Leonessa – Tatort 1123 #Crimetime 644 #Tatort #Ludwigshafen #Odenthal #Stern #SWR #Leonessa

Crimetime 644 - Titelfoto © SWR, Jacqueline Krause-Burberg

Der Apfelwurf von Ludwigshafen und der Stamm des Baums, von dem der Apfel stammt

71 Tatorte hat Lena Odenthal mittlerweile durchgestanden und die Zuschauer mit ihr. „Leonessa“ rangiert gegenwärtig auf Rang 57 der ermittlerinnen-internen Liste – nach Ansicht der Nutzer des Tatort-Fundus. Ein zum Lästern tendierende Mensch würde sagen: Es gibt halt noch viel schlechtere, besonders aus den letzten Jahren. Einen Fingerzeig gibt auch die Platzierung in der Tatort-Gesamtliste: Rang 1014 von 1144 (Stand 15.05.2020). Wir haben zuletzt einige Tatorte stark abweichend von der „Mainstream-Meinung“ bewertet, auch das letzte Werk, das vom SWR vorgestellt wurde, „Ich hab im Traum geweinet„. Weichen wir bei „Leonessa“ ebenfalls von der Mittelansicht ab? Darüber und über weitere Aspekte des Tarorts Nr. 1123 schreiben wir in der -> Rezension. 

Handlung

Die Westernkneipe von Hans und Hanne Schilling ist ein beliebtes Lokal im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Hier trifft man sich nicht nur, der Wirt mischt sich auch ein, wenn es im Viertel rüde oder illegal zugeht. Als Schilling eines Morgens hinter seinem Tresen erschossen wird, fragen sich Lena Odenthal und Johanna Stern deshalb, ob er mit seinem Engagement jemandem allzu massiv auf die Füße getreten war.

Der junge Samir zum Beispiel, der die Leiche fand und danach verdächtig lange brauchte, um die Polizei zu rufen. Oder Vanessa, die im selben Block wohnt wie Samir und eng mit Leon verbunden ist. Ein junges Paar, das definitiv mehr Geld zur Verfügung hat als angesichts ihres familiären Hintergrundes zu erwarten wäre. Sie geben sich unabhängig und wirken doch verloren.

Lena und Johanna vermuten, dass die beiden sexuelle Dienste anbieten, um zu Geld zu kommen. Die Ermittlungen führen die Kommissarinnen in ein soziales Gefüge, in dem die Erwachsenen aufgegeben haben und den Jugendlichen die Träume abhandenkommen.

Die Menschen im „Tatort: Leonessa“ von Regisseurin Connie Walther und Drehbuchautor Wolfgang Stauch leben nicht nur geografisch, sondern auch existenziell am Rande der Stadt. Ganz besonders die drei jungen Menschen, die in den Fokus der Ermittlungen geraten. Jugendliche, die sich treiben lassen, sich das Geld dazu auf zweifelhafte Weise verdienen und glauben, dass das niemanden zu interessieren hat – aber eben auch allenfalls die Falschen interessiert. In dem nicht sentimental, aber dennoch bewegend erzählten „Tatort“ spielen Lena Urzendowsky, Michelangelo Fortuzzi und Mohamed Issa sowie Karoline Eichhorn, Camilla Nowogrodzki und Konstantin-Philippe Benedikt an der Seite von Ulrike Folkerts und Lisa Bitter.

Rezension

„Welch ein furchtbarer Tatort. Aber was ein Glück geradezu, dass du nicht hier bist, sonst hätte ich das unbändige Bedürfnis, lieber mit dir auf der Couch zu kuscheln, als dieses Werk fertig anzuschauen.“ So schrieb am gestrigen Abend eine uns bekannte Person an eine andere uns bekannte Person. Wir haben den Film sowieso nachgängig rezensiert und versuchen gerade, die Lücke zu den aktuellen Premieren zu schließen. Bei der Entscheidung, nicht am Premierenabend über „Leonessa“ zu schreiben, hat uns sicher das beeinflusst, was Kritiker vorab geschrieben haben (in der Vorschau haben wir eine Auswahl von Stimmen präsentiert, sie ist auch unten angehängt).

Um beinahe sofort mit der Tür ins Haus zu fallen: Wenn die nächsten Odenthal-Fälle auch so werden sollen wie „Leonessa“, dann nehmen wir die Ankündigung von Ulrike Folkerts, so lange die Lena spielen zu wollen ,wie sie laufen und schießen kann, als Drohung wahr. Welch ein Rückfall von einem Film! Wir halten zunächst fest: Der Eindruck, das Verhältnis Odenthal / Stern sei horizontal erzählt, ist erst einmal futsch. Es ist zwischen den beiden wieder genauso schlimm wie in den ersten Fällen, in denen sie zusammenarbeiteten. Und es ist immer Lena Odenthal, die ihre ungerechtfertigten Agressionen an der jüngeren Kollegin auslassen darf.  Was sagt eigentlich die Stern-Darstellerin Lisa Bitter dazu, dass Drehbücher vorsehen, dass sie von ihrer Leitenden mit einem Apfel beworfen werden darf? Gerade aufgrund des hierarchischen Verhältnisse, das zwischen den beiden ja doch besteht, geht sowas überhaupt nicht. Wir wären schon bei der Andeutung einer solchen Tat zum Betriebsrat oder zum nächsthöheren Vorgesetzten gegangen. Anders ausgedrückt: Lena darf mobben, so viel sie will, das ist in diesen Zeiten, in denen sowieso alle immer mehr freidrehen, schon okay, nachdem man vor einiger Zeit dachte, man sei sich bei den ARD-Sendern der Tatsache bewusst geworden, dass patriarchalische Übergriffe in Dienstverhältnissen nichts zu suchen haben. Aber es gibt eben auch alte weiße Frauen, die sich verhalten wie alte weiße Männer. Die immer härter werdende Optik von Ulrike Folkerts passt dazu allerdings nicht so schlecht und so soll es wohl sein, sonst hätte man diesen Umstand nicht durch die Kamera-Arbeit noch betont.

Einiege ARD-Vertragsschauspielerinnen haben in diesem Film viel auszuhalten, das gilt nicht nur erneut für Lisa Bitter, die auch noch schlecht geführt wird und die sich ebenso in defensivem Overacting mit ständig Schnute und Blicke schmeißen verziehen üben muss, wie Ulrike Folkerts das in der offensiven Variante mit Schreien, Äpfel werfen und überhaupt permanent mies drauf sein darf, sondern auch für Karoline Eichhorn, die in eine Rolle gesteckt wird, in der sie fast nichts zeigen und daher als alkoholkrankte Lektorin keine Akzente setzen kann.

Zu alldem wird auch noch schlecht ermittelt: Der Einsatz von Frau Keller in der Kneipe war überflüssig, wie die Polizei am Ende auf Leon als Täter kommt, erfahren wir gar nicht, sondern bekommen es als Tatsache in Form einer Rückblende gezeigt. Wir zitieren die Wikipedia, die sich auch keinen rechten Reim auf das Ende machen kann, auch das Motiv von Leon betreffend:

Odenthal wird nun klar, was Leon bei ihren Unterredungen mit seinem Hinweis, er wäre ein Lost Boy, gemeint hatte. Zusammen mit ihrer Kollegin eilt sie zu ihm, kommt jedoch zu spät, denn er stürzt sich gerade vom Hochhaus. In seinen Erinnerungen erlebte er kurz zuvor den Mord an Schilling. Er wusste offenbar von dessen Waffe im Schrank hinter dem Tresen. Er nahm sie heraus und ging schweigend auf den Wirt zu, um ihn zu erschießen.

Der wahre Grund für Leons Tat wird nicht restlos geklärt, er ist aber wohl von Schilling der Prostitution „überführt“ worden und wollte mit dem Mord auch einer möglichen Tat von Samir zuvorkommen.

Nachdem wir nun etwas Dekonstruktion betrieben haben: Es ist richtig, dass der Sex älterer Personen mit Minderjährigen angeprangert wird, aber wir haben auch gleich wieder Zweifel: Wie, wenn Menschen sich als älter ausgeben, als sie sind und auch so aussehen, wenn es um Angebote zur Prostitution geht, die sie freiwillig ins Internet stellen und ihr Geschäft wie ausgebuffte Profis betreiben, auch logistisch (beinahe schon witzig, die Absperrung einer Parkhausebene, damit alles ungestört ablaufen kann). Außerdem ist Leon tatsächlich bereits 16 Jahre alt und gilt damit sexuell nicht mehr als Minderjähriger. Lena Odenthal lässt es sich in ihrem moralischen Furor nicht nehmen, die Vorschrift des StGB zu zu bennen, auf der sie ihre Entrüstung aufbaut:

§ 182 StGB Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren dadurch missbraucht, dass er unter Ausnutzung einer Zwangslage1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen,wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird eine Person über achtzehn Jahren bestraft, die eine Person unter achtzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie gegen Entgelt sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt.
(3) Eine Person über einundzwanzig Jahre, die eine Person unter sechzehn Jahren dadurch mißbraucht, daß sie
1.sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen läßt oder
2
.diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen, und dabei die ihr gegenüber fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(4) Der Versuch ist strafbar.
(5) In den Fällen des Absatzes 3 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.
(6) In den Fällen der Absätze 1 bis 3 kann das Gericht von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn bei Berücksichtigung des Verhaltens der Person, gegen die sich die Tat richtet, das Unrecht der Tat gering ist.

Odenthal bezieht sich auf Absatz 2, der vermeintlich eine sichere Bank ist, sogar bei Menschen bis 18 Jahren, weil gegen Entgelt eine wichtige Rolle spielt, und im Fall geht es um die Zahlung von Entgelt. Absatz 6 wird aber wohlweislich nicht erwähnt, auch wenn durch ihn die Bereiche der Jugendprostitution legitimiert wären, in denen aus freien Stücken sexuelle Dienste angeboten werden – und sogar solche, in denen keine Prostitution vorliegt, aber in denen eine Zwangslage besteht.

Das für uns entscheidende sind die Verhältnisse, aus denen Leon und Vanessa stammen – das allein gelassen sein, dem sie ausgesetzt sind. Nicht, dass dabei keine Klischees bedient würden, aber selbstverständlich gibt es solche Schicksale häufig und die Entwicklung des jungen Paares lässt sich gut nachvollziehen. Lena Odenthal konzentriert sich aber voll auf die Freier, nicht darauf, wie junge Menschen zur Prostitution kommen, die nicht auf einem Zwang beruht – es gibt ja auch keine Zuhälterschaft, was Lena Odenthal geradezu ärgerlich findet, weil es nicht ihrem Bild von Ausbeutung entspricht, sondern zeigt, dass Leon und Vanessa durchaus selbstbestimmt handeln. Im Grunde geht es hier auch um die Einstellung, die man generell zur Sexarbeit hat, und dazu gibt es nun einmal verschiedene Meinungen. Dem Zuschauer wird aber keine Möglichkeit gelassen, sich in Bezug auf Leon und Vanessa selbst eine Meinung zu bilden – und dass Lena Odenthal den Ton auf eine so rigide Weise wie selbst von ihr bisher selten gesehen vorgibt, kann dazu führen, wie etwa bei uns, dass wir ihr gerade nicht folgen möchten. Das hat allerdings auch mir ihrem unmöglichen Gesamtverhalten in diesem Fall zu tun. Eine Ablehnun gist eine Ablehnung und die Konsequenz ist, dass uns auch das Schicksal von Leon und Vanessa nicht so berührt hat, wie dies vielleicht der Fall gewesen wäre, hätte man Lena Odenthal etwas mehr zurückgenommen. Man erklärt wieder einmal unglaublich viel – nur dort nicht, wo es in einem Krimi eben doch wichtig ist.

Leider geht all das, was wir beschrieben haben, auch noch mit einer Langsamkeit und Uninspiriertheit und mit sehr schlechten Dialogen einher. Wir sind nicht so rigide, wir lassen uns mit guter Sprache schon mal bestechen und sehen über Plotholes hinweg, aber hier wird alles dermaßen steif dargeboten, dass der gesamte Film altmodisch und auch etwas verschoben wirkt. Die Westernkneipe im Ludwigshafener Betonviertel sei ja eigentlich ganz originell, findet eine Kritik, aber wir schließen uns dem Fazit an: Die Idee zündet nicht und der Sheriff, der dran glauben muss, überzeugt als Konstruktion nicht. Als Person lernen wir ihn ja nur durch die Aussagen anderer kennen und in ein paar kurzen Rückblenden, in denen er wenig sagt und viel grimmig schaut.

Finale

Die jungen Darsteller*innen von Vanessa, Lena Urzendowsky und Leon, Michelangelo Fortuzzi, mache ihre Sache  gut und schon aus optischen Gründen ist Vanessa eine prägnante Figur, aber es gibt mittlerweile kaum noch „schlechte“ Darstellungen von Jungschauspielern, die etwas größere Rollen bekommen, diesbezüglich hat man in den letzten Jahren ein sehr gutes Niveau erreicht. Das Paar, der Lost Boy und die coole Blondierte, werden aber ihrer Wirkung in Teilen dadurch beraubt, dass Lena Odenthal schwarz-weiß sieht – das bleibt auch der Kamera nicht verborgen. Dass nun auch noch Johanna Stern sich als missglückt wirkende Sozialarbeiterin versuchen muss, nur, weil Lena Odenthal das Vorbild sein soll, nimmt dem Film auch die Brisanz: Wenn’s so einfach wäre, die Wege Jugendlicher zu beeinflussen, bräuchte es dafür keine Profis. Vor allem haben Ermittler*innen eine Position, die eine solche Beeinflussung, die auf Vertrauen und ernsthafter, längerfristig wirksamer Zuwendung basiert, nicht zulässt, schon gar nicht, wenn die jungen Menschen auch noch als Verdächtige von denselben Personen unter Druck gesetzt werden. Dieses Unglaubwürdig-Übertriebene (oben schrieben wir: verschoben) dient der Sache, dem Anliegen nicht, weil es den sozialen Problemen vieler Menschen in Großstädten nicht gerecht wird und mindestens ebenso eine Exploitation darstellt wie die Prostitution. Dadurch kommen wir bei der Bewertung an die Grenze zu der Zone, in der wir auch aus politischen Gründen – zusätzliche – Punktabzüge vornehmen. Noch gerade so nicht.

5/10

© 2020 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Vorschau: „Ein Krimi, noch trister als Ludwigshafen“ (BILD)

Ob sich die Bildzeitung in Ludwigshafen auskennt, wissen wir nicht, wir sind früher oft daran vorbeigefahren und das Chemiewerk von BASF hat zwar für Emissionen gesorgt, aber trist sah es eigentlich nicht aus und eine schöne Autobahnbrücke gibt es dort auch.

„Leonessa“, das sind Leon und Vanessa, ein Teenagerpärchen aus Ludwigshafen, das den Ermittlerinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) im Tatort jede Menge Kummer bereitet: denn die 15-Jährigen prostituieren sich. Als ein Kneipenwirt erschossen wird, stellt sich die Frage, ob die Jugendlichen etwas mit dem Mord zu tun haben. Die Tatort-Folge Nummer 1123 „Leonessa“ stellt Odenthals 71. und Sterns 12. Fall dar.“ So leitet die Redaktion von Tatort-Fans ihre Kritik ein und kommt bei zwei Meinungen zu unterschiedlichen Schlüssen: Nicht sehr spannend einerseits, schön, wieder mal zu sehen, dass Lena Odenthal aus sicher herausgeht.

Was meint eigentlich die BILD, die uns die heutige Überschrift geliefert hat. Anschauen? „Ja, wenn Sie deprimiert ins Bett gehen wollen. Spannung mäßig, Atmosphäre traurig, doch immerhin ein klassisches Krimi-Format.“ Auf Deutsch, für die erzkonservative Tatort-Fraktion geeignet und Depressionen kommen natürlich vom Krimis gucken. Das gilt dann aber mehr oder weniger für alle Filme dieses Genres, sofern sie nicht aus Münster kommen.

Besonders spannend für uns ist der SWR 3-Tatortcheck, wenn es um Produkte aus dem eigenen Haus geht:

„Viel Drama, aber auch viel Klischee. „Leonessa“ bietet eine trostlose Kulisse und eine beklemmende Hoffnungslosigkeit über mehrere Generationen – das könnte für den ein oder anderen zu viel aus der Klischee-Kiste sein. Die anderen, die sich neben dem Krimi auch auf das Sozialdrama einlassen, werden wohl mehr als einmal schlucken.“ Es kommt zu drei von fünf Elchen.

Eine schwungvoll filmübergreifende Einleitung, die fast von uns stammen könnte, findet die bekannt kritische Redaktion von „filmstarts.de“: „Gerade einmal 14 Monate ist es her, dass ein „Tatort“-Team zum letzten Mal in einem Saloon ermittelte – und für einen Sonntagskrimi ist das ja nun wahrlich kein alltäglicher Schauplatz. Die Weimarer Kommissare Lessing und Dorn kamen im Januar 2019 trotzdem in den Genuss, denn es verschlug sie im schrägen „Tatort: Der höllische Heinz“ in eine Westernstadt in Thüringen – und dort ließ es sich Dorn nicht nehmen, in voller Cowgirl-Montur die Bar aufzusuchen. Für ihre Kollegen aus Ludwigshafen gelten nun ähnliche Vorzeichen: In Connie Walthers „Tatort: Leonessa“ muss ein Mord in einer Westernkneipe aufgeklärt werden.

In der Folge wird ein wenig amüsierter Rückblick auf die Zeit des „Zickenkriegs“ zwischen Odenthal und Stern geliefert, weil Odenthal dieses Mal mit einem Apfel nach der jüngeren Kollegin schmeißt. Wir verraten nicht, ob die alten Animositäten wieder aufleben, lesen Sie bitte hinter dem Link, wenn Sie möchten. Das Fazit, das zu 2,5 von 5 Punkten führt, wollen wir aber nicht verschweigen: „Connie Walthers „Tatort: Leonessa“ ist ein selten spannender, aber zumindest ordentlich gespielter Krimi der alten Schule, der nur selten die ausgetretenen Pfade der Sonntagabendunterhaltung verlässt.“

Auf den Saloon bezieht sich auch Christian Buß im SPIEGEL: „Der Clou: Eine Country-Oase in der Betonwüste? Eigentlich eine gute Idee. Wie die Charaktere sich anfänglich stolz gegen ihr Schicksal stemmen, das hat schon was. Doch die ewigen Zurechtweisungen von Kommissarin Odenthal, die in diesem „Tatort“ mal wieder mehr maßregelt als ermittelt, prügeln die Teens und ihre Eltern dann doch in ihre Asi-Stereotype zurück.“ An der Maßregel-Bemerkung sieht man, wie relativ Betrachtungen sind: In Sachen Maßregel-Vollzug kommt Odenthal bei uns erst an dritter Stelle, nämlich hinter Lürsen und Lindholm, und zwar mit einigem Abstand. Also eigentlich an zweiter Stelle, denn die Bremer Kommissarin hat ja Dienstende. In der Folge wirft Buß unter anderem ein Schlaglicht auf die offenbar wieder einmal wenig überzeugenden Dialoge und kommt am Ende auf 5/10.

Das Konventionelle, durchbrochen von wirklich exaltierten Experimenten und die schwachen Dialoge in der konventionellen Variante sind leider ein typisches Ludwigshafen-Merkmal geworden. Zum Ausgleich etwas Positives? Bitte:

Sehenswert ist „Leonessa“ vor allem wegen des Titelpaars. Michelangelo Fortuzzi verkörpert den fatalistischen Leon konsequent nach dem Motto „Verschwende deine Jugend“. Noch eindrucksvoller ist Lena Urzendowsky, die dank blondiertem Bubikopf im Vergleich zu ihren ähnlich einprägsamen Auftritten in „Der große Rudolph“, zwei Usedom-Krimis und vor allem „Das weiße Kaninchen“ kaum wiederzuerkennen ist. Regisseurin Connie Walther steht ohnehin für exzellente Leistungen ihrer Darsteller.„, schreibt Tilmann Gangloff in Tittelbach-TV.

Vielleicht sind die Dialoge zwischen den beiden Jugendlichen, die in diesem 1123. Tatort die Episoden-Hauptrollen darstellen, ja auch besser, denn mit schwachen, die Figuren nicht überzeugend wirken lassenden Sätzen wird auch die beste mimisch-gestische Darstellung nicht zu einer überragenden Gesamtleistung führen.

Zu einer Sofortrezension nach der Premiere wird es heute nicht kommen. Aber unsere eigene Meinung werden wir selbstverständlich hier vorstellen.

Besetzung und Stab

Hauptkommissarin Lena Odenthal – Ulrike Folkerts
Ermittlerin Johanna Stern – Lisa Bitter
Kriminaltechniker Peter Becker – Peter Espeloer
Ermittlerin Katja Winter – Petra Mott
Sekretärin Edith Keller – Annalena Schmidt
Vanessa Michel – Lena Urzendowsky
Mutter von Vanessa – Camilla Nowogrodzki
Vater von Vanessa – Konstantin-Philippe Benedikt
Leon Grimminger – Michelangelo Fortuzzi
Katja Grimminger, Mutter von Leon – Karoline Eichhorn
Samir Tahan – Mohamed Issa
Mutter von Samir – Inaam Wali-Al Battat
Omar Tahan, Bruder von Samir – Walid Al-Atiyat
Wirtin Hanne Schilling – Gabi Herz
Zivilpolizist – Matthias Fölsch
u.a.

Drehbuch – Wolfgang Stauch
Regie – Connie Walther
Kamera – Cornelia Janssen

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