(Großes) UPDATE 9 für Potse und die anderen: 14 Tage, 14 Nächte Kampf // @DrugstoreBerlin #b0501 #b0601 @Potse_Berlin @potsebleibt @ReclaimYourClub @SenFin @lafleurow3 @spdberlin #OliverShworck @HeimatNeue @KiezinAktion @SusanneHoppe2 @BGemeinwohl @KiezinAktion @22Marion_Noiram #Potse #Potsebleibt #drugstorelebt #Syndikatbleibt #Wirbleibenalle #Drugstore #Tempelhof #Schöneberg #Mietenwahnsinn #Mietenwahnsinn_stoppen #Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #Syndikat #Oben #Unten

2018-11-11 Mieter,kämpft um diese Stadt + zusammen gegen Mietenwahnsinn

Eine  Woche ist vergangen, seit wir unser letztes Update zu Potse & Co. geschrieben haben. 

Der Mietenwahnsinn in Berlin bringt jeden Tag ein Ding hervor, das größer erscheint als das vom Tag zuvor und wir fühlen uns verpflichtet, das eine oder andere darüber zu schreiben. Das führt uns derzeit an die Kapazitätsgrenze.

Natürlich ist inzwischen einiges passiert.

Wir müssen jetzt diesen Tweet voranstellen, weil es wieder dramatischer ausschaut, hier das Neueste: Die Mahnwache ist noch angemeldet!

Hier auch was ganz Aktuelles, wichtig für morgen, haben wir eben retweetet:

Es gibt auf jeden Fall eine sehr frohe Kunde: Die Potse-Räume in der Potsdamer Straße 180-182 sind weiterhin besetzt und die Mahnwache steht weiterhin vor dem Haus. Unsere Gratulation zu zwei Wochen Durchhalten!

Besonders unter diesen Umständen:

Ja, bitte, geht hin und lasst euch nicht einschüchtern.

Schwierig wird es immer bei Übermacht der Repression, das ist leider nicht neu.

Da ging es um einen Vorfall aus dem September 2018, aktuell finden ja leider keine Konzerte mehr statt:

Hier etwas, was der Bezirksvorsitzende meiner Partei am letzten Samstag dazu geschrieben hat – leider macht er kein Twitter, sonst hätten wir ihn oben bei den @ eingebunden.

Über die „Hafen“-Bar haben wir am vergangenen Wochenende hier berichtet.

Super, dass die Potse-Aktivist_innen am Ostkreuz dabei waren. Wenigstens einen Hinweis-Retweet hatten wir noch rechtzeitig abgesetzt:

Und so kann man Potse und andere Kämpfer_innen unterstützen.

Wir werden diese Texttafel in einem unserer nächsten Updates nochmal an gut sichtbarer Stelle und vergrößert abbilden.

Abendimpressionen vor Haus Potsdamer Straße 180 / 182:

Hier gibt es etwas von den Rakrionen der Verdängungsgefährdeten gegen die neoliberalen Boxwohnungs-Anbieter von Rent24 zu sehen:

Gerade haben wir im Neuen Deutschland einen interessanten Beitrag über das Wesen der Revolutionen überflogen, über den wir noch schreiben werden. Ist jede Sachbeschädigung zu verurteilen, weil sie nach den Regeln des viele verdrängenden, alle ausbeutenden Kapitals illegal ist? Heute haben die Grünen es ja nicht mehr so mit dieser Frage, aber wir erinnern uns gut, wie schwer es war, sie so zu verbürgerlichen, dass sie das bejaht haben. Doch der Kampf ist nie zu Ende!

Symbolisch für 14 Tage Besetzungskampf und Mahnwache haben wir heute 14 neue Medienbeiträge eingebunden. Zehn Beiträge haben wir bisher zu Potse & Drugstore geschrieben, manche mit etwas mehr, manche mit weniger eigenen Inhalten gefüllt und dadurch auch ein Nähegefühl zu den Menschen entwickelt, weil es nicht ausbleibt, dass man mehr über ihre Situation und die Hintergründe der Einrichtungen erfährt, für deren Erhalt sie sich einsetzen. Es ist nicht das Gleiche, wie sich vor Ort zu engagieren, das wissen wir wohl. Aber vorerst ist es das, was wir tun können.

Für das (nach gegenwärtiger Planung schneller als das Update 9) folgende Update 10 werden wir einen neuen Artikel eröffnen, der ebenfalls wieder fortgesetzt wird und weitere interessante Posts aus der Zeit zwischen dem 6. und dem 14. Januar 2019 beifügen.

Heute müssen wir daher unbedingt wieder unsere Solidarität ausdrücken mit Potse und allen anderen, die durch Besetzung um ihre Existenz kämpfen! 

Update 8 vom 6. / 7. Januar 2019

Heute vollziehen wir erst einmal nach, was sich in den letzten beiden Tagen an und in der Potsdamer Straße ereignet hat.

In den Medien haben wir nichts Neues gefunden, daher beschränken wir uns auf das, was direkt von den Aktivist_innen kommt und von denen, von denen sie Unterstützung erhalten, wie am Sonntag von Reclaim Club Culture und am Tag zuvor von Paul Geigerzähler.

Die Mahnwache steht noch? Hoffentlich ohne unerwünschte Begleitung. Und hat sich die Politik schon gemeldet, um Potse und Drugstore endlich zu retten?

Wir hören im Moment nur lautes Schweigen.

Update 7 vom 5. Januar 2019:

Der Jugendstadtrat von Temeplhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), hat gestern mit den Kollektiven von Drugstore und Potse gesprochen.

Dazu gibt es heute den passenden Beitrag in der Berliner Morgenpost. Während der Solidaritätskundgebung im „Leydicke“, die wir in einem früheren Update erwähnt haben, verlief das Gespräch zwischen Schworck und den Vertreter_innen von Potse und Drugstore eher so, dass der Bunker von Schworck als eine zu teure Lösung angesehen wurde. In unserer Nähe saß auch der in der Morgenpost erwähnte „Grog“ und setzte sich kämpferisch für die Jugendzentren ein.

Wir können uns gut erinnern, wie das an dem Abend war: Den Bunker zum Konzertsaal umzubauen, so erläuterte Schworck, würde etwa 2 Millionen Euro kosten, vor allem wegen der Lüftungsanlage.

2019-06-05 leydicke schulz schworck bettram
Von links: Carsten Schulz (DIE LINKE), Oliver Schworck (SPD), MdA Phillip Bertram (DIE LINKE), Foto © 2018 Der Wahlberliner

„Sind wir das nicht wert?“, antwortete einer der anwesenden Vertreter der Einrichtungen, der damit an fast 50 Jahre erfolgreiche Jugendarbeit erinnerte.

Während der ebenfalls auf dem Podium anwesende Carsten Schulz von der LINKEn in Tempelhof-Schöneberg, die Potse und Drugstore  in ihrem Kampf gegen Verdrängung unterstützt, ebenfalls dieser Meinung war, sah sich Schworck nach unseren Eindrücken stärker in der Position als Vertreter seines Parteifreundes Matthias Kollatz, der für die Finanzen in Berlin zuständig ist und somit als Hüter von dessen Kasse.

Wenn wir die Anliegen von Potse und Drugstore richtig verstehen, ist auch diese Idee nicht optimal, weil eben nicht, wie bisher, Wohnen, Jugendarbeit, Proben und Konzerte unter einem Dach stattfinden würden – diese Lösung würde aber akzeptiert. Es ist also keineswegs der Fall, die Kollektive auf dem Maximum, dem Weiter so, bestehen. Ob hingegen die im Beitrag ebenfalls erwähnte Nutzung von Teilen des Ex-Flughafens Tempelhof überzeugend wäre? Diese Hallen hätten Potse und Drugstore sicher nicht exklusiv für sich, sondern wären nur noch eingehegter Teil eines halb-neoliberalen Gesamt-Nutzungskonzepts. Außerdem ist der frühere Flughafen ein gutes Stück entfernt von der Potsdamer Straße und hat, mitsamt der von der Stadtgesellschaft genutzten Freiflläche des ehemalige Flugfeldes, eine ganz andere Atmosphäre als eine Kiez-Institution.

Von der FDP war unseres Wissens niemand am angesprochenen Soli-Abend dabei, bei dem es um die Weiternutzung der jetzigen Räume und um andere Möglichkeiten ging – auch nicht von der CDU. Zumindest hat sich niemand als Politiker dieser Parteien geoutet und das Wort ergriffen.

Wir wünschen den Kollektiven von Drugstore und Potse, dass das gestrige Gespräch mit Jugenstadtrat Schworck etwas gebracht hat und schicken solidarische Grüße an die Potsdamer Straße, wo „Grog“ und weitere Aktivist_innen noch immer bei der Mahnwache aktiv sind.

Update 6 vom 5. Januar 2019

Derzeit ist ein tägliches Update angesagt und heute grüßen wir alle, die im Kampf um ihre Existenz in dieser Stadt stehen.

Wir machen das wieder in Form eines Updates, damit diejenigen, die uns schnell in der Bahn oder sogar draußen in der Kälte lesen wollen, nicht von Artikel zu Artikel springen müssen, sondern einfach scrollen können. Was bisher geschah, also weiter unten. Wir haben nachgeschaut, wie es dem Potse-Kollektiv und anderen gerade geht, deren Mietverträge zum Jahreswechsel 2019 beendet wurden und die nun ihre Räume besetzt halten. Alle diese Institutionen und Projekte sind miteinander vernetzt und solidarisch.

Potse in Besetzung & Drugstore im Exil

Erstmal ganz wichtig: Es gibt jetzt bei Campact eine Petition für den Erhalt von Potse und Drugstore. Bitte alle hier unterzeichnen! Wir haben das gerade getan.

In einem Beitrag der „Junge Welt“ hat eine Aktivistin heute den Stand der Dinge zusammengefasst und auch das Projekt Potse / Drugstore erklärt. Bitte lesen Sie hier. Wir haben das im Wesentlichen in früheren Beiträgen auch getan, halten aber fest, auch weil wir zumindest von einem Fakt oder wenigstens einer Aussage überrascht sind:

  • Potse und Drugstore wurden nie adäquate Ersatzräume gleicher Größenordnung und mit Konzerveranstaltungsmöglichkeit angeboten.
  • Die Spezifika des Projekts (Selbstverwaltung, politische Positionierung, Angebot)  werden noch einmal dargestellt und man kann sich vorstellen, dass sie nicht allen politischen Kräften taugen. Gerade deshalb müssen Potse und Drugstore bleiben.
  • Rent24 wird hier nicht als Eigentümer, sonder ebenfalls als Mieter_in bezeichnet und hat nach eigenen Angaben gar nicht vor, die Räume von Potse und Drugstore (selbst) zu nutzen.

Wenn Letzteres der Fall ist, sollte die Besetzung ja vorerst kein Problem darstellen und man könnte nochmal über alles reden. Vor allem über die Fehlenscheidung, in der Potsdamer Str. 180 / 182 nicht mit Potse und Drugstore zu verlängern.

Hier hat „Besetzen“ ein Doodle (einen Online-Terminplaner) erstellt, in dem man sich für die Mahnwache anmelden kann, damit eine Schichtplanung entsteht:

Die letzte Meldung des Twitter-Accounts „Potse bleibt“ stammt von gestern und wir hoffen, es geht weiter mit der Mahnwache vor dem Haus:

Syndikat44

Am 02.01.2019 ging der Betrieb in den Räumen des Syndikats weiter, am 03.01. gab es eine Solidaritätsadresse in Richtung Potse. Wir haben mehrfach über das Syndikat berichtet, z. B. hier – und sind seitdem Bewunderer von deren Ideen und Aktionen.

Liebig34 in Besetzung (in Kooperation mit Rigaer Straße 94)

Mit „Liebig34“ beschäftigen wir uns jetzt zum ersten Mal und haben erfahren, dass das Projekt eine hohen Stellenwert in der linken Szene hat. Die Rigaer 94 ist uns allerdings schon seit Längerem ein Begriff – erstmals haben wir, noch für unser früheres Blog, über sie geschrieben, als der damalige Innensenator Olaf Henkel (CDU) versucht hatte, das Projekt zu bekämpfen und zu diskreditieren. So gesehen, knüpfen wir hier an den ersten Verdrängungsfall an, mit dem wir uns auseinandergesetzt haben.

Wer sich ins Sein und Denken von Liebig34 einlesen möchte, hier geht’s zum Blog.

Wir wissen, dass es weitere Projekte in Bedrohung, Besetzung und von Verdrängung bedroht gibt, aber wir fangen heute mit dieser kleinen Übersicht innerhalb der Potse-Berichterstattung an und liefern bald wieder ein erweitertes Update – oder gliedern diese Übersicht in einen eigenen Artikel aus, der fortgeschrieben werden soll.

Update 5, 03.01.2019:

Die Mahnwache vor der besetzten Potsdamer Straße 180 dauert an. Das Potse-Kollektiv will nicht weichen.*

Wir leiten erstmal etwas von der gestrigen RBB-Abendschau weiter, um die Stimmung vor Ort rüberzubringen:

Und bitte seid alle da, die irgend können. Jeder Tag und jeder Mensch zählt!

Das Ende der Musik könnte leider auch der Anfang vom Ende von allem sein, weil sie ein spezielles Merkmal von Potse und Drugstore war.

2018 mussten viele Kiez-Institutionen den Profitinteressen der Vermieter weichen. Insofern sind Potse und Drugstore nicht allein. Auch die Fälle „Syndikat“ und „Liebig34“ haben großes Interesse geweckt und das Syndikat hat mit spektakulären Enthüllungen und Aktionen viel für die Stärkung der Anti-Verdrängungs-Bewegung getan.

Auch die wenigen, die sich politisch seit Jahren für diese beiden Jugendzentren einsetzen, können im Moment nichts mehr tun. Und schon gar nicht diejenigen, die jetzt medial zusätzlich Unterstützung anbieten.

Wir können nur dokumentieren und unsere Anteilnahme ausdrücken. Potse und Drugstore sind nicht die Einzigen, die sich dem Druck des Kapitals ausgesetzt sehen, aber sie sind einzigartig. Das dürfen wir hier schreiben, ohne anderen Unrecht zu tun. Jedes Schicksal ist besonders, aber das Besondere an Berlin hat besondere Namen und zwei davon sind diese beiden, Potse und Drugstore.

Aber werden sie auch in ihrer Besonderheit unterstützt wie andere?

Wir meinen, die Politik verhält sich hier leider opportunistisch. Nicht alle müssen erst ihre Häuser besetzen, um sich Gehör zu verschaffen oder Ansprüche geltend zu machen. Das Potse-Kollektiv jedoch geht ins persönliche Risiko.  Dabei ist dieser Kampf schon deshalb wichtig, weil es um die soziale Infrastruktur einer Stadt geht, die durch Projekte wie dieses erst eine neue Identität gewann – und die jetzt diese Idenität, ihre Seele zu verlieren droht.

Die Politik mag solche Kämpfe nicht, weil sie unangenehm sind. Viele Politiker_innen sind ohnehin keine Fans der Sub- und Gegenkultur, die Konservativen, die Liberalen. Und gewisse andere, die an der Stadtregierung namens 2RG oder R2G beteiligt sind? Man sollte sich gut überlegen, wofür man gewählt wurde.

Der Stolz auf Institutionen wie Potse und Drugstore als Meilensteine der Jugendarbeit scheint sich in der Politik in Grenzen zu halten. Vor allem die SPD vermittelt immer wieder diesen Eindruck und beklagt z. B. mangelnde Kooprationsbereitschaft mit Investoren:

Potse und Drugstore kann der Chef der Senatskanzlei, Christian Gäbler (SPD) mit „auf den Preis achten“ im RBB-Beitrag nicht gemeint haben. Für diese beiden Jugendzentren wurde bisher kein großzügiges Paket zur Rettung geschnürt.

Wir haben eine Ahnung, wer hier indirekt kritisiert wird und da haben wir ebenfalls Bedenken, denn ist es nicht naheliegend, hier eine Gerechtigkeitslücke zu sehen? Doch was nützt es, auf ein Miteinander von Stadt und Investoren zu setzen, wenn Letztere sich verhalten wie die Deutsche Wohnen und spektakuläre Vorfälle erzeugen, die alles andere plötzlich klein werden lassen, was es an Verdrängung überall in Berlin gibt?

Dadurch siegen die Investoren in gewisser Weise, selbst wenn sie sich in einzelnen Fällen nicht oder nicht komplett durchsetzen können. Und was ist mit Eignern wie Rent24, denen die Potsdamer Straße 180 gehört und die auf Biegen und Brechen die soziale Kultur der Stadt für etwas so Diskussionswürdiges wie  „Completely Living in the Box“ beschädigen wollen?

Manchmal unbequeme Menschen akzeptieren und als wichtigen Bestandteil der Sozialen Stadt und ihrer Vielfalt ansehen, war vorgestern. Die Gier freidrehen lassen und rücksichtslos die Kiezkultur dafür beiseite räumen lassen war gestern. Heute wird zwar punktuell wieder gerettet und sich was ausgedacht, aber ob man dazugehören, in den Bund der erhaltenswerten Stadtgesellschaft eintreten darf, das hängt zu sehr von Faktoren ab, die man nicht selbst und schon gar nicht als Einzelperson beeinflussen kann. Gerade der Selbstbestimmungsgedanke, der in Potse und Drugstore gelebt wird, kommt dabei in schwieriges Fahrwasser.

Zudem sind Gewerbemieter gegenüber Wohnungsmietern im Nachteil, die in Berlin immerhin ein bisschen geschützt werden. Der Milieuschutz muss dringend auf Gewerbe ausgedehnt werden und könnte dann auch Insititutionen wie Potse und Drugstore helfen, die gewerbliche Mietverträge hatten.

*In diesem Fall haben wir ausnahmsweise einen Beitrag zurückgezogen und in deutlich geänderter Fassung neu auf die Reise geschickt. Es darf gerade  hier nicht in erster Linie darum gehen, sich vom Schreibtisch aus –  ziemlich spät zudem – aufzuregen, sondern an die zu denken, die in der Kälte stehen und deren großartigen Kampf mit angemessenen Worten zu begleiten. In dem Fall haben wir selbst gemerkt, dass wir überzogen hatten. Sorry dafür.

Update 4, 02.01.2019 abends

Die Solidaritätskundgebung vom 02.01.2018 ist zu Ende. Die Mahnwache beginnt.

Wie der obere der folgenden Tweets belegt, ist die Solidarität groß. Wenn wir glauben, dass es an einem Tag nicht mehr geht, mit einem weiteren Beitrag, weil es emotional zu schwierig wird, kann uns ein unermüdlicher Aktivist wie Daniel Diekmann von der IG HAB (Verdrängungsfall Habersaathstraße 40-48 in B. Mitte) nochmal anschieben.

Laut taz-Artikel zeigt sich der Jugendstadtrat des Bezirks, Oliver Schworck (SPD) irritiert über das Vorgehen der Aktivisten, wo er doch eine konstruktive Lösung finden wollte. Was wir bisher wissen, ist, dass die Ersatzräume, die man in der Potsdamer Straße 134/136 anbieten will, aufgrund ihres Mangels an Größe und Möglichkeit, für Konzerte zu proben und sie durchzuführen, diese einmalige Jugendarbeit zu einer Art Nachbarschaftstreff für gezähmte junge Menschen zusammenfalten möchte.

Wir waren Anfang Dezember 2018 bei einer Soli-Veranstaltung für Potse und Drugstore in der Kizekneipe „Leydicke“ in Schöneberg. Dabei konnten wir interessante Eindrücke sammeln, auch bezüglich des Auftritts des maßgeblichen Jugendstadtrats Oliver Schworck. Wir halten es gut für möglich, dass das Potse-Kollektiv einfach keinen Bock mehr auf diese Art von Politik hat und ihr nicht vertraut. Wenn dieser Zustand erreicht ist, kann es schon mal zu Irritationen kommen und dazu, dass man einem Politiker nicht vorher verrät, was man vorhat, damit man nicht weiterhin verraten und verkauft wird.

Wie zum Beispiel dadurch, dass die aufgrund der Anforderung seltenen, aber vorhandenen adäquaten Ersatzräume in der Nähe, die immerhin zweitbeste Lösung, lieber für städtische 08/15-Büros genutzt werden, die überall sonst problemlos unterzubringen wären.

Potse bleibt!

Und alle, die jetzt nicht bleiben können, werden in doppelter Stärke zurückkehren, wenn das Kapital an Vergiftung durch seine ekelhafte Profitgier krepiert und endlich reif ist für den Müllhaufen der Geschichte.

Es ist nicht zu fassen, was sich fast vor unserer  Haustür abspielt. Es wird in unser individuelles und kollektives Gedächtnis eingehen. Alles, was jetzt geschieht, wird sich rächen, denn unter dieser Menschenverachtung leidet die Demokratie und ist in Gefahr.

Einst wurden in Berlin viele Hausbesetzungen legalisiert. Damals war noch politisch Luft. Doch in den Zeiten, in denen das dahinsiechende Kapital seinen Würgegriff um die Menschen immer fester schließt, ist der Kampf ein anderer.

In der nächsten Wirtschaftskrise sind Konzepte wie das von Rent24 die ersten, die sich als nicht nachhaltig erweisen werden. Aber für Potse und Drugstore ist es dann zu spät und wieder wird es eine durch das sinnlose Wüten des Kapitals entstandene Kulturwüste mehr geben.

Darum muss Potse bleiben:

Update 3, 3a vom 02.01.2018 morgens

Durch unsere gestrige Pause in der Berichterstattung zur Sache   sind wir leider ziemlich knapp mit der Weiterleitung dieser Aktion:

Wer immer Zeit hat: Findet euch heute um 13 Uhr wieder vor der Potsdamer Straße 180 ein!

So wird im Moment die Besetzung der Räume symbolisiert:

Dazu die ungekürzte Pressemitteilung von Potse und Drugstore von gestern:

+++Keine Räumung an Silvester+++Kundgebung am 02.01 vor der Potse und den ehemaligen Räumen des Drugstores+++

Das Drugstore befindet sich seit dem heutigen Tag im Exil, ohne eigene Räumlichkeiten und adäquate und nutzbare Ersatzobjekte.

Die Aktivist*innen, die sich entschlossen haben in den, von der Potse genutzten Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße 180, zu bleiben, befinden sich auch weiterhin dort.
Bis zum 31.12.2018 um 23:59 durften sich die Aktivist*innen aufgrund des ehemals bestehenden Mietvertrags legal in den Räumlichkeiten aufhalten. Ab dem 01.01.2019 wird davon ausgegangen, dass die Polizei von einer illegalen Besetzung sprechen wird.
Der Jugendstadtrat Oliver Schworck, der über das Bleiben der Potse in den Räumlichkeiten durch den Anwalt der Potse informiert wurde, wird laut eigener Aussage erst am 02.01.2019 die überreichten Unterlagen prüfen lassen können. Weitere Schritte sind nicht bekannt. Der Anwalt informierte indes auch, dass es für eine mögliche Räumung einen gerichtlichen Räumungstitel geben müsste, wie auch in der RBB Abendschau vom 31.12.2019 nachzusehen.
Die Forderungen bestehen weiterhin: die Aktivist*innen werden die Räumlichkeiten erst verlassen, wenn adäquate Alternativen angeboten werden. Das beinhaltet vor allem die Möglichkeiten einer lärmintensiven Nutzung durch Proberäume und/oder Konzerte.

Am 02.01.2019 findet ab 13:00 eine Kundgebung vor der Potse (Potsdamer Str. 180) mit Bands statt.
Die Kundgebung solidarisiert sich mit den Menschen in der Potse und unterstützt die Forderung nach adäquaten Alternativen.

„Nehmt ihr uns die Räume weg, sehn wir uns im Straßendreck!“ (so ein Punk)

Solidarität mit der Liebig34 und dem Syndikat in Neukölln, die ihre Schlüssel ebenfalls nicht abgegeben haben!

Potse bleibt!

Die Pressesprecher*innen von Drugstore und Potse

Wir haben dazu nun folgenden Stand: Ersatzräume in der Potsdamer Straße 140, die gepasst hätten, darf Potse nicht anmieten, weil das Finanzamt weitere Büroräume braucht. Überall leicht zu requirierende Büros für ein Amt gegen die durch Gentrifizierung massiv unter Druck stehende Jugendkultur in der Stadt. Das ist die Abwägung, welche Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) zu treffen hatte. Die getroffene Entscheidung ist als Kampfansage von #Oben gegen die Menschen #Unten zu verstehen.

Wir unterstützen die Selbstverteidigung derer, die #Unten sind und es tatsächlich wagen, sich trotzdem zu wehren.

Update 2 vom 31.12.2018, 17:30 Uhr:

Der 31.12.2018 wird in die Geschichte der linken Kiezkultur von Berlin als schwarzer Silvester eingehen. 

Vor der Potsdamer Straße 180, den Räumen der Jugendzentren Potse und Drugstore, spielten sich heute dramatische Szenen ab, die Übergabe seitens der Drugstore-Betreiber war hoch emotional, das Schwester-JuZ Potse hat die Schlüssel zu seinen Räumen gar nicht erst übergeben, von Besetzung ist die Rede.

Das Kollektiv Drugstore hat sich anders entschieden, um nicht seinen Trägerverein finanziell durch mögliche Schadensersatzansprüche des Vermieters zu schädigen. Hier berichtet der RBB in einem Textbeitrag. Und hier ein neuer Beitrag der Abendschau:

Die zugehörige Pressemitteilung, die das getrennte Vorgehen von Potse und Drugstore und einige Hintergründe beleuchtet, auch die Ersatzäume betreffend, die ab Sommer 2019 zur Verfügung stehen sollen:

Ein Solidaritäts-Tweet des Syndikats, das heute vom gleichen Schicksal ereilt wurde und sich ebenfalls weigerte, die Raumschlüssel zu übergeben.

Es ist in diesem Moment schwierig, dazu etwas Sinnvolles zu schreiben. Wir sind einfach nur entsetzt. Und wir merken, dass wir die Bedeutung dessen, was in der Sozialen Stadt an Verdrängung vor sich geht, noch immer unterschätzen.

Solidaritätsadressen per Internet sind eher etwas für diejenigen, die mitten im Kampf stehen, die Hoffnung haben und bei denen sich noch was machen lässt – das ist uns in diesem Moment klar. Unser ganzes Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten an diesem Silvesterabend allen, die heute verdrängt werden sollten und wir bewundern den Mut derer, die sich nicht beugen wollen.

2019 muss es endlich zu politischen und stadtgesellschaftlichen zu Konsequenzen, zu mehr Solidarität und zu ernsthaften Maßnahmen gegen die weiterhin beinahe ungebremste Gentrifizierung kommen. Das wird denen, die es jetzt getroffen hat, natürlich nur dann nützen, wenn ihr Widerstand anhält und siegen kann. Vielleicht gibt es ja noch ein kleines Happy End in Form angemessener Ersatzräume für Potse und Drugstore und ebenso Lösungen für alle anderen, die heute aus ihren Räumen geworfen werden sollten.

Update 1 vom 31.12. / Mittag

Gerade wird vor der Potsdamer Straße 180, in der die bisherigen Räume von Potse und Drugstore liegen, gegen die Verdrängung der beiden selbstverwalteten Jugendzentren demonstriert. 

Vor zwei Stunden hat das „Syndikat“, das wir auch im Hauptbeitrag angesprochen haben, einen Tweet gesendet, in dem dies zu lesen und zu sehen ist:

Da haben ja die betreffenden Firmen nochmal Glück gehabt. Zu anderen Zeiten wäre es vermutlich zu eingeschlagenen Fensterscheiben gekommen und in nochmal etwas anderen Zeiten zu einem Sturm auf die Paläste des Kapitals.

Hatten wir schon erwähnt, dass Blutrot die Farbe der Liebe und des Kampfes ist?

Daher heute noch einmal unsere Soldarität mit allen, die für den Erhalt von Potse und Drugstore kämpfen!

Der Originalbeitrag:

Kennen Sie „Potse“ und „Drugstore“, liebe Leser_innen? Die beiden selbstverwalteten Jugendzentren in Berlin-Schöneberg? Auch sie sind von Verdrängung bedroht und stehen an ihrem bisherigem Ort nach jahrelangem Kampf vor dem Aus.

Hier zunächst der Aufruf zur Demo:

PROTEST UND DEMO:
10-16 Uhr, 31.12.18 vorm Drugstore, Potsdamerstr. 180, 10783 Berlin-Schöneberg
Potse, Drugstore, Syndikat, Rigaer Str ,Liebig 34, G17. 
Solidarity will win!

Leftvision hat dazu einen Facebook-Post erstellt und getextet:

2019 geht der Kampf um Freiräume in eine entscheidende Runde2019 laufen die Mietverträge von einer ganzen Reihe selbstbestimmter Räume, Kneipen, Hausprojekte oder Jugendtreffpunkte aus. Wir waren zu Besuch bei: Drugstore, Potse, Syndikat, Liebig 34, Meuterei und G17a. Berlin ist auf dem Weg zu einer ähnlich toten und glatt polierten Stadt zu werden wie es Sie schon zu oft gibt – Für uns heißt es 2019 ohne Pardon: Freiräume verteidigen!

Und hier ein Video, in dem mehrere Initiativen, darunter auch das  mittlerweile über Berlin hinaus bekannte „Syndikat“ aus dem Neuköllner Schillerkiez, erwähnt werden und zu Wort kommen: 

Hier noch der gleichlautende Post von „Feldmusik“, die sich am Aufruf beteiligen:


Seit über 40 Jahren gehören Potse und Drugstore zur linken Kiezkultur des Bezirks und darüber hinaus und seit mehreren Jahren kämpft von den politischen Kräften besonders DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg für ihre Erhaltung. „Potse“ und „Drugstore“ waren die ersten Verdrängungsfälle, die für uns konkrete Gestalt annahmen, weil wir als Mitglieder der Parteigliederung den Einsatz von Carsten Schulz und der linken BVV-Fraktion für diese Jugendzentren gar nicht übersehen konnten.

Mindestens seit 2015 dauert der Kampf um den Erhalt dieser Institutionen an, wie wir an älteren Postings in den sozialen Netzwerken feststellen konnten. 

Dadurch konnte die Kündigung immer wieder verschoben werden, doch am 31.12.2018 soll Schluss sein. Damit alle in der Politik sich berücksichtigt fühlen, die sich an der Findung für Ersatzlösungen für Potse und Drugstore beteiligt haben, wenn auch vielleicht nicht immer mit dem maximal möglichen Einsatz:

Ja, es soll neue Räume für die beiden JuZ geben, aber erst nach einer langen Übergangszeit bis ins Frühjahr 2019 hinein und vermutlich wird es nicht möglich sein, die einmalige Kombination von Wohnen, Jugendarbeit und Konzertbetrieb, die in der Potsdamer Straße 180 gegeben ist, zu erhalten.

Damit entfällt ein großer Teil von dem, was diese Einrichtungen ausmacht, was sie besonders macht. Auf Selbstermächtigung und Selbstbestimmung der Bewohner_innen und Besucher_innen wird bei Potse und Drugstore in hohem Maße und sehr erfolgreich gesetzt. Das Konzept beinhaltet die Möglichkeit, unter einem Dach zu wohnen, einander zu begegnen, Freiraum zu haben, Kunst zu machen, Musik zu entwickeln, sie zu proben und aufzuführen. Selbst in solch einer großen Stadt wie Berlin ist so etwas selten anzutreffen. Der Text der Webseite spiegelt dieses Selbstverständnis – die Jugendlichen sehen sich auch als Veranstalter kostenfreier Events und damit als Mitgestalter des Kulturlebens der Stadt:

„Von Punks für Punks Wir, das Potse -Kollektiv, sind ein linkes Kulturprojekt, das sich z.Zt. vor allem (aber nicht nur) als Veranstalltungsort für Parties und Konzerte „zum Nulltarif“ versteht. Das heißt vor allem, dass alle Veranstaltungen keinen Eintritt kosten (niemals!).“

Die bewegte Geschichte von Potse und Drugstore lässt sich auch in der Wikipedia nachlesen, inklusive dem Ergebnis der Investorenmacht.

In den größeren Zusammenhang von #Mietenwahnsinn haben wir den Vorgang allerdings erst einordnen können, als wir die Serie „Mieter!“ starteten:

Am 31.12.2018 ist für viele Kiezkneipen, Kulturstätten, Läden und auch für „Potse“ und „Drugstore“ Schluss!

Schluss einfach deshalb, weil die Vermieter die Stadt nach ihren kommerziellen Wünschen gestalten wollen, nach ihrem neoliberalen Bild, in dem für Vielfalt kein Platz  ist. Selten zuvor aber gab es ein so dramatisches Stichdatum wie den 31.12.2018, der für viele Kiez-Institutionen das Aus bedeuten kann.

Zum allgemeinen Spekulantentum und zum Angriff der „Investoren“ auf die Soziale Stadt tritt hinzu, dass die Räume der Lokale, Läden, Kulturschaffenden, Träger, Jugendeinrichtungen fast immer gewerblich angemietet sind und daher nicht dem Schutz für Wohnraummieter_innen unterfallen, der nun doch nach langem Zögern der Politik zumindest auf Landesebene verstärkt und von einigen Bezirken stark gefördert wird.

Gewerbliche Mietverträge sind in der Regel befristet und die bei Wohnraum üblichen Kappungsgrenzen und Milieuschutzvorschriften gelten nicht, Vermieter müssen also nicht erst aufteilen, verkaufen, hinausmodernisieren, neu vermieten, um Gewerbetreibende aller Art und auch soziale Institutionen, die als Firmen anmieten, richtig ausquetschen zu können.

Sie können es tun, wenn der Markt es hergibt.*  Der Mieter kann eine Erhöhung der Miete verweigern, da Vertragsfreiheit besteht, ist dann aber nicht vor Kündigung geschützt.

Heute unsere Solidarität mit Potse und Drugstore in der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg!

TH / Vielen Dank an @KiezinAktion für die Erinnerung!

 *Viele Gewerbemietverträge enthalten von Beginn an Festlegungen, welche die Miethöhe im Lauf der Zeit verändern: Staffeln oder, häufig genommen, Bindung der Miethöhe an die Entwicklung der Geldentwertung (Inflation). Bei manchen Gewerbearten partizipieren Vermieter auch an einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung ihrer Mieter, indem sie eine Umsatzmiete (in Prozent des Jahresumsatzes) vereinbaren.  

SMH 177-183
SMH 194-199 200 201,
SMH 215-228
Medienspiegel 194
19/3/1 + 19/3/2

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