Wagenknecht geeignet als Ministerpräsidentin von Thüringen (Umfrage + Mehrwert-Recherche + Kommentar)

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Eines kann man vom aktuellen Politikbetrieb nicht sagen: dass er langweilig ist. Dafür wird er immer kurioser, was wiederum nicht gut für die Demokratie ist. Thüringen ist das Ost-Bundesland, das in den letzten Jahren am häufigsten für politischen Auftrieb gesorgt hat, zunächst mit dem Fall Kemmerich, einem FDP-Politiker, der sich 2020 mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen wollte, dann mit Bodo Ramelow als Ministerpräsident eine Minderheitsregierung, dann mit der ersten Anti-AfD-Koalition aus CDU, BSW und SPD und einer im Einzelfall zu erwirkenden Stimmen-Leihgabe von der Linken. Nun hat Björn Höcke, der Thüringer Landeschef der AfD, vorgeschlagen, Sarah Wagenknecht vom BSW zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen – mit den Stimmen von AfD und BSW. Daraus hat Civey eine Umfrage gemacht.

Wir bitten Sie aber in diesem Fall besonders ausdrücklich darum, erst den Begleittext von Civey, unsere Mehrwert-Recherche + den Kommentar von uns zu lesen, bevor Sie unüberlegt abstimmen. Vor allem, wenn Sie gedenken, mit „ja“ zu stimmen ist das wichtig, denn die Frage lautet nicht, ob man so verfahren sollte, wie Höcke es vorgeschlagen hat, sondern, ob man Wagenknecht für eine geeignete Ministerpräsidentin hält:

Civey-Umfrage: Halten Sie BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht eher für geeignet oder ungeeignet, Ministerpräsidentin eines Bundeslandes zu sein?

Begleittext von Civey

Derzeit sorgt eine politische Initiative aus der thüringischen AfD für Aufsehen. Grund dafür ist der anhaltende Streit um den Entzug des Doktortitels von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU), dessen Widerspruch an der TU Chemnitz vor Kurzem abgewiesen wurde. Die Erfurter AfD-Fraktion plante daraufhin ein konstruktives Misstrauensvotum, um Voigt abzuwählen. Laut Landesverfassung könnte das Parlament auch eine Person ohne eigenes Mandat zur Regierungschefin wählen, wofür AfD und BSW zusammen über eine Mehrheit verfügen. Am Freitag spitze sich die Lage weiter zu: Der BSW-Bundesvorstand forderte Voigts Rücktritt sowie die BSW-Landtagsfraktion dazu auf, die Koalition mit CDU und SPD zu verlassen. Die Thüringer BSW kritisiert die eigene Bundesspitze dafür, kommt heute aber zusammen, um über diese Aufforderung zu beraten. 

Thüringens AfD-Fraktionschef Björn Höcke forderte kurz zuvor Sahra Wagenknecht auf, noch vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September Regierungsverantwortung inThüringen zu übernehmen. In einem auf der Plattform X veröffentlichten Video bot Höcke der BSW-Gründerin am Donnerstag an, sie mit den Stimmen der AfD zur Ministerpräsidentin zu wählen. Höcke lobte Wagenknechts Kritik an der Brandmauerpolitik und forderte sie auf: „Lassen Sie uns ein neues Kapitel in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik Deutschland aufschlagen.“ Wer von der Seitenlinie aus das Zeitgeschehen kommentiere, müsse vor der anstehenden Wahl auch zur Tat schreiten. Zudem warf Höcke dem amtierenden Ministerpräsidenten Voigt vor, er habe jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

Wagenknecht lehnt den Vorstoß des AfD-Politikers entschieden ab. Dem Münchner Merkur sagte die BSW-Gründerin, das Amt der Ministerpräsidentin sei „kein Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben vergeben kann“. Höckes Angebot sei „weder ehrlich noch seriös“, da dieser genau wisse, dass die Thüringer BSW-Abgeordneten in Opposition zum Bundesvorstand stünden und sie nicht wählen würden. Zudem sei eine echte Lösung nur eine überparteiliche Person, die im Freistaat verankert sei. Stattdessen forderte Wagenknecht Höcke zu einem direkten Rededuell heraus. Auch BSW-Fraktionschefin Sigrid Hupach wies den Vorstoß zurück und schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.

Mehrwert-Recherche: Thüringen zwischen Regierungskrise und taktischem Angebot

Der neue Vorstoß von Björn Höcke ist vor allem ein politisches Manöver – nicht der Beginn einer realistischen AfD-BSW-Regierung. Sahra Wagenknecht hat das Angebot bereits klar zurückgewiesen; auch die Thüringer BSW-Spitze lehnt eine Zusammenarbeit mit Höckes AfD ab. Trotzdem legt der Vorgang eine politische Schwachstelle Thüringens offen: Eine Minderheitskoalition regiert nur, solange demokratische Fraktionen außerhalb der Regierung bei zentralen Abstimmungen Verantwortung übernehmen.[1][2]

Wichtig für die Civey-Frage ist daher die Trennung zweier Dinge: Sie fragt nicht, ob Wagenknecht mit Stimmen der AfD zur Ministerpräsidentin gewählt werden sollte. Sie fragt vielmehr, ob sie grundsätzlich für dieses Amt geeignet wäre. Wer mit „Ja“ stimmt, befürwortet also nicht automatisch Höckes konkretes Angebot – und umgekehrt ist die Ablehnung seiner Offerte kein zwingendes Urteil über Wagenknechts allgemeine Eignung.

Der aktuelle Ablauf

Ausgangspunkt der jüngsten Eskalation ist nicht Höckes Video, sondern der Streit um den Doktortitel von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). Die Technische Universität Chemnitz hatte Voigt den Doktorgrad aberkannt. Hintergrund sind Vorwürfe, er habe in seiner politikwissenschaftlichen Dissertation von 2008 wissenschaftlich unsauber gearbeitet; nach Darstellung der Hochschule geht es unter anderem darum, Quellen nicht im Original ausgewertet, sondern auf Sekundärliteratur gestützt zu haben. Voigt bestreitet, dass dies den Entzug rechtfertige.[3][4]

Voigt legte gegen die Aberkennung Widerspruch ein. Dieser wurde im Juli von dem zuständigen Gremium der TU Chemnitz zurückgewiesen. Damit war der hochschulinterne Rechtsweg ausgeschöpft. Voigt hat inzwischen beim Verwaltungsgericht Chemnitz Klage eingereicht; einen Verhandlungstermin gibt es bislang nicht. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung darf er den Doktorgrad nach Angaben der Universität weiterführen.[5][6][7]

Politisch griff die AfD das Verfahren sofort auf. Bereits im Februar hatte sie ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Voigt beantragt und Höcke selbst als Gegenkandidaten aufgestellt. Dieses Vorhaben scheiterte klar: Höcke bekam 33 Ja-Stimmen, benötigt worden wären 45. 51 Abgeordnete stimmten gegen ihn, eine Person enthielt sich. Auffällig blieb allerdings, dass Höcke eine Stimme mehr erhielt als die AfD damals Mandate hatte – also mindestens ein Abgeordneter außerhalb der Fraktion für ihn votierte.[7][8]

Nach der Zurückweisung von Voigts Widerspruch hat die BSW-Bundesspitze den Druck erhöht: Sie verlangte Voigts Rücktritt und forderte ihre Thüringer Landtagsfraktion auf, die Koalition mit CDU und SPD zu verlassen. Die Thüringer BSW-Landesführung um Katja Wolf widersprach dem. Sie erklärte, man arbeite mit Voigt vertrauensvoll zusammen. Damit tritt ein offener Konflikt zwischen BSW-Bundespartei und einem zentralen Landesverband hervor.[9][10]

In diese Lage platzierte Höcke seine Offerte. Er forderte Wagenknecht in einem Video auf, Ministerpräsidentin des Freistaats zu werden; seine Fraktion sei bereit, sie in einem konstruktiven Misstrauensvotum zu wählen. Seine Botschaft zielte ausdrücklich darauf, die „Brandmauer“ einzureißen und eine neue parteipolitische Konstellation zu erzwingen. Rechnerisch wäre eine Wahl möglich: AfD und BSW verfügen zusammen über mehr als die notwendige Mehrheit im Landtag. Politisch ist sie derzeit jedoch nicht absehbar.[11][12]

Wagenknecht wies Höckes Vorschlag zurück. Das Ministerpräsidentenamt sei „kein Wanderpokal“, den Höcke vergeben könne; das Angebot sei weder ehrlich noch seriös. Sie verwies außerdem darauf, dass die Mehrheit der BSW-Abgeordneten in Thüringen mit dem Bundesvorstand im Streit liege und sie deshalb kaum wählen würde. Auch BSW-Fraktionschefin Sigrid Hupach und Landeschefin Katja Wolf schlossen eine Kooperation mit der AfD aus.[2][13][1]

Voigts Rolle: Auslöser, nicht Alleinursache

Mario Voigt ist der unmittelbare Auslöser der gegenwärtigen Krise, weil die Entscheidung der TU Chemnitz über seinen Doktorgrad politische Zweifel an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit befeuert hat. Die AfD nutzt dies, um seine Ablösung zu verlangen. Die BSW-Bundesspitze wiederum verbindet ihre Rücktrittsforderung ausdrücklich mit dem Titelentzug.[14][9]

Gleichzeitig ist Vorsicht bei der Einordnung geboten. Erstens ist die rechtliche Frage noch nicht endgültig entschieden: Voigt hat Klage erhoben. Zweitens folgt aus einer Aberkennung eines akademischen Grades nicht automatisch eine rechtliche Unfähigkeit, ein Regierungsamt auszuüben. Politisch kann der Vorgang seine Autorität beschädigen; das Ministerpräsidentenamt verliert er dadurch aber nicht automatisch.[6][5]

Die tiefer liegende Ursache ist die Konstruktion der Landespolitik. Voigts Regierung besitzt keine eigene Mehrheit und ist daher besonders anfällig für Konflikte innerhalb eines Koalitionspartners. Die BSW-Fraktion in Thüringen kann sich einerseits gegen Weisungen der Bundespartei stellen; andererseits kann die Bundesspitze durch öffentliche Forderungen die Koalition unter Druck setzen. Genau diese Spannung versucht Höcke auszunutzen.

Zehn Jahre Thüringer Sonderpolitik

Thüringen ist seit 2014 ein Labor für schwierige parlamentarische Mehrheiten. Nach der Landtagswahl 2014 bildeten Linke, SPD und Grüne eine rot-rot-grüne Koalition. Bodo Ramelow wurde mit 46 Stimmen Ministerpräsident – als erster Politiker der Linken an der Spitze einer Landesregierung in Deutschland. Die Mehrheit war hauchdünn und machte jede Abweichung einzelner Abgeordneter potenziell entscheidend.[15][16]

Bei der Landtagswahl 2019 wurde die Linke mit 31,0 Prozent stärkste Partei; die AfD erreichte 23,4 Prozent und die CDU 21,7 Prozent. Doch Rot-Rot-Grün verlor die parlamentarische Mehrheit. Das führte Anfang 2020 zur berühmten Kemmerich-Krise: FDP-Politiker Thomas Kemmerich wurde im dritten Wahlgang mit 45 gegen 44 Stimmen gegen Ramelow gewählt – getragen von FDP, CDU und der geschlossen abstimmenden AfD.[17][18]

Der entscheidende politische Skandal bestand nicht darin, dass die AfD im Parlament abstimmen durfte; das darf und muss sie verfassungsrechtlich. Der Tabubruch lag darin, dass Kemmerich die Wahl zum Ministerpräsidenten mit einer Mehrheit annahm, die nur durch die Stimmen der AfD zustande gekommen war. Nach massivem öffentlichem und parteipolitischem Druck trat er zurück. Wenige Wochen später wurde Ramelow erneut Ministerpräsident, diesmal einer Minderheitsregierung aus Linken, SPD und Grünen. Im dritten Wahlgang genügten ihm 42 Ja-Stimmen bei 23 Nein-Stimmen und 20 Enthaltungen.[19][20]

Diese Jahre prägten die heutige Debatte stark. Sie zeigen: Formale parlamentarische Rechenkunst und demokratische Legitimität sind nicht dasselbe. Ein Ministerpräsident kann rechtlich gewählt sein und dennoch politisch eine Krise auslösen, wenn seine Wahl sichtbar von einer rechtsextremen Partei abhängt. Deshalb ist Höckes Angebot an Wagenknecht auch mehr als eine Personalie: Es ist ein Test, ob sich die politische Normalität seit Kemmerich verschieben lässt.

Wahl 2024 und aktuelle Koalition

Bei der Landtagswahl am 1. September 2024 wurde die AfD mit 32,8 Prozent erstmals stärkste Kraft. Die CDU kam auf 23,6 Prozent, das BSW auf 15,6 Prozent, die Linke auf 13,1 Prozent und die SPD auf 6,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,6 Prozent.[21][22]

ParteiZweitstimmenSitze
AfD32,8 Prozent32
CDU23,6 Prozent23
BSW15,6 Prozent15
Die Linke13,1 Prozent12
SPD6,1 Prozent6

Die CDU, das BSW und die SPD bildeten anschließend die bundesweit erste sogenannte Brombeerkoalition. Zusammen verfügen sie über 44 der 88 Landtagssitze – exakt die Hälfte, aber keine eigene Mehrheit. Mario Voigt wurde im Dezember 2024 dennoch im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten gewählt: Er erhielt 51 von 88 Stimmen. Das bedeutet, dass sieben Stimmen über das Koalitionslager hinaus für ihn abgegeben wurden; die Linke machte aber klar, dass sie keine formelle Tolerierung der Regierung vereinbart habe.[23][24]

Diese Konstellation verlangt pragmatische Zusammenarbeit, vor allem mit der Linken, wenn Gesetze oder Haushalte sichere Mehrheiten brauchen. Sie ist keine feste Anti-AfD-Koalition im klassischen Sinn, sondern eine Minderheitsregierung mit fallweisen demokratischen Mehrheiten. Das ist legitim, aber politisch fragil.

Unsere Einordnung: Höckes Angebot an Wagenknecht ist weniger ein ernsthafter Personalvorschlag als ein Versuch, die BSW-interne Spaltung zu verschärfen, die Grenzen der Abgrenzung zur AfD zu testen und vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Druck aufzubauen. Dass Wagenknecht, Wolf und Hupach es zurückgewiesen haben, ist deshalb demokratiepolitisch wichtig. Dennoch bleibt der Fall ein Warnsignal: Thüringens parlamentarische Arithmetik erlaubt immer wieder spektakuläre Szenarien. Stabilität entsteht dort nicht durch Zahlen allein, sondern durch die Bereitschaft demokratischer Parteien, ihre Grenzen und ihre Verantwortung klar zu benennen.[10][2][11]

Kommentar

Wir fangen dieses Mal mit dem aktuellen Ergebnis an: Fast exakt zwei Drittel der Abstimmenden verneinen die Frage strikt – die sich auf die Eignung von Wagenknecht bezieht, nicht auf den Vorschlag von Höcke, wie in der Mehrwert-Recherche noch einmal ausdrücklich erwähnt wird. Ob alle Abstimmenden auf diese Weise unterscheiden, ist eine andere Frage, die wir hier nicht klären können. Nur etwa 17 Prozent trauen also, wenn alle die Frage richtig verstanden haben, Wagenknecht zu, eine geeignete Ministerpräsidentin zu sein.

Wir wollen nicht behaupten, die besten BSW-Kenner überhaupt zu sein, aber wir haben die Abspaltung von der Linken und die Entstehung der Partei sicherlich etwas enger verfolgt als ein durchschnittlicher Beobachter, auch, weil wir persönliche Verbindungen zu heutigen BSW-Politiker:innen aus ihrer Zeit bei der Linken hatten. Gemeint ist vor allem unser Berliner Bezirk, nicht Thüringen. Daraus resultiert aber auch eine eindeutige Meinung zu Sahra Wagenknecht, die einmal die Hoffnungsträgerin der Linken war.

Nein, nein, nein. Das ist unsere Antwort. So eindeutig wie bei fast keinem anderen Thema, zu dem wir in letzter Zeit abgestimmt haben. Nein zu Höckes Vorschlag und nein zu Wagenknechts Eignung. Es gibt kaum eine bekannte politische Person in Deutschland, die weniger geeignet ist, pragmatische, verbindende und geräuschlose Landespolitik zu machen, anstatt ständig für Auftrieb zu sorgen. Und genau das braucht Thüringen derzeit mehr als jedes andere Bundesland, damit die Demokratie nicht kippt: Eine verlässliche und seriöse Politik, die Menschen Vertrauen gibt. Wagenknecht schafft das nicht einmal im BSW, ständig brechen Konflikte auf und ehrenwerte Mitglieder weg, weil die Parteispitze immer offener die AfD-Anschlussfähigkeit propagiert.

Es geht nicht nur um Zuverlässigkeit in der Landespolitik. Es geht auch um die demokratische Statur der BSW-Spitze, und die ist schwach ausgeprägt. Wer sich ein bisschen auskennt und nicht mutlos vor sich hin dümpeln muss, wie viele Politker aus fast allen Parteien, sondern klar sein darf, weil nur Kommentator, der muss schreiben: Die AfD muss dringend verfassungsrechtlich überprüft werden, bevor man mit ihr zusammengeht. Die Demokratie des Grundgesetzes ist gerade nicht ein Freibrief dafür, jedwede Meinung abzunicken, nur, weil sie von vielen geteilt wird. Aber viele im BSW negieren das bewusst, und deswegen eine ganz klare Warnung vor dieser Partei und allen, die sich mit ihr identifizieren.

Es geht also um die Person, die es nicht kann, und es geht um ihre Partei, in der viele tätig sind, die man nicht als Demokraten im Sinne der FDGO des Grundgesetzes bezeichnen kann. Wehrhafte Demokratie gemäß dem GG zu leben, bedeutet also, diese Partei abzulehnen. Höckes Vorschlag bewerten wir dabei gar nicht erst. Schauen Sie auch mal genau hin, wie Wagenknecht ihn abgelehnt hat. Nicht, weil sie die AfD nicht grundsätzlich für kompatibel halten würde, sondern mit einem Schuss gegen die eigene BSW-Fraktion in Thüringen, mit der sie schon häufiger über Kreuz lag.

Vor zwei Jahren, als das BSW gegründet wurde, hätten wir bereits die Eignung von Wagenknecht angezweifelt, jetzt sind wir ganz sicher. Das Argument der Demokratieverteidigung ist erst nach der Abspaltung entstanden. Wir hatten gehofft, dass einige, die sich einmal als links bezeichnet hatten, dafür sorgen werden, dass die Ausrichtung des BSW am Grundgesetz zumindest nicht in dem Maße zweifelhaft ist, wie wir das jetzt sehen. Aber wir haben gelernt: Einige haben diese freiheitliche Ordnung nie akzeptiert, die Täuschung lag eher darin, dass sie seinerzeit in einer Partei aktiv waren, die sich mittlerweile als Die Linke klar zum Grundgesetz bekennt – zumindest tun ihre Spitzenpolitiker:innen dies. Die Faszination für Diktatoren und Aggressoren, die unausgewogene Vorstellung von Anti-Imperialismus, war uns damals schon aufgefallen, aber in einem größeren Rahmen von überwiegend verfassungstreuen Menschen schlug sie nicht so durch, wie man das jetzt im BSW beobachten kann.

Natürlich ärgern wir uns auch darüber, dass wir bestimmte Warnzeichen nicht ernst genug genommen hatten und fanden bestimmte kuriose Ansichten im Wagenknecht-Cluster der Linken sogar spannend. Es war neu und man konnte sich damit auseinandersetzen. Auch, weil immer das Gefühl bestand, es kann nicht gefährlich werden für Menschen, die Freiheit und Solidarität gleichermaßen schätzen. Es war aber auch Unerfahrenheit mit diesem Typus, die wir für uns nachträglich reklamieren, die wir aber jetzt nicht mehr in Anspruch nehmen dürfen, wenn es um unsere Einschätzung des BSW geht. Deswegen verstehen wir aber auch, warum einige gutwillige Menschen ins BSW eingetreten waren, dort sogar auf Landesebene aktiv wurden, gleichermaßen verstehen wir, warum sie sich mittlerweile entsetzt abgewendet haben. Manches muss man erlebt und durchlitten haben, bevor man klüger wird.

Wenn jetzt das BSW trotz seiner permanent sinkenden Umfragewerte, trotz seiner offensichtlichen Mängel in Sachen Einstellung zur FDGO in die Lage versetzt wird, der Demokratie im Verein mit der AfD erheblich zu schaden, dann ist es ernst. Dann dürfen wir in keiner Weise dafür stimmen. Vor den ersten Landtagswahlen, bei denen das BSW angetreten ist, zumindest in einem Fall, hatten wir geschrieben, wir könnten uns vorstellen, die Partei aus taktischen Gründen zu wählen, um eine AfD-Regierung zu verhindern, wenn wir dort wahlberechtigt wären (also nicht in Berlin!). Es ging darum, dass wir den Verdacht hatten, Grüne und Linke könnten den Einzug ins Parlament verpassen, sodass unsere Stimme verloren wäre, sie also stattdessen dem BSW zukommen zu lassen. Das damals wirklich einen größeren Zuspruch erfahren hat als die erwähnten Parteien (im betreffenden Ost-Bundesland).

Das ist nun ebenfalls Geschichte. Auf keinen Fall eine Stimme für dieses dubiose Konstrukt, das auf vielen Ebenen nicht den Maßstäben für einen ordentlichen Politikbetrieb entspricht. Und damit auf keinen Fall eine Stimme für Sahra Wagenknecht. Denken Sie daran bitte auch bei den nächsten Wahlen, wenn Sie Demokrat:in sind. In Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern und natürlich in Berlin, wo es wichtig ist, dass eine neue rot-grün-rote Koalition die gegenwärtige Rückschrittsregierung ablöst. Verschenken Sie nicht Ihre Stimme an Menschen, die nicht aktiv für eine bessere Gesellschaft arbeiten. Was wir übrigens der Thüringer Landtagsfraktion des BSW noch zurechnen, deswegen auch der Zwist mit den Destruktivisten in der Bundesspitze, die lieber Unverschämtheiten zum Ukrainekrieg posten und mit durchsichtigen politischen Spins agieren, als sich um konkrete Probleme vor Ort zu kümmern. Allein die Gewichtung der Postings aus diesem politischen Cluster in Zeiten, in denen wir hier so viele Probleme zu lösen haben, sagt viel, und sie sagt nichts Gutes. Zum Glück, muss man festhalten, haben sehr viele mittlerweile gemerkt, dass hier Leute am Werk sind, die überhaupt nichts zur Gestaltung unserer Wirklichkeit beitragen können und werden sie bei den nächsten Wahlen nicht wählen, obwohl sie vielleicht nach der Gründung des BSW noch ein eher positives Sentiment für diese Partei hatten.

Bei uns ist aus starken Zweifeln eine hundertprozentige Ablehnung geworden. Die Zweifel haben sich bestätigt, ein paar Hoffnungen auf mehr echte Auswahl in der deutschen Parteienlandschaft leider nicht. Für die Berlinwahl heißt das: Es kommt für uns nach wie vor nur eine Partei in Frage, wenn es um unsere demokratische Teilhabe geht, und diese Partei heißt sicher nicht BSW. Gleichwohl ärgern wir uns noch einmal über uns selbst. Obwohl wir 2024 die Struktur von Wagenknecht schon klar kannten, siehe auch unsere Artikel zu ihrer Faux-Bewegung „Aufstehen“, haben wir Überlegungen angestellt, die diese Erkenntnisse nicht gerade in den Vordergrund gerückt hatten (siehe oben, taktisches Wählen). Das muss man aber tun. Wenn Menschen für Sachpolitik in schwieriger Zeit ungeeignet sind und zu erwarten ist, dass sie erheblichen Schaden anrichten werden, darf man das nicht unterstützen. Man darf nicht das auf Landesebene okay finden, was man auf Parteiebene schon als No-Go definiert hat. Damit wird man den Menschen im Osten auch nicht gerecht, die besseres verdient haben oder sich durch besseres Wählen auch verdienen sollten als AfD und BSW.

Nochmals und abschließend: Wagenknechts Ablehnung des Höcke-Vorschlags war nicht demokratietechnisch im Sinne des Grundgesetzes begründet. Sie war kein Bekenntnis zu Freiheit und Verantwortung. Das zählt und demnach haben wir jenseits der Eignung der Person für einen so wichtigen Auftrag wie das Amt der Ministerpräsidentin von Thüringen abgestimmt.

TH

Transparenz

Die Umfrage und der als Begleitext bezeichnete Teil stammen von dem Meinungsforschungsinstitut Civey, die Einleitung vor dem Link zur Frage und der Kommentar von uns (TH), die Mehrwertrecherche inklusive Titelbild und Quellenverzeichnis haben wir von einer KI durchführen lassen.

Quellen

  1. https://www.tagesschau.de/inland/regional/thueringen/ministerpraesidentin-vorschlag,wagenknecht-hoecke-100.html
  2. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/sahra-wagenknecht-afd-bjoern-hoecke-bsw-thueringen
  3. https://www.deutschlandfunk.de/thueringens-ministerpraesident-voigt-scheitert-mit-widerspruch-gegen-aberkennung-des-doktortitels-102.html
  4. https://www.n-tv.de/politik/CDU-wirft-Hoecke-AfD-durchsichtiges-Manoever-vor-id30322627.html
  5. https://www.tagesschau.de/inland/regional/thueringen/ministerpraesident-klage-verwaltungstungsgericht-chemnitz,voigt-doktortitel-102.html
  6. https://www.tagesschau.de/inland/regional/thueringen/doktortitel-widerspruch-tu-chemnitz,mario-voigt-280.html
  7. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/voigt-afd-misstrauensvotum-abstimmung-100.html
  8. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/misstrauensvotum-thueringen-mario-voigt-bjoern-hoecke-afd
  9. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/thueringen-bsw-spitze-fordert-ruecktritt-von-voigt-und-ende-der-koalition-a-84c2a413-0945-4e3a-b38d-e723516bc156
  10. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/bsw-spitze-thueringen-koalition-ende-100.html
  11. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/bsw-afd-wagenknecht-hoecke-landtagswahlen-ostdeutschland-ministerpraesidentin-thueringen-fernsehduell-100.html
  12. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/afd-sahra-wagenknecht-bjoern-hoecke-bsw-thueringen-gxe
  13. https://taz.de/AfD-Offerte-an-BSW-in-Thueringen/!6204068/
  14. https://www.zeit.de/news/2026-02/04/hoecke-sieht-vertrauensverlust-in-thueringer-regierungschef
  15. https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Thüringen_2014
  16. https://www.zeit.de/politik/2014-12/thueringen-linken-kandidat-ramelow-zum-ministerpraesidenten-gewaehlt
  17. https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Thüringen_2019
  18. https://www.deutschlandfunk.de/nach-der-thueringen-wahl-standpunkte-der-parteien-und-100.html
  19. https://www.kas.de/de/web/die-politische-meinung/artikel/detail/-/content/der-fall-thueringen
  20. https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Ramelow_II
  21. https://www.thueringer-landtag.de/presse/pressemitteilungen/2024/landtagswahl-2024/
  22. https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-09-01-LT-DE-TH/index.shtml
  23. https://www.deutschlandfunk.de/voigt-neue-politische-kultur-linke-keine-tolerierung-der-koalition-100.html
  24. https://www.deutschlandfunk.de/landtag-waehlt-cdu-politiker-voigt-zum-neuen-ministerpraesidenten-102.html
  25. https://statistik.thueringen.de/informationen/jahrbuch/2025/pdf/TLS_JB2025_02.pdf
  26. https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Thüringen_2024
  27. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/thueringen-hoecke-misstrauensvotum-voigt-100.html
  28. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/voigt-afd-misstrauensvotum-faq-102.html
  29. https://www.focus.de/politik/deutschland/voigt-verliert-doktortitel-heute-will-hoecke-affaere-fuer-grosses-ziel-nutzen_4bbe1bd9-ff37-4de8-ae2a-d1dc41229d18.html
  30. https://wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=LW&wJahr=2024&zeigeErg=Land
  31. https://wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=LW&wJahr=2024&zeigeErg=LAND
  32. https://wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=LW&wJahr=2024&zeigeErg=KARTESVG&wkKarte=K
  33. https://www.deutschlandfunk.de/hoecke-bietet-wagenknecht-an-ministerpraesidentin-von-thueringen-zu-werden-102.html
  34. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/thueringer-landtag-ministerpraesidentin-wagenknecht-was-hoeckes-offerte-bedeutet/100247055.html
  35. https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7ef079f14aa44f2fd5dd8a/nach-entscheidung-der-tu-chemnitz-mario-voigt-klagt-gegen-entzug-seines-doktortitels.html
  36. https://www.n-tv.de/politik/Hoecke-will-Wagenknecht-zur-Ministerpraesidentin-machen-id31187777.html
  37. https://www.n-tv.de/der_tag/Wagenknecht-reagiert-auf-Hoeckes-Thueringen-Vorschlag-id31189904.html
  38. https://www.youtube.com/watch?v=PSAzfJfo_d8
  39. https://en.wikipedia.org/wiki/2019_Thuringian_state_election
  40. https://de.wikipedia.org/wiki/Bodo_Ramelow
  41. https://www.deutschlandfunk.de/cdu-politiker-voigt-ist-neuer-ministerpraesident-in-thueringen-100.html
  42. https://www.zeit.de/news/2024-12/12/ministerpraesidentenwahl-im-thueringer-landtag-beginnt
  43. https://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett_Ramelow_I
  44. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/thueringen-die-linke-bodo-ramelow
  45. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_100550332/-thueringer-innovation-voigt-mit-linke-hilfe-regierungschef.html

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