Corona Update 32: Welt-Höchststand bei Neuinfektionen am 23.12.21 + Von den Medien kaum bemerkt + Testen, Geimpfte! + Impfpflichtverzögerer | #Frontpage #Covid19 #Lage | Rückläufige Zahlen über Weihnachten nicht valide

Frontpage | Corona Lage | Neuinfektions-Weltrekord am 23.12.2021

Am ersten Weihnachtsfeiertag wollten wir nicht unbedingt ein Corona-Update schreiben. Wir haben es uns aber mehr oder weniger zur Leitlinie gemacht, auf besondere Entwicklungen hinzuweisen, während bei rückläufigen Zahlen auch unser Berichterstattung in längeren Abständen stattfindet. So kam es unter anderem zum nunmehr 32. Update während der vierten Welle.

Und das, was sich in den letzten Tagen gezeigt hat, ist eine besondere Entwicklung.

Am 23.12. kam es zu einem Weltrekord bei den Neuinfektionen (982.547). Dazu hat nicht unwesentlich Großbritannien mit ca. 120.000 Neuinfektionen beigetragen (Höchstwert in Deutschland an einem einzigen Tag bisher: 77.000). Auch in den USA steigen die Zahlen wieder, wenn auch sehr erratisch, also an einzelnen Tagen sehr unterschiedlich.

Was man an der Grafik ebenfalls gut ablesen kann: Seit Oktober, nach einem kleinen Tal, in dem der Tagesdurchschnitt auf weniger als 500.000 neue Fälle sank, steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder kontinuierlich an mit einem Riesensprung in den letzten Tagen, in puren Fallzahlen wohl der größte Anstieg bisher in so kurzer Zeit, dies auf einem ohnehin hohen Ausgangsniveau. Auch Frankreich und Spanien verzeichneten mit 92.000 bzw. 77.000 Neuinfektionen an diesem Tag neue Höchststände seit Pandemiebeginn. In Großbritannien hatte damit seit Pandemiebeginn fast jeder fünfte Einwohner eine Corona-Infektion, in Frankreich sind es 15 Prozent der Bevölkerung.

Omikron bahnt sich im Vereinigten Königreich offenbar fast ungehindert seinen Weg. Was dies in wenigen Tagen für uns bedeuten könnte: Dass die vierte Welle noch nicht beendet ist, wenn die fünfte, die Omikron-Welle, kommt. Wir werden vermutlich auf einem Wellenkamm reiten. Das RKI weist vorsichtshalber darauf hin, dass die aktuellen, nicht mehr so hohen Zahlen auf weniger Tests in der Weihnachtszeit und auf Verzögerungen bei der Registrierung beruhen können. Wenn die Nachmeldungen hinzugefügt werden, könnte das zu einem schockartigen Anstieg bei den Neuinfektionen führen. Deswegen sollte jetzt mehr Augenmerk auf Werte wie die Hospitalisierungsquote (hier die aktuelle Intensivbettenbelegung nach Bundesländern) als auf die Inzidenz gelegt werden, die zuletzt deutlich gesunken ist und aktuell bundesweit bei 243 liegt, also nur noch bei etwas mehr als der Hälfte der Rekordzahl von 453 vor ca. einem Monat beträgt. Auch in Berlin ist die offizielle Inzidenz innerhalb eines Tages deutlich gesunken, von ca. 320 auf 280,5.

Nachtlos ins Bild fügt sich deswegen trotz der zuletzt rückläufigen Inzidenzwerte der gestrige Tweet von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der auch Geimpften rät, sich testen zu lassen. Das ist frustrierend, besonders, falls damit auch Geboosterte gemeint sind und wenn man weiß, wie unangenehm (auch im Vergleich zu einer Spritze) ein sachgerecht durchgeführter PCR-Test ist, aber es ist der Weg der Vorsicht und wenn es erforderlich sein sollte, werden wir uns wieder einmal testen lassen. Aufgrund einer gezielten Kontaktbegrenzung ist das Testen bei uns kein täglicher Vorgang, aber wir haben mittlerweile die beiden Hauptvarianten durch.

Deswegen empfiehlt es sich, nachzuforschen, was aus der Impfpflicht geworden ist, die noch vor wenigen Tagen eines der wichtigsten Corona-Themen war. Besonders, nachdem am 10. Dezember eine Impfpflicht im Gesundheitswesen beschlossen wurde. Auch dazu gab es heute Neues:

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke rät dazu, über die umstrittene Frage einer allgemeinen Impfpflicht erst in einigen Wochen zu entscheiden. „Ab Ende Januar oder im Februar werden wir wissen, wo wir stehen – in Brandenburg und bundesweit“, sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. „Dann wissen wir, ob eine Impfpflicht noch notwendig ist oder – viel besser – viele Menschen erkannt haben, dass sie ganz persönlich und freiwillig durch Impfen einen Beitrag zum Weg aus der Pandemie leisten können.“ Dieser Weg sei ihm  der liebste und „täte unserem Gemeinwesen gut“. 

Selbstverständlich wird über eine Impfpflicht erst entschieden, wenn es zu spät ist und bis sie umgesetzt wird, dauert es dann noch eine Weile. Damit bremst der Brandenburger Ministerpräsident auch Kanzler Olaf Scholz, beide gehören der SPD an. Unser Nachbar-Bundesland weist mittlerweile eine der höchsten Inzidenzen bundesweit auf. Politiker, die sich vor den Impfgegnern verbeugen, in dem sicheren Wissen, dass der Weg der Freiwilligkeit weitgehend ausgereizt ist, tun unserem Gemeinwesen nicht gut. So viel ist sicher.

TH

Frontpage | Corona Lage | Erster Omikron-Todesfall, schnell boostern, Fakten zu den Intensivpatient:innen

Das zentrale Corona-Thema gibt es an Weihnachten nicht, alle warten auf den Ansturm von Omikron und versuchen derweil, sich irgendwie über die Tage zu retten. Natürlich gilt das auch für die Politik. Wir beginnen mit den wichtigsten Fakten und gehen über zu einigen Aussagen und Meinungen. Das war der vorgesehene Start. Doch gerade kam die Meldung, dass es in Deutschland den ersten Todesfall eines Menschen gegeben hat, der bereits mit der Omikron-Variante infiziert war. Damit haben wir leider doch heute eine Schlagzeile.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat den ersten Todesfall in Deutschland nach einer Infektion mit der Omikron-Variante gemeldet. Das geht aus der täglichen Übersicht des RKI zu Omikron-Fällen hervor. Der oder die Verstorbene war demnach zwischen 60 und 79 Jahre alt. Wo und wann genau der Mensch starb, geht aus der Statistik mit dem Datenstand vom Mittwoch nicht hervor.

Bislang werden in Deutschland laut RKI 3.198 Covid-19-Fälle der Omikron-Variante zugeordnet. Das entspreche einem Zuwachs an Fällen von 25 Prozent (plus 810 Fälle) verglichen mit dem Vortag. Gezählt werden dabei nur Fälle, bei denen ein Nachweis mittels Gesamtgenomsequenzierung oder ein labordiagnostischer Verdacht mittels variantenspezifischem PCR-Test eine Infektion mit Omikron zeigte.

Wir mussten so zitieren, damit klar ist, dass die Zahlen sowohl nachgewiesene wie Verdachtsfälle beinhalten. Wortgleich wird das auch vom RKI so ausgewiesen. Auch der erwähnte Todesfall ist in dieser Statistik bereits enthalten.

Derweil sind in der Weihnachtswoche bereits drei Millionen Menschen geimpft worden. Nachteil: Es handelt sich vor allem um Boosterungen, also um die dritte Impfung für jene, die auch mit der ersten und zweiten Impfung kein Problem hatten, weniger darum, dass bisheriger Verweiger:innen endlich überzeugt worden wären. Damit steigt die Gesamt-Impfquote weiterhin nur langsam. Die in diesen Zeiten ebenfalls wichtige Stiko hat nun die Empfehlung ausgegeben, eine Auffrischungsimpfung ergebe nicht erst nach sechs, sondern ab drei Monaten nach der Zweitimpfung vornehmen zu lassen. In Berlin, so hörten wir heute, soll man wieder relativ leicht einen kurzfristigen Termin bekommen, also ran an den Schnell-Booster, wer ihn noch nicht hat. Zur Motivation schreibt die Stiko:

Es ist derzeit davon auszugehen, dass durch eine Auffrischimpfung auch der Schutz vor schweren COVID-19-Verläufen nach Infektion mit der Omikron-Variante zunimmt.

Die Inzidenz ist gestern bundesweit auf 280,3 gesunken, knapp 45.000 Neuinfektionen und 425 Todesfälle wurden vom RKI an die Öffentlichkeit gemeldet. Die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von über 1.000 ist von einst 34 als Spitzenwert auf 3 gesunken. Nichts Erfreuliches leider aus Berlin: Die Inzidenz verharrt bei 330, damit liegt die Hauptstadt nun über dem Bundesdurchschnitt, das benachbarte Brandenburg kommt sogar auf fast 530 (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage).

Die 280,3 auf Bundesebene sind immer noch sehr viel, besonders, wenn man berücksichtigt, was Christian Drosten vor sechs Tagen getwittert hat:

Drosten verwies dabei auf das aktuelle Geschehen in Großbritannien, wo Omikron die Inzidenz auf neue Höchstwerte anhob, mit bis zu ca. 100.000 Neuinfektionen pro TAg. Wie wird also das ausgezehrte hiesige Gesundheitssystem den Omikron-Ansturm verkraften? Wird es nicht nur neue Rekordinzidenzen geben, sondern die Triage, von der schon so oft die Rede war, die aber in einer corona-spezifischen Variante in Deutschland bisher weitgehend vermieden werden konnte?

Wir hatten bereits angekündigt, dass wir darstellen wollten, wie sich Correctiv mit der Anschuldigung auseinandergesetzt hat, die Bundesregierung lüge bezüglich der Intensivbettenbelegungsquote durch Ungeimpfte. Hier ist nun eine Quelle dazu, die weiterhilft, indem sie diesen Faktenechck zusammenfasst. Sie widerlegt aber nicht die „Datastrophe“, nämlich, dass einzelne Bundesländer u. a. aufgrund der Tatsache, dass Menschen, deren Impfstatus nicht bekannt ist, bei der Zählung von Neuinfektionen automatisch den Ungeimpften zugeordnet haben, es handelt sich vielmehr um die Betrachtung zweier voneinander zu trennender Tatbestände.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Novavax, dem fünften Impfstoff, der in der EU zugelassen werden wird. Er soll nun eine Lücke füllen: Nämlich die mRNA-Impfstoffe-Angstlücke vieler Impfgegner:innen, denn bei ihm handelt es sich zum einen klassischen „Totimpfstoff“, der so funktioniert, wie Impfstoffe vor Corona es im Wesentlichen taten, wobei der Begriff irreführend ist, auch dies wird in dem Artikel erklärt, aus dem wir im Folgenden zitieren:

Nuvaxovid besteht laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Die Proteine werden vom Körper als fremd erkannt und das Immunsystem wird hochgefahren – spezifische Antikörper und T-Zellen werden gebildet. Damit ist man vor einer echten Infektion besser gewappnet. mRNA-Präparate zum Beispiel funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mit Hilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen.

Die WIrkungsquote soll bei 90 Prozent liegen, knapp unter dem, was ursprünglich für die mRNA-Impfstoffe angegeben wurde, aber auch im Falle von des Novavax-Vakzins gilt: Es muss an Omikron erst angepasst werden, für die derzeit in den USA und wohl bald in der EU zugelassene Variante gilt dies noch nicht.

TH

Frontpage | Corona Lage | Dokumentation

Unser heutiges Update ist wieder ein Special. Weil wir gestern Abend nach einem Film zufällig bei der Arte-Dokumentation „Impfgegner – wer profitiert von der Angst?“ hängengeblieben sind und diesen Film heute besprechen wollen.

Der großen Propaganda muss etwas Ähnliches entgegengesetzt werden. Es handelt sich also nicht um einen Beitrag darüber, wie die Politik uns Angst macht mit ihrem miserablen Corona-Management, sondern um die Impfgegner-Bewegung. Dabei kam es für uns durchaus zu neuen Erkenntnissen. Wir sind bisher davon ausgegangen, dass sich im Rahmen von Corona vor allem jene, die ohnehin zu Verschwörungstheorien neigen, das Thema „The Great Reset“ in eine Chronologie mit bisherigen Vorgängen wie 9/11, um ein beliebtes Beispiel zu nennen, gestellt haben. Diese Variante gibt es sicher auch, aber was wir nicht auf dem Schirm hatten: Dass seit über 20 Jahren eine Impfgegner:innen-Bewegung aktiv ist, für welche die Pandemie sozusagen wie gerufen kam, um mehr Aufmerksamkeit und mehr Zulauf zu erhalten.

Was wir jetzt sehen, ist also kein mehr oder weniger spontaner Uprush, sondern im Kern etwas, das absolut darauf vorbereitet war, während Corona so richtig freizudrehen. Dass nur ganz wenige Personen diese Bewegung steuern, klingt zwar auch schon wieder verchwörungstheoretisch, aber ob das eine Falle darstellt, in die nun wieder Arte gelandet ist, sollten Sie anhand des Films selbst beurteilen, den wir unbedingt zum Anschauen empfehlen.

Hier der Link dazu.

Wenn Sie Andrew Wakefield nicht kannten, obwohl Sie Corona-Leugner sind, haben Sie keine Ahnung von den Wurzeln Ihrer eigenen Bewegung, so suggeriert es der Film mehr oder weniger. In der Tat dürften viele Argumentationen, die heute von Impfgegner:innen vorgetragen werden, aus seinem Werkzeugkasten der unseriösen Manipulation von Kleinstudien stammen, die ihn die Approbation als Arzt gekostet haben. Das Problem für die Mehrheitsbevölkerung, und das kennt man auch von anderen Verschwörungstheorien: Sie hat davon nicht viel mitbekommen, zumal in Deutschland, wo es nicht aufgrund des Treibens von Impfgegner:innen zu einer Masernepidemie kam wie in Südostfrankreich, die erhebliche Folgen für das Schicksal einzelner Menschen hatte. Deshalb wohl galt bis vor Corona nicht Deutschland, sondern Frankreich als das Land in Europa mit den härtesten Impfgegner:innen. Und da Propaganda, wie sie von diesen Menschen kommt, Gegenpropaganda erfordert, kann es am Ende passieren, dass man keiner Seite mehr traut, und so geht es uns mehr oder weniger. Unsere affirmative Haltung zum Impfen gegen Corona ist nicht mehr ausschließlich darauf gegründet, dass wir sicher sind, dass wir das Richtige tun, sondern darauf, dass wir es einfach hoffen, dass wir für unseren Mut belohnt werden und dass wir solidarisch sein wollen.

Wieso schreiben wir das gerade nach dieser doch recht ausführlichen Dokumentation? Weil wir unter anderem finden, wenn man andere widerlegen will, muss man selbst besonders präzise sein, und selbst wir als Nichtmediziner haben sofort Fehler in dem Film gefunden. Faktenfehler. Wir haben uns z. B. mit der Demo vor dem Reichstag im August 2020 recht ausführlich befasst und, nein, auf den Videos sind keine Reichskriegsflaggen zu sehen (verboten), sondern die Staatsflagge Deutschlands bis 1919 (erlaubt) und die Vorgänge im Rahmen der „Beinahe-Erstürmung“ sind überdramatisiert worden. Hätte die Menge wirklich in den Reichstag wollen, die drei Polizist:innen vor Ort hätten sie nicht davon abhalten können. Mithin, es wird etwas auf die Pauke gehauen und dementsprechend sind auch die Szenen mit der Leitwölfin der deutschen Impfgegner:innen-Bewegung zu bewerten, einer homöopathischen Ärztin, die genau das sind, was der Film selbst bemängelt: Dass einzelne Fälle von Erkrankungen nach Impfungen bei Kindern instrumentalisiert werden, aber nun einmal episodisch sind. Einen Unterschied gibt es aber auch: Diese toten Kinder sind niemals nachgewiesenermaßen an Impfungen verstorben, während das Treiben der Impfgegner:innen allemal durch eine generelle Haltung zum Impfen verursacht wird und durch Corona werden einige von ihnen zu Medienstars. Was sie tun, hat also immer auch etwas von einer Inszenierung, vor allem, wenn sie wissen, dass sie dabei gefilmt werden.

An einer weiteren Stelle hakt es bei den Fakten auffällig, und die ist wesentlich wichtiger: Die Impfquoten werden in Frankreich als wesentlich höher als in Deutschland dargestellt, was sie insbesondere zu dem Zeitpunkt, als die Arbeiten an dem Film abgeschlossen wurden, nicht waren. Wären in Frankreich 85 bis 90 Prozent der Menschen voll (mindestens zweimal) gegen Covid19 geimpft, bestünde nach allgemeiner Lesart „Herdenimmunität“ und es käme nicht aktuell zu Neuinfektionszahlen von bis zu 60.000 pro Tag. In der Tat hat Frankreich, auch wegen der rigideren Corona-Schutzmaßnahmen, seine Impfquote zuletzt stärker erhöhen können als Deutschland, lag aber noch im Sommer etwas zurück, der Unterschied beträgt derzeit nur wenige Prozent. Ansonsten wären entweder die hohen Neuinfektionszahlen ein Rätsel, oder die Aussagen zur Herdenimmunität und ihrer Wirkung müssten in Zweifel gezogen werden.

Vorfälle wie die Fackeldemo vor dem Haus der sächsischen Gesundheitsministerin sind in den Film noch nicht eingearbeitet, aber auf der Seite, drastisch mit Einzelmeinungen von allen Seiten zu operieren und dabei immer auf Behauptungsebene zu bleiben, hat er seine Stärke, wenn es denn eine ist, nicht, und das werfen wir vielen Dokus vor, auf der Seite der guten Erklärung von Statistiken und wissenschaftlichen Tatbeständen, mit denen man ebenjene Corona-Leugnerinnen gut widerlegen könnte. Man hat sie ziemlich subjektiv ausgewählt und im günstigen Fall widerlegen sie sich selbst, wie etwa der französische Biobauer, der sagt, er lässt seine Kinder nicht impfen, weil er glaubt, sie seien durch die 90 Prozent geimpften Mitschüler:innen genug geschützt. Das wirkt so schön sackig und außerdem gibt er damit zu Protokoll, dass er glaubt, dass Impfungen sehr wohl schützen. Logik ist oft Glücksache, nämlich dann, wenn ein Mangel daran nicht so auffällt wie in dem Fall.

Das gilt leider wiederum für den Film selbst: Zwar wird ausführlich dargestellt, wie Geschäftemacher sich an der Situation bereichern und sogar gefährliche Mittel anpreisen, aber wirken ihre privaten Jäger:innen so viel sympathischer? Schauen Sie ruhig genau hin. Selbstverständlich kein Wort darüber, dass Big Pharma sehr wohl Anlass gibt, darüber nachzudenken, was dort zu unseren Lasten angerührt und gemixt wird und wie an unsinnigen Therapien verdient wird. Die totale Übermedikation bei vielen Menschen ist ein Problem, das sich in der Tat durch mehr Nachdenken über die Möglichkeiten, sich selbst zu ermächtigen, zulasten der Pharmaindustrie verringern würde, wie eben bei allem, wo Drogen und unnötige Geldmacherei im Spiel sind. Das vom Prinzip der Aufklärung zu unterscheiden, das immerhin von einem recht angenehmen Interviewpartner aus den USA ins Spiel gebracht wird, ist wichtig und da fehlt es dem Film an Ausgewogenheit.

Es kommt nichts von nichts und der Mangel an Vertrauen in die Politik wird zwar erwähnt und deren schlechte Kommunikation nicht ganz ausgespart, aber letztlich wird nicht durchgezogen und auch mal betrachtet, wie ebenjene Politiker:innen mit der Pharmaindustrie oder mit Klinikkonzernen, mit Thinktanks, die das neoliberale Liedchen pfeifen, verbandelt sind. Der Kuddelmuddel aus kaum durchschaubaren Interessenlagen wurde z. B. in dem Film „Europa als Beute“, den Arte ebenfalls gezeigt hat, wenn wir uns nicht täuschen (wir haben ihn im Kino angeschaut) sehr gut dargestellt, nämlich in der Form, wie massiver Lobbyismus dazu führt, dass eben nicht die Patienteninteressen, sondern das Gewinne machen in den heutigen Gesundheitssystemen immer mehr das Mindset der Macher dominiert. Kurios, und da liegt der Film wieder richtig: Dass die Nebenwirkungen anderer Medikamente im Vergleich zu denen von Impfungen kaum in die richtige Relation gesetzt werden. Wenn nun aber Impfgegner auch Naturheilkunde-Anhänger sind, trifft dieses Paradoxon auf deren Denken zumindest nach eigener Ansicht nicht zu.

Auf einer anderen Ebene, nämlich derjenigen von Eigenständigkeit im Denken und Handeln auf allen Gebieten, triggert das, was die Impfgegner anbieten, das Bedürfnis vieler Menschen, nicht als Teil einer gesichtslosen Masse ohne eigene Denkfähigkeit dazustehen und dadurch in der Pandemie nicht so sehr auf andere angewiesen zu wirken. Wenn man so optiert, muss man allerdings auch zu fundierter Systemkritik in der Lage sein, die sich auf alle Lebens- und Wirtschaftsgebiete bezieht, und das dürfte bei den meisten Impfgegner:innen nicht der Fall sein, sonst wären sie mehr links- und weniger politisch rechtsorientiert, fortschrittlicher, solidarischer, mehr am Gemeinsinn ausgerichtet. Anfangs, bezogen auf die Pandemiezeit, war die Zusammensetzung der Bewegung wohl auch offener, aber nicht nur in Deutschland nimmt sie zunehmend ein rechtslastiges Gepräge an. Da passt eine Menge nicht zusammen und es bilden sich Allianzen, die den Protest gegen das Impfen und die Corona-Maßnahmen in ein ungünstiges Licht rücken.

Finale

Der Film gibt interessante Einblicke in das Entstehen der Impfgegner-Bewegung und benennt zentrale Figuren und wie sie es geschafft haben, Prominente zu überzeugen, bis hin zu Ex-Präsident Donald Trump, aber eines ist er nicht: Eine Anleitung dafür, wie man sich am besten durch den Datensalat dieser Tage findet und Ausfransungen der Wahrheit erkennt, wie sie auch vonseiten der stetigen Corona-Warner an uns vermittelt werden. Falsche Daten zu Inzidenz- und Intensivpatient:innen-Verhältnissen zwischen Geimpften und Ungeimpften, die wesentliche geringere Wirkung von Impfstoffen als anfangs behauptet, Pannen bei der Übermittlung von Werten, unterschiedliche Messmethoden nicht nur in verschiedenen Staaten, sondern auch in verschiedenen deutschen Bundesländern, Politiker:innen und auch Wissenschaftlerinnen, die durch inkonsistentes Handeln und missverständliche Kommunikation die Verunsicherung befördern, die wiederum den Impfgegner:innen nützt. Dafür haben wir nach wie vor keine sichere Handhabe. Wir werden uns demnächst auch damit befassen, wie mühsam z. B. Module wie „Correctiv“ argumentieren müssen, um in diesem Dickicht Kurs zu wahren und wie kompliziert die Realität am Ende zu verteidigen oder auch nur zu ermitteln ist, wenn man so lässig, so unverantwortlich mit ihr umgeht, wie weite Teile der hiesigen Politik es tun.

Ein paar halbwegs überzeugend wirkende Scharlatane, aber auch richtig kuriose Typen hätten nicht so viel Erfolg, wenn ihnen nicht, wie in den USA, aber auch bei uns, viele Multiplikatoren auf den Leim gingen und wenn die Entscheidungsträger nicht so dilettantisch wirken würden. Deswegen bleibt eine von mehreren Fragen: Wer profitiert mehr von dem Chaos, die Impfgegner mit ihren paar Millionen, die sie u. U. mit ihren Kampagnen verdienen, oder doch Big Pharma mit seinen Milliardenumsätzen? Es gibt eigentlich nur einen Aspekt, der Letzteres relativiert: Die gesamtwirtschaftlichen Schäden, die Corona bereits hervorgerufen hat. Betrachtet man nun diese wieder genauer, wird man feststellen, dass viele große Konzerne, anders als Millionen von hilflosen Mittelständlern, in der Krise glänzende Geschäfte machen, auch solche, von denen man das nicht ohne Weiteres vermuten würde, weil sie mit Umsatzrückgängen konfrontiert sind. Aber die Gewinne steigen, das ist das Interessante daran. Selbst die Frage „Cui bono?“, das Lieblingsding der Verschwörungstheoretiker:innen, bringt also keine beruhigenden Ergebnisse. Ebenso sieht es wissenschaftlich aus, wenn man ehrlich ist.

Rational zu bleiben, heißt also nicht, irgendwem alles einfach zu glauben, weil er das Label „Wissenschaftler“ trägt, sondern Distanz zu wahren und eine Abwägung zu treffen, bei der doch wieder der persönliche Instinkt, das Gefühl für die tiefere Wahrheit hinter einem unüberschaubaren Wust von Informationen und Meinungen eine große Rolle spielt. Man muss sich also auf sein Gefühl verlassen, und das ist besonders für diejenigen auf allen Seiten problematisch, die das nicht gerne tun und daher ihre Faktennähe besonders betonen. Sie müssen ausblenden, dass auch die Wissenschaft und in ihrem Gefolge die Mainstream-Medien in Sachen Corona nicht trittsicher sind und sich immer wieder korrigieren müssen. Ihnen wie uns allen hilft auch die Frage nach dem größten Nutzen nicht viel, denn auf allen Seiten gibt es Profiteure, in dieser misslichen Situation.

Wir sollten uns vielleicht darauf konzentrieren, wie wir, die Mehrheit, bei all dem wegkommen. Könnte besser sein, aber auch schlimmer, oder? Augenmaß und Contenance sind jetzt so wichtig wie nie und deshalb sollte man die erwähnte Distanz auch als richtige Herangehensweise an den recht einseitig gestalteten Arte-Film wahren. Jedoch, wo kam alles her und wie wurde es zu einem Hemmschuh der Pandemiebekämpfung – um dem nachzuspüren und dabei wieder einmal Allgemeingültiges zu entdecken, in diesem Sinne ist die Dokumentation wertvoll.

TH

Frontpage | Corona-Lage | Inzidenz weiter rückläufig, dramatische Situation in Westeuropa 

Ein Update war heute gar nicht geplant. Nicht, dass die Lage hierzulande super wäre, aber immerhin sinkt die Inzidenz, stand heute Morgen bei 315, also kein Grund, sich den Sonntag zu vermiesen. Ja, wir sind bescheiden geworden. Aber es gibt dramatische Entwicklungen bei unseren Nachbarn.

Die Politik hierzulande rüttelt sich durch, die frühere Opposition muss regieren und die Regierung macht Opposition. Im Fokus allerdings die SPD, die zwar schon länger mitregiert, aber nun mit Karl Lauterbach den prominentesten Gesundheitspolitiker aller Zeiten an die Spitze des insofern logischen Ministeriums hat Platz nehmen lassen.

Weltweit führend in Sachen Neuinfektionen waren gestern nicht, wie mittlerweile traditionell, die USA, sondern Großbritannien mit einem neuen Landesrekord von 90.000 Fällen, 60 Prozent davon sind bereits auf Omikron zurückzuführen (Tabelle). Derweil wird in den Niederlanden ein harter Lockdown verabreicht, ebenfalls wegen Omikron.

Man sieht auch, dass Deutschland immer noch auf Platz vier steht, der Abstand zu Großbritannien und auch zu Frankreich ist allerdings gewachsen. Das wirkt sich bei der Inzidenz so aus:

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zum Vortag erneut gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 315,4 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 321,8 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 390,9 (Vormonat: 372,7).

Der Tages-Spitzenwert lag seinerzeit bei 453. Ein Rückgang um ein Drittel, das klingt nach einem gewissen Erfolg, aber mit einer solchen Ausgangs-Inzidenz, die immer noch um 50 Prozent höher liegt als der Höchststand während der besonders tödlichen zweiten Welle war, in die Omikron-Zeit hineinzulaufen, ist äußerst riskant. Dass wir schnell zu Maßnahmen finden werden, die Omikron brechen könnten, ist nicht zu erwarten, insofern macht die neue Regierung weiter, wo die alte aufgehört hat, auch wenn Karl Lauterbach nun ganz offiziell warnen darf und sich dafür von der CDU sogleich Kritik einfängt.

 „Niemand spricht Karl Lauterbach die Fachkompetenz ab, aber er neigt leider in gewissen Situationen zu sehr starken Übertreibungen“, findet zum Beispiel der designierte neue Vorsitzende der Partei, Friedrich Merz. (Quelle)

Merke: Auch Friedrich Merz äußert sich in seiner neuen Position so, dass die Impfgegner:innen ihn bloß nicht auf die Rolle kriegen. Auch das Impftempo ist nicht dermaßen hoch, dass man beruhigt sein könnte. Die Sache hat allerdings auf den ersten Blick einen Haken: In Großbritannien ist die Impfquote viel höher, trotzdem greift die Regierung die Impfgegner:innen verbal an. Sinn ergibt das insofern, als die Impfstoffe zwar noch nicht an Omikron angepasst werden konnten, aber schwere Verläufe offenbar auch bei Omikron mit den bisherigen Impfstoffen seltener sind (aktueller Stand, muss man mittlerweile immer beifügen).

Derweil beschäftigen uns Zahlen, die immer wieder infrage gestellt werden, wie zuletzt die Anteile der Geimpften und der Ungeimpften auf Intensivstationen. Es ist nicht hilfreich, wenn die Politik dabei allzu sehr versagt, aber die RKI-Werte, die wir kürzlich abgebildet haben und die Werte zwischen 2,3:1 und knapp 3:1, je nach Altersgruppe, zulasten der Ungeimpften ausweisen, dürften die Realität in etwa spiegeln. Was die Politik sich wieder einmal selbst reindrückt: Dass sie mit Hashtags wie #Datastrophe angegangen wird und die Impfgegner:innen innere Parteitage feiern, auch wenn sich im Grunde durch die neuen Erkenntnisse nicht viel geändert hat. Allerdings soll nun der Verband der Intensivmediziner:innen mit dem RKI so synchronisiert werden, dass nicht mehr Aussagen aus diesem Bereich für Verwirrung sorgen. Das ist nach wie vor das Hauptproblem: Im kleinteilig operierenden Deutschland klemmt es immer wieder bei der zügigen Datenübermittlung. Das hat auch dazu geführt, dass ein bestimmter sächsischer Landkreis zwischenzeitlich die höchste Inzidenz hatte, auch wir hatten das so gemeldet, obwohl es „in Wirklichkeit“ ein anderer sächsischer Landkreis war – so what?

Wir brauchen uns aber nur in Ländern umzuschauen, die gar nicht weit von uns weg sind und erkennen sofort, was dort besser gemacht wird oder nicht. Auch die Niederlande, die nicht erst seit Omikron eine hohe Inzidenz aufweisen, haben eine sehr aktive Schwurbler-Szene. Und was mit Omikron auf uns zukommt, wenn die Politik weiterhin nicht gewillt ist, sich mit den Impfgegner:innen anzulegen, das sieht man gerade in Großbritannien. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet, wäre dann mit neuen Rekord-Infektionszahlen von mehr als 100.000 Fällen pr Tag zu rechnen, das ist die Bevölkerung einer Großstadt.

Passend gibt es auch von Karl Lauterbach wieder Neues, gerade per Tagesschau reingekommen:

Bitte alle brav boostern, aber einen Weihnachts-Lockdown, wie in den Niederlanden, wird es nicht geben. Ja, fordern ist leichter, als es dann selbst machen zu müssen. Schade, Omikron wird sich also auch bei uns erst ausbreiten dürfen und was an Gegenmaßnahmen kommt, wird zu spät kommen, falls überhaupt. Übrigens: Wenn eine Impfpflicht richtig ist, dann ist sie richtig, dann ist sie sofort richtig, nicht erst in ein paar Monaten, wenn Omikron auch schon durch das Land marodiert hat wie einst Söldner aus aller Welt im 30-jährigen Krieg.

Kleine Anmerkung zum Schluss. Bei uns in Berlin werben einige Geschäfte damit, dass sie heute zusätzlich geöffnet haben. Der Anti-Lockdown, wenn man so will. In meiner Jugend war u. a. der Spruch en Vogue: „Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.“ Pillen gegen die Dummheit sind leider immer noch nicht erfunden, sonst hätten wir nicht diese unsägliche Mühe mit der Pandemiebekämpfung.

TH

Frontpage | Corona-Lage | Inzidenz sinkt, aber Omikron steht bereit, Aggressionen im Alltag, Weltlage

Heute schreiben wir das mittlerweile übliche große Freitags-Update, mit einigen Links zum Weiterlesen und dem Fokus auf der Corona-Variante Omikron. Zunächst einige Grunddaten.

Heute haben wir zur Abwechslung einen Datenüberblick von Corona-in-Zahlen.de verwendet. Die Inzidenz sinkt, das ist wahr, die Todesfallzahlen sind weiterhin enorm hoch und die Lage besser in Vergleich mit dem bisherigen Geschehen während der Pandemie gesetzt werden kann, die Inzidenzkurve seit dem Ausbruch Anfang 2020:

Die Inzidenz liegt immer noch um mehr als 50 Prozent höher als zur Zeit des höchsten Standes der zweiten Welle, die den Spitzenwert bis Oktober 2021 markiert hat. Außerdem steht zu befürchten, dass der Verlauf ähnlich wird wie im vergangenen Winter, als die zweite Welle beinahe nahtlos in die dritte überging: Dieses Mal könnte Omikron der Grund dafür sein, dass Welle fünf bald zu erwarten ist. Und damit zu Omikron. Was wissen wir? Es breitet sich schnell aus, wird bald die Delta-Variante als Hauptvariante abgelöst haben, der bisherige Impfschutz ist gegen Omikron weniger wirksam, die Impfstoffe werden also angepasst werden müssen. Hinzu kommt, dass der Impfschutz generell schneller nachlässt, als man es vor der Zulassung der aktuell verwendeten Vakzine und in den ersten Monaten der Impfkampagne erwartet bzw. kommuniziert hat. Hier gibt es mehr zu Omikron: Wachsende Omikron-Sorgen: Laut Experten reicht Impfen allein nicht für Pandemie-Ende. Problematisch sei das besonders, weil die Hospitalisierungsrate bisher nicht zurückgegangen ist, heißt es beim RKI.

Derweil liegt die Quote der zweimal Geimpften immer noch unter 70 Prozent, das sind 15 Prozent zu wenig für eine sogennate Herdenimmunität, ca. 25 Prozent der Menschen hierzulande sind jetzt geboostert, also dreimal geimpft.

In Berlin gibt es leider eine Sonderentwicklung. Nachdem die Inzidenz vorgestern so niedrig war wie seit Wochen nicht mehr (288), stieg sie gestern wieder auf 296. Der Höchststand lag vor ca. zwei Wochen bei ca. 370. Das ist schon etwas frustrierend, wir gehen aber davon aus, dass der Trend ähnlich verlaufen wird wie auf Bundesebene, das war bisher während der vierten Welle immer der Fall, wobei Berlin immer etwas besser abschnitt. Der RBB hat nun Stellungnahmen zur Stimmung in Berlin und Brandenburg gesammelt: „Die Stimmung kann innerhalb von zwei Sekunden komplett drehen„. An der Stelle müssen wir betonen, abgesehen vom Beginn der Pandemie sind wir nicht Zeugen solcher Vorgänge geworden und selbst damals war mehr Renitenz als Aggressivität zu verspüren. Auch die Zahl derer, die ohne Maske oder mit falscher Trageweise unterwegs sind, hat sich 2021 deutlich verringert. Auf den ersten Blick bemerkt man dies z. B. im öffentlichen Nahverkehr, wo kaum noch das Tragen von Masken verweigert wird. FFP2-Masken sind im Berliner ÖPNV nicht vorgeschrieben, eine OP-Maske reicht auch.

Werfen wir noch einen Blick auf die weltweite Situation:

Auch die nebenstehende Tabelle weist aus, dass die Situation in Deutschland alles andere als gut oder auch nur akzeptabel ist. Bei den Neuinfektionen, wie auch bei den Todesfallzahlen, steht Deutschland weiterhin auf Platz vier.Großbritannien verzeichnet derweil eine extrem hohe Zahl von Neuinfektionen, ähnlich wie in den USA bedeuten die Gesamtzahlen, dass dort fast jeder sechste Einohner bereits einmal an Corona erkrankt war; Mehrfacherkrankungen derselben Person nicht in Anrechnng gebracht.

Der starke Anstieg der Fallzahlen im Vereinigten Königreich wird bereits auf die Omikron-Variante zurückgeführt, allerdings liegt die Todesfallrate dort gegenwärtig viel niedriger als hierzulande. Weltweit stabilisiert sich die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen bei bis zu 750.000 nachgewiesenen Fällen täglich.

TH

 Frontpage | Corona-Lage | Wie viel höher ist die Inzidenz der Ungeimpften? 

Sie werden schon gemerkt haben, dass wir zuletzt bei Zahlen über Corona recht vorsichtig waren und heute gibt es schon wieder einen Grund, diese Linie beizubehalten. Es handelt sich um die höhere Infektionsquote, die Ungeimpfte gegenüber Geimpften aufweisen.

Vor einigen Wochen wurden diesbezüglich spektakulär hohe Zahlen genannt, teilweise Verhältnisse von mehr als 10:1. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das auch an der Art liegt, wie die Infektionszahlen zugeordnet werden. Der aktuelle Stand zur „Überinfektionsquote der Ungeimpften“ sieht so aus und bezieht sich auf die aktuellen Inzidenzwerte:

Statista schreibt dazu:

Bei den ungeimpften 12-17-Jährigen gibt es rund neun Mal mehr symptomatische COVID-19-Fälle als unter den Geimpften derselben Altersklasse. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts. Die besonders hohe Inzidenz-Differenz zwischen Ungeimpften und Geimpften dürfte in dieser Altersklasse daran liegen, dass die Impfquote lediglich bei 56,4 Prozent liegt.

Bei den 18-59-Jährigen liegt die Inzidenz der symptomatischen COVID-19-Fälle bei den Ungeimpften um den Faktor 2,6 höher als bei den Geimpften. Die Impfquote liegt in dieser Altersgruppe bei 76,3 Prozent. In der Altersgruppe über 60 Jahren zeigen Ungeimpfte 2,8-mal häufiger COVID-19-Symptome. Die Impfquote beträgt hier rund 87 Prozent. Bei den Daten muss berücksichtigt werden, dass nicht bei allen symptomatischen Fällen ausreichende Angaben zum Impfstatus vorlagen. So lagen dem RKI für die Meldewochen 32 bis 47 für 814.885 der 968.487 (84 %) übermittelten symptomatischen COVID-19-Fälle ausreichende Angaben zum Impfstatus vor.

Für die Berechnung der Inzidenzen nach Impfstatus gibt das Robert Koch-Institut weiterhin folgendes an: Für die Berechnung der jeweiligen Inzidenzen wurden die Zähler (Anzahl der vollständig geimpften bzw. ungeimpften Fälle) wie folgt definiert: COVID-19-Fälle galten als vollständig geimpft, wenn für sie in den übermittelten Daten mindestens 2 Impfdosen eines COVID-19-Impfstoffes bzw. mindestens 1 Dosis des Janssen-Impfstoffes (Johnson & Johnson) angegeben waren und das Datum der Gabe der letzten Impfdosis mindestens 14 Tage vor Erkrankungsbeginn (bzw. Diagnosedatum bzw. Meldedatum) lag. Fälle galten als ungeimpft, wenn für sie übermittelt wurde, dass sie nicht geimpft waren. Fälle, für die Angaben zum Impfstatus unvollständig waren bzw. für die eine unvollständige Impfung angegeben wurde, wurden ausgeschlossen.

Für die Berechnung der Nenner der jeweiligen Inzidenzen wurde die Gesamtzahl vollständig Geimpfter und Ungeimpfter in der Bevölkerung aus dem Digitalen Impfquotenmonitoring des RKI genommen: Hier galten als vollständig geimpft Personen, die eine Zweitimpfung oder 1 Impfung mit dem Janssen-Impfstoff vor mindestens 14 Tagen erhalten haben. Die Anzahl Ungeimpfter wurde aus der Differenz von Bevölkerungszahl und Anzahl der Personen, die mindestens 1 Impfdosis erhalten haben, berechnet (Ungeimpfte = Bevölkerungszahl abzüglich einmal geimpfter Personen).

Interessant ist auch, dass Statista hier beschrieben hat, wie die Berechnung zustandekommt. Aufgrund unseres heute sehr eingeschänkten Zeitbudgets kommt uns diese Ausführlichkeit sehr zupass und wir verabschieden uns auch schon wieder. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es schon erste Berichte darüber gibt, wie grausam Omokron alsbald wüten wird. Genauer gesagt, es muss sich dabei um Prognosen handeln. Sie und wir verfallen aber nicht in Panik, lassen sich brav boostern und harren der Dinge, die kommen werden. Wir haben auch eine Prognose: Die meisten uns werden sich an Weihnachten 2022 noch immer unter denen befinden, die Geschenke geben und empfangen können, denn 2022 wird das Jahr der Vernunft werden, in dem die Corona-Leugner:innen endlich einsehen, dass sie im Unreht sind. Heute hatten wir übrigens überlegt, ob wir einen bestimmten Einkauf in einem „normalen“ Gechäft oder einem „2G-Laden“ tätigen. Wir haben uns für erstere Variante entschieden, aber demnächst probieren wir den QR-Code aus, wenn er tatsächlich verlangt wird.

TH

Frontpage | Corona-Lage | Corona-Übersterblichkeit in Berlin, die Impfstofflager sind fast leer

Unser letztes Update vor zwei Tagen fiel etwas aus dem Rahmen, weil wir uns dabei nur einem Thema gewidmet haben, heute geht es wieder um Fakten, Fakten, Fakten.

Außerdem waren wir bei der Abstimmung „Demoverbot vor Politiker:innehäusern“ nicht ganz bei der Mehrheit, was in Sachen Corona eher selten vorkommt. Man merkt eben, dass wir in Berlin leben und uns sofort einige negative Folgen einfallen, wenn Corona als Treibmittel für immer weitere Einschränkung der Versammlungsfreiheit missbraucht wird. Wir sind ohnehin stark davon betroffen, dass aufgrund der Pandemie so viele Einschränkungen vorgenommen wurden und weitgehend waren wir damit einverstanden. Bleiben wir aber in Berlin.

Demnach sterben hier in jedem Monat ungefähr 3000 Menschen; im Winter etwas mehr, im restlichen Jahr weniger. Der Corona-Effekt ist brutal: Mit 4422 Todesfällen sticht der Dezember 2020 hervor, gefolgt vom Januar dieses Jahres mit 4119 Fällen. Die Gesundheitsverwaltung bestätigt auf CP-Anfrage den Zusammenhang der Übersterblichkeit mit der Pandemie.

Der Tagesspiegel meldete heute Morgen, dass Berlin während der Corona-Krise bis zu 50 Prozent Übersterblichkeit zu beklagen hatte, die coronabedingt waren. Es handelt sich dabei allerdings um ein Spitzenergebnis aus einem Monat und man darf ein besonders negatives Monatsergebnis nicht mit üblichen Jahresdurchschnittswerten vergleichen, denn diese Durchschnittswerte ergeben sich aus Abweichungen nach oben und nach unten innerhalb eines Jahres. Außerdem scheint die Zahl der Todesfälle im Winter traditionell höher zu liegen als im Sommer und die beiden genannten Monate waren Wintermonate. Es scheint, Stand heute, eine Übersterblichkeit zu geben, darauf wollen wir uns hier aus Gründen beschränken, denn die Gesundheitsverwaltung hat sicher nicht bestätigt, dass es eine Corona-Übersterblichkeit im Maßstab 1:1 gibt, weil das rechnerisch wegen der Zufallsschwankungen der Sterblichkeit nicht möglich ist. Aber es war mal wieder eine Schlagzeile, der Punkt geht an den Tagesspiegel.

Um die Impfkampagne weiter vorantreiben zu können, braucht es mehr Corona-Impfstoff. Doch es gibt offenbar nicht genug. Der Mangel habe viele überrascht – auch ihn, sagte Gesundheitsminister Lauterbach in den Tagesthemen.

Neue Zahlen gibt es also auch aus dem Gesundheitsministerium. Da nun dort Karl Lauterbach regiert, sind wir weit davon entfernt, anzunehmen, es käme zu übertriebenen Darstellungen, also muss die Lage wirklich so sein, dass die alte Regierung fürs erste Quartal 2022 viel zu wenig Impfstoff bestellt hat. Man sollte es wieder einmal kaum für möglich halten, dass das immer noch nicht eingeübt ist. Entweder gibt es zu wenig Impfstoff oder zu wenige Impfwillige, ausgeglichen ist es nie. Ob das eine mit dem anderen zusammenhängt, vor allem die zu geringe Impfwilligkeit als Ursache für zu geringe Bestellungen? Es ist aber doch schon lange ersichtlich, dass die Booster-Impfung von jenen, die sich bereitwillig die beiden ersten Piekser haben setzen lassen, gerne angenommen und es daher in den nächsten Monaten weiterhin einen Run auf Impfstoff geben wird. Logistik ist nichts für schwache Nerven und unfähige Politiker:innen, das merkt man immer wieder. Aber, siehe oben, mit Karl wird alles besser, und das ist keine Ironie, denn noch schlechter als mit Jens Spahn als Gesundheitsmanager der Nation kann es nicht laufen.

Aber auch die STIKO, die Ständige Impfkommission, hat sich mit ihrer zögerlichen Empfehlungspolitik angreifbar gemacht, heißt es in diesem Artikel. Ja, man war vorsichtig, im Vergleich zu anderen Ländern, aber das ist auch wieder ein typischer Fall von hinterher weiß man es besser. Sicher führen spätere Freigaben zu mehr Infektionen, aber die negativeren Folgen entstehen dadurch nur, wenn die Freigabe sicher hätte zu einem früheren Zeitpunkt hätte verantwortet werden können. Wenn die Freigabe eines Stoffes durch die EMA bedeuten würde, dass sofort uneingeschränkt auf dieser Basis geimpft werden soll, dann bräuchte es die Stiko im Grunde nicht. Vielleicht ist das eine der Lehren aus Corona, dass dieses Gremium überflüssig ist und die Ärzt:innen bei dem, was sie verantworten möchten, sich ebenso auf die Zulassung von Medikamenten durch die europäische Version der FDA berufen könnten.

In der Tat erfreulich: Die Inzidenzwerte sinken endlich, und zwar deutlich, mittlerweile liegen sie 100 Punkte unterhalb des Rekordwertes von 453.

  • Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Sieben-Tage-Inzidenz erneut gesunken.
  • Am Mittwochmorgen beträgt der Wert demnach 353,0.
  • Die Gesundheitsämter melden dem RKI 51.301 Corona-Neuinfektionen an einem Tag.

Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr jeden Tag Corona-Updates schreiben, berechtigt wäre es aber: Denn die Zahl der Todesfälle ist erschreckend hoch, sie lag gestern bei 597. Das ist immerhin die Hälfte dessen, was vor dem Beginn der Impfkampagne an Spitzentagen erreicht wurde. Wir gehen aber jetzt nicht in die Vergleichsfalle, die wir oben in einem anderen Zusammenhang erklärt haben. Die Zahl der Toten in der mit viel höheren Inzidenzen aufwartenden vierten Welle liegen immer noch bei Weitem niedriger als bis in Welle eins bis drei (ca. 15.000 gegenüber ca. 98.000). Hoffentlich gehen auch diese Zahlen nun zurück. Der Zeitversatz war leider zu erwarten (der Peak der Todesfallzahlen lag bisher zwei bis drei Wochen später als der Peak der gemeldeten Neuinfektionen).

Auch in Berlin geht die Inzidenz weiter zurück, sie liegt jetzt bei 297 und gestern verstarben sechs Menschen an oder mit Corona. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage ging von 13.598 auf 11.531 zurück. Auf dem Höhepunkt der vierten Welle lag die Inzidenz in Berlin bei ca. 370.

Damit schließen wir das heutige Corona-Update und bereiten uns darauf vor, im Januar wieder vollständig in Präsenz zu arbeiten, denn das werden wir tun, so ist es abgesprochen, wenn die Inzidenz in unserer Wahlstadt unter 150 sinkt. Und wenn es nicht mit großer Verspätung noch zu allgemeinen Maßnahmen einschränkender Natur kommt.

TH

Frontpage | Corona Lage | Berlin, Impfpflicht für Gesundheitspersonal, Impfpflicht und Querdenker, Weihnachten, Weltdaten

Heute wollen wir nur von Ihnen wissen: Wie stehen Sie dazu, dass ein Demoverbot vor den Häusern von Politiker:innen eingerichtet werden soll? Das fragt Civey:

Sollten Demonstrationen vor Privathäusern von Politikern verboten werden?

Dies schreibt Civey dazu:

Die Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) fordert ein Verbot von Demonstrationen vor Privathäusern von Politikerinnen und Politikern. Im ZDF erklärte sie ihre Forderung mit der Zunahme von demokratiegefährdenden Anti-Corona-Protesten. Vorausgegangen war ein rechtsextremer Fackelaufmarsch vor dem Privathaus der sächsischen Gesundheitsministerin.

Politiker und Politikerinnen fordern parteiübergreifend Maßnahmen aufgrund der Radikalisierung von Protesten. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) nannte insofern die Einflussnahme von Rechtsextremisten in der Bild „brandgefährlich”. Er warnte vor zunehmend „demokratiefeindlichen und verfassugswidrigen Tönen”. Der Terrorismusexperte Peter Neumann schloss auch terroristische Gefahren ausgehend von einigen Gruppierungen nicht aus.

Medienberichten zufolge wurden zudem Mordpläne gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in sozialen Netzwerken registriert. Der neue Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) kündigte im RND daher ein hartes Vorgehen gegen Hass und Gewaltaufrufe in Messenger-Diensten wie Telegram an. Kretschmer selbst fordert laut SZ die sozialen Netzwerke zum Handeln auf. Andernfalls wäre eine Einschränkung dieser Dienste in der EU denkbar.

Marco Buschmann hat auch zu Sachens MP Kretschmer gesagt, er soll sich mal am Riemen reißen, als dieser die Bedrohungslage, die ihn persönlich betrifft, beklagte. Sachsens MP Kretschmer und sein Querdenker-Versteher-Innenminister Wöllner sind mit daran schuld, dass die Lage in diesem Bundesland außer Kontrolle ist, inzidenzmäßig und querdenkermäßig. Sie haben selbst nicht verstanden oder nicht sehen wollen oder fanden es auch lange Zeit nicht so schlimm, dass der Protest dort viel stärker rechtsextrem ausgerichtet ist als z. B. im Südwesten, wo er mittlerweile wieder abklingt. Allein die Kombination höchste Inzidenz und höchste Querdenkerquote ist alarmierend, also muss deswegen härter als anderswo vorgegangen werden, um den vernünftigen Teil der Bevölkerung zu schützen. Hingegen darf nicht signalisiert werden, dass man die eigenen Regeln nicht ernst nimmt. Nun sind die Folgen dramatisch und die Politik mal wieder beinahe ratlos.

Ist deshalb aber das offenbar naheliegende Verbot von Demos vor Politikerdomizilen richtig? Gegenwärtig sagen 63 Prozent der aktuell Abstimmenden: auf jeden Fall! Wir sind uns nicht ganz sicher, ob den Leuten klar ist, wofür sie da gestimmt haben. Deswegen haben wir uns etwas zurückgehalten und „eher ja“ gesagt. Zum Beispiel, wenn verfassungsfeindliche Sprüche und Mordaufrufe bei solchen Demos kundgetan werden und wenn sie sowieso nicht genehmigt waren, was bei solchen Aufzügen regelmäßig der Fall ist. Dann ja. Aber gilt das generell? Politiker:innen greifen oft auf radikale Weise mit ihren Entscheidungen in unser Leben ein und offenbaren damit zuweilen ein radikal asoziales Gepräge. Es ist unser Privatleben, das von ihnen beeinflusst wird. Dürfen wir da nicht auch den Protest in ihr Privatleben hineintragen, sofern er nicht von straftatbestandswürdigen Erscheinungen und von verfassungsfeindlichen Zielen geprägt ist?

Es gibt in Berlin zum Beispiel die Sozialdemo „MyGruni“, die mittlerweile traditionell am 1. MAI oder an Aktionstagen der Mietenbewegung einen Protestzug durch die Viertel der Reichen im Grunewald durchführt. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Art „Spaziergang“. Dort wohnen auch Politiker:innen, die es mitzuverantworten haben, dass der Wohnungsmarkt in Berlin ein beispielloser Gentrifizierungsmotor geworden und eine riesige Spekulationsblase ist. Wo sollten die Betroffen demonstrieren? Im Regierungsviertel, wo ohnehin alles sofort abgeschirmt wird, vor den Parteizentralen, für die das Gleiche gilt, am Brandenburger Tor, wo es kaum noch jemanden interessiert, weil fast jeden Tag etwas anderes angesagt ist? Die Aktionsform der direkten Ansprache dort, wo man nicht so leicht ausweichen kann, muss erhalten bleiben. Denn es ist abzusehen, welche Folgen ein generelles Demoverbot in Wohnvierteln nach sich ziehen kann, und darauf liefe es hinaus, wenn irgendwo in der Ecke Politiker:innen zu Hause sind.

Es darf und soll auch mal so sein, dass die Entscheidungen, die von der Politik getroffen werden, so beantwortet werden dürfen, dass sie sich ihnen räumlich nicht komplett entziehen können, sonst spüren die Politiker:innen die Folgen ihres Handelns überhaupt nicht mehr. Die Abgehobenheit der Politik ist ohnehin eines ihrer Hauptprobleme. Das heißt nicht, dass geheiligter Besitz auch betreten werden darf oder Sachbeschädigungen okay wären. Es bedeutet auch nicht, dass jemand am Verlassen oder Betreten eines Grundstücks gehindert werden darf, der dort wohnt. Aber die Straßen sind öffentlicher Raum und auf ihnen sollte sich öffentlicher Protest formieren dürfen. Es kommt also auf die Art des Protests an, um den es geht und deswegen unser „eher ja“. Schon länger beobachten wir auch mit Sorge, was die Verfolgung von Hass im Netz nach sich ziehen kann, wenn sie z. B. nicht nach klaren rechtstaatlichen Regeln und mit rechtsstaatlichen Grenzen von berufener Seite aus verfolgt, sondern dem Gutdünken von Plattformbetreibern überlassen bleiben, die quasi als subjektiv agierende Hilfssheriffs fungieren.

Es ist sehr verführerisch, die Corona-Pandemie für (weitere) Einschränkungen der Meinungsfreiheit auszunutzen und eine Politik, die sich so blank gemacht hat wie während Corona, hätte ein großes Interesse daran, dass sie nicht mehr auch mal mit kräftigen Worten kritisiert werden darf. Zwischen diesen und Mordaufrufen muss unterschieden werden, deswegen muss die Grenze der Einschränkung der Meinungsfreiheit in den sozialen Netzwerken weiter das sein, was auch bei anderen Kommunikationsformen und -mitteln gilt: Was unter Strafe steht, ist zu bestrafen. Alles andere ist tatsächlich eine Frage der Meinungsfreiheit. Mit Begriffen wie „Fake News“ und Desinformation ist hingegen vorsichtig umzugehen und nur dann einzugreifen, wenn ganz offensichtlich mit nachprüfbar falschen Daten in größerem Stil Schaden angerichtet wird. Spinnereien aber muss eine Demokratie aushalten.

Letztlich kann es durch diese Spinnereien zur Impfpflicht kommen, das gehört auch zu den Spielregeln. Es ist aber ein Unterschied, ob man Äußerungen im Netz einfach mal eine bestimmte Wirkung zurechnet, oder ob die Wirkung sich z. B. in niedrigen Impfquoten zeigt und ob zum Schutz der Allgemeinheit gegen diese Wirkungen vorgegangen werden muss. Denn sie sind keine Mutmaßungen, der Grad der möglichen Manipulation von Menschen durch „Fake News“ im Netz hingegen ist nicht feststellbar. Wenn es um ehrabschneidende Lügen geht, gibt es wiederum strafrechtliche Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, denn es geht um den Schutz eines höchstpersönlichen Rechtsguts. Wissenschaftliche Erkenntnisse hingegen sind keine schützenswerten Rechtsgüter von Individuen, auch nicht derjenigen, die diese Fakten veröffentlicht haben, sondern lediglich Erkenntnisse, über die weiterhin lebendig diskutiert werden muss und die der Interpretation, der Relativierung oder gar der Widerlegung zugänglich bleiben müssen.

Damit sind wir für heute fertig und aus Gründen fügen wir hier den Link zur Umfrage noch einmal ein, falls Sie noch nicht abgestimmt haben:

Sollten Demonstrationen vor Privathäusern von Politikern verboten werden?

TH

Frontpage | Corona Lage | Berlin, Impfpflicht für Gesundheitspersonal, Impfpflicht und Querdenker, Weihnachten, Weltdaten

Wir melden uns zur Stelle zu einem typischen Freitags-Update, also zu einem, das besonders faktenreich angelegt ist. Daraus lässt sich schließen: wir haben die gestrige Booster-Impfung erst einmal überlebt, auch wenn wir Nachrichten wie diese im Kopf behalten, nach unserer Moderna-Dosis. Nachrichten, die vor allem den weiblichen Personen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis naturgemäß weniger Sorgen bereiten. Keine Grinser in diesen sehr ernsten Corona-Berichten.

Heute beginnen wir in Berlin.

Was gilt seit Mittwoch in der Hauptstadt, coronamaßnahmenmäßig? Hier können Sie es nachlesen. Die Frage, die wir uns bei dermaßen kleinteiligen Regelungen immer stellen: Wie soll die Einhaltung auch nur annähernd überprüft werden, zumal im privaten Bereich? Und kennen Sie schon das wilde Herumstehen? In Berlin gibt es auch das. Bis zu einem gewissen Grad ist immer die Vernunft des / der Einzelnen gefragt, daran führt kein Weg vorbei und das macht skeptisch bezüglich der Frage, ob die Krise so schnell bewältigt werden kann. Ein ähnlich aufgebauter Artikel des Berliner Tagesspiegels beinhaltet eine Umfrage: 75 Prozent der Befragten glauben nicht, dass wir 2022 das Ende der Pandemie sehen werden. Die Corona-Updates werden Ihnen also erhalten bleiben, liebe Leser:innen. Wenn auch nicht permanent in der dichten Abfolge wie derzeit, die der „vierten Welle“ und deren Dokumentation geschuldet ist. Bleiben wir noch in Berlin:

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Freitagmorgen (10. Dezember 2021) 342,2, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Das entspricht in etwa den Werten der vergangenen Tage. Die Zahl gibt an, wie viel Menschen sich bezogen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen infizierten. In ganz Deutschland liegt die Inzidenz bei 413.

Während die Inzidenz in Deutschland insgesamt seit einiger Zeit sinkt, nach Höchstwerten um 460, wackelt sie in Berlin um den Wert von 350 herum. Vor allem ist bedrückend, dass gestern in der Hauptstadt 18 Menschen an / mit Corona verstarben. Gestern Abend hat Michael Müller, der noch Regierende Bürgermeister, bestätigt, dass die Impfpflicht in Berlin kommen wird.

Impfpflicht und Querdenker

Wir haben gerade noch die Gelegenheit wahrgenommen, eine Eilmeldung für Sie einzufangen und dafür unseren Titel zu ändern:

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat der Bundestag eine erste begrenzte Impfpflicht für Gesundheitspersonal und weitere Krisenregelungen beschlossen. Für das Gesetz der Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen stimmten am Freitag 571 Abgeordnete. Mit Nein votierten 80 Abgeordnete, 38 enthielten sich. Am Nachmittag soll darüber auch noch der Bundesrat in einer Sondersitzung abschließend entscheiden.

Konkret sollen Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis 15. März 2022 Nachweise als Geimpfte oder Genesene vorlegen müssen. Neben Ärzten sollen künftig befristet auch Apotheken, Zahnärzte und Tierärzte mitimpfen können. Ergänzt und verlängert werden sollen Möglichkeiten für die Länder zu regional härteren Corona-Beschränkungen.

Warum nicht viel früher so, fragt man sich nun, wie es in anderen Ländern längst der Fall ist?

Hier begann der Absatz ursprünglich:

Gegenüber radikalen Impfgegnern und der sogenannten Querdenker-Bewegung macht Lauterbach eine klare Ansage: „Der Staat darf sich nicht erpressen lassen. […] Es ist absolut indiskutabel, dass wir einen Abstrich an unserer Gesetzeskompetenz machen, wenn wir unter Druck der Straße sind. Das sind Menschen, die diese Achtung nicht verdienen. Definitiv nicht“, so der SPD-Politiker. Als Karl Lauterbach das am Sonntagabend äußerte, war er noch nicht Gesundheitsminister, jetzt haben seine Worte noch einmal ein anderes Gewicht. Wird er dazu beitragen, dass es zu einem Lockdown kommt? Vorerst nicht, sagte er bei Anne Will, hingegen dies: „Wir müssen so schnell wie möglich die Booster-Impfrate vorantreiben. Die schnellstmögliche Boosterimpfung ist das Wirksamste, um im Winter einen Lockdown zu verhindern“. Zu Befehl, Chef, siehe auch Update 23. Aber wie lange soll es noch dauern und wie viele Menschen sollen unnötig leiden, bis sie kommt, wenn sich die Politik doch weitgehend einig ist?

Bis dahin gibt es Aktionen wie diese, in der sich zunächst 150 Unternehmen zusammengeschlossen haben, um die Menschen zum Impfen zu bewegen. Die Idee ist klar: Markenfetischisten lassen sich impfen, wenn ihre Lieblingsmarken sich hinter die Impfkampagne stellen. Echt jetzt? Auch wenn manche Menschen vom Konsumieren weitgehend blöd im Kopf geworden sein mögen, zwischen dem Erwerb von Waren und dem Pieks in den Oberarm können sie dann doch ganz gut unterschieden. Das Ganze ist vor allem eine Imagekampagne von Unternehmen, die sich als sozial verantwortlich darstellen wollen. Die Politik ist begeistert. Die Erstimpfungen nehmen derzeit in Maßen wieder zu, dies aber wohl vor allem, weil den Ungeimpften reale Einschränkungen im Alltag drohen. Aber was immer es ist, es ist wichtig, dass sich wieder mehr Menschen impfen lassen, denn …

Corona und Weihnachten

… wir wollen doch nicht, dass es an Weihnachten 2022 wieder zu solch einem massiven Verzicht kommen wird wie demnächst? Uns haben eher die vergleichsweise niedrigen Zahlen bei den Selbstangaben überrascht, die ein der folgenden Statista-Grafik nachzulesen sind.

Im Angesicht schnell steigender Inzidenzen und sich füllender Intensivstationen fragen sich Bürger:innen, Einzelhandel und Gastronomie: Wie wird Weihnachten 2021 und wo? Schon jetzt haben viele Menschen in Deutschland Aktivitäten in der Weihnachtszeit wegen Corona gestrichen, wie das Holiday Special des Statista Global Consumer Survey zeigt.

So verzichten 26 Prozent der Studienteilnehmer:innen Ende Dezember auf Ausflüge oder Reisen. Ähnlich viele verkneifen sich den Besuch eines Weihnachtsmarktes oder den Besuch von Veranstaltungen wie zum Beispiel Konzerten (jeweils 23 Prozent). Weihnachtseinkäufe in Geschäften kommen für 16 Prozent nicht infrage. Familienbesuche im allgemeinen und Weihnachtsfeiern im engsten Familienkreis werden dagegen eher selten gestrichen, heißt es im Begleittext von Statista. Die Grafik stammt vom 22.11.2021, vielleicht hat sich inzwischen das eine oder andere verschoben. Lesen Sie zum Thema Weihnachten, Aktivitten, Konsum auch diesen Artikel von uns.

Der Blick in die Welt

In den letzten Tagen haben wir sehr auf die üble Corona-Situation in Deutschland konzentriert, heute werfen wir wieder einen Blick über den Tellerrand. Während die Fallzahlen weltweit wieder steigen, bleiben die Todesfallzahlen seit Monaten stabil bei einem Durchschnitt von etwa 7.500 pro Tag. Die meisten neuen nachgewiesenen Infektionen gab es in den USA mit mehr als 110.000 und dort kam es zu fast 1.100 Todesfällen. Deutschland rangiert bei den Neuinfektionen hingegen „nur“ auf Rang 10, allerdings war die Zahl der gestern erfassten Fälle mit etwas mehr als 16.000 auch im Vergleich mit den letzten Wochen sehr niedrig.

Vorgestern lag Deutschland mit mehr als 68.000 Neuinfektionen und einem neuen Vierte-Welle-Höchststand von 571 Todesfällen noch auf Platz 2 bei den Infektionen und Platz 4 bei den Todesfallzahlen weltweit. Wir müssen uns immer wieder dafür entschuldigen, dass das manchmal so nüchtern klingt, aber wir werfen immer wieder einen Blick auf diese Zahlen, um zu verdeutlichen, dass hierzulande bei der Pandemiebekämpfung eine Menge schiefläuft, und das nicht erst seit gestern. Ist Ihnen übrigens schon aufgefallen, dass noch nie ein:e Spitzenpolitiker:in in diesem Land an / mit Corona verstorben ist?

TH

Frontpage | Corona Lage | dritte Impfung, erster Schnee und verbessert sich die Lage langsam?

Heute bilden wir mal etwas anderes ab als sonst, nämlich keine Infografik.

Sondern ein Foto, geschossen in unserem Lieblingspark, nach dem heutigen Booster-Impftermin in Impfzelle 13.

Diesen ersten Schnee haben wir genossen, obwohl wir das Gefühl haben, immer klaustrophobischer unterwegs zu sein, mit Mütze, Maske, Handschuhen, Schirm, Schal, Ohrhörern, zwei Jacken übereinander, Impfbuch, Personalausweis, einzeln gestempelten Einzelfahrkarten, Anamnese, Einwilligung, vielen Taschentüchern und was man sonst noch in der Tasche braucht, wenn man an so einem Wintertag durch die halbe Stadt fährt, um dem vollständigen Impfschutz zuzustreben.

Auf dem Rückweg haben wir dann diesen kleinen Abstecher ins Weiße gemacht, das musste einfach sein. Zumal wir derzeit so wenige Nebenwirkungen spüren wie nie bisher nach einer Corona-Impfung. Placebo vielleicht? Wenn es umgekehrt gewesen wäre: Was haben sie uns bezüglich der Nebenwirkungen schon wieder verschwiegen? Aua! Nein, wir sind wirklich zufrieden und die anderen sind am Zug. Auch positiv: Die Organisation des Impfzentrums war wirklich gut, sehr viele Helfer:innen hatten alles im Griff und uns perfekt betreut, die Spritze der Impfärztin war die Sanfteste, die man sich denken kann, mithin: ein ganz neues Gefühl in Berlin. Wir hatten einen Termin im Zentrum Karlshorst-Trabrennbahn und nun laufen die Pferdchen wieder vollständig geschützt bzw. so gut, wie es eben derzeit möglich ist, sogar über Kreuz. Allerdings war auch Security vor Ort und zwar aus dem Grund, der in diesem Artikel dargelegt ist. Kann man sich das vorstellen? Teile dieser Bevölkerung sind nicht mehr zu retten.

Falls wir uns morgen nicht mehr zum 24. Update melden, Sie wissen schon. Und wir haben Teil-Homeoffice und bald ist Weihnachten. Yeah!

Falls Sie noch nicht vollständig geimpft sind, tun Sie’s bitte, damit es nicht mehr zu solchen Berichten aus der Intensivpflege kommt. Das heißt nicht, dass wir die Politik aus der Verantwortung lassen, die so viel falsch gemacht hat. Aber jetzt wird bekanntlich alles besser, denn Karl Lauterbach, der frühere Nachplapperer neoliberaler Bertelsmann-Studien über zu viele Klinken in Deutschland, nunmehr Corona-Kassandra der Nation, ist Gesundheitsminister. Mit ihm als Chef des Ganzen wird eine Reform zugunsten der Bevölkerung und des Gesundheitsschutzes geradezu unausweichlich sein. Da die meisten aber sein früheres, gegenüber den Patient:innen und den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen nicht sehr freundlich eingestelltes Ich nicht mehr in Erinnerung haben, finden 62 Prozent seine Ernennung derzeit gemäß einer Umfrage super. Wir haben uns neutral gestellt. Ein Fachmann für die jetzige Lage ist er zweifellos und das ist mehr, als man von fast allen anderen gewesenen und neuen Minister:innen auf Bundesebene auf fast allen Gebieten sagen kann.

Trotzdem gibt es natürlich frische Zahlen und Bemerkungen:

Die bundesweite Inzidenz ist weiter gesunken, dieses Mal deutlicher als bisher, auf 422 nach 442 gestern. Die in Maßen verschärften Maßnahmen wirken ein wenig oder es hat mittlerweile fast alle erwischt, die immer noch so verrückt sind, sich nicht impfen zu lassen. Wir hoffen auf weitere Verbesserung der Zahlen, Delta hin, Omikron her. Allerdings ist die Berliner Inzidenz von gestern auf heute um ca. 10 Punkte gestriegen und beträgt aktuell 353, mit folgenden Bezirken an der Spitze: Die höchsten Inzidenzen wurden in den Bezirken Spandau (487,9), Treptow-Köpenick (445,8) und Marzahn-Hellersdorf (402,8) registriert. Unser Bezirk ist nicht mehr dabei, es ist kaum zu glauben. Allerdings weist er immer noch die höchsten Todesfallzahlen in der ganzen Stadt auf (aktuell 492). Vorgestern gab es in ganz Berlin wieder zwölf Corona-Todesfälle zu beklagen, gestern zehn.

Zurück zum Impfen

Die Impfquote in Berlin liegt knapp über dem deutschen Durchschnitt und beträgt aktuell 72,9 Prozent (eine Impfung), schon 21,2 Prozent sind geboostert, drei Prozent mehr als im Bundesschnitt. Wir waren dieses Mal also unter den ersten 22 Prozent in Berlin und unter den ersten 19 Prozent in Deutschland, bei den Impfungen eins und zwei noch knapp unter den ersten 30 Prozent. Wir werden sehen, ob es uns gelingt, uns bei der vierten Impfung weiter verbessern zu können. Allerdings: Wenn Priorisierungen wieder eingeführt würden, was wir befürworten, dann wäre das wohl nicht möglich und auch okay.

Weil wir gestern Angaben zu den Inzidenzen in Bayern nachkorrigiert haben, heute die Quoten der symptomatisch Infizierten für Berlin. Die Geimpften haben eine Inzidenz von 60, Ungeimpfte eine solche von 220. Insgesamt liegt die Inzidenz der symptomatisch Infizierten bei knapp 110. Hier spiegelt sich also eine vermutlich realistische Zahl von ca. 3,5:1 zulasten der Ungeimpften, nicht betrachtet wird dabei, dass Ungeimpfte auch häufiger hospitalisiert werden müssen, wenn sie infiziert sind. In Berlin sind derzeit beachtliche 21 Prozent der Intensivbetten durch Corona-Patient:innen belegt, auch hier dürfte sich die höhere Fallzahl von Ungeimpften fortsetzen, die wir bei anderen Daten gesehen haben, aber in Brandenburg gibt es Kreise, in denen die Corona-Fälle mehr als 70 Prozent der Intensivbetten belegen. Das kann nicht funktionieren, ohne dass Menschen mit anderen Krankheiten z. B. auf Operationen länger warten müssen als geplant oder verlegt werden müssen, mit allen Risiken, die für Intensivpatient:innen damit verbunden sind.

Auch wenn die Inzidenz nicht mehr steigt, in Berlin stehen zwei von drei Senatsampeln auf Rot, was weiteren Handlungsbedarf bedeuten würde, wenn nicht ohnehin die Maßnahmen gerade verstärkt worden wäre. Aber kann man das so sagen: Es reicht, auch wenn die Ampeln weiterhin große Gefahr signalisieren? Muss man nicht weitere Schritte in die Wege leiten? Wir plädieren deswegen für einen Lockdown, und zwar für alle, auch vollständig Geimpfte wie uns, zumindest für die Dauer von zwei, drei Wochen, zumal der Impfschutz nicht sofort vollständig aufgebaut oder reorganisiert ist.

TH

Frontpage | Corona Lage | Todesfallzahlen auf Vierte-Welle-Hoch, Inzidenz sinkt leicht, aber nicht überall

Morgen ist Boostern angesagt. Da kommt es nicht perfekt, dass #Impfschaeden trendet. Was wir ebenfalls festgestellt haben: Dass unter Befürwortern von allem, was echtes Corona-Wissen angeht, besonders bezüglich des Impfens, ebenso viel Anmaßung im Umlauf ist wie unter den Leugnern und Verweigerern, unbeschadet der Tatsache, dass „die Wissenschaft“ sich bereits mehrfach korrigieren musste, besonders die Wirksamkeit der Impfungen betreffend. Unter 2 Impfungen pro Jahr wird es in den nächsten Jahren wohl nicht abgehen. Und da wär’s schon wichtig zu wissen, wie die Nebenwirkungen wirklich einzuschätzen sind.

Vor den Fakten

Werden wir diese Sicherheit bekommen? Nach logischer Auffassung: nein. Denn jedes Mal, wenn ein Impfstoff an neue Corona-Varianten angepasst werden muss, können neue Risiken entstehen und die allzu simple Art, wie z. B. in Gesprächen mit uns darüber hinweggegangen wird, dass die mRNA-Impfstoffe plötzlich gegen alles gut sein sollen, was man sich an Krankheiten überhaupt vorstellen kann, nur hat das vor Corona niemand gemerkt, weswegen sie auch nicht auf den Markt durften, kommt uns ebenfalls etwas schräg vor. Angstüberwindung und anstrengende Abwägung sind die Gebote der Stunde, nicht blind in alles Mögliche hineinrennen.

Was es nützt, sehend ebenso zu handeln, ist eine andere Frage. Deswegen halten wir uns wieder einmal an Fakten und auch bei ihnen wissen wir, dass sie nicht absolut sicher sind. Daran sind sogar Mainstream-Medien mitschuldig: Die „Zeit“ beispielsweise leistet sich eine vom RKI unabhängige Inzidenzerfassung, weil sie das, was vom Robert-Koch-Institut kommt, nicht für zuverlässig hält. Ob die gewollte Abweichung zu akkurateren Ergebnissen führt, vor allem auf längere Sicht, ist eine Frage, für deren Beantwortung wir tief einsteigen müssten. Jedenfalls, so müssen wir alle Statistiken lesen, die nicht auf dem „absoluten Nachweis“ beruhen oder auf einer Normenlage, die eindeutige Fristen oder sicher messbare Festlegungen ausweist, sondern unter dem Vorbehalt der Unsicherheiten stehen, die nicht erst durch Interpretation, sondern durch Erfassungs- und Messmethoden hervorgerufen werden, die nur näherungsweise die Realität abbilden (können): Alles mit etwas gesunder Distanz lesen.

Die Zahlen bieten sehr wohl Orientierung, sonst würden sie hier nicht regelmäßig abbilden, aber die Möglichkeit, dass wir Korrekturen erleben oder niemals dahinterkommen werden, dass dies und jenes nicht korrekt ist, dürfen wir nicht ausblenden. Wir kennen diesen Effekt von Wirtschaftsstatistiken, besonders, wenn unterschiedliche nationale Erfassungsmethoden vergleichbar gemacht werden müssen. Dadurch kommt es z. B. zu der kuriosen Situation, dass gemäß ILO-Darstellung Deutschland quasi Vollbeschäftigung hat, während die Bundesagentur für Arbeit das nicht ganz so sieht und auch diese nicht die wahre Unterbeschäftigung auch nur annähernd ausweist, weil man absichtlich an der Darstellung herumgefutschelt hat, um die Zahlen gut aussehen zu lassen. In dem Fall verfügen wir auch über eine Wissenstiefe, die es uns ermöglicht, schreiben zu können: Skepsis gegenüber den offiziellen Zahlen ist unbedingt angebracht.

Man darf diesem 22. Update anmerken, dass wir genervt sind von der dritten Corona-Impfung des Jahres, vor allem die erste war nämlich alles andere als quasi unbemerkt abgelaufen, und dass wir mit 6 Monaten und 9 Tagen nach der zweiten schon spät dran sind. Das kommt daher, dass es dieses Mal plötzlich keine Priorisierung mehr gibt und alle losrennen, als gebe es Freibier. Im Frühjahr wurden wir aufgrund der Bedingungen am Arbeitsplatz in die Prioritätengruppe 2 eingestuft. Schon damals kam es mehrfach zu Terminverschiebungen.

Die Impfzertifikate sind aber trotz der Empfehlung, die Auffrischungsimpfungen spätestens nach sechs Monaten vornehmen zu lassen, für zwölf Monate gültig. Das ist zum Beispiel ein sicherer Fakt, weil er auf der aktuellen Rechtslage beruht. Das heißt nicht, dass er nicht flugs geändert werden kann, wenn die Politik es sich einfallen lässt, genau dies zu tun.

Können die Protagonist:innen eines Systems, in dem in einer Krisensituation nichts zuverlässig, konsistent und so vorhersehbar läuft, wie es bei konsequentem und an der Logik, nicht an Opportunität orientierten Management durchaus möglich wäre, uns glaubwürdig verkaufen, was für uns gut ist und was nicht? Das halten wir fest als ausdrückliche Befürworter der Schutzmaßnahmen, die auf Vorsicht und Abstand zielen, bis hin zur Einrichtung von Lockdowns, wenn die Infektionszahlen anders nicht in den Griff zu bekommen sind. Mit Lockdowns meinen wir „echte Lockdowns“, die nicht zu noch mehr Ungleichheit im Land führen, sondern wirklich allen im Sinne der nach dem aktuellen Stand des Wissens bestmöglichen Pandemiebekämpfung etwas abverlangen.

Fakten des Tages (überwiegend Stand 07.12.2021)

  • Die Corona-Inzidenz in Berlin ist im Vergleich zur Vorwoche etwas gesunken. Laut den aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl am Dienstagmorgen bei 336,8. Vor einer Woche betrug der Wert 372,1. Dieses Etwas finden wir schon recht beachtlich. Außerdem ist unser Wohnbezirk nicht mehr ganz vorne, wenn auch immer noch über dem Durchschnitt, mit ca. 372. Die vierte Welle rollt zeitversetzt durch Berlin, das sieht man daran, dass Bezirke, die kürzlich noch eine eher gemütliche Situation hatten, jetzt die höchsten Inzidenzwerte haben. Die Hauptstadt liegt nach wie vor unter dem Bundesdurchschnitt (433, vor einer Woche 443). Weiterhin kommt es in Berlin zu Todesfällen und die Hospitalisierungsrate liegt bei kritischen 4,6.
  • Die Hotspots in Sachen Inzidenz sind weiterhin sächsische Landkreise, auch wenn es an der Spitze immer mal wieder zu Wechseln untereinander kommt. Derzeit steht Meißen ganz oben, mit einer neuerlichen Rekordinzidenz von 2.300.
  • Rascher sinkt die Inzidenz in Bayern (gestern 493), das aber immer noch über dem Bundesdurchschnitt liegt, andere westdeutsche Bundesländer pendeln um bestimmte Werte, in einigen, wie dem Saarland (409 gegenüber 401 am Vortag), nimmt die Inzidenz, ebenso wie im Osten in Sachsen-Anhalt, das gefährliche 900 erreicht hat.
  • Hamburg hat wegen des ersten nachgewiesenen Omikron-Falls in der Hauptstadt eine Maskenpflicht für Vorschulkinder eingeführt.
  • Einen traurigen Höhepunkt gibt es bei den Todesfallzahlen zu vemelden: Gestern verstarben an / mit Corona 527 Menschen, so viele wie nie zuvor während der vierten Welle, darunter furchtbare Häufungen wie diese in einem Pflegeheim in Thüringen oder unfassbare Vorgänge wie dieser in Brandenburg, auch wenn die Todesfälle nicht wegen einer Corona-Infektion zustandegekommen sind. Wenn das, was dazu gegenwärtig gemeldet wird, stimmt, wäre auch diese Tragödie ohne Corona bei Annahme von Monokausalität oder Auslösung durch die Corona-Lage nicht geschehen.
  • Das sind immer noch deutlich weniger Todesfälle als an manchen Tagen im Winter 2020/21, aber angesichts eines vollständigen Impfschutzes von über 69 Prozent der Bevölkerung (vollständig: zwei Impfungen) sehr viele. Größer ist der Unterschied bei der Hospitalisierungsrate, sie liegt gegenwärtig bei 5,3. In der Weihnachtszeit 2020 betrug sie bis zu 15,5.
  • Derweil wird ausgerechnet dort, wo die Inzidenzen am höchsten liegen, weiterhin munter von jenen, die noch munter sind, gegen Corona-Maßnahmen demonstriert.

Aus gegebenem Grund schieben wir deshalb eine Umfrage ein, bei der Sie mitmachen können:

Fürchten Sie, dass sich die Querdenker-Bewegung aufgrund der aktuellen Corona-Politik weiter radikalisieren wird? Gegenwärtig sagen genau 50 Prozent: ja, auf jeden Fall. Zu diesen 50 Prozent zählen wir auch.

Heute mal nichts zu Omikron, so schnell breitet es sich nun auch wieder nicht aus, dass wir es jetzt schon jeden Tag thematisieren müssten. Morgen werden wir, falls wir nicht nach der Impfung flachliegen, darüber schreiben, was ein guter Impfappell ist und was unser aller Karl, der Herr Lauterbach nun geworden ist, dazu meint und vielleicht über Omikron.

TH

Frontpage | Corona Lage | Alptraum Sachsen, Zahlenkorrektur in Bayern, Boostern: wann wirkt es und ist die Kreuzimpfung okay?

Das haben wir nun auch gelernt: Der Boosteer, den wir und die meisten anderen bekommen (werden oder haben), heißt Kreuzimpfung, weil kreuz und quer durch das Impfstoffangebot hindurch geimpft wird. Falls wieder genug von Biontech zur Verfügung stellt, werden die Vorteile des Kreuzimpfens hoffentlich nicht plötzlich zu Nachteilen. Man weiß nie, in diesen Zeiten. Hingegen haben wir im Update 20 dargestellt, wie tote Impstoffe erstarrte Impfverweiger:innen nach deren eigener Ansicht zum Leben erwecken werden. Nach etwas dem Einflug des Rhetorische gestern geht es heute noch mehr ins Informatorische, denn es ist Montag und der Montag ist nicht der Tag zum Scherzen oder für Ironie.

Zunächst die Grunddaten

  • Sieben-Tage-Inzidenz: 441,9 (Vortag: 439,2); (Vorwoche: 452,4)
  • Neuinfektionen heute: 27.836
  • Infektionen gesamt: 6.185.961
  • Neue Todesfälle: 81
  • Todesfälle gesamt: 103.121
  • Impfquote (Erstimpfung): 71,9 Prozent
  • Impfquote (vollständig): 68,9 Prozent
  • Hospitalisierungsrate: Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag, 03.12.21 für ganz Deutschland mit 5,52 an.
  • Der bisherige Höchstwert der Hospitalisierungsrate lag um die Weihnachtszeit 2020 bei rund 15.

Zu berücksichtigen ist das Folgende: Nach dem Wochenende sind die Meldezahlen generell am niedrigsten. Die Hospitalisierungsrate Ende 2020 war in einer Situation erreicht worden, in der die Impfungen gerade erst begannen. Die jetzt nur etwas mehr als ein Drittel so hohe Quote trotz höherer Infektionszahlen als während der zweiten Welle Ende 2020 ist ein Beleg für die Wirksamkeit der Impfstoffe. Die Inzidenz verharrt trotz zuletzt weiter verschärfter Maßnahmen vorerst auf einem sehr hohen Niveau. Sachsen mit fünf Prozent der Bevölkerung Deutschlands hat fünfzehn Prozent aller Neuinfektionen zu verzeichnen und ist das Bundesland, das die mit Abstand höchste Inzidenz aufweist.

„Covidioten“ ist eine Verharmlosung

Derweil passiert im selben Sachsen dies: Fackelaufmärsche vor dem Haus der Gesundheitsministerin, die verzweifelt versucht, die Lage in den Griff zu bekommen. Dies alles, wie so vieles in Sachsen, könnte die gerechte Strafe dafür sein, dass in Deutschland historisch eine Menge schiefgelaufen ist, zur Strafe müssen wir nun alle mit diesen Charakteren im selben Land leben. Klar, man könnte auswandern, doch ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr so einfach, mit dem kompletten Neubeginn. Und wir müssen leben mit dieser Presse: Die „Welt“ soll bitte nicht so scheinheilig entrüstet tun, denn insbesondere die hässliche Schwester „Bild“ befeuert diese Typen und ihre immer offener gezeigte Bereitschaft zur Gewalt mit ihrer Berichterstattung, aber auch die „Welt“ selbst ist immer wieder gerne bereit, um der Auflage willen Geschwurbel in Interviews etc. abzudrucken.

Da fragt man sich zwangsläufig, wer mit was die Gesellschaft spaltet, das kann doch alles nicht erst 2020 begonnen haben? Die Hetzpresse tut das sicher, aber wir schließen uns den Expert:innen an, die der Ansicht sind, die Spaltung zeigt sich jetzt nur viel deutlicher, weil der Hass in bisher nicht gekanntem Maß an die Oberfläche drängt, weil es wirkt, als breite er sich jenseits des harten rechtsextremen Kerns aus. In Wirklichkeit ist die Spaltung längst durch andere Entwicklungen besiegelt und was wir sehen, sind die Folgen. Wir sehen aber auch, dass die überwiegende Mehrheit unabhängig von ihrer politischen Präferenz derzeit zusammenhält und sich vernünftig verhält. Was in Sachsen passiert, hätte in einem Katastrophenfilm so nie gezeigt werden können. Warum? Weil jeder gesagt hätte: Was für ein Trash! So extrem bescheuert werden sich Menschen in einer solchen Krise niemals verhalten. Total unglaubwürdig.

16 Jahre Angela Merkel haben die Spaltung im Land nicht gemindert, sondern vertieft, deswegen sehen wir keinen Grund, ihr Lorbeerkränze hinterherzuwerfen und wer sie als „Mutti“ bezeichnet, der hat offenbar die Vorstellung, dass eine Mutter vor allem Machiavellistin und erst in zweiter Linie, falls überhaupt, eine empathische, für die ganze Familie sorgende Person. Auch die miserable Gesundheitspolitik hat sie mitzuverantworten, denn sie gab als Kanzlerin die Richtlinien der Politik vor. So viel Konstruktives ist in der langen und trotz vieler Krisen auch elegischen Zeit nicht passiert. Deswegen machen wir umso konstruktiver weiter und melden Ihnen ein paar wichtige Infos zur Booster-Impfung, die viele von uns derzeit beschäftigt.

Korrektur

Leider müssen wir noch eine Korrektur dazwischenschieben, die uns wirklich ärgert, aber auch belegt, dass der Informationsfluss noch ganz gut funktioniert. Die Inzidenz der Ungeimpften in Bayern wird viel zu hoch angegeben. Damit erweist man der Sache der Impfbefürworter:innen keinen Dienst. Die im Artikel vermeldete Zahl aus Schleswig-Holstein ist allerdings auch problematisch. Einerseits belegt sie, dass Impfen wohl doch auch Ungeimpfte schützt, denn dort ist die Inzidenz insgesamt eine der niedrigsten in Deutschland, andererseits ist die Impfquote eben viel höher und deswegen dürften die Unterschiede zwischen den Neuinfektions-Inzidenzzahlen dort geringer sein als in Hochinzidenzgebieten. Die Wahrheit in Bayern dürfte wohl zwischen S-H und den aktuell gemeldeten Zahlen aus dem Land hinter dem Weißwurstäquator liegen, deren Prämisse ist, dass alle als ungeimpft erfasst werden, deren Impfstatus im Moment der Infektionsmeldung nicht klar ist. Ob die Inzidenz nun 13-mal so hoch ist, bei den Ungeimpften, oder nur 6-mal so hoch wie bei den Geimpften – reicht letztere Zahl nicht aus, um sich und andere zu schützen? Wir meinen, das tut sie auf jeden Fall. Und damit zum Schutz in Form des Boosters.

Ein paar Fakten zum Boostern

Ab wann wirkt die Booster-Impfung? Expert:innen meinen, spätestens zwei Wochen nach der Impfung sollte alles wieder schick sein mit dem Schutz. Auch die Kreuzimpfung, ohne die es bei viele von uns nicht möglich sein wird, den Sechsmonate-Abstand zwischen Impfung 2 und Impfung 3 einigermaßen einzuhalten, wird recht positiv dargestellt. Ein Risiko bleibt, das ist keine Frage, denn wer weiß, welche Angaben noch korrigiert werden müssen. Aber haben wir im Sinne des Selbstschutzes und der Solidarität eine andere Wahl? Wir meinen, die haben wir zwar, aber es ist eine Wahl, die uns nicht besser oder gar zu Freiheitskämpfer:innen macht, wenn wir uns gegen die Impfung entscheiden. In Sachsen kann man am besten beobachten, was passiert, wenn eine fast ungebremst wütende Pandemie auf viele Leute trifft, die am Rad drehen und diese Pandemie dadurch weiter anheizen. Das sollte uns allen ein warnendes Beispiel sein.

Also lasst uns hingehen, so bald wie möglich. Wir werden das am Donnerstag dieser Woche tun und haben dann ein paar Tage frei, um uns auszuruhen. Sollte es nicht ganz blöd laufen, werden wir am Montag der nächsten Woche wieder im Büro sein, mit dem guten Gewissen, dass wir uns und diejenigen, die uns teuer und denen wir teuer sind, dem geringstmöglichen Risiko aussetzen. Nämlich dem, dass es bei der Impfung tatsächlich einmal zu ernsteren Problemen kommen sollte. Das ist selten und die Alternative wäre, dass weiter unzählige Menschen sterben oder schwer krank werden. Das wollen wir nicht und deswegen machen wir mit. Deswegen wünschen wir uns von Ihnen, dass Sie auch mitmachen. Und wir freuen uns, falls Sie fixer waren als wir und schon durch sind mit Pieks Nr. 3. Bei uns wird es nach zwei Mal BionTech jetzt Moderna sein.

TH

Frontpage | Corona Lage | Inzidenz geht leicht zurück, Omikron kommt, Impfstoffe für Ungeimpfte

Sollen wir heute mal mit etwas Schönem beginnen? Mit Hoffnung in der Krise? Erst vor wenigen Minuten erreichte uns diese Meldung:

In den vergangenen sieben Tagen infizierten sich in der Hauptstadt nachweislich 343,7 von 100.000 Menschen mit dem Coronavirus, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen mitteilte. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag damit leicht unter den Werten vom Samstag (351,4) und Freitag (360,7). Am Sonntag vergangener Woche hatte sie 371,6 betragen. Nach wie vor liegt Berlin unter dem bundesweiten Durchschnitt von rund 440.

Die Hospitalisierungsrate steht aktuell in Berlin bei 4,6, die Hospitalisierungsampel demnach auf Gelb und vielleicht kommen wir doch um Rot herum (beginnt bei 6,0). Und damit um ganz viele lockdownartige Maßnahmen, die natürlich nicht Lockdown genannt werden dürfen, sonst führt das sofort wieder zu schrillen Kampagnen seitens der Covidioten und von denen hatten wir in der Hauptstadt wahrlich genug. Der Bundesdurchschnitt liegt inzidenzweise derzeit bei 440, das wurde oben miterwähnt. Dass Berlin etwas besser abschneidet, ergibt sich daraus, aber seit dem Interview in der Zeit, das wir in den Mittelpunkt des 19. Updates gestellt hatten, sind wir uns nicht mehr so sicher, ob das die Realität spiegelt oder ob die Berliner Verwaltung, wie eigentlich bei allem, bei der Erfassung von Neuinfektionen den Underachiever gibt. Nun ja, wir müssen uns auf Argumente vorbereiten, falls die Inzidenz unter 150 fällt, denn dann, so haben wir vor ein paar Wochen verkündet, kehren wir freiwillig vollumfänglich aus dem Homeoffice zurück in die Präsenz, also in dieses raue Leben da draußen, in dem man es mit echten Menschen zu tun hat. Außerdem könnte uns Omikron beim Verlängern helfen.

Sie kennen Omikron nicht? Es ist die Variante Nr. 5, die nicht nur lebt, sondern sich flugs verbreitet. Das gelingt ihr auch deswegen, weil Genesene gegen sie offenbar nicht immun sind, auch für Geimpfte dürfte das also mehr oder weniger gelten. Deswegen wird Omikron als „Immunitätsdurchbrecher“ bezeichnet. Der Rammbock oder Gerhard Schröder („Ich will hier rein!“) unter den bisherigen Corona-Varianten, aber man sagt bisher auch, die Verläufe sind eher milder als zuletzt bei Delta. Selbstverständlich ist das nur eine Momentaufnahme, denn von jedem guten Produkt, das schnell Verbreitung findet, kommt alsbald eine „Plus“- oder „Premium“-Version auf den Markt. Oder einfach eine neue Nummer mit neuem Namen. Allerdings: Geht es besser als „Omikron“? Das klingt doch wie keine Variante zuvor nach einer tödlichen Bedrohung aus dem All. Geheimnisvoll, bedrohlich, unsichtbar. Es gibt zum Beispiel Alpha-, Beta- und Gammastrahlen, aber hat jemand je von einer Omikron-Strahlung vernommen? Wir fragen für einen Freund: Wtf is Omikron?

Und wer glaubt der Berliner Tagesspiegel zu sein? Das würden wir gerne sehen, wie dessen Redaktion Berlin wirklich besser macht, anstatt immer süffisant-ironisch darauf hinzuweisen, dass man es besser könnte, wie im verlinkten Checkpoint gar nicht so subtil angedeutet. Alles, was dort steht, gibt es aber auch beim gescholtenen Senat oder bei Doctolib, und zwar als Gesamtübersicht. Ja, so sind sie, die Berliner. Immer mit der Klappe dem Denken mindestens einen Schritt voraus. Und wir haben es uns freiwillig ausgesucht, mit den Füßen abgestimmt, sozusagen, bis die Füße in Berlin angelangt waren. Jetzt sitzen wir hier und schütteln den ganzen Tag lang den Kopf und was sagt das über uns? Wir sind gute, schon beinahe echte Berliner.

Nun dürfen Sie wieder abstimmen, liebe Leser:innen. Natürlich nicht darüber, ob Omikron rein darf, wir wollen ja realistisch bleiben, aber zum Beispiel hierüber:

Finden Sie es richtig oder falsch, dass Clubs und Diskotheken bei hohen Corona-Infektionszahlen wieder geschlossen werden?

Gegenwärtig sind zwei Drittel derer, die schon mitgemacht haben, absolut dafür, weitere fast 14 Prozent überwiegend dafür. Weil wir uns Ersteres schon beinahe gedacht hatten, haben wir uns für Variante zwei entschieden, einfach, um nichts vorzutäuschen. Die meisten, die so sehr gegen das Clubleben sind, sind was nicht? Clubgänger:innen. Und so ist es auch mit uns, aus dem Alter sind wir raus und denken nur an den Schutz aller: Unter bestimmten Umständen wären wir dafür, alles wieder zu schließen, dann aber wirklich alles bis auf die notwendigen Versorgungseinrichtungen. Auszug aus dem Civey-Begleittext:

Ärzte und Wissenschaftlerinnen fordern indes strengere Maßnahmen. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhard plädiert im Deutschlandfunk z.B. für ein bundesweites 2G-Plus-Modell in Gastronomie und Freizeit. Aufgrund der schweren Kontrollierbarkeit fordert Epidemiologe Hajo Zeeb derweil Kontaktbeschränkungen für alle. Der Einzelhandel kritisiert die 2G-Regel für die meisten Geschäfte zur eigentlich umsatzstärksten Phase.

Dass der Umsatz wichtiger ist als Menschen, ist systembedingt, aber nur mal ein kleiner Tipp: Was passiert wohl mit dem Umsatz, wenn viele Menschen an Corona sterben? Das ist jetzt nicht so schwer, aber wohl doch einen Schritt zu weit gedacht, sorry dafür. Weil es das einzige ist, woran m an beim Lesen von Corona-Artikeln Spaß haben kann, gleich noch eine Umfrage:

Sollte die künftige Bundesregierung eine drastische Kontaktreduzierung aufgrund der aktuellen Coronalage verordnen? Dazu heißt es unter anderem:

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll am Dienstag einen sofortigen Lockdown bis Anfang Dezember gefordert haben. Der Bild zufolge sollen die Ampelparteien dies abgelehnt haben. Zuvor sagte Merkel dem CDU-Bundesvorstand laut dpa : „Wir haben eine Lage, die alles übertreffen wird, was wir bisher hatten.“ Sie warnte vor einer Handlungsunfähigkeit im Gesundheitssystem, besonders auf Intensivstationen.

Ach ja, Gott schenke ihr einen ruhigen Lebensspätsommer, der lieben Angela. Aber hat sie nicht auch dafür gesorgt, dass alles so ist, wie es jetzt ist? Warnen ist gut, vorsorgen und das Gesundheitssystem erhalten, die Verwaltung verbessern, die soziale Ungleichheit bekämpfen ist viel, viel besser. Angela Merkel hat 16 Jahre lang die politische Schule des Lebens in diesem Land geleitet und es nicht verstanden. Daher wirkt das Salbaderische vieler Statements, denen sich auch politische Gegner:innen angesichts ihres Abgangs, getragen von Wehmut, nicht enthalten (zumindest glaubte man, es seien Gegner:innen) lächerlich, vorsichtig ausgedrückt. Die Devise, es hätte ja schlimmer kommen, zum Beispiel mit einer Ampelregierung (die keine zukünftige mehr ist) und in der die FDP den Ton angibt, ist keine Option für progressiv und solidarisch denkende Menschen.

Zum Schluss aber noch etwas, das sogar uns überrascht hat: Viele Impfgenger:innen sind gar keine Impfgegner:innen. Sie sind nur gegen diese wieselwuseligen, sich überall einschleichenden, vollkommen unvorgesehen andockenden mRNA-und auch gegen die Vektorimpfstoffe. Sollten hingegen die Totimpfstoffe endlich zugelassen werden, dann aber. Dann sofort ins Impfzentrum! Hoffentlich sind die Ungeimpften bis dahin nicht alle tot. Denn eine Kritik möchten wir hier ernsthaft anbringen: Es wirkt durchaus wie ein Schutz für die Pharmaindustrie und deren Mega-Gewinne in der Krise, dass die vglw. günstigen Totimpfstoffe, die woanders schon in Anwendung sind, in der EU noch nicht zugelassen wurden. Das soll ja nun kommen, dann gibt es für die vorgeblich nur partiellen Impfgegner:innen, also die Hälfte aller bisher Ungeimpften, keine Ausrede mehr und es wäre dann auch nicht so schlimm, wenn diese toten Impfstoffe nicht ganz so wirksam wären wie die bereits in Gebrauch befindlichen Lebendkulturen. Wenn wir fast alle geimpft wären, wäre die Verbreitung von Covid19 auf jeden Fall mehr begrenzt als so weit unterhalb der „Herdenimmunität“, wie es derzeit immer noch in den DACH-Staaten der Fall ist. Haben wir schon geschrieben, dass wir nächste Woche schon den Booster kriegen können? Aber es wäre Moderna, nicht BionTech. Mon Dieu!, oder, gemäß der hier verwendeten ersten Person Plural: Le Nôtre!

TH

Frontpage | Corona Lage | Gesundheitsämter: Wasser bis Oberkante Unterlippe

Wir haben gerade erst das Update 18 veröffentlicht und schreiben schon am nächsten. Das ist die beste Methode, um der Nachrichtenlage einigermaßen gerecht zu werden, alles, was uns so beim Check der Medien begegnet, gleich festzuhalten. Allerdings haben wir dann doch zwei Tage weiter gesammelt, um hiermit einsteigen zu können:

Deutliche Mehrheit für Impfpflicht und stärkere Maßnahmen

Angesichts drastisch steigender Infektionszahlen unterstützt die Mehrheit der Deutschen eine Verschärfung der Corona-Regeln. Im neuen ARD-„Deutschlandtrend“ gaben sechs von zehn Befragten an, ihnen gingen die bestehenden Corona-Maßnahmen nicht weit genug, wie der WDR am Donnerstag mitteilte. Der Anteil lag demnach so hoch wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie (Web.de).

Nur 20 Prozent der Befragten finden aktuell die Corona-Regeln angemessen, 17 Prozent gehen sie zu seit. Für eine Impfpflicht haben sich 71 Prozent ausgesprochen (darunter alle Personen in unserem Freundeskreis, mit denen wir bisher über das Thema gesprochen haben), aber etwa Drei Viertel der Befragten haben sich gegen Schul- und Kitaschließungen positioniert. Das sehen wir anders, denn konsequent ist konsequent und wenn man nicht möchte, dass auch für Kinder eine Impfpflicht gilt, was wir nach wie vor bei unter 12-Jährigen nicht befürworten, dann muss auch dieser Übertragungsweg für eine Zeit geschlossen werden. Dass es so weit kommen musste, ist eine ganz andere Geschichte. Dieses Desaster hat die Politik zu verantworten. Wir fühlen mit allen, die von strengeren Maßnahmen besonders betroffen wären und die sich bisher vernünftig im Sinne von kooperativ oder gar solidarisch verhalten haben.

Omikron in Berlin

Wie die »Berliner Zeitung« meldete, sei die neue Corona-Variante offenbar bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika, der am Montagmorgen in Berlin ankam, nachgewiesen worden. Am Nachmittag bestätigte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit, dass in Berlin ein erster Fall nachgewiesen sei (nd). Mittlerweile gibt es mehrere weitere Verdachtsfälle.

Frontpage | Corona Lage | Zweitagesbericht, "Dieses Land wird armselig regiert"

Gestern hatten wir eine Pause gemacht, eine Pietäts- und Nachdenkpause. Dafür haben wir heute einige neue Perspektiven auf Corona, die selbstverständlich auch wieder mit Omikron zu tun haben, teilweise stammen die Nachrichten vom gestrigen Tag.

Was gibt es heute Morgen an Meinungen? Gabor Steingart ist in seinem Morning Briefing der Ansicht, Deutschland werde nicht rechts oder links, sondern besch… armselig regiert. Er nennt nicht weniger als sieben Gründe dafür, warum Deutschland seinen Vorsprung in Sachen Corona-Politik sukzessive verspielt hat. Die Covidioten werden dabei auffällig geschont, vielmehr schreibt Steingart die niedrige Impfquote in Deutschland vor allem der „fehlenden traumatischen Erfahrung“ zu, welche die südeuropäischen Länder während der ersten Welle gemacht haben.

Das sehen wir ein wenig anders: Es bedeutet nämlich, dass man hierzulande nicht in der Lage war, aus den Fehlern anderer zu lernen und das ist genauso negativ, wie nicht aus eigenen Fehlern lernen zu können, denn im Ernst: Muss man wirklich jeden Fehler, auch jeden tödlichen, selbst schon gemacht haben, um zur Vernunft zu kommen oder kann man sich anhand von positien und blöden Beispielen auch als denkender Mensch verhalten und Rückschlüsse aus dem ziehen, was anderen passiert? Das ist keine Ansage gegen die Länder, die es anfangs am härtesten getroffen hat, denn damals war Corona komplett neu und die Maßnahmen dagegen waren überall in Europa ähnlich gestrickt, mancherorts sogar härter als während des ersten Lockdowns hierzulande. Nein, die Coronaleugner und Impfgegner sind auch ein typisches Phänomen des DACH-Raumes, wie wir in einem der vorherigen Updates zumindest als eine von mehreren Erklärungen für die niedrigen Impfquoten erläutert haben. Und eine rückgratlose Politik gibt diesen Leuten immer wieder nach, anstatt die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung konsequent zu schützen.

Auch die „Zeit“ ist der Ansicht, die Ampel sei bisher coronapolitisch nicht fit, allerdings mit einem merkwürdigen Spin, der darauf hinausläuft, als ob der Koalitionsvertrag in anderen Bereichen richtig gut sei und die aktuellen Politiker:innen genau richtig für die Krisenlage. Das ist beides eindeutig nicht der Fall und Corona und die soziale Frage, die im Koalitionsvertrag mit „interessiert uns nicht“ beantwortet wurde, hängen miteinander zusammen. Gutes Beispiel ist, dass Olaf Scholz die Impfpflicht irgendwann im März 2022 einführen will. Echt jetzt? Eben nicht jetzt. Wenn man es macht, dann so schnell wie möglich, sonst geht wieder unendlich viel Zeit ins Land, die wir im Kampf gegen das Virus verlieren und die zu vielen komplett unnötigen Todesfällen führen wird.

Am Montag hatte unser Hausarzt mit uns eine PCR-Test durchgeführt, weil wir ungewöhnlich heftige Symptome hatten, die wir zunächst auf eine Erkältung / einen grippalen Infekt zurückführten, die sich aber über mehrere Wochen hinzogen. Schnelltests vor Arbeitsantritt hatten wir deshalb schon mehrfac durchgeführt. Normalerweise wäre daraus keine Panik entstanden, aber man weiß es heute nicht mehr, was hinter Symptomen steckt, man ist verunsichert, das ist auch ein Resultat des Wirkens der freidrehenden Covidioten-Meute. Nur so konnte es passieren, dass wir in Berlin derzeit eine Inzidenz von teilweise über 400 haben, auch in dem Bezirk, in dem wir wohnen. Der Test war negativ, wir atmen auf.

Obwohl vorgestern und gestern erstmals während der vierten Welle die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland leicht zurückging (von 456 auf 452 auf 443), stieg sie gestern auf ist RKI-Chef Lothar Wieler überzeugt, dass wir das wirkliche Ausmaß der vierten Welle erst im Frühjahr 2022 werden beurteilen können und warnt vor weiteren Mutationen. Die Empfehlung, sich impfen zu lassen, ist nicht neu, aber immer noch wertvoll. Die Zahl der Todesfälle hatte zunächst vorgestern mit 388 und dann gestern mit 448 jeweils neue Höchstwerte im Rahmen der vierten Welle erreicht.

Und damit zur Omikron-Variante:

Reuters Daily Briefing vom 30.11.2021: Drugmaker Moderna’s CEO set off fresh alarm bells in financial markets after he warned that COVID-19 vaccines were unlikely to be as effective against the Omicron variant as they have been against the Delta version.

Europe’s main bourses jolted 1.4% lower and oil shed 3%, while Japan’s safe-haven yen, German government bonds and gold all rose. Investors are preparing for swings and opportunities as Omicron spreads.

The EU drug regulator said it could approve vaccines adapted to target the Omicron variant within three to four months if needed, but that existing shots would continue to provide protection.

Für Gold kann man sich viel kaufen, vielleicht auch Gesundheit, aber die Wirtschaft sieht wieder unsicheren Zeiten entgegen und deutsche Staatsanleihen steigen immer, wenn die Welt in Unsicherheit gerät. Beinahe musste ich lachen: Hoffentlich sind nach dem absolut desaströsen Corona-Management in Deutschland in ein paar Jahren noch Menschen übrig, die in der Lage sind, Steuern zu produzieren, mit denen die Staatsanleihen zurückgezahlt werden können oder wenigstens so viele, dass die Märkte dem Land genug Kredit geben, dass es sie durch neue Bonds zu niedrigen Zinsen ablösen kann.

Die Börsen sind in gewisser Weise ein Spiegel aller negativen Eigenschaften von Menschen: Hier spielt menschliches Leid nie eine bremsende Rolle, obwohl auch diese Märkte natürlich eine eigene Psychologie haben. Wenn Krieg ist oder, wie in diesem absolut unpassenden Moment, Hochrüstung angesagt wird, steigen die Aktien von Rüstungsunternehmen, was sonst? Vielleicht nicht gerade in diesen Tagen, aber langfristig gewiss. Jede Krise ist eine Chance, für Spekulanten gilt das in besonderem Maße. Wenn Corona ist, steigen die Aktien von Impfstoffherstellern, aber nicht, weil diese den Menschen helfen, sondern, weil ihre Gewinne sprießen. Würden sie ihre Gewinne mit der Entwicklung innovativer und furchtbarer Waffen erzielen, wäre das börsliche Resultat bei gleicher Gewinnhöhe nicht anders. Jetzt könnte man auf Moderna setzen, oder? Aber wie das gesamte kapitalistische System haben die Börsen nicht das Unvorhersehbare eingepreist und nicht die langfristigen Folgen dieser Form des Wirtschaftens.

Derweil hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts die Bundesnotbremse vom Frühjahr 2021 nachträglich legitimiert, und zwar ohne Abstriche. Das könnte noch wichtig werden, falls ein neuer Lockdown als notwendig erachtet werden wird. Durch die Delta-Variante ist man ja nun ohne einen Ansatz von einheitlichem Management hindurch gestolpert und das liegt nicht nur am Föderalismus. Insbesondere die Tatsache, dass sich im bevölkerungsreichen Bayern die Lage langsam verbessert, dürfte dabei eine Rolle gespielt haben. Aber wir haben ja nun Omikron, das nicht nur an die Tür klopft, sondern einfach hindurch spaziert ist, weil hierzulande alle Scheunentore offenstehen. Der Tenor dieses „Zeit“-Kommentars ist: „Zögern kostet Freiheit“ oder „Not kennt sehr wohl Verbot“ (oder Pflicht). Anders ausgedrückt: Den Corona-Leugnern alles durchgehen zu lassen, wird letztlich die Freiheit von uns allen weitaus stärker einschränken, als diesen bestimmte Pflichten aufzuerlegen. Und wie ist der Freiheitsbegriff in der Krise überhaupt zu definieren? Situationsangepasst natürlich, das ist eine Frage der Vernunft. Am Ende des Kommentars dann ein Winken mit dem nächsten Problem: Wie müssen individuelle Freiheit und Klimakrise gegeneinander abgewogen werden? In der Ampel sitzt eine Partei, die dazu eine komplett vorgestrige Einstellung hat, wir sind sehr gespannt, ob die Grünen wenigstens in Sachen Klimapolitik unter diesen Voraussetzungen ihre Versprechen einigermaßen einhalten können.

Wenn wir schon bei der Justiz sind, lesen Sie bitte auch diesen Artikel „Corona-Rebellen in Robe“ denn das Vertrauen ist ein Eichhörnchen. Selbst beim Bundesverfassungsgericht gibt es Unterschiede in der Rechtsauslegung zwischen dem Ersten und dem Zweiten Senat, der eine deutlich konservativere Linie fährt und zuletzt für problematische Entscheidungen wie das Kippen des Berliner Mietendeckels verantwortlich zeichnete, aber was sich auf den nicht so hohen Ebenen der Gerichtsbarkeit abspielt, ist genauso bedenklich wie das, was allgemein in der Bevölkerung zu beobachten ist.

Nun könnte man sagen, wieso nicht, Richter:innen sind auch Menschen wie du und ich. Das mag privat noch gelten, aber nicht, wenn Recht gesprochen und über die Lebensumstände vieler anderer Menschen entschieden wird, wie das bei der Corona-Rechtsprechung der Fall ist. Dienstlich sind an Juristen hohe Maßstäbe bezüglich ihrer Urteilsfähigkeit anzulegen, besonders, wenn sie tatsächlich weitreichende Urteile zu sprechen haben, weil sie die Richterlaufbahn eingeschlagen haben. Dass es auch in dieser Zone, in der Entscheidungen besonders gut sachlich abgesichert sein sollten, zu Schwurbeleien kommt, die nicht nur die Mentalität, sondern auch die Qualität der betreffenden Richter:innen als Justizpersonen infrage stellt, lässt wiederum Fragen an die Jurist:innenausbildung und die Eignungsnachweise für den Justizdienst zu.

Damit kommen wir für heute zum Ende. Die Publikation des Artikels früh am Tag kann dazu führen, dass ein weiteres Update folgen muss, aber wir hoffen natürlich immer, dass dies nicht notwendig wird.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Impfpflicht, weitere Rekordinzidenzen

Die brennendste Frage dürfte im Moment nicht mehr sein, ob wir noch halbwegs durch den Winter kommen werden. Wer gestern Abend Anne Will gesehen hat, weiß, es ist hoffnungslos. Beleg: Der eingebettete Tweet. Deswegen konzentrieren wir uns zum einen auf Infos zur neuen Omikron-Variante, zum anderen auf die üblichen Fakten und möchten Ihnen außerdem eine Umfrage empfehlen, die Civey gestern gestellt hat und die von Tag zu Tag wichtiger wird:

Sollte es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Deutschland geben?

Über 73 Prozent derer, die bisher abgestimmt haben, sagen gegenwärtig: auf jeden Fall oder eher ja. Trotz unseres großen Ärgers über die ca. 19 Prozent, die aktuell strikt dagegen sind, haben wir nur mit „eher ja“ abgestimmt. Wir sind das niemandem schuldig, aber es war schon bei den Nazis so, dass diejenigen, die nicht für die Nazis waren, sich nicht entziehen konnten, an die Front mussten, gestorben sind, also trifft es uns wieder alle mehr oder weniger, in diesem Land der Spinner. Sie erinnern sich, wir haben im vorletzten Update unter anderem über Kriegsrhetorik nachgedacht. Den Begleittext von Civey wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

Lange war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gegen eine Impfpflicht, nun schließt er sie nicht mehr aus. Mit über 75.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag wurde diese Woche ein neuer Rekordwert erreicht. Mehrere Intensivpatienten mussten in andere Bundesländer gebracht werden, da Krankenhäuser überlastet sind. Zudem bereitet der Regierung eine in Südafrika grassierende Virusvariante Sorge, die Freitag offiziell Europa erreicht hat.

CSU-Chef Markus Söder fordert eine Corona-Impfpflicht ab dem 1. Januar 2022. Nur so könne eine „Komplettüberlastung“ der Gesundheits-Systeme verhindert werden. Zusammen mit Winfried Kretschmann (Grüne) argumentierte er zuvor in der FAZ, eine Impfpflicht sei „kein Verstoß gegen die Freiheitsrechte“, sondern „die Voraussetzung dafür, dass wir unsere Freiheit zurückgewinnen.“ In Österreich soll die Impfpflicht ab Februar 2022 gelten.

Der scheidende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht einer allgemeinen Impfpflicht skeptisch gegenüber. „Sie löst unser akutes aktuelles Problem nicht“, sagte er jüngst im Deutschlandfunk. Die Wirkung der Pflicht käme zu spät, um die aktuelle Welle zu brechen. Auch RKI-Präsident Lothar Wieler bezeichnet eine Impfpflicht als letztes Mittel. Was ihm zufolge sofort helfen würde, wäre eine radikale Kontaktreduzierung.

Wir dachten immer, Impfungen entfalten nach etwa zwei Wochen ihre volle Wirkung, und glaubt jemand ernsthaft, nur Kontaktbeschränkungen führen ab Januar zum Ende der vierten Welle, zumal sie wieder aufgehoben werden müssen, wenn die Lage sich zu beruhigen scheint? Hingegen würde eine sofortige Impfpflicht ab Mitte Dezember erste und dann nachhaltige Erfolge zeigen. Sagen Sie es nicht weiter, aber die Politik hat schlicht Schiss vor den Covidioten, deshalb ist die Lage weiterhin konfus.

Alles, was bis gestern über die Omikron-Variante bekannt war, lässt sich z. B. hier nachlesen. Tun Sie das bitte, denn die Lage ist ernst und deshalb fassen wir hier nicht zusammen, sondern verlinken lieber etwas ausführlichere Beiträge. Wenn Sie dort weiterklicken, kommen Sie zum Corona-Ticker, der unter anderem ausweist:

  • Die Inzidenz ist weiter angestiegen, auf ca. 455 am Sonntag, es kam zu knapp 30.000 Neuinfektionen, das sind erstmals an einem Tag in den letzten Wochen etwas weniger als am gleichen Wochentag der Vorwoche,
  • wie schon vorgestern erreichten gestern 31 Landkreise eine Inzidenz von mehr als 1.000,
  • Spitzenreiter ist weiterhin der sächsische Erzgebirgskreis, und zwar mit einer neuen Rekord-Inzidenz von 2074. In ganz Sachsen gibt es seit mehreren Tagen keinen Landkreis mehr mit einer Inzidenz von unter 700.
  • In Berlin stieg die Inzidenz gestern auf einen Rekordwert von 372. Vier Bezirke, darunter auch unser Wohnbezirk, weisen Inzidenzwerte von mehr als 400 auf.

Nun haben wir eine weitere, ganz aktuelle Umfrage von Civey entdeckt, sie lautet:

Sind Sie wegen der neuen Coronavirus-Variante „Omikron“ besorgt?

Bitte lesen Sie erst den Begleittext und stimmen Sie dann ab.

Kürzlich wurde in Südafrika eine neue Coronavirus-Variante nachgewiesen. Die Mutante B.1.1.529 hat den 15. Buchstaben des griechischen Alphabetes „Omikron“ als Bezeichnung erhalten, da es sich bereits um die 15. bekannte Variante des Virus handelt. Am vergangenen Freitag stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Omikron als „besorgniserregend“ ein und sorgte so für ein rasches Bekanntwerden der mutierten Coronavirus-Variante.

Aktuellen Daten zufolge ist Omikron bereits auf der ganzen Welt verbreitet. Südafrikanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Variante wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sei als die derzeit grassierende Delta-Variante. Außerdem seien die Impfstoffe gegen sie möglicherweise weniger wirksam.

Hoffnung macht hingegen, dass die bisher festgestellten Fälle in Südafrika nicht schwerwiegend seien. Infizierte in einer Praxis in Pretoria hätten unter extremer Müdigkeit gelitten, sonst aber keine Symptome gezeigt. Die Virologin Sandra Ciesek twitterte unterdessen, dass Antigentests auch bei der neuen Mutante anschlagen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb: „Es wäre wirklich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, wenn Omikron leichter verliefe. Bei so vielen Mutationen wäre es aber denkbar.“

Wir sind besorgt, wie auch nicht? 22,5 Prozent sehen das derzeit komplett anders. Die Identität mit jenen ca. 19 Prozent, die sich strikt gegen eine Impfpflicht aussprechen, dürfte fast vollständig sein, zuzüglich einiger, die vermutlich glauben, sie seien geboostert, also kaum gefährdet. Diesbezüglich weiß man aber nichts Genaues und Christian Drosten hat die Omikron-Variante heute als möglicherweise erste echte „Immunflucht-Variante“ bezeichnet. Das heißt, auch ohne, dass die Verläufe schwerer sein müssen als bei Delta, dass viele, die bereits von einer Covid-Erkrankung genesen oder schon geimpft sind, sich mit Omikron erneut anstecken können. Möglicherweise reicht der Schutz der Impfungen aber aus, um Verläufe abzuschwächen, das ist noch nicht geklärt, gilt unter Experten aber nach aktuellen Aussagen als wahrscheinlich.

Wir könnten Sie noch ein wenig mehr belasten mit Themen wie der Triage, die wieder intensiv diskutiert wird, dazu haben wir einen guten Erklär-Artikel gefunden. Aber für heute ist Schluss, falls nicht eine BREAKING News uns zu einer Ergänzung auffordert.

TH

Frontpage | Corona Lage | Omikron, Fakten des Tages, Impfgeschichte

Wir steigen gleich mit der neuen Omikron-Variante ins heutige Update ein und kommen dann zu den allgemeinen Daten, auch zur Geschichte des Impfens gibt es heute ein paar Anmerkungen.

Aus Südafrika, wo die fünfte wichtige Corona-Variante namens Omikron nun schon untersucht wird, kommt heute ausnahmsweise eine positive Nachricht, auch diese wollen wir nach den gestrigen Katastrophenszenarien nicht verschweigen:

Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen vollständig geimpft.

Unter diesen Umständen ist es natürlich schwierig, das Verhalten der neuen Variante gegenüber Geimpften festzustellen. Sollten aber allgemein mildere Verläufe zu beobachten sein, würde das für eine schon zu Beginn der Herausbildung von Varianten geäußerte Ansicht sprechen: Dass das Virus letztlich, um weitere Verbreitung zu finden, eine Art Kompromiss eingeht: Es wird harmloser. Bei Delta war das allerdings nicht so, deswegen betonen wir an dieser Stelle: Es handelt sich nicht um Erkenntnisse, die bezüglich Omikron gesichert vorhanden sind, sondern um Möglichkeiten und letztlich um die Hoffnung, dass es nicht immer schlimmer wird, egal, ob wir die Pandemie ernst nehmen oder nicht.

Nun zu den Fakten des Tages, Zahl der Neuinfektionen:

Deutschland hat es geschafft und ist Weltmeister. In keinem anderen Land gab es gestern mehr Neuinfektionen mit Corona. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass in den USA an Wochenenden immer deutlich weniger Fälle gemeldet werden als von Montag bis Freitag, aber es ist und bleibt eine Schande. Das gab es bei keiner der drei ersten Wellen. Erinnern Sie sich noch, wie gut Deutschland durch die erste Welle kam? Wir fanden das damals etwas seltsam und weisen auch heute wieder darauf hin, dass die Testungsrate in Deutschland erheblich niedriger ausfällt als in vergleichbaren Ländern. Mittlerweile hat Deutschland aber, so viel ist sicher, von Welle zu Welle schlechter abgeschnitten. Während man woanders aus den Erfahrungen der ersten Wellen gelernt hat, tritt bei uns genau das Gegenteil ein: Es wird immer konfuser vonseiten der Politik und schräger vonseiten der Coronaleugner / Impfgegner. Und damit nun wirklich zu den Fakten anhand der gestrigen Neuinfektionszahlen (die RKI-Zahl fällt mit 44.401 Neuinfektionen niedriger aus, würde aber immer noch dazu führen, dass Deutschland Platz eins in der Tabelle einnimmt, die Zeit mit ihrer eigenen Recherche kommt auf 50.384 Neuinfektionen):

Richtig ist auch, dass es einige Länder in Relation zu ihrer Bevölkerungszahl noch stärker trifft, auf der Tafel mit den zehn Ländern mit den höchsten Neuinfektionszahlen am gestrigen Samstag sind das Belgien, die Niederlande und die Tschechei, Polen liegt bei der relativen Betrachtung etwa gleichauf mit Deutschland. Diese Perspektive weist wiederum auf etwas hin, das wir auf der Corona-Deutschlandkarte beobachten: Regionen mit Landgrenzen zu anderen Staaten sind stärker betroffen, und zwar im Süden und im Osten wie auch im Westen als Binnen- oder Küstenregionen.

Aus der Betrachtung der Relation zur Bevölkerungszahl ergibt sich des Weiteren, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien derzeit momentan etwa gleich liegen und dass Europa dadurch, dass es sich hier um dessen bevölkerungsreichste Länder handelt, wieder einmal ziemlich bescheiden im Vergleich zu anderen Weltregionen dasteht.

Inzidenzen

Die gesamtdeutsche Inzidenz ist heute auf 446,8 gestiegen. Der Anstieg vollzieht sich jetzt also deutlich langsamer als bisher, das war in den letzten Tagen schon zu beobachten (vorgestern: 438, gestern: 443), das darf man in diesen Zeiten schon als Erfolg werten. Die Zahl der Landkreise mit einer Inzidenz von mehr als 1.000 hat sich gestern auf 31 reduziert (vor drei Tagen: 34). Der sächsische Landkreis Osterzgebirge liegt mit ca. 2.020 weiterhin an der Spitze, die Zahl verharrt dort seit Tagen auf diesem Niveau.

Aus der Geschichte des Impfens

Damit das Ganze nicht so sachlich huntergeleiert wirkt, haben wir wieder einmal einen Tweet abgebildet, dieses Mal mit einem zitierten Gedicht von Kurt Tucholsky, damit auch heute klar ist, welche Meinung wir vertreten. Ob wir das mit dem Knast auch so sehen, lassen wir an der Stelle freilich offen.

Zur Pockenimpfung indes steht folgendes zu lesen: Welche Impfungen waren Pflicht? Bis 1976 war die Pockenimpfung in Westdeutschland Pflicht. Noch vor 150 Jahren ist die deutsche Bevölkerung solchen Versuchen gegenüber äußerst skeptisch. Es gibt Gerüchte, Impfstoffe könnten Menschen verwandeln, zum Beispiel in Kühe.

Vielleicht hätte man die vielen Impfpflichten aus der DDR, von denen in diesem historischen Abriss unter anderem die Rede ist, übernehmen sollen, damit niemand auf die Idee kommt, seine individuellen Freiheitsrechte seien während einer Pandemie wichtiger als der Schutz der gesamten Bevölkerung, aber in Westdeutschland wurden auch auf freiwilliger Basis große Erfolge erzielt und die Impfpflicht gegen Pocken bis 1976 hatte nun einmal dazu geführt, dass Pocken, abgesehen von Windpocken, kein Thema mehr waren. Hier kann man die Geschichte des Impfens in Deutschland nachlesen und sich auch Gedanken darüber machen, warum die Impfbereitschaft in Deutschland so unterschiedlich stark ausgeprägt ist, wo manche Spins von der Gefährlichkeit des Impfens bzw. Geimpftseins ihren Ursprung haben und wie sie über das Impfen hinaus gedeutet werden können.

TH

Frontpage | Corona Lage | Die Omicron-Variante naht, während Delta Deutschland noch in Atem hält

Eilmeldung vom 27.11.2021, 18:50 Uhr:

In München sind die ersten beiden Fälle der neuen Omikron-Variante des Coronavirus in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November mit einem Flug aus Südafrika eingetroffen, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Samstag. (Nachricht)

Zur Omikron-Variante siehe das folgende Update 15:

Mit dem 15. Update, dem insgesamt 16. Vierte-Welle-Artikel unserer Corona-Berichterstattung beginnen wir eine neu Serie, die Updates bis 14 finden Sie hier. Denn heute beginnt eine neue Epoche im Zeitalter der Pandemie: Die Omicron- oder Omikron-Variante wurde erstmals in Deutschland gesichtet.*

Sie haben unser vermutetes Epsilon also Omikron genannt, ein paar Buchstaben übersprungen. Vermutlich, um dem Virus ein Schnippchen zu schlagen, die Zahl noch möglicher Mutationen betreffend, denn bei Omega ist bekanntlich Schluss.

Die SARS-CoV-2-Variante Omikron (englischOmicron), nach der PANGO-Nomenklatur auch als B.1.1.529 bezeichnet, ist eine Untervariante der Variante B.1.1 des Betacoronavirus SARS-CoV-2.[1] Die Variante wurde am 9. November 2021 erstmals in SüdafrikaBotswana und Hongkong identifiziert und erhielt am 24. November 2021 im Pango-Nomenklatursystem für SARS-CoV-2-Varianten die Bezeichnung B.1.1.529.[2] Sie wurde am 26. November 2021 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregende Variante (englisch: Variant of Concern) eingestuft und nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabetsbenannt.[3][4] (Wikipedia)

Ende November 2021 lag das Verbreitungsgebiet von Omikron hauptsächlich in Südafrika.[7] Anhand von Genomsequenzierungen wird vermutet, dass es sich in der südafrikanischen Provinz Gauteng ausgebreitet hat. Eine Infektion konnte bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika in Hongkong festgestellt werden,[6] eine weitere bei einem Rückkehrer aus Malawi nach Israel.[11]

Kurz darauf bestätigte Belgien als erstes europäisches Land eine Infektion mit der Variante Omikron bei einem Rückreisenden aus Ägypten.[12]. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Verdachtsfall bei einem am 26. November 2021 über Frankfurter Flughafen eingereist Reiserückkehrer aus Südafrika.[13]

Zwischen den oberen und den unteren beiden Absätzen, die wir aus der Wikipedia kopiert haben, liegt ein ganzer Horrorladen, dessen Auslage sich so zusammenfassen lasst: Es handelt sich bei der Variante Omicron um die gefährlichste, die bisher entdeckt wurde. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann es in Deutschland die Delta-Variante als Hauptquelle der Infektionen ablösen wird. Denn raushalten lässt es sich nicht, dazu ist die Welt zu sehr vernetzt. Vor allem gilt dies dann, wenn es bezüglich seines Infektionsverhaltens noch aggressiver ist als die bislang schärfste Variante Delta. Ein paar erste Eindrücke davon gefälltig, was uns erwartet?

Was wir vor ein paar Tagen noch als theoretische Möglichkeit beschrieben haben, wird also kommen und wir sind nicht einmal mit der vierten Welle gut fertig geworden.

Gemäß Umfragen erwartet die Mehrheit der Menschen hierzulande einen weiteren Lockdown, spricht sich aber tapfer für stärkere Maßnahmen aus. Es wird wohl auch nicht anders möglich sein, Delta endlich in den Griff zu bekommen und Omikron nicht zu einer Apokalypse werden zu lassen. Heute Morgen sprach sogar der nicht für seine Corona-Zurückhaltung bekannte Karl Lauterbach noch im Theorie-Modus darüber, dass es drei Monate dauern wird, bis die Impfstoffe an Omikron angepasst sein werden, falls es sich erweisen sollte, dass es die bisherigen Vakzine umgehen kann. Das finden wir sehr kurz, deshalb formulieren wir „anpassen“ und schreiben nicht von „neuen Impfstoffen“, wie Lauterbach es getan hat.

Die Inzidenz in Deutschland stieg von gestern auf heute noch einmal auf einen neuen Rekordwert (443 anstatt 438 gestern). Dies ist schon beinahe ein kleiner Sieg, denn die Steigerungsraten waren in den letzten Tagen noch viel stärker (44 Prozent von Freitag vergangener Woche bis gestern). Nun könnte man natürlich sagen, das Spiel geht von vorne los, wenn Omikron kommt, denn dann stehen andere Länder nicht mehr viel besser da als wir, die zuletzt mit großer Disziplin die Delta-Variante fast besiegt haben. Das ist leider komplett falsch, und um das zu verstehen, muss man kein Virologe sein: Aufgrund der anhaltend hohen Delta-Fallzahlen in Deutschland, die eine Nachverfolgung der Infektionswege nicht mehr durchgehend möglich machen, wird die neue Variante sich viel unbemerkter einschleichen als anderswo, zumal Tests bisher die neue Variante nicht identifizieren. Die niedrige Impfquote hierzulande wird auch bei der offensichtlich aggressiven Omikron-Variante wieder eine negative Rolle spielen, denn wer sich bisher verweigerte, wird sich auch bei Omikron erst einmal ähnlich verhalten und erst dann, wenn die Menschen wirklich sterben wie die Fliegen, wird ein Umdenken einsetzen. Dann ist es aber für viele Menschen zu spät.

Falls dieser Bericht Sie an einen der guten alten Apokalypse-Filme erinnert, dann liegen Sie nicht falsch. Nur, dass der Angriff eben nicht spektakulär auf einen Schlag stattfinden, sondern in Varianten. Für die Dramaturgie eines Untergangsfilms ist dieses Angreifen in immer stärkeren Wellen übrigens perfekt, darauf ist man bisher wohl noch gar nicht gekommen, obwohl es exakt dem Muster entspricht, das auch manche Kriege gezeigt haben. Ist es deshalb erlaubt, von einem Krieg gegen Corona zu sprechen? Wir meinen, es hilft bei der Imagination dessen, was uns bevorstehen kann. Wir können dann auch ohne rhetorisch einigermaßen kohärent feststellen, dass die Einschläge immer dichter kommen und die Politik bisher nicht in der Lage war, ausreichend Abfangjäger in die Luft zu bringen und Flak-Stellungen zu errichten und zu besetzen. Und obwohl es dieses Mal um einen Kampf für eine gute Sache geht, gibt es Deserteur:innen in hoher Zahl, die sich dem Feind geradezu in die Arme werfen und die übrigen Menschen im Stich lassen.

Und wie sieht es in der alten Frontstadt Berlin aus?

Corona-in-Zahlen

Man hat den Kampf also immerhin angenommen, zumindest statistisch gesehen, und es steht unentschieden. Was wir vor einigen Tagen schon angedeutet haben: Berlin könnte das erste Bundesland sein, in dem die Zahlen zurückgehen, ohne dass es zuvor ein Hotspot war. Um offen zu sein: richtig erklären können wir das derzeit nicht, denn auch in Berlin ist die Politik sehr maßnahmenzögerlich. Sollten die Menschen von selbst vernünftig sein, anders als bisher während dieser Pandemie? Abwarten. Die Messe ist noch nicht gelesen und der Krieg beginnt vielleicht erst richtig.

Die neuen Corona-Truppen, die bisher wohl am besten ausgerüstete Armee namens Omikron, ist noch gar nicht eingetroffen. Wir können es weiterhin schaffen, das Virus zu besiegen. Aber nicht, wenn wir so luschig weiterwurschteln wie bisher.

*Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels handelt es sich um einen Verdachtsfall, aber siehe die weiteren Ausführungen dazu, was sich daraus ableiten lässt.

TH

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