Dieses Mal bitte ALLE am SONNTAG nach SCHÖNEBERG zur GLEDITSCHSTRASSE 39-43 um 14 UHR gegen VERDRÄNGUNG – Protest und Hoffest! / @gleditsch3943 @HeimatNeue #Mietenwahnsinn #Wirbleibenalle #Schoeneberg #Gleditschstraße #Verdrängung #Vorkaufsrecht

Eine neue Timeline startet bei uns mit diesem Beitrag, ein neuer Verdrängungsfall ist zu beschreiben, ein weiterer Grund gegeben, den Häuserkampf zu führen.

Wir posten zunächst für Schnelllesende den Aufruf für den kommenden Sonntag (siehe auch Titelbild):

Viele solidarische Initiativen haben sich in letzter Zeit herausgebildet, sie alle rufen wir auf, zur Abwechslung zu uns nach Schöneberg zu kommen:

  • am Sonntag, den 4. August
  • um 14 Uhr zur Protestaktion vor dem Haus Gleditschstraße 41 und
  • um 15 Uhr zum Hoffest!

Es wird sicher ein sehr stimmungsvoller Nachmittag werden und gerade, weil es in Schöneberg nicht ein so dichtes Netz von Haus- und Kiezinitiativen gibt wie in Kreuzberg, Friedrichshain oder Neukölln, brauchen die Mieter*innen die kiez- und bezirksübergreifende Unterstützung der Stadtgesellschaft ganz dringend.

Am 29. Juli erfuhren wir durch diesen Tweet bzw. dessen Weiterleitung an uns erstmals vom Verdrängungsfall Gleditschstraße 39-43.

Das Bild ist typisch für die Nebenstraßen nördlich der Grunewaldstraße zum Winterfeldtplatz hin und im bayerischen Viertel – die Häuser sind in der Regel bereits bereits in sehr gutem Zustand, die Straßen sind ruhig bis mittellaut und haben Bäume, oft zu beiden Seiten, es gibt noch einige kleine, gemütliche Kiezläden und Cafés.

Bereits am 12. August endet die Frist für die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts.

Nach der Gleditschstraße 49-69, über die wir zu Jahresbeginn geschrieben haben, ist dies auch der nächste Hausverkauf in unserem Kiez, der immerhin publik wurde, weil es sich nicht um eine unterschwellige Transaktion namens Share Deal handelt und wo wir von einer Initiative der Betroffenen gegen Verdrängung erfahren haben. Macht es das besser? Im Moment noch nicht. Sondern erst, wenn der Bezirk Tempelhof-Schöneberg das bezirkliche Vorkaufsrecht für dieses Haus zieht und es an eine städtische Wohnungsgesellschaft weitergibt.

Und das wollen die Bewohner*innen der Gleditschstraße und wir alle, die in den Milieuschutzgebieten Barbarossaplatz / Bayerischer Platz leben oder im angrenzenden MSG Kaiser-Wilhelm-Platz.

Was ist bisher geschehen, was muss man über die Häuser wissen, um die es geht?

Wir haben es dieses Mal wieder sehr einfach, zumindest können wir unseren ersten Bericht gut mit dem füllen, was in der hervorragenden und kämpferisch geschriebenen Pressemappe steht, die von der Initiative verfasst wurde und die uns bereits vor der Veröffentlichung auf Twitter per Mail zuging.

Drei Häuser – 39 Wohnungen. Einige Mieter leben seit 50 Jahren hier. Es gibt viele Familien mit kleinen Kindern und sogar frischgeborenen Babys. Die Kinder lieben ihr Zuhause und einander.

Unsere Hausgemeinschaft ist über die Jahre liebevoll zusammengewachsen. Wir helfen uns gegenseitig und sind füreinander da. Somit würden wir noch viel mehr verlieren … unsere erweiterte Familie. Aber es gibt Sie! Sie können uns helfen, damit das Bezirksamt sein Vorkaufsrecht ausübt! Bewahren Sie uns vor den Fängen eines vermeintlichen Philanthropen, der durch Karstadt gezeigt hat, was für ein Mensch er wirklich ist. Er lässt weltweit die Menschen ruiniert zurück. Sie können das verhindern und uns vor diesem Schicksal bewahren! Bitte helfen Sie uns! Bezahlbarer Wohnraum muss erhalten bleiben!

In einigen Tweets haben sich Hausbewohner*innen bereits selbst vorgestellt, wir verlinken hier, hier und hier und betten zwei Tweets ein, die Familien aus den Häusern zeigen:

Wir können nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass die Mieter*innen sich präsentieren, denn nichts macht besser klar, dass es hier nicht um um renditegebende Subjekte oder Objekte geht, sondern um Menschen, die zu dieser Stadt gehören – im Gegensatz zu Investoren, die mit ihrem Kapital um die Welt vagabundieren und überall Verwüstung im sozialen Raum anrichten.

Was nun folgt, ist sehr fokussierte Darstellung zum Aufkäufer, wir geben leicht gekürzt das wieder, was in einer revidierten und leicht gekürzten Version der ursprünglichen Pressemappe zu lesen ist:

Vermutlich sind wir deshalb in den Fokus von unseren Investoren gerückt: wir passen gut ins Portfolio. Menachem Jundef und Yuval Dubois sind laut Grundbucheintrag unsere vorgemerkten Käufer. Menachem Jundef ist Geschäftsführer des Juweliergeschäfts Jundef & Co mit “exklusivem Service“ in Berlin. Die „Jundef Co“ aus Deutschland erscheint in einer Datenbank der InvestigativJournalisten von OCCRP – neben mehreren tausend anderen Firmen – als Empfänger von ca. $50.000 aus dem sogenannten Russischen Waschsalon, bei dem knapp 20 Milliarden US-Dollar russischen Schwarzgeldes über gefälschte Gerichtsurteile in Moldavien, baltische Banken und britische Briefkastenfirmen gewaschen wurden.

Jundef ist mit verschiedenen Geschäftspartnern Eigentümer und Geschäftsführer mehrerer Immobiliengesellschaften und Immobilien, u.a. die Jundef Holding, die in Berlin weitere Immobilien besitzt. Geschäftsführerin ist seine Frau Natalia Jundef.

Merkwürdiger Besuch Im Februar 2019 besichtigte unsere Hausverwaltung DIM einige Wohnungen. Die DIM begründete die Begehung damit, dass die aktuell finanzierende Bank sich von Zeit zu Zeit einen Überblick des finanzierten Gebäudes machen müsse. Es tauchte eine Gruppe von sechs Leuten auf. Darunter auch Samuel Czarny, Managing Director der Berggruen Holdings. Berggruen Holdings besitzt in Berlin eine Vielzahl von Häusern.

Noch haben wir eine Chance! Die Zeit drängt! Der Tag der Entscheidung, ob das Bezirksamt das Vorkaufrecht ausüben wird, ist bereits am 12. August 2019.

Zahlreiche Gespräche mit dem Baurat Jörn Oltmann und dem Team im Rathaus Schöneberg, zeigten deutlich die Bereitschaft der Politik, die Mieter zu unterstützen. Sollten die Investoren nicht die Abwendungsvereinbarung unterzeichnen, hoffen wir eine Lösung im Sinne des Erhaltungsgebietes und der dauerhaft sozialen Zusammensetzung, sowie Erhalt des bezahlbaren Wohnraumes zu finden.

Das geht nur mit Unterstützung, und genau dafür brauchen wir Ihre Stimme und Ihre Hilfe!

Wir erkennen Schöneberg in gewisser Weise wieder – einerseits sind die Hausbewohner*innen sicher sehr friedliche und nette Menschen, andererseits lesen wir viel Angst und auch Wut heraus, die durch den drohenden Verkauf der Häuser augelöst werden. Nach einigem Überlegen haben wir uns entschlossen, den gesamten Text wiederzugeben.

Wir sind stets der Ansicht, dass der Vorkauf das erste Ziel sein muss, denn die Abwendungsvereinbarung ist kein Friedensvertrag, sondern lediglich ein Waffenstillstand für einige Jahre und es gibt genug Fälle, in denen ein Vorkauf gar nicht möglich ist, weil beispielsweise ein Share Deal vorliegt.

Dass die Immobilienbranche in weiten Teilen so ist, wie sie hier dargestellt wird, nämlich als ein Tummelplatz für die Ausführung zwielichtiger Geschäfte, gleich, wie die Beteiligten sich nennen und wo sie ihre Briefkästen angebracht haben, ist uns jedoch nicht neu. Der nachlässige Umgang mit den Rechten der Stadtbewohner*innen auf der einen und die Erlaubnis für Spekulanten und Renditejäger, auf dem Immobiliensektor fast alles nach Belieben durchziehen zu können, was ihnen in die gierigen Birnen kommt, ist politisch gewollt und solange sich das nicht ändert, wird auch der #Mietenwahnsinn nicht enden.

Zum Weiterrecherchieren hat die Hausinitiative dankenswerterweise viele Links bereit, wir werden uns diese im Verlauf der nächsten Tage und Wochen anschauen, wenn es um Material für weitere Berichte geht. Wir verweisen dazu auf die Pressemappe.

Heute unsere Solidarität mit den Bewohner*innen der Gleditschstraße 39-43!

TH

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