Bauen, bauen, bauen nur noch für Reiche, Eigentum für Privilegierte – wie politisch gewollt | Frontpage | Baupreise und Wohnungspreise steigen immer weiter

Frontpage | Wirtschaft Wandel | Baupreise ziehen davon

„Von November 2020 bis November 2021 stiegen sie um 14,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte. Das war demnach der höchste Anstieg der Baupreise gegenüber dem Vorjahresmonat seit August 1970, als die Preise binnen Jahresfrist um 17 Prozent zugelegt hatten.“[1]

Seit mehr als 50 Jahren. Das sagt uns etwas. Von 1969 bis just im Sommer 1970 hatten unsere Großeltern gebaut, mitten im Boom. Der Boom flachte ab, denn so stark stiegen schon damals die Einkommen nicht, wie die Bau-  und Bodenpreise es taten. Der erste merkliche Rückgang der Neubautätigkeit nach dem Krieg war die Folge und führte in den 1980ern zu einem starken Rückgang der Kapazitäten im Baugewerbe und bei Architekten und Ingenieuren. Die Spätfolgen nach einer langen Phase mit geringer Bautätigkeit: Dass gegenwärtig, wo wieder „bauen, bauen, bauen“ das Motto ist, in Städten wie Berlin die Bauwirtschaft nicht mehr mit dem Abarbeiten von Aufträgen nachkommt. Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus.

Bei der allgemeinen Inflation (zuletzt 5,2 Prozent) ist es ja nur der höchste Anstieg seit 30 Jahren, da kann man beinahe froh sein. Aber wo läge die Inflation, wenn auch die Baupreise in sie eingezogen würden? Das ist nämlich nicht der Fall, der „Warenkörbe“ wegen, die keine Bauleistungen, sondern nur Konsumgüter und Dienstleistungen des Alltags beinhalten.

Wäre dem jedoch so, dann würde erst das volle Desaster einer hochgradig verfehlten Politik in gleich mehreren Bereichen deutlich werden. Bereits im November 2021 hatten wir beschrieben, wie die stark ansteigenden Preise es immer mehr jüngeren Menschen verunmöglichen, Wohneigentum zu erwerben.[2] Wer nicht massiv erbt, muss schon einen exorbitanten Job haben, um trotzdem noch bauen oder kaufen zu können. Speziell in den Städten. Da aber die allgemeine Inflationsrate die Baupreisexplosion nicht berücksichtigt, wird schön nach Einzelphänomenen separiert, was Ausfluss derselben verfehlten Geld-, Sozial- und Wirtschaftspolitik ist.

Die nachfolgende Infografik von Statista[3] macht nun auch deutlich, wie auch die Baupreise das Ihre dazu beitragen, dass Wohneigentumserwerb wieder immer mehr zu dem wird, was er vor dem Versprechen „Wohlstand für alle“ war: Zum Luxus für Privilegierte. Vor allem bei Gewerken, bei denen die Rohstoffkosten eine entscheidende Rolle spielen, ziehen die Preise auf schwindelerregende Höhen davon. Insbesondere die Verteuerung von Bauholz bildet sich deutlich in den höheren Preisen ab. Da die Basis 2015 = 100 gewählt wurde, sieht man auch, dass die Preise von 2015 bis 2020 zwar ebenfalls schon deutlich gestiegen waren, aber innerhalb von fünf Jahren nicht wesentlich stärker als jetzt innerhalb eines einzigen Jahres. Wir sind schon so gespannt darauf, wie die Inflationsbeschwichtiger sich nun wieder herausreden werden, denn die Rohstoffe werden vorerst nicht wieder billiger werden und außerdem ist das, was jetzt geschieht, doch eine Annäherung an „ihren ökologischen Preis“, oder etwa nicht?

Begleittext von Statista:

Die Baukosten für neue Wohngebäude in Deutschland sind zuletzt deutlich angestiegen. Das zeigt die Statista-Grafik auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes (PDF-Download). Insbesondere Zimmer- und Holzbauarbeiten haben sich deutlich verteuert – im Vergleich zum Vorjahresmonat um ganze 30 Prozent. Auch Metallbauarbeiten, Entwässerungskanalarbeiten, Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten sowie Stahlbauarbeiten sind derzeit deutlich kostspieliger als noch vor einem Jahr. Vergleichsweise moderat ist da noch das Plus von 8,3 Prozent bei Fliesen- und Plattenarbeiten.

Der starke Preisanstieg am Bau trifft Deutschland in einer Phase, in der Immobilien ohnehin schon teurer werden. Besonders in den Großstädten Deutschlands wie München oder Stuttgart sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zu den Städten mit den höchsten Kaufpreisen für Eigentumswohnungen gehören regelmäßig München, Freiburg im Breisgau sowie Stuttgart. Dadurch haben immer weniger jüngere Haushalte die Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben, wie diese Statista-Grafik zeigt.

Auch die Baulandpreise steigen: in den vergangenen drei Jahrzehnten sind sie in Deutschland um über 360 Prozent nach oben geklettert. Das zeigt diese Statista-Grafik auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes. Kurz nach der Wiedervereinigung kostete ein Quadratmeter baureifes Land im Schnitt 43 Euro. Derzeit müssen Käufer dagegen rund 200 Euro pro Quadratmeter investieren. Am stärksten sind die Preise für Bauland in Berlin in die Höhe geschossen. 

In Berlin kommt also alles zusammen. Baulandpreiserhöhungen seit 2010 um teilweise mehr als 1000 Prozent und jetzt auch die steil ansteigenden Kosten für das Bauen selbst. Dies wird sich wiederum auf die Möglichkeiten besonders der staatlichen Wohnungsgesellschaften negativ auswirken, neu erstellten, günstigen Wohnraum anzubieten, ohne dass er massiv subventioniert werden muss. Bei den sogenannten Kapitalanlagewohnungen treibt die Spekulation die Preise ohnehin auf eine Höhe, bei der auch die aktuellen Entwicklungen sozusagen im Spiel inbegriffen sind. Aber dort ist es eben auch ein Spiel und gezockt wird auf Kosten der Ärmeren. Für jemanden, der nur zu halbwegs bezahlbaren Preisen wohnen will, ist es hingegen bitterer Ernst, dass die Möglichkeiten dazu immer schneller schwinden.

Zeit für uns, wieder vermehrt in den Mietenwahnsinn und die Darstellung der Wohnungswirtschaft einzusteigen, sozusagen vom Allgemeinen wie der obigen Darstellung ins Besondere vorzudringen? Schaumamal.

TH

[1] Höchster Anstieg der Baupreise seit mehr als 50 Jahren – Inflation – DIE RHEINPFALZ

[2] Chance auf Wohneigentum schrumpft (stark), Halbierung innerhalb von 11 Jahren | #Frontpage #Mieten #Wohnen | #Eigentum #Oben #Unten #Mietenbewegung #Mietende #Statista #Grafik #Wohneigentum – DER WAHLBERLINER

[3] • Infografik: Bauen wird deutlich teurer | Statista

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