Briefing Economy Wirtschaft, Atomkraft, Nuclear Power, Atomkraft, Wiederinbetriebnahme AKW, Energiepolitik Deutschland, Atomausstieg 2023, Laufzeitverlängerung, Strompreise, Versorgungssicherheit, erneuerbare Energien, Endlagerung, nukleare Sicherheit, Jens Spahn, Friedrich Merz, öffentliche Meinung, Klimapolitik, Energiewende
Wir widmen uns anhand einer Civey-Abstimmung der Frage nach dem Wiedereinstieg in die Atomenergie heute nicht zum ersten Mal, aber bei jeder politischen Krise, die Auswirkung auf die Preise der fossilen Rohstoffe hat, kommt das Thema zuverlässig neu auf. War der deutsche Atomausstieg 2023 richtig?
1. Die Frage
Die Civey-Frage lautet: „Wie bewerten Sie die Forderung der Union (CDU/CSU), eine mögliche Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke zu überprüfen?“.civey
Wiederinbetriebnahme von AKWs überprüfen?
Bevor Sie abstimmen, empfehlen wir, die weiteren Ausführungen zu lesen.
2. Zusammenfassung des Begleittextes
Der Begleittext erläutert, dass aus Teilen der Union die Forderung kommt, zu prüfen, ob die 2023 abgeschalteten Kernkraftwerke wieder ans Netz gehen könnten. Jens Spahn argumentiert, eine Reaktivierung vorhandener Meiler könne kostengünstiger sein als der Neubau und verweist auf die anhaltende Nutzung der Kernenergie in Nachbarländern wie Frankreich.spiegel+4
Demgegenüber betont Friedrich Merz, der Beschluss zum Atomausstieg sei unumkehrbar und ein Wiedereinstieg in die Kernenergie sei für Deutschland derzeit kein realistischer Weg. In der öffentlichen Debatte äußern sich außerdem FDP-Politiker (tendenziell offen für längere Laufzeiten), SPD und Grüne (klar gegen den Wiedereinstieg), Umweltverbände wie BUND oder ROBIN WOOD und Anti-Atom-Initiativen, die auf Kosten, Sicherheitsrisiken und ungelöste Endlagerfragen hinweisen.bureburebure+6
3. Trend und barrierefreier Beschreibungstext
Der aktuelle Umfragetrend zeigt, dass eine absolute Mehrheit die Forderung, eine Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke zu überprüfen, für richtig hält, während zugleich ein sehr großer Teil diese Forderung eindeutig ablehnt.t-online+2
Zu betonen ist, dass die Umfrage heute erst gestartet wurde und daher noch deutlichen Schwankungen unterliegen kann.
Am häufigsten wurde „eindeutig richtig“ mit rund 52 % gewählt, gefolgt von „eindeutig falsch“ mit gut 37 %. Deutlich weniger Personen entschieden sich für „eher richtig“, „unentschieden“ oder „eher falsch“, die zusammen nur gut ein Zehntel der Antworten ausmachen. Insgesamt zeigt sich, dass die Meinungen stark polarisiert sind: Einer großen, sehr entschiedenen Befürwortergruppe steht ein ebenfalls großer, sehr entschiedener Ablehnungsblock gegenüber, während die Mitte klein bleibt.statista+2
Barrierefreie Kurzbeschreibung:
In der Umfrage wird gefragt, ob Menschen die Forderung, über eine Wiederinbetriebnahme von Atomkraftwerken nachzudenken, richtig oder falsch finden. Mehr als die Hälfte sagt: „Das ist eindeutig oder eher richtig“, aber mehr als ein Drittel sagt ebenso klar: „Das ist eindeutig falsch“, nur wenige bleiben unentschieden – die Gesellschaft ist in dieser Frage deutlich in zwei Lager gespalten.civey+1
4. Einordnung
4.1 Struktur der Meinungen
Die Verteilung der Antworten zeigt, dass eine absolute Mehrheit die Forderung nach einer Überprüfung der Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke befürwortet (mehr als 55 % „eindeutig“ oder „eher richtig“), während zugleich ein sehr großer Teil sie für falsch hält (aktuell etwa 42 % „eher“ oder „eindeutig falsch“). Auffällig ist, dass es zwei große, sehr entschiedene Lager gibt („eindeutig richtig“ und „eindeutig falsch“), während Unentschiedene und moderat Antwortende („eher richtig“/„eher falsch“) nur eine kleine Minderheit darstellen.tech-for-future+1
Das weist auf eine starke Polarisierung bei diesem Thema hin.
Parallel dazu zeigen andere Umfragen, dass Zustimmung zur Kernenergie überdurchschnittlich bei Anhängern von CDU/CSU und FDP sowie bei Männern und Personen mit höherem Einkommen vorkommt, während Wählerinnen und Wähler von Grünen und Teilen der SPD sowie jüngere Menschen häufiger skeptisch sind. Das Ergebnis ist damit weniger ein einhelliger „Rückruf der Atomkraft“, sondern ein weiter scharfer Konflikt zwischen zwei fast gleich starken gesellschaftlichen Lagern.web+3
4.2 Politische und gesellschaftliche Einordnung
Die Frage nach der Überprüfung eines Wiedereinstiegs in die Atomkraft berührt grundlegende Konflikte zwischen Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Kosten, technischer Machbarkeit und langfristiger Sicherheit. Die Ergebnisse legen nahe, dass viele Bürgerinnen und Bürger in der Energiekrise nach stabil und vermeintlich preiswert wirkenden Lösungen suchen und deshalb für Atomkraft offen sind, während zugleich eine große Gruppe die Technologie aus Sicherheits‑, Kosten- und Entsorgungsgründen strikt ablehnt.spiegel+5
Wir nehmen die Einordnung wie folgt vor:
-
Technische und zeitliche Realitäten: Fachleute betonen, dass eine Reaktivierung stillgelegter oder im Rückbau befindlicher AKWs technisch und rechtlich extrem komplex wäre, viele Jahre dauern würde und kurzfristig kaum Entlastung bei Strompreisen oder Versorgungssicherheit bringen könnte.tagesschau+2
-
Kostenrisiken: Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Atomprojekte massiv teurer und länger dauern als geplant; selbst Reaktivierungen und Laufzeitverlängerungen sind mit hohen Nachrüstungs- und Sicherheitskosten verbunden, die am Ende häufig die Allgemeinheit trägt.monde-diplomatique+2
-
Endlagerfrage ungelöst – auch in Atomländern: Weder Deutschland noch klassische Atomländer wie Frankreich verfügen über ein in Betrieb befindliches Endlager für hochradioaktiven Müll; Projekte wie das Tiefenlager Cigéo in Bure sind extrem teuer, liegen Jahrzehnte in der Zukunft und stoßen auf erheblichen Widerstand.robinwood+5
-
Sicherheits- und Katastrophenrisiken: Unfälle wie Tschernobyl und Fukushima prägen die deutsche Debatte weiter, und auch neuere Risikoanalysen weisen darauf hin, dass Restrisiken und mögliche Großschadensereignisse nie vollständig ausgeschlossen werden können – mit potenziell enormen Folgen für Mensch, Umwelt und Volkswirtschaft.tagesschau+3
-
Alternativen: Studien zur Energiewende zeigen, dass ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien, Netze, Speicher und Effizienzmaßnahmen langfristig kostengünstiger und sicherer sein kann als ein neuer Atomkurs, der viel Kapital bindet und die Endlagerproblematik verschärft.unendlich-viel-energie+2
Politische Vorschläge für einen Wiedereinstieg müssen sich vor diesem Hintergrund nicht nur an Umfragen, sondern an diesen harten Realitäten messen lassen. Aus einer kritischen Perspektive stützen die Ergebnisse eher die These, dass die Politik sauberer über Risiken, Kosten und Alternativen aufklären muss, statt mit scheinbar einfachen Atomlösungen Erwartungen zu wecken, die praktisch kaum einzulösen sind.monde-diplomatique+3
4.3 Methodische Hinweise und mögliche Verzerrungen
Wie bei allen Umfragen hängt die Interpretation der Ergebnisse stark von der Formulierung der Frage, dem Zeitpunkt der Befragung und der aktuellen Medienlage ab. Die Formulierung „Forderung prüfen“ klingt relativ unverbindlich und kann zu höherer Zustimmung führen, als eine direkte Frage „Soll Deutschland wieder in die Atomkraft einsteigen?“ oder „Sollen AKWs wieder ans Netz gehen?“.spiegel+4
Hinzu kommt, dass mediale Debatten über Energiepreise, geopolitische Krisen und Blackout-Szenarien kurzfristig Zustimmung zu Atomkraft verstärken können, ohne dass notwendigerweise ein tiefes Wissen über technische, rechtliche und wirtschaftliche Details vorhanden ist. Die Ergebnisse sind daher als Stimmungsbild zu verstehen, ersetzen aber keine gründliche Analyse zu Ursachen, Informationsstand, Betroffenheit und der Bewertung konkreter Alternativen im Energiesystem.tagesschau+3
5. FAQ (3 Fragen)
Frage 1: Worum geht es in dieser Civey-Umfrage genau?
Die Umfrage erhebt, wie Bürgerinnen und Bürger in Deutschland die Forderung aus der Union bewerten, eine mögliche Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke zu überprüfen – also ob sie diese Forderung für richtig oder falsch halten. Dabei wird auf einer Skala von „eindeutig richtig“ bis „eindeutig falsch“ abgefragt, wie klar die Zustimmung oder Ablehnung ausfällt.t-online+1
Frage 2: Warum ist diese Umfrage politisch/gesellschaftlich relevant?
Sie ist relevant, weil sie zeigt, dass der Atomausstieg gesellschaftlich stark umstritten bleibt und die Debatte innerhalb der Union selbst widersprüchlich geführt wird – zwischen einem eher ablehnenden Kurs von Friedrich Merz und weitergehenden Forderungen von Jens Spahn. Zugleich macht die Umfrage sichtbar, dass sich zwei große, stark entschiedene Lager gegenüberstehen, was die politische Entscheidungsfindung und Kompromisssuche erschwert.t-online+6
Frage 3: Was ist die wichtigste Botschaft dieser Ergebnisse?
Die wichtigste Botschaft ist, dass es in der Frage einer möglichen Wiederinbetriebnahme von AKWs keine breite gesellschaftliche Einigkeit, sondern eine harte Polarisierung gibt: Eine knappe bis mittlere absolute Mehrheit hält die Forderung für richtig, aber ein sehr großer Teil hält sie ebenso klar für falsch. Für die Politik bedeutet das, dass Vorschläge zur Atompolitik nicht nur an Umfragewerten, sondern an technischen, finanziellen und sicherheitspolitischen Realitäten und an der ungelösten Endlagerfrage gemessen werden – und dass eine Rückkehr zur Kernenergie auf erheblichen Widerspruch stößt.atommuellreport+7
6. Kommentar
Wir haben uns dieses Mal zu einer kleinen Gruppe gesellt. Zu jenen, die mit „überwiegend nein“ geantwortet haben – obwohl wir eigentlich klar dagegen sind. In diesen immer unsicherer werdenden Zeiten könnte trotzdem eine Situation entstehen, in der die Reaktivierung der Kernkraft Sinn ergibt. Das müsste allerdings eine sehr verzweifelte Situation sein, in der es akut an Energieträgern mangelt oder Deutschland durch immer neue Preisrunden erpresst und deindustrialisiert wird. Beim Industriestrom hat man schon gegengesteuert und die Preise gesenkt – auf Kosten der Privatverbraucher.
Grundsätzlich gilt aber: Wie können unzählige Länder auf eine Technologie setzen, deren Abfallsituation nicht gelöst ist und die in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen Angriffsziele werden könnten? Im Grunde ist das ein Blick in menschliche Abgründe, unverdrossen weiterzumachen oder Atomkraft sogar noch mehr zu forcieren.
Bisher ist der Konsens, keine Atomanlagen anzugreifen, aber was, wenn eine Bombe, eine Rakete, ihr eigentliches Ziel verfehlt und mitten in einem Reaktor einschlägt? Haben diejenigen, die für das Atomkraft-Revival sind, sich das einmal überlegt?
Die ökonomische Wahrheit ist außerdem, dass Atomstrom subventioniert wird. Die Kosten werden auf die aktuellen Steuerzahler und die kommenden Generationen verteilt, damit die Energiepreise niedrig gehalten werden können. Oder die Schuldensituation eines Staates gerät außer Kontrolle, wie in Frankreich.
Das ist alles nicht nachhaltig und wird mittelfristig zu Nachteilen führen. Wenn Deutschland vor ein paar Jahren irgendwo hoffnungsvoll vorne war, dann bei der Energiewende. Aber lobbyorientierte Politiker (Spahn mit der Atomkraft, Wirtschaftsministerin Reiche mit ihrer Gasmanie) nehmen jede Gelegenheit wahr, die einzig wirklich zukunftsorientierte Lösung zugunsten billiger Spins und rückständiger Rahmensetzungen zu torpedieren. Wobei Letztere das schon aktiv tut, während Ersterer nur mal wieder in die Runde fragt, um ein Thema zu generieren, bei dem die Union wieder mehrheitsfähig scheint.
Was wirklich hinter der am Interesse von Großkonzernen orientierten Politik steckt, haben wir kürzlich an anderer Stelle erläutert, das wiederholen wir hier nicht.
Manchmal muss man auch durch einen Engpass, damit es nachher besser wird. Wie zum Beispiel mit einer konsequenten Energiewende. Wäre Deutschland hier weiter und würde vor allem mehr in die wichtige Speichertechnologie investiert, wäre der Strom günstiger – und zwar für alle.
7. Transparenzhinweis
Die Umfrage wurde von Civey durchgeführt. Die hier verwendete Beschreibung der Ergebnisse und ihre Einordnung wurden mit Unterstützung durch KI nach unseren Vorgaben bei der Akzentuierung der Meinungen verfasst, der Kommentar (6.) stammt von uns (TH).
Entdecke mehr von DER WAHLBERLINER
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

