Schlacht um den Planet der Affen (Battle for the Planet of the Apes, USA 1973) #Filmfest 754

Filmfest 754 Cinema

Das vorerst letzte Gefecht

Die Schlacht um den Planet der Affen (Originaltitel: Battle for the Planet of the Apes) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des Regisseurs J. Lee Thompson aus dem Jahr 1973 und der fünfte und letzte Teil der ursprünglichen „Planet der Affen“-Filmreihe. Der Film stellt die Fortsetzung von Planet der Affen aus dem Jahr 1968, Rückkehr zum Planet der Affen aus dem Jahr 1970, Flucht vom Planet der Affen aus dem Jahr 1971 und Eroberung vom Planet der Affen aus dem Jahr 1972 dar.

Die Kritik dramaturgisch geschickt aufzubauen, wäre auch eine Möglichkeit, aber jeder, der sich mit der originalen Affen-Pentalogie aus den Jahren 1968 bis 1973 beschäftigt hat, weiß, dass der letzte Film der schwächste ist und das habe ich auch so empfunden. In ihm kulminieren Probleme, die schon die übrigen Filme bei genaueren Hinsehen zeigen, zu einem Plot, über den man auch deshalb mehr kritisch nachdenkt, weil vieles andere schlechter gemacht ist als in den Vorgängern. Der Film wirkt einfach bis billig, die Kampfszenen trashig, wobei ich seltsamerweiseweise immer an den zweiten Mad-Max-Streifen denken musste, aber warum sollen sich nicht ein Film etwas von einem anderen abschauen und es besser oder wenigstens actionreicher machen. Es geht mehr um das Szenario, in dem einige devastierte Menschen auf eigentlich ausgedienten Kraftfahrzeugen in einer Welt, in der keine neuen mehr hergestellt werden, durch unwirtliches Land ziehen, auf dem Kriegspfad. Einen ziemlich schrägen Anführer gibt es auch schon. Was es sonst noch gibt, steht in der –> Rezension.

Handlung (1)

Nachdem die Menschen zum Ende des 20. Jahrhunderts die beiden sprechenden Schimpansen Cornelius und Zira töteten, überlebte deren Sohn Caesar und führte die Revolution der Affen an, um diese aus der Sklaverei zu befreien. Nach dem atomaren Holocaust der Menschen waren die Metropolen unbewohnbar geworden. Caesar führte eine Gruppe von überlebenden Affen und Menschen an, die auf dem Land eine neue Siedlung gründeten, in der Affen und Menschen friedlich, wenn auch nicht vollkommen gleichberechtigt, miteinander leben, da man bei einer führenden Rolle der Menschen Krieg und Gewalt und schließlich die Zerstörung der gesamten Erde befürchtet. Caesars Wunsch entsprechend ernähren sich nun auch die Menschen vegetarisch und essen keine Tiere mehr. Da den Affen in den Jahren der Sklaverei die Furcht vor dem Wort „Nein“ durch Elektroschocks konditioniert wurde, wurde den Menschen verboten, dieses Wort gegenüber Affen auszusprechen.

Der menschliche Lehrer Abe unterrichtet die Affen im Lesen und Schreiben. Der Gorilla-General Aldo nimmt nur widerwillig am Unterricht teil. Als er aus Wut ein Schriftstück von Caesars Sohn zerreißt, sagt Abe das unaussprechliche Wort zu ihm: „Nein“. Aldo und eine Gruppe Gorillas verwüsten daraufhin die Schule und verfolgen den flüchtenden Lehrer, bis Caesar dazwischen geht.

Caesar erklärt seinem menschlichen Freund MacDonald, dass er es bedauere, seine Eltern nicht kennengelernt zu haben und sie nicht mehr um Rat fragen könne, insbesondere weil sie aus der Zukunft gekommen seien und das Schicksal der Erde gekannt hätten. MacDonald rät ihm darauf, in die „verbotene Stadt“ (auch „tote Stadt“ genannt) zu reisen und sich dort die im atombombensicheren Archiv unter der Stadt gelagerten Magnetbandaufzeichnungen über Cornelius und Zira anzusehen, um mehr über seine Eltern zu erfahren. So machen sich Caesar und MacDonald zusammen mit dem weisen Orang-Utan Virgil auf die Reise. 

Rezension 

Eine Schwäche des zweiten Affenfilms deckt der fünfte gleich mit auf: Warum leben die Menschen unbedingt in dieser zerstörten und verseuchten Stadt und werden Opfer ihrer eigene nuklear verursachten Degenerierung, anstatt sich eine neue Gegend zu suchen, in der sie eine neue Zivilisation aufbauen können, die sie dann wieder durch eine Atombombe zerstören können? Die gleiche Frage wirft auch der ungleich besser gemachte „Rückkehr zum Planet der Affen“ bereits auf, aber hier springt sie wirklich ins Auge. Nun kann man sagen, warum leben Menschen in Nordschweden, wo das Klima an der Riviera doch viel bessere Laune macht? Warum ziehen Nomaden entbehrungsreich durch die Wüste, anstatt sich eine fruchtbare Gegend zu suchen, die dem Ackerbauzugänglich ist? Erstens haben es die Menschen mittlerweile dank weltweiter Medienverbreitung ausgecheckt und die Massenbewegungen nehmen zu – und außerdem ist das nicht das Gleiche wie freiwillig in einer Atomwüste dahinzuvegetieren., anstatt sie wenigstens, wie Hiroshima und Nagasaki, todesmutig wiederaufzubauen. Vegetieren? Wovon ernähren sich diese Menschen eigentlich? Bei anderen Unterwelt-Zivilisationen, die sich aus einem Atomschlag herausgebildet haben, wie den berüchtigten Morlocks aus „Die Zeitmaschine“ (1960) war die Sache klar: Sie mampfen Eloy, die niedlichen Oberweltmenschen, die sie zum Verzehr züchten. Das war eine wirklich gruselige Utopie-Dystopie, die zudem eine gegenseitige Abhängigkeit belegt, während die Affen und die Restmenschen in „Schlacht“ nebeneinander her leben, nicht einmal in großer Entfernung, trotzdem zwölf Jahre lang nichts voneinander wissen und dann durch eine Kette von Missverständnissen aufeinander losgehen, wobei die Menschen deutlicher als Aggressoren gezeichnet werden.

Die gesamte Konstruktion der sozialen Zustände hängt außerdem schief, denn der Anführer der Affen-Befreiungs-Revolution aus dem vierten Film, Aldo, ist wenig später zu einem primitiven Kriegstreiber geworden, der dafür sorgt, dass seine Gorilla-Militärtruppe zunehmend illoyaler gegenüber Caesar, dem König und Schimpansen geworden ist, der außerdem schnell eine Dynastie gegründet hat, die ebenso schnell erlischt, weil sein Sohn von Aldo vom Baum geholt wird und dabei so unglücklich fällt, dass er an den Folgen des Sturzes verstirbt. Womit auch das eiserne Gesetz gebrochen ist, dass Affen keine Affen töten. Damit soll der typische Gang entwickelter Gesellschaften gespiegelt werden, dass die Ansprüche und Aggressionen zunehmen und Unfrieden die zwangsläufige Folge ist. So gesehen, sollten sich sozialistische Utopisten auch diesen schwächeren Affenfilm mal genau anschauen und prüfen, ob nicht doch immer wieder bestimmte Individuen nicht solidarisch sind und versuchen, jedes, wirklich jedes System für ihre eigenen Zwecke und zur Hierarchiebildung zu nutzen. Auch hochentwickelte Affen sind da offensichtlich nicht anders und bestimmte Gruppen, die sich genetisch zudem von anderen bis zu einem gewissen Grad unterscheiden, haben Dünkel gegeneinander. Die Gorillas finden die anderen Affen schlapp und zu pazifistisch, die anderen die Gorillas primitiv. Das Verhältnis von Orang-Utans zu Schimpansen ist nicht mehr so klar wie im ersten Affenfilm, wo die Schimpansen das Management und die anwendungsorientierte Wissenschaft wuppen und die Orang-Utans als Philosophen, Religionsstifter, die spirituell geprägten Herrscher unterwegs sind.

Aber als die Menschen die Affenstadt oder das ziemlich primitiv gestaltete Affendorf angreifen, da sind es die Gorillas, die das Ganze verteidigen, zumindest in der ersten Linie. Roger Ebert hat dazu sinngemäß geschrieben, die Botschaft sie wohl, Pazifismus ist ein Nice-to-Have, solange man noch Leute hat, die den Kopf hinhalten, wenn der Angriff kommt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags auf dem Filmfest und im Frühjahr 2022 eine hochaktuelle Angelegenheit fast vor unserer Haustür.

Ob der Film so ironisch ist? Man rechnet es ihm kaum zu, aber in dieser Botschaft liegt ja eine Menge Wahrheit. Freilich gibt es auch eine Art abwehrbereiten Pazifismus, der besagt, wie kämpfen nur zur Selbstverteidigung. Das ist die Art von Pazifismus, die ich als Anti-Imperialist einerseits, aber mit einem natürlichen Selbsterhaltungstrieb ausgestattet, bevorzuge. Und so war die Affen-Armee wohl auch gedacht, deswegen wird sie auch erst im Verteidigungsfall bewaffnet und deshalb muss jeder Einsatz von Schusswaffen beim Waffenmeister, einem alten Orang-Utan, begründet werden. Dummerweise entwickelt sie sich jedoch zu einem Staat im Staat, weil es eine Berufsarmee ist, deren Führer Aldo die Zivilgesellschaft immer mehr herausfordert. Aber erst, als die Gorillaas die Waffenkammer plündern, sind sie in der Lage, den Unterweltmenschen Gegenwehr zu liefern.

Wenn man darüber nachdenkt, wie der Ausgangspunkt des ersten Affenfilms ausschaut, auf dem zeitlich wiederum der zweite basiert, beide sind viel weiter in der Zukunft angesiedelt als Nummer drei, vier und fünf, ist auch das Ende von Nummer fünf irgendwie schon ein Abgesang, denn wie sollte in Nummer sechs erklärt werden, dass Caesar schlussendlich eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft zwischen Affen und – guten – Menschen zulässt, die es anfangs nicht gibt, weil die Affen noch zu sehr verletzt sind durch die Sklaverei, die sie unter den Menschen erdulden mussten und es ihnen daher an Vertrauen für eine echte Gleichberechtigung mangelt. Schöne Allegorie zur Anwendung auf Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, das erst allmählich seine formale Souveränität zurückerlangt – und sie freiwillig wieder abgegeben hat. Am Ende aber gibt es diesese kulturell-ethnisch-speziesmäßige Vielfalt und wie konnte es dann viele Jahrhunderte später dazu kommen, dass die Affen doch über die Menschen herrschten? Das ist zu dem Zeitpunkt, als der erste Film beginnt. Da ist nichts mehr von der Einigkeit übrig. Es hätte eben eines sechsten Filmes bedurft, mindestens, um diese Lücke zu schließen, doch Nummer fünf war nicht mehr dazu angetan, weitere Fortsetzungen in Erwägung zu ziehen. Freilich: Wie bei jedem Franchise, das einmal funktioniert hat, gibt es ja „moderne“ Filme dazu, und die sind wiederum ein eigenes Kapitel.

Finale

Es ist der Lauf der Dinge im Filmgeschäft und überhaupt, dass man nicht auf dem Höhepunkt aufhört, sondern, wenn eine Idee so richtig totgeritten ist, und obwohl sich die ewige Rivalität zwischen Menschen und Affen noch ewig fortspinnen ließe, hat man 1973 einen Schlusspunkt gesetzt und die Affen dieser Welt nicht gefragt, ob sie mit dem Ergebnis dieser fünfteiligen Odyssee der Spezies zufrieden sind. Ich bin zufrieden, alle fünf Filme durchgestanden zu haben und vor allem Nummer Eins und Drei haben mich auf unterschiedliche Weise mitnehmen können.

57/100

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke (Entwurf 2017)

Regie J. Lee Thompson
Drehbuch John William Corrington
Joyce Hooper Corrington
(Story: Paul Dehn)
Produktion Arthur P. Jacobs
Musik Leonard Rosenman
Kamera Richard H. Kline
Schnitt Alan L. Jaggs
John C. Horger
Besetzung

 

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