Deutsche Wohnen lässt Mieter_innen frieren – Enteignung wegen Heizungsausfall? // @ KottiU @Katina_Schubert @Tagesspiegel @DWenteignen // @HeimatNeue @Mieterproteste @SusanneHoppe2 @KiezinAktion @BGemeinwohl @BMieterverein @22Marion_Noiram @Kiez_Web_Team Berlin #Gentrifizierung #Verdrängung #Milieuschutz #Milieuschutzgebiet #Mieter #AndreasSchulten #Enteignung #Verzweiflung #Vertreibung #Entmietung #Mieterverein #Vorkaufsrecht #Mietpreisbremse #DWenteignen #Mietendeckel #BerlinerMietendeckel #Grundgesetz #Eigentum #Eigentumsrecht

2019-01-05 kommentar aktuelles format

Serie und Dossier „Mieter, kämpft um diese Stadt!“

 Die „Deutsche Wohnen SE“, der größte Immobilieneigentümer in Berlin, steht in der Kritik, viele würden es am liebsten sehen, er würde verschwinden – sprich, seine Immobilien würden enteignet. 

Es gibt mittlerweile in Berlin mehr Menschen, die sich das vorstellen können als solche, die es strikt ablehnen – obwohl unsere Wirtschaftsordnung sehr eigentumsfreundlich ausgestaltet ist und nur von einer kleinen Minderheit grundsätzlich in Frage gestellt wird. Was ist passiert, damit in Berlin so viele anfangen, Enteignung nicht mehr als Tabu anzusehen? Dies zum Beispiel, ganz aktuell:

Der Tweet, den wir hier eingebunden haben, stammt von Katina Schubert, der Vorsitzenden von DIE LINKE in Berlin. Hier zum Tagesspiegel-Beitrag, auf den er sich bezieht.

Ist schlechte Technik ein Enteignungsgrund?

Nicht für sich, da muss mehr geschehen. Und es kommt auf die Hintergründe an. Aber wenn bei einer Firma, gleich welcher Branche, immer wieder die gleichen Qualitätsprobleme auftauchen, und das großflächig, weist das auf ein strukturelles Defizit hin, das tiefere Ursachen hat. Es liegt nah, dass die Deutsche Wohnen nicht nur die Mieten so weit wie möglich in die Höhe treibt, sondern auf der anderen Seite auch so viel spart wie irgend möglich. Sonst wäre es ja keine einheitliche Geschäftsstrategie, die sie anwendet, um die Rendite zu steigern.

Welche strukturellen Defizite sind gemeint?

Kürzlich haben wir uns ein wenig gewundert, wie in der Berliner Morgenpost ein Enteignungsgegner zu Wort kam, der behauptete, bei Verstaatlichung würden wegen der schlechteren Gehälter die kompetenten Mitarbeitenden abwandern. Und damit kommen wir zum strukturellen Defizit bei Firmen wie der „Deutsche Wohnen“.

Zumindest auf ausführender Ebene ist es umgekehrt. Hausverwaltungen jeder Größenordnung auf dem privaten Sektor zahlen wenig, bieten wenig sozialen Support,m verlangen dafür aber sehr viel von ihren Mitarbeiter_innen. Permanente Überforderung durch Unterbesetzung, Überstunden satt, wenig Teamgeist durch schwache interne Kommunikation, weil diese Branche in vieler Hinsicht recht altmodisch tickt, Druck auf die Budgets zur Instandhaltung, rein kaufmännische Orientierung zulasten der Mieter_innen.

Kein Tariflohn, keine Anerkennung, keine befriedigende Arbeit also, das ist das Los vieler Menschen, die in privaten Hausverwaltungen arbeiten.

Was ist an der DW speziell?

Große Firmen wie die DW sind in der Regel dreistufig organisiert.

Es gibt eigene oder eigenständige Handwerksbetriebe, es gibt das Facility Management vor Ort, das die Handwerker steuert und das kaufmännische Faciility Management, welches das technische Management beaufsichtigt und Reparaturen anweist, mit den Eigentümern und Mieter_innen korrespondiert, die Abrechnungen macht etc.

Wenn zwischen diesen drei Ebenen die Verzahnung nicht funktioniert, weil auch nur eine Ebene personell schwach ausgestattet oder schlecht geführt ist, leiden die Häuser und ihre Bewohner_innen darunter. Eine professionelle Störungs-Hotline nützt wenig, wenn vor Ort nicht genug Personal zur schnellen Beseitigung von Schäden oder Havarien vorgehalten wird. Auch der versierteste Handwerker kann hingegen nicht optimal eingesetzt werden, wenn die Beschwerden der Bewohner_innen auf der kaufmännischen Seite als lästig empfunden und zwischen Tür und Angel erledigt oder auch verschleppt werden.

Wie relevant ist das bei der Deutsche Wohnen?

In Anlagen wie denen der DW ist, wenn man sie konsequent funktionsfähig halten will, fast jeden Tag etwas zu tun und Heizung und Lüftung sind bei solchen Gebäuden oft neuralgische Punkte, weil es Zeiten gab, in denen schon beim Bau jener Anlagen so richtig geschlampt und gespart wurde (bei Lüftung / Klima noch mehr als bei der reinen Heizungstechnik, aber über teure Klimatisierung verfügen Wohngebäude in unseren Breiten eher selten).

Die selbst in Toplagen sehr einfache, unter dem BRD-Standard liegende Ausführung vieler Gebäude der Nachkriegszeit bis hin zur Wendezeit in Westberlin ist uns rasch aufgefallen, als wir hierher kamen. Es liegt auf der Hand: Dadurch ist auch die Technik vergleichsweise anfällig. Was nicht bedeuten soll, dass es außerhalb von Berlin nicht ähnliche Probleme geben kann, aber das Bauwesen in der Stadt hat offenbar unter der langjährigen Insellage, den fülligen Subventionen und der Konsequenzenlosigkeit schwacher Leistungen eine Sonderentwicklung genommen. Bei Anlagen wie denen am Kottbusser Platz gehen wir ziemlich sicher davon aus, dass die Mängel auch in den Gebäuden selbst und ihrer Ausführung angelegt sind.

Wenn sich schwache Service-Mentalität mit schwacher Technik paart, haben die Mieter_innen das Nachsehen?

Es müsste mehr als üblich investiert werden, nicht weniger, um dem abzuhelfen. Der Verdacht liegt nah, dass dies aber den Geschäftsprinzipien der Deutsche Wohnen SE widerspricht. Viele dieser Probleme an größeren Wohnanlagen sind tradiert, die DW hat sie sozusagen geerbt. Aber gerade angesichts ihrer Neigung, die Mieten hochzutreiben, wäre sie in der Pflicht, dem abzuhelfen, zumal die Ideologie der Konservativ-Neoliberalen darauf hinausläuft, dass privat besser ist als städtisch, nicht nur beim Rendite erwirtschaften, sondern auch serviceseitig. Die DW beweist, wie viele andere privatisierte Betriebe, eher das Gegenteil.

Wir können nicht überprüfen, ob die Investitionssummen richtig sind, die im Tagesspiegel-Beitrag genannt wurden aber solange es mehrere Wochen dauert, bis wieder warmes Wasser fließt, stimmt etwas mit der Beauftragung / Ausführung der Reparaturen nicht. Dass ein solcher Defekt vorkommt, ist nicht auszuschließen, hatten wir bei uns auch schon, es darf sich jedoch allenfalls über zwei, maximal drei Werktage ziehen, bis wieder alles ordnungsgemäß läuft, wenn der Schaden sofort nach Eintritt dem Notdienst der Verwaltung gemeldet wird.

Ist das jetzt ein Grund, die DW zu enteignen, dass dem nicht so ist?

Siehe eingangs. Es ist die Zusammenschau. Dass die DW ständig negativ auffällt, ist es, was die Menschen wütend macht.

Einer Firma, die ihre Mieter_innen so ausquetscht, verzeiht man Serviceschwächen weniger als einem kleinen Vermieter, der nach dem Motto leben und leben lassen vorgeht und dann auch mal ein paar Tage braucht, um Handwerker für die Beseitigung eines Schadens zu organisieren.

Firmen wie die DW werden wegen der Stetigkeit ihrer Auftragsvergabe von Handwerksbetrieben privilegiert. Wenn in zwei Häusern gleichzeitig ein ähnlicher Schaden entstanden ist und man nicht ausreichend Mitarbeiter_innen hat, damit man sich sofort um beide Fälle sofort kümmern kann, wird man einen Auftraggeber wie die DW gegenüber kleinen Kunden, die nur sporadisch daherkommen, bevorzugen. Das liegt auch daran, dass man als Handwerksunternehmer an Großkunden mit Rahmenverträgen gebunden wird, die Sicherheit bieten, deren Inhalte aber strikt erfüllt werden müssen, ansonsten können Konventionalstrafen drohen und beim Kürzen von Rechnungen wegen Schlechtausführung sind  Wohnungskonzerne recht schnell, weil sie am längeren Hebel sitzen. Bei Kleinkunden ist es eher umgekehrt, die müssen beim gegenwärtigen Bauboom froh sein, wenn sich jemand ihrer Anliegen annimmt.

Was wir damit ausdrücken möchten, ist aber nicht, dass alles kompliziert ist und daher die DW zu entschuldigen sein könnte?

Die Pointe ist das Gegenteil davon: Als größter Vermieter der Stadt hat sie, wenn sie ein anständiges Management betreibt, alle Möglichkeiten, schnell und qualitativ hochwertig für Abhilfe bei technischen Störungen zu sorgen. Sie hat nicht nur Mieter_innen gegenüber eine erhebliche Machtposition. Wieso wird trotzdem geschlampt und verzögert?

Das war offenbar schon Thema einer Anhörung, aber es könnte auch ein Indiz dafür sein, dass diese Firma ihrer sozialen Verantwortung auf eine sehr fundamentale Weise nicht nachkommen möchte. Damit gäbe es eine zusätzliche Begründung für die Enteignung – neben der menschenverachtenden Preistreiberei.

Damit endlich Druck auf diese Konzerne ausgeübt werden kann, sollte man auf jeden Fall das Volksbegehren „DW & Co. enteignen“ ab dem 6. April 2019 unterzeichnen.

© 2019 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

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