Gefangen – Tatort 1132 #Crimetime Vorschau 17.05.2020 DAS ERSTE 20:15 Uhr #Tatort #Köln #Koeln #Ballauf #Schenk #WDR #Gefangen

Crimetime Vorschau - Titelfoto © WDR, Thomas Kost

Bitte nicht schlapp machen!

‚“Gefangen‘ ist nicht nur eine 30-jährige Insassin der Kölner Psychiatrie – auch Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hat mit sich zu kämpfen, seinen Ängsten und traumatischen Erlebnissen im vergangenen Fall „Kaputt“ (Tatort-Folge 1098). Therapieren lassen will sich der sture Ermittler nicht, die Hilfe von Kollege und Freund Freddy, Assistent Jütte und der Polizeipsychologin Lydia Rosenberg lehnt er strikt ab. Und dabei muss das rheinländische Tatort-Team gerade jetzt zusammenhalten: Der renommierte Chefarzt der psychiatrischen Klinik wird in seinem Haus erschossen vorgefunden.“

So beginnt die Redaktion von Tatort Fans ihren Bericht zum 79. Fall von Ballauf und Schenk. Was immer Max auch zu erleiden hat: Jungs, ihr seid nur noch vier Filme hinter den Bayern Batic und Leitmayr zurück und die sind etwas älter – die ewige Krone des Teams mit den meisten Fällen winkt! Die längste Dienstzeit werden die beiden Köln-Cops kaum erreichen, die Bayern sind sechs Jahre länger dabei (seit 1991) und Lena Odenthal hält den Rekord mit nunmehr 31 Dienstjahren und hat nach Bekunden ihrer Darstellerin Ulrike Folkerts nicht vor, aufzuhören, solange die Physis mitmacht, und die kann bei jemandem, der sehr trainiert ist, noch lange halten. Nach „Leonessa„, den wir gerade rezensiert haben, muss man die Absicht von Folkerts als Drohung denn als Grund zur Freude empfinden. Aber zurück ins Rheinland (ja, Ludwigshafen liegt auch am Rhein, aber in der Pfalz):

Man registriert in der Tatort-Fans-Redaktion, dass die Würstchenbude zurück ist und ist ansonsten einigermaßen zufrieden bzw. nicht sehr begeistert. Allgemein wird das zu Routinierte oder auch Stanardmäßige an den Köln-Filmen bemängelt. Und, dass zwischen dem Fall, der das Trauma bei Max ausgelöst hat und „Gefangen“ weitere gesendet wurden, in denen davon nichts zu spüren ist.

Schade, wenn’s so wäre, dass mit zwei älteren Herrschaften eben kein Aufbruch mehr möglich ist. Um 2013, mit „Franziska“ und „Ohnmacht„, sah es so aus, als wollten die beiden sympathischen Kumpels wirklich noch einmal zu neuen Ufern. Auf dem Titelbild, das wir ausgesucht haben, wirkt Max Ballauf allerdings eher so, als ob es bald mit seiner Dienstfähigkeit zu Ende ginge. Daher unsere Bitte.

Der SWR-Tatortcheck hebt ebenfalls den zerbrechlichen Max hervor, kommt aber zu der Auffassung, „Gefangen“ sei ein guter Krimi ohne Hektik und vergibt vier von fünf Elchen.

Filmstarts.de erklärt die Zusammenhänge zwischen Max‘ Trauma und dem aktuellen Fall: „Der Kölner „Tatort: Kaputt“ endete im Juni 2019 mit einer einschneidenden Erfahrung für Hauptkommissar Max Ballauf: Der altgediente „Tatort“-Ermittler, der schon seit 1992 in der Krimireihe auf Täterfang geht, musste eine verstörte junge Kripo-Kollegin erschießen, um so ein anderes Leben zu retten. Seither war dieses Ereignis in den Krimis aus Köln allerdings kein Thema mehr – Ballauf hat in seinen 28 Dienstjahren am Rhein schließlich schon so manchen Rückschlag weggesteckt und folgenübergreifende Drehbücher sind im Kölner „Tatort“ auch eher die Ausnahme.“

Wir erfahren auch, dass Max seine Sitzungen mit Polizeipsychologin Lydia Rosenberg ausfallen lässt. Ja, was auch sonst, schließen waren die beiden mal ein Paar und wenn zusätzlich die Vergangenheit triggert und eine Rollenvermischung zu beobachten ist, kann das nix werden, mit der Traumatherapie.

„Filmstarts“ wird am Ende 3,5 von 5 vergeben, das ist für dieses Portal beachtlich. Es ist bedingt durch etwas, das uns dann doch überrascht hat: Man hält diesen Krimi für überraschend, nicht konventionell, obwohl  man zugibt, dass er immerhin so anfängt. Das deckt sich vor allem nicht mit der Aussage der Tatort-Fans-Redaktion und solche Wahrnehmungs-Diskpreanzen machen es für uns noch einmal spannender, einen Film anzuschauen.

Aber auch Tilmann P. Gangloff von Tittelbach.TV hält diesen Film für sehr eindringlich, darüber hinaus für spannend, wobei die Spannung nicht aus dem Thrill herrühren soll, sondern aus der psychischen Instabilität von Max Ballauf. Wir finden psychische Instabilität ja auch immer spannend, wenn auch schwer zu „schreiben“, zumindest, so, dass sie authentisch und einigermaßen den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnis gemäß dargestellt wirkt und nicht, um mal den Meister etwas durch den Kakao zu ziehen, so exploitativ und outdated rübergebracht wie bei Hitchcock. Aber dessen Filme sind ja nun auch mal fast alle mehr als ein halbes Jahrhundert alt („Psycho“, der letzte Hitchcock mit – sic! – Psycho-Touch, feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag).

Christian Buß hat sich im Spiegel wieder einen schönen Titel ausgedacht: „Eine flog über das Kuckucksnest“. Er empfindet die Twists des Films als gewagt, dies aber nicht direkt schlimm und vergibt am Ende 7/10. Konsequenz der Ansicht, dieser Tatort sei angenehm risikofreudig. Damit bildet sich, nach den eingangs wiedergebenen Meinungen, die den Film eher für konventionell halten, bei den Profis etwas wie eine Linie heraus, die zum Gegenteil tendiert. Realität vs. gefühlte Realität, oder was? Das Erklärende früherer Köln-Tatorte, über das wir anhand ebenjener früheren Tatorte ebenfalls referiert und vor allem die Anlage der Dialoge nach dem Schema These und Antithese hervorgehoben haben, sieht Buß aber als vergangen an; nunmehr mute man dem Publikum das Verschwimmen von Realität und gefühlter Realität zu. Vielleicht ist dies auch wieder ein typischer „Kritiker-Film“ und 80 Prozent z. B. der Tatort-Fundus-Nutzer schreiben in ihren kurzen Anmerkungen: Köln halt wie immer, nur Max kaputt.

Am morgigen Abend, gegen 21:45 Uhr, wissen wir mehr und werden es in diesem Blog namens „Der Wahlberliner“ niederschreiben.

TH

Handlung

Im neuen „Tatort“ aus Köln „Gefangen“ müssen die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk den Mord an einem Chefarzt einer psychiatrischen Klinik aufklären.

Dabei befindet sich Ballauf selbst gerade in Behandlung: Ein Trauma, das er bereits überwunden dachte, kehrt mit aller Macht zurück. Nachdem er im Einsatz die Kollegin Melanie Sommer erschossen hat, plagen ihn Albträume und Schuldgefühle. Manchmal glaubt er, die Tote vor sich zu sehen. Sprechen kann er darüber nicht, auch nicht mit seinem Partner Freddy Schenk. Entsprechend angespannt ist die Stimmung im Team.

Bei ihren Ermittlungen im Krankenhaus erregt eine Patientin Ballaufs Aufmerksamkeit. Julia Frey behauptet, sie werde gegen ihren Willen in der geschlossenen Abteilung der Klinik festgehalten. Die stellvertretende Chefärztin Dr. Koch verweist jedoch auf Julias emotionale Instabilität. Doch Max ahnt, dass Julias Hilferuf begründet sein könnte. Er spürt eine Verbundenheit mit der jungen Frau.

Besetzung und Stab

Hauptkommissar Max Ballauf – Klaus J. Behrendt
Hauptkommissar Freddy Schenk – Dietmar Bär
Oberkommissar Norbert Jütte – Roland Riebeling
Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth – Joe Bausch
Polizeipsychologin Lydia Rosenberg – Juliane Köhler
Prof. Klaus Krüger – Thomas Fehlen
Dr. Maren Koch – Adina Vetter
Patientin Julia Frey – Frida-Lovisa Hamann
Florian Weiss – Andreas Döhler
seine Ehefrau Christine Weiss, Julias Schwester – Franziska Junge
Polizistin Melanie Sommer – Anna Brüggemann
Pfleger Dennis Oberender – Thomas Schubert
Jürgen Buschmann, Pächter des Tennisclubs – Thomas Huber
seine Tochter Eva Buschmann – Kyra Sophia Kahre
u.a.

Drehbuch – Christoph Wortberg
Regie – Isa Prahl
Kamera – Moritz Anton
Szenenbild – Stefan Schönberg
Schnitt – Daniel Scheuch
Ton – Wolfgang Wirtz
Musik – Volker Bertelmann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s