31 Tage nach dem Syndikat: Das Syndikat lebt im #Schillerkiez von #Neukölln #Neukoelln! Soli- und Info-Abend am 07.09.2020, dem ersten Monatstag der Räumung – unser Bericht | #Syndikat #Syndikatlebt @Syndikat44 #b0708 #b0709 #Mietenwahnsinn #Schillerkiez #KeinHausWeniger #WohnenistMenschenrecht #Solidarität #

Am 7. August 2020 hatten wir in Kooperation mit der @HeimatNeue von einem der traurigsten mietenpolitischen Ereignisse in Berlin in diesem Jahr zu berichten. Von der Räumung des Syndikats, das 35 Jahre lang ein zentraler sozialer Raum im Schillerkiez von Neukölln war, das zwei Jahre lang um einen Mietvertrag und dann gegen seine Räumung kämpfte.

Gestern Abend waren wir vor Ort, um an „einen Monat Räumung“ zu erinnern, um mit dem Kollektiv, welches das Immobilien-Imperium „Pears Global“ aufdeckte und damit der Zivilgesellschaft einen großen Dienst erwies, solidarisch zu sein. Wir werden unsere Bild-Eindrücke posten und zuvor ein paar Zeilen schreiben.

Der Abend bestand aus Redebeiträgen vom Syndikat selbst, von der Liebig 34, der Meuterei und weiteren bedrohten Projekten – und einer Reihe von Videos, die auf eine Leinwand in der Mitte der Weisestraße projiziert wurden: Es begann mit der Liebigstraße 34 aus Friedrichshain, die damit auch ihre Aktionswoche startete, sodann wurde die Geschichte des Syndikat-Kampfes vom Beginn im Sommer 2018 bis heute nachgezeichnet. Auch wir haben dabei noch einmal neue Einblicke gewonnen, unter anderem von der krassen Aktion „Syndipeople came to London just to meet the Globals“, wie wir uns erlaubt haben, deren Fahrt zur Zentrale des Vermieters „Pears Global“ in die britische Hauptstadt zu nennen. So etwas hat vorher wohl noch keine Initiative gemacht, aber früher saßen die Vermieter meist näher und wenn sie heute Briefkastenfirmen betreiben, deren letztes Backoffice auf den Cayman Islands sitzt und bei uns keine Steuern zahlt, wie soll man an die Hintermänner solcher Konstrukte herankommen? Auch Pears Global betreibt scharenweise Briefkastenfirmen. 

Wetten wir, dass diese „Unternehmen“ nicht einen Euro-Cent dafür berappen, dass die Räumung des Syndikats unfassbare 14.257 (Vierzehntausendzweihundertsiebenundfünfzig) Dienststunden der Polizei in Anspruch genommen hat? Dass dafür insgesamt 1.500 Einsatzkräfte aufgeboten wurden (im Schichtbetrieb). In diesem System werden die Profite für wenige immer höher und die Schäden von deren Geschäftsgebaren für die Zivilgesellschaft immer mehr untragbar.

Wir betonen noch einmal, dass das Syndikat- Kollektiv sich sehr darum bemüht hat, mit den Eigentümern in Kontakt zu treten und einen neuen Mietvertrag auszuhandeln, einen Kompromiss zu finden. Der Dank war Kommunikationslosigkeit, war die kalte Schulter des Kapitals und wieder eine Verdrängung eines Herzstücks von Berlin aus dem Herzen von Berlin. Wie lange wollen wir uns das von einem rot-rot-grünen Senat noch bieten lassen, fragen wir uns nicht erst seit gestern Abend, aber gestern Abend ging uns das pausenlos im Kopf herum.

Nach unserer Schätzung kamen über 300 Menschen und versammelten sich auf der Weisestraße, um Solidarität mit dem Syndikat zu zeigen – überwiegend aus der Nachbarschaft und von befreundeten Projekten. Wir haben auch die vielen Zeichen der Zuneigung zum Syndikat an Häuserwänden wahrgenommen, die wir in unserer Bilderserie zeigen werden. Was wir leider nicht bemerkt haben: Dass viele Mieterinitiativen mit ihren Transparenten anwesend gewesen wären. Wir meinen u. a. jene, die selbst Solidarität vom Syndikat erfahren haben. Das Syndikat ist fast immer dabei, wenn es darum geht, Mieter*innen und Projekte gegen den Ausverkauf der Stadt zu verteidigen.

Wir haben zugehört, wie Menschen des Syndikat-Kollektivs davon sprachen, dass das Syndikat immer noch die Adresse ist, an der man sich auf der Straße begegnet, sich austauschen kann, dass das Kollektiv als solches bestehen bleibt und man sehr optimistisch ist: Die Räumung sei nicht das Ende gewesen, sondern schlussendlich werden neue Syndikate gegründet werden. Zwei Jahre lang veranstaltete man die ganze Woche über Workshops und war samstags auf Veranstaltungen unterwegs und auf Demos und machte klar, dass jede Räumung, jede Gentrifizierung eine zu viel ist. Und man schenkte weiterhin aus, in der Weisestraße 56, und war für die vielen Menschen im Kiez zur Stelle. Das wollen wir nicht vergessen.

Anschaulich wurde die Situation geschildert, welchen Stress die Räumungsansage verursachte, wie der Senat die Räumpflicht durchzusetzen gedachte, mitten in der Corona-Krise, wie oberhalb des Syndikats in einer Wohnung seltsame Security-Typen einzogen und alles beäugten und wenn mehr als zwei Leute vor dem Syndikat saßen, die Polizei riefen, die dann im Fünfminutentakt vorbeifuhr. Alle diese Auftritte und schließlich die Räumung wegen anonymer Briefkastenschlitze. Für sie wurde tagelang der Kiez abgeriegelt, wurden auch Anwohner*innen von der Polizei schikaniert. Man sei jedoch sehr optimistisch, dass der Schillerkiez, den das alles wütend gemacht hat, sich damit nicht abfinden und dass das Syndikat weiterleben wird.

Wir sind sicher, das Syndikat wird weiter kämpfen. Nur wenige Wochen hatten die Mitglieder des Kollektivs Zeit, sich von dem Stress von Jahren und dem Schock des 07.08. zu erholen, aber sie sind schon wieder aktiv und wir werden weiterhin über sie schreiben, wann immer es unsere Kapazität zulässt. Bei jeder Veranstaltung, bei denen wir die Menschen vom Syndikat treffen, fühlen wir uns mehr zu Hause und spüren die Unabdingbarkeit dieser Menschen für die solidarische Szene in der Stadt.

Wie muss es erst denen gehen, für die das Syndikat über mehr als 30 Jahre hinweg nicht nur eine Kneipe war, in der zu fairen Preisen Bier gezapft wurde, sondern ein Raum zum Austausch und Verweilen, mithin ein erweitertes Wohnzimmer?

Wir können das immer mehr nachvollziehen und wir spüren wieder die Wut und die Trauer, die so viele Menschen ergriffen hat, nachdem die Räumung durchgeführt war. Jede Räumung ist eine zu viel und die des Syndikats vom 7. August wird noch lange nachhallen. Sie wird die Entschlossenheit solidarischer Menschen stärken, sich gegen Verdrängung einzusetzen.

Wem gehört die Stadt? Die Frage muss endlich so beantwortet werden, wie es Die Linke vor der AGH-Wahl 2016 versprochen hatte: Euch. Denen, die in dieser Stadt leben. Euch, die ihr hier Projekte betreibt, hier arbeitet, diesen Laden am Laufen haltet.

Es ist signifikant, dass nach den bösen Vorzeichen des Jahres 2019, dem Jahr der Kündigungen, die Corona-Krise nicht zu einem Einhalten bei der Verdrängung geführt hat. So vieles ist anders geworden, aber nicht der Durchgriff des Kapitals auf alles, was diese Stadt ausmacht. Nichts geändert hat sich an der Hörigkeit der Politik diesem Kapital gegenüber, nicht die jämmerliche Eigentumsideologie, die keineswegs in ihrer gegenwärtigen Ausprägung unverrückbar im Grundgesetz angelegt ist. Die Gierigen und die Dummen werden jedoch nicht müde, dies zu behaupten, weil es ihren egoistischen Interessen nützt oder weil sie nicht merken, dass sie manipuliert und ausgebeutet werden.

Die nachfolgenden Videos waren zunächst dem „anarcho-queer-feministischen Hausprojekt Liebigstraße 34“ gewidmet, dann wurde das Schicksal des Syndikats nachgezeichnet. Wir sind geblieben bis zu dem Medienbeitrag, der die Fahrt nach London zeigte – was später geschah, haben wir in vielen Beiträgen selbst beschrieben, beginnend mit dem Startbericht „Pears Global oder weiche Birne?„.

Nun unser Bildbericht. In den Bildern sind noch ein paar Kommentare von uns enthalten. Um sie zu lesen, ist es am einfachsten, die Desktop-Version des Beitrags aufzurufen.

´TH

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