Rückkehr zum Planet der Affen (Beneath the Planet of the Apes, USA 1970) #Filmfest 705

Filmfest 705 Cinema

Rückkehr zum Planet der Affen (Originaltitel: Beneath the Planet of the Apes, korrekt deutsch übersetzt: Unter dem Planeten der Affen) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1970 von Ted Post. Der Film stellt die Fortsetzung von Planet der Affen aus dem Jahr 1968 dar.

Hätte Stanley Kubrick nicht im selben Jahr seinen „2001“ herausgebracht, wäre der erste Planet-der-Affen-Film wohl der beste SF des Jahres 1968 gewesen. Kann die Fortsetzung das hohe Niveau des „Originals“ bzw. des Auftakts der Reihe halten? Dies und mehr klären wir in der –> Rezension.

Handlung (1)  

Ein Raumschiff von der Erde kommend macht eine Bruchlandung in einer Wüstenlandschaft auf einem unbekannten Planeten. An Bord befinden sich zwei Astronauten, Brent und der Kapitän. Ihr Auftrag lautet, den verschollenen Astronauten Taylor und seine Mannschaft zu finden. Als Brent kurz vor dem Absturz eine Überprüfung der Erdzeit auf den entsprechenden Instrumenten vornimmt, liest er das Jahr 4955 (im Originalton: 3955) ab. 

Da die beiden Astronauten dieselbe Flugbahn wie Taylor geflogen sind, geht Brent davon aus, dass Taylor und seine Crew ebenfalls abgestürzt sind. Als der Skipper kurz darauf stirbt und von Brent beerdigt wird, nähert sich ihm eine Frau auf einem Pferd: Es ist Nova, die stumme Frau, die im ersten Film der Reihe zusammen mit Taylor aus der Affenstadt geflohen ist. Brent entdeckt Taylors 
Erkennungsmarke, die sie um ihren Hals trägt, und bittet sie, ihn zu Taylor zu führen, doch stattdessen führt sie ihn direkt in die Stadt der Affen.

Dort findet gerade die Versammlung des Bürgerrats statt, wo Gorilla-General Ursus die Affen dazu aufhetzt, Gebiete in der sogenannten „verbotenen Zone“ militärisch zu erobern, um Land für Nahrung zu gewinnen und die dort vermuteten Menschen dem Affenvolk ebenfalls untertan zu machen. Ursus erklärt, dass nur die Affen die Fähigkeit besäßen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und nur ein toter Mensch ein guter Mensch sei.

Brent und Nova suchen die menschenfreundlichen Schimpansen Zira und Cornelius auf, die ihnen Proviant und neue Kleidung geben. Doch Brent und Nova werden bei ihrem Rückzug von Affen verhaftet und in den Zoo gebracht. Als beide sodann als Zielscheiben für Schießübungen verwendet werden sollen, ermöglicht Zira ihnen die Flucht. Als das entdeckt wird, werden sie von Ursus‘ Soldaten in die „Verbotene Zone“ verfolgt und müssen sich in einer unterirdischen Höhle verstecken. Dort erkennt Brent, dass es sich um die ehemalige U-Bahn-Station Queensboro Plaza von New York City handelt und er sich somit auf der Erde der Zukunft befindet.

In der Zwischenzeit holt sich General Ursus von den Orang-Utan-Priestern den Segen, um einen Heiligen Krieg gegen die Menschen zu führen. Als die Gorilla-Armee unter General Ursus zusammen mit Professor Zaius loszieht, stellen sich ihnen pazifistische Schimpansen in den Weg und demonstrieren gegen den Krieg. Die Gorillas lassen diese jedoch aus dem Weg räumen und marschieren weiter in Richtung der verbotenen Zone.

Rezension:  Anni und Tom über „Rückkehr zum Planet der Affen“

Anni: Irgendwas ist ungut, an diesem Film. Es fängt schon mit dem, wie so oft, enrweder blödsinnigen oder irreführenden deutschen Titel an. Kein Mensch hatte die Absicht, zum Planet – eigentlich „zum Planeten“ – der Affen zurückzukehren. Aber „beneath“, also „unter“ trifft es im englischen Original natürlich viel besser. Denn am Ende treffen sich alle im U-Bahn-System und in der schon durch einen ersten Atomkrieg teilweise eingeschmolzenen New Yorker Kathedrale – um dann endgültig den Planeten in die Luft zu jagen. Halleluja. 

Tom: Man mag von Charlton Heston halten, was man will, aber seine Präsenz hat viel zum Erfolg des ersten Affenplanet-Films beigetragen, da kommt sein Nachfolger James Franciscus, den ja heute auch niemand mehr kennt, nicht mit. Das merkt man vor allem, als die beiden einander treffen und aufeinander losgehen, aufgepeitscht durch mentale Manipulation, sofern dieser Begriff überhaupt gangbar ist. 

Anni: Und dann diese Klassengesellschaft, in der alle Affenarten fein säuberlich nach Mentalität unterschieden werden können, nicht nur nach Aussehen und Kleidung. Wenn man genauer hinschaut, bemerkt man eine Tendenz, die auch zwischen den Menschen immer wieder zu Missverständnissen sorgt: bestimmte Arten, Unterspezies oder eben Rassen haben bestimmte Eigenschaften, anstatt dass man sagt, in jeder dieser Rassen gibt es solche und solche. Dadurch wird verdeckt, dass das Kastensystem, das hier sehr stark ausgeprägt ist (viel stärker als im ersten Film, wir haben es ja in der Rezension dazu schon kurz angerissen) eben nicht menschlichen Kastensystemen entspricht, die, wären sie durchlässiger, zeigen würden, dass es nicht die Genetik ist, welche über die „Rasse“ bestimmt, sondern, wie jemand aufwächst, in welchem Umfeld, wie er sich entwickelt. Die Affen aber sind im Grunde charakterlich nicht nur prävalent, sondern fix definiert.

Tom: Und wie sind diese seltsamen Menschen zu interpretieren, welche die Atombombe anbeten, deren Vorgängerin ja schon weite Teile der Erde zerstört hat? Eine Kobaltbombe, ich weiß. Aber die Menschen, die sich zu einer Art Degeneration mit gleichzeitigen Hyperfähigkeiten hin entwickelt haben, können sich selbst nicht gegen die Affen wehren, sondern haben nur die Bombe als letztes Mittel, mit dem sie alles, auch sich selbst, vernichten. Ich bin mir nicht sicher, ob das philosophisch so komplex ist, dass ich es nicht verstehe, oder vielleicht zu plakativ und es steckt nicht viel dahinter. Grundsätzlich neu ist die Idee der in Unter- und Oberwelt gespaltenen Gesellschaft ja nicht, siehe H. G. Wells‘ „Die Zeitmaschine“, aber man versucht eine Differenzierung beider Welten und verwischt damit natürlich auch die klaren Aussagen, die Wells‘ hochgradig poetisches Werk und die ebensolche Verfilmung aus 1960 beinhalteten. 

Anni: Außerdem finde ich dieses zweite Raumschiff irgendwie doof, sorry. Ich hätte es lieber gesehen, wenn Taylor sich aus der Hand der Unterwelt-Hyperdegenerierten befreit und aktiv in den Kampf zwischen diesen Menschen und den Affen eingegriffen hätte. Und natürlich sind die Gorillas schuld. Würden sie nicht in die Todeszone drängen, wären die nicht mehr imperialistischen Menschen ja nicht gezwungen gewesen, die Bombe zu zünden. Die Affen mussten technologisch also gar nicht erst selbst so weit kommen, es hat gereicht, dass sie auf ein paar Nachkommen von ein paar übrig gebliebenen Homo Sapiens treffen, um ihre eigene Zivilisation und endgültig die Erde auszulöschen. Gut, dass es immer wieder diese schönen Zeitverschiebungen gibt, wie wir im dritten Film noch sehen werden, den ich übrigens nicht so schlecht fand – auch wenn er wirklich vom Muster noch viel einfacher ist als die ersten beiden Werke.

Tom: Der zweite Film hat leider auch etwas Epigonenhaftes. Die Affen wirken affiger, die Menschen gruseliger, der Nachfolger von Taylor, Brent, durchschnittlicher, ebenso der Film an sich. Die Musik und die Regie orientierten sich zwar an Teil Eins, kommen aber nicht heran an die tolle Atmosphäre, die der erste Film der Pentalogie aufweist. Alles ist irgendwie ein bisschen schlechter geworden und summarisch ergibt sich daraus ein um einiges schwächerer Film. Dass ich ihn auch als weniger spannend empfunden habe, lag an der geringen Identifikation. Gab es im ersten noch die Irritation, wem folgen, ZIra und Cornelius in ihrem Kampf um die Aufklärung oder Taylor und seiner Nova auf der Flucht, war man in Teil zwei ziemlich auf die beiden Schimpansen zurückgeworfen, die in eine viel plakativere Situation gestellt wurden. Dialogseitig finde ich Teil 2 sogar stellenweise besser, weil erwachsener, aber erst die skurrile menschliche Restzivilisation hat dann dafür gesorgt, dass der Film wieder ein bisschen besonders wurde. Ich gebe dieses Mal nur 7/10. 

Anni: Von mir sogar nur 6,5/10. Ich verstehe schon die Gesellschaftskritik, die auch dieses Mal wieder drin ist, aber sie ist mir zu aufgesetzt und erinnert in ihrer banalen Darbietung ziemlich daran, wie wir es immer wieder schaffen, durch Klischees die Wahrheit in Schubladen zu packen, anstatt die Vielfalt einfach mal hinzunehmen, wie sie ist. 

Tom: Wir müssen kategorisieren, um unsere Umwelt wenigstens ansatzweise verstehen zu können, das ist eben einer der Evolutonsfails, die dafür gesorgt haben, dass wir mental und ethisch weit hinter unseren technischen Möglichkeiten zurückgeblieben sind. Wenn man so will, spiegelt der Film das auf einer Meta-Ebene sehr gut. Was nicht heißt, dass es ein sehr guter Film ist. 

68/100

© 2022, 2017 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) und kursiv: Wikipedia

Stab und Besetzung: Regie Ted Post Drehbuch Paul Dehn (Story: Paul Dehn und Mort Abrahams, Figuren: Pierre Boulle) Produktion Arthur P. Jacobs Musik Leonard Rosenman Kamera Milton R. Krasner Schnitt Marion Rothman Besetzung James Franciscus: Brent Kim Hunter: Zira Maurice Evans: Prof. Zaius Linda Harrison: Nova Paul Richards: Mendez Victor Buono: Dicker Mann James Gregory: Ursus Jeff Corey: Caspay Natalie Trundy: Albina Thomas Gomez: Priester David Watson: Cornelius Don Pedro Colley: Negro Tod Andrews: Skipper Gregory Sierra: Verger Charlton Heston: Taylor 

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