Eroberung vom Planet der Affen (Conquest of the Planet of the Apes, USA 1972) #Filmfest 736

Filmfest 733 Cinema

Sie wagen die Revolution

Eroberung vom Planet der Affen (Originaltitel: Conquest of the Planet of the Apes; korrekte Übersetzung: Eroberung des Planeten der Affen) ist ein Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1972 von J. Lee Thompson. Der Film stellt die Fortsetzung von Planet der Affen aus dem Jahr 1968, Rückkehr zum Planet der Affen aus dem Jahr 1970 und Flucht vom Planet der Affen aus dem Jahr 1971 dar.

Ich bin mir sehr sicher, dass ich „Flucht von Planet der Affen“ gesehen habe, der ein sehr berührendes Ende und auch zivilisationskritisches Ende hat. Aber er fehlt im Rezensionsbestand. Da im Moment die Zeit zu knapp ist, um ihn noch einmal zwecks Rezension anzuschauen, machen wir mit dem vierten Teil weiter, in dem es ziemlich dicke für die Menschen kommt, dann dieses Mal fliehen nicht wenige Affen von ihrem Planeten, sondern sind zahlreich genug, um die Revolution zu wagen.

Die bekanntesten Filme des Regisseurs J. Lee Thompson sind wohl „Ein Köder für die Bestie“ (1962) und „Die Kanonen von Navarone“ (1961), jeweils mit Top-Besetzung gefilmt, aber unter den etwa 50 Kinofilmen, die Thompson inszeniert hat, befinden sich auch viele mittelmäßige. Und dieser Affenstoff ist ohnehin schwer in den Griff zu bekommen, zumal es eine halbwegs logische Verbindung zwischen den insgesamt fünf Filmen geben sollte. Nur Franklin J. Shaffner, der 1968 das „Original“ oder den ersten Teil der Pentalogie mit Charlton Heston inszenieren durfte, war noch weitgehend frei in der Gestaltung, konnte auf ein Drehbuch zurückgreifen, das ebenfalls noch von den Zwängen des großen Zusammenhangs unversehrt war und das gelang so gut, dass es die vier nachfolgenden Filme auslöste. Wie der vierte der fünf gelungen ist, darüber mehr in der –> Rezension.

Handlung (1) 

Nordamerika im Jahr 1991: Zwanzig Jahre nach dem Tod der Schimpansen Cornelius und Zira ist deren Sohn (der nun Cäsar genannt wird) in der Obhut des Zirkusdirektors Armando erwachsen geworden. Damit niemand von seiner Existenz erfährt und alle weiterhin glauben, er wäre damals mit seinen Eltern gestorben, gibt es zwischen ihm und Armando ein Abkommen, in der Öffentlichkeit nicht zu sprechen und sich wie die primitiveren Affen zu bewegen.

Da vor acht Jahren aufgrund eines VirusZ innerhalb weniger Monate alle Hunde und Katzen starben, hielten sich die Menschen daraufhin als Ersatz für ihre ehemaligen Haustiere Menschenaffen, die sie sich aber immer mehr zu Dienstboten erzogen, was einer Sklavenhaltung gleichkommt.

Als Armando mit Cäsar durch die Stadt geht, um Plakate für seinen Zirkus zu verteilen, kann Cäsar die brutale Behandlung seiner Artgenossen nicht mehr ertragen und ruft unbedacht „grausame menschliche Bestien“. Obwohl Armando beteuert, dass er und nicht der Affe gesprochen habe, wird er vom Staatssicherheitsdienst vorläufig in Haft genommen. Zuvor hatte er Cäsar jedoch noch in Sicherheit bringen können und ihm aufgetragen, sich unter seine Artgenossen zu mischen, falls er am Abend noch nicht zurück sei. Am Hafen, wo gerade neue Affen aus Übersee angeliefert werden, mischt sich Cäsar demzufolge unter eine Ladung Orang-Utans aus Borneo. Bei einer Auktion wird er von Gouverneur Breck ersteigert und der Kommandostelle zugeteilt.

Nachdem Armando mehrfach verhört worden ist, soll er nun abschließend seine Aussagen durch den „Authentikator“ (ein Gerät, das die Menschen dazu zwingt, die Wahrheit zu sagen) verifizieren lassen. Da der Zirkusmann sich nicht anders zu helfen weiß, springt er aus dem Fenster in den Tod. Als Cäsar davon erfährt, bringt das etwas in ihm zum Überkochen und bewirkt, dass er im Untergrund eine Revolte der Affen gegen die Menschen organisiert. So lässt er von allen Affen nach und nach Gegenstände einsammeln, die als Waffen verwendet werden können. (…)

Rezension

Nachdem Zira und Cornelius im Jahr 1971 von bösen Menschen erschossen wurden, lebt 1991 deren Sohn Caesar als einziger sprechender Affe auf der Erde und wird zum Anführer der Revolution, die besonders im zweiten Film schon erwähnt wird. Allerdings geht der Übergang vom Planet der Menschen zum Planet der Affen in einem Tempo vor sich, das die Referenzen aus „Rückkehr zum Planet der Affen“, dem zweiten Film, nicht annähernd erwarten ließen. Das Problem war wohl, einen Film zu machen, der sich quasi über Jahrhunderte erstreckt und den Niedergang der menschlichen Zivilisation und den Aufstieg der Affen, transzendiert über einen Atomkrieg, der die Menschen zurückwarf und ebenfalls in „Rückkehr zum Planet der Affen“ thematisiert wird, in einen vernünftig organisierten Film zu packen. Einen Film, in dem die für die Identifikation des Zuschauers notwendige Figurenidentität und eine gewisse Begrenzung bei der Anzahl der Sets unverzichtbar war.

Da die Menschen, bis auf einen verständnisvollen Afroamerikaner, schon maximal böse sind, die Affen aber als Persönlichkeiten nicht sehr gut ausgeformt sind, wird dies allerdings schwierig. Man klammert sich geradezu an den humanistisch eingestellten Gourverneursberater MaDonald, einen Bruder jenes MacDonals aus dem dritten Teil, der schon als einer von wenigen Menschen Verständnis für Zira und Cornelius hatte – freilich gab es im dritten Teil davon mehr als im vierten. Eine weitere mögliche Identifikationsfigur, der Zirkusbesitzer, verstirbt rasch und Caesar ist erst einmal recht abstrakt in einer Welt von Menschen einerseits und Affenbrüdern und –schwestern andererseits, die bei weitem nicht seine eigene Entwicklungsstufe haben. Wie gut sie sich unter seiner Anleitung zur Revolution bereitfinden, ist daher sehr verblüffend, beweist aber, jeder Aufstand braucht nur einen rhetorisch und strategisch beschlagenen Kopf und schon geht’s los. Reale Rassenunruhen wie die Watts-Aufstände in Los Angeles, die mit als Vorbild für das Szenario von „Eroberung vom Planet der Affen“ dienten, waren unorganisiert und die Gruppen- oder Massendynamik glich eher der eines Lynchmobs.

Selbstverständlich spiegelt der Film den Rassismus in den USA, die Sklaverei, der die Affen ausgesetzt sind, ist schon mehr als deutlich an die Situation der Schwarzen im Alten Süden und die Revolution auf wenige Stunden zusammengepresste Bürgerrechtsbewegung der Marke Black Panther, nicht Martin Luther King. Trotzdem ist sie sachlich höchst zweifelhaft. Mag schon sein, dass ein lokaler Aufstand der Affen gelingt, auch wegen des Überraschungsmoments. Aber insgesamt haben die Menschen hier technologisch das Sagen und spätestens in der zweiten Runde würde die Armee herbeigerufen und beispielsweise aus der Luft eingreifen. Dass die Affen, die zuvor nicht einmal sprechen konnten, dann plötzlich fliegen lernen, das musste der Film zum Glück nicht zeigen, schlimm genug, dass sie schießen können, als wären sie ihr Leben lang darauf trainiert worden.

Man mag es dem Regisseur anlasten oder nicht, bei dem Drehbuch war nicht viel zu gewinnen und dementsprechend bewerten die IMDb-Nutzer heute den Film als den zweitschwächsten der Reihe (6,1/10) und der Metascore liegt bei recht bescheidenen 49/100.

Man mag dem Film zugutehalten, dass er unter dem Einfluss des Civil Rights Movements der 1960er Jahre, unter der Ägide des 1972 schon als verloren geltenden Vietnamkrieges und des geradezu apokalyptisch rasanten Zerfalls der politischen Kultur mit den vielen Morden der 1960er, der ebenso rasanten gesellschaftlichen Umwälzungen eine humanistische Botschaft im Stil der Zeit vertitt, wenn auch zugunsten von Affen, nicht von Menschen, weil die Menschen ja selbst als inhuman dargestellt werden. Der Gouverneur, der einen quasi-faschistischen Staat mit Sicherheitskräften, die nicht von ungefähr SS-Männern ähneln, regiert, eine kalte Welt, die in der Tat vom Layout einiges mit den echten 1990ern gemeint hat, die hier vorweggenommen werden, das ist schon ein wenig krude, wenn man bedenkt, dass nur 20 Jahre seit Ziras und Cornelius‘ Tod vergangen sind.

Andererseits: Zwischen den flippigen 1920ern und der totalitären Diktatur der Nazis, die schon Mitte der 1930er voll etabliert war und Deutschland ein komplett anderes Gepräge verlieh, war die Zeitspanne noch kürzer. Wenn man sich die 1980er mit ihrem konservativen Rollback in den USA betrachtet: Auf die aus den Fugen geratene Demokratie der USA (der Watergate-Skandal war noch gar nicht inbegriffen, da erst 1974 ans Licht gekommen) hätte auch ein solches System folgen können. Und wenn man bedenkt, wie die Nazis mit Zwangsarbeitern umgingen und wie die deutsche Industrie dabei freudig mitgemacht hat, kann man nicht sagen, die gesellschaftlichen Veränderungen seien in einer ohnehin grundrassistisch veranlagten Welt nicht denkbar. Einzig der hohe Intelligenz- und Organisationsgrad der Affen ist eher ein Zaubertrick, um eine lange Entwicklung zu raffen, die sich eigentlich im Zustand der Sklaverei gar nicht vollziehen dürfte. Das Gefährliche an der Sklaverei an sich, nämlich, dass sie keine geistige Entwicklung zulässt, weil den Herren daran nicht gelegen sein kann, wird außer Acht gelassen.

Was für den Film spricht, ist, dass er wieder einmal und mehr als Teil drei recht stylisch ist. Auch wenn sich der Rollkragenpullover letztlich doch nicht als Hemd-mit-Krawatte-Ersatz durchgesetzt hat, was man bei der Mode von 1972 durchaus hätte erwarten können, die schön rot-grün eingekleideten Schimpansen oder Gorillas und die Setgestaltung können sich sehen lassen – auch wenn die Nachfolgefilme stets günstiger gedreht werden mussten als das Original, bei dem sicher auch die hohe Gage für Superstar Charlton Heston eine preistreibende Rolle spielte.

60/100

© 2022 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017)

(1), kursiv, tabellarisch: Wikipedia

Regie J. Lee Thompson
Drehbuch Paul Dehn
Produktion Arthur P. Jacobs
Musik Tom Scott
Kamera Bruce Surtees
Schnitt Marjorie Fowler,
Allan Jaggs
Besetzung

 

 

 

 

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