Corona-Report 106/22 | Der lange Marsch +++ Lauterbach: Es kommt wieder! | Kurzreport

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14.05.2022 (hier zu 105/22 vom 11.05.2022)

Nur noch alle drei Tage ein Corona-Report, das ist doch ein Wort. Oder? Es liegt aber nicht daran, dass die Lage sich so rasant entspannen würde, sondern daran, dass sich nicht sehr viel tut. Es verharrt das Geschehen auf zu hohem Niveau. Allerdings it uns im Weltvergleich eine positive Entwicklung aufgefallen. Aber sie ist eben relativ und beruht darauf, dass andernorts die Zahlen teilweise wieder steigen.

Die bundeseite 7-Tage-Inzidenz hat sich in den letzten drei Tagen so entwickelt: heute 477, gestern 485, vorgestern 502. Wir haben in die Inzidenzgrafik heute eine kleine dunkelgrüne Trendlinie eingezeichnet, die belegt, dass die Dynamik der Inzidenzabnahme, die nach dem Ende der Oster-Nacherfassungen Fahrt aufnahme, deutlich erlahmt ist.

Einzelne Bundesländer, darunter auch Berlin (heute Inzidenz 378), verzeichnen wieder eine steigene Infektionsrate. Angesichts der hohen Temperaturen der letzten Tage ist das kein gutes Zeichen bezüglich des „Corona-Sommer-Bonus“, der besagt, dass das Infektionsgeschehen dann zurückgeht, wenn die Außentemperaturen ansteigen. Dem Virus wird unterstellt, dass es hohe Temperaturen nicht mag und sie seine Verbreitungsfähigkeit einschränken. Wird diese Tatsache durch Lockerungen konterkariert, gilt das für Omikron nicht gleichermaßen wie für die früheren Varianten und wie lange dauert es noch, bis endlich „Herdenimmunität“ erreicht ist?

In unserem gestrigen allgemeinen Briefing haben wir erwähnt, dass nur noch 7 Prozent der Menschen in Deutschland „corona-naiv“ sein sollen. Angesichts dieser Zahl sind die Infektionszahlen aber immer noch sehr hoch: Heute wurden 61.589 Fälle gemeldet, vor 8 Tagen waren es 72.252. Ein langer, steiniger Weg abwärts.

Und dann soll auch noch das böse Delta zurückkehren: Karl Lauterbach warnt davor, also stimmt es. Vielleicht ist es die allerdings bereits bekannte Killervariante, die er kürzlich in Aussicht gestellt hatte:

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat vor einer Rückkehr der Delta-Variante des Coronavirus gewarnt und die Beschaffung unterschiedlicher Impfstoffe angekündigt. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Eine Omikron-Welle im Herbst ist zwar wahrscheinlich. Aber selbst die gefährlichere Delta-Variante könnte zurückkommen“, sagte Lauterbach der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe) unter Verweis auf eine entsprechende Studie aus Israel. (Q)

Aber es gibt doch bisher gar keinen Omikron-Impfstoff? Die gute Nachricht folgt auf dem Fuß:

Die Bundesregierung rechnet im September mit einem Impfstoff gegen die Omikron-Variante. (Q. a. a. O.)

Wir schrieben mehrfach, mit einem an Omikron angepassten Impfstoff würden wir uns ein viertes Mal impfen lassen.

Nun zu weiteren guten Nachrichten. Die Todesfälle gehen  tatsächlich etwas deutlicher zurück. Wir haben es vorhergesagt: Ihre Zahl müsste dem nachlassenden Infektionsgeschehen folgen, wenn auch mit einem Zeitversatz, sonst wäre die Omikron-Variante ja doch gefährlicher, als die allgemein dargestellt wird. Wir haben wieder eine Durchschnittszahl von ca. 140 Fällen pro Tag erreicht, ähnlich wie zu Beginn der Omikron-Welle (7-Tage-Trend), über längere Zeit danach lag der 7-Tage-Trend bei übr 200. Ein Dauerzustand dürfen auch 140 Tote pro Tag an / mit Corona selbstverständlich nicht sein und deswegen ist es falsch, am Horizont bereits eine endemische Lage ausmachen zu wollen. 

Ob man hingegen die Verbesserung der deutschen Situation relativ zum Weltgeschehen als positiv ansieht, ist in der Tat Ansichtssache, denn zum Ausgleich muss es woanders ja schlechter laufen als zuletzt, weil sich insgesamt nicht viel ändert. Bezüglich der Zahl an Neuinfektionen lagen in den letzten 7 Tagen die USA wieder vorne und damit erstmals seit über einem Monat ein anderes Land als Deutschland. Weltweit stagniert das Geschehen (-0,3 Prozent in den vergangenen 7 Tagen gegenüber den vorausgehenden 7 Tagen), während es in Deutschland um 24 Prozent abgenommen hat. Dass dieser Rükgang seinerseits wieder abflacht, haben wir oben erwähnt. Uns wäre es am liebsten, die Infektionen würden überall zurückgehen, andererseits haben wir immer noch viel Nachholbedarf in Sachen Abbau der Neuinfektionen. In allen Ländern mit mehr Einwohnern liegt die Inzidenz niedriger. 

TH

11.05.2022 (hier zu 104/22 vom 08.05.2022)

Drei Tage zwischen zwei Corona-Reporten, wie konnte das passieren? Nun ja, es tut sich nicht so viel, mal steigt die 7-Tage-Inzidenz ein wenig, wie gestern, mal fällt sie ein wenig, wie heute. Dass dies kein befriedigender Zustand ist, versteht sich von selbst, denn eines ist evident: Der Rückgang der Neuinfektionen nimmt seinerseits ab. Man sieht das an der blauen Linie unserer Inzidenzgrafik, die von unten gegen Null strebt:

Im Moment verharrt also die Inzidenz bei Werten um 500 (bundesweit), heute ind es 507, nach 522 gestern. Die vorgestern erreichten 499 sind zwar der niedrigste Wert seit dem 15.01.2022, aber die Betonung darauf zu legen, wäre eine Art von Beschönigung. Tatsache bleibt nämlich, dass Deutschland weltweit die höchste Zahl an Neuinfektionen aufweist, auch hier schauen Sie bitte auf die blaue Linie der Grafik: kaum noch ein Rückgang im 7-Tage-Trend.

Immerhin, heute wurden 97.010 neue Fälle für gestern gemeldet, nach 107.000 am Tag zuvor, das sind auch rund 10.000 weniger als am Dienstag der Vorwoche. Wir hatten aber aufgrund der Entwicklung der letzten Woche gehofft, es würde jetzt gar nicht mehr zu Zahlen über 100.000 kommen. Auch die Todesfallzahlen bilden kein sehr entspannendes Bild:

Vorgestern und gestern lagen die Zahlen wieder über 200 (bei 231 bzw. 214), der 7-Tage-Durchschnitt pendelt derzeit um 170, die niedrigeren Meldezahlen am Wochenend senken ihn unter das, was wir während der Werktage sehen. Wir finden 170 Tote an / mit Corona täglich zu viel, dabei bleibt es, zumal der Eindruck sich verfestigt, dass Deutschland offenbar Dauerweltmeister bei den Neuinfektionen sein möchte. In dne vergangenen 7 Tagen fanden hierzulande 14,9 Prozent aller weltweiten Neuinfektionen statt bzw. wurden gemeldet, weiterhin ereigneten sich hier 6,8 Prozent aller weltweit registrierten Corona-Todesfälle. Angesichts eines deutschen Anteils an der Weltbevölkerung von 1,05 Prozent sind beide Ziffern viel zu hoch und es ist keine Besserung in Sicht. Hartnäckig weigert sich das Geschehen hierzulande, sich relativ zur Weltsituation zu verbessern. Deutschland und die USA, die viermal mehr Einwohner haben, sind gegenwärtig die einzigen Länder, in denen es zu mehr als 1.000 Corona-Toten pro Woche kommt (D = 1.039, USA = 1.621, aber mit fallender Tendenz, während die Lage bei uns, siehe oben, stabil unbefriedigend bleibt).

Woher diese schon weit dem Einsetzen der ersten Omikron-Welle extrem hohen deutschen Zahlen kommen, darüber kann man nur spekulieren, zumal alle anderen Länder mit ganz unterschiedlichen Strategien wesentlich mehr zur Ruhe gekommen sind. Bei uns wirkt die Lage zwar auch ruhig, aber nur deswegen, weil sich alle in typisch deutscher Manier voll auf das Ukraine-Thema stürzen. Für mehr als ein Thema ist bei den Menschen in diesem Land kognitiv kein Raum und deswegen fällt nicht auf, dass dringend darüber gesprochen werden müsste, warum die Corona-Situation hierzulande sich nicht deutlicher verbessert.

Die Zahl der freiwillig MNS tragenden Personen geht weiterhin anteilig zurück, so unser Eindruck und beträgt z. B. beim Einkaufen noch knapp über die Hälfte. Wir waren heute zum zweiten Mal ohne unterwegs, weil wir vergessen hatten, wieder eine oder zwei in unsern gestern frisch gewaschenen Rucksack zu tun wir sind nicht zurückgefahren, obwohl der Weg nicht sehr weit gewesen, der Zeitverlust nur 10 Minuten betragen hätte. Alternativ hätten wir in der Apotheke unseres kleinen Einkaufscenters eine FFP2-Maske erstehen können. So teuer sind sie ja nun nicht mehr. Wir haben’s aber nicht getan und das sagt einiges. Es besagt aber nicht, dass wir nicht morgen wieder den Weg weiterverfolgen werden, erst bei Inzidenz 150 offiziell Schluss mit dem MNS zu machen, gegenwärtig liegt sie in Berlin bei 338. Außerdem gelten in unserer Firma die Hygienemaßnahmen einstweilen fort, wie sie für die gefährliche Delta-Variante eingerichtet worden waren. Heißt, Hände desinfizieren bei Eintritt ist Pflicht und immer, wenn wir uns vom Abeitsplatz erheben und umherwandern, wird die Maske aufgesetzt. Bisher gab es bei uns noch keinen offiziellen Corona-Fall.

Und was sagt der Gesundheitsminister, der in den letzten Tagen aufgrund der monothematischen Ausrichtung der Aufmerksamkeitsökonomie vielleicht gar nicht so sehr zurückgehalten hat, wie es wirkt, aber zuletzt auch nicht mehr in jede Talkshow eingeladen wurde? Gestern war das wieder der Fall und hier können Sie nachlesen, wie er dabei gewirkt hat. Überraschende Wende in Corona-Politik: Lauterbach gegen „Einsperrmaßnahmen“ heißt es bei Telepolis zum gestrigen Gespräch bei Sandra Maischberger. 

„Auf das Hü folgte nur das Hott: Lauterbach ging – erneut in einer Talkshow – seinen eigenen Warnungen auf Distanz: Lockdowns, sozusagen die Bazooka der Pandemiemaßnahmen, werde es auch eine (bei einer, A. TH) Zuspitzung nicht geben, sie seien sinnlos. Angesichts von massiver Kritik der Ärzteschaft ist von der Killer-Virus-Warnung indes nichts mehr zu hören.“

Fällt uns nicht erste seit gestern auf, dass etwas Distanz zu Lauterbachs Aussagen nicht schaden kann, um die Contenance zu bewahren, aber historisch betrachtet, bleibt es richtig, dass er im ersten Corona-Jahr der Mahner und Warner Nr. 1 im Land war, als andere Politiker:innen problemlos ein Massensterben akzeptiert hätten, wenn sich Corona nicht so verharmlost hätte, wie wir es mittlerweile sehen. Uns bleibt sehr ungut in Erinnerung, dass einige Freiheit mit Ignoranz und Inkaufnahme unendlich viel Leids gleichgesetzt, Empathie und Vorsicht gegen eine rüde, darwinistische Form von Freiheit ausgespielt haben. Da wir die Parteien, denen diese Apostel der rüden, egoistischen Form von Freiheit üblicherweise angehören, ohnehin nicht mögen und nicht wählen, hat sich für uns nicht dadurch viel geändert, dass Lauterbach in seiner Position als Gesundheitsminister zu volatil wirkt. Dafür handelt Kanzler Scholz, auch SPD, derzeit so besonnen, an den Konsequenzen orientiert und frei von gefährlicher Eitelkeit wie kaum ein anderer Spitzenpolitiker. Wir hingegen beweisen mit dieser Anmerkung, dass wir zwei Themen im Blick behalten können. Dies, obwohl Lauterbachs gestriger Auftritt nicht einmal dazu geführt hat, dass sein Name bei Twitter trendet. Das sind schon wieder andere Zeiten.

TH

08.05.2022 (hier zu 103/22 von vorgestern)

Es ist Sonntag und die Sonne scheint, in den nächsten Tagen wird es schon richtig sommerlich werden, wenn die Wettervorhersage recht behält. Was macht das Corona-Virus, das sich bei solchen Bedingungen regelmäßig zurückzieht? Es zieht sich zurück. Allerdings auf eine zu gemächliche Art und Weise, wie wir finden.

Der 7-Tage-Trend des täglichen Inzidenz-Rückgangs zeigt eine sinkende Tendenz, die blaue Kurve auf unserer Grafik steigt also an. Nun könnten wir sagen: Bis unser persönlicher Inzidenz-Grenzwert von 150 erreicht ist (heute 514 bundesweit), dauert es doch bei aktuellem Tempo (-3 Prozent pro Tag innerhalb der letzten 7 Tage) nur noch 40 Tage! Auch die Neuinfektionen liegen heute mit nur ca. 8.500 niedriger als an jedem Sonntag (Meldetag) seit dem Beginn unserer täglichen Erfassung am 24.12.2021 und es sind die zweitniedrigsten seit diesem Zeitpunkt insgesamt (am vergangenen Montag war der bisherige Niedrigststand mit nur ca. 4.000 Infektionen erreicht worden, wir erwarten auch morgen wieder niedrige Zahlen). Auch die Todesfallzahl ist mit 10 recht gering, ein typischer Wochenendwert freilich.

Nur noch einen Monat oder etwas mehr bis zum „Tag der Befreiung“? Eigentlich ist er doch schon heute. Jedenfalls ist das nicht viel, wenn man bedenkt, wie lange uns diese Pandemie nun schon beschäftigt. Wir wären demnach an einer Stelle, an der es um den Endspurt geht, noch einmal Augen zu und durch und fertig.

In Berlin liegen wir sogar unter dem Bundesschnitt (heute 338), in weniger als einem Monat ist endlich wieder Normalität angesagt, sofern man das bei einer Indzidenz von 150 behaupten kann und solange man das behaupten kann, wenn die Todesfallzahlen weiterhin so hoch bleiben, wie sie im Moment sind. Aber auch sie sollten natürlich sinken, wenn die Infektionszahlen weiter sinken, mit einer Zeitverzögerung. Da merkt man auch schon, offenbar gab es dabei sogar einen Osterrabatt. Trotzdem muss man festhalten: Die deutschen Neuinfektionszahlen weisen darauf hin, dass wir an der Herdenimmunität arbeiten, nicht an deren Vermeidung.

Wir holen immer noch nach, was in Ländern, die sehr offensiv waren bei der Beendigung der Corona-Maßnahmen, schon „durch“ ist. Wir haben mehrfach geschrieben, dass es einer sehr genauen, zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht möglichen Analyse bedarf, um zu sehen, welche Strategie am Ende die richtige war. Ob gar das deutsche Hin und Her auch nicht schlimmer abgeschnitten hat als Zero Covid oder gezielte Durchseuchung, die beiden Extrempositionen. Außerdem bedürfte es zuverlässiger Zahlen, wenn sie denn mal vorliegen werden, und diesbezüglich sind wir ganz und gar nicht vertrauensvoll. Länder, bei denen jedwedes Super-Management zur Staatsräson gehört, die also auch aus der perfekten Strategie gegen Corona propagandistische Narrative ableiten, werden uns niemals wirklich hinter die Kulissen schauen lassen. Wenn wir bei Propaganda sind: Russland gehört wohl nicht zu den „Versteckern“, die Todeszahlen dort werden als sehr hoch angegeben.

Ob es in Wirklichkeit noch mehr sind, darüber darf man nachdenken, das trifft auf westliche Länder aber auch zu. Wir erinnern auch gerne wieder daran, dass es auch vom Verhalten der Menschen abhängig ist, wie realistisch Infektionszahlen sind: Je weniger getestet wird, desto mehr Infektionen laufen unter dem Radar durch. So gesehen, ist auch die Letalitätsrate geringer, als wenn man nur die offiziellen Zahlen vom RKI heranzieht, wie wir das für unsere Darstellungen tun. Es gibt ja auch keine anderen als diese Zahlen. Einige Publikationen, etwa die Zeit, versuchen, die reale Lage kunstvoll ein wenig besser abzubilden, aber die dort ausgewiesenen höheren Inzidenzwerte sind wohl ebenfalls viel zu niedrig, wenn man die unerkannten Fälle mitzählt.

Wenn man den Zahlen nicht traut, kann man allerdings auch sagen: Alles ist relativ und stimmt es überhaupt? Zum Beispiel unsere häufig ausgedrückte Unzufriedenheit mit den deutschen Zahlen im Weltvergleich. Auch in den vergangenen 7 Tagen war Deutschland wieder das Land mit der höchsten Zahl an Neuinfektionen, sie gingen auch langsamer zurück als im Weltdurchschnitt (-12 Prozent gegenüber -15 Prozent weltweit), ein ähnliches Bild bei den Todsfallzahlen (-24 Prozent weltweit, Deutschland -21 Prozent). Auf Platz 2 bei den Neuinfektionen und Platz 1 bei den Todesfallzahlen jetzt wieder die USA, wo in den letzten 7 Tagen ein leichter Anstieg (+4 Prozent) bei den Neuinfektionen zu verzeichnen war. Nachdem in Südkorea, das eine Zeitlang auf Platz 1 bei den Neuinfektionen, dann auf Platz 2 hinter Deutschland lag, das Gröbste überstanden zu sein scheint (aktuell Platz 6 weltweit), schiebt sich nun ein weiteres Land nach vorne, das bisher durch herausragendes Corona-Management auffiel: Taiwan, das derzeit bezüglich der Neuinfektionen auf Platz 7 der Welttabelle rangiert. Allerdings bisher mit offiziell vergleichsweise sehr wenigen Todesfällen (insgesamt 869, Stand 06.05.2022).

TH

06.05.2022 (hier zu 102/22 von gestern)

Wir schicken Sie und unsere Berichterstattung über Corona ins Wochenende mit weiterhin positiven Zahlen von der Pandemie. Mittlerweile ergibt es in der Tat Sinn, über den endemischen Zustand nachzudenken, aber ist er bereits erreicht? Derweil flammt die Diskussion um Impfnebenwirkungen erneut auf, wir haben vorgestern bereits sozusagen auf persönlicher Ebene darauf hingewiesen.

Dabei hatte unser Gesprächspartner einen Vorgang an der Berliner Charité erwähnt, an der auch Christian Drosten forscht, den wir gestern am Abend nachlesen konnten.

Die Inzidenz fiel von gestern auf heute moderat, von 566,8 auf 553,1 (-2,40 Prozent), die Neuinfektionszahlen, die heute veröffentlicht wurden, im Vergleich zum Freitag der Vorwoche um ca. 16.500, auf jetzt 85.073. Die die gestern gemeldete Zahl der Todesfälle an / mit Corona beträgt 214. Bei allen diesen Ziffern zeigt die Wochentendenz nach unten, aber im Moment nicht sehr deutlich. Wird die zweite Maiwoche die erste seit der 2. Januarwoche werden, in der wir „nur“ noch fünfstellige Neuinfektionszahlen pro Tag sehen werden, am Wochenende sogar vierstellige? Ausgeschlossen ist es nicht, aber die Abschwächung der positiven Tendenz, die seit zwei Tagen zu beobachten ist, lässt keine eindeutige Aussage in diese Richtung zu.

Weil sie das etwas glattere, harmonischere Bild zeigt, zeigen wir wiederum heute die Neuinfektionen-Grafik, nicht die der Inzidenz, die zuletzt so starke Schwankungen aufwies:

Charité-Forscher fordert Ambulanzen für Impfgeschädigte ist ein Artikel des MDR überschrieben, in dem es unter anderem heißt, darüber müsse diskutiert werden, ohne dass man als Impfgegner gilt und in dem es um die Forderung geht, ambulante Angebote für Impfgeschädigte einzurichten.

Der Kern einer großangelegten Studie der Charité mit 40.000 Teilnehmenden: Die tatsächliche Zahl an Impfschäden könnte 40-mal höher sein, als das Paul-Ehrlich-Institut sie bisher ausgewiesen hat. Wir hatten an anderer Stelle negativ vermerkt, dass das Institut seinerseits vor einiger Zeit die Impfschadensdatenbank geschlossen oder dem Blick der Öffentlichkeit entzogen hatte. Dies wiederum würde die Hochrechnung, die seitens einer Krankenkasse vor einiger Zeit erstellt wurde und von ca. 600.000 Impfschäden, auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, mindestens überwiegend rehabilitieren, die bereits vehement in Zweifel und angeblich widerlegt wure. Der Charité trauen wir auf jeden Fall zu, dass das, was von hier aus in die Öffentlichkeit getragen wird, Hand und Fuß hat.

Der Chef der „Provita“, wie die angesprochene Kasse heißt, musste damals wegen seiner These zurücktreten, die auf eine Impfschadensquote von knapp einem Prozent hinauslief. Was damals so viel Wind verursacht hat, sei allerdings, und das ist leider wohl die Normalität und das Risiko, das alle einzugehen haben, die sich durch Impfen schützen wollen: 8 von 1.000 Geimpften müssen mit schweren Nebenwirkungen rechnen. Wie sieht also die Risikoabwägung aus? Ist das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, höher als 8 von 1.000, und zwar nicht auf die Zahl der offiziell Infizierten, sondern auf ca. 77 Prozent der Bevölkerung gerechnet, denn so hoch ist die Zahl der jenigen, die aktuell mindestens zwei Mal geimpft sind. Von diesen schweren Nebenwirkungen klingen 80 Prozent nach drei bis sechs Monaten ab, 20 Prozent führen zu dauerhaften Schäden, das betrifft also 1,6 Promille des mindestens zwei Mal geimpften Teils der Bevölkerung. Diese Zahl müsste man mit derjenigen der Long-Covid-Opfer zuzüglich der Todesfälle an / mit Corona in Bezug setzen, um zu einer fundierten Risikoabwägung zu gelangen. Dummerweise wird bei den Todesfällen niemals festgestellt werden können, wer nun genau wegen Covid oder nur mit Covid verstorben ist.

Damit das möglich ist, müssten alle Covid-Infizierten, die versterben, obduziert werden, was nicht der Fall ist. Also wird uns am Ende als Zahl neben  Long-Covid-Werten nur die Übersterblichkeit als Anhaltspunkt bleiben. Dass es eine Übersterblichkeit während der Pandmie gab, scheint bereits belegt zu sein, erstmals seit vielen Jahren verstarben 2021 in Deutschland mehr als eine Million Menschen. Das ist auch unter Einschluss anderer Faktoren, wie der steigenden Anzahl sehr betagter Personen mit hohem Sterberisiko, eine deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegende Zahl, höher auch als die Sterbeziffer des Jahres 2018, in der sich die Auswirkungen einer heftigen Influenza-Welle spiegelte.

Ergänzung am 07.05.2022: Über „Impftote“ wird in der von uns bezogenen Nachricht keine Aussage getätigt, selbstverständlich wäre es diese Zahl, die mit der Zahl an „Toten wegen, nicht nur mit Corona“ in Abgleich gebracht werden müsste, um das Impfrisiko besser bewerten zu können. Das ist aber nicht möglich, siehe oben, weil „an“ oder „mit“ nicht sicher feststeht und weil in Bezug auf „Impftote“ ebenfalls eine Kausalität sicher nachgewiesen werden müsste. Zuletzt hängt es immer vom Individuum ab, wie es optiert und ob es z. B. Vorerkrankungen aufweist, bei denen die Gefahr eine gefährlichen Verlaufs von Corona erhöht wäre oder ob z. B. schon früher eine nachteilige Reaktion auf Impfungen vorgelegen hat.

Wenn man einen Schritt zurücktritt und kurz nachdenkt, kommt man immer noch zu einer Logik, die eher deswegen zu einer überraschenden Darstellung führt, weil man offenbar mit den geringen Zahlen, die das Paul-Ehrlich-Institut ausgewiesen hat, den Eindruck erwecken wollte, dass die Anti-Corona-Impfstoffe sehr viel seltener Nebenwirkungen als alle anderen Impfstoffe haben. Es ist eben ein Unterschied, ob etwas realistisch ist und auch so kommuniziert wird, oder ob so getan wird, als sei mit einem Mal die beste aller Welten, fast ohne Risiko, ausgebrochen. Psychologisch gesehen, entsteht so der Effekt, dass wir wieder einmal behumpst wurden. Und das fördert das Abdriften in Verschwörungstheorien und eine radikale Impfgegnerschaft, die auch gemäß den nun veröffentlichten Charité-Zahlen nicht gerechtfertigt erscheint.

Ein Tipp für alle, die der Ansicht, dass 8 Promille eindeutig, 1,6 Promille immer noch etwas zu viel sind, zum Beispiel, um sich trotzdem impfen zu lassen oder eine sichere Reise mit dem eigenen SUV, für die haben wir etwas noch Größeres entdeckt: Das 9-Euro-Ticket der DB nach Sylt. Das trendet gerade auf Twitter. Der Klassenkampf geht weiter! Vielleicht ein kleiner Tipp an Menschen, die gerade dabei sind, einen (weiteren) Sylt-Roman zu schreiben und ein paar originelle und echte Ereignisse brauchen, um selbigen anzureichern. Das Datum für die Sause steht auch schon fest, jeder kann günstig dabei sein. Worauf einen Corona alles bringt, nicht wahr?

TH

05.05.2022 (hier zu 101/22 von gestern)

Der heutige Donnerstag zeigt ein weiter erfreuliches Lagebild. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 566,8 (gestern 591,8), seit langer Zeit sinkt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mitten in der Woche unter den Wert von 100.000 (96.167).

Genauer: Dies ist erstmals seit dem 14. Janur 2022 der Fall, als die Omikron-Welle (BA.1) rasch hochstieg. Die Bundesländer weisen Werte von 315 (Thüringen) bis 843 (Schleswig-Holstein) auf, Berlin liegt mit 415 im oberen Mittelfeld und damit deutlich besser als die bundesweite Inzidenz. Trotzdem haben wir heute, zum Ausgleich für den gestrigen Lapsus, wieder schön unseren MNS getragen, als wir in der Mittagspause einkaufen waren.

Allerdings im Kiez, in vertrauter Umgebung. Zuvor hatten wir uns im Wege eines Termins getraut, einem bekennenden Imfpgegner die Hand zu schütteln und sind gespannt, was die Corona-App nun anzeigen wird. Vermutlich gar nichts, weil die Person sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verwendet. Im Grunde war das ein richtiges Ereignis, mehr als zwei Jahre lang haben wir niemanden mehr berührt, der nicht unserem engeren Umfeld angehört. Zu einem der Themen des Gesprächs passt ganz gut der heutige Trend #Impfschaeden. Die einen haben Impfgeschädigte, die andere Corona-Todesfälle im (erweiterten) Kreis. Wir zählen zu Letzteren. Aber auch im Kiez bröckelt es nun. Die Maskenträger:innen bestimmen zwar beim Einkauf im LEH noch das Bild, mit einem Anteil von ca. 65-70 Prozent, Tendenz sinkend.

An der Ansicht, dass wir mittlerweile Herdenimmunität erreicht haben, weil fast alle geimpft oder genesen sind, manche Letzteres, ohne es bemerkt zu haben, dürfte etwas dran sein. Umso mehr nimmt es Wunder, dass Deutschland weiterhin im Weltvergleich die Nr. 1 beim Neuinfektionsgeschehen bleibt. Vielleicht wird woanders noch weniger getestet. Die Parameter sind nicht mehr vergleichbar mit jenen während der ersten Wellen, als viele Länder bezüglich der Testquoten davonzogen.

Eine Zahl hat sich sogar wieder ins Negative gedeht: Weltweit nahmen die Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen gegenüber den vorherigen 7 Tagen um 18 Prozent ab, in Deutschland sind es nur -12 Prozent. Eine mühsamer, sehr mühsamer Weg zurück zur Normalität. Aber, um die Verschwörungsluft ein wenig aus dem Corona-Reifen mit den vielen Spikes drauf zu lassen: Warum sollte ausgerechnet in Deutschland die Regierung mehr als in allen anderen Ländern die Menschen weiterhin in Angst halten wollen? In den USA, dem Land, von dem alle Verschwörungen bekanntlich ausgehen, liegt die Inzidenz nur noch bei 129,3 (sie war allerdings vor ein paar Wochen schon auf einen zweistelligen Wert gesunken).

Bei der Inzidenz liegt Deutschland aktuell auf Rang 23, höhere Werte haben allerdings bis auf ein paar Ausnahmen wie Australien, Neuseeland, Portugal, Italien und weiterhin Südkorea nur kleine Territorien, die man aus der Gesamtrechnung exkludieren sollte. Tut man das, landet Deutschland auf Platz 6 oder 7. Alle Länder mit höherer Inzidenz weisen geringere Einwohnerzahlen auf, sodass dieses Ranking sehr wohl damit übereinstimmen kann, dass Deutschland nominal die weltweit höchste Zahl an Neuinfektionen verzeichnet (im Sinne von meldetechnisch erfasst).

Die Zahl der Todesfälle an / mit  Corona sinkt weiter leicht, heute wurden 183 weitere Opfer gemeldet. Wir müssen es nicht jeden Tag wiederholen, tun es aber heute doch einmal wieder: Das sind zu viele. Deswegen dürfte eine Nicht-Corona-Politik nicht die Lösung sein. So läuft es derzeit aber.

TH

04.05.2022 (hier zu 100/22 vom Montag)

Wir haben es gesagt. Wenn das Geschehen sich beruhigt, lassen wir Sie auch mal für den einen oder anderen Tag mit unseren Corona-Reporten in Ruhe. Gestern war so ein Ruhetag.

Zum Dank haben Sie uns gestern eine der schwächsten Zugriffszahlen des Jahres 2022, wenn nicht sogar die schwächste überhaupt, beschert. Es geht nichts über Gewöhnung, wir verstehen das schon. Außerdem muss man die Corona-Report so ersetzen, dass sie wirklich als Ersatz wahrgenommen werden, und das gelingt uns an Arbeitstagen aus Zeitgründen nicht immer. Aber die Pressefreiheit ist doch auch wichtig, oder? Seufz.

Heute kommt es noch schlimmer, weil persönlich. Erstmals seit März 2022 wieder ohne Maske beim Lebensmittelhändler gewesen. Weil vergessen und der Händler war jwd und die Zeit zu knapp, um noch schnell Ersatz zu besorgen.

Bei dem Händler waren wir zuvor noch nie, es ist zwar derselbe Bezirk, unser sehr langgezogener Wohnbezirk, in dem er angesiedelt ist, aber eben mehr draußen, im Bürgerlichen. Und was stellten wir unserem großen Erstaunen fest? Wir waren bei der Mehrheit. Der Anteil der Maskenträger:innen betrug höchstens noch ein Drittel. So sind sie da draußen, viel mutiger und gefasster und natürlich auch freiheitlicher als wir hysterischen, hypochondrischen Innenstädter:innen, die sich um eines lächerlichen, minimalen Gesundheitsvorteils willen, der nicht eimmal sicher ist, in eine totalitäre Diktatur führen lassen würden. Trotzdem, das mit ohne Maske kaufen wird bis Inzidenz 150 eine Ausnahme bleiben. Zumal wir mittlerweile auch den optischen Vorteil erkannt haben. Der Schrecken der anderen hat deutlich nachgelassen, seit jenem März 2020, wenn wir irgendwo unvermutet, unangemeldet, sozusagen aus dem Nichts, ohne jede Vorwarnung auftauchen, mitm Einkaufskorb oder -wagen.

Nun aber zu den wichtigen Dingen, wie zum Beispiel der Inzidenz. Nachdem sie von vorgestern auf gestern nur um 1,14 Prozent zurückging, waren es heute wieder über 6 Prozent, im Bundesdurchschnitt beträgt sie nun 591,8. Das ist der niedrigste Wert seit 20. Januar 2022, als die Omikron-Welle (BA.1) gerade mächtig am steigen war. 106.631 Neuinfektionen wurden gestern verzeichnet. Für sich genommen, ist das immer noch eine sehr, sehr hohe Zahl, aber doch um ca. 35.000 geringer als am Mittwoch der Vorwoche gemeldet. Die Zahl der Todesfälle liegt mit 241 zwar weiterhin viel zu hoch. Trotzdem bedeutet das ein Abklingen gemäß 7-Tage-Tendenz, denn in der Vorwoche lagen sie mit Meldetag Dienstag und Mittwoch jeweils über 200. Im Durschnitt der letzten Woche inklusive der meldearmen Wochenenden beträgt die Todesfallzahl nun ca. 158. Auf dem Höhepunkt der BA.2-Welle vor etwa 6 Wochen lag sie bei knapp 250. 

Der Weltvergleich zeigt freilich wieder ein wenig erfreuliches Bild. In der vergangenen Woche entfielen auf Deutschland 16,3 aller weltweit registrierten Infektion, aber: Der Rückgang hierzulande betrug 24 Prozent gegenüber der Woche zuvor, weltweit nur 21 Prozent. Dass Deutschland weiterhin die höchsten Infektionswerte auf diesem Globus hat, trotz einer Untererfassung von vermutlich mehr als 100 Prozent, nun ja. Nicht immer so kleinlich sein, alles auseinanderfitzeln, sondern das Positive sehen! Alles wird besser! Mit dieser Aufforderung an Sie und uns alle schließen wir auch diesen kurzen Kurzreport und melden uns bald wieder, denn wir freuen uns doch im Grunde, dass ein exklusiver Leser:innenkreis sich regelmäßig mit diesen Wasserstandsmeldungen von uns befasst. Politisch gibt es heute auch nichts Besonderes, zumindest nicht zu diesem Thema. Bis morgen oder übermorgen!

TH

02.05.2022 (hier zu 99/22 von gestern)

Liebe Leser:innen unseres Kurzreports, heute ist ein denkwürdiger Tag. Erstmals seit dem Beginn der Omikron-Welle, erstmals im Jahr 2022 wurden von gestern auf heute keine Sterbefälle an / mit Corona gemeldet. Beinahe ebenso denkwürdig: das fällt genau mit unserem 100. Report für das Jahr 2022 zusammen.

Es ist sogar viel länger her, dass es an einem Tag nicht zu einem Corona-Todesfall in Deutschland kam, zuletzt geschah dies im September 2020, nach dem Abklingen der ersten und dem Start der zweiten Welle. Sicher wird dies in den nächsten Tagen nicht so bleiben, denn die Meldungen von den Wochenenden her sind nun einmal wesentlich niedriger als „unter der Woche“, aber es ist trotzdem einfach zum Freuen und berührt uns. Auch die Gesamttendenz bleibt positiv, die bundesweite Inzidenz ging von gestern 667 auf heute 636 zurück. Erste Bundesländer kratzen an der 400er-Marke (Thüringen), Berlin liegt bei 503, nur noch ein Bundesland, Schleswig-Holstein, weist eine Inzidenz von  mehr als 900 auf (heute 932). Haben wir Herdenimmunität fast erreicht, wie aufgrund dieser Zahlen bereits vermutet wird? Wenn wir bedenken, dass wir fast jeden Tag vom RKI und anderen darauf gestoßen werden, dass die tatsächliche Infektionszahl wesentlich höher liegen muss als die gemeldeten 24,8 Millionen, dann könnte sich das tatsächlich anbahnen. Zumal doch interessant ist, dass jetzt die Bundesländer mit den hohen Impfquoten und der großen Vorsicht etwas hinterherhinken beim Absenken ihrer Inzidenzen. Das könnte darauf hindeuten, dass dadurch die Omikron-Welle etwas später ihren Höhepunkt erreicht als in Gegenden, in denen die Menschen eine Infektion oftmals geradezu zu provozieren schienen. 

Whatever, bei uns bleibt die Maske beim Einkaufen auf bis Inzidenz 150, auch wenn sich bis dahin das Verhältnis gedreht haben sollte: Gegenwärtig ist unser Eindruck, dass noch etwa 3/4 der Menschen ihren MNS aufbehalten, wenn sie Geschäfte des Alltags erledigen, die übrigen sind vor allem ältere weiße Männer. Wirklich wahr. Nun ja, so überraschend ist das auch wieder nicht. Hier die Inzidenzgrafik, jetzt ohne Trendlinien, um die Optik wieder ein wenig zu bereinigen:

Man sieht auch, dass die 7-Tage-Tendenz bei der Inzidenz wieder ins Minus gedreht hat und etwas sagt uns, dass dies in nächster Zeit auch so bleiben wird. Das ist alles sehr erfreulich, aber: die deutschen Zahlen sind immer noch die weltweit höchsten. Wir können’s nicht ändern, andere Länder sind eben längst durch und die Diskussion wird noch sehr spannend werden, welcher Umgang mit der Pandemie zu welchen Ergebnissen geführt hat. Relaltiv gesehen hat Deutschland sich sogar weiter verschlechtert, denn weltweit gingen die Zahlen in den vergangenen 7 Tagen um 19 Prozent zurück, in Deutschland nur um 10 Prozent. Der deutsche Anteil am Weltinfektionsgeschehen lag in den vergangenen 7 Tagen bei 16,56 Prozent (Weltbevölkerungsanteil 1,05 Prozent).

Grund zum Übermut besteht also bei weitem nicht und am Ende wird auf jeden Fall eine Feststellung zu treffen sein: Wir sind hier verdammt schlecht auf Pandemien vorbereitet, sowohl logistisch wie mental. Niemand sagt, dass das nächste Virus, wenn nicht sogar die nächste Variante von Covid19, die Spielregeln wieder ändern wird. Wir wollen das nicht in Form einer „Killervariante“ für den Herbst prognostizieren, aber undenkbar ist es nicht. Und dann? Dann gibt es zum Beispiel keine Impfpflicht, die sofort in Gang gesetzt werden könnte, wenn die Todesfallzahlen steil ansteigen sollten. Hier noch die Todesfallzahlenstatistik: Man sieht, dass die gestrige Nullnummer noch nicht viel am 7-Tage-Trend (blaue Linie) geändert hat. Warum? Weil auch am vergangenen Wochenende die Meldezahlen bereits recht niedrig waren.

TH

Sonntag, 01.05.2022 (hier zu 98/22 von gestern)

Heute gibt es wirklich Gründe zur Freude. Mit 666,7 hat die Inzidenz in Deutschland den niedrigsten Stand seit dem 20. Januar erreicht und dieses Mal halten wir die Zahl für nachhaltiger als die 669, die an Ostern schon einmal erreicht waren. Mit 11.178 war die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen heue sogar so niedrig wie seit dem 26.12.2021 nicht mehr. 

Richtig ist, dass einige Bundesländer an den Wochenenden nicht melden, trotzdem ist die Zahl aussagekräftig, denn diese Einstellung der Meldetätigkeit an Samstagen und Sonntagen besteht schon länger, dennoch waren die Wochenendzahlen in den letzten Monaten höher.

Daher haben wir in der Inzidenzgrafik, die wir heute als einzige abbilden, um uns beim Kurzreport wieder mehr auf „kurz“ zu besinnen, an die Lage angepasst, einen etwas engeren Trendkanal abgebildet.

Es gab erhöhte Zahlen an Ostern, das scheint festzustehen, ebenso, wie es vom Testverhalten der Menschen abhängt, wie viele Neuinfektionen erfasst werden und wir gehen demgemäß davon aus, dass es wesentlich  mehr sind als die 24,8 Millionen, die bisher registriert wurden. Die Maskentreue dort, wo „Freiheit“ herrscht, nimmt langsam ab, doch wir bleiben nach wie vor dabei, bis eine Inzidenz von etwa 150 in Berlin erreicht sein wird.

Davon sind wir noch ein Stück entfernt, momentan liegt sie bei 506 und damit Berlin auf Rang 4. Thüringen (410), Sachsen und Meckelnburg-Vorpommern mit jeweils 486 sind die Spitzenreiter beim Abbau der Inzidenzwerte, Schleswig-Holstein (950) und Niedersachsen (913) weisen derzeit die höchsten Werte auf. 

TH

Samstag, 30.04.2022 (hier zu 97/22 von gestern)

Ehrlich versuchen wir immer zu sein, aber dazwischen und offensiven Ansagen besteht zuweilen ein Unterschied: Der heutige Report ist nicht nur durch Corona-Ereignisse bedingt, sondern kommt noch einmal direkt am Tag nach dem vorherigen, weil wir uns offenbar bei einem anderen Artikel etwas verfranst haben und jetzt sind die in der Regel guten Leser:innezahlen des Reports gefragt.

Dafür reportieren wir heute wieder etwas ausführlicher. Es gibt zudem wieder Neues aus der Politik, zum Beispiel einen Kommentar dazu, dass es richtig von Christian Drosten sein könnte, dass er sich aus dem Corona-Expertenrat der Bundesregierung zurückgezogen hat, nachdem er gestern vom FDP-Wirrwisch Wolfgang Kubicki angegriffen wurde. (Q) Dabei ging es um Rat und Tat für die Regierung in Relation zur Evaluierung der Corona-Maßnahmen. Wir hatten uns dazu nicht positioniert, stimmen aber dem heutigen Kommentar insofern zu, dass die Vielfalt an Einflussfaktoren die wissenschaftliche Evidenz von Aussagen zu den Corona-Maßnahmen schwierig machen dürfte, dass aber im Fall einer erneuten Zuspitzung der Krise nicht auf den exakten Beleg der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen gewartet werden kann, bis wieder solche Maßnahmen ergriffen werden. Aus Vergleichszahlen innerhalb Deutschlands und weltweit lässt sich aber sicher einiges ablesen und wir heben uns eine solche Analyse noch ein wenig auf. Vielleicht haben wir auch Glück und jemand, der bessere Quellen hat, kann dabei tiefer ins Detail gehen.

Die Zahlen des Tages hingegen lassen allmählich mehr Klarblick zu, nach dem Oster-Chaos, als das man die Zahlen der letzten Wochen durchaus bezeichnen kann. Die Inzidenz sank von gestern auf heute von 758 auf 717, wieder Ein Rückgang von beinahe 6 Prozent, nach knapp 8 und etwas mehr als 6 Prozent in den Vortagen. Dennoch gibt es etwas wie ein Oster-Moratorium, einen Stillstand, vielleicht sogar einen zwischenzeitlichen Anstieg, der durch viele ungeschützte Kontakte an den Osterfeiertagen verursacht wurde:

Heute hat der 7-Tage-Trend der Inzidenz wieder die Nulllinie unterschritten, das ist selbstverständlich ein positives Zeichen. Aber die steile Abwärtstrendlinie, die sich bis Ostern nach dem Überschreiten des Peaks der 6. Welle ergeben hatte, ist Geschichte, so viel kann man sagen (in Grün in die Grafik eingezeichnet). Vielmehr hat sich durch den „Buckel“ im Wege der Osterfeiertags-Nacherfassung eine flacher Abwärtslinie ergeben, die wir in Braun eingezeichnet haben. Ein ähnliches Bild zeigt die Grafik über die Neuinfektionen. Ostern hat sich auf das Infektionsgeschehen nicht positiv, sondern eher negativ auswirkt, wenn man es in der mittlerweile möglichen Nachbetrachtung sieht. 

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen betrug gestern 87.298, der Durchschnitt der letzten sieben Tage sinkt dadurch auf 93.819. Das ist der niedrigste Stand seit dem 19.04.2022, zuvor wurde ein solcher Wert am 20.0.2022 unterschritten, während des Einsetzens der fünften Welle (Omikron BA.1). 

Auch diese Grafik zeigt deutlich, dass der zunächste steile Abfall der Zahlen an Ostern im Nachgang durch eine Gegenbewegung mehr als ausgeglichen wurde und nun insgesamt zu einer flacheren Abwärtsbewegung seit dem BA.2-Peak am 23.03.2022 geführt hat. Wir hoffen, das wiederholt sich an den nächsten Feieragen (26.05., Pfingstmontag) nicht. Umso interessanter ist es, dass die Todesfallzahlen tatsächlich mit einer Art Osterrabatt in die letzten Wochen zu gegangenen zu sein schein. Wir haben, als das erkennbar wurde, darüber gewitzelt, dass die Auferstandenen vermutlich abgezogen wurden, aber das Phänomen erklärt sich sehr wohl sachlich: Durch die abklingende Infektionstätigkeit in den Wochen zuvor, die mit einem Zeitversatz zu weniger Todesfällen geführt hat. Wenn es nun sehr exakt nach dem bisherigen Muster läuft, müsste noch einmal eine kleine Aufwärtsbewegung zu sehen sein, bevor es weiter nach unten geht. Wir hoffen selbstverständlich, dass dieser für uns immer noch wichtigste von allen Werten schneller sinkt als bisher, damit man wirklich von der Harmlosigkeit der Omikron-Wellen sprechen kann, ohne dabei rot zu werden. Heute wurden 156 Todesfälle gemeldet, das ist für einen normalen Samstag ein relativ niedriger Wert. Der Durchschnitt der letzten 7 Tage liegt bei ca. 185, vor Ostern erreichte er fast die Marke von 250.

Weltweit wurden heute ca. 589.000 Neuinfektionen gemeldet, die Zahlen sinken weiter, wenn auch aktuell recht langsam. Wenn man bedenkt, dass die Spitzenzahlen während der Omikron-Welle bei 3,5 Millionen Neuinfektionen pro Tag lagen, sind das dennoch gute Nachrichten. Noch mehr gilt das für die Todesfallzahlen, sie haben sich weltweit von über 15.000 pro Tag im Februar auf jetzt ca. 2.400 im Schnitt der letzten 7 Tage vermindert. 

Was wir nicht ändern können: Die Meldung, dass Deutschland der Corona-Problemfall Nr. 1 weltweit ist. Es weist die höchste Neuinfektionszahl im Wochenvergleich auf, sogar mit noch leicht steigender Tendenz (+ 5 Prozent), während sich die Zahlen weltweit um 12 Prozent ermäßigt haben, ähnlich sieht es bei den Todesfallzahlen aus: + 14 Prozent gegenüber -7 Prozent weltweit. Wer uns aufmerksam liest, dem geben wir vorsichtshalber den Hinweis, dass diese Zahlen auf einem Woche-zu-Woche-Vergleich fußen, die noch den Anstieg der gemeldeten Zahlen nach Ostern beinhalten, nicht, wie bei unseren Grafiken, nur auf dem aktuellen 7-Tage-Trend, der mittlerweile wieder rückläufige Zahlen zeigt. Hält er an, wird sich das aber auch auf den Woche-zu-Woche-Vergleich bald positiv auswirken. In den letzten 7 Tagen betrug der deutsche Anteil am Welt-Infektionsgeschehen 16,3 Prozent, bei einem Bevölkerungsanteil von 1,05 Prozent.

TH

Freitag, 29.04.2022 (hier zu 96/22 von gestern)

Von gestern auf heute verändert sich die Inzidenz in Deutschland von 826 auf 758, das ist ein Rückgang von 8,17 Prozent, nach einem ebenfalls deutlichen Rückgang von knapp 7 Prozent von vorgestern auf gestern. 

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen betrug gestern 101.610, der 7-Tage-Durchschnitt liegt beinahe auf der gleichen Höhe, bei 100.645 und das Wochenende mit traditionell niedrigeren Meldezahlen, die sonntags und montags ausgewiesen werden, liegt voraus. Damit ist nun auch wieder eine Prognose möglich. Es wird in den nächsten Tagen zumindest nicht zu wesentlichen Steigerungen der Fallzahlen und der Inzidenz kommen. Die Volatilität der erfassten Daten der letzten Tage lässt allerdings viel Spielraum für weitere Entwicklungen, wie der Trendkanal der Inzidengrafik zeigt, innerhalb dessen sich derzeit das Geschehen bewegt:

Die Grafik der Neuinfektionen zeigt indes vor allem, dass sich wieder ein positiver Trend bei den Neuinfektionen im 7-Tage-Trend eingestellt hat.

Ein starker Rückgang über die Osterfeiertage hinweg, dann eine Gegenbewegung, das war im Grunde zu erwarten. Wir konnten allerdings bisher nicht einschätzen, ob es nicht in Wirklichkeit schon wieder einen Aufwärtstrend gibt, etwa wegen der überwiegend nunmehr beendeten Corona-Maßnahmen, dies aber aufgrund von Erfassungslücken noch nicht sichtbar ist. Wir finden es übrigens sehr erfreulich, dass viele Menschen beim Einkaufen immer noch einen Mund-Nasen-Schutz tragen, meist in Form einer FFP2-Maske. Diese Feststellung zählt zu den positiven in einer Zeit, in der es nicht so viel Positives zu berichten gibt. 

Dass dem so ist, zeigt sich an Nachrichten, die nichts mit Corona zu tun haben, aber auch beim Thema selbst, wenn man etwas genauer hinschaut. Es gibt weiterhin Landkreise mit Inzidenzen von mehr als 2.000. 9 der 10 am meisten betroffenen Kommunen liegen derzeit in Niedersachsen, das auch insgesamt eines von nur noch zwei Bundesländern mit einer Inzidenz von über 1.000 ist. Während des bisherigen Pandemieverlaufs war dieses Land im Nordwesten sehr unauffällig, Schleswig-Holstein, das andere Land mit vierstelliger Inzidenz, zählte sogar immer wieder zu den Besten, in denen das Corona-Virus am wenigsten Abnehmer:innen oder Opfer fand, mit Landkreisen, die beinahe corona-frei waren, als andernorts die Intensivbetten knapp wurden.

Am besten steht jetzt nicht mehr Berlin da, hier verharrt die Inzidenz bei etwas über 500, heute sind es 525 Fälle innerhalb von 7 Tagen auf 100.000 Einwohner. Vielmehr steht Thüringen vorne, das schon zu Beginn der Omikron-Welle besonders gute Zahlen hatte (zwischenzeitlich aber auch sehr schlechte, bis hin zu einer negativen Spitzenreiterposition) mit einer Inzidenz von aktuell 473. Demnächst werden wir uns anschauen, wie die Bundesländer insgesamt bisher durch die Pandemie gekommen sind, denn die kurzfristigen Betrachtungen geben zu wenig Aufschluss darüber, wie sich die regionale Pandemie-Politik und wie sich das Verhalten der Bürger:innen, z. B. die Impfquote, ausgewirkt haben könnten. Unsere derzeitige Vermutung: Die sogenannten Querdenker:innen-Stammländer im Süden und Osten werden weiterhin vergleichsweise schlechte Zahlen über die gesamte Pandemiezeit hinweg zeigen.

Die politische Nachricht des Tages: Christian Drosten, den wir in unseren Reporten mehrfach gewürdigt haben, zuletzt, als er seine Podcast-Begleitung zur Pandemie eingestellt hatte, tritt nun auch aus dem Expertenrat zurück, der die Bundesregierung in Sachen Corona berät. Wolfgang Kubicki von der FDP hat diese Entscheidung offenbar angestoßen, Karl Lauterbach spricht von einem schweren Verlust. Hintergrund scheint die Kritik daran zu sein, dass diejenigen, welche die Corona-Maßnahmen mitentwickelt oder die Regierung beratend unterstützt hatten, nun die Evaulierung der Maßnahmen durchführen sollen. (Q)

TH

Donnerstag, 28.04.2022 (hier zu 95/22 von gestern)

Von gestern auf heute sank die Inzidenz in Deutschland von 887 auf 826, das sind fast 7 Prozent. Damit wäre gemäß der zweiten von zwei gestern aufgezeigten Interpretationslinien des aktuellen Geschehens der mittelfristige Abwärtstrend weiterhin intakt, aller erratischen Schwankungen der Tage seit Ostern zum Trotz. Wir haben diesen Trend zur besseren Orientierung heute in unsere Inidenz-Grafik eingezeichnet (braune Linie), der bisher deutlichste Abwärtstrend dieses Jahres, der sich aufgrund der Oster-Untererfassung an diesen Tagen noch verstärkt hatte, ist klar durchbrochen, die Inzidenz geht langsamer zurück als noch vor zwei Wochen (grüne Linie) und das wird sich wohl auch so fortsetzen. Die Rückkehr zum stärkeren Abwärtstrend würde in den nächsten Tagen bereits eine Inzidenz von weniger als 400 erfordern, das sehen wir nicht:

Weiterhin nicht ausgeschlossen: Dass die Zahlen wieder ansteigen. Es wird noch ein paar Tage mit weiter sinkenden Werten brauchen, bis man das für die nächsten Wochen einigermaßen sicher ausschließen kann.

Gestern wurden 130.104 Neuinfektionen gemeldet, 11.500 weniger als gestern und 56.000 weniger als vor einer Woche. Die normalerweise wichtige Vergleichszahl mit dem gleichen Wochentag der Vorwoche wird derzeit aber noch entwertet durch die Nacherfassungen, die in der vorherigen Woche das Bild mitbestimmten. Relevant ist wiederum, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Durchschnitt der vergangenen 7 Tage wieder sinkt, sie liegt jetzt bei ca. 110.000, das ist ein ähnlicher Wert in den Tagen vor Ostern.

Die gemeldete Zahl der Todesfälle betrug gestern 246 (vorgestern 343). Hier scheint es, als habe sich tatsächlich etwas wie ein Oster-Bonus eingestellt, denn der 7-Tage-Schnitt liegt um ca. 50 Fälle niedriger als zuvor. Allerdings müssen wir auch hier noch die nächsten Tage abwarten, um klären zu können, ob der lange erhoffte, bisher nie eingetretene Rückgang in diesem wichtigen Bereich nun endlich einsetzt. 

TH

Mittwoch, 27.02.2022 (hier zu 94/22 von gestern)

Von gestern auf heute sank die Deutschland-7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen um 22 Punkte, von 909 auf 887. Nachdem sie gestern von 790 auf 909 emporgeschnellt war. Die folgende Grafik weist aus, dass es seit dem Beginn der Omikron-Welle Ende 2021 noch nie solche erratischen Ausschläge gab wie in den letzten beiden Wochen. Bedingt teilweise durch eine erhöhte Untererfassung an den Osterfeiertagen, aber auch danach kommt das Geschehen nicht auf eine Weise zur Ruhe, die Aussagen über die Enticklung in den nächsten Tagen zuließe:

Nachdem wir gestern am Ende des Kurzreports mehr ins Allgemeine übergegangen sind und uns gefragt haben, wie es sein kann, dass ein einziges Land auf diesem Planeten es einfach nicht schafft, aus der Corona-Dauerschleife zu kommen, lassen wir derlei Betrachtungen heute weg, Sie können sie im obigen Link zu 94/22 und unterhalb dieses Textes nachlesen. Politisch gibt es in Sachen Pandemie auch nichts Neues, abgesehen davon, dass jetzt gegen diejenigen ermittelt wird, die unseren Gesundheitsminister Karl Lauterbach entführen wollten. Das haben wir so am Rande aufgeschnappt. 

Die Zahl der gestern gemeldeten Neuinfektionen beträgt 144.164 und wir setzen sie nicht in Bezug zum Wert eines anderen Tages, weil sowohl der Vergleich mit dem Wert vor einer Woche (Aufholung der Untererfassung über Ostern war noch im Gange) als auch zu gestern (generell nicht aussagekräftig) nichts zur Klärung der Lage beiträgt. Die durchschnittliche Neuinfektionszahl innerhalb der letzten 7 Tage betrug ca. 117.000 Fälle, ein Minus von etwas mehr als 8.000 Fällen gegenüber gestern. Diese beiden Werte wiederum liegen etwa auf dem Niveau, das zu Beginn der Osterfeiertage herrschte. Das bedeutet auch, dass der Rückgang, der sich in den Wochen zuvor ereignete, mittlerweile gestoppt ist. 

 

Man kann die Grafik selbstverständlich auch so lesen: Vom Peak der zweiten Omikron-Welle aus betrachtet, ist ein mittelfristiger Abwärtstrend noch intakt. Dieser Rückgang ist mittlerweile aber zu dürftig, als dass man zu dem Schluss kommen könnte, die Lage würde sich demnächst mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entspannen. 

Auch die Zahl der gestern gemeldeten Todesfälle ist mit 343 zu hoch, als dass man ernsthaft behaupten könnte, die Situation sei im Griff. Das ist sie seit Monaten nicht und wie gleichgültig das nun hingenommen wird, ist kein gutes Zeichen. Nebenbei: Dass in der Ukraine Menschen in einem Krieg sterben, sollte nicht dazu führen, dass außergewöhnliche Todesfälle, etwa in der Folge einer Pandemie, die hierzulande einfach nicht weniger werden wollen, als etwas Normales angesehen werden. Deutschland hatte im Verlauf der letzten 7 Tage weltweit die dritthöchsten Todesfallzahlen und die höchste Zahl an Neuinfektionen zu verzeichnen. Aufgrund der „Osterdelle“ in der Woche zuvor war der Anstieg von 70 Prozent gegenüber den vorausgehenden 7 Tagen überproportional im Vergleich zu Ländern, die nicht diese Beinahe-Einstellung der Erfassungstätigkeit über die Osterzeit hinweg zu verzeichnen hatten.

Es ist gefährlich, wenn immer neue Krisenherde sich entzünden, während alte noch nicht gelöscht sind. Dies wird in Sachen Corona und den neuen Herausforderungen in Europa nicht bedacht, es wird aber zu Schäden führen, die wir noch gar nicht absehen können, weil es dazu noch keine Analyse zu geben scheint. Aber die Erschöpfungsphänome aufgrund des Dauerkrisenmodus nehmen zu und wieder einmal wird nicht genau hingeschaut, wird keine Strategie erarbeitet, wie man damit umgehen und welche Vision für einen besseren Umgang mit Krisen in der Zukunft man aus all dem, was sich zeigt, entwickeln könnte. 

TH

Dienstag, 26.04.2022 (hier zu 93/22 von vorgestern)

Es tut uns leid, aber das Corona-Geschehen in Deutschland kommt nicht zur Ruhe, deswegen gibt es auch weiterhin Reporte von uns. Die deutschlandweite Inzidenz stieg innerhalb eines Tages von 790 auf 909, das ist ein Plus von 14,96 Prozent. 

 

Erst am 23.04. hatten wir den bisher höchsten Anstieg seit dem Beginn unserer Erfassungstätigkeit (24.12.2021, im Hinblick auf die zu erwartende Omikron-Welle) mit über 12 Prozent gemeldet. Jetzt ist es amtlich: Der positive Trend der Zeit vor Ostern, der sich subjektiv durch eine erhebliche Untererfassung an Ostern verstärkt hat, ist durchbrochen. Die Zahl der heute vom RKI gemeldeten Neuinfektionen von 136.798 ist zwar nicht mit dem von letzter Woche vergleichbar, als die Untererfassung noch die Datenlage dominierte, aber die Rasanz des Wiederanstiegs und die erratische Gestaltung der neuesten Zahlen, also auch derjenigen nach der Oster-Abflachung, ist schon erstaunlich – und leider auch bedenklich. 6 von 16 Bundesländern weisen mittlerweile wieder 7-Tage-Inzidenzwerte von über 1.000 auf, die Todesfallzahl überschritt gestern erneut die Marke von 300 (exakt: 304). Noch frappierender ist aber der Weltvergleich: Es gibt auch Länder, in denen es gerade umgekehrt läuft, doch überwiegend ist ein weiterer Rückgang der Neuinfektionszahlen zu erkennen (gestern insgesamt vorläufig 383.000, davon mehr als ein Drittel in Deutschland).

Da die Weltzahlen, auch die Todesfallzahlen, weiter rückläufig sind, in Deutschland jedoch eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist, erhöht sich unweigerlich auch der Anteil des Landes am Weltgeschehen. Der hiesige Anteil am Welt-Infektionsgeschehen liegt innerhalb der letzten 7 Tage bei 16,89 Prozent. Das ist mehr, als wir je zuvor gemessen haben und leider folgerichtig, denn weltweit gehen die Infektions- und Todesfallzahlen nun einmal zurück und in Deutschland steigen sie.

Was ist los mit diesem Land, das nicht aus der Corona-Schleife herauskommt? Eine so durchgängig hohe Zahl von Neuinfektionen über die letzten Monate hinweg gab es in keinem anderen größeren Land. In der Folge verschlechtert sich auch die langfristige Performance Deutschlands immer weiter, verglichen mit anderen Ländern – auch mit solchen, die zu Beginn der Pandemie als horrible Hotspots galten. Weder die Quote der Ungeimpften noch die Aufhebung der Maßnahmen können allein dafür verantwortlich sein, dass in Deutschland keine Entspannung zu erkennen ist. Viele andere Länder weisen ähnliche Impfquoten auf, haben die Maßnahmen sogar früher zurückgefahren, als das bei uns der Fall war und trotzdem schneiden sie derzeit wesentlich besser ab. Eine Erklärung könnte sein, dass die relativ starken Maßnahmen, die bei uns zunächst aus der Deltawelle übernommen wurden, die Ausbreitung der Omikron-Varianten verzögert hat, sodass wir jetzt noch das aushalten müssen, was andere schon lange hinter sich haben.

Das würde aber dafür sprechen, dass die Idee der großen Freiheit richtig war und man bei uns sozusagen eine Art von Angst-Vorsorge-Prokrastination eingerichtet hat. Eine weitere Erklärung: Dass die Daten, die aus anderen Ländern gemeldet werden, noch schlechter im Sinne einer Untererfassung sind als hierzulande, weil es politisch nicht mehr durchhaltbar wäre, wenn das Infektionsgeschehen partout nicht abklingen würde. 

Aufgrund der stark schwanken Werte der letzten Tage können wir keine Aussage darüber treffen, ob die Zahl der Neuinfektionsmeldungen in den nächsten Tagen eher steigen oder abnehmen werden. Bezüglich der tatsächlichen Corona-Bilanz muss man abwarten, wie Long Covid und die Übersterblichkeit sich in Ländern ausnehmen, die bei der Pandemiebekämpfung andere Strategien als Deutschland verfolgt haben. Von Zero Covid bis Zero Humanity war alles dabei, aber nur bei uns konnte man wieder alles auf einmal betrachten. Heraus kam ein ziemliches oder ziemlicher Wirrwar, der oder das dem Virus wohl gesagt hat, hier hat man Spaß, hier ist immer was geboten, viel Theater, großes Politik- und Querdenker:innen-Kino, zur Satire reizende Konfusion allerorten. Hier bleib ich, denn im Chaos fühl ich mich wohl. Vielleicht bleib ich für immer. Schließlich braucht auch ein Virus, das aus den Regionen seines Entstehens konsequent vertrieben wird, eine neue Heimat.

Wir haben nun mal eine sehr freundliche Ansiedlungspolitik, das zumindest kann niemand bestreiten. Und genau deshalb ist hier auch immer so viel los. Bitte nehmen Sie die vorstehenden Sätze als Ausdruck von Ironie, vielleicht auch Sarkasmus, selbstverständlich lässt sich ein Virus nicht mit Menschen gleichsetzen. Aber die Unfähigkeit, das Gute zu sehen, zu fördern und Chancen zu nutzen bei gleichzeitiger Blindheit, mit neuen Entwicklungen verbundene Gefahren konsequent zu erkennen, zu benennen und sogar zu bekämpfen, die ist bei uns schon sehr ausgeprägt. In dieser Sache ist die Begründung auch etwas einfacher: Die Traumen des 20. Jahrhunderts sind schuld. Mit denen sollte man sich mal ernsthaft und, da der Begriff so schön in die aktuelle Weltlage passt, auf breiter Front auseinandersetzen. Freilich kämen dann viele unangenehme Fragen auf, Probleme auf den Tisch, die wir, die unsere Generationen stellvertretend für frühere lösen müssten, die nicht den Mut hatten, sich dieser Aufgabe zu stellen, aber die Zeit lässt sich eben nicht zurückdrehen.

Auch nicht die Zeit, die damit vergeudet wird, dass hier ein beispielloses Kasperltheater bei wirklich jedem neuen Thema inszeniert wird, anstatt dass man zunächst ergebnisoffen und ohne ideologische Scheuklappen analysiert, dann tatkräftig gegen negative Entwicklungen steuert. Anderswo ist nicht alles besser, aber hier gibt es mittlerweile unzählige Tabus und fragwürdige Narrative, die eine realistische Betrachtung, noch mehr eine realistische Einlassung, verunmöglichen. Auch diese Mischung aus vorgetäuschter Fragilität und echter Rigidität am falschen Platz, einhergehend mit Kommunikationsstörungen aller Art, die bewusst inszeniert oder gedankenlos adaptiert werden, ist eine Nachwirkung der Orientierungsprobleme, die sich aus der besonderen Geschichte dieses Landes ergeben haben und weite Teile seiner Bevölkerung unfähig machen, Krisen mit Anstand und Vertrauen in sich und andere zu bewältigen.

Etwas mehr Generelles musste heute mal wieder sein, denn es nervt einfach nur noch, dass die Pandemielage nicht in den Griff kommt und es führt unweigerlich zu Gedanken darüber, warum das gerade in Deutschland so ist. Aber vielleicht haben wir morgen zum Ausgleich einen Inzidenzrückgang von 15 Prozent und alles ist wieder … ja, was? Nicht ganz so blöd? Die drängenden Fragen an unsere Zukunftsfähigkeit bleiben und dass wir nicht einmal Corona loswerden können, lässt bezüglich deren Beantwortung nicht viel Gutes erwarten.

TH

Sonntag, 24.04.2022 (hier zu 92/22 von gestern)

Heute fassen wir uns wieder sehr kurz. Es sieht im Moment aus, als sei der „Normalrhythmus“ bei der Erfassung von Neuinfektionen wieder erreicht, sodass wir nach den erratischen Zahlen der letzten Tage wieder eher eine Aussage darüber treffen können, wie sich das Geschehen der nächsten Tage entwickeln könnte.

Die Inzidenz ging deutschlandweit von gestern 822 auf 807 zurück, die Nacherfassungswelle ist vermutlich jetzt abgeschlossen. 

Berlin hat weiterhin die niedrigste Inzidenz, jetzt liegt sie bei 404, allerdings zeigen drei Bundesländer wieder einen Wert von über 1.000, das war kürzlich nicht mehr der Fall: Schleswig-Holstein (1.159), Niedersachsen (1.122), Bremen (1.053) und das Saarland (1.008). Vor allem die Zahlen in den anderen Stadtstaaten sind erstaunlich hoch, eine Zeitlang liefen sie mit denen in Berlin fast parallel, auch Hamburg zeigt aktuell einen Wert von 909. 

Die heute gemeldeten Todesfälle belaufen sich auf 24, wie immer an Wochenenden eine vergleichsweise niedrige Zahl. Die weltweiten Neuinfektionen sinken weiterhin leicht, heute wurden ca. 544.000 Fälle gemeldet. Vor allem die Zahl der Todesfälle weltweit ist ermutigt. Mit weniger als 2.500 pro Tag im gleitenden 7-Tage-Durchschnitt liegt sie aktuell so niedrig wie seit dem Ansteigen der ersten Welle nicht mehr. Die aktuelle Zahl von ca. 2.490 wurde letztmals am 26. März 2020 unterschritten, am Tag darauf erreichte sie bereits ein Niveau von über 2.500.

25 Monate ist das nun her. In Deutschland wurde gerade der erste Lockdown eingeführt, die Welt war für kurze Zeit beinahe still. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen, in der Corona die Welt verändert hat. Was wird davon in unserem kollektiven Gedächtnis bleiben? Für uns ist es, dass wir nicht krisenfest sind, beispielsweise, und es zu sehr dem  Zufall überlassen blieb, ob wir gut durch diese Zeit kommen und der individuellen Einstellung. Die ist nicht bei allen Menschen sachdienlich und so kam es, dass wir ziemlich geholpert und gestolpert sind und Corona ideologische Grundlinien gut sichtbar gemacht hat.

Darf die Freiheit des Einzelnen zulasten aller gehen und wie sehr. Das ist so eine Grundlinie. Die politischen Lager waren dabei teilweise gespalten, der neue Riss geht quer durch die Gesellschaft, jener Corona-Riss.

Wir glauben aber nicht, dass in zehn Jahren noch Menschen, die einander neu kennenlernen, einander als erstes fragen: „Hast du dich damals impfen lassen?“ und jemanden an seiner Antwort bemessen. Es wird längst andere Herausforderungen geben mit anderen Frontlinien. Die erste davon sehen wir schon, mit dem Russland-Ukraine-Krieg.

Haben Sie auch, wie wir, den Eindruck, dass es eine vergleichsweise große Teilmenge von Menschen gibt, die sowohl bei der Pandemiebekämpfung als auch bei diesem Thema keine solidarische und menschenfreundliche Einstellung finden? Zahlen dazu haben wir freilich nicht, es wirkt aber so, wirkt auch deshalb so, weil es wohl immer dieselben Querschläger, Querdenker und Menschenfeinde sind, die sich besonders hervortun, als sei ihre Einstellung etwas zum besonders offensiv Herzeigen und nicht etwa ein Grund zum Schämen.

Das ist es aber und wenn man sich weiter für andere Menschen einsetzen will, muss man angesichts der Erkenntnisse dieser Tage mit der Idee „und trotzdem!“ herangehen. Dass Menschen enttäuschend sind, ist nicht neu, aber es wäre ja möglich gewesen, dass sich in den letzten Jahren ein bisschen was zum Positiven verändert hat. Leider ist das nicht der Fall, also bleibt das „trotzdem“ elementar für jede Form von Solidarität.

TH

Samstag, 23.04.2022 (hier zu 91/22 von gestern)

Von gestern auf heute kam es zum prozentual stärksten Inzidenzanstieg dieses Jahres, und das auf einem, langfristig betrachtet, keineswegs niedrigen Ausgangsniveau. Auch in den vorausgehenden Tagen war die Inzidenz bereits gestiegen, aber heute hat sie geradezu einen Sprung gemacht. Die zugehörige Grafik weist das deutlich aus.

Während des steilen Anstiegs der ersten Omikron-Welle (W 5) im Januar kam es zu ähnlich hohen Anstiegen zwischen 10 und 11 Prozent pro Tag, aber seit dem Beginn unserer Erfassung noch nicht zu einem solchen wie von gestern auf heute, um 12,71 Prozent. Jetzt wird es schwierig werden, in dem Abwärtskanal zu verbleiben, der sich in den letzten Wochen ergeben hat.

Der 7-Tage-Trend der Inzidenz nähert sich von unten der Nulllinie und könnte sie in den nächsten Tagen erstmals in diesem Monat übersteigen, was auch im aussagekräftigeren Wochenvergleich eine steigende Inzidenz bedeuten würde. Eine Prognose lässt sich aus dem erratischen Geschehen der letzten Tage aber nicht mehr erstellen. Wir behalten außerdem im Hinterkopf, dass das RKI ab Karfreitag und bis vorgestern dem Besuch seines Dashboards eine Warnung vorangestellt hatte, die aus der Politik heraus präzisiert wurde: Die erfassten Zahlen spiegeln möglicherweise nur die Hälfte der tatsächlichen Neuinfektionen.

Die Zahl der Neuinfektionen lag gestern bei ca. 135.000. Die Grafik dazu sieht zwar etwas ruhiger aus als diejenige der Inzidenz in den letzten Tagen, aber die Kehrtwende ist deutlich sichtbar: Im 7-Tage-Durchchnitt haben wir jetzt wieder mehr als 100.000 Neuinfektionen zu verzeichnen:

Wenn man die Trendlinie nicht allzu eng anlegt, kann man auch hier noch von einer intakten positiven Entwicklung über die letzten Wochen hinweg sprechen, aber die Oster-Nacherfassung der letzten Tage dürfte per se nicht dazu führen, dass der Trend sich so deutlich umkehrt, wie er das z. B. von gestern auf heute getan hat. Zum Ausgleich wurden heute nur 5 Todesfälle an / mit Corona gemeldet, das ist der niedrigste Wert seit dem Beginn unserer Erfassung dieser Zahl am 24.12.2021. 

Wie problematisch die deutschen Zahlen in Wahrheit sind, zeigt, wie immer, der Weltvergleich. Mittlerweile hat Deutschland innerhalb der letzten sieben Tagen die höchsten Fallzahlen überhaupt; auch deshalb, weil die südkoreanischen, die mehrere Wochen lang höher lagen, stärker gesunken sind. Weltweit sank die Zahl der Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen um 23 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 7 Tage zuvor, in Deutschland hingegen nur um 21, auf diesem ohnehin auffällig hohen Niveau. Langsam wundert es uns, dass dieses besonders schlechte Abschneiden Deutschlands nicht stärker thematisiert wird und immer nur die landesinterne Betrachtungsweise vorherrscht. Für die Politik sicher gut, denn die Frage, warum wir hier so viel stärker betroffen sind als vergleichbare Länder, und das seit Monaten, steht im Raum und hat Glück, dass sie sich knapp hinter dem Teller verstecken kann, über dessen Rand hierzulande allzu selten hinausgeblickt wird. 

Wir waren heute auch draußen ohne Maske auf einem Markt, beim Einkaufen im Laden behalten wir sie aber weiterhin auf. So, wie die Mehrzahl der Menschen es an den jeweiligen Orten derzeit macht. Aber es macht irgendwie gerade keinen Spaß, in dem Land zu leben, in dem es einfach mit den sinkenden Corona-Zahlen nicht richtig vorangeht, während woanders das Wort „normal“ wenigstens eine Berechtigung hat. Sollen wir mehr oder weniger machen, um die Infektionszahlen endlich in den Griff zu bekommen? Sollen wir also sagen, was soll der Quatsch, bringt doch eh nix? Dazu leiten wir eine Frage von Civey an Sie weiter:

Sollte die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln Ihrer Meinung nach abgeschafft werden?

Wir haben für „eindeutig nein“ gestimmt, ebenso, wie wir das bezüglich einer Maskenpflicht im Einzelhandeln tun würden, wenn es sie denn noch gäbe. Die Freiwilligkeit klappt dort einigermaßen, aber im ÖPNV hatte es auch sehr lange gedauert, bis die Pflicht einigermaßen vollständig beherzigt wurde, als sie im Frühjahr 2020 erstmals kam.  Richtiggehend verwundert hat uns, dass derzeit fast 55 Prozent der Abstimmenden es genau sehen wie wir, nämlich so, dass die Maskenpflicht in den Öffis unbedingt fortgesetzt werden soll. Der Begleittext von Civey:

In Deutschland ist das Maskentragen seit Anfang April nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und medizinischen Einrichtungen verpflichtend. Angesichts der gescheiterten Corona-Impfpflicht sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach jüngst in einer Pressekonferenz, dass es „keinen Spielraum” für weitere Lockerungen gebe. Er gehe vielmehr davon aus, dass es im Herbst zu einer Wiedereinführung der Maskenpflicht in vielen Bereichen kommt.

In den USA muss man in öffentlichen Verkehrsmitteln vorerst keine Masken mehr tragen. Eine Bundesrichterin in Florida hat am Montag die landesweite Corona-Maßnahme für ungültig erklärt. Der Richterin nach habe die nationale Gesundheitsbehörde CDC mit der entsprechenden Verfügung ihre Befugnisse überschritten. Die CDC empfiehlt dennoch weiterhin für die eigene Gesundheit eine Maske im ÖPNV zu tragen.

Die US-Regierung reichte daraufhin einen Beschwerdebescheid ein. Sie hatte die Pflicht gerade erst wegen steigender Infektionszahlen bis Anfang Mai verlängert. Laut DW gab es in den USA zuletzt vermehrt Widerstand gegen die Maßnahme. Indes haben andere Länder wie Spanien und Israel ihre Maskenpflicht-Regeln gelockert. Hierzulande fordert die AfD schon länger die vollständige Abschaffung der Maskenpflicht.

Hier noch einmal die Frage:

Sollte die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln Ihrer Meinung nach abgeschafft werden?

Eine weitere Umfrage hatte sich interessanterweise mit der Impfpflicht ab 60 befasst, als der entsprechende Gesetzentwurf der Bundesregierung im Parlament bereits gescheitert war, auch hier gab es über 40 Prozent eindeutige Ja-Stimmen. Wir haben uns allerdings unentschieden gestellt, weil wir dieses Altersselektionsmodell für keine schlaue Idee hielten, von Beginn an nicht, als es noch „ab 50“ hieß, und auch nicht, als es mit einer Anhebung um zehn Lebensjahr  immer mehr in den Vordergrund rückte, nachdem klar wurde, dass innerhalb der Bundesregierung die vollständige Impfpflicht ab 18 nicht durchzusetzen sein würde. Sie könne noch abstimmen und der Politik nachträglich einen Tadel mitgeben. Lesen Sie dazu vielleicht erst noch den Begleittext von Civey, denn man vergisst im Weltentrubel ja so schnell, um was es eigentlich ging:

Monatelang diskutierten Regierung und Opposition über eine mögliche Corona-Impfpflicht. Nachdem man sich schließlich auf einen Antrag geeinigt hatte, der eine Impfpflicht ab 60 Jahren vorsieht, erhielt diese am Donnerstag bei der Abstimmung im Bundestag keine Mehrheit. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Befürworter der Impfpflicht ab 18, erklärte danach, dass er keine Möglichkeit eines weiteren Anlaufs sehe.

Die Impfpflicht scheiterte unter anderem an mangelnder Einigkeit innerhalb der Regierung. Während Grüne und SPD für eine Impfpflicht ab 18 warben, sprachen sich Teile der FDP gegen eine Impfpflicht aus, andere für eine Impfpflicht ab 50. Die Union wiederum wollte eine Pflicht von der Lage im Herbst und der Einführung eines Impfregisters abhängig machen. Indes lehnt die AfD eine Impfpflicht gänzlich ab.

Einige Abgeordnete hielten die Impfpflicht aufgrund der milden Omikron-Variante für unnötig. Dem entgegnete Gesundheitsminister Karl Lauterbach, dass die Welle nur deshalb mild verlaufe, weil die Mehrheit geimpft sei. Deshalb wolle er sich weiter für die Impfpflicht einsetzen, um im Herbst unnötige Todesopfer zu verhindern. Ohne die Impfpflicht werde man in der kälteren Jahreszeit wieder strengere Maßnahmen brauchen.

Hier zur Umfrage:

Würden Sie eine allgemeine Corona-Impfpflicht ab 60 Jahren befürworten?

Mehr ist heute nicht zu schreiben, zumal es keine schönen Corona-Aufreger gibt, der steigenden Inzidenz zum Trotz. Vielleicht soll es am Wochenende auch mal so sein. Wann wird es wieder richtig Sommer? Sommer, wie er früher einmal war? Die Älteren werden sich noch erinnern: damals war Corona noch nicht da.

TH

Freitag, 22.04.2022 (hier zu 90/22 von gestern)

Solange die Inzidenz noch steigt, gibt es von uns jeden Tag einen Corona-Kurzreport, aber wir hoffen, das wird sich in den nächsten Tagen wieder ändern. Von gestern auf heute stieg sie um wenige Punkte an und beträgt aktuell 733,4 (gestern 720,6). Die nachfolgende Grafik zeigt deutlich, dass nach dem Wieder-Einpendeln in die üblichen Schwankungsbreiten bei „Normalerfassung“ der Abwärtstrend weiterhin gewahrt ist.

Damit das so bleibt, sollte die Inzidenz in den nächsten Tagen allerdings wieder sinken. Am niedrigsten ist sie weiterhin in Berlin (344), am höchsten jetzt in Schleswig-Holstein (982), kein Bundesland weist mehr als 1.000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen aus. 

In Deutschland wurden ca. 161.000 Neuinfektionen gemeldet, weltweit 805.000. Damit hält Deutschland nach wie vor einen sehr hohen Anteil von 13,7 Prozent auf Wochenbasis, der Rückgang betrug gegenüber dem 7-Tage-Zeitraum zuvor weltweit 28 Prozent, in Deutschland 30 Prozent. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Todesfallzahlen: weltweit – 23 Prozent, in Deutschland – 24 Prozent. So zäh wie in diesem Land hält sich nirgends sonst die aktuelle Welle und die Frage, was dahintersteckt, sollte endlich gestellt, anstatt nur davon zu reden, dass diese Zahlen gar nur 50 Prozent des tatsächlichen Geschehens spiegeln könnten. Stellen wir uns vor, es kommt nun auf Basis der ohnehin viel zu hohen Zahlen zu einer „Killvariante“? Ist die Warnung davor berechtigt, angesichts der Tatsache, dass schon Omikron nicht in den Griff zu bekommen ist; auch heute beträgt die Zahl der in Deutschland gemeldeten Todesfälle wieder 289. Oder ist es mittlerweile wurscht, weil sowieso klar ist, dass genau die  Fehler wiederholt werden, welche die Politik schon in den vorausgegangenen Wellen gemacht hat? Und weil es sowieso keine Impfpflicht geben wird und man ganz sicher nicht die Wirtschaft herunterfahren wird, egal, was passiert?

Wie bewerten Sie Gesundheitsminister Karl Lauterbachs Warnung vor möglichen „Killervarianten” des Coronavirus?

Hier der Begleittext von Civey zur Umfrage:

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnte am Sonntag vor besorgniserregenden Omikron-Untervarianten, die sich gerade entwickeln würden. Er sprach von einer „absoluten Killervariante”, sollte eine Variante ähnlich ansteckend wie Omikron und tödlich wie Delta verlaufen. Angesichts der gescheiterten Impfpflicht blickt er daher besorgt auf den Herbst. Auch deshalb schließt er derzeit weitere Lockerungen aus.

Die Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit kritiseren Lauterbachs Wortwahl als „unwissenschaftlich.“ Schmidt-Chanasit sagte im NDR, dass er aufgrund der Grundimmunisierung der Bevölkerung derzeit keine Gefahr für eine derartige Entwicklung sieht. Streeck forderte in der Bild, sich nun intensiv auf den Winter vorzubereiten, anstatt vor unvorhersehbaren Mutationen zu warnen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang April die Varianten BA.4 und BA.5 in ihrer Liste „besorgniserregender” Omikron-Varianten aufgenommen. Entdeckt wurden sie in Botswana und Südafrika. Zudem wurden sie laut DW in Belgien, Dänemark, Deutschland und in Großbritannien gefunden. Die WHO untersucht derzeit, wie infektiös sie sind. Bis dahin gäbe es keinen Grund zur Sorge.

Wir hatten bisher gedacht, es gibt erst dann in einer Sache keinen Grund zur Sorge, wenn nachgewiesen ist, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Insbesondere, wenn aus nach der Einstufung „besorgniserregend“ analysiert wird. Aber seit Corona ist wirklich alles anders, das merkt man jeden Tag. Wir haben mit „weiß nicht“ abgestimmt, weil wir wirklich nicht wissen, ob Karl Lauterbachs Warnung vor der „Killervariante“ nur den Abnutzungseffekt weiter fördern oder ob man sich wieder fürs Homeoffice rüsten muss, das wir gerade schrittweise zurückfahren (gegenwärtig 2/3 Präsenz, 1/3 Ho). Wir merken uns, dass BA.3 unerkannt an uns vorüberging und wir schon bei BA.5 angelangt sind. Dieses Omikron scheint dabei aber langsam müde zu werden, wie die Weltzahlen belegen. Nun soll Karl Lauterbach mal die Füße und Hände still halten, nachdem es mit der Impfpflicht nicht geklappt hat, und nicht in seinem Labor versuchen, eine Variante aus Delta und Omikron zu mixen, nur, um nach längerer Zeit wieder einmal recht zu behalten, denn vorbei ist vorbei.

TH

Donnerstag, 21.04.2022 (hier zu 89/22 von vorgestern)

Der auch von uns erwartete Nachholeffekt bei den Neuinfektionsmeldungen ist in vollem Gange. Nach gestern 198.000 wurden auch heute vom RKI wieder 186.325 Fälle ausgewiesen.

Aktuell ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist im Vergleich zum Vortag erneut gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Donnerstagmorgen mit 720,6 an. Da einige Bundesländer an Feiertagen keine oder nur wenige Infektionen melden, kann es in den darauf folgenden Tagen eine erhebliche Zahl an Nachmeldungen geben. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 688,3 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1.015,7 (Vormonat: 1.714,2). (Q)

Das eigentliche Problem ist aber nicht, dass nach Ostern ein Nachholeffekt entstanden ist, der zusammen mit der „Osterruhe“ zu erratischen Zuckungen der Tages-Veränderungslinie auf unserer Grafik führt. Auch der Rückkehr zu roten Balken (steigende Inzidenz) ist auf dem jetzigen Niveau erst einmal nicht das Problem, denn der Abwärtstrend der letzten Wochen bleibt vorerst intakt.

Vielmehr liegt offebar eine Unterfassung in einem Ausmaß vor, die uns  doch wieder überrascht hat. Wir hatten bisher Aussagen gespeichert, die im Januar oder Februar getätigt wurden. In ihnen war von etwa einem Drittel Untererfassung ausgegangen worden. Nun heißt es, „das Doppelte“ (RKI) oder, lauterbachgemäß, „mehr als das Doppelte“, von Karl Lauterbach natürlich, betrüge das reale Infektionsgeschehen gegenüber den Meldungen.

Experten führen die hohe Dunkelziffer unter anderem darauf zurück, dass viele Gesundheitsämter überlastet sind und längst nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik. (Q)

Tatsächlich hätten wir gegenwärtig also fast 400.000 Fälle täglich? Das würde auch erklären, warum die Todesfallzahlen nicht sinken: Heute waren es wieder 324. Allerdings gibt es hier den „Nachholeffekt“ nicht in dem Maße wie bei den Neuinfektionen – der an Ostern erreichte Trend abwärts hat sich zwar gekehrt, aber auf deutlich niedrigerem Niveau als vor den Feiertagen. Die Zahl der täglichen Todesfälle hat sich im 7-Tage-Trend fast halbiert, von ca. 245 auf ca. 125, gegenwärtig liegt er bei ca. 130. Für uns ist diese plötzliche Entwicklung die am wenigsten nachvollziehbare Kernzahl des Corona-Geschehens. An Ostern erstehen aber bekanntlich auch Menschen wieder auf. Vielleiht hat man diese gegengerechnet.

Nach längerer Zeit zeigen wir auch diese Grafik wieder einmal. Die waagerechte blaue Linie dient der Orientierung darüber, wann der 7-Tage-Trend während der Omikron-Welle seinen Höhepunkt erreichte.

Damit die Zahlen noch weniger verlässlich Anhalt über das Geschehen geben, hat die Union nun vorgeschlagen, dass im Sommer nur noch eine wöchentliche Meldung stattfinden soll. Die Untererfassung wird dadurch natürlich nicht beseitigt, denn es ist letztlich egal, ob die Gesundheitsämter die zu wenigen Infektionen einmal pro Tag oder einmal pro Woche melden. Die Meldungen sind es ja wohl nicht, die den großen Aufwand verursachen, sondern die Registrierung und die Zusammenführung der Zahlen von verschiedenen Teststellen. Erfassen müssen die Gesundheitsämter aber alle Fälle weiterhin, deren sie habhaft werden können, sonst entsteht ein noch schieferes Bild. Aber Politik ist Politik, da machst du nichts dran (Q wie vor). Außerdem:

Schon heute ist es so, dass einzelne Bundesländer nicht an jedem Wochentag Daten melden, am Wochenende zum Beispiel Baden-Württemberg, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen nicht oder nicht vollständig. Das wiederum führt zu Nachmeldungen an Folgetagen. Ein Vergleich von Tageswerten wird damit zunehmend schwierig. (Q wie vor).

Wir bleiben trotzdem bei unseren bisheriger Veröffentlichungen von RKI-Daten, solange das RKI sie wie bisher anbietet. Es ist mit den Corona-Zahlen wie mit den Menschen. Man muss sie nehmen, wie sie sind, es gibt keine anderen. Diese Weisheit stammt auch von jemandem aus der Union. 

TH

Dienstag, 19.04.2022 (hier zu 88/22 vom 15.04.)

Was am letzten Freitag galt, ist weiterhin aktuell: Das RKI schreibt, bei den aktuellen Fallzahlen ist eine Untererfassung möglich, der Feiertage wegen. Wir erinnern uns, dass generell von einer Untererfassung ausgegangen wird, also handelt es sich derzeit um eine besonders hohe Untererfassungsrate.

Trotzdem wollen wir das Ostergeschenk der purzelnden Inzidenz und der stark rückläufigen Fallzahlen nicht als Non-Event abtun und warten, bis die Nacherfassung vollständig ist. Erstens wissen wir nicht, wann das genau der Fall sein wird, zum anderen würden wir uns natürlich freuen, wenn sich der Abwärtstrend der letzten Tage verfestigen würde. 

  • Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland ist von Freitag auf heute von 1001 auf 669 zurückgegangen, allein von gestern auf heute um mehr als 17 Prozent. Wir mussten dafür die rechte Y-Achse unserer Grafik ändern, denn einen so starken Tagesrückgang hat es seit dem Beginn unserer tagesaktuellen Erfassungstätigkeit (Jahreswechsel 2021/2022) noch nie gegeben.
  • Nicht viel geändert hat sich beim Bundesländer-Ranking. Nach wie vor ist Berlin das Bundesland mit der niedrigsten Inzidenz (jetzt 357), das Saarland dasjenige mit der höchsten (987).

  • Auch die Neuinfektionen bleiben niedrig, gestern waren es etwas mehr als 20.000 gemeldete Fälle, heute sind es etwas mehr als 22.000. In der Grafik dazu, die wir heute wieder einmal nach längerer Zeit veröffentlichen, sieht man aber auch deutlich den Feiertagseffekt. Normalerweise sind pro Woche zwei Tage mit niedrigen Meldezahlen üblich (Sonntag und Montag), jetzt sind es aufgrund der Feiertage am Freitag und gestern vier (Samstag bis Dienstag). Erst morgen werden wir also einen Anhalt bekommen, wie es wirklich um das Infektionsgeschehen bestellt ist. Außerdem zeigt diese Grafik auch, dass die Infektionszahlen im 7-Tage-Trend immer noch mehr als dreimal so hoch sind wie zum Jahreswechsel, der auch den Eintritt der Omikron-Welle markiert.

  • Einen Hinweis geben auch die Weltzahlen, die ebenfalls in den letzten Tagen stärker rückläufig sind, als das unter „normalen“ Umständen wohl der Fall gewesen wäre. Die meisten Hochinzidenzländer haben nun einmal die christlichen Osterfeiertage, auch wenn die Untererfassung nicht überall so hoch sein dürfte wie in Deutschland (das ist sie in anderen Ländern auch an Standard-Wochenenden nicht, gleichwohl ist sie bemerkbar, denn die globalen Fallzahlen liegen an diesen Tagen regelmäßig etwa ein Drittel unter dem Wochenschnitt). Gestern wurden weltweit nur noch 315.000 Neuinfektionen gemeldet, das ist die mit Abstand niedrigste Zahl seit dem Beginn unserer tagesaktuellen Erfassung (24.12.2021) und etwa die gleiche Zahl, die Deutschland alleine auf dem Peak der BA.2-Welle verzeichnete.
  • Wir freuen uns natürlich auch über die sehr niedrigen Todesfallzahlen. Heute zeigt das RKI 7 neue Verstorbene an und mit Corona, die niedrigste Zahl seit den Weihnachtsfeiertagen. Wir hoffen, das Pendel schlägt nicht in den nächsten Tagen wieder in die andere Richtung aus. Aktuell haben wir den niedrigsten 7-Tage-Trendwert seit Beginn unserer Erfassung, mit durchschnittlich ca. 130 Fällen pro Tag, kürzlich waren es noch ca. 240. 
  • Gleichwohl warnt Karl Lauterbach vor einer „Killervariante“ des Corona-Virus, die eine Ansteckungsgrate wie Omikron und eine Todesfallrate wie Delta mit sich bringen könnte. Ganz neu ist diese Idee nicht, sie wurde in den letzten Monaten schon einmal diskutiert. Fachleute halten dagegen und verweisen u. a. auf die höhere Immunisierung, die mittlerweile erreicht ist (Q). Wir fügen bei: Es kann, muss aber nicht zu einer solchen Variante kommen. Es nützt jetzt nicht viel, darauf zu spekulieren. Eher hätte man dafür sorgen müssen, dass eine Impfpflicht auf Abruf in Kraft treten kann, wenn es tatsächlich zu dramatischen Entwicklungen kommen sollte. Diese Möglichkeit gibt es aber nun nicht und wir werden, höhere Immunisierung hin oder her, in die nächste Welle hineinstolpern wie in die vorherigen. Vor allem, wenn die Immunisierung der Bevölkerung bis dahin allgemein nachgelassen haben sollte.
  • Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die bisherige Immunisierung aus überstandener Infektion oder / und Impfung nicht gegen diese Lauterbach-Horrorvariante wirksam sein muss. Wir schlagen vor, falls diese wirklich kommt, sollte sie Covid Karli benannt werden, damit endlich mal jemand geehrt wird, der alles vorhergesagt hat, bloß nicht, dass die Regierung, welcher er angehört, nicht in der Lage ist, eine Reserve-Impfpflicht auf den Weg zu bringen. Wir machen auch ohne Impfpflicht wieder mit, vorausgesetzt, der zu verabreichende Impfstoff ist an die zum relevanten Zeitpunkt herrschende Variante angepasst. 

TH

Freitag, 15.04.2022 (hier zu 87/22 von vorgestern)

„Bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen ist zu beachten, dass es aufgrund der Feiertage und Ferien und der damit verbundenen geringeren Test-, Melde- und Übermittlungsaktivität kurzfristig zu einer erhöhten Untererfassung der Fälle im Meldesystem kommen kann“, schreibt das RKI auf seiner Corona-Hauptseite. 

Die Neuinfektionszahlen von heute sind aber noch nicht von den Feiertagen beeinflusst, weil sie sich auf gestrige Meldungen beziehen und diese Meldungen sind durchaus nicht befriedigend. Die Dynamik des Inzidenzrückgangs hat deutlich nachgelassen, das weist unsere Grafik aus:

Der Rückgang (7-Tage-Trend) hat sich mittlerweile von ca. 4 auf ca. 2 Prozent halbiert, vor vier Tagen kam es sogar zu einem leichten Inzidenzanstieg. Wir hatten gehofft, dass wir heute eine Inzidenz von weniger als 1.000 melden können, erstmals seit dem 26.01.2022, aber sie verharrt bei 1001,5 (gestern 1015,7). Die Neuinfektionen gingen im Vergleich zum 07.04. um ca. 16.000 zurück, das ist nicht mehr allzu viel. 

Dies alles auf einer enorm hohen Basis, denn Deutschland hat immer noch die zweithöchste Zahl an Neuinfektionen nach Südkorea, das ist seit Wochen so. Die Neuinfektionen in Deutschland gingen im Wochenvergleich um 20 Prozent zurück, um den gleichen Wert auch die weltweiten Neuinfektionen, die im 7-Tage-Trend nun unter 1 Million pro Tag liegen. Die Infektionswerte müssten in Deutschland aber wesentlich stärker sinken, damit die „Überrate“ ebenfalls nachlässt. Ein Land, dessen Anteil an den globalen Neuinfektionen 14,3 Prozent beträgt, das seit vielen Wochen konstant eine Quote in dieser Höhe ausweist, aber nur 1,05 Prozent der Weltbevölkerung beherbergt, ist eine Niete in Sachen Pandemiebekämpfung, darauf weisen wir heute einmal wieder deutlich hin. Bei den Todesfallzahlen sieht die hiesige Bilanz nicht ganz so schlecht aus, aber auch hier liegt die „Überrate“, auf die gesamte Pandemiezeit bezogen, bei einem Faktor von 7. Von vorgestern (310) auf gestern (212) gingen die Todesfallzahlen ungewöhnlich stark zurück, das könnte in der Tat bereits eine Auswirkung der weniger vollständigen Berichterstattung an Feiertagen sein. Auch während der Weihnachtszeit war dieser Effekt zu beobachten. 

Zu unseren heutigen Beobachten passt ganz gut der aktueller Twitter-Trend #CovidIsNotOver. 

Der Aufreger der letzten Tage war aber nicht die nach wie vor viel zu hohe Zahl an Infektionen und Todesfallzahlen an / mit Corona in Deutschland, sondern die Nachricht, dass „eine Gruppe“ vorhatte, Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen. Angesichts der schlechten Noten für sein Krisenmanagement hätte sich diese Maßnahme vermutlich eines nicht geringen Zuspruchs in der Bevölkerung erfreut. 

Eine Chatgruppe namens „Vereinte Patrioten“ hat offenbar Anschläge und Entführungen bekannter Persönlichkeiten wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach geplant (Q). Neben den Entführungen war noch dies auf der Agenda:

Ermittelt wird den Angaben zufolge gegen zwölf Personen aus der Chatgruppe. Sie sollen vorgehabt haben, Einrichtungen der Stromversorgung zu zerstören, um so einen bundesweiten Stromausfall auszulösen. Im Visier sollen Stromleitungen und Umspannwerke gewesen sein.

„Damit sollten nach der Vorstellung der Beschuldigten bürgerkriegsähnliche Zustände verursacht und schließlich das demokratische System in Deutschland gestürzt werden“, hieß es in einer Mitteilung von Generalstaatsanwaltschaft und LKA [Rheinland-Pfalz]. Die Ermittlungen gegen die Gruppe liefen seit Oktober vergangenen Jahres.

Am Ende bleibt, gleich, wie es mit Corona weitergeht, der Kampf gegen die Erosion der Demokratie.

TH

Mittwoch, 13.04.2022 (hier zu 86/22 von vorgestern)

Es war eine gute Entscheidung, gestern keinen Corona-Report zu schreiben. Denn dieser wäre recht alarmistisch ausgefallen, angesichts eines plötzlichen Wiederanstiegs der Inzidenz unter deutlicher Durchbrechung der abwärts gerichteten Trendlinie. Heute sieht es aber wieder besser aus, die Inzidenz geht von 1087 auf 1044 zurück:

Das rasche und deutliche Durchbrechen der 7-Tage-Trendlinie der Inzidenz vorgestern und gestern, das gestern sogar zu einem leichten Wiederanstieg um 7 Punkte geführt hatte, war vielleicht nur ein Ausrutscher. Als es diese Figur zuletzt gab, wurde daraus die sechste Welle, das Abweichen vom bisherigen Trend war in den letzten beiden Tagen sogar noch deutlicher als damals, vergleichbar in 2022 zuletzt mit dem raschen Anstieg der Inzidenz beim Aufbau der 5. Welle. Heute sank die Inzidenz aber wieder um ca. 4 Prozent. Das ist auch nötig, damit im Sommer endlich Ruhe ins Infektionsgeschehen kommt. 

Deutschland liegt bei den täglichen Neuinfektionen nämlich immer noch weltweit auf Platz 2, hinter Südkorea (7-Tage-Trend) und die Infektionen sinken weltweit etwa im selben Tempol wie in Deutschland (21 / 22 Prozent innerhalb der letzten sieben Tage). Dies bedeutet, dass der deutshe Anteil an den Neuinfektionen weiterhin sehr hoch ist. Die gestern gemeldeten 176.000 Neuinfektionen sind zwar 38.000 weniger als eine Woche zuvor, aber das Niveau ist immer noch gigantisch hoch, das kann man nicht oft genug betonen.

Weltweit sind die tägliche Neuinfektionen (Durchschnitt der letzten 7 Tage erstmals in diesem Jahr unter eine Million gesunken. Das ist ein erfreuliches Zeichen und es gibt viele Länder, in dene man jetzt sicher von einer endmischen Lage sprechen kann. Deutschland zählt noch nicht dazu.

Das belegt auch die Zahl der Todesfälle: 361 wurden gestern registriert, das bedeutet einen weiteren Anstieg des 7-Tage-Durchchnitts auf jetzt 243.

Bei den Bundesländern gibt es eine Spreizung von mehr als 160 Prozent zwischen Berlin (Inzidenz 606, niedrigster Wert) und dem Saarland (Inzidenz 1581, höchster Wert). Mit Berlin, Brandenburg, Hamburg, NRW, Sachsen-Anhalt und Sachsen liegen nun sechs Bundesländer unter der Marke von 1.000.

Wichtige politische Nachrichten zu Corona gibt es heute nicht. Die Aufregung um die geplatzte Impfpflicht hat sich gelegt und viele Menschen tragen immer noch freiwillig beim Einkaufen ihren MNS. 

TH

Montag, 11.04.2022 (hier zu 85/22 von gestern)

Wir haben das schon so oft schreiben müssen: Ist das, was die Daten des RKI heute ausweisen, ein Ausrutscher oder ein Warnzeichen, weil wieder eine Corona-Trendwende ins Haus stehen könnte? Schwierig zu beurteilen:

Die Inzidenz ist zwar von gestern auf heute weiter gesunken (von 1097 auf 1080), aber das ist der geringste Rückgang seit 12 Tagen, als sie sogar leicht anstieg. Ein Minus von 1,63 Prozent von gestern auf heute bedeutet außerdem ein deutliches Durchbrechen der 7-Tage-Linie, die bei ca. – 4 Prozent liegt. Das gab es so deutlich zuletzt Anfang März, danach setzte die bisher höchste Welle ein. Im Grunde können wir uns nicht vorstellen, dass es schon wieder zu so vielen Neuinfektionen kommt, es sei denn, Menschen, die bereits einmal infiziert waren, infzieren sich  neu und die zum Erliegen gekommene Impfkampagne bedeutet, dass die Geimpften zunehmend weniger geschützt sind:

Wir wollen nicht den Herrn Lauterbach nachahmen und hoffen einfach mal, dass das Obige nicht einen erneuten Trend in die falsche Richtung einleitet. Im Alltag beobachten wir jedenfalls vermehrt Menschen, die bei ihren Erledigungen keine Maske tragen. 

Die Neuinfektionen, die heute gemeldet wurden, zeigen mit ca. 30.500 ein deutlich positives Bild, am Montag der Vorwoche waren es ca. 44.000. Um mehr Orientierung zu erhalten, haben wir auch den R-Wert angeschaut und waren überrascht, dass er trotz der aktuell schwächer sinkenden Inzidenz bei 0,79 liegt (vorläufig, er wird regelmäßig und bis zu ca. 14 Tage lang rückwirkend angepasst). Das ist ein beachtlich niedriger Wert, der auf ein weiter sinkendes Infektionsgeschehen verweist. Allerdings werden immer Werte gezeigt, die auf die etwa eine Wohe zurückliegenden Ereignisse des Pandemiegeschehens verweisen, und damals war der Rückgang der Inzidenz ebenfalls viel stärker als derzeit.

Panik ist vorerst nicht angesagt, zumal die Inzidenz beim letzten Durchbruch aufgrund der vorher recht schwachen Abwärtstendenz sofort ins Plus drehte, das ist bisher nicht der Fall, der heutige Rückgang von ca. 1,6 Prozent ist zunächst genau das – ein weiterer Rückgang.

Weltweit haben wir heute mit ca. 640.000 Neuinfektionen den geringsten Wert seit dem Beginn unserer Erfassung am 1. Januar 2022 gesehen. Das ist ja auch was Schönes.

TH

Sonntag, 10.04.2022 (hier zu 84/22 vom Freitag)

Wir fassen heute die Entwicklung der beiden letzten Tage in einem Kurzreport zusammen. Der Abwärtstrend bei den Infektionen hält an, demgemäß sinkt die Inzidenz weiter (vorgestern betrug sie 1181, gestern 1141, werden es 1197 Menschen pro 100.000 Einwohner ausgewiesen, die sich die sich innerhalb von 7 Tagen mit dem Corona-Virus infizieren).

Die Inzidenz sinkt derzeit mit einer durchschnittlichen Tagesrate von ca. 4 Prozent (Trend der letzten 7 Tage).

Damit einhergehend sinken die Neuinfektionszahlen, heute wurden ca. 55.000 neue Fälle gemeldet, das ist ein Minus von ca. 19.000 Fällen gegenüber dem Sonntag der Vorwoche. 

Die heute gemeldete Todesfallzahl von 39 ist nicht für das Geschehen repräsentativ, das über eine Woche hinweg stattfindet. Wie bei den Neuinfektionen herrscht am Wochenende stark eingeschränkter Meldebetrieb, der Durchschnitt liegt weiterhin bei 241 in den letzten sieben Tagen, also immer noch viel zu hoch, um von der zum Jahreswechsel heißdiskutierten endemischen Lage zu sprechen. 

Ein Weltvergleich macht ebenfalls deutlichd, wo das Problem liegt. Zwar liegt der deutsche Anteil der heute gemeldeten Weltzahlen „nur“ bei 6,7 Prozent (Anteil an der Weltbevölkerung: 1,05 Prozent), aber am Wochenende gehen die Meldezahlen in Deutschland stets besonders stark zurück, daher ist auch hier der 7-Tage-Vergleich aussagekräftiger: Der Rückgang der Fallzahlen fiel in den letzten 7 Tagen gegenüber den 7 Tagen zuvor in Deutschland mit 26 Prozent etwas kräftiger aus als global (- 23 Prozent), aber der deutsche Anteil am Weltinfektionsgeschehen beträgt immer noch sehr hohe 14 Prozent.      

Auch der Vergleich mit anderen größeren Ländern belegt die schlechte Lage in Deutschland: Von den Staaten mit mehr als 5 Millionen Einwohnern liegen nur Südkorea, Australien, Frankreich und Österreich derzeit bei einer höheren Inzidenz. Bemerkung am Rande: China hatte kürzlich bereits bei einer Inzidenz von 9 mehrere Städte abgeriegelt. Nun liegt sie bei knapp 8.

Ob der Rückgang der letzten Tage schon eine Aussage über den Einfluss der Abschaffung fast aller Corona-Maßnahmen am 01.04.20222 zulässt, ist fraglich, solange sich die meisten Menschen weiterhin vorsichtig verhalten. Eine Trendänderung war jedenfalls bisher nicht zu bemerken. 

TH

Freitag, 08.04.2022 (hier zu 83/22 vom Vortag)

Von gestern auf heute sank die Inzidenz um nicht weniger als 70 Punkte und von 1.251 auf 1.181, das ist ein Minus von mehr als 5,5 Prozent und der höchste Wert, den wir seit dem Einsetzen der Omikronwelle(n), also im Jahr 2022, gemessen haben.

  • Auch die Neuinfektionszahlen sinken nun sehr schnell, von 250.530 mit Meldung am Freitag der Vorwoche auf jetzt 175.263. Das ist durchaus überraschend, zumal gerade kein wärmeres Wetter zu Hilfe kommt. Vielleicht spielt die hohe Schutz- und Durchseuchungsquote eine wichtige Rolle, die in anderen Ländern schon seit Längerem zum Absinken der Infektionszahlen führen. Damit das nicht vergessen wird: Im Weltvergleich trug Deutschland  gestern wieder zu mehr als 15 Prozent zum Infektionsgeschehen bei.

  • Ebenfalls nicht vergessen dürfen wir, dass die Todesfallzahlen nicht sinken, sondern sogar weiter leicht ansteigen. Der 7-Tage-Trend liegt jetzt bei 241, das ist der höchste seit dem 10. Januar 2022, als noch die viel mehr schwere Fälle verusachende Delta-Variante das Bild bei den Todesfallzahlen beherrschte.
  • Deswegen werden wir weiter in geschlossenen öffentlichen Räumen Maske tragen. Gestern im LEH: Alle haben mitgemacht und ihren MNS verwendet. Danke! Heute in unseren kleinen Kiezpostladen: ca. 50 Prozent Ignoranten, keine Maske, kein Abstand. Aber die Kohorte war recht klein, sodass das Ergebnis der Analyse hoffentlich nicht repräsentativ ist. Solange unsere Corona-App grün bleibt, werden wir diese Übergriffe auf die Gesundheit anderer auf kleinem Raum so schnell wie möglich vergessen.
  • Wir verstehen, dass die Berliner Zahlen zu einem Mangel an Vorsicht reizen. Mit 752 liegt die Inzidenz hier bundesweit am niedrigsten, es folgen Brandenburg mit 832 und Hamburg mit 987. Trotzdem sind das keine „niedrigen Werte“. Wenn wir unter Omikron-Bedingungen unter 100 sind, dann kann man von einer entspannten Lage sprechen.
  • Und was halten Sie von Karl Lauterbach, speziell in seiner Funktion als Krisenmanager? Gestern war die gescheiterte Impfpflicht der Aufreger im Bundestag, eine Niederlage auch für ihn, zweite Tage zuvor hatte seine nächtliche Twitter-Quarantäne-Umregelunge, die ein wenig wie ein aufgezeichneter innerer Monolog klang, für Aufregung gesorgt. Deswegen konnte eine Civey-Umfrage nicht ausbleiben:

Wie zufrieden sind Sie derzeit mit dem Corona-Krisenmanagement des Gesundheitsministers Karl Lauterbach? Stimmen Sie ab, wenn Sie mögen oder lesen Sie zunächst den Civey-Begleittext:

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) steht derzeit aufgrund der Kommunikation und Entscheidungen in der Coronapolitik in der Kritik. Nachdem er am Montag das Ende der verpflichtenden Quarantäne ab Mai verkündete, zog er es am Folgetag bereits zurück. Die freiwillige Quarantäne wurde in der Wissenschaft und Opposition sowie von Sozialverbänden mit Blick auf Risikogruppen stark kritisiert.

Die sofortige Rücknahme der Regel sorgte ebenso für Verwirrung. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte das „Hin und Her“ bei der Bild ein kommunikatives „Desaster”. Zudem wächst der Unmut in der Bevölkerung, die laut Tagesspiegel den Eindruck habe, dass Entscheidungen nun mehr aus politischen und weniger wissenschaftlichen Gründen gefällt werden. Ähnliche Vorwürfe gab es bereits beim Genesenenstatus und den PCR-Tests.

Lauterbach räumte Fehler ein und übernahm öffentlich Verantwortung für das Kommunikationschaos. Einen Rücktritt schloss er auf Nachfrage aus. „Wenn man sieht, dass die Vorschläge nicht wirklich funktionieren, muss man sie zurücknehmen“, sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Der „Grundgedanke“ der ursprünglichen Quarantäne-Neuregelung sei gewesen, die Gesundheitsämter zu entlasten.

18 Prozent derer, die bisher abgestimmt haben, sind weniger zufrieden (wie auch wir) und ganz 44 Prozent komplett unzufrieden mit Karl, dem Manager – darunter sicher auch Menschen, die mit Karl, dem Mahner, keine Probleme hatten. Seien wir ehrlich: Das war zu erwarten, zumal dieses Thema viele ideologische Komponenten hat und einige nur auf solche Fehler gewartet haben, wie sie jetzt passieren. Wie sehr Lauterbachs Handeln die Zustimmung zur SPD oder gar zur Ampelkoalition negativ beeinflusst, ist schwer zu ermitteln, denn die Augen der Bevölkerung sind derzeit mehr auf den Krieg in der Ukraine gerichtet. Wie auch immer, hier noch einmal die Umfrage – wenn Sie Lauterbach-Fan sind, können Sie zu diesem frühen Zeitpunkt der Abstimmung das Ergebnis stärker beeinflussen bzw. zu seinen Gunsten verändern als in ein paar Tagen:

Wie zufrieden sind Sie derzeit mit dem Corona-Krisenmanagement des Gesundheitsministers Karl Lauterbach?

Auf Twitter ist der Streit zwischen Imgegnern und Impfbefüwortern nun wieder voll entbrannt. Unter dem Hashtag #Ichhabemitgemacht werden prominente Impfpflichtbefürworter gerade vom freidrehenden Mob auf „schwarze Listen“ gesetzt. Sicher waren manche Ansagen an die Impfgegner krass, das wird jetzt alles zusammengetragen und es wird „daran erinnert, und es darf niemals vergessen werden“. Einige der Nutzer:innen gefallen sich einmal mehr darin, eine Terminologie zu verwenden, wie für die Thematisierung der Shoah und weiterer Verbrechen der Nazis üblich und nur dafür angemessen ist.

TH

Donnerstag, 07.04.2022 (hier zu 82/22 vom Vortag)

Unser Ziel war es, bei Rückgang der Neuinfektionen in Deutschland die Abstände zwischen unseren Reporten zu erhöhen. Ausnahme: Es an einem Tag besonders interessante Daten oder ebensole politische Bewegungen. Beides ist heute der Fall.

Die Impfpflicht ab 18 war schon vor Tagen vom Tisch. Ein Modell, nach dem Menschen ab dem Alter von 60 Jahren geimpft werden sollten, scheiterte heute ebenfalls – dieses Mal recht überraschend – im Bundestag. Den Vorschlag für eine Pflicht zunächst ab 60 Jahren lehnten am Donnerstag 378 Abgeordnete ab, dafür votierten 296 Abgeordnete und neun enthielten sich. (Q)

Wenn wir richtig gerechnet haben, sind es nicht nur einige Konsort:innen aus der FDP vom Schlage eines Kubicki gewesen, die dagegen gestimmt haben, es müssen auch Abgeordnete der Grünen und / oder der SPD dieses Modell abgeelehnt haben. Möglicherweise sind sogar welche darunter, denen die Impfpflicht ab 60 nicht ausgereicht hätte. Dadurch wird es nun gar keine Regelung geben. Für die Abstimmung war der Fraktionszwang aufgehoben worden, Abgeordnete konnten sich frei entscheiden, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Die Konsequenzen werden jetzt die Bevölkerung treffen. Wir haben die Impfpflicht immer als eine Möglichkeit angesehen, bei Verschärfung der Lage einzugreifen, nicht, dass sie automatisch zu einem bestimmten Zeitpunkt in Kraft tritt, unabhängig davon, wie dann die Lage sich darstellt.

Die Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht von einem Scherbenhaufen, die Mitarbeitenden in diesem Bereich müssen sich ohnehin seit Mitte März impfen lassen, das bleibt nun also eine Exklusivregelung, die man vertreten kann, die aber sicher keine Optimallösung darstellt. Natürlich gibt es wieder einen Tweet von Karl Lauterbach zum Impfpflicht-Desaster. Wir meinen: Kanzler Scholz hat nicht genung geführt und vermittelt und Lauterbach zu schwurbelig kommuniziert (und gehandelt), beide Ab-18-Befürworter sind nicht ganz unschuldig daran, wie es jetzt gelaufen ist. Man kann vielleicht als Gegenargument bei Scholz anführen, dass er mit dem Ukrainekrieg derzeit voll ausgelastet ist. Das ist sogar ein Argument, das wir gelten lassen würden. Also bliebe das heutige Ergebnis vor allem eine Niederlage von Karl Lauterbach. Normalerweise wäre derlei schnell vergessen. Das wird es aber nicht sein, wenn im Herbst tatsächlich eine neue Welle entsteht. 

Eine neue Omikron-Variante namens ZE.3 steht bereits in den Startlöchern und wartet darauf, sich verbreiten zu dürfen. Auch bei uns verbreiten zu dürfen, genauer geschrieben. In Großbritannien (wieso immer Großbritannien, wenn es um den Start einer Welle in Europa geht?) ist sie bereits wirksam. Britische Gesundheitsbehörden entdecken mehrere hundert Fälle einer neuen Corona Variante. Omikron XE ist ein genetischer Mix aus BA.1 und BA.2. Ob XE einen Verbreitungsvorteil hat, ist noch offen. (Q) Das ist die neueste Quelle zum Zeitpunkt unserer Publikation, die wir zu diesem Thema gesehen haben. In ihr wird auch erwähnt, dass es weitere neue Varianten (in diesem Fall „Rekombinationen“ genannt) gegeben hat, die es aber bisher nicht auf nennenswerte Fallzahlen gebracht haben.

So viele auf Corona bezogen Hashtags auf Twitter wie heute gab es lange nicht mehr: #LauterbachRuecktritt ist natürlich wieder dabei, #Bundestag, passenderweise. Aber auch #Neuwahlen und #Vertrauensfrage. Wir raten dazu, denn filzigen Teppich der Vernunft nicht ganz zu verlassen. Wir sind keine Ampel-Fans, aber von den Entscheidungen einer CDU-geführten Regierung möchten wir in der aktuellen Lage nicht abhängig sein.

Heute etwas später, aber zuverlässig zu den Grunddaten:

  • Die Inzidenz ist von 1322,2 auf 1251 zurückgegangen, das ist ein Minus von fast 5,4 Prozent, noch einmal etwas mehr als gestern und damit das stärkste seit dem Beginn der Omikron-Welle.

  • Außerdem kam es zum stärksten Rückgang der Neuinfektionszahlen seit dem Beginn der Corona-Welle im Wochenvergleich: 201.729 bis heute früh gemeldeten Infektionen stehen 274.901 vor einer Woche gegenüber, das ist ein Minus von mehr als 73.000. 
  • Wir haben bereits häufiger geschrieben, dass wir solche Zahlen, solche starken Rückgaänge brauchen, um im Sommer einigermaßen entspannt in dieser Welt unterwegs sein zu dürfen. Diesen starken Abwärtstrend gab es nach dem Peak der Welle 5, wie wir den Gipfel während der Zeit, in der Omikron BA.1 vorherrschte, nicht, weil BA.2 auf dem Fuß folgte und für neue Rekordzahlen sorgte. Wir haben auch den Peak der „Welle 6“ jetzt in der Inzidenzgrafik gekennzeichnet. Man kann natürlich auch das Omikron-Geschehen als eine Welle 5 mit zwei Kämmen zusammenfassen, das ist nach unserer Ansicht Geschmacksache. 
  • Der durchschnittliche Inzidenzrückgang in Deutschland hat jetzt ca. 4 Prozent im 7-Tage-Trend erreicht und steigt weiter an.
  • Auch der R-Wert liegt bei 0,83 auf einem Niveau, das Entspannung signalisiert. Vor ein paar Tagen wurde er bereits mit 0,76 angezeigt, aber, wie erwartet, nachträglich etwas nach oben korrigiert. 

Wegen der notwendigen Informationen zur aktuellen Politik verzichten wir heute auf den Vergleich der deutschen mit den globalen Werten und belassen es bei der Feststellung, dass auch weltweit die Zahlen weiter sinken (für gestern wurden 1,201 Millionen neue Fälle gemeldet), der 7-Tage-Durchschnitt bewegt sich von oben deutlich auf die 1-Million-pro-Tag-Grenze zu.

TH

Mittwoch, 06.04.2022 (hier zu 81/22 vom Vortag)

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern sind nahezu komplett geimpft. Das ist die gute Nachricht, mit der wir den heutigen Report starten:

Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz  CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder.

Wenn Sie also ins Krankenhaus müssen, wegen Corona oder was immer, können Sie fast sicher sein, dass Sie von Menschen mit Verantwortungsbewusstsein behandelt werden. Nicht, dass wir das bei diesen Berufen nicht ohnehin annehmen würden, aber Sie erinnern sich gewiss an die Diskussion, dass in der Pflege unzählige Menschen „wegbrechen“, wenn sie sich impfen lassen müssen. Zumindest diejenigen, die noch da sind, zeigen, dass sie verstanden haben. Die fehlenden Prozente zu 100 könnten teilweise sogar dadurch zustande gekommen sein, dass es auch unter diesen Beschäftigen Menschen gibt, die Unverträglichkeiten aufweisen und eshalb nicht geimpft sind. Nun zu den üblichen Tageszahlen.

Hier der Begleittext zur Statista-Grafik:

eit dem 16. März gilt in deutschen Krankenhäusern eine einrichtungsbezogene Impfpflicht, um vulnerable Bevölkerungsgruppen effektiver vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen und die Ausfallquote in systemrelevanten Tätigkeiten zu minimieren. Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) lag die mittlere Impfquote aller Beschäftigten eine Woche nach der Einführung bei 94 Prozent. Wie unsere Grafik zeigt, fällt nur ein Bereich ein Stück weit aus der Reihe.

Während Angestellte im ärztlichen Dienst und in der Intensivpflege mittlere Impfquoten von 97 respektive 96 Prozent ausweisen, sind lediglich 93 Prozent aller Pfleger:innen in den befragten Krankenhäusern vollständig geimpft oder genesen. Im Gesamtbild stellt dies trotzdem eine Verbesserung seit Januar 2022 dar. Zu Beginn dieses Jahres waren nur 87 Prozent der Intensivpfleger:innen und 89 Prozent aller in Krankenhäusern tätigen Ärzt:innen mindestens doppelt geimpft oder hatten eine Coronavirusinfektion überstanden. Die mittlere Impfquote im Pflegedienst war seit Januar gleich geblieben.

Trotz der hohen Impfquoten in deutschen Krankenhäusern spricht sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß, weiterhin für eine allgemeine Impfpflicht aus, um die kommende Herbstwelle abzumildern. „Nur, wenn sich deutlich mehr Menschen impfen lassen und so Klinikaufenthalte mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeiden, ist die uneingeschränkte Patientenversorgung in den Krankenhäusern auch bei einem Wiederanstieg der Infektionen im Herbst gewährleistet“, so Gaß in einer Pressemitteilung der DKG. Laut DKI-Umfrage erwarten 53 Prozent der befragten Krankenhäuser Einschränkungen bei der Patient:innenversorgung aufgrund von Freistellungen ungeimpfter Mitarbeiter:innen, ein Wert, der sich frühestens mit dem Fallen der Isolationspflicht am 1. Mai und spätestens in den Herbstmonaten je nach Infektionsgeschehen noch erhöhen könnte.

  • Die Inzidenz geht von 1394 auf 1322,2 zurück, das ist ein Minus von mehr als 5 Prozent und der höchste Wert seit dem Beginn der Omikron-Welle.
    • Trotzdem weist Deutschland in Europa den dritthöchsten Wert auf und liegt vor allen anderen großen Staaten, Frankeich hat jetzt wieder eine leicht höhere Inzidenz. 
  • Die Zahl der Neuinfektionen ging im Wochenvergleich von 268.477 auf 214.985 zurück, das ist ein Minus von 43.500.
  • Weltweit lagen die Neuinfektionen gestern bei 1,241 Millionen, die 7-Tage-Tendenz zeigt mit – 19 Prozent eine weitere Erholung von Corona an.
    • In Deutschland betrug der Rückgang 20 Prozent, allerdings auf sehr hohem Niveau und trug in der abgelaufenen Woche 14,7 Prozent zum weltweiten Infektionsgeschehen bei. Das ist der höchste Wert, den wir bisher errechnet haben (vermutlich lag er in den letzten Tagen ähnlich hoch oder noch leicht höher, wir ziehen diese Vergleichszahl nur ab und zu, kamen dabei aber bisher nie über 14 Prozent hinaus). 

  • Karl Lauterbach, über den wir uns gestern bereits Gedanken gemacht haben, räumt einen Fehler ein und korrigiert die Quarantäneregelungen doch wieder in Richtung verbindlich, siehe den nebenstehenden Tweet von ihm. Der Gesundheitsminister als lernendes System oder Politik by Trial and Error and Reset? Und was drückt es aus, wenn Lauterbach mit seinem Twitter-Account noch als Professor aufrritt und ein uraltes Bild mit Fliege und Halbhippie-Haarschnitt zeigt. Wir meinen, er muss endlich in seiner Ministerfunktion ankommen. Das wird vor allem wichtig werden, wenn Corona sich im Herbst mit neuen Varianten zeigen und verschärfen sollte. Dann darf er sich nicht weiterhin von der erwähnten FDP am Nasenring durch die Manege ziehen lassen.

TH

Dienstag, 05.04.2022 (hier zu 80/22 vom Vortag)

Erfreulicherweise ist auch die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen von gestern auf heute wieder gesunken: Von 1.457,4 auf 1.424,6 auf 1.394,0, das ist ein Rückgang um 2,15 Prozent nach 2,28 Prozent von vorgestern auf gestern.

Der hohe Rückgang von fast fünf Prozent am Sonntag ist vorerst Geschichte und insgesamt gibt es gute und schlechte Meldungen. Wir dürfen die guten nicht ignorieren, aber wir müssen auch daran erinnern, wo wir wirklich stehen, deshalb haben wir den heutigen Report in Form einer Positiv-Negativ-Liste verfasst. Zunächst die Inzidengrafik:

  • Positiv: Die Inzidens sinkt weiter mit eine Rate von über 2 Prozent und deutlicher, als das in der letzten Phase mit sinkenden Werten zwischen Mitte Februar und Anfang März der Fall war.
    Negativ: Die blaue Linie der 7-Tage-Tendenz der Veränderung wurde gestern nach oben deutlicher durchbrochen als am Vortag. Wenn man es so ausdrücken will, eine Stagnation des Rückgangs. Die Inzidenz liegt immer noch höher als während des Zwischenrückgangs Anfang März.
  • Positiv: Die Zahl der Neuinfektionen ist gestern von 237.000 am Montag der Vorwoche auf 180.397 zurückgegangen, ein deutliches Minus von ca. 57.000 Fällen. 
  • Negativ: Das ist immer noch zu viele, um einfach die Masken fallenzulassen und deutlich mehr als während der letzten Abschwungphase Anfang März mit Werten von 122.000 und 157.000, die an Dienstagen gemeldet wurden.
  • Positiv: Die Inzidenz in Berlin ist gestern nach Tagen der Quasi-Stagnation wieder deutlich gefallen, von 876 auf 817. 
  • Negativ: Mit dem Saarland gibt es immer noch ein Bundesland, das eine Inzidenz von mehr als 2.000 aufweist. Wir haben etwas genauer hingeschaut. Es ist ein bestimmter Landkreis im Osten des Saarlandes, der mit einem astronomischen Wert von (gestern) 4.400 für diese negative Spitzenposition sorgt, der „Saar-Pfalz-Kreis“.  
  • Nur negativ: Die Todesfallzahl, die gestern gemeldet wurde, beträgt 316. Das sind mehr als am gleichen Tag der Vorwoche (301) und die Tages-Durchschnittszahl steigt weiter leicht an, auf jetzt 233 pro Tag. Zur Erinnerung: Wenn diese Zahlen sich nicht verbessern, angenommen ein Durchschnittswert von 200 pro Tag, werden wir im Jahr 2022 über 70.000 Todesfälle an / mit Corona in Deutschland haben.
  • Positiv: Die weltweiten Infektionszahlen sinken jetzt wieder deutlich. Gestern wurden „nur“ noch 735.000 neue Fälle gemeldet, der Wochendurchschnitt sinkt auf weniger als 1,2 Millionen, den niedrigsten Wert seit Beginn der Omikronwelle.
  • Negativ: Der deutsche Anteil an dieser Zahl beträgt nicht weniger als 24,5 Prozent. Daran sieht man, wo wir wirklich stehen, im Vergleich mit anderen Ländern: sehr schlecht. Kein Grund zum Feiern. 
  • Neutral: Im Wochenvergleich sank die weltweite Zahl der Neuinfektionen um 18 Prozent, in Deutschland exakt um den gleichen Wert. 
  • Niedlich: Karl Lauterbach hat verkündet, dass er seinen neuen Beruf als Bundesgesundheitsminister recht uneasy findet. „Zeitlich, aber auch was die Komplexität der Anforderungen angeht. Ich arbeite von morgens früh bis spät in die Nacht hinein, und dennoch würde ich mir wünschen, dass der Tag mehr Stunden hat. Es ist eine Belastung, wie ich sie mir in dem Umfang nicht vorgestellt habe.“ Wir meinen, er dürfte gerne auch die mentale Belastung erwähnen, die es erfordert, vom Mahner zum Manager zu werden. Man gewöhnt sich als Bürger:in daran, dass man es mit ihm  zu tun hat, und da kommt doch zum Vorschein, dass er mit all seinen Übertreibungen und seiner Nerdigkeit authentischer wirkt als die alerten Beschwichtiger, die so tun, als sei Corona schon quasi eine Grippe, bei denen aber der Populismus und das funktionalistische Denken, auch in Bezug auf Menschenleben, allzu deutlich werden. Was wir im Zuge des Bekenntnisses erfahren haben: Karl spielt mit Günter Wallraff Tischtennis. Ein guter Sport für Menschen, die sowohl mental als auch körperlich fix sein wollen und, wie z. B. eine Person mit großer politischer Verantwortung, in jeder Hinsicht so fit wie möglich sein sollten. (Q)
  • Schwer zu bewerten: Eine Impfpflicht ab 18 wird nicht kommen. Ob Kanzler Scholz, der das wollte, sich „verzockt hat“, wie die Zeit heute Morgen schreibt, ist Ansichtssache. Man geht mit einer Position in die Verhandlungen, die man nicht immer durchsetzen kann, das weiß Scholz recht gut. Ein „Sieg der Vernunft“, wie heute auf Twitter trendet,  ist die Absage an die Impfpflicht mit 18 für uns nicht so eindeutig: Es kommt darauf an, was man mit der Möglichkeit, sie bei Bedarf in Kraft treten zu lassen, mehr an Optionen gehabt hätte, wenn sich Corona weiterentwickelt. 

TH

Montag, 04.04.2022 (hier zu 79/22 vom Vortag)

Erfreulicherweise ist auch die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen von gestern auf heute wieder gesunken: Von 1.457,4 auf 1.424,6. Das ist ein Rückgang von ca. 2,3 Prozent gegenüber einem Rückgang von beinahe 5 Prozent von vorgestern auf gestern. Da #EDEKA heute trendet, haben wir am Ende etwas dazu beigefügt.

Da die an Wochenenden gemeldeten Neuinfektionszahlen traditionell viel niedriger liegen, inklusive der Meldungen von Sonntag auf Montag, als dies im Wochendurchschnitt der Fall ist, wirken sich die heutigen Zahlen auch weniger auf die Inzidenz aus. Anders beschrieben: Wir haben heute keinen so starken Rückgang wie gestern erwartet. Es ist alles in der Reihe, derzeit jedenfalls und immer noch auf einem viel zu  hohen Niveau, nur knapp unter dem Peak der 5. Welle Mitte Februar:

Bezüglich unseres gestrigen Reports müssen wir eine Korrektur wegen falscher Datenauswertung melden: Die Neuinfektionszahlen stiegen gestern im Vergleich zur Vorwoche nicht, sondern sanken um fast 40.000. Wir haben schlicht mit dem falschen Tag verglichen, vermutlich, weil wir einen relativ so starken Rückgang von ca. 111.000 auf 74.000 nicht erwartet hatten. Da wir gestern auch die Neuinfektionen-Grafik hier nicht gezeigt haben, fiel uns das nicht sofort auf. Im Grunde kann ein Anstieg der Infektionen in Relation zum gleichen Tag der Vorwoche nicht mit einem deutlichen Rückgang der Inzidenz einhergehen. Heute ist die Linie der letzten Tage weiterhin intakt: Es wurden 41.129 Neuinfektionen bundesweit gemeldet, am Montag vor einer Woche waren es die 67.501, mit denen wir im Report 79/22 fälschlicherweise die 74.000 von gestern verglichen hatten.

Vor allem prozentual ist das, was wir im Moment sehen, ein sehr beachtliches Abklingen der Infektionstätigkeit, deswegen haben wir uns nach längerer Zeit mal wieder den R-Wert angeschaut. Ihn haben wir zuletzt nicht berücksichtigt, weil er zu viele Nachkorrekturen erfahren hat, um bei der ersten Meldung für einen bestimmten Tag in dieser kippeligen Lage (geht es weiter hoch mit den Infektionszahlen oder kommt endlich die nachhaltige Wende zum Besseren?) aussagekräftig genug zu sein. Heute liegt der R-Wert vorläufig bei 0,76. Das ist der geringste Wert seit dem Einsetzen der Omikron-Welle und eines können wir versichern: Er wird in den kommenden Tagen nicht über den kritischen Wert von 1,0 hinaus angehoben werden. Das heißt, auch der R-Wert belegt ein deutliches „es geht voran“, das wir in der Überschrift ganz ironiefrei angekündigt haben. 

Berlin ist allerdings weiterhin das einzige Bundesland mit dreistelliger Inzidenz (heute 876 gegenüber gestern 879, da geht es nicht mehr so stark voran) und das hat auch für uns Konsequenzen. Wir werden heute wieder für einen Tag mehr als bisher ins Büro zurückkehren werden und daher kommt der Corona-Report erst am Nachmittag. Wir beenden ihn aber zügig mit diesem Hinweis:

Ohne Maske einkaufen – was vor Kurzem noch undenkbar war, ist nun in vielen Bereichen erlaubt. Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen bleibt dies umstritten. Was gilt nun? Und sind die Regeln überall gleich? Ein Überblick. Rund zwei Jahre war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Supermarkt und anderen öffentlichen Innenräumen wie Restaurants, Kinos, Museen und Schulen Maske Pflicht, um die Corona-Ausbreitung zu bremsen. Zunächst reichten Stoffmasken, später wurden die Vorgaben strenger und medizinische Masken wie FFP2 zum Standard. (ARD-Tagesschau).

Warum es sinnvoll ist, weiterhin Maske zu tragen, wird dort erläutert und da wir gerade vom Einkaufen gekommen sind, schreiben wir von einem Gefühl, das uns ein bisschen versöhnt hat mit vielem, was  uns während der Pandemie negativ aufgefallen ist: Nur eine einzige Person im Laden ohne Maske haben wir entdeckt. Danke, liebe Mitbürger:innen in unserem Kiez. Danke dafür, dass ihr Eigenverantwortung könnt, zumindest im Moment noch. Auch bei uns am Arbeitsplatz hat sich nichts verändert, die Firma hält an den relativ strengen Regeln fest, die seit dem letzten Jahr gelten. In dem Teil des Unternehmens, in dem unser Arbeitsplatz liegt, hat sich bis heute niemand angesteckt. Zumindest nicht so, dass es offensichtlich geworden wäre. Langsam fangen wir an, uns auf den Sommer zu freuen.

TH

Sonntag, 03.04.2022 (hier zu 78/22 vom Vortag)

Es bleibt interessant mit Corona und um Corona herum, daher servieren wir Ihnen auch heute das Neueste. Der signifikante Wert des Tages dürfte der Rückgang der 7-Tage-Inzidenz von gestern 1.531,5 auf heute 1.457,4 sein. Das ist ein Minus von knapp 5 Prozent. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen liegt allerdings mit 74.053 um ca. 6.500 höher als am Sonntag vor einer Woche.

So wie am rechten Rand der Grafik müssen die Zahlen allerdings auch aussehen, damit wir irgendwann von den immer noch viel zu hohen Werten herunterkommen. Eine Verstärkung des Abwärtstrends ist notwendig, damit die Inzidenz auch in Punkten einigermaßen rasch sinkt. Von gestern auf heute waren es 74 Punkte, dieser Rückgang ist der stärkste im Jahr 2022.

Zugegeben, uns erstaunt dieser plötzlich sehr starke Abwärtsrrend. Wir haben ja nichts dagegen, wir sind nur verblüfft. Sollen wir mal etwas querdenken, nach unser eigenen Art? Die Zahlen werden jetzt schnell gedrückt, damit der erneute Anstieg drastischer wirkt, wenn sich die Auswirkungen der großen Freiheit zeigen. Sie müssen der These nicht folgen, denn wir sind selbst nicht davon überzeugt, dass wir richtig liegen. Wir haben gestern schon darauf hingewiesen, dass auch die schnell steigende Durchseuchung das Geschehen nun bremsen könnte. Die Automatik-Bremse, wenn man so will: hohe Infektionszahlen verursachen irgendwann sinkende Infektionszahlen. Dadurch wird es verhindert, dass wir wirklich Tageswerte von 400.000 bis 600.000 Neuinfektionen pro Tag sehen, wie Karl Lauterbach sie in seiner unnachahmlich katastrophisierenden Art vor etwa zwei Monaten prophezeit hatte. Wenn er schon solche Zahlen in den Raum stellt, dann muss er auch in der Lage sein, sich gegen Darwins Erben von der FDP durchzusetzen, wenn es um die Verlängerung von Maßnahmen geht, alles andere ist angesichts dieser Überzeugung des Gesundheitsministres eine bewusste Gefährdung der Bevölkerung. Die Mehrheit der Menschen hätte er hinter sich. Stimmen Sie mit ab!

Sollten die bestehenden Corona-Maßnahmen Ihrer Meinung nach angesichts der aktuellen Infektionslage bis Mai verlängert werden?

Es kann natürlich sein, dass die schneller sinkende Inzidenz dieses Meinungsbild in den nächsten Tagen verändert wird, die Umfrage wurde vorgestern gestartet, normalerweise laufen diese Polls über 14 Tag (Ausnahme: „fortlaufende“ Befragungen im Sinne eines politischen Barometers, wie die „Sonntagsfrage“). Weitere Interpretationsmöglichkeit für das rasche Absinken: Lauterbach und das RKI haben sich verständigt, es mal gut sein zu lassen, damit der Gesundheitsminister, bekanntlich ein guter Freund des RKI-Chefs Lothar Wieler, aus der Schusslinie kommt. Sie sehen, unser Vertrauen in die Zahlen ist allenfalls mittelplusgut, zumal sich an der Tatsache der Untererfassung, die schon länger im Raum steht, nichts geändert haben dürfte. Trotzdem freuen wir uns irgendwie, dass Berlin mit 879 das „Schlusslicht“ bildet, nicht hingegen darüber, dass es immer noch das einzige Bundesland mit einer Inzidenz von unter 1.000 ist, das würden wir den anderen auch gönnen. 

Wir haben uns gestern auch zur Impfpflicht geäußert (im Kurzreport 78/22), nun gibt es eine Spezialumfrage von Civey, die sich nur mit dem Vorschlag „Impfpflicht ab 50“ befasst, zu dem immer mehr Bundestagsabgeordnete tendieren sollen. Allerdings kommt die Logik erst mit der präzisen Frage:

Sollte Ihrer Meinung nach eine Corona-Impfpflicht ab 50 Jahren eingeführt werden, falls eine solche ab 18 Jahren im Bundestag keine Mehrheit findet?  

So wird auch ein Schuh draus. Wenn möglich, dann ab 18, keine Altersdiskriminierung. So wollen es Olaf Scholz und Karl Lauterbach bisher, eingebracht hatte den Antrag der Grünen-Politiker Janosch Dahmen. Aber bitte mit an die dann aktuelle Virusvariante angepassten Impfstoffen. Bei der FDP scheint eine Mehrheit für die Impfpflicht ab 50 zu sein, aber es gibt auch noch den Sonderantrag von Herrn Kubicki gegen jede Impfpflicht, einen solchen Antrag hat auch die AfD eingebracht. Die Linke ist gespalten. Eine Gruppe um Sahra Wagenknecht wird sich gegen die Impfpflicht stellen, die Mehrheit der Fraktion wohl für eines der beiden Modelle ab 18 oder ab 50 stimmen. Wir nehmen auf Basis gegenwärtiger Erkenntnisse an, für dasjenige der beiden Modelle, von dem sich abzeichnet, dass am meisten Aussicht auf Erfolg im Parlament und von juristischer Seite hat. 

FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann sieht etwa ein Modell vor, bei dem es vorab eine Beratungspflicht gibt. Je nach Coronalage würde dann erst im Herbst entschieden werden, ob alle ab 50 Jahren geimpft sein müssen. Die Union plädierte für einen ähnliches, von der Infektionslage abhängiges Modell, forderte aber zudem auch ein Impfregister. (Aus dem Begleittext von Civey.)

Wir haben wir nun abgestimmt? Mit eindeutig ja, obwohl wir das umfassendere Modell bevorzugen und obwohl wir eine Einschränkung vorgenommen haben, unser persönliches Verhalten betreffend. Wir wollen ja nicht schuld daran sein, dass es aufgrund zu geringen Zuspruchs in der Bevölkerung  zu gar nichts kommt, alles jedoch ist in der Demokratie selten umsetzbar. Schal schmeckt diese Tatsache vor allem dann, wenn eine Zehnprozent-Partei in der Regierung uns allen vorschreibt, was wir zu tun haben, nämlich hinzunehmen, dass es weiterhin viele Todesfälle geben wird. Die FDP ist eine richtige Verbotspartei, sie verbietet es uns, endlich wieder das Gefühl zu haben, es wird nicht unnötig gestorben. Die Älteren werden sich noch erinnern, das war schon so in der alten BRD mit ihrem Dreiparteiensystem, da hat auch der Schwanz sehr oft mit dem Hund gewackelt. Deswegen ist vieles heute auch so reparaturbedürftig und ist die Mentalität so unsolidarisch, in diesem Land.

TH

Samstag, 02.04.2022 (hier zu 77/22 vom Vortag)

Der Hauptgrund unseres heutigen Reports ist ein erfreulicher, den wir Ihnen genausowenig vorenthalten möchten wie negative Nachrichten (die gibt es leider nach wie vor).

  • Die Inzidenz in Deutschland sinkt heute auf 1.531,5, das ist ein Rückgang um 3,46 Prozent gegenüber gestern. Das Bundesland mit der niedrigsten und das einzige mit einer nur noch dreistellligen Inzidenz ist Berlin (889). Nur das Saarland weist noch eine Inzidenz von mehr als 2.000 aus (2.220,3). Dies trotz der dort überdurchschnittlichen Impfquote. Nicht alle Bundesländer wollen die Konsequenzen des neuen Infektionsschutzgesetzes mittragen, das eine Aufhebung fast aller Maßnahmen vorsieht, so möchte zum Beispiel Hamburg seine relativ guten Werte bewahren, indem es sich zum Hotspot erklärt, Mecklenburg-Vorpommern seine hohen Werte auf die gleiche Weise senken. Der Unterschied: M-V ist tatsächlich immer noch ein Hochinzidenzland (heute 1.890,6).
    • Das geänderte Infektionsschutzgesetz sieht nur noch wenige staatliche Vorgaben zum Maskentragen im Alltag vor. Bundesweit gilt das in ICE, Intercity und Flugzeugen. Die Länder können Maskenpflichten außerdem allgemein für Einrichtungen anordnen, in denen gefährdete Menschen wohnen oder sich aufhalten: Arztpraxen, Kliniken, Pflegeheime sowie Gemeinschaftseinrichtungen etwa für Asylbewerber. (…)

      Auch ohne staatliche Vorgaben kann es weiterhin Regeln zu Masken – aber genauso zu Impfnachweisen – geben, nämlich per Hausrecht. Das können Unternehmen, Kneipen oder Geschäfte jetzt selbst für ihre Bereiche festlegen und durchsetzen. In Berlin hält zum Beispiel eine Reihe von Kultureinrichtungen an der Maskenpflicht fest – von den drei großen Opernhäusern über Theater bis zu den Staatlichen Museen. Viele Handelsketten verzichten dagegen vorerst darauf, appellieren aber an die Kunden, weiterhin freiwillig mit Maske zu kommen. (Q)

Wissenschaftler raten dazu, weiterhin beim Einkauf usw. Maske zu tragen und wir schließen uns dem an: Tun Sie sich und anderen den Gefallen, die jüngsten Erfolge beim Rückgang der Neuinfektionen nicht aufs Spiel zusetzen, tragen Sie bitte weiter Ihren FFP2-MNS!

  • Zwar hat sich die Prognose vom 26. März vorerst nicht bewahrheit, dass die Inzidenz weiter ansteigen wird, trotzdem sind aus den damals gemeldeten 20,1 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland mittlerweile 21,5 Millionen geworden und viele Todesfälle betreffen ältere Menschen, die anfälliger hinsichtlich schwerer Ansteckungsfolgen sind (Q). Deshalb trifft der Tenor „Das neue Corona-Risiko“ unsere Einschätzungen und Ansichten ziemlich gut (Q). Darauf bezieht sich auch die Umfrage, die wir im Titel angesprochen haben und die wir an Sie weiterreichen möchten:

Sollten die bestehenden Corona-Maßnahmen Ihrer Meinung nach angesichts der aktuellen Infektionslage bis Mai verlängert werden? (Civey)

Trotz anhaltend hoher Corona-Neuinfektionen fallen die meisten Corona-Beschränkungen hierzulande spätestens am Sonntag weg. Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz gilt dann nur noch ein Basisschutz. Dazu gehört etwa die Maskenpflicht in Pflegeeinrichtungen und im öffentlichen Nahverkehr. Der Deutsche Städtetag fordert laut Zeit aufgrund der hohen Inzidenzen eine baldige Korrektur des Gesetzes.

Mehrere Bundesländer wie Bayern oder Hessen haben ebenfalls beantragt, die bundesweiten Regelungen bis Mai zu verlängern. Der Antrag wurde jedoch am Montag auf der Gesundheitsministerkonferenz abgelehnt. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) argumentierte dem rbb zufolge, dass die geforderte Verlängerung der Maßnahmen rechtlich nicht mehr durchsetzbar sei. Zudem sei das Gesundheitssystem nicht gefährdet.

Lauterbach verweist auf die Möglichkeit, über die Ausrufung von Hotspots strengere Regeln zu verhängen, wenn die Lage kritischer wird. Einige Länder beklagen, dass dafür rechtssichere Kriterien fehlten. Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) vermisst laut rbb genaue Schwellenwerte, ab denen Regionen als Hotspots gelten. Die AfD lehnt weitere Maßnahmen ab und kündigte an, gegen die Hotspot-Regelung zu klagen.

Sie haben nun alles dazu gelesen, was denken Sie? Gegenwärtig sind fast 60 Prozent der Abstimmenden der Ansicht, die Maßnahmen sollten unbedingt oder doch eher verlängert werden. Aber, wie es in der oben verlinkten Quelle heißt: Lauterbach ist ein medizinisches Schwergewicht, aber ein politisches Leichtgewicht, die FDP dominiert in Sachen Corona die Haltung der Regierung und das kann (wie immer wenn man die Neoliberalen für die Gemeinschaft entscheiden lässt) fatale Folgen haben.

Die blaue 7-Tage-Linie der Veränderungsquote macht es deutlich: Noch nie seit Beginn der Omikron-Welle im Januar war ein so deutlicher Rückgang der Inzidenz zu sehen wie derzeit.

  • Die Zahl der gestern gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland liegt bei 196.456. Absolut betrachtet ist das immer noch eine gigantische Infektionszahl, relativ gesehen: Am Samstag der vorigen Woche wurden 252.026 neue Fälle gemeldet. Das bedeutet einen Rückgang von 55.570 Fällen und ist der stärkste in Relation zum gleichen Tag der Vorwoche seit dem Beginn der Omikron-Welle. Damit könnte sich die Abwärtsbewegung, die vor einigen Wochen schon einmal bestand und sich als trügerisch erwies, dieses Mal nachhaltig sein. Darauf weisen mehrere Kennziffern hin. Sicher ist das freilich nicht, uns erstaunt auch der aktuell starke Rückgang. Nach der letzten Beschleunigung dieser Art zog die Kurve Mitte März eben doch wieder nach oben. Es könnte allerdings einen ziemlich simplen Grund für die positive Tendenz geben: Die Zahl der Infzierten liegt mittlerweile bei über 25 Prozent der Bevölkerung und viele dieser Infektionen sind noch relativ „neu“, erbringen also einen hohen Schutz gegen nochmalige Infektion, sodass die hohen Zahlen der letzten Wochen das aktuelle Geschehen nun bremsen helfen. Angesichts der großen Freiheit Nr. 1, die jetzt eintritt, wäre dieser Effekt sogar der einzige Garant dafür, dass es weiterhin kontinuierlich abwärts geht mit den Neuinfektionen.

Wir haben die beiden relevanten Tage wieder mit Pfeilen gekennzeichnet, die den deutlichen Rückgang auf hohem Niveau hervorheben.

  • Hingegen sieht es mit der Impfpflicht nicht so gut aus? (Q) Man kann sagen, sie wird gerade kurz und klein geredet. In der Tat gibt es Gesprächsbedarf und was uns am Text der verlinkten Quelle erstaunt hat: Kein Wort darüber, ob die Impfpflicht wenigstens an die Existenz eines Impfstoffs gekoppelt werden soll, der an die zum Zeitpunkt ihres Inkrafttretens vorherrschende Variante des Coronavirus angepasst ist. Wir halten das aber für einen der wichtigsten Aspekte, sogar für eine conditio sine qua non für die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht, gleich, ob sie dann ab 18 oder ab 50 Jahre gelten wird. Wir haben an anderer Stelle schon erklärt, dass wir uns nicht zum vierten Mal mit für die Ausgangsvarianten von Corona entwickelten Impfstoffen spritzen lassen werden, von denen sich Omikron schon ziemlich entfernt hat. Auch dazu freilich eine Ausnahme: Sollten die nächsten Mutationen sich wieder dem Ausgangspunkt annähern, sollten also die derzeit vorhandenen Impfstoffe wieder verstärkt wirksam sein, müsste eine neue Abwägung getroffen werden.

Das war ein für einen Kurzreport relativ langer Aktualisierungsbericht, aber heute ist Samstag und wir haben und wieder etwas mehr Zeit für den Check der Lage nehmen können – und fürs Nachdenken über ebenjene Lage.

TH

 

Freitag, 01.04.2022 (hier zu 76/22 vom Vortag)

Wir fassen uns auch heute wieder bei den Zahlen sehr kurz: Die 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 1586,4, das ist der dritte Rückgang von mehr als 2 Prozent in Folge. Die Neuinfektionen liegen bei etwas über 250.000, das sind fast 40.000 weniger als am Freitag vor einer Woche. 

Die für heute gemeldete Inzidenz ist die niedrigste seit dem 15.03. Leider nicht mithalten kann die Entwicklung bei den Todesfallzahlen: 304 sind zu viele, daran führt nach wie vor nichts vorbei, der Durchschnitt der letzten 7 Tage liegt jetzt bei ca. 230, das ist der höchste Schnitt seit der zweiten Januarwoche. Deswegen gilt unsere heutige Grafik auch dieser Zahl, wir haben eine weitere Linie beigefügt, die belegt, dass die 7-Tage-Tendenz so hoch liegt wie zuletzt fast vor drei Monaten, als in den Krankenhäusern noch gegen die Folgen der Delta-Welle gekämpft wurde.

Die vielen Neuinfektionen der letzten Wochen fordern ihren Tribut in Form vieler Todesfälle an / mit Corona. Deswegen stehen wir keineswegs neutral dazu, ob sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung verlängert werden oder nicht.

In unserem vor zwei Tagen geschriebenen Report haben wir uns zu Christian Drosten und Sandra Ciesek geäußert und ein tief empfundenes Dankeschön für zwei Jahre profunde Information ausgesprochen, wie wir sie uns auch von der Politik häufiger gewünscht hatten. Hämische Reaktion der üblichen Querdenkerloge: Wir hätten jetzt anstatt einer Demokratie eine Expertokratie. Da gehen wir nicht mit, wir waren froh für kontinuierliche, werthaltige Informationen wenigstens von einer Stelle.

Gestern hat Civey eine Umfrage zur Haltung Christian Drosten gegenüber erstellt, die, wie unsere Anmerkungen von vorgestern, der Tatsache folgen, dass die regelmäßigen Podcasts von Ciesek und Drosten beendet sind. „Eine Ära geht zu Ende“, titelte das RND dazu. Gemeint sei aber nicht die Pandemie, die wird uns auch nach Aussage von Christian Drosten noch etwas begleiten. Die jüngsten Rückgänge der Zahlen auf hohem Niveau sprechen keinesfalls gegen die These, dass wir noch einige schwierige Wochen zu überstehen haben werden. Wir sind schon richtig gespannt aufs Einkaufen ab nächste Woche: Dadurch, dass der Lebensmitteleinzelhandel schon angekündigt hat, die Maskenpflicht gemäß der politischen Vorgaben canceln zu wollen, wird nämlich eine weitere ethische Distinktion sichtbar werden. Wer wird wen mit verachtungsvollen Blicken bedenken? Die Maskenträger:innen, zu denen wir weiterhin zählen werden, die „Querpeople“ mit einem „e“ hinter dem „u“ – oder umgekehrt? Vermutlich werden wir beide Varianten sehen, denn so sind die Menschen. Nun aber zur Umfrage:

Haben Sie insgesamt eher eine positive oder negative Meinung vom Virologen Christian Drosten?

Dies schreibt Civey dazu:

Durch die Coronapandemie wurde Christian Drosten deutschlandweit bekannt. Der Chefvirologe der Berliner Charité informiert seither regelmäßig im Fernsehen, Radio oder über Social-Media-Kanäle über das Coronavirus. Seit Anfang des Jahres gehört er außerdem dem Corona-Expertenrat der neuen Bundesregierung an.

Drosten polarisierte von Anfang an aufgrund seiner eher zur Vorsicht mahnenden Haltung. Laut Tagesspiegel sprach sich Drosten gemeinhin für härtere Beschränkungen und Grundrechtseingriffe aus. Altkanzlerin Angela Merkel schätzte seine Meinung und konsultierte ihn regelmäßig für Beratungen. Im Gegensatz dazu kritisierte etwa FDP-Vize Wolfgang Kubicki Drostens vorgeschlagene Maßnahmen häufig als überzogen.

Nun kündigte der Virologe an, sich verstärkt der Forschung zu widmen. Auch deshalb wird er seinen Podcast „Das Coronavirus-Update“ vom NDR nach etwas mehr als zwei Jahren beenden. Drosten erklärte in einem Interview mit der Zeit, dass er als Wissenschaftler seinen Teil zur Aufklärung beigetragen hat, nun aber die Politik am Zug sei. Dennoch werde er die Menschen weiterhin durch Beiträge auf Twitter informieren.

Wir haben mit „sehr positiv“ votiert, das tun derzeit ca. 44 Prozent der Menschen, die sich an der Umfrage beteiligt haben. Weitere 19 Prozent sind überwiegend positiv gestimmt, was die Informationsarbeit des Virologen angeht. Eindeutig negativ tendieren 15,7 Prozent. Hier noch einmal die Umfrage:

Haben Sie insgesamt eher eine positive oder negative Meinung vom Virologen Christian Drosten?

TH

Donnerstag, 31.03.2022 (hier zu 75/22 vom Vortag)

Wir haben uns gedacht, auch an einem Tag, an dem die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland weiter signifkant sinkt (von gestern 1663 auf aktuell 1625,1) und auch die Zahl der Neuinfektionen  gegenüber dem Vergleichszeitraum der Vorwoche weiter zurückgeht, wollen wir Sie dennoch nicht ohne Kurzreport von uns lassen. Die Grafik des Tages kommt dieses Mal nicht von uns, sondern von Statista:

Diese Statista-Grafik ist unter einer Lizenz CC-BY-ND erstellt worden und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder.

Die Corona-Pandemie ist ohne Zweifel ein Rückschlag für die Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Die einen sahen die Pandemie als Gelegenheit an, sich ohne ethische Bedenken wieder allein ins Auto zu setzen und durch die Stadt zur Arbeit zu kurven, denn die eigene Gesundheit im Sinne geringerer Ansteckungsgefahr ist ja schon auch wichtig. Die anderen hatten (mehr) Homeoffice. Leider ist ersteres Argument durchaus nicht einfach vom Tisch zu wischen. Wir haben uns immer wieder in unseren Reporten darüber geärgert, dass im ÖPNV während der Hochphasen der weitaus letaleren ersten Wellen keine Maßnahmen zur Entzerrung getroffen wurden: Kürzere Taktung, Begrenzung der Passagierzahl pro Wagen. Diese wiederum ist nicht einfach, weil z. B. in der Berlin der Wagenpark der Öffis ohnehin mit zu geringer Reserve ausgestattet ist und wer soll die Belegung kontrollieren? Damals war es dem Anschein nach schon nicht möglich, die Maskenpflicht zu überprüfen.

Vielleicht hilft jetzt das aus wirtschaftlichen Gründen von der Bundesregierung iniitierte Ticket „9 für 90“, die Menschen wieder in Busse und Bahnen zu bringen. Es soll wegen der allgemeinen Preissteierung und zwecks Energiesparen aufgelegt werden. Falls es wirklich kommt, die Berliner BVG hat schon Schnappatmung wegen der administrativen Umsetzung (siehe Textbild). Das Angebot würden wir auf jeden Fall nutzen. Weil wir kein Jahresabo haben, und das wiederum haben wir nicht, weil wir mehr mit dem Fahrrad unterwegs sind als bis 2020. Aber für 9 Euro pro Monat drei Monate lang Busse und Bahnen nutzen könnnen, das ist verführerisch und könnte für manchen der Einstieg sein, es überhaupt mal zu versuchen, anstatt mit der eigenen Blechkiste die Stadt zu verstopfen. Für die Städte selbst ist der Rückgang bei der ÖPNV-Nutzung ein Problem, denn die öffentlichen Verkehrsmittel müssen in der Regel subventioniert werden. Ein signifikanter Rückgang der zahlenden Nutzer:innen, der nicht durch Preiserhöhungen ausgeglichen werden kann, macht eine Neukalkulation erforderlich, die auch in die Haushalte der Kommunen eingreift. 

Hier nun der Begleittext von Statista zur obigen Grafik:

Am gestrigen Donnerstag (gemeint ist der 24.03., Anm. DWB) gab die Bundesregierung Details zu ihrem geplanten Energieentlastungspaket bekannt, dass die weitreichenden Folgen der russischen Invasion der Ukraine für Verbraucher:innen abmildern soll. Beim heutigen Sondertreffen der Verkehrsminister:innen von Bund und Ländern soll vor allem das Neun-Euro-Ticket Thema sein, das innerhalb eines begrenzten Zeitraums von 90 Tagen die Nutzung von Nahverkehrsmitteln für neun Euro pro Monat möglich machen soll. Wie unsere Grafik zeigt, würden momentan rund die Hälfte der Deutschen davon profitieren.

So gaben 48 Prozent der im Rahmen des Statista Global Consumer Surveys Befragten an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Bus gefahren zu sein, während 49 Prozent lokale Bahnangebote genutzt hatten. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf individuelle Mobilität sind in diesen Ergebnissen zwar sichtbar, aber nicht so deutlich wie vielleicht anzunehmen. Auch vor der Pandemie nahmen nur rund 60 Prozent der Befragten Bahnangebote wie S-Bahnen, U-Bahnen oder Straßenbahnen in Anspruch, 57 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen bedienten sich Bussen, um von A nach B zu kommen.

Die Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs wird von zuständigen Politiker:innen als wichtiger Baustein für die Mobilitätswende gesehen. Gerade hinsichtlich des Ausbaus des Verkehrsnetzes in ländlichen Gegenden, in welchen momentan der Besitz eines Autos oft die einzige Mobilitätsgarantie darstellt, besteht Aufholbedarf. Die Einführung des Neun-Euro-Tickets könnte die entsprechenden Unternehmen allerdings vor deutliche Probleme stellen. Der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel erklärte beispielsweise im Gespräch mit NDR 90,3, dass es sich bei der Einführung eines Übergangstarifs um einen „riesigen Aufwand“ handle, und die angezogenen Energiepreise alleine im Hamburger Nahverkehr für Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe sorgen dürften.

Weitere Bestandteile des Entlastungspaket sind die Senkung der Energiesteuern auf Kraftstoffe und eine einmalige Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro, die über die Einkommenssteuer abgewickelt wird und versteuert werden soll.

Das besprochene Ticket ist nicht wegen Corona in der Diskussion, sondern wegen des Ukraine-Krieges, aber wir wollten heute auch wieder ein wenig Service anbieten und Grafik des Tages bezieht sich auf Corona. Wir haben selbst erst gestern von diesem „9 für 90“ erfahren und finden es eine der coolsten Ideen der Politik in den letzten Jahren. Warum nicht gleich „9 für 365 pro Jahr“ und dafür die Steuern auf fossile Kraftstoffe nicht senken?

TH

Mittwoch, 30.03.2022 (hier zu 74/22  vom Vortag)

Heute schreiben wir deshalb einen Corona-Report, weil es sehr unterschiedliche Eindrücke gibt, die wir Ihnen mitteilen möchten. 

  • Die 7-Tage-Inzidenz ist auf 1.663 gesunken, das ist der niedrigste Wert seit dem 17.03. und mit einem Minus von ca. 2,4 Prozent der stärkste Rückgang seit dem 02.03.2022. Die blaue 7-Tage-Trendlinie auf unserer Grafik ist damit weiterhin intakt, sie zeigte zuletzt eine rückäufige Inzidenzsteigerung im Wochendurchschnitt an. Sie ist jetzt auch unter Null gefallen, das heißt, wir haben im Durchschnitt der letzten 7 Tage erstmals seit dem 07.03. ein Minus zu vermerken. Wenn wir tatsächlich einen angenehmen Sommer haben wollen, muss diese Tendenz sich allerdings mit erhöhter Geschwindigkeit fortsetzen. 

  • Anders sieht es leider bei den Todesfallzahlen aus. Wir haben prognostiziert, dass die hohen Infektionszahlen der letzten dazu führen werden, dass mehr Menschen an Corona versterben, das war auch nicht so schwierig, denn der Parameter „Letalität“ hat sich zwischen den Corona-Varianten BA.1 und BA.2 unseres Wissens nicht wesentlich verändert, wohl aber sind während der BA.2-Welle die Infektionzahlen gegenüber der vorausgehenden Welle noch einmal angestiegen. 
  • Auch der Vergleich mit anderen Ländern macht das Problem deutlich: Deutschland hat in Europa die zweithöchste Inzidenz, nach wie vor, nur in Österreich liegt sie noch einmal um bemerkenserte knapp 1.000 Punkte höher. 
  • Es gibt ein weiteres Thema, an dem wir heute nicht vorbeigehen wollen. Gestern hatten Sandra Ciesek und Christian Drosten ihren letzten Podcast zum Coronavirus gemacht. Wir senden an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für so viel Aufklärung und Begleitung durch eine schwierige Zeit und für den Mut, sich immer wieder den Attacken der besonders Bösartigen unter den Coronaleugnern, Querdenkern, Maßnahmegegnern, Impfgegnern usw. auszusetzen. Leider haben beide in ihrer letzten Videobotschaft auch vor weiter steigenden Infektionszahlen gewarnt, das freiwillige Tragen von Schutzmasken empfohlen und ein gewisses Unverständnis dafür geäußert, dass jetzt quasi alle Maßnahmen fallen sollen.
  • Auch die höheren Todesfallzahlen, die Drosten für möglich erachtet, zeigen sich bereits heute.
  • In der Tat, die Zahlen geben das, was nun politisch passiert, noch lange nicht her. Die Hoffnung auf eine „asiatische Höflichkeit“ als neuem, aus der Pandemie geborenen Wesenszug der Menschen in diesem Land finden wir sehr reizend. Einerseits: Wir glauben nicht, dass Christian Drosten Illusionen bezüglich der kulturellen Aufstellung des Deutsch sprechenden Mitteleuropäers pflegt. Dafür war er zwei Jahre lang zu dicht am Geschehen. Andererseits brauchen wir jene, die noch an das Gute glauben, damit sie weiter motiviert sind für ihre wichtige Forschungs- und Aufklärungsarbeit.
  • Karl Lauterbach fordert nun die vierte Impfung für über 60-Jährige. WIr hatten auch dies leider kommen sehen. Wir gehören noch nicht zu dieser Gruppe, aber diesbezüglich gilt für uns weiterhin: die vierte Impfung nur mit einem an Omikron angepassten Impfstoff. Angeblich sind Moderna und Biontech diesbezügilch recht weit vorangeschritten. Risiko und Schutzwirkung müssen einander jedenfalls in einem vernünftigen Verhältnis gegenüberstehen. 

TH

Dienstag, 29.03.2022 (hier zu 73/22 vom Vortag)

Nun könnnte man sagen: Einen Grund gibt es immer, um einen Corona-Report zu schreiben. Ein Inzidenzanstieg von etwas mehr als drei Punkten gegenüber gestern, unterhalb des erst vor wenigen Tagen erreichten Höchststands ist aber ein schwacher Grund. Gestern hatten wir eine positive Ausnahmenachricht für Sie, heute ist es leider umgekehrt. Zu den Daten:

  • Die Inzidenz in Deutschland stieg von gestern auf heute leicht an (1.703,3 gegenüber 1.700,6; an den Vortagen: 1.728,8 / 1.758,4 der bisherige Höchststand). Wir sind also nur 55 Punkte vom Höchststand weg, bei ungünstiger Entwicklung kann dieser innerhalb von nur einem Tag übertroffen werden. Und wir haben eine ungünstige Entwicklung, die sich in der Inzidenz von heute noch kaum spiegelt:

  • Die Zahl der Neuinfektionen, die  heute in Deutschland gemeldet wurde, liegt bei 237.352. Das ist der höchste Wert, der jemals an einem Dienstag gemeldet wurde und gleicht die relativ gute Entwicklung von gestern wieder im negativen Sinne aus. Der bisher höchste Dienstags-Meldewert lag bei ca. 222.000 und wurde erst vor einer Wochen erzielt. Wir haben die relevanten Tage wieder mit Pfeilen gekennzeichnet:

  • Damit steigt die Zahl der Neuinfektionen von gestern auf heute um 150 Prozent an (bzw. liegt heute um 250 Prozent höher als gestern), das ist der mit Abstand höchste Steigerungswert von einem Tag auf den anderen, den wir seit der Beginn der Omikron-Welle gesehen haben. 
  • Weil die weltweiten Zahlen weiterhin sinken, hält Deutschland selbst mit dem niedrigeren Wert an Neuinfektionen (214.000), den Worldometers für gestern ausweist, beinahe 21 Prozent der weltweiten Neuinfektionen. Auch dies ist der höchste Wert, den wir seit dem Beginn unserer tagesaktuellen Datenerfassung Ende Dezember 2021 sehen. 
  • Da kann es nicht ausbleiben, dass wir hierzulande auch die höchsten Neuinfektionszahlen weltweit haben, Deutschland lag diesbezüglich schon länger auf Platz 2 hinter Südkorea, wo sich die Lage aber, anders als in Deutschland, allmählich zu beruhigen scheint.
  • Im Wochenvergleich (die letzten 7 Tage gegenüber den 7 Tagen zuvor) entfallen auf Deutschland 12,9 Prozent der weltweiten Neuinfektionen. Der Anstieg von gestern hat noch nicht zu einem Sprung bei dieser Zahl geführt, wir hatten auch schon Wert von bis zu 13,4 gesehen, aber angesichts eines Anteils Deutschlands von 1,05 Prozent an der Weltbevölkerung ist es untragbar, dass diese Disproportionalität nun seit Wochen anhält. Relativ gesehen noch krasser sieht es übrigens in Österreich aus, das als erstes Land in Europa eine allgemeine Impfplicht einführen wollte. Die Neuinfektionszahl der letzten 7 Tage übersteigt den Anteil des Landes an der Weltbevölkerung um mehr als das 20-fache.
  • Die Todesfallzahlen in Deutschland sind in den abgelaufenen 7 Tagen gegenüber den vorausgehenden 7 Tagen um 21 Prozent angestiegen, weltweit hingegen um 20 Prozent gesunken. Wir sehen heute mit ca. 225 Fällen im Durchschnitt der letzten 7 Tage den höchsten Stand während der Omikron-Phase (Wellen 5 und 6).
  • Es bleibt nicht aus, dass wir angesichts dieses Pandemiedesasters Fragen an die Politik stellen müssen. Dass in den Bundesländern viele Opportunisten, Populisten und Dilettanten (das -innen bitte hinzudenken) das Sagen haben, hat die Pandemie gut aufgedeckt, für diejenigen, die es vorher nicht wussten. Mehr beschäftigt uns deshalb, warum Karl Lauterbach sich nicht schärfer gegen diesen unübersehbar negativen, im Weltvergleich wirklich desaströsen Trend positioniert. Das müsste man doch von ihm erwarten, nach seinem bisherigen Gepräge zu urteilen.
    • Stattdessen sehen wir, dass er sich quasi hinter Justizminister Buschmann (FDP) versteckt bzw. versucht, diesem den Zorn der Gerechten zuzuschieben und auch die Fragen von Menschen wie uns: Wieso „geht“ eine bundesweite Regelung plötzlich nicht mehr, die bisher ging, obwohl die Zahlen nicht besser, sondern schlechter werden, die Infektionsrate gestiegen ist, über die letzten Wochen hinweg betrachtet? Es gibt auch kein einziges Bundesland mit einer Inzidenz unter 1.000, das man also als „Nicht-Hotspot“ bezeichnen könnte. Am besten liegt noch Berlin mit 1.076, daran sieht man, wie schlecht es in den übrigen Ländern läuft, die Inzidenzwerte liegen bei bis zu mehr als 2.300. Innerhalb einer Woche stecken sich dort also mehr als zwei Prozent der Bevölkerung mit Corona an. Klar, wenn es noch ein Jährchen so weitergeht, hatten wir es alle und durften die Stärke unseres Immunsystems daran testen.
    • Pech für diejenigen, die versterben oder Long Covid bekommen. Dass man den Klassisten-Darwinisten von der FDP das Justizministerium überlässt, ist eine Sache, die wir ohnehin furchtbar finden, aber Lauterbach könnte sich auch klar distanzieren und sagen, er wurde mehr oder weniger gezwungen, die Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand zu geben und sie den Chaoten in den Ländern zu überlassen. Aber so ist das, Regieren ist schwieriger als negative Szenarien zu entwerfen, selbst wenn diese Szenarien dann tatsächlich eintreten und vor allem, wenn sie eintreten, weil man in Regierungsposition nicht so agiert, wie man es gemäß der eigenen Ankündigungen und (hoffentlich) Überzeugungen tun müsste. 
    • Fakt ist, in Deutschland wird real eine Durchseuchung zugelassen, obwohl die Impfquote für dieses Vorgehen zu niedrig ist (siehe dazu auch unseren gestrigen Report). Die Zahl der Neuinfektionen könnte sogar weiter ansteigen, wie die desillusionierenden heutigen Zahlen nahelegen. Was macht die Politik? Sie prokrastiniert, wie so häufig. Jetzt wird der Ukraine-Krieg als Grund dafür herangezogen, dass sonst nicht mehr viel geht, vorher wurde die Schuld für Stillstand auf anderen Gebieten auf Corona geschoben. Hoffentlich wird das Spiel nicht mit einem Atomkrieg auf den nächsten Level gehoben. In der Tat, dann wäre die Pandemie und wären die mit ihr verbundenen Schäden bei relativer Betrachtung nicht mehr ganz so dramatisch.

Es ist aber nicht so, dass die Menschen gar nicht mitkriegen, was läuft. Deswegen trenden auf Twitter heute zur Abwechslung auch wieder Corona-Hashtags: #Lauterbach #Impfquote #Eigenverantwortung.

TH

Montag, 28.03.2022 (hier zu 72/22 vom Vortag)

Bezüglich der deutschen Corona-Werte von heute waren wir nicht sicher: Schreiben wir wieder einen Kurzreport oder verlängern wir den Turnus bis zur nächsten Ausgabe nun wieder, weil die Inzidenz mittlerweile sinkt?

  • Die Inzidenz geht den zweiten Tag hintereinander zurück (1700,6, gestern 1728,8, vorgestern 1758,4, der bisherige Höchststand):

  • Der positive Trend bei der Veränderung der Inzidenzrate ist nach wie vor intakt, aber von Rasanz kann bei dieser Abwärtsbewegung keine Rede sein, wie schon vor etwa sechs Wochen, als wir dachten, wir hätten den Omikron-Höhepunkt möglicherweise hinter uns, bestärkt übrigens durch die offizielle Politik, die damals noch nicht auf dem Trip war, dass ein baldiger Wiederanstieg zu erwarten sei. Wenige Tage später hatten uns die anhaltend geringen Rückgänge beim Infektionsgeschehen irritiert und die daraus erwachsende Skepsis hat sich bestätigt, längst wurden neue Höchsetzahlen erreicht. Wir freuen uns also über die aktuelle Entwicklung, bleiben aber vorsichtig.
  • Die Zahl der Neuinfektionen ist mit 67.501 die niedrigste seit dem 27.02., damals wurden an einem Montag etwas mehr als 62.000 Infektionen gemeldet. Vor allem der Rückgang gegenüber der Zahl von vor einer Woche (92.314) ist deutlich. 

  • Wir haben auch heute wieder die relevanten Zahlen mit einem gelben Pfeil gekennzeichnet, die wir oben vergleichend erwähnt haben.
  • Dass wir den Report heute wieder für Sie aufsetzen, liegt aber nicht an den immer noch viel  zu hohen inländischen Zahlen, sondern an einem sehr erfreulichen Tatbestand des globalen Corona-Geschehens: Erstmals seit dem 02.01. des Jahres wurde wieder eine Neuinfektionszahl von weniger als einer Million pro Tag gemeldet (0,94 Millionen, am 02.01. waren es 0,94 Millionen, damals wohl auch aufgrund von feiertagsbedingten Erfassungsrückständen:

  • Man sieht aber auch: Der Rückgang von durchschnittlich drei Millionen Neuinfektionen pro Tag weltweit auf etwas ca. 1,5 Millionen erfolgte recht schnell, nach einem steilen Anstieg zuvor, der „Omikron-Welle“. Seitdem Anfang März ist es mühsam, weitere Verbesserungen zu erzielen.
  • Dadurch, dass auch die deutschen Zahlen ausnahmsweise parallel zu den sinken, die aus der übrigen Welt gemeldet werden, war dieses gestrige Absinken unter die Millionengrenze möglich, wenn man so will. Wären die aktuell gemeldeten Zahlen von gestern in Deutschland so hoch gewesen wie vor einer Woche, hätte es nicht geklappt, mit unter einer Million Neuinfektionen weltweit.
  • Auch die weltweiten Todesfallzahlen sinken weiter und lagen gestern „nur“ bei 2.376 (Deutschland = 20, aber die Montagsmeldungen sind nicht repräsentativ für das Wochengeschehen, das immer noch bei über 200 Toten an / mit Corona pro Tag liegt). Im Gegenteil: Während die 7-Tage-Zahl der weltweit an / mit Corona Verstorbenen um 19 Prozent zurückging, stieg sie in Deutschland um 15 Prozent. Die hohen Neuinfektionszahlen der letzten Wochen schlagen sich bei uns eben doch in erhöhten Todesfallzahlen nieder, auch wenn das einigen Teilnehmer:innen an der Meinungsbildung nicht ins Konzept passt. 
  • Wir haben deshalb heute auch nach der Hospitalisierung geschaut (hoch, aber nicht hochdramatisch) und nach der Belegung der Intensivbetten (alles im Griff soweit). Die Hospitalisierungsinzidenz von 7,39 ist beachtlich, aber nicht rekordverdächtig, die Intensiv-Inzidenz liegt weiterhin unter 3, während des Höhepunkts der zweiten Welle lag sie bei bis zu 7. Damals hatten sich weit weniger Menschen infiziert, als dies aktuell der Fall ist.
  • Nachmelden wollen wir, dass vorgestern die Zahl von 20 Millionen Corona-Infektionen in Deutschland überschritten wurde und darauf hinweisen, dass diese offizielle Zahl als um 25 bis 30 Prozent zu niedrig sein dürfte. Dies bedeutet, dass etwa ein Viertel der Einwohner:innen dieses Landes mittlerweile infiziert sind. Wesentlich weniger übrigens als in einigen anderen europäischen Ländern, die eine konsequente Durchseuchungsstrategie fahren. Ob diese Strategie besser ist, haben wir kürzlich erörtert. Die Letalitätsraten sind etwa gleich wie hierzulande, auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, aber wie sieht es mit Long Covid aus? Je mehr Infizierte, desto mehr, auch langfristige, Folgeschäden. Deswegen glauben wir, dass nur die Kombination mit einer sehr hohen Impfquote unter der Annahme, dass die Impfung sich auch dämpfend auf die Gefahr von Long Covid auswirkt, die Durchseuchungsstrategie als eine diskutable Alternative zum „Team Vorsicht“ erscheinen lässt. Diese sehr hohe Impfquote von über 80 Prozent der Bevölkerung mit Vollschutz, besser 85 Prozent, ist in Deutschland nicht zu erwarten, sie stagniert bei etwa 76 Prozent.

TH

Sonntag, 27.03.2022 (hier zu 71/22 vom Vortag)

Von gestern auf heute kam es zu einer deutlichen Abnahme des 7-Tage-Inzidenzwertes, er liegt aktuell bei 1723,8 (gestern 1758,4). Das ist der stärkste Rückgang seit dem 02.03., also seit dreieinhalb Wochen. 

 

  • Auch die Zahl der Neuinfektionen, die heute gemeldet wurden, liegt mit 111.224 deutlich niedriger als vor einer Woche (131.792), damit ist sogar die niedrigste Sonntagszahl seit dem 26.02. erreicht. Wir haben die beiden relevanten Tage zur besseren Kenntlichkeit mit Pfeilen markiert:

  • Gestern hatten wir spekuliert, dass der Inzidenzhöchststand der 6. Welle erreicht sein könnte, heute sieht es auch so aus. Der Haken: Auch vor einer Woche gab es einen Rückgang, aber in den Tagen darauf stieg die Inzidenz wieder, und zwar auf neue Höchststände. Trotzdem ist eine deutliche Abflachung der Kurve oder ein sogenanntes Hochplateau zu erkennen, wie es auch die fünfte Welle gezeigt hat. Es sogar einen Widerhaken: Beim Rückgang der Inzidenz vor einer Woche lag die blaue 7-Tage-Linie noch deutlich über dem Nullpunkt, damit war der Rückgang als Ausreißer erkennbar. Die 7-Tage-Linie der Inzidenzsteigerung ist heute aber selbst auf den Nullpunkt gefallen (blaue Linie, Grafik „Inzidenz“).
  • Die Überschreitung des Kamms der 5. Welle hatte leider nicht zu einem deutlichen Rückgang, sondern mitten hinein in die 6. Welle geführt, aber die Chancen stehen gut, dass es dieses Mal anders läuft, denn der BA.2-Effekt (leichtere Ansteckung als bei allen bisherigen Varianten) dürfte mittlerweile „eingepreist“ sein, die Außentemperaturen steigen.
  • Jetzt wird viel davon abhängen, wie die Menschen mit den auf freiwillig umgestellten Maßnahmen umgehen, besonders ab 1. April, wenn in die Übergangsfristen wegfallen, die einige Bundesländer zur Verlängerung verschiedener Schutzmaßnahmen genutzt haben.
  • Unser Optimismus hält sich aufgrund bisheriger Erfahrungen in Grenzen, aber das bedeutet nicht, dass die Neuinfektionszahlen nun immer weiter ansteigen müssen, weil weniger Schutzmaßnahmen verpflichtet sind. Wir wagen also keine Prognose für die nächsten Tage, wollten die positiven Momente aber trotzdem herausstellen.

Heute haben wir aber noch ein Schmankerl für Sie, eine Umfrage. Ausnahmsweise nicht von Civey, sondern von einer Stelle, die Edward Hoppers berühmtes Gemälde „Nighthawks“ karikaturistisch verwendet:  

Blitzumfrage: Welche Maßnahmen wünschen Sie sich beim derzeitigen Anstieg der Coronazahlen?

Bitte schauen Sie rein, schon wegen der corona-gemäßen Neuinterpretation des Werks eines Künstlers, an den wir sozusagen gute Erinnerungen haben.

Das war’s auch schon für heute. Es ist Sonntag und wir können ja alle so rausgehen, dass wir die Ansteckungsgefahr für uns und andere gering halten. Leider gilt das nicht für die Menschen in bestimmten systemrelevanten Berufen. An diese ein herzlicher Gruß. Wir denken an euch und fänden es richtig, wenn ihr alle Corona-Zuschläge zum Lohn / Gehalt bekämt, die der Rede wert wären. Das wiegt u. E. nicht das Risiko auf, dem ihr euch jeden Tag aussetzen müsst, weil es euer Job ist und euer Berufsethos es fordert, aber es ist wenigstens ein Zeichen der Anerkennung, das sich nicht in Blabla erschöpft.

TH

Samstag, 26.03.2022 (hier zu 70/22 vom Vortag)

Liebe Leser:innen, so viel hat sich seit gestern nicht geändert, aber da es noch einmal zu einem neuen Höchst-Inzidenzwert gekommen ist, kommt es auch wieder zu einem Report von uns.

Es geht nicht darum, dass wir nicht ohne diesen Start in den Tag leben könnten, wie böse Zungen in unserer Umgebung mittlerweile behaupten, sondern ausschließlich darum, Sie besser zu informieren, als viele andere Medien das in den Zeiten der nachlassenden Aufmerksamkeit für das Thema tun und ein wenig die Aufmerksamkeit für die Pandemie hochzuhalten, die uns im Alltag weiterhin mehr beeinflusst als der Ukraine-Krieg.

Sicher, das wird sich in den nächsten Tagen drehen, wenn in weiten Bereichen nur noch die Eigenverantwortung zählt, aber es bleibt bei mehr als 200 Toten an / mit Corona pro Tag, Tendenz wieder steigend, aufgrund der hohen Infektionszahlen der letzten Wochen. Alleine dies ist ein Grund, nicht einfach die Berichterstattung einzustellen. Wir werden, wenn die Inzidenz sinkt, aber auch die Frequenz unserer Reporte wieder auf alle zwei oder alle drei Tage verländern.

  • Die 7-Tage-Inzidenz stieg heute auf 1758,4 gegenüber 1756,4 gestern. Es zeichnet sich ein ähnliches Hochplateau ab wie Mitte Februar, bevor die Zahlen zwischenzeitlich rückläufig waren:

  • Auch der Trend zu einer geringeren Steigerung der Inzidenz ist jetzt seit 14 Tagen intakt, deshalb ist es nicht vermessen, zu schreiben, eine Kehrtwende zu niedrigeren Zahlen ist möglich. Festlegen wollen wir uns nicht, denn möglich ist ebenfalls, dass die höheren Temperaturen sich derzeit einen Kampf mit der höheren Ansteckungsfähigkeit von BA.2 und den Lockerungen liefern. Das würde bedeuten, die Inzidenz verändert sich kaum, die Hintergründe des Infektionsgeschehens aber schon. Mittlerweile hält die Omikron-Variante BA.2 einen Anteil von über 60 Prozent der Neuinfektionen.
  • Gestern wurden 252.060 Neuinfektionen gemeldet. Negativ daran: Der 7-Tage-Trend liegt noch immer höher als vor einer Woche. Positiv: Am Samstag vor einer Woche wurden 8.000 Neuinfektionen mehr gemeldet als heute. Auch dies könnte auf eine erneute Trendumkehr deuten.
  • Weltweit wurden gestern 1,588 Millionen Neuinfektionen verzeichnet, der deutsche Anteil daran liegt bei ca. 15,9 Prozent. Das ist weniger als gestern, aber der Meldungsverlauf ist in Deutschland etwas anders als derjenige, den man erhält, wenn man alle Länder zusammenfast. Zum Beispiel ist hierzulande der Rückgang an gemeldeten Infektionen und Todesfallzahlen an Wochenenden deutlich ausgeprägter als im Weltmaßstab.
  • Im Weltmaßstab gibt es einen eindeutig positiven Trend, der mehr heraussticht als die zuletzt wieder zurückgehenden Infektionszahlen: Die Todesfallrate sinkt seit längerer Zeit und liegt nun so niedrig wie seit Herbst 2020 nicht mehr. Deswegen haben wir heute eine zweite Grafik für Sie (Q):

  • Dass Deutschland an dieser positiven Entwicklung derzeit nicht teilnimmt, ist leider unstreitig, man kann aber auch argumentieren, dass die Todesfallzahlen während der Delta-Welle im vergangenen Herbst / Winter deutlich höher lagen als derzeit. Wir folgen dieser Argumentation insofern nicht, als sie für uns kein Anlass ist, die gegenwärtigen zu hohen Zahlen unkommentiert hinzunehmen.
  • Bei den Bundesländern hat sich nicht sehr viel verändert. Hochinzidenzländer sind Hochinzidenzländer geblieben. Dasjenige mit der niedrigsten Inzidenz (1.110) ist jetzt Berlin. Aber nicht, weil der Wert hierzurückgegangen wäre, sondern, weil er in Hamburg gestiegen ist, das bisher das Schlusslicht in der Tabelle im positiven Sinne war (jetzt 1.157). 
  • Man liest immer wieder, Corona würde uns nicht mehr so tangieren, das sei auch eine Stimmungsverbesserung, die ausschließlich auf das sich durchsetzende Narrativ vom milden Verlauf bei Omikrion zurückzuführen sei. Wir bleiben dabei, dass sehr wohl die Verschiebung  der Aufmerksamkeit zum Ukraine-Krieg hin und damit der Ereignisse, die man als besonders schlimm oder schrecklich empfindet, eine Rolle spielt.
  • Außerdem: Was ist mit Long Covid? Wussten Sie schon, dass eine Covid19-Infektion gehabt zu haben, auch Ihre Sehfähigkeit beeinträchtigen kann? (Q) Nach dem, was bisher bekannt ist: Es gibt kaum eine Organfunktion, die durch eine Corona-Infektion nicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Wenn man sich schon von den anhaltend hohen Todesfallzahlen nicht beeindrucken lässt, weil der Corona-Tod eher ältere Menschen betrifft, die nichts mehr zum BIP beitragen, sondern nur kosten: Soll man Folgen dieser Art, die nach gegenwärtigen Erkenntnissen jede zehnte infizierte Person betreffen (mithin derzeit ca. 2 Millionen Menschen in Deutschland, die dauerhaft Verschlechterungen ihres Gesundheitszustandes in unterschiedlichen Gradierungen hinnehmen müssen) ernsthaft mit denen einer Grippewelle gleichsetzen? Die Kosten dafür belasten die Systeme sehr wohl, und zwar erheblich. Nervt uns selbst, dass wir immer wieder ökonomisch argumentieren müssen, damit einige Neoliberale vielleicht auch noch verstehen lernen, um was es geht. Vermutliche Denke in der Folge der späten Erkenntnis aber leider: Das machen wir wie immer, Gewinne werden privatisiert und die Kosten unserer rüden Strategie auf die Mehrheit derer abgewälzt, zu der wir nicht gehören, weil wir weit unterdurchschnittlich in Relation zu unseren Einkommen zu Gemeinschaftsaufgaben beitragen. 
  • Von der kürzeren Dauer und der geringeren Hospitalisierungsrate während einer Grippewelle, der konkreten Belastung von Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, ganz abgesehen. 

TH 

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