Tequlia Sunrise (USA 1988) #Filmfest 701

Filmfest 701 Cinema

Mundet der Cocktail?

Tequila Sunrise – Eine gefährliche Mischung ist ein Actionfilm von Robert Towne aus dem Jahr 1988. Im Film spielen Stars wie Mel GibsonMichelle Pfeiffer und Kurt Russell mit.

Der Film war recht erfolgreich und die Stars darin angesagt, außerdem hat Robert Towne, der Gewinner des Drehbuch-Oscars für den berühmten „Chinatown“ (1974) Regie geführt. Die Story ist demgemäß auch wieder ein wenig komplex geraten, aber wenn man sich durch mehr als 1.000 Rezensionen für unsere Rubrik „Crimetime“ gekämpft hat, kann man sie immerhin verstehen. Mehr dazu steht in der –> Rezension. und feststellen, so gut wie die von „Chinatown“ ist sie bei weitem nicht. Das hängt mit einigen Unwahrscheinlichkeiten zusammen, wie etwa der Doppelfunktion des Freundes von McKussik als Dealer und Ermittler, mit dem Auftritt des Bundespolizisten Maguire. Mehr dazu steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

Der geschiedene Dale McKussic und Nicholas Frescia leben in einer Stadt in Südkalifornien, sie sind Freunde seit der Kindheit. McKussic, ein Drogendealer, will aus dem Geschäft aussteigen. Frescia ist ein Polizist. Frescia ist eigentlich verpflichtet, seinen Freund zur Strecke zu bringen.

Beide Männer werben um die Restaurantbesitzerin Jo Ann Vallenari. Als ihr Koch sich als ein illegaler Einwander erweist und verhaftet wird, erwirkt Frescia die Freilassung.

McKussic will noch ein letztes Drogengeschäft abwickeln. Der Ermittler Xavier Escalante erweist sich als sein Geschäftspartner. In einer Szene hält er in den Händen zwei Funkgeräte, mit dem einen kommuniziert er mit der Polizei, über das andere mit seinen Komplizen. Wie er sagt, ein Irrtum könne ihm mehrere Jahre Gefängnis bringen.

Am Ende realisiert Jo Ann, dass Nic sie nur benutzt hat, sie verliebt sich in Dale und beide werden ein Paar. 

Rezension 

Man kann unter diesen Umständen auch feststellen: So gut wie der Plot von „Chinatown“ ist sie bei weitem nicht. Das hängt mit einigen Unwahrscheinlichkeiten zusammen, wie etwa der Doppelfunktion des Freundes von McKussik als Dealer und Ermittler, mit dem Auftritt des Bundespolizisten Maguire.

Mel Gibson trägt immer noch fast die Frisur wie in „Mad Max“ (erster Teil), dafür ist Michelle Pfeiffer das optische und emotionale Highlight des Films. Bei Schauspielern ist man im Grunde niemals neutral, und seit ich sie in „Gefährliche Liebschaften“ (1987) zum ersten Mal gesehen habe, finde ich ihr Katzengesicht mit der vorstehenden Oberlippe hinreißend. Damit hat sie auch „Die fabelhaften Baker Boys“ beglänzt, den wir kürzlich hier vorgestellt haben und der ein Jahr nach „Tequlia Sunrise“ entstand. Durch letzteres Merkmal wirkt sie ein wenig wie eine Französin, wenn sie spricht, und der Reiz der Französinnen resultiert nicht zum geringsten Teil aus der Besonderheit, dass die Besonderheiten der Sprache diese Mimik anregen. Obwohl auch ihr Vorname französischen Ursprungs ist, Pfeiffer hat niederländisch-deutsch-schwedisch-schweizerische Wurzeln.

Dass ich sie so hervorhebe, liegt aber nicht nur an meinem persönlichen Geschmack – und hat doch wieder damit zu tun. Einer der Pluspunkte des Films ist für mich, dass ihre Figur auf eine Weise zwischen zwei Männern hin- und hergerissen ist, die sie unberechenbar macht, und das hat mich zwischenzeitlich mehr in den Film hineingezogen als die Handlung an sich oder das Schicksal der beiden Männer, um die es geht. Irgendwie fand ich Letzteres wohl nervenaufreibend und war auf der Seite von McKussic, obwohl ich kein absoluter Mel Gibson-Fan bin und sein Verhalten, sagen wir mal, mindestens so zweideutig ist wie das aller anderen Figuren.

Man kann dem Film nicht unterstellen, dass er in Schwarz-Weiß macht, wie so viele andere Genreprodukte, und es ist recht anstrengend, in jeder Sekunde auf eine menschliche Überraschung gefasst zu sein, die eben nicht, wie in einem guten Melodram, durch sorgfältige Charakterisierung abgefedert wird. In „Tequlia Sunrise“ hat man es mit einem Bündel graustufiger Figuren zu tun, welche jene Orientierung erschweren, die der amerikanische Filmzuschauer so schätzt. Sicher ist das mit ein Grund dafür, dass der Film bei den IMDb-Nutzern heute nicht besonders geschätzt wird. 6/10 sind angesichts der Besetzung und der doch recht gut entwickelten Spannung sowie des beliebten Themas und des kalifornischen Settings doch eher mäßig.

Es gibt nur eine wichtige Frauenfigur, bei den Männern aber zwei beinahe gleichrangige, und da macht Kurt Russell als Polizist Frescia den alerteren und präsenteren Eindruck gegenüber dem eigentlichen Star Gibson. Das für damalige Verhältnisse und einen inszenierungstechnisch nicht überragend aufwendigen Film hohe Produktionsbudget ist möglicherweise auf die hohe Gage für Gibson zurückzuführen, der ein Jahr zuvor mit dem ersten „Lethal Weapon“-Film (Rezension beim Wahlberliner folgt demnächst) zum Superstar und in den 1990ern einer der bestbezahlten Hollywoodschauspieler geworden war. In „Tequlia Sunrise“ gibt es aber verhältnismäßig wenig physische Action für den Actionstar Gibson und schon gar nichts „Hyperkinetisches“, wie es „Lethal Weapon“ und seine Fortsetzung und in der Folge viel US-Actionfilme kennzeichnete.

Finale

Der Film hat durchaus Sonnenaufgangs- oder -untergangsszenen vorzuweisen und in einigen Momenten im Michelle Pfeiffer oder McKussiks Sohn eine gute Emotionalität, die Figuren sind wegen ihrer Zwiespältigkeit interessant. Wer mehr übers Drogenbusiness wissen will, wird bessere Filme finden und als Thriller und Plotkonstrukt ist „Tequila Sunrise“ nicht erstrangig. Die Atmosphäre wird in den erwähnten intensiven Momenten spürbar, aber eine Art Grundstimmung, die auch visuell unterstützt wird, konnte ich nicht feststellen.

65/100

© 2022, Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2016)

Regie Robert Towne
Drehbuch Robert Towne
Produktion Thom MountTom Shaw
Musik Dave Grusin
Kamera Conrad L. Hall
Schnitt Claire Simpson
Besetzung

 

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