#Hambi, #Luetzi, #FFF, die #Braunkohle und der #Klimawandel | Briefing 103 #Luetzerath #KER Klima-Energie-Report 20 #Klimaaktivisten #CO2-Ausstoß #Kohleförderung #RWE

Briefing 103 (hier zu Briefing 102)

Wir machen heute weiter mit unseren Darstellungen zum Klimawandel und zur Energiegewinnung. Der Klimawandel macht ja auch weiter, wie man an den extrem warmen Temperaturen um Silvester herum wieder gut feststellen konnte.

Lützerath, ein Dorf in NRW, derzeit von Klimaaktivist:innen besetzt, ist in aller Munde und es geht um die dort gewünschte Braunkohleförderung seitens des Energiekonzerns RWE. Was ist dran und drin und worum geht es bei Lützerath? Das klären wir nach einer wichtigen Infografik über den gesamtdeutschen Braunkohleabbau seit 1991.

Infografik: Braunkohle 2021 – 126 Millionen Tonnen aus 3 Revieren | Statista

Diese Statista-Grafik wurde unter einer Lizenz Creative Commons — Namensnennung – Keine Bearbeitungen 4.0 International — CC BY-ND 4.0  erstellt und wir geben sie unter gleichen Bedingungen wieder. Folgend der Statista-Begleittext dazu, dann weiter mit unserem Kommentar.

Aktuell ist Lützerath von Klimaaktivist:innen besetzt. Sie wollen verhindern, dass die kleine Ortschaft abgerissen wird, um den von RWE betriebenen Tagebau Garzweiler II zu vergrößern. Während der Abbau von Steinkohle in Deutschland bereits eingestellt wurde, werden laut Statistik der Kohlewirtschaft immer noch jährlich Millionen Tonnen der als besonders klimaschädlich geltenden Braunkohle gefördert, wie die Statista-Grafik zeigt. Neben dem rheinischen Braunkohlevier gibt es aktuell noch in der Lausitz und im mitteldeutschen Braunkohlerevier aktive Tagebaue. Dort wo jetzt noch Lützerath liegt, will RWE künftig jährlich 35 Millionen Tonnen des Brennstoffs aus dem Boden holen. Das sei wegen der Energiekrise alternativlos, so NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen). Dagegen kommen die Klimaaktivist:innen zu dem Schluss, dass der Ausbau des Tagebaus nicht zur Versorgungssicherheit benötigt werde. 

Im Jahr 2019 gab es in der Tat einen signifikanten Rückgang der Braunkohleförderung. Dass es 2020 noch einmal ca. 30 Prozent weniger waren, lag aber auch an der Wirtschaftsflaute aufgrund von Corona, es wurde schlicht weniger Energie benötigt. Schon 2021 sah es wieder anders aus und die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, dass 2022 nicht weniger, sondern mehr Braunkohle gefördert wurde. Insofern ist auch das Lützerath-Argument der Klimaaktivist:innen stichhaltig, dass der frühere Ausstieg (2030 anstatt, wie ursprünglich geplant, 2038) dazu führen wird, dass man noch schnell so viel Braunkohle wie möglich ausbaggert.

Fridays For Future: Lützerath muss bleiben | WEB.DE

Vom Hambacher Forst nach Lützerath: Konflikt um Symbol der Klimabewegung | WEB.DE

Der Name des Dorfes mit dem wunderbar typisch rheinischen Namen trendet fast jeden Tag in den sozialen Netzwerken, auch als #Lützi.

In dem obigen Artikel wird erklärt, was den Hambacher Forst von Lützerath unterscheidet. Bereits von den früheren Bewohner:innen aufgegebenes Dorf gegen erhaltenswertes Urwald-Naturwald-Biotop. 2018 ging es in der Tat um zwei Punkte: Um den Klimawandel, FFF entstand gerade, aber auch um einen erhaltenswerten Platz mitten in Deutschland. Jetzt geht es nur noch ums CO₂. Wir finden, auch dies hat eine Berechtigung, denn die Situation hat sich seit 2018 nicht verbessert und in der Gemengelage aus Weltpolitik und Klimaschutzanforderungen kann es leicht passieren, dass wieder einmal prokrastiniert wird, weil man ja nicht alles gleichzeitig regeln kann.

Es ist tatsächlich nicht so leicht, Prioritäten zu setzen:

Was fällt an den Grünen unter allen deutschen Parteien besonders auf? Dass sie in dieser Lage am häufigsten über ihre eigenen Widersprüche stolpern. Braun ist nicht grün. Gesellschaftspolitisch wird das von den Grünen so erfolgreich vermarktet wie von keiner anderen Partei, aber da, wo sie eigentlich herkommen, wo sie ihre Gene identifizieren sollten, da sieht es immer gruseliger aus. In NRW haben sie schon vor ihrem Eintritt in die Bundes-Ampelregierung manche antigrüne Entscheidung mitverantwortet, nicht aber schon die der Rodung des Hambacher Forsts, die gerichtlich verhindert wurde. Der Wechsel von der Opposition auf die Regierungsbank ändert aber die Perspektive: Sachzwänge in Sicht!

Jetzt sind die Grünen  auch noch in die Falle zwischen Kriegstreiberei  und CO2-Reduktion geraten. Wer dafür verantwortlich ist, dass kein Gas mehr aus Russland kommt, hat den Salat, wenn sich die Klima-Aktivist:innen gegen den Untergang von Lützerath wehren.  Aber auch an die Klimaschützer:innen muss eine Adresse geschickt werden:

Man kann nicht alles haben, nicht aus Kohle, Gas und Atomstrom gleichzeitig aussteigen und möglicherweise auch  noch die Russland-Sanktionen komplett befürworten, denn es ist ein Ereignis eingetreten, mit dem niemand gerechnet hat und die Bundesregierung hat auf eine Weise darauf reagiert, die Prioritätsverschiebungen erzwingt.

Erst seit 2018, seit Greta Thunberg ihre Schulstreiks begann, gibt es für das Thema Klimawandel nach Jahrzehnten, seit denen Entscheidungsträger bereits wissen, was kommen wird, überhaupt eine breite Öffentlichkeit. Das gilt natürlich nicht für diejenigen, die schon bei der Besetzung des Hambacher Forsts dabei waren und sich anderweit schon länger engagieren. Trotzdem ist das grüne Dilemma, so gerne wir es Wirtschaftsminister Habeck und Außenministerin Baerbock in die Schuhe schieben würden, in Wahrheit das Dilemma von uns allen: Was ist uns in der jetzigen Lage am wichtigsten? Geopolitisch Flagge zeigen oder das Klima retten? Langfristig gibt es da wohl keine zwei Meinungen, denn ohne Klimaschutz ist alles andere obsolet. Aber hier und jetzt, in einem halben, in einem Jahr? Die Antwort Nummer eins ist immer, die Erneuerbaren auszubauen. Alles, was wir denken, führt uns darauf zurück.

Wir haben jedoch gerade heute erst in einem Update zum letzten Klima-Energie-Report dargestellt, wie sehr Deutschland seinen Zielen und Ansprüchen hinterherhinkt.

UPDATE: Mehr #Windenergie benötigt (…) DER WAHLBERLINER

Das lässt sich nicht von heute auf morgen umkehren, denn eine Genehmigung ist eine Genehmigung und so etwas dauert hierzulande. Eine Stromtrasse ist eine Stromtrasse, ein Protest ein Protest, ein Nimby-Typ ein Nimby-Typ und alles muss gebaut, austariert, überwunden werden und das dauert. In China würde es schneller gehen, keine Frage, denn die Bürger:innen würden nicht gefragt. Wir müssen also auch Verantwortung zeigen und die Politik drängen und fordern und nicht vor allem sie noch langsamer und entscheidungsunfreudiger in Sachen Zukunftsgestaltung  machen, als sie ohnehin schon ist. Denn der Finger, mit dem wir auf die Politik zeigen, zeigt nicht selten auf uns zurück.

Auf die meisten von uns, wohlgemerkt. Nicht auf die Klimaaktivist:innen. Denen kann man keinen Vorwurf machen. Sie wollen das Richtige und in der Regel tun sie das Richtige. Wir haben mittlerweile auch wieder einiges über die Letzte Generation gesammelt, aber wir quetschen es nicht hier rein, weil der Braunkohlebergbau eine Sondersituation ist, sondern widmen der „LG“ demnächst wieder einen eigenen Beitrag.

TH

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