BREAKING #Corona Update 24: Erste begrenzte Anti-Corona-Impfpflicht in Deutschland | #Frontpage #Covid19 #Lage | #Inzidenz sinkt weiter, #Todesfallzahlen sehr hoch #Impfen #Booster #QuerdenkenToetet #ImpfenSchuetzt #Homeoffice

Frontpage | Corona Lage | Berlin, Impfpflicht für Gesundheitspersonal, Impfpflicht und Querdenker, Weihnachten, Weltdaten

Wir melden uns zur Stelle zu einem typischen Freitags-Update, also zu einem, das besonders faktenreich angelegt ist. Daraus lässt sich schließen: wir haben die gestrige Booster-Impfung erst einmal überlebt, auch wenn wir Nachrichten wie diese im Kopf behalten, nach unserer Moderna-Dosis. Nachrichten, die vor allem den weiblichen Personen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis naturgemäß weniger Sorgen bereiten. Keine Grinser in diesen sehr ernsten Corona-Berichten.

Heute beginnen wir in Berlin.

Was gilt seit Mittwoch in der Hauptstadt, coronamaßnahmenmäßig? Hier können Sie es nachlesen. Die Frage, die wir uns bei dermaßen kleinteiligen Regelungen immer stellen: Wie soll die Einhaltung auch nur annähernd überprüft werden, zumal im privaten Bereich? Und kennen Sie schon das wilde Herumstehen? In Berlin gibt es auch das. Bis zu einem gewissen Grad ist immer die Vernunft des / der Einzelnen gefragt, daran führt kein Weg vorbei und das macht skeptisch bezüglich der Frage, ob die Krise so schnell bewältigt werden kann. Ein ähnlich aufgebauter Artikel des Berliner Tagesspiegels beinhaltet eine Umfrage: 75 Prozent der Befragten glauben nicht, dass wir 2022 das Ende der Pandemie sehen werden. Die Corona-Updates werden Ihnen also erhalten bleiben, liebe Leser:innen. Wenn auch nicht permanent in der dichten Abfolge wie derzeit, die der „vierten Welle“ und deren Dokumentation geschuldet ist. Bleiben wir noch in Berlin:

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Freitagmorgen (10. Dezember 2021) 342,2, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Das entspricht in etwa den Werten der vergangenen Tage. Die Zahl gibt an, wie viel Menschen sich bezogen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen infizierten. In ganz Deutschland liegt die Inzidenz bei 413.

Während die Inzidenz in Deutschland insgesamt seit einiger Zeit sinkt, nach Höchstwerten um 460, wackelt sie in Berlin um den Wert von 350 herum. Vor allem ist bedrückend, dass gestern in der Hauptstadt 18 Menschen an / mit Corona verstarben. Gestern Abend hat Michael Müller, der noch Regierende Bürgermeister, bestätigt, dass die Impfpflicht in Berlin kommen wird.

Impfpflicht und Querdenker

Wir haben gerade noch die Gelegenheit wahrgenommen, eine Eilmeldung für Sie einzufangen und dafür unseren Titel zu ändern:

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat der Bundestag eine erste begrenzte Impfpflicht für Gesundheitspersonal und weitere Krisenregelungen beschlossen. Für das Gesetz der Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen stimmten am Freitag 571 Abgeordnete. Mit Nein votierten 80 Abgeordnete, 38 enthielten sich. Am Nachmittag soll darüber auch noch der Bundesrat in einer Sondersitzung abschließend entscheiden.

Konkret sollen Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis 15. März 2022 Nachweise als Geimpfte oder Genesene vorlegen müssen. Neben Ärzten sollen künftig befristet auch Apotheken, Zahnärzte und Tierärzte mitimpfen können. Ergänzt und verlängert werden sollen Möglichkeiten für die Länder zu regional härteren Corona-Beschränkungen.

Warum nicht viel früher so, fragt man sich nun, wie es in anderen Ländern längst der Fall ist?

Hier begann der Absatz ursprünglich:

Gegenüber radikalen Impfgegnern und der sogenannten Querdenker-Bewegung macht Lauterbach eine klare Ansage: „Der Staat darf sich nicht erpressen lassen. […] Es ist absolut indiskutabel, dass wir einen Abstrich an unserer Gesetzeskompetenz machen, wenn wir unter Druck der Straße sind. Das sind Menschen, die diese Achtung nicht verdienen. Definitiv nicht“, so der SPD-Politiker. Als Karl Lauterbach das am Sonntagabend äußerte, war er noch nicht Gesundheitsminister, jetzt haben seine Worte noch einmal ein anderes Gewicht. Wird er dazu beitragen, dass es zu einem Lockdown kommt? Vorerst nicht, sagte er bei Anne Will, hingegen dies: „Wir müssen so schnell wie möglich die Booster-Impfrate vorantreiben. Die schnellstmögliche Boosterimpfung ist das Wirksamste, um im Winter einen Lockdown zu verhindern“. Zu Befehl, Chef, siehe auch Update 23. Aber wie lange soll es noch dauern und wie viele Menschen sollen unnötig leiden, bis sie kommt, wenn sich die Politik doch weitgehend einig ist?

Bis dahin gibt es Aktionen wie diese, in der sich zunächst 150 Unternehmen zusammengeschlossen haben, um die Menschen zum Impfen zu bewegen. Die Idee ist klar: Markenfetischisten lassen sich impfen, wenn ihre Lieblingsmarken sich hinter die Impfkampagne stellen. Echt jetzt? Auch wenn manche Menschen vom Konsumieren weitgehend blöd im Kopf geworden sein mögen, zwischen dem Erwerb von Waren und dem Pieks in den Oberarm können sie dann doch ganz gut unterschieden. Das Ganze ist vor allem eine Imagekampagne von Unternehmen, die sich als sozial verantwortlich darstellen wollen. Die Politik ist begeistert. Die Erstimpfungen nehmen derzeit in Maßen wieder zu, dies aber wohl vor allem, weil den Ungeimpften reale Einschränkungen im Alltag drohen. Aber was immer es ist, es ist wichtig, dass sich wieder mehr Menschen impfen lassen, denn …

Corona und Weihnachten

… wir wollen doch nicht, dass es an Weihnachten 2022 wieder zu solch einem massiven Verzicht kommen wird wie demnächst? Uns haben eher die vergleichsweise niedrigen Zahlen bei den Selbstangaben überrascht, die ein der folgenden Statista-Grafik nachzulesen sind.

Im Angesicht schnell steigender Inzidenzen und sich füllender Intensivstationen fragen sich Bürger:innen, Einzelhandel und Gastronomie: Wie wird Weihnachten 2021 und wo? Schon jetzt haben viele Menschen in Deutschland Aktivitäten in der Weihnachtszeit wegen Corona gestrichen, wie das Holiday Special des Statista Global Consumer Survey zeigt.

So verzichten 26 Prozent der Studienteilnehmer:innen Ende Dezember auf Ausflüge oder Reisen. Ähnlich viele verkneifen sich den Besuch eines Weihnachtsmarktes oder den Besuch von Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerten (jeweils 23 Prozent). Weihnachtseinkäufe in Geschäften kommen für 16 Prozent nicht infrage. Familienbesuche im allgemeinen und Weihnachtsfeiern im engsten Familienkreis werden dagegen eher selten gestrichen, heißt es im Begleittext von Statista. Die Grafik stammt vom 22.11.2021, vielleicht hat sich inzwischen das eine oder andere verschoben. Lesen Sie zum Thema Weihnachten, Aktivitten, Konsum auch diesen Artikel von uns.

Der Blick in die Welt

In den letzten Tagen haben wir sehr auf die üble Corona-Situation in Deutschland konzentriert, heute werfen wir wieder einen Blick über den Tellerrand. Während die Fallzahlen weltweit wieder steigen, bleiben die Todesfallzahlen seit Monaten stabil bei einem Durchschnitt von etwa 7.500 pro Tag. Die meisten neuen nachgewiesenen Infektionen gab es in den USA mit mehr als 110.000 und dort kam es zu fast 1.100 Todesfällen. Deutschland rangiert bei den Neuinfektionen hingegen „nur“ auf Rang 10, allerdings war die Zahl der gestern erfassten Fälle mit etwas mehr als 16.000 auch im Vergleich mit den letzten Wochen sehr niedrig.

Vorgestern lag Deutschland mit mehr als 68.000 Neuinfektionen und einem neuen Vierte-Welle-Höchststand von 571 Todesfällen noch auf Platz 2 bei den Infektionen und Platz 4 bei den Todesfallzahlen weltweit. Wir müssen uns immer wieder dafür entschuldigen, dass das manchmal so nüchtern klingt, aber wir werfen immer wieder einen Blick auf diese Zahlen, um zu verdeutlichen, dass hierzulande bei der Pandemiebekämpfung eine Menge schiefläuft, und das nicht erst seit gestern. Ist Ihnen übrigens schon aufgefallen, dass noch nie ein:e Spitzenpolitiker:in in diesem Land an / mit Corona verstorben ist?

TH

Frontpage | Corona Lage | dritte Impfung, erster Schnee und verbessert sich die Lage langsam?

Heute bilden wir mal etwas anderes ab als sonst, nämlich keine Infografik.

Sondern ein Foto, geschossen in unserem Lieblingspark, nach dem heutigen Booster-Impftermin in Impfzelle 13.

Diesen ersten Schnee haben wir genossen, obwohl wir das Gefühl haben, immer klaustrophobischer unterwegs zu sein, mit Mütze, Maske, Handschuhen, Schirm, Schal, Ohrhörern, zwei Jacken übereinander, Impfbuch, Personalausweis, einzeln gestempelten Einzelfahrkarten, Anamnese, Einwilligung, vielen Taschentüchern und was man sonst noch in der Tasche braucht, wenn man an so einem Wintertag durch die halbe Stadt fährt, um dem vollständigen Impfschutz zuzustreben.

Auf dem Rückweg haben wir dann diesen kleinen Abstecher ins Weiße gemacht, das musste einfach sein. Zumal wir derzeit so wenige Nebenwirkungen spüren wie nie bisher nach einer Corona-Impfung. Placebo vielleicht? Wenn es umgekehrt gewesen wäre: Was haben sie uns bezüglich der Nebenwirkungen schon wieder verschwiegen? Aua! Nein, wir sind wirklich zufrieden und die anderen sind am Zug. Auch positiv: Die Organisation des Impfzentrums war wirklich gut, sehr viele Helfer:innen hatten alles im Griff und uns perfekt betreut, die Spritze der Impfärztin war die Sanfteste, die man sich denken kann, mithin: ein ganz neues Gefühl in Berlin. Wir hatten einen Termin im Zentrum Karlshorst-Trabrennbahn und nun laufen die Pferdchen wieder vollständig geschützt bzw. so gut, wie es eben derzeit möglich ist, sogar über Kreuz. Allerdings war auch Security vor Ort und zwar aus dem Grund, der in diesem Artikel dargelegt ist. Kann man sich das vorstellen? Teile dieser Bevölkerung sind nicht mehr zu retten.

Falls wir uns morgen nicht mehr zum 24. Update melden, Sie wissen schon. Und wir haben Teil-Homeoffice und bald ist Weihnachten. Yeah!

Falls Sie noch nicht vollständig geimpft sind, tun Sie’s bitte, damit es nicht mehr zu solchen Berichten aus der Intensivpflege kommt. Das heißt nicht, dass wir die Politik aus der Verantwortung lassen, die so viel falsch gemacht hat. Aber jetzt wird bekanntlich alles besser, denn Karl Lauterbach, der frühere Nachplapperer neoliberaler Bertelsmann-Studien über zu viele Klinken in Deutschland, nunmehr Corona-Kassandra der Nation, ist Gesundheitsminister. Mit ihm als Chef des Ganzen wird eine Reform zugunsten der Bevölkerung und des Gesundheitsschutzes geradezu unausweichlich sein. Da die meisten aber sein früheres, gegenüber den Patient:innen und den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen nicht sehr freundlich eingestelltes Ich nicht mehr in Erinnerung haben, finden 62 Prozent seine Ernennung derzeit gemäß einer Umfrage super. Wir haben uns neutral gestellt. Ein Fachmann für die jetzige Lage ist er zweifellos und das ist mehr, als man von fast allen anderen gewesenen und neuen Minister:innen auf Bundesebene auf fast allen Gebieten sagen kann.

Trotzdem gibt es natürlich frische Zahlen und Bemerkungen:

Die bundesweite Inzidenz ist weiter gesunken, dieses Mal deutlicher als bisher, auf 422 nach 442 gestern. Die in Maßen verschärften Maßnahmen wirken ein wenig oder es hat mittlerweile fast alle erwischt, die immer noch so verrückt sind, sich nicht impfen zu lassen. Wir hoffen auf weitere Verbesserung der Zahlen, Delta hin, Omikron her. Allerdings ist die Berliner Inzidenz von gestern auf heute um ca. 10 Punkte gestriegen und beträgt aktuell 353, mit folgenden Bezirken an der Spitze: Die höchsten Inzidenzen wurden in den Bezirken Spandau (487,9), Treptow-Köpenick (445,8) und Marzahn-Hellersdorf (402,8) registriert. Unser Bezirk ist nicht mehr dabei, es ist kaum zu glauben. Allerdings weist er immer noch die höchsten Todesfallzahlen in der ganzen Stadt auf (aktuell 492). Vorgestern gab es in ganz Berlin wieder zwölf Corona-Todesfälle zu beklagen, gestern zehn.

Zurück zum Impfen

Die Impfquote in Berlin liegt knapp über dem deutschen Durchschnitt und beträgt aktuell 72,9 Prozent (eine Impfung), schon 21,2 Prozent sind geboostert, drei Prozent mehr als im Bundesschnitt. Wir waren dieses Mal also unter den ersten 22 Prozent in Berlin und unter den ersten 19 Prozent in Deutschland, bei den Impfungen eins und zwei noch knapp unter den ersten 30 Prozent. Wir werden sehen, ob es uns gelingt, uns bei der vierten Impfung weiter verbessern zu können. Allerdings: Wenn Priorisierungen wieder eingeführt würden, was wir befürworten, dann wäre das wohl nicht möglich und auch okay.

Weil wir gestern Angaben zu den Inzidenzen in Bayern nachkorrigiert haben, heute die Quoten der symptomatisch Infizierten für Berlin. Die Geimpften haben eine Inzidenz von 60, Ungeimpfte eine solche von 220. Insgesamt liegt die Inzidenz der symptomatisch Infizierten bei knapp 110. Hier spiegelt sich also eine vermutlich realistische Zahl von ca. 3,5:1 zulasten der Ungeimpften, nicht betrachtet wird dabei, dass Ungeimpfte auch häufiger hospitalisiert werden müssen, wenn sie infiziert sind. In Berlin sind derzeit beachtliche 21 Prozent der Intensivbetten durch Corona-Patient:innen belegt, auch hier dürfte sich die höhere Fallzahl von Ungeimpften fortsetzen, die wir bei anderen Daten gesehen haben, aber in Brandenburg gibt es Kreise, in denen die Corona-Fälle mehr als 70 Prozent der Intensivbetten belegen. Das kann nicht funktionieren, ohne dass Menschen mit anderen Krankheiten z. B. auf Operationen länger warten müssen als geplant oder verlegt werden müssen, mit allen Risiken, die für Intensivpatient:innen damit verbunden sind.

Auch wenn die Inzidenz nicht mehr steigt, in Berlin stehen zwei von drei Senatsampeln auf Rot, was weiteren Handlungsbedarf bedeuten würde, wenn nicht ohnehin die Maßnahmen gerade verstärkt worden wäre. Aber kann man das so sagen: Es reicht, auch wenn die Ampeln weiterhin große Gefahr signalisieren? Muss man nicht weitere Schritte in die Wege leiten? Wir plädieren deswegen für einen Lockdown, und zwar für alle, auch vollständig Geimpfte wie uns, zumindest für die Dauer von zwei, drei Wochen, zumal der Impfschutz nicht sofort vollständig aufgebaut oder reorganisiert ist.

TH

Frontpage | Corona Lage | Todesfallzahlen auf Vierte-Welle-Hoch, Inzidenz sinkt leicht, aber nicht überall

Morgen ist Boostern angesagt. Da kommt es nicht perfekt, dass #Impfschaeden trendet. Was wir ebenfalls festgestellt haben: Dass unter Befürwortern von allem, was echtes Corona-Wissen angeht, besonders bezüglich des Impfens, ebenso viel Anmaßung im Umlauf ist wie unter den Leugnern und Verweigerern, unbeschadet der Tatsache, dass „die Wissenschaft“ sich bereits mehrfach korrigieren musste, besonders die Wirksamkeit der Impfungen betreffend. Unter 2 Impfungen pro Jahr wird es in den nächsten Jahren wohl nicht abgehen. Und da wär’s schon wichtig zu wissen, wie die Nebenwirkungen wirklich einzuschätzen sind.

Vor den Fakten

Werden wir diese Sicherheit bekommen? Nach logischer Auffassung: nein. Denn jedes Mal, wenn ein Impfstoff an neue Corona-Varianten angepasst werden muss, können neue Risiken entstehen und die allzu simple Art, wie z. B. in Gesprächen mit uns darüber hinweggegangen wird, dass die mRNA-Impfstoffe plötzlich gegen alles gut sein sollen, was man sich an Krankheiten überhaupt vorstellen kann, nur hat das vor Corona niemand gemerkt, weswegen sie auch nicht auf den Markt durften, kommt uns ebenfalls etwas schräg vor. Angstüberwindung und anstrengende Abwägung sind die Gebote der Stunde, nicht blind in alles Mögliche hineinrennen.

Was es nützt, sehend ebenso zu handeln, ist eine andere Frage. Deswegen halten wir uns wieder einmal an Fakten und auch bei ihnen wissen wir, dass sie nicht absolut sicher sind. Daran sind sogar Mainstream-Medien mitschuldig: Die „Zeit“ beispielsweise leistet sich eine vom RKI unabhängige Inzidenzerfassung, weil sie das, was vom Robert-Koch-Institut kommt, nicht für zuverlässig hält. Ob die gewollte Abweichung zu akkurateren Ergebnissen führt, vor allem auf längere Sicht, ist eine Frage, für deren Beantwortung wir tief einsteigen müssten. Jedenfalls, so müssen wir alle Statistiken lesen, die nicht auf dem „absoluten Nachweis“ beruhen oder auf einer Normenlage, die eindeutige Fristen oder sicher messbare Festlegungen ausweist, sondern unter dem Vorbehalt der Unsicherheiten stehen, die nicht erst durch Interpretation, sondern durch Erfassungs- und Messmethoden hervorgerufen werden, die nur näherungsweise die Realität abbilden (können): Alles mit etwas gesunder Distanz lesen.

Die Zahlen bieten sehr wohl Orientierung, sonst würden sie hier nicht regelmäßig abbilden, aber die Möglichkeit, dass wir Korrekturen erleben oder niemals dahinterkommen werden, dass dies und jenes nicht korrekt ist, dürfen wir nicht ausblenden. Wir kennen diesen Effekt von Wirtschaftsstatistiken, besonders, wenn unterschiedliche nationale Erfassungsmethoden vergleichbar gemacht werden müssen. Dadurch kommt es z. B. zu der kuriosen Situation, dass gemäß ILO-Darstellung Deutschland quasi Vollbeschäftigung hat, während die Bundesagentur für Arbeit das nicht ganz so sieht und auch diese nicht die wahre Unterbeschäftigung auch nur annähernd ausweist, weil man absichtlich an der Darstellung herumgefutschelt hat, um die Zahlen gut aussehen zu lassen. In dem Fall verfügen wir auch über eine Wissenstiefe, die es uns ermöglicht, schreiben zu können: Skepsis gegenüber den offiziellen Zahlen ist unbedingt angebracht.

Man darf diesem 22. Update anmerken, dass wir genervt sind von der dritten Corona-Impfung des Jahres, vor allem die erste war nämlich alles andere als quasi unbemerkt abgelaufen, und dass wir mit 6 Monaten und 9 Tagen nach der zweiten schon spät dran sind. Das kommt daher, dass es dieses Mal plötzlich keine Priorisierung mehr gibt und alle losrennen, als gebe es Freibier. Im Frühjahr wurden wir aufgrund der Bedingungen am Arbeitsplatz in die Prioritätengruppe 2 eingestuft. Schon damals kam es mehrfach zu Terminverschiebungen.

Die Impfzertifikate sind aber trotz der Empfehlung, die Auffrischungsimpfungen spätestens nach sechs Monaten vornehmen zu lassen, für zwölf Monate gültig. Das ist zum Beispiel ein sicherer Fakt, weil er auf der aktuellen Rechtslage beruht. Das heißt nicht, dass er nicht flugs geändert werden kann, wenn die Politik es sich einfallen lässt, genau dies zu tun.

Können die Protagonist:innen eines Systems, in dem in einer Krisensituation nichts zuverlässig, konsistent und so vorhersehbar läuft, wie es bei konsequentem und an der Logik, nicht an Opportunität orientierten Management durchaus möglich wäre, uns glaubwürdig verkaufen, was für uns gut ist und was nicht? Das halten wir fest als ausdrückliche Befürworter der Schutzmaßnahmen, die auf Vorsicht und Abstand zielen, bis hin zur Einrichtung von Lockdowns, wenn die Infektionszahlen anders nicht in den Griff zu bekommen sind. Mit Lockdowns meinen wir „echte Lockdowns“, die nicht zu noch mehr Ungleichheit im Land führen, sondern wirklich allen im Sinne der nach dem aktuellen Stand des Wissens bestmöglichen Pandemiebekämpfung etwas abverlangen.

Fakten des Tages (überwiegend Stand 07.12.2021)

  • Die Corona-Inzidenz in Berlin ist im Vergleich zur Vorwoche etwas gesunken. Laut den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl am Dienstagmorgen bei 336,8. Vor einer Woche betrug der Wert 372,1. Dieses Etwas finden wir schon recht beachtlich. Außerdem ist unser Wohnbezirk nicht mehr ganz vorne, wenn auch immer noch über dem Durchschnitt, mit ca. 372. Die vierte Welle rollt zeitversetzt durch Berlin, das sieht man daran, dass Bezirke, die kürzlich noch eine eher gemütliche Situation hatten, jetzt die höchsten Inzidenzwerte haben. Die Hauptstadt liegt nach wie vor unter dem Bundesdurchschnitt (433, vor einer Woche 443). Weiterhin kommt es in Berlin zu Todesfällen und die Hospitalisierungsrate liegt bei kritischen 4,6.
  • Die Hotspots in Sachen Inzidenz sind weiterhin sächsische Landkreise, auch wenn es an der Spitze immer mal wieder zu Wechseln untereinander kommt. Derzeit steht Meißen ganz oben, mit einer neuerlichen Rekordinzidenz von 2.300.
  • Rascher sinkt die Inzidenz in Bayern (gestern 493), das aber immer noch über dem Bundesdurchschnitt liegt, andere westdeutsche Bundesländer pendeln um bestimmte Werte, in einigen, wie dem Saarland (409 gegenüber 401 am Vortag), nimmt die Inzidenz, ebenso wie im Osten in Sachsen-Anhalt, das gefährliche 900 erreicht hat.
  • Hamburg hat wegen des ersten nachgewiesenen Omikron-Falls in der Hauptstadt eine Maskenpflicht für Vorschulkinder eingeführt.
  • Einen traurigen Höhepunkt gibt es bei den Todesfallzahlen zu vemelden: Gestern verstarben an / mit Corona 527 Menschen, so viele wie nie zuvor während der vierten Welle, darunter furchtbare Häufungen wie diese in einem Pflegeheim in Thüringen oder unfassbare Vorgänge wie dieser in Brandenburg, auch wenn die Todesfälle nicht wegen einer Corona-Infektion zustandegekommen sind. Wenn das, was dazu gegenwärtig gemeldet wird, stimmt, wäre auch diese Tragödie ohne Corona bei Annahme von Monokausalität oder Auslösung durch die Corona-Lage nicht geschehen.
  • Das sind immer noch deutlich weniger Todesfälle als an manchen Tagen im Winter 2020/21, aber angesichts eines vollständigen Impfschutzes von über 69 Prozent der Bevölkerung (vollständig: zwei Impfungen) sehr viele. Größer ist der Unterschied bei der Hospitalisierungsrate, sie liegt gegenwärtig bei 5,3. In der Weihnachtszeit 2020 betrug sie bis zu 15,5.
  • Derweil wird ausgerechnet dort, wo die Inzidenzen am höchsten liegen, weiterhin munter von jenen, die noch munter sind, gegen Corona-Maßnahmen demonstriert.

Aus gegebenem Grund schieben wir deshalb eine Umfrage ein, bei der Sie mitmachen können:

Fürchten Sie, dass sich die Querdenker-Bewegung aufgrund der aktuellen Corona-Politik weiter radikalisieren wird? Gegenwärtig sagen genau 50 Prozent: ja, auf jeden Fall. Zu diesen 50 Prozent zählen wir auch.

Heute mal nichts zu Omikron, so schnell breitet es sich nun auch wieder nicht aus, dass wir es jetzt schon jeden Tag thematisieren müssten. Morgen werden wir, falls wir nicht nach der Impfung flachliegen, darüber schreiben, was ein guter Impfappell ist und was unser aller Karl, der Herr Lauterbach nun geworden ist, dazu meint und vielleicht über Omikron.

TH

Frontpage | Corona Lage | Alptraum Sachsen, Zahlenkorrektur in Bayern, Boostern: wann wirkt es und ist die Kreuzimpfung okay?

Das haben wir nun auch gelernt: Der Boosteer, den wir und die meisten anderen bekommen (werden oder haben), heißt Kreuzimpfung, weil kreuz und quer durch das Impfstoffangebot hindurch geimpft wird. Falls wieder genug von Biontech zur Verfügung stellt, werden die Vorteile des Kreuzimpfens hoffentlich nicht plötzlich zu Nachteilen. Man weiß nie, in diesen Zeiten. Hingegen haben wir im Update 20 dargestellt, wie tote Impstoffe erstarrte Impfverweiger:innen nach deren eigener Ansicht zum Leben erwecken werden. Nach etwas dem Einflug des Rhetorische gestern geht es heute noch mehr ins Informatorische, denn es ist Montag und der Montag ist nicht der Tag zum Scherzen oder für Ironie.

Zunächst die Grunddaten

  • Sieben-Tage-Inzidenz: 441,9 (Vortag: 439,2); (Vorwoche: 452,4)
  • Neuinfektionen heute: 27.836
  • Infektionen gesamt: 6.185.961
  • Neue Todesfälle: 81
  • Todesfälle gesamt: 103.121
  • Impfquote (Erstimpfung): 71,9 Prozent
  • Impfquote (vollständig): 68,9 Prozent
  • Hospitalisierungsrate: Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag, 03.12.21 für ganz Deutschland mit 5,52 an.
  • Der bisherige Höchstwert der Hospitalisierungsrate lag um die Weihnachtszeit 2020 bei rund 15.

Zu berücksichtigen ist das Folgende: Nach dem Wochenende sind die Meldezahlen generell am niedrigsten. Die Hospitalisierungsrate Ende 2020 war in einer Situation erreicht worden, in der die Impfungen gerade erst begannen. Die jetzt nur etwas mehr als ein Drittel so hohe Quote trotz höherer Infektionszahlen als während der zweiten Welle Ende 2020 ist ein Beleg für die Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Inzidenz verharrt trotz zuletzt weiter verschärfter Maßnahmen vorerst auf einem sehr hohen Niveau. Sachsen mit fünf Prozent der Bevölkerung Deutschlands hat fünfzehn Prozent aller Neuinfektionen zu verzeichnen und ist das Bundesland, das die mit Abstand höchste Inzidenz aufweist.

„Covidioten“ ist eine Verharmlosung

Derweil passiert im selben Sachsen dies: Fackelaufmärsche vor dem Haus der Gesundheitsministerin, die verzweifelt versucht, die Lage in den Griff zu bekommen. Dies alles, wie so vieles in Sachsen, könnte die gerechte Strafe dafür sein, dass in Deutschland historisch eine Menge schiefgelaufen ist, zur Strafe müssen wir nun alle mit diesen Charakteren im selben Land leben. Klar, man könnte auswandern, doch ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr so einfach, mit dem kompletten Neubeginn. Und wir müssen leben mit dieser Presse: Die „Welt“ soll bitte nicht so scheinheilig entrüstet tun, denn insbesondere die hässliche Schwester „Bild“ befeuert diese Typen und ihre immer offener gezeigte Bereitschaft zur Gewalt mit ihrer Berichterstattung, aber auch die „Welt“ selbst ist immer wieder gerne bereit, um der Auflage willen Geschwurbel in Interviews etc. abzudrucken.

Da fragt man sich zwangsläufig, wer mit was die Gesellschaft spaltet, das kann doch alles nicht erst 2020 begonnen haben? Die Hetzpresse tut das sicher, aber wir schließen uns den Expert:innen an, die der Ansicht sind, die Spaltung zeigt sich jetzt nur viel deutlicher, weil der Hass in bisher nicht gekanntem Maß an die Oberfläche drängt, weil es wirkt, als breite er sich jenseits des harten rechtsextremen Kerns aus. In Wirklichkeit ist die Spaltung längst durch andere Entwicklungen besiegelt und was wir sehen, sind die Folgen. Wir sehen aber auch, dass die überwiegende Mehrheit unabhängig von ihrer politischen Präferenz derzeit zusammenhält und sich vernünftig verhält. Was in Sachsen passiert, hätte in einem Katastrophenfilm so nie gezeigt werden können. Warum? Weil jeder gesagt hätte: Was für ein Trash! So extrem bescheuert werden sich Menschen in einer solchen Krise niemals verhalten. Total unglaubwürdig.

16 Jahre Angela Merkel haben die Spaltung im Land nicht gemindert, sondern vertieft, deswegen sehen wir keinen Grund, ihr Lorbeerkränze hinterherzuwerfen und wer sie als „Mutti“ bezeichnet, der hat offenbar die Vorstellung, dass eine Mutter vor allem Machiavellistin und erst in zweiter Linie, falls überhaupt, eine empathische, für die ganze Familie sorgende Person. Auch die miserable Gesundheitspolitik hat sie mitzuverantworten, denn sie gab als Kanzlerin die Richtlinien der Politik vor. So viel Konstruktives ist in der langen und trotz vieler Krisen auch elegischen Zeit nicht passiert. Deswegen machen wir umso konstruktiver weiter und melden Ihnen ein paar wichtige Infos zur Booster-Impfung, die viele von uns derzeit beschäftigt.

Korrektur

Leider müssen wir noch eine Korrektur dazwischenschieben, die uns wirklich ärgert, aber auch belegt, dass der Informationsfluss noch ganz gut funktioniert. Die Inzidenz der Ungeimpften in Bayern wird viel zu hoch angegeben. Damit erweist man der Sache der Impfbefürworter:innen keinen Dienst. Die im Artikel vermeldete Zahl aus Schleswig-Holstein ist allerdings auch problematisch. Einerseits belegt sie, dass Impfen wohl doch auch Ungeimpfte schützt, denn dort ist die Inzidenz insgesamt eine der niedrigsten in Deutschland, andererseits ist die Impfquote eben viel höher und deswegen dürften die Unterschiede zwischen den Neuinfektions-Inzidenzzahlen dort geringer sein als in Hochinzidenzgebieten. Die Wahrheit in Bayern dürfte wohl zwischen S-H und den aktuell gemeldeten Zahlen aus dem Land hinter dem Weißwurstäquator liegen, deren Prämisse ist, dass alle als ungeimpft erfasst werden, deren Impfstatus im Moment der Infektionsmeldung nicht klar ist. Ob die Inzidenz nun 13-mal so hoch ist, bei den Ungeimpften, oder nur 6-mal so hoch wie bei den Geimpften – reicht letztere Zahl nicht aus, um sich und andere zu schützen? Wir meinen, das tut sie auf jeden Fall. Und damit zum Schutz in Form des Boosters.

Ein paar Fakten zum Boostern

Ab wann wirkt die Booster-Impfung? Expert:innen meinen, spätestens zwei Wochen nach der Impfung sollte alles wieder schick sein mit dem Schutz. Auch die Kreuzimpfung, ohne die es bei viele von uns nicht möglich sein wird, den Sechsmonate-Abstand zwischen Impfung 2 und Impfung 3 einigermaßen einzuhalten, wird recht positiv dargestellt. Ein Risiko bleibt, das ist keine Frage, denn wer weiß, welche Angaben noch korrigiert werden müssen. Aber haben wir im Sinne des Selbstschutzes und der Solidarität eine andere Wahl? Wir meinen, die haben wir zwar, aber es ist eine Wahl, die uns nicht besser oder gar zu Freiheitskämpfer:innen macht, wenn wir uns gegen die Impfung entscheiden. In Sachsen kann man am besten beobachten, was passiert, wenn eine fast ungebremst wütende Pandemie auf viele Leute trifft, die am Rad drehen und diese Pandemie dadurch weiter anheizen. Das sollte uns allen ein warnendes Beispiel sein.

Also lasst uns hingehen, so bald wie möglich. Wir werden das am Donnerstag dieser Woche tun und haben dann ein paar Tage frei, um uns auszuruhen. Sollte es nicht ganz blöd laufen, werden wir am Montag der nächsten Woche wieder im Büro sein, mit dem guten Gewissen, dass wir uns und diejenigen, die uns teuer und denen wir teuer sind, dem geringstmöglichen Risiko aussetzen. Nämlich dem, dass es bei der Impfung tatsächlich einmal zu ernsteren Problemen kommen sollte. Das ist selten und die Alternative wäre, dass weiter unzählige Menschen sterben oder schwer krank werden. Das wollen wir nicht und deswegen machen wir mit. Deswegen wünschen wir uns von Ihnen, dass Sie auch mitmachen. Und wir freuen uns, falls Sie fixer waren als wir und schon durch sind mit Pieks Nr. 3. Bei uns wird es nach zwei Mal BionTech jetzt Moderna sein.

TH

Frontpage | Corona Lage | Inzidenz geht leicht zurück, Omikron kommt, Impfstoffe für Ungeimpfte

Sollen wir heute mal mit etwas Schönem beginnen? Mit Hoffnung in der Krise? Erst vor wenigen Minuten erreichte uns diese Meldung:

In den vergangenen sieben Tagen infizierten sich in der Hauptstadt nachweislich 343,7 von 100.000 Menschen mit dem Coronavirus, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen mitteilte. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damit leicht unter den Werten vom Samstag (351,4) und Freitag (360,7). Am Sonntag vergangener Woche hatte sie 371,6 betragen. Nach wie vor liegt Berlin unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 440.

Die Hospitalisierungsrate steht aktuell in Berlin bei 4,6, die Hospitalisierungsampel demnach auf Gelb und vielleicht kommen wir doch um Rot herum (beginnt bei 6,0). Und damit um ganz viele lockdownartige Maßnahmen, die natürlich nicht Lockdown genannt werden dürfen, sonst führt das sofort wieder zu schrillen Kampagnen seitens der Covidioten und von denen hatten wir in der Hauptstadt wahrlich genug. Der Bundesdurchschnitt liegt inzidenzweise derzeit bei 440, das wurde oben miterwähnt. Dass Berlin etwas besser abschneidet, ergibt sich daraus, aber seit dem Interview in der Zeit, das wir in den Mittelpunkt des 19. Updates gestellt hatten, sind wir uns nicht mehr so sicher, ob das die Realität spiegelt oder ob die Berliner Verwaltung, wie eigentlich bei allem, bei der Erfassung von Neuinfektionen den Underachiever gibt. Nun ja, wir müssen uns auf Argumente vorbereiten, falls die Inzidenz unter 150 fällt, denn dann, so haben wir vor ein paar Wochen verkündet, kehren wir freiwillig vollumfänglich aus dem Homeoffice zurück in die Präsenz, also in dieses raue Leben da draußen, in dem man es mit echten Menschen zu tun hat. Außerdem könnte uns Omikron beim Verlängern helfen.

Sie kennen Omikron nicht? Es ist die Variante Nr. 5, die nicht nur lebt, sondern sich flugs verbreitet. Das gelingt ihr auch deswegen, weil Genesene gegen sie offenbar nicht immun sind, auch für Geimpfte dürfte das also mehr oder weniger gelten. Deswegen wird Omikron als „Immunitätsdurchbrecher“ bezeichnet. Der Rammbock oder Gerhard Schröder („Ich will hier rein!“) unter den bisherigen Corona-Varianten, aber man sagt bisher auch, die Verläufe sind eher milder als zuletzt bei Delta. Selbstverständlich ist das nur eine Momentaufnahme, denn von jedem guten Produkt, das schnell Verbreitung findet, kommt alsbald eine „Plus“- oder „Premium“-Version auf den Markt. Oder einfach eine neue Nummer mit neuem Namen. Allerdings: Geht es besser als „Omikron“? Das klingt doch wie keine Variante zuvor nach einer tödlichen Bedrohung aus dem All. Geheimnisvoll, bedrohlich, unsichtbar. Es gibt zum Beispiel Alpha-, Beta- und Gammastrahlen, aber hat jemand je von einer Omikron-Strahlung vernommen? Wir fragen für einen Freund: Wtf is Omikron?

Und wer glaubt der Berliner Tagesspiegel zu sein? Das würden wir gerne sehen, wie dessen Redaktion Berlin wirklich besser macht, anstatt immer süffisant-ironisch darauf hinzuweisen, dass man es besser könnte, wie im verlinkten Checkpoint gar nicht so subtil angedeutet. Alles, was dort steht, gibt es aber auch beim gescholtenen Senat oder bei Doctolib, und zwar als Gesamtübersicht. Ja, so sind sie, die Berliner. Immer mit der Klappe dem Denken mindestens einen Schritt voraus. Und wir haben es uns freiwillig ausgesucht, mit den Füßen abgestimmt, sozusagen, bis die Füße in Berlin angelangt waren. Jetzt sitzen wir hier und schütteln den ganzen Tag lang den Kopf und was sagt das über uns? Wir sind gute, schon beinahe echte Berliner.

Nun dürfen Sie wieder abstimmen, liebe Leser:innen. Natürlich nicht darüber, ob Omikron rein darf, wir wollen ja realistisch bleiben, aber zum Beispiel hierüber:

Finden Sie es richtig oder falsch, dass Clubs und Diskotheken bei hohen Corona-Infektionszahlen wieder geschlossen werden?

Gegenwärtig sind zwei Drittel derer, die schon mitgemacht haben, absolut dafür, weitere fast 14 Prozent überwiegend dafür. Weil wir uns Ersteres schon beinahe gedacht hatten, haben wir uns für Variante zwei entschieden, einfach, um nichts vorzutäuschen. Die meisten, die so sehr gegen das Clubleben sind, sind was nicht? Clubgänger:innen. Und so ist es auch mit uns, aus dem Alter sind wir raus und denken nur an den Schutz aller: Unter bestimmten Umständen wären wir dafür, alles wieder zu schließen, dann aber wirklich alles bis auf die notwendigen Versorgungseinrichtungen. Auszug aus dem Civey-Begleittext:

Ärzte und Wissenschaftlerinnen fordern indes strengere Maßnahmen. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhard plädiert im Deutschlandfunk z.B. für ein bundesweites 2G-Plus-Modell in Gastronomie und Freizeit. Aufgrund der schweren Kontrollierbarkeit fordert Epidemiologe Hajo Zeeb derweil Kontaktbeschränkungen für alle. Der Einzelhandel kritisiert die 2G-Regel für die meisten Geschäfte zur eigentlich umsatzstärksten Phase.

Dass der Umsatz wichtiger ist als Menschen, ist systembedingt, aber nur mal ein kleiner Tipp: Was passiert wohl mit dem Umsatz, wenn viele Menschen an Corona sterben? Das ist jetzt nicht so schwer, aber wohl doch einen Schritt zu weit gedacht, sorry dafür. Weil es das einzige ist, woran m an beim Lesen von Corona-Artikeln Spaß haben kann, gleich noch eine Umfrage:

Sollte die künftige Bundesregierung eine drastische Kontaktreduzierung aufgrund der aktuellen Coronalage verordnen? Dazu heißt es unter anderem:

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll am Dienstag einen sofortigen Lockdown bis Anfang Dezember gefordert haben. Der Bild zufolge sollen die Ampelparteien dies abgelehnt haben. Zuvor sagte Merkel dem CDU-Bundesvorstand laut dpa : „Wir haben eine Lage, die alles übertreffen wird, was wir bisher hatten.“ Sie warnte vor einer Handlungsunfähigkeit im Gesundheitssystem, besonders auf Intensivstationen.

Ach ja, Gott schenke ihr einen ruhigen Lebensspätsommer, der lieben Angela. Aber hat sie nicht auch dafür gesorgt, dass alles so ist, wie es jetzt ist? Warnen ist gut, vorsorgen und das Gesundheitssystem erhalten, die Verwaltung verbessern, die soziale Ungleichheit bekämpfen ist viel, viel besser. Angela Merkel hat 16 Jahre lang die politische Schule des Lebens in diesem Land geleitet und es nicht verstanden. Daher wirkt das Salbaderische vieler Statements, denen sich auch politische Gegner:innen angesichts ihres Abgangs, getragen von Wehmut, nicht enthalten (zumindest glaubte man, es seien Gegner:innen) lächerlich, vorsichtig ausgedrückt. Die Devise, es hätte ja schlimmer kommen, zum Beispiel mit einer Ampelregierung (die keine zukünftige mehr ist) und in der die FDP den Ton angibt, ist keine Option für progressiv und solidarisch denkende Menschen.

Zum Schluss aber noch etwas, das sogar uns überrascht hat: Viele Impfgenger:innen sind gar keine Impfgegner:innen. Sie sind nur gegen diese wieselwuseligen, sich überall einschleichenden, vollkommen unvorgesehen andockenden mRNA-und auch gegen die Vektorimpfstoffe. Sollten hingegen die Totimpfstoffe endlich zugelassen werden, dann aber. Dann sofort ins Impfzentrum! Hoffentlich sind die Ungeimpften bis dahin nicht alle tot. Denn eine Kritik möchten wir hier ernsthaft anbringen: Es wirkt durchaus wie ein Schutz für die Pharmaindustrie und deren Mega-Gewinne in der Krise, dass die vglw. günstigen Totimpfstoffe, die woanders schon in Anwendung sind, in der EU noch nicht zugelassen wurden. Das soll ja nun kommen, dann gibt es für die vorgeblich nur partiellen Impfgegner:innen, also die Hälfte aller bisher Ungeimpften, keine Ausrede mehr und es wäre dann auch nicht so schlimm, wenn diese toten Impfstoffe nicht ganz so wirksam wären wie die bereits in Gebrauch befindlichen Lebendkulturen. Wenn wir fast alle geimpft wären, wäre die Verbreitung von Covid19 auf jeden Fall mehr begrenzt als so weit unterhalb der „Herdenimmunität“, wie es derzeit immer noch in den DACH-Staaten der Fall ist. Haben wir schon geschrieben, dass wir nächste Woche schon den Booster kriegen können? Aber es wäre Moderna, nicht BionTech. Mon Dieu!, oder, gemäß der hier verwendeten ersten Person Plural: Le Nôtre!

TH

Frontpage | Corona Lage | Gesundheitsämter: Wasser bis Oberkante Unterlippe

Wir haben gerade erst das Update 18 veröffentlicht und schreiben schon am nächsten. Das ist die beste Methode, um der Nachrichtenlage einigermaßen gerecht zu werden, alles, was uns so beim Check der Medien begegnet, gleich festzuhalten. Allerdings haben wir dann doch zwei Tage weiter gesammelt, um hiermit einsteigen zu können:

Deutliche Mehrheit für Impfpflicht und stärkere Maßnahmen

Angesichts drastisch steigender Infektionszahlen unterstützt die Mehrheit der Deutschen eine Verschärfung der Corona-Regeln. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“ gaben sechs von zehn Befragten an, ihnen gingen die bestehenden Corona-Maßnahmen nicht weit genug, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. Der Anteil lag demnach so hoch wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie (Web.de).

Nur 20 Prozent der Befragten finden aktuell die Corona-Regeln angemessen, 17 Prozent gehen sie zu seit. Für eine Impfpflicht haben sich 71 Prozent ausgesprochen (darunter alle Personen in unserem Freundeskreis, mit denen wir bisher über das Thema gesprochen haben), aber etwa Drei Viertel der Befragten haben sich gegen Schul- und Kitaschließungen positioniert. Das sehen wir anders, denn konsequent ist konsequent und wenn man nicht möchte, dass auch für Kinder eine Impfpflicht gilt, was wir nach wie vor bei unter 12-Jährigen nicht befürworten, dann muss auch dieser Übertragungsweg für eine Zeit geschlossen werden. Dass es so weit kommen musste, ist eine ganz andere Geschichte. Dieses Desaster hat die Politik zu verantworten. Wir fühlen mit allen, die von strengeren Maßnahmen besonders betroffen wären und die sich bisher vernünftig im Sinne von kooperativ oder gar solidarisch verhalten haben.

Omikron in Berlin

Wie die »Berliner Zeitung« meldete, sei die neue Corona-Variante offenbar bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika, der am Montagmorgen in Berlin ankam, nachgewiesen worden. Am Nachmittag bestätigte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, dass in Berlin ein erster Fall nachgewiesen sei (nd). Mittlerweile gibt es mehrere weitere Verdachtsfälle.

Frontpage | Corona Lage | Zweitagesbericht, "Dieses Land wird armselig regiert"

Gestern hatten wir eine Pause gemacht, eine Pietäts- und Nachdenkpause. Dafür haben wir heute einige neue Perspektiven auf Corona, die selbstverständlich auch wieder mit Omikron zu tun haben, teilweise stammen die Nachrichten vom gestrigen Tag.

Was gibt es heute Morgen an Meinungen? Gabor Steingart ist in seinem Morning Briefing der Ansicht, Deutschland werde nicht rechts oder links, sondern besch… armselig regiert. Er nennt nicht weniger als sieben Gründe dafür, warum Deutschland seinen Vorsprung in Sachen Corona-Politik sukzessive verspielt hat. Die Covidioten werden dabei auffällig geschont, vielmehr schreibt Steingart die niedrige Impfquote in Deutschland vor allem der „fehlenden traumatischen Erfahrung“ zu, welche die südeuropäischen Länder während der ersten Welle gemacht haben.

Das sehen wir ein wenig anders: Es bedeutet nämlich, dass man hierzulande nicht in der Lage war, aus den Fehlern anderer zu lernen und das ist genauso negativ, wie nicht aus eigenen Fehlern lernen zu können, denn im Ernst: Muss man wirklich jeden Fehler, auch jeden tödlichen, selbst schon gemacht haben, um zur Vernunft zu kommen oder kann man sich anhand von positien und blöden Beispielen auch als denkender Mensch verhalten und Rückschlüsse aus dem ziehen, was anderen passiert? Das ist keine Ansage gegen die Länder, die es anfangs am härtesten getroffen hat, denn damals war Corona komplett neu und die Maßnahmen dagegen waren überall in Europa ähnlich gestrickt, mancherorts sogar härter als während des ersten Lockdowns hierzulande. Nein, die Coronaleugner und Impfgegner sind auch ein typisches Phänomen des DACH-Raumes, wie wir in einem der vorherigen Updates zumindest als eine von mehreren Erklärungen für die niedrigen Impfquoten erläutert haben. Und eine rückgratlose Politik gibt diesen Leuten immer wieder nach, anstatt die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung konsequent zu schützen.

Auch die „Zeit“ ist der Ansicht, die Ampel sei bisher coronapolitisch nicht fit, allerdings mit einem merkwürdigen Spin, der darauf hinausläuft, als ob der Koalitionsvertrag in anderen Bereichen richtig gut sei und die aktuellen Politiker:innen genau richtig für die Krisenlage. Das ist beides eindeutig nicht der Fall und Corona und die soziale Frage, die im Koalitionsvertrag mit „interessiert uns nicht“ beantwortet wurde, hängen miteinander zusammen. Gutes Beispiel ist, dass Olaf Scholz die Impfpflicht irgendwann im März 2022 einführen will. Echt jetzt? Eben nicht jetzt. Wenn man es macht, dann so schnell wie möglich, sonst geht wieder unendlich viel Zeit ins Land, die wir im Kampf gegen das Virus verlieren und die zu vielen komplett unnötigen Todesfällen führen wird.

Am Montag hatte unser Hausarzt mit uns eine PCR-Test durchgeführt, weil wir ungewöhnlich heftige Symptome hatten, die wir zunächst auf eine Erkältung / einen grippalen Infekt zurückführten, die sich aber über mehrere Wochen hinzogen. Schnelltests vor Arbeitsantritt hatten wir deshalb schon mehrfac durchgeführt. Normalerweise wäre daraus keine Panik entstanden, aber man weiß es heute nicht mehr, was hinter Symptomen steckt, man ist verunsichert, das ist auch ein Resultat des Wirkens der freidrehenden Covidioten-Meute. Nur so konnte es passieren, dass wir in Berlin derzeit eine Inzidenz von teilweise über 400 haben, auch in dem Bezirk, in dem wir wohnen. Der Test war negativ, wir atmen auf.

Obwohl vorgestern und gestern erstmals während der vierten Welle die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland leicht zurückging (von 456 auf 452 auf 443), stieg sie gestern auf ist RKI-Chef Lothar Wieler überzeugt, dass wir das wirkliche Ausmaß der vierten Welle erst im Frühjahr 2022 werden beurteilen können und warnt vor weiteren Mutationen. Die Empfehlung, sich impfen zu lassen, ist nicht neu, aber immer noch wertvoll. Die Zahl der Todesfälle hatte zunächst vorgestern mit 388 und dann gestern mit 448 jeweils neue Höchstwerte im Rahmen der vierten Welle erreicht.

Und damit zur Omikron-Variante:

Reuters Daily Briefing vom 30.11.2021: Drugmaker Moderna’s CEO set off fresh alarm bells in financial markets after he warned that COVID-19 vaccines were unlikely to be as effective against the Omicron variant as they have been against the Delta version.

Europe’s main bourses jolted 1.4% lower and oil shed 3%, while Japan’s safe-haven yen, German government bonds and gold all rose. Investors are preparing for swings and opportunities as Omicron spreads.

The EU drug regulator said it could approve vaccines adapted to target the Omicron variant within three to four months if needed, but that existing shots would continue to provide protection.

Für Gold kann man sich viel kaufen, vielleicht auch Gesundheit, aber die Wirtschaft sieht wieder unsicheren Zeiten entgegen und deutsche Staatsanleihen steigen immer, wenn die Welt in Unsicherheit gerät. Beinahe musste ich lachen: Hoffentlich sind nach dem absolut desaströsen Corona-Management in Deutschland in ein paar Jahren noch Menschen übrig, die in der Lage sind, Steuern zu produzieren, mit denen die Staatsanleihen zurückgezahlt werden können oder wenigstens so viele, dass die Märkte dem Land genug Kredit geben, dass es sie durch neue Bonds zu niedrigen Zinsen ablösen kann.

Die Börsen sind in gewisser Weise ein Spiegel aller negativen Eigenschaften von Menschen: Hier spielt menschliches Leid nie eine bremsende Rolle, obwohl auch diese Märkte natürlich eine eigene Psychologie haben. Wenn Krieg ist oder, wie in diesem absolut unpassenden Moment, Hochrüstung angesagt wird, steigen die Aktien von Rüstungsunternehmen, was sonst? Vielleicht nicht gerade in diesen Tagen, aber langfristig gewiss. Jede Krise ist eine Chance, für Spekulanten gilt das in besonderem Maße. Wenn Corona ist, steigen die Aktien von Impfstoffherstellern, aber nicht, weil diese den Menschen helfen, sondern, weil ihre Gewinne sprießen. Würden sie ihre Gewinne mit der Entwicklung innovativer und furchtbarer Waffen erzielen, wäre das börsliche Resultat bei gleicher Gewinnhöhe nicht anders. Jetzt könnte man auf Moderna setzen, oder? Aber wie das gesamte kapitalistische System haben die Börsen nicht das Unvorhersehbare eingepreist und nicht die langfristigen Folgen dieser Form des Wirtschaftens.

Derweil hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts die Bundesnotbremse vom Frühjahr 2021 nachträglich legitimiert, und zwar ohne Abstriche. Das könnte noch wichtig werden, falls ein neuer Lockdown als notwendig erachtet werden wird. Durch die Delta-Variante ist man ja nun ohne einen Ansatz von einheitlichem Management hindurch gestolpert und das liegt nicht nur am Föderalismus. Insbesondere die Tatsache, dass sich im bevölkerungsreichen Bayern die Lage langsam verbessert, dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Aber wir haben ja nun Omikron, das nicht nur an die Tür klopft, sondern einfach hindurch spaziert ist, weil hierzulande alle Scheunentore offenstehen. Der Tenor dieses „Zeit“-Kommentars ist: „Zögern kostet Freiheit“ oder „Not kennt sehr wohl Verbot“ (oder Pflicht). Anders ausgedrückt: Den Corona-Leugnern alles durchgehen zu lassen, wird letztlich die Freiheit von uns allen weitaus stärker einschränken, als diesen bestimmte Pflichten aufzuerlegen. Und wie ist der Freiheitsbegriff in der Krise überhaupt zu definieren? Situationsangepasst natürlich, das ist eine Frage der Vernunft. Am Ende des Kommentars dann ein Winken mit dem nächsten Problem: Wie müssen individuelle Freiheit und Klimakrise gegeneinander abgewogen werden? In der Ampel sitzt eine Partei, die dazu eine komplett vorgestrige Einstellung hat, wir sind sehr gespannt, ob die Grünen wenigstens in Sachen Klimapolitik unter diesen Voraussetzungen ihre Versprechen einigermaßen einhalten können.

Wenn wir schon bei der Justiz sind, lesen Sie bitte auch diesen Artikel „Corona-Rebellen in Robe“ denn das Vertrauen ist ein Eichhörnchen. Selbst beim Bundesverfassungsgericht gibt es Unterschiede in der Rechtsauslegung zwischen dem Ersten und dem Zweiten Senat, der eine deutlich konservativere Linie fährt und zuletzt für problematische Entscheidungen wie das Kippen des Berliner Mietendeckels verantwortlich zeichnete, aber was sich auf den nicht so hohen Ebenen der Gerichtsbarkeit abspielt, ist genauso bedenklich wie das, was allgemein in der Bevölkerung zu beobachten ist.

Nun könnte man sagen, wieso nicht, Richter:innen sind auch Menschen wie du und ich. Das mag privat noch gelten, aber nicht, wenn Recht gesprochen und über die Lebensumstände vieler anderer Menschen entschieden wird, wie das bei der Corona-Rechtsprechung der Fall ist. Dienstlich sind an Juristen hohe Maßstäbe bezüglich ihrer Urteilsfähigkeit anzulegen, besonders, wenn sie tatsächlich weitreichende Urteile zu sprechen haben, weil sie die Richterlaufbahn eingeschlagen haben. Dass es auch in dieser Zone, in der Entscheidungen besonders gut sachlich abgesichert sein sollten, zu Schwurbeleien kommt, die nicht nur die Mentalität, sondern auch die Qualität der betreffenden Richter:innen als Justizpersonen infrage stellt, lässt wiederum Fragen an die Jurist:innenausbildung und die Eignungsnachweise für den Justizdienst zu.

Damit kommen wir für heute zum Ende. Die Publikation des Artikels früh am Tag kann dazu führen, dass ein weiteres Update folgen muss, aber wir hoffen natürlich immer, dass dies nicht notwendig wird.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Impfpflicht, weitere Rekordinzidenzen

Die brennendste Frage dürfte im Moment nicht mehr sein, ob wir noch halbwegs durch den Winter kommen werden. Wer gestern Abend Anne Will gesehen hat, weiß, es ist hoffnungslos. Beleg: Der eingebettete Tweet. Deswegen konzentrieren wir uns zum einen auf Infos zur neuen Omikron-Variante, zum anderen auf die üblichen Fakten und möchten Ihnen außerdem eine Umfrage empfehlen, die Civey gestern gestellt hat und die von Tag zu Tag wichtiger wird:

Sollte es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Deutschland geben?

Über 73 Prozent derer, die bisher abgestimmt haben, sagen gegenwärtig: auf jeden Fall oder eher ja. Trotz unseres großen Ärgers über die ca. 19 Prozent, die aktuell strikt dagegen sind, haben wir nur mit „eher ja“ abgestimmt. Wir sind das niemandem schuldig, aber es war schon bei den Nazis so, dass diejenigen, die nicht für die Nazis waren, sich nicht entziehen konnten, an die Front mussten, gestorben sind, also trifft es uns wieder alle mehr oder weniger, in diesem Land der Spinner. Sie erinnern sich, wir haben im vorletzten Update unter anderem über Kriegsrhetorik nachgedacht. Den Begleittext von Civey wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

Lange war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen eine Impfpflicht, nun schließt er sie nicht mehr aus. Mit über 75.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag wurde diese Woche ein neuer Rekordwert erreicht. Mehrere Intensivpatienten mussten in andere Bundesländer gebracht werden, da Krankenhäuser überlastet sind. Zudem bereitet der Regierung eine in Südafrika grassierende Virusvariante Sorge, die Freitag offiziell Europa erreicht hat.

CSU-Chef Markus Söder fordert eine Corona-Impfpflicht ab dem 1. Januar 2022. Nur so könne eine „Komplettüberlastung“ der Gesundheits-Systeme verhindert werden. Zusammen mit Winfried Kretschmann (Grüne) argumentierte er zuvor in der FAZ, eine Impfpflicht sei „kein Verstoß gegen die Freiheitsrechte“, sondern „die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Freiheit zurückgewinnen.“ In Österreich soll die Impfpflicht ab Februar 2022 gelten.

Der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht einer allgemeinen Impfpflicht skeptisch gegenüber. „Sie löst unser akutes aktuelles Problem nicht“, sagte er jüngst im Deutschlandfunk. Die Wirkung der Pflicht käme zu spät, um die aktuelle Welle zu brechen. Auch RKI-Präsident Lothar Wieler bezeichnet eine Impfpflicht als letztes Mittel. Was ihm zufolge sofort helfen würde, wäre eine radikale Kontaktreduzierung.

Wir dachten immer, Impfungen entfalten nach etwa zwei Wochen ihre volle Wirkung, und glaubt jemand ernsthaft, nur Kontaktbeschränkungen führen ab Januar zum Ende der vierten Welle, zumal sie wieder aufgehoben werden müssen, wenn die Lage sich zu beruhigen scheint? Hingegen würde eine sofortige Impfpflicht ab Mitte Dezember erste und dann nachhaltige Erfolge zeigen. Sagen Sie es nicht weiter, aber die Politik hat schlicht Schiss vor den Covidioten, deshalb ist die Lage weiterhin konfus.

Alles, was bis gestern über die Omikron-Variante bekannt war, lässt sich z. B. hier nachlesen. Tun Sie das bitte, denn die Lage ist ernst und deshalb fassen wir hier nicht zusammen, sondern verlinken lieber etwas ausführlichere Beiträge. Wenn Sie dort weiterklicken, kommen Sie zum Corona-Ticker, der unter anderem ausweist:

  • Die Inzidenz ist weiter angestiegen, auf ca. 455 am Sonntag, es kam zu knapp 30.000 Neuinfektionen, das sind erstmals an einem Tag in den letzten Wochen etwas weniger als am gleichen Wochentag der Vorwoche,
  • wie schon vorgestern erreichten gestern 31 Landkreise eine Inzidenz von mehr als 1.000,
  • Spitzenreiter ist weiterhin der sächsische Erzgebirgskreis, und zwar mit einer neuen Rekord-Inzidenz von 2074. In ganz Sachsen gibt es seit mehreren Tagen keinen Landkreis mehr mit einer Inzidenz von unter 700.
  • In Berlin stieg die Inzidenz gestern auf einen Rekordwert von 372. Vier Bezirke, darunter auch unser Wohnbezirk, weisen Inzidenzwerte von mehr als 400 auf.

Nun haben wir eine weitere, ganz aktuelle Umfrage von Civey entdeckt, sie lautet:

Sind Sie wegen der neuen Coronavirus-Variante „Omikron“ besorgt?

Bitte lesen Sie erst den Begleittext und stimmen Sie dann ab.

Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Coronavirus-Variante nachgewiesen. Die Mutante B.1.1.529 hat den 15. Buchstaben des griechischen Alphabetes „Omikron“ als Bezeichnung erhalten, da es sich bereits um die 15. bekannte Variante des Virus handelt. Am vergangenen Freitag stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Omikron als „besorgniserregend“ ein und sorgte so für ein rasches Bekanntwerden der mutierten Coronavirus-Variante.

Aktuellen Daten zufolge ist Omikron bereits auf der ganzen Welt verbreitet. Südafrikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Variante wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sei als die derzeit grassierende Delta-Variante. Außerdem seien die Impfstoffe gegen sie möglicherweise weniger wirksam.

Hoffnung macht hingegen, dass die bisher festgestellten Fälle in Südafrika nicht schwerwiegend seien. Infizierte in einer Praxis in Pretoria hätten unter extremer Müdigkeit gelitten, sonst aber keine Symptome gezeigt. Die Virologin Sandra Ciesek twitterte unterdessen, dass Antigentests auch bei der neuen Mutante anschlagen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb: „Es wäre wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn Omikron leichter verliefe. Bei so vielen Mutationen wäre es aber denkbar.“

Wir sind besorgt, wie auch nicht? 22,5 Prozent sehen das derzeit komplett anders. Die Identität mit jenen ca. 19 Prozent, die sich strikt gegen eine Impfpflicht aussprechen, dürfte fast vollständig sein, zuzüglich einiger, die vermutlich glauben, sie seien geboostert, also kaum gefährdet. Diesbezüglich weiß man aber nichts Genaues und Christian Drosten hat die Omikron-Variante heute als möglicherweise erste echte „Immunflucht-Variante“ bezeichnet. Das heißt, auch ohne, dass die Verläufe schwerer sein müssen als bei Delta, dass viele, die bereits von einer Covid-Erkrankung genesen oder schon geimpft sind, sich mit Omikron erneut anstecken können. Möglicherweise reicht der Schutz der Impfungen aber aus, um Verläufe abzuschwächen, das ist noch nicht geklärt, gilt unter Experten aber nach aktuellen Aussagen als wahrscheinlich.

Wir könnten Sie noch ein wenig mehr belasten mit Themen wie der Triage, die wieder intensiv diskutiert wird, dazu haben wir einen guten Erklär-Artikel gefunden. Aber für heute ist Schluss, falls nicht eine BREAKING News uns zu einer Ergänzung auffordert.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Fakten des Tages, Impfgeschichte

Wir steigen gleich mit der neuen Omikron-Variante ins heutige Update ein und kommen dann zu den allgemeinen Daten, auch zur Geschichte des Impfens gibt es heute ein paar Anmerkungen.

Aus Südafrika, wo die fünfte wichtige Corona-Variante namens Omikron nun schon untersucht wird, kommt heute ausnahmsweise eine positive Nachricht, auch diese wollen wir nach den gestrigen Katastrophenszenarien nicht verschweigen:

Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Unter diesen Umständen ist es natürlich schwierig, das Verhalten der neuen Variante gegenüber Geimpften festzustellen. Sollten aber allgemein mildere Verläufe zu beobachten sein, würde das für eine schon zu Beginn der Herausbildung von Varianten geäußerte Ansicht sprechen: Dass das Virus letztlich, um weitere Verbreitung zu finden, eine Art Kompromiss eingeht: Es wird harmloser. Bei Delta war das allerdings nicht so, deswegen betonen wir an dieser Stelle: Es handelt sich nicht um Erkenntnisse, die bezüglich Omikron gesichert vorhanden sind, sondern um Möglichkeiten und letztlich um die Hoffnung, dass es nicht immer schlimmer wird, egal, ob wir die Pandemie ernst nehmen oder nicht.

Nun zu den Fakten des Tages, Zahl der Neuinfektionen:

Deutschland hat es geschafft und ist Weltmeister. In keinem anderen Land gab es gestern mehr Neuinfektionen mit Corona. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass in den USA an Wochenenden immer deutlich weniger Fälle gemeldet werden als von Montag bis Freitag, aber es ist und bleibt eine Schande. Das gab es bei keiner der drei ersten Wellen. Erinnern Sie sich noch, wie gut Deutschland durch die erste Welle kam? Wir fanden das damals etwas seltsam und weisen auch heute wieder darauf hin, dass die Testungsrate in Deutschland erheblich niedriger ausfällt als in vergleichbaren Ländern. Mittlerweile hat Deutschland aber, so viel ist sicher, von Welle zu Welle schlechter abgeschnitten. Während man woanders aus den Erfahrungen der ersten Wellen gelernt hat, tritt bei uns genau das Gegenteil ein: Es wird immer konfuser vonseiten der Politik und schräger vonseiten der Coronaleugner / Impfgegner. Und damit nun wirklich zu den Fakten anhand der gestrigen Neuinfektionszahlen (die RKI-Zahl fällt mit 44.401 Neuinfektionen niedriger aus, würde aber immer noch dazu führen, dass Deutschland Platz eins in der Tabelle einnimmt, die Zeit mit ihrer eigenen Recherche kommt auf 50.384 Neuinfektionen):

Richtig ist auch, dass es einige Länder in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl noch stärker trifft, auf der Tafel mit den zehn Ländern mit den höchsten Neuinfektionszahlen am gestrigen Samstag sind das Belgien, die Niederlande und die Tschechei, Polen liegt bei der relativen Betrachtung etwa gleichauf mit Deutschland. Diese Perspektive weist wiederum auf etwas hin, das wir auf der Corona-Deutschlandkarte beobachten: Regionen mit Landgrenzen zu anderen Staaten sind stärker betroffen, und zwar im Süden und im Osten wie auch im Westen als Binnen- oder Küstenregionen.

Aus der Betrachtung der Relation zur Bevölkerungszahl ergibt sich des Weiteren, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien derzeit momentan etwa gleich liegen und dass Europa dadurch, dass es sich hier um dessen bevölkerungsreichste Länder handelt, wieder einmal ziemlich bescheiden im Vergleich zu anderen Weltregionen dasteht.

Inzidenzen

Die gesamtdeutsche Inzidenz ist heute auf 446,8 gestiegen. Der Anstieg vollzieht sich jetzt also deutlich langsamer als bisher, das war in den letzten Tagen schon zu beobachten (vorgestern: 438, gestern: 443), das darf man in diesen Zeiten schon als Erfolg werten. Die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von mehr als 1.000 hat sich gestern auf 31 reduziert (vor drei Tagen: 34). Der sächsische Landkreis Osterzgebirge liegt mit ca. 2.020 weiterhin an der Spitze, die Zahl verharrt dort seit Tagen auf diesem Niveau.

Aus der Geschichte des Impfens

Damit das Ganze nicht so sachlich huntergeleiert wirkt, haben wir wieder einmal einen Tweet abgebildet, dieses Mal mit einem zitierten Gedicht von Kurt Tucholsky, damit auch heute klar ist, welche Meinung wir vertreten. Ob wir das mit dem Knast auch so sehen, lassen wir an der Stelle freilich offen.

Zur Pockenimpfung indes steht folgendes zu lesen: Welche Impfungen waren Pflicht? Bis 1976 war die Pockenimpfung in Westdeutschland Pflicht. Noch vor 150 Jahren ist die deutsche Bevölkerung solchen Versuchen gegenüber äußerst skeptisch. Es gibt Gerüchte, Impfstoffe könnten Menschen verwandeln, zum Beispiel in Kühe.

Vielleicht hätte man die vielen Impfpflichten aus der DDR, von denen in diesem historischen Abriss unter anderem die Rede ist, übernehmen sollen, damit niemand auf die Idee kommt, seine individuellen Freiheitsrechte seien während einer Pandemie wichtiger als der Schutz der gesamten Bevölkerung, aber in Westdeutschland wurden auch auf freiwilliger Basis große Erfolge erzielt und die Impfpflicht gegen Pocken bis 1976 hatte nun einmal dazu geführt, dass Pocken, abgesehen von Windpocken, kein Thema mehr waren. Hier kann man die Geschichte des Impfens in Deutschland nachlesen und sich auch Gedanken darüber machen, warum die Impfbereitschaft in Deutschland so unterschiedlich stark ausgeprägt ist, wo manche Spins von der Gefährlichkeit des Impfens bzw. Geimpftseins ihren Ursprung haben und wie sie über das Impfen hinaus gedeutet werden können.

TH

Frontpage | Corona Lage | Die Omicron-Variante naht, während Delta Deutschland noch in Atem hält

Eilmeldung vom 27.11.2021, 18:50 Uhr:

In München sind die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. (Nachricht)

Zur Omikron-Variante siehe das folgende Update 15:

Mit dem 15. Update, dem insgesamt 16. Vierte-Welle-Artikel unserer Corona-Berichterstattung beginnen wir eine neu Serie, die Updates bis 14 finden Sie hier. Denn heute beginnt eine neue Epoche im Zeitalter der Pandemie: Die Omicron- oder Omikron-Variante wurde erstmals in Deutschland gesichtet.*

Sie haben unser vermutetes Epsilon also Omikron genannt, ein paar Buchstaben übersprungen. Vermutlich, um dem Virus ein Schnippchen zu schlagen, die Zahl noch möglicher Mutationen betreffend, denn bei Omega ist bekanntlich Schluss.

Die SARS-CoV-2-Variante Omikron (englischOmicron), nach der PANGO-Nomenklatur auch als B.1.1.529 bezeichnet, ist eine Untervariante der Variante B.1.1 des Betacoronavirus SARS-CoV-2.[1] Die Variante wurde am 9. November 2021 erstmals in SüdafrikaBotswana und Hongkong identifiziert und erhielt am 24. November 2021 im Pango-Nomenklatursystem für SARS-CoV-2-Varianten die Bezeichnung B.1.1.529.[2] Sie wurde am 26. November 2021 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregende Variante (englisch: Variant of Concern) eingestuft und nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabetsbenannt.[3][4] (Wikipedia)

Ende November 2021 lag das Verbreitungsgebiet von Omikron hauptsächlich in Südafrika.[7] Anhand von Genomsequenzierungen wird vermutet, dass es sich in der südafrikanischen Provinz Gauteng ausgebreitet hat. Eine Infektion konnte bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika in Hongkong festgestellt werden,[6] eine weitere bei einem Rückkehrer aus Malawi nach Israel.[11]

Kurz darauf bestätigte Belgien als erstes europäisches Land eine Infektion mit der Variante Omikron bei einem Rückreisenden aus Ägypten.[12]. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Verdachtsfall bei einem am 26. November 2021 über Frankfurter Flughafen eingereist Reiserückkehrer aus Südafrika.[13]

Zwischen den oberen und den unteren beiden Absätzen, die wir aus der Wikipedia kopiert haben, liegt ein ganzer Horrorladen, dessen Auslage sich so zusammenfassen lasst: Es handelt sich bei der Variante Omicron um die gefährlichste, die bisher entdeckt wurde. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann es in Deutschland die Delta-Variante als Hauptquelle der Infektionen ablösen wird. Denn raushalten lässt es sich nicht, dazu ist die Welt zu sehr vernetzt. Vor allem gilt dies dann, wenn es bezüglich seines Infektionsverhaltens noch aggressiver ist als die bislang schärfste Variante Delta. Ein paar erste Eindrücke davon gefälltig, was uns erwartet?

Was wir vor ein paar Tagen noch als theoretische Möglichkeit beschrieben haben, wird also kommen und wir sind nicht einmal mit der vierten Welle gut fertig geworden.

Gemäß Umfragen erwartet die Mehrheit der Menschen hierzulande einen weiteren Lockdown, spricht sich aber tapfer für stärkere Maßnahmen aus. Es wird wohl auch nicht anders möglich sein, Delta endlich in den Griff zu bekommen und Omikron nicht zu einer Apokalypse werden zu lassen. Heute Morgen sprach sogar der nicht für seine Corona-Zurückhaltung bekannte Karl Lauterbach noch im Theorie-Modus darüber, dass es drei Monate dauern wird, bis die Impfstoffe an Omikron angepasst sein werden, falls es sich erweisen sollte, dass es die bisherigen Vakzine umgehen kann. Das finden wir sehr kurz, deshalb formulieren wir „anpassen“ und schreiben nicht von „neuen Impfstoffen“, wie Lauterbach es getan hat.

Die Inzidenz in Deutschland stieg von gestern auf heute noch einmal auf einen neuen Rekordwert (443 anstatt 438 gestern). Dies ist schon beinahe ein kleiner Sieg, denn die Steigerungsraten waren in den letzten Tagen noch viel stärker (44 Prozent von Freitag vergangener Woche bis gestern). Nun könnte man natürlich sagen, das Spiel geht von vorne los, wenn Omikron kommt, denn dann stehen andere Länder nicht mehr viel besser da als wir, die zuletzt mit großer Disziplin die Delta-Variante fast besiegt haben. Das ist leider komplett falsch, und um das zu verstehen, muss man kein Virologe sein: Aufgrund der anhaltend hohen Delta-Fallzahlen in Deutschland, die eine Nachverfolgung der Infektionswege nicht mehr durchgehend möglich machen, wird die neue Variante sich viel unbemerkter einschleichen als anderswo, zumal Tests bisher die neue Variante nicht identifizieren. Die niedrige Impfquote hierzulande wird auch bei der offensichtlich aggressiven Omikron-Variante wieder eine negative Rolle spielen, denn wer sich bisher verweigerte, wird sich auch bei Omikron erst einmal ähnlich verhalten und erst dann, wenn die Menschen wirklich sterben wie die Fliegen, wird ein Umdenken einsetzen. Dann ist es aber für viele Menschen zu spät.

Falls dieser Bericht Sie an einen der guten alten Apokalypse-Filme erinnert, dann liegen Sie nicht falsch. Nur, dass der Angriff eben nicht spektakulär auf einen Schlag stattfinden, sondern in Varianten. Für die Dramaturgie eines Untergangsfilms ist dieses Angreifen in immer stärkeren Wellen übrigens perfekt, darauf ist man bisher wohl noch gar nicht gekommen, obwohl es exakt dem Muster entspricht, das auch manche Kriege gezeigt haben. Ist es deshalb erlaubt, von einem Krieg gegen Corona zu sprechen? Wir meinen, es hilft bei der Imagination dessen, was uns bevorstehen kann. Wir können dann auch ohne rhetorisch einigermaßen kohärent feststellen, dass die Einschläge immer dichter kommen und die Politik bisher nicht in der Lage war, ausreichend Abfangjäger in die Luft zu bringen und Flak-Stellungen zu errichten und zu besetzen. Und obwohl es dieses Mal um einen Kampf für eine gute Sache geht, gibt es Deserteur:innen in hoher Zahl, die sich dem Feind geradezu in die Arme werfen und die übrigen Menschen im Stich lassen.

Und wie sieht es in der alten Frontstadt Berlin aus?

Corona-in-Zahlen

Man hat den Kampf also immerhin angenommen, zumindest statistisch gesehen, und es steht unentschieden. Was wir vor einigen Tagen schon angedeutet haben: Berlin könnte das erste Bundesland sein, in dem die Zahlen zurückgehen, ohne dass es zuvor ein Hotspot war. Um offen zu sein: richtig erklären können wir das derzeit nicht, denn auch in Berlin ist die Politik sehr maßnahmenzögerlich. Sollten die Menschen von selbst vernünftig sein, anders als bisher während dieser Pandemie? Abwarten. Die Messe ist noch nicht gelesen und der Krieg beginnt vielleicht erst richtig.

Die neuen Corona-Truppen, die bisher wohl am besten ausgerüstete Armee namens Omikron, ist noch gar nicht eingetroffen. Wir können es weiterhin schaffen, das Virus zu besiegen. Aber nicht, wenn wir so luschig weiterwurschteln wie bisher.

*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels handelt es sich um einen Verdachtsfall, aber siehe die weiteren Ausführungen dazu, was sich daraus ableiten lässt.

TH

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