Babbeldasch – Tatort 1012 #Crimetime Vorschau #Tatort #Ludwigshafen #Kopper #Odenthal #SWR #Babbeldasch

Crimetime Vorschau 29.06.2020 HR 21:45 Uhr - Titelfoto © SWR, Martin Furch

Theater, Theater

„Tatwaffe: eine Portion Mohn. Im Schokoladencroissant. So ungewöhnlich der Tathergang im 65. Fall „Babbeldasch“ mit Lena Odenthal ist, so experimentell ist auch die Umsetzung dieses Tatort-Streifens des SWR. Denn die Dialoge sind zum Großteil improvisiert! Der junge Regisseur Axel Ranisch wagte die Inszenierung der Idee.

Hauptkommissar Mario Kopper tritt in dieser Ludwigshafener Folge übrigens nur am Rande auf; die Kollegin Johanna Stern unterstützt Odenthal bei der Ermittlungsarbeit in dem Mundart-Theater „Babbeldasch“. Und beinahe beiläufig kommt es sogar zur Versöhnung der zwei emanzipierten Streithennen,“ schreibt die Redaktion von Tatort Fans zur Nr. 1012 in der Liste der Tatort-Episoden.

Wie das Publikum auf den Film reagiert hat, kann man zum Beispiel auf der Plattform „Tatort-Fundus“ nachlesen: „Babbeldasch rangiert auf dem letzten Platz aller Odenthal-Tatorte, und da sind mittlerweile einige dabei, die mit niedrigen Punktzahlen Vorlieb nehmen müssen – auch Rang 1138 von 1149 in der Tatort-Gesamtliste sagt einiges aus. Ob man den nächsten Impro-Tatort „Maleficius“ trotzdem gemacht hat oder die Ergebnisse von „Babbeldasch“ noch nicht kannte, als er geplant und gedreht wurde, weiß ich nicht, Ersteres wäre schon sehr konsequent. Aber man lässt ja auch Lena Odenthal konsequent weitermachen, solange sie selbst Lust dazu hat, um den ewigen Rekord als Ermittlerin mit der längsten Dienstzeit nicht zu gefährden, sondern darauf zu setzen, dass die Münchener Batic und Leitmayr, die ihr mit zwei Jahren Abstand folgen, vor der durchtrainierten LU-Kommissarin das Zipperlein packen wird und sie in Pension gehen. Erste Ansätze von Altersweh waren zumindest im Film bei Batic schon zu sehen.

„Kriminaloperette ohne Gesang“ nennt Filmemacher Axel Ranisch seine erste Inszenierung für die Reihe „Tatort“, die er mit Autor Sönke Andresen und einem gemeinsamen Ensemble aus dem Ludwigshafener Tatort-Team und den Darstellern des Amateurtheaters Hemshofschachtel erarbeitete. Wie in seinen Kinoarbeiten drehte er die „Babbeldasch“ chronologisch und ohne ausformuliertes Drehbuch. Die Schauspieler improvisierten die Szenen auf der Basis eines Treatments, ausführlicher Figurenentwicklungen – und ohne Kenntnis davon, wer der Mörder sein würde. Entstanden ist ein ungewöhnlicher „Tatort“, der in einem ganz speziellen Setting aus Bühne, Ermittlung und Traumgeschehen Lebendigkeit, Authentizität und jede Menge Charme ausstrahlt, wirbt hingegen die ARD für den Film.

Dass es im Moment bei einer Vorschau bleibt, liegt daran, dass ich „Babbeldasch“ wohl  noch nicht gesehen habe. Es gibt keine einzige Datei dazu. Zunächst dachte ich: Kann doch nicht sein! Aber der Impro-Tatort, den ich im Kopf habe, ist der mit dem eingeschneiten Hotel, und das ist „Maleficius“. Die Rezensionen beim Wahlberliner zeigen allgemein für experimentelle Krimis höhere Wertungen, als das oben erwähnte Fundus-Publikum sie vergibt und ich fand „Maleficius“ zumindest nicht grottenschlecht – 6/10 sind beim Wahlberliner die Untergrenze von „Durchschnitt“. Gleiches gilt für die Odenthal-Tatorte: Jeden Funken von Inspiration und jeden Ansatz zu neuem Durchstarten würdige ich gerne, weil es für mich keine „Altersgrenze“ gibt. Sehr wohl aber ein Erstarren in Routine, und das war in den letzten Jahren in Ludwigshafen manchmal auch zu beklagen – obwohl man bei weitem nicht so gleichförmig gefilmt hat, wie ich das z. B. seit meiner Befassung mit den Polizeirufen von den Schmücke-Schneider-Filmen der „elegischen Phase“ kenne. Es liegt oft daran, dass LU-Tatorte für heutige Verhältnisse etwas hölzern wirken. Zuletzt, in „Lenoessa“ hat man sogar diese aufgesetzte Disharmonie zwischen Odenthal und Stern, die zwischenzeitlich erledigt schien, reaktiviert, und zwar vollkommen zulasten von Stern.

Sollte für „Babbeldasch“ nicht gelten, in ihm dürfen die Darsteller*innen ja zeigen, wie schlagfertig sie sind. Allerdings einige davon auf pfälzisch, worüber sich einige Zuschauer ebenfalls beschwert hatten, nach der Premiere. Ich sollte damit eigentlich klarkommen. Zum Schluss: Nicht nur ist Lena Odenthal auf Rekordkurs bezüglich der Dienstzeit als Kommissarin, auch die Playlist und die Besetzungsliste sind rekordverdächtig lang.

Handlung

Das Ludwigshafener Mundarttheater Babbeldasch hat bisher nicht zu Lena Odenthals Ausgehadressen gehört. Kollege Becker nimmt sie in eine Aufführung mit, aber während Lena noch überlegt, was sie davon hält, endet der Abend abrupt: Hauptdarstellerin und Theaterleiterin Sophie Fettèr stirbt während der Vorstellung an einem allergischen Schock.

Anscheinend ein Unfall, aber Lenas Neugier ist geweckt. Gut möglich, dass der tödliche Mohn in der Füllung eines Croissants Sophie Fettèr mit Absicht untergeschoben wurde. Da Sophie sie sogar bis in ihre Träume verfolgt, nimmt Lena inkognito Kontakt zu den Theaterleuten auf. Dort erlebt sie tiefe Trauer und Bestürzung, alte Feindschaften und neue Hoffnungen.

Zwischen Sophies Tochter Petra, deren Vater Sascha und Sophies langjährigem Geliebten Manfred gibt es Konflikte über die Fortführung des Theaters, der Vermieter will die Babbeldasch loswerden und im Ensemble hat jeder seine eigene Meinung darüber, wie es weitergehen soll.

Und keine Nacht vergeht, ohne dass Sophie Lena im Traum antreibt, endlich ihren Mörder zu finden. Als sich herausstellt, dass es sich tatsächlich um einen Mordfall handelt und die Kollegen die Ermittlungen aufnehmen, ist Lena schon tief drin im Beziehungsgeflecht der Theaterleute. 

Playlist, Besetzung, Stab

Romano Gandolfi – Petite messe solennelle, komponiert von Rossini
Adriano Celentano – Azzuro, komponiert von Paolo Conte
Orchester Nino Rota – Love Theme from the Godfather, komponiert von Nino Rota
Alice Giles – Chamber of Horrors for Harp, komponiert von Elena Kats-Chernin
Herbert von Karajan – In der Halle des Bergkönigs, komponiert von Edvard Grieg
Lou Reed – Pale Blue Eyes, komponiert von Lou Reed
National Philharmonic Orchestra – La Boutique Fantasque – Valse Lente, komponiert von Rossini
Alessandro Marangoni – Peches De Vieillesse, Vol. 12_ Quelques Riens Pour Album – No. 19. Un Rien Allegretto Moderato, komponiert von Rossini
Alessandro Marangoni – Peches de vieillesse IV Quatre hors d’œuvres et quatre mendiants – No.2 Les Amandes – Minuit Sonne – Bonjour Madame, komponiert von Rossini
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Knitting Neetles, komponiert von Elena Kats-Chernin
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Good Fairy, komponiert von Elena Kats-Chernin
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Magic Spell Tango, komponiert von Elena Kats-Chernin
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Darkness in the Forest, komponiert von Elena Kats-Chernin
Sir Collin Davis – Klavierkonzert Nr.1, 2.Satz – Andante, komponiert von Bartok
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Darkness in the Forest, komponiert von Elena Kats-Chernin
Tasmanian Symphony Orchestra – Wild Swans Concert Suite – Eliza Aria, komponiert von Elena Kats-Chernin

Hauptkommissarin Lena Odenthal – Ulrike Folkerts
Hauptkommissar Mario Kopper – Andrea Hoppe
Fallanalytikerin Johanna Stern – Lisa Bitter
Kriminaltechniker Peter Becker – Peter Espeloer
Sekretärin Edith Keller – Annalena Schmidt
Sophie Fettèr – Marie-Louise „Malou“ Mott
Sarah Fettèr – Petra Mott
Manfred Oehlenschläger – Gerd Rohrbacher
Sascha Werner – Andreas Assanoff
Bohlmann – Harald Dimmler
Bieni – Christian Borowski
Luigi Steccino – Vito Schito
Otto Sperling – Werner Übelacker
Jutta Hoffmann – Sieglinde Schloer
Anna Seebold – Angelika Kleinschmidt
Sandra May – Luka Nuber
Antonia Sievers – Anja Reich
Marie Grötzinger – Ramona Lisowski
Gabriel Magin – Jürgen Stahl
Lisanne Sommer – Jasmin Bachmann
Carmen Sailer – Tanja Hoecker
Andi Braun – Francois Wittmann
Larissa Moser – Katja Sessig
Rebecca Lenz – Marlene Prägert
Celina Seifert – Janine Kleiber
Stephanie Herbst – Andrea Blank
Thomas Burger – Axel Seban
Andreas Wagner – Michael Knaak
Herbert Michels – Gerhard Hasch
Mia Mollnow – Sina Schreiner
Sterns Kinder Liv und Ivy – Liv Zirkel, Ivy Zirkel
u.a.

Drehbuch – Sönke Andresen
Regie – Axel Ranisch
Kamera – Stefan Sommer
Szenenbild – Lena Moritzen
Schnitt – Susanne Heller
Musik – Goachino Rossini, Edvard Grieg, Béla Bartók

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s