Empfehlung: „Die Häuser denen, die drin wohnen!“ 11. Mai bis 6. Juni 2019, Fotoausstellung im Regenbogenfabrik-Café in der Lausitzer Straße 22, Kreuzberg / @LauseBleibt #Mietenwahnsinn #Verdrängung #wirbleibenalle #besetzen #Regenbogenfabrik #Xberg

2018-11-11 Mieter,kämpft um diese Stadt + zusammen gegen MietenwahnsinnDie Vernissage rechtzeitig anzukündigen, haben wir leider verpasst. Aber die Fotoausstellung „Die Häuser denen, die drin wohnen“ läuft noch bis zum 6. Juni 2019.

Es bleibt also genug Zeit, um die Fotos und Beschreibungen dazu anzuschauen, die von den Hausbesetzungen seit den 1980ern erzählen.

Die Häuserkämpfe von einst und die Art, wie die Menschen in Berlin sich heute gegen den Mietenwahnsinn wehren, gehören für uns zusammen. Es kommt nichts aus dem Nichts. Spekulation und Verdrängung enden nicht von alleine. Zeit, sich anzuschauen, was die Besetzer seit den 1980ern draufhatten, welches Gepräge ihre Aktionen aufwiesen und worum es (ihnen) ging.

Wer die Vergangenheit nicht kennt, tut sich schwer damit, die Zukunft zu gewinnen.

In den 1990ern wurde es ruhiger, doch es war eine trügerische Ruhe. Sie wurde in Berlin vor allem durch die Wiedervereinigung ausgelöst und die plötzliche Möglichkeit, sich überall frei zu bewegen und, wie es zunächst aussah, an vielen Orten recht günstig wohnen zu können. Der einst in Kreuzberg konzentriere Widerstand hatte sich räumlich ausgeweitet, aber er ging auch im Strohfeuer der Vereinigungsbesoffenheit unter.

Dennoch haben einige Kollektive weitergemacht und sich u. a. in den zentralen Vierteln des Ostteils angesiedelt, haben sich neue Projekte gebildet, wo man seit vielen Jahren und bis heute wieder versucht, sie auszuräumen.

Im Bundestagswahlkampf 2017 hatten die Kreuzberger Grünen den Slogan „Die Häuser denen, die drin wohnen“ wieder ausgepackt, um an die Tradition des Viertel uns die Vergangenheit vieler ihrer Mitglieder und Sympathisant_innen zu erinnern – und die Bundespartei war nicht amüsiert.

Daran kann man sehen, wie Verbürgerlichung voranschreitet, wenn man nicht aufpasst und nicht immer wieder hinterfragt, wer steht für was und wie wollen wir leben – und was ist aus unseren Träumen geworden. Haben wir sie aufgegeben fürs Einfädeln in den Mainstream? Viele haben das getan und es ist nicht so, dass wir niemanden persönlich kennen, der das getan hat.

Aber jetzt müssen wir uns wieder neu orientieren und raus aus der Komfortzone, wenn wir wenigstens Inseln der Sozialen Stadt bewahren wollen.

„Am 12.12.1980 räumte die Polizei in Kreuzberg eine Neubesetzung am Fraenkelufer und ging massiv mit Tränengas und Knüppeln gegen die Unterstützer_innen vor. In dieser Nacht entwickelten sich Krawalle, wie Kreuzberg sie lange nicht mehr erlebt hatte. Es war der Startschuss in eine neue Ära der Hausbesetzer_innen-Bewegung im damaligen Westberlin. Innerhalb weniger Monate wurden 160 Häuser besetzt. Ein Heer von Spekulanten, die mit leerstehenden Altbauhäusern ihren Reibach machen wollten, wurden vereint zurückgeschlagen.“

So beginnt die Beschreibung  zur Ausstellung.

Wie ging es weiter? Ein Jahr später kam es zu einem dramatischen Todesfall, verursacht durch Polizeigewalt. Die Berliner Linie wurde entwickelt, nach der Hausbesetzungen binnen 24 Stunden geräumt werden.

Wir haben auch derzeit Besetzungen zu vermelden, aber in der Regel in der Form, dass Mietende, deren Verträge abgelaufen sind, in ihren Räumen bleiben. Sie dürfen keinesfalls zwangsgeräumt werden.

Wie es sich verhält, wenn eine lediglich symbolische Neubesetzung eingerichtet werden soll, hat man am 6. April 2019 im Anschluss an die große Demonstration gegen den Mietenwahnsinn gesehen – und wieder war es in Kreuzberg, im Wrangelkiez:

Ganz alte Schule, hat die Polizei sich massiv und physisch gegen die Stadtgesellschaft positioniert und anschließend in Pressemitteilungen, vorsichtig ausgedrückt, ihr Verhalten stark beschönigt und dabei nicht nachweisbare Behauptungen aufgestellt.

Gibt es Konsequenzen seitens der Politik wegen dieses unverhältnismäßigen Einsatzes? Wir haben derzeit nicht den Eindruck. Alles läuft wie gehabt, deswegen müssen auch die vielfältigen Formen von Kämpfen gegen das Spekulantentum wieder zur Routine einer widerständigen Stadt werden.

Zu den alternativen Projekten, die in der großen Zeit der Hausbesetzungen entstanden sind, zählt auch die Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße, in der die Ausstellung stattfindet – und in der Nähe liegt das gefährdete Kunst- und Hausprojekt Lausitzer Straße 10-11 („Lause bleibt“).

Wir haben gerade gesehen, das in der Lause ansässige Bildarchiv „Umbruch“  ist Veranstalter der Fotoausstellung. Hier geht’s zum Original-Veranstaltungshinweis auf Facebook.

TH

SMH 370

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