. Wenn man es macht, dann so schnell wie möglich, sonst geht wieder unendlich viel Zeit ins Land, die wir im Kampf gegen das Virus verlieren und die zu vielen komplett unnötigen Todesfällen führen wird.

Am Montag hatte unser Hausarzt mit uns eine PCR-Test durchgeführt, weil wir ungewöhnlich heftige Symptome hatten, die wir zunächst auf eine Erkältung / einen grippalen Infekt zurückführten, die sich aber über mehrere Wochen hinzogen. Schnelltests vor Arbeitsantritt hatten wir deshalb schon mehrfac durchgeführt. Normalerweise wäre daraus keine Panik entstanden, aber man weiß es heute nicht mehr, was hinter Symptomen steckt, man ist verunsichert, das ist auch ein Resultat des Wirkens der freidrehenden Covidioten-Meute. Nur so konnte es passieren, dass wir in Berlin derzeit eine Inzidenz von teilweise über 400 haben, auch in dem Bezirk, in dem wir wohnen. Der Test war negativ, wir atmen auf.

Obwohl vorgestern und gestern erstmals während der vierten Welle die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland leicht zurückging (von 456 auf 452 auf 443), stieg sie gestern auf ist RKI-Chef Lothar Wieler überzeugt, dass wir das wirkliche Ausmaß der vierten Welle erst im Frühjahr 2022 werden beurteilen können und warnt vor weiteren Mutationen. Die Empfehlung, sich impfen zu lassen, ist nicht neu, aber immer noch wertvoll. Die Zahl der Todesfälle hatte zunächst vorgestern mit 388 und dann gestern mit 448 jeweils neue Höchstwerte im Rahmen der vierten Welle erreicht.

Und damit zur Omikron-Variante:

Reuters Daily Briefing vom 30.11.2021: Drugmaker Moderna’s CEO set off fresh alarm bells in financial markets after he warned that COVID-19 vaccines were unlikely to be as effective against the Omicron variant as they have been against the Delta version.

Europe’s main bourses jolted 1.4% lower and oil shed 3%, while Japan’s safe-haven yen, German government bonds and gold all rose. Investors are preparing for swings and opportunities as Omicron spreads.

The EU drug regulator said it could approve vaccines adapted to target the Omicron variant within three to four months if needed, but that existing shots would continue to provide protection.

Für Gold kann man sich viel kaufen, vielleicht auch Gesundheit, aber die Wirtschaft sieht wieder unsicheren Zeiten entgegen und deutsche Staatsanleihen steigen immer, wenn die Welt in Unsicherheit gerät. Beinahe musste ich lachen: Hoffentlich sind nach dem absolut desaströsen Corona-Management in Deutschland in ein paar Jahren noch Menschen übrig, die in der Lage sind, Steuern zu produzieren, mit denen die Staatsanleihen zurückgezahlt werden können oder wenigstens so viele, dass die Märkte dem Land genug Kredit geben, dass es sie durch neue Bonds zu niedrigen Zinsen ablösen kann.

Die Börsen sind in gewisser Weise ein Spiegel aller negativen Eigenschaften von Menschen: Hier spielt menschliches Leid nie eine bremsende Rolle, obwohl auch diese Märkte natürlich eine eigene Psychologie haben. Wenn Krieg ist oder, wie in diesem absolut unpassenden Moment, Hochrüstung angesagt wird, steigen die Aktien von Rüstungsunternehmen, was sonst? Vielleicht nicht gerade in diesen Tagen, aber langfristig gewiss. Jede Krise ist eine Chance, für Spekulanten gilt das in besonderem Maße. Wenn Corona ist, steigen die Aktien von Impfstoffherstellern, aber nicht, weil diese den Menschen helfen, sondern, weil ihre Gewinne sprießen. Würden sie ihre Gewinne mit der Entwicklung innovativer und furchtbarer Waffen erzielen, wäre das börsliche Resultat bei gleicher Gewinnhöhe nicht anders. Jetzt könnte man auf Moderna setzen, oder? Aber wie das gesamte kapitalistische System haben die Börsen nicht das Unvorhersehbare eingepreist und nicht die langfristigen Folgen dieser Form des Wirtschaftens.

Derweil hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts die Bundesnotbremse vom Frühjahr 2021 nachträglich legitimiert, und zwar ohne Abstriche. Das könnte noch wichtig werden, falls ein neuer Lockdown als notwendig erachtet werden wird. Durch die Delta-Variante ist man ja nun ohne einen Ansatz von einheitlichem Management hindurch gestolpert und das liegt nicht nur am Föderalismus. Insbesondere die Tatsache, dass sich im bevölkerungsreichen Bayern die Lage langsam verbessert, dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Aber wir haben ja nun Omikron, das nicht nur an die Tür klopft, sondern einfach hindurch spaziert ist, weil hierzulande alle Scheunentore offenstehen. Der Tenor dieses „Zeit“-Kommentars ist: „Zögern kostet Freiheit“ oder „Not kennt sehr wohl Verbot“ (oder Pflicht). Anders ausgedrückt: Den Corona-Leugnern alles durchgehen zu lassen, wird letztlich die Freiheit von uns allen weitaus stärker einschränken, als diesen bestimmte Pflichten aufzuerlegen. Und wie ist der Freiheitsbegriff in der Krise überhaupt zu definieren? Situationsangepasst natürlich, das ist eine Frage der Vernunft. Am Ende des Kommentars dann ein Winken mit dem nächsten Problem: Wie müssen individuelle Freiheit und Klimakrise gegeneinander abgewogen werden? In der Ampel sitzt eine Partei, die dazu eine komplett vorgestrige Einstellung hat, wir sind sehr gespannt, ob die Grünen wenigstens in Sachen Klimapolitik unter diesen Voraussetzungen ihre Versprechen einigermaßen einhalten können.

Wenn wir schon bei der Justiz sind, lesen Sie bitte auch diesen Artikel „Corona-Rebellen in Robe“ denn das Vertrauen ist ein Eichhörnchen. Selbst beim Bundesverfassungsgericht gibt es Unterschiede in der Rechtsauslegung zwischen dem Ersten und dem Zweiten Senat, der eine deutlich konservativere Linie fährt und zuletzt für problematische Entscheidungen wie das Kippen des Berliner Mietendeckels verantwortlich zeichnete, aber was sich auf den nicht so hohen Ebenen der Gerichtsbarkeit abspielt, ist genauso bedenklich wie das, was allgemein in der Bevölkerung zu beobachten ist.

Nun könnte man sagen, wieso nicht, Richter:innen sind auch Menschen wie du und ich. Das mag privat noch gelten, aber nicht, wenn Recht gesprochen und über die Lebensumstände vieler anderer Menschen entschieden wird, wie das bei der Corona-Rechtsprechung der Fall ist. Dienstlich sind an Juristen hohe Maßstäbe bezüglich ihrer Urteilsfähigkeit anzulegen, besonders, wenn sie tatsächlich weitreichende Urteile zu sprechen haben, weil sie die Richterlaufbahn eingeschlagen haben. Dass es auch in dieser Zone, in der Entscheidungen besonders gut sachlich abgesichert sein sollten, zu Schwurbeleien kommt, die nicht nur die Mentalität, sondern auch die Qualität der betreffenden Richter:innen als Justizpersonen infrage stellt, lässt wiederum Fragen an die Jurist:innenausbildung und die Eignungsnachweise für den Justizdienst zu.

Damit kommen wir für heute zum Ende. Die Publikation des Artikels früh am Tag kann dazu führen, dass ein weiteres Update folgen muss, aber wir hoffen natürlich immer, dass dies nicht notwendig wird.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Impfpflicht, weitere Rekordinzidenzen

Die brennendste Frage dürfte im Moment nicht mehr sein, ob wir noch halbwegs durch den Winter kommen werden. Wer gestern Abend Anne Will gesehen hat, weiß, es ist hoffnungslos. Beleg: Der eingebettete Tweet. Deswegen konzentrieren wir uns zum einen auf Infos zur neuen Omikron-Variante, zum anderen auf die üblichen Fakten und möchten Ihnen außerdem eine Umfrage empfehlen, die Civey gestern gestellt hat und die von Tag zu Tag wichtiger wird:

Sollte es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Deutschland geben?

Über 73 Prozent derer, die bisher abgestimmt haben, sagen gegenwärtig: auf jeden Fall oder eher ja. Trotz unseres großen Ärgers über die ca. 19 Prozent, die aktuell strikt dagegen sind, haben wir nur mit „eher ja“ abgestimmt. Wir sind das niemandem schuldig, aber es war schon bei den Nazis so, dass diejenigen, die nicht für die Nazis waren, sich nicht entziehen konnten, an die Front mussten, gestorben sind, also trifft es uns wieder alle mehr oder weniger, in diesem Land der Spinner. Sie erinnern sich, wir haben im vorletzten Update unter anderem über Kriegsrhetorik nachgedacht. Den Begleittext von Civey wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

Lange war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen eine Impfpflicht, nun schließt er sie nicht mehr aus. Mit über 75.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag wurde diese Woche ein neuer Rekordwert erreicht. Mehrere Intensivpatienten mussten in andere Bundesländer gebracht werden, da Krankenhäuser überlastet sind. Zudem bereitet der Regierung eine in Südafrika grassierende Virusvariante Sorge, die Freitag offiziell Europa erreicht hat.

CSU-Chef Markus Söder fordert eine Corona-Impfpflicht ab dem 1. Januar 2022. Nur so könne eine „Komplettüberlastung“ der Gesundheits-Systeme verhindert werden. Zusammen mit Winfried Kretschmann (Grüne) argumentierte er zuvor in der FAZ, eine Impfpflicht sei „kein Verstoß gegen die Freiheitsrechte“, sondern „die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Freiheit zurückgewinnen.“ In Österreich soll die Impfpflicht ab Februar 2022 gelten.

Der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht einer allgemeinen Impfpflicht skeptisch gegenüber. „Sie löst unser akutes aktuelles Problem nicht“, sagte er jüngst im Deutschlandfunk. Die Wirkung der Pflicht käme zu spät, um die aktuelle Welle zu brechen. Auch RKI-Präsident Lothar Wieler bezeichnet eine Impfpflicht als letztes Mittel. Was ihm zufolge sofort helfen würde, wäre eine radikale Kontaktreduzierung.

Wir dachten immer, Impfungen entfalten nach etwa zwei Wochen ihre volle Wirkung, und glaubt jemand ernsthaft, nur Kontaktbeschränkungen führen ab Januar zum Ende der vierten Welle, zumal sie wieder aufgehoben werden müssen, wenn die Lage sich zu beruhigen scheint? Hingegen würde eine sofortige Impfpflicht ab Mitte Dezember erste und dann nachhaltige Erfolge zeigen. Sagen Sie es nicht weiter, aber die Politik hat schlicht Schiss vor den Covidioten, deshalb ist die Lage weiterhin konfus.

Alles, was bis gestern über die Omikron-Variante bekannt war, lässt sich z. B. hier nachlesen. Tun Sie das bitte, denn die Lage ist ernst und deshalb fassen wir hier nicht zusammen, sondern verlinken lieber etwas ausführlichere Beiträge. Wenn Sie dort weiterklicken, kommen Sie zum Corona-Ticker, der unter anderem ausweist:

  • Die Inzidenz ist weiter angestiegen, auf ca. 455 am Sonntag, es kam zu knapp 30.000 Neuinfektionen, das sind erstmals an einem Tag in den letzten Wochen etwas weniger als am gleichen Wochentag der Vorwoche,
  • wie schon vorgestern erreichten gestern 31 Landkreise eine Inzidenz von mehr als 1.000,
  • Spitzenreiter ist weiterhin der sächsische Erzgebirgskreis, und zwar mit einer neuen Rekord-Inzidenz von 2074. In ganz Sachsen gibt es seit mehreren Tagen keinen Landkreis mehr mit einer Inzidenz von unter 700.
  • In Berlin stieg die Inzidenz gestern auf einen Rekordwert von 372. Vier Bezirke, darunter auch unser Wohnbezirk, weisen Inzidenzwerte von mehr als 400 auf.

Nun haben wir eine weitere, ganz aktuelle Umfrage von Civey entdeckt, sie lautet:

Sind Sie wegen der neuen Coronavirus-Variante „Omikron“ besorgt?

Bitte lesen Sie erst den Begleittext und stimmen Sie dann ab.

Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Coronavirus-Variante nachgewiesen. Die Mutante B.1.1.529 hat den 15. Buchstaben des griechischen Alphabetes „Omikron“ als Bezeichnung erhalten, da es sich bereits um die 15. bekannte Variante des Virus handelt. Am vergangenen Freitag stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Omikron als „besorgniserregend“ ein und sorgte so für ein rasches Bekanntwerden der mutierten Coronavirus-Variante.

Aktuellen Daten zufolge ist Omikron bereits auf der ganzen Welt verbreitet. Südafrikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Variante wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sei als die derzeit grassierende Delta-Variante. Außerdem seien die Impfstoffe gegen sie möglicherweise weniger wirksam.

Hoffnung macht hingegen, dass die bisher festgestellten Fälle in Südafrika nicht schwerwiegend seien. Infizierte in einer Praxis in Pretoria hätten unter extremer Müdigkeit gelitten, sonst aber keine Symptome gezeigt. Die Virologin Sandra Ciesek twitterte unterdessen, dass Antigentests auch bei der neuen Mutante anschlagen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb: „Es wäre wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn Omikron leichter verliefe. Bei so vielen Mutationen wäre es aber denkbar.“

Wir sind besorgt, wie auch nicht? 22,5 Prozent sehen das derzeit komplett anders. Die Identität mit jenen ca. 19 Prozent, die sich strikt gegen eine Impfpflicht aussprechen, dürfte fast vollständig sein, zuzüglich einiger, die vermutlich glauben, sie seien geboostert, also kaum gefährdet. Diesbezüglich weiß man aber nichts Genaues und Christian Drosten hat die Omikron-Variante heute als möglicherweise erste echte „Immunflucht-Variante“ bezeichnet. Das heißt, auch ohne, dass die Verläufe schwerer sein müssen als bei Delta, dass viele, die bereits von einer Covid-Erkrankung genesen oder schon geimpft sind, sich mit Omikron erneut anstecken können. Möglicherweise reicht der Schutz der Impfungen aber aus, um Verläufe abzuschwächen, das ist noch nicht geklärt, gilt unter Experten aber nach aktuellen Aussagen als wahrscheinlich.

Wir könnten Sie noch ein wenig mehr belasten mit Themen wie der Triage, die wieder intensiv diskutiert wird, dazu haben wir einen guten Erklär-Artikel gefunden. Aber für heute ist Schluss, falls nicht eine BREAKING News uns zu einer Ergänzung auffordert.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Fakten des Tages, Impfgeschichte

Wir steigen gleich mit der neuen Omikron-Variante ins heutige Update ein und kommen dann zu den allgemeinen Daten, auch zur Geschichte des Impfens gibt es heute ein paar Anmerkungen.

Aus Südafrika, wo die fünfte wichtige Corona-Variante namens Omikron nun schon untersucht wird, kommt heute ausnahmsweise eine positive Nachricht, auch diese wollen wir nach den gestrigen Katastrophenszenarien nicht verschweigen:

Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Unter diesen Umständen ist es natürlich schwierig, das Verhalten der neuen Variante gegenüber Geimpften festzustellen. Sollten aber allgemein mildere Verläufe zu beobachten sein, würde das für eine schon zu Beginn der Herausbildung von Varianten geäußerte Ansicht sprechen: Dass das Virus letztlich, um weitere Verbreitung zu finden, eine Art Kompromiss eingeht: Es wird harmloser. Bei Delta war das allerdings nicht so, deswegen betonen wir an dieser Stelle: Es handelt sich nicht um Erkenntnisse, die bezüglich Omikron gesichert vorhanden sind, sondern um Möglichkeiten und letztlich um die Hoffnung, dass es nicht immer schlimmer wird, egal, ob wir die Pandemie ernst nehmen oder nicht.

Nun zu den Fakten des Tages, Zahl der Neuinfektionen:

Deutschland hat es geschafft und ist Weltmeister. In keinem anderen Land gab es gestern mehr Neuinfektionen mit Corona. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass in den USA an Wochenenden immer deutlich weniger Fälle gemeldet werden als von Montag bis Freitag, aber es ist und bleibt eine Schande. Das gab es bei keiner der drei ersten Wellen. Erinnern Sie sich noch, wie gut Deutschland durch die erste Welle kam? Wir fanden das damals etwas seltsam und weisen auch heute wieder darauf hin, dass die Testungsrate in Deutschland erheblich niedriger ausfällt als in vergleichbaren Ländern. Mittlerweile hat Deutschland aber, so viel ist sicher, von Welle zu Welle schlechter abgeschnitten. Während man woanders aus den Erfahrungen der ersten Wellen gelernt hat, tritt bei uns genau das Gegenteil ein: Es wird immer konfuser vonseiten der Politik und schräger vonseiten der Coronaleugner / Impfgegner. Und damit nun wirklich zu den Fakten anhand der gestrigen Neuinfektionszahlen (die RKI-Zahl fällt mit 44.401 Neuinfektionen niedriger aus, würde aber immer noch dazu führen, dass Deutschland Platz eins in der Tabelle einnimmt, die Zeit mit ihrer eigenen Recherche kommt auf 50.384 Neuinfektionen):

Richtig ist auch, dass es einige Länder in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl noch stärker trifft, auf der Tafel mit den zehn Ländern mit den höchsten Neuinfektionszahlen am gestrigen Samstag sind das Belgien, die Niederlande und die Tschechei, Polen liegt bei der relativen Betrachtung etwa gleichauf mit Deutschland. Diese Perspektive weist wiederum auf etwas hin, das wir auf der Corona-Deutschlandkarte beobachten: Regionen mit Landgrenzen zu anderen Staaten sind stärker betroffen, und zwar im Süden und im Osten wie auch im Westen als Binnen- oder Küstenregionen.

Aus der Betrachtung der Relation zur Bevölkerungszahl ergibt sich des Weiteren, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien derzeit momentan etwa gleich liegen und dass Europa dadurch, dass es sich hier um dessen bevölkerungsreichste Länder handelt, wieder einmal ziemlich bescheiden im Vergleich zu anderen Weltregionen dasteht.

Inzidenzen

Die gesamtdeutsche Inzidenz ist heute auf 446,8 gestiegen. Der Anstieg vollzieht sich jetzt also deutlich langsamer als bisher, das war in den letzten Tagen schon zu beobachten (vorgestern: 438, gestern: 443), das darf man in diesen Zeiten schon als Erfolg werten. Die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von mehr als 1.000 hat sich gestern auf 31 reduziert (vor drei Tagen: 34). Der sächsische Landkreis Osterzgebirge liegt mit ca. 2.020 weiterhin an der Spitze, die Zahl verharrt dort seit Tagen auf diesem Niveau.

Aus der Geschichte des Impfens

Damit das Ganze nicht so sachlich huntergeleiert wirkt, haben wir wieder einmal einen Tweet abgebildet, dieses Mal mit einem zitierten Gedicht von Kurt Tucholsky, damit auch heute klar ist, welche Meinung wir vertreten. Ob wir das mit dem Knast auch so sehen, lassen wir an der Stelle freilich offen.

Zur Pockenimpfung indes steht folgendes zu lesen: Welche Impfungen waren Pflicht? Bis 1976 war die Pockenimpfung in Westdeutschland Pflicht. Noch vor 150 Jahren ist die deutsche Bevölkerung solchen Versuchen gegenüber äußerst skeptisch. Es gibt Gerüchte, Impfstoffe könnten Menschen verwandeln, zum Beispiel in Kühe.

Vielleicht hätte man die vielen Impfpflichten aus der DDR, von denen in diesem historischen Abriss unter anderem die Rede ist, übernehmen sollen, damit niemand auf die Idee kommt, seine individuellen Freiheitsrechte seien während einer Pandemie wichtiger als der Schutz der gesamten Bevölkerung, aber in Westdeutschland wurden auch auf freiwilliger Basis große Erfolge erzielt und die Impfpflicht gegen Pocken bis 1976 hatte nun einmal dazu geführt, dass Pocken, abgesehen von Windpocken, kein Thema mehr waren. Hier kann man die Geschichte des Impfens in Deutschland nachlesen und sich auch Gedanken darüber machen, warum die Impfbereitschaft in Deutschland so unterschiedlich stark ausgeprägt ist, wo manche Spins von der Gefährlichkeit des Impfens bzw. Geimpftseins ihren Ursprung haben und wie sie über das Impfen hinaus gedeutet werden können.

TH

Frontpage | Corona Lage | Die Omicron-Variante naht, während Delta Deutschland noch in Atem hält

Eilmeldung vom 27.11.2021, 18:50 Uhr:

In München sind die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. (Nachricht)

Zur Omikron-Variante siehe das folgende Update 15:

Mit dem 15. Update, dem insgesamt 16. Vierte-Welle-Artikel unserer Corona-Berichterstattung beginnen wir eine neu Serie, die Updates bis 14 finden Sie hier. Denn heute beginnt eine neue Epoche im Zeitalter der Pandemie: Die Omicron- oder Omikron-Variante wurde erstmals in Deutschland gesichtet.*

Sie haben unser vermutetes Epsilon also Omikron genannt, ein paar Buchstaben übersprungen. Vermutlich, um dem Virus ein Schnippchen zu schlagen, die Zahl noch möglicher Mutationen betreffend, denn bei Omega ist bekanntlich Schluss.

Die SARS-CoV-2-Variante Omikron (englischOmicron), nach der PANGO-Nomenklatur auch als B.1.1.529 bezeichnet, ist eine Untervariante der Variante B.1.1 des Betacoronavirus SARS-CoV-2.[1] Die Variante wurde am 9. November 2021 erstmals in SüdafrikaBotswana und Hongkong identifiziert und erhielt am 24. November 2021 im Pango-Nomenklatursystem für SARS-CoV-2-Varianten die Bezeichnung B.1.1.529.[2] Sie wurde am 26. November 2021 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregende Variante (englisch: Variant of Concern) eingestuft und nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabetsbenannt.[3][4] (Wikipedia)

Ende November 2021 lag das Verbreitungsgebiet von Omikron hauptsächlich in Südafrika.[7] Anhand von Genomsequenzierungen wird vermutet, dass es sich in der südafrikanischen Provinz Gauteng ausgebreitet hat. Eine Infektion konnte bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika in Hongkong festgestellt werden,[6] eine weitere bei einem Rückkehrer aus Malawi nach Israel.[11]

Kurz darauf bestätigte Belgien als erstes europäisches Land eine Infektion mit der Variante Omikron bei einem Rückreisenden aus Ägypten.[12]. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Verdachtsfall bei einem am 26. November 2021 über Frankfurter Flughafen eingereist Reiserückkehrer aus Südafrika.[13]

Zwischen den oberen und den unteren beiden Absätzen, die wir aus der Wikipedia kopiert haben, liegt ein ganzer Horrorladen, dessen Auslage sich so zusammenfassen lasst: Es handelt sich bei der Variante Omicron um die gefährlichste, die bisher entdeckt wurde. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann es in Deutschland die Delta-Variante als Hauptquelle der Infektionen ablösen wird. Denn raushalten lässt es sich nicht, dazu ist die Welt zu sehr vernetzt. Vor allem gilt dies dann, wenn es bezüglich seines Infektionsverhaltens noch aggressiver ist als die bislang schärfste Variante Delta. Ein paar erste Eindrücke davon gefälltig, was uns erwartet?

Was wir vor ein paar Tagen noch als theoretische Möglichkeit beschrieben haben, wird also kommen und wir sind nicht einmal mit der vierten Welle gut fertig geworden.

Gemäß Umfragen erwartet die Mehrheit der Menschen hierzulande einen weiteren Lockdown, spricht sich aber tapfer für stärkere Maßnahmen aus. Es wird wohl auch nicht anders möglich sein, Delta endlich in den Griff zu bekommen und Omikron nicht zu einer Apokalypse werden zu lassen. Heute Morgen sprach sogar der nicht für seine Corona-Zurückhaltung bekannte Karl Lauterbach noch im Theorie-Modus darüber, dass es drei Monate dauern wird, bis die Impfstoffe an Omikron angepasst sein werden, falls es sich erweisen sollte, dass es die bisherigen Vakzine umgehen kann. Das finden wir sehr kurz, deshalb formulieren wir „anpassen“ und schreiben nicht von „neuen Impfstoffen“, wie Lauterbach es getan hat.

Die Inzidenz in Deutschland stieg von gestern auf heute noch einmal auf einen neuen Rekordwert (443 anstatt 438 gestern). Dies ist schon beinahe ein kleiner Sieg, denn die Steigerungsraten waren in den letzten Tagen noch viel stärker (44 Prozent von Freitag vergangener Woche bis gestern). Nun könnte man natürlich sagen, das Spiel geht von vorne los, wenn Omikron kommt, denn dann stehen andere Länder nicht mehr viel besser da als wir, die zuletzt mit großer Disziplin die Delta-Variante fast besiegt haben. Das ist leider komplett falsch, und um das zu verstehen, muss man kein Virologe sein: Aufgrund der anhaltend hohen Delta-Fallzahlen in Deutschland, die eine Nachverfolgung der Infektionswege nicht mehr durchgehend möglich machen, wird die neue Variante sich viel unbemerkter einschleichen als anderswo, zumal Tests bisher die neue Variante nicht identifizieren. Die niedrige Impfquote hierzulande wird auch bei der offensichtlich aggressiven Omikron-Variante wieder eine negative Rolle spielen, denn wer sich bisher verweigerte, wird sich auch bei Omikron erst einmal ähnlich verhalten und erst dann, wenn die Menschen wirklich sterben wie die Fliegen, wird ein Umdenken einsetzen. Dann ist es aber für viele Menschen zu spät.

Falls dieser Bericht Sie an einen der guten alten Apokalypse-Filme erinnert, dann liegen Sie nicht falsch. Nur, dass der Angriff eben nicht spektakulär auf einen Schlag stattfinden, sondern in Varianten. Für die Dramaturgie eines Untergangsfilms ist dieses Angreifen in immer stärkeren Wellen übrigens perfekt, darauf ist man bisher wohl noch gar nicht gekommen, obwohl es exakt dem Muster entspricht, das auch manche Kriege gezeigt haben. Ist es deshalb erlaubt, von einem Krieg gegen Corona zu sprechen? Wir meinen, es hilft bei der Imagination dessen, was uns bevorstehen kann. Wir können dann auch ohne rhetorisch einigermaßen kohärent feststellen, dass die Einschläge immer dichter kommen und die Politik bisher nicht in der Lage war, ausreichend Abfangjäger in die Luft zu bringen und Flak-Stellungen zu errichten und zu besetzen. Und obwohl es dieses Mal um einen Kampf für eine gute Sache geht, gibt es Deserteur:innen in hoher Zahl, die sich dem Feind geradezu in die Arme werfen und die übrigen Menschen im Stich lassen.

Und wie sieht es in der alten Frontstadt Berlin aus?

Corona-in-Zahlen

Man hat den Kampf also immerhin angenommen, zumindest statistisch gesehen, und es steht unentschieden. Was wir vor einigen Tagen schon angedeutet haben: Berlin könnte das erste Bundesland sein, in dem die Zahlen zurückgehen, ohne dass es zuvor ein Hotspot war. Um offen zu sein: richtig erklären können wir das derzeit nicht, denn auch in Berlin ist die Politik sehr maßnahmenzögerlich. Sollten die Menschen von selbst vernünftig sein, anders als bisher während dieser Pandemie? Abwarten. Die Messe ist noch nicht gelesen und der Krieg beginnt vielleicht erst richtig.

Die neuen Corona-Truppen, die bisher wohl am besten ausgerüstete Armee namens Omikron, ist noch gar nicht eingetroffen. Wir können es weiterhin schaffen, das Virus zu besiegen. Aber nicht, wenn wir so luschig weiterwurschteln wie bisher.

*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels handelt es sich um einen Verdachtsfall, aber siehe die weiteren Ausführungen dazu, was sich daraus ableiten lässt.

TH

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