Tod auf dem Rastplatz – Tatort 135 #50JahreTatort 8 #Crimetime Vorschau #Tatort #München #Lenz #Brettschneider #Faltermayer #BR #Tod #Rastplatz

Crimetime Vorschau - Titelbild © BR

Kurz und schmerzvoll?

Selbst in Bayern, wo die Uhren bekanntlich anders gehen, begannen Film in den 1980ern, als KHK Lenz vom Vorgänger Veigl die Stelle als leitender Ermittler bei der Mordkommission in München übernommem  hatte, also, selbst dort fängt es an – mit einem Mord. Aber der Film ist nur 62 Minuten lang und damit einer der kürzesten Tatorte überhaupt, kürzer als z. B. die durchschnittliche Laufzeit von Polizeirufen in den 1970ern war, als die DDR-Parallelreihe noch beinahe das Einstunden-Format einhielt.

Leider zeigt die Tatort-Gesamtübersicht der Wikipedia nicht die Spielzeit der Episoden an, aber der BR wollte wohl die Pausen-Knackwurst unter den ARD-Sendern geben. Auch der erste München-Tatort, der im Zuge von „50 Jahre Tatort“ ebenfalls gerade wiederholt wird („Münchner Kindl“) läuft nur 77 Minuten. Die ersten NDR-Tatorte aus Hamburg hingegen zeichneten sich zur gleichen Zeit durch das aus, was man heute als Überlänge bezeichnen wurde und erreichten nicht selten 100 Minuten Spielzeit. Wenn man diese Zeit gut nutzt, kann man eben auch mehr zeigen, daran dürfte kein Zweifel bestehen.

2020-12-03 Tatort 135 Tod auf dem Rastplatz Lenz Helmut Fischer BR MünchenUnd was denken Tatort-Fans über den magakurzen zweiten Chef-Einsatz von Kommissar Lenz, nachdem der erste („Im Fadenkreuz„) sofort eine bessere Wertung erhielt als jeder der 15 Veigl-Fälle?

Bis auf die letzte Viertelstunde ziemlich langweilig und trist. Eine halbe Stunde länger hätte sicher Möglichkeiten aufgetan. Zu oberflächlich die Personen dargestellt, heißt es auf der Plattform Tatort-Fundus zum Beispiel. Kein guter Tatort: Hölzern, blutarm, ellenlang trotz seiner überraschenden Kürze. weiß nie Gefühle anzusprechen und wirkt daher wie ein missglückter Abklatsch eines mittelmäßigen Derricks. Optisch hübsches Zeitdokument, mehr nicht. Sicher werden an einen Tatort höhere Maßstäbe angelegt als an einen der ZDF-Krimis, deren Aufkommen und Erfolg Ende der 1960er einer der Auslöser für die neue ARD-Reihe waren: Erinnerte nicht nur der Länge wegen stark an einen ZDF-Freitagsabendkrimi. Solide Ermittlungsarbeit, leidliche Spannung ohne große Höhepunkte, von der letzten Viertelstunde abgesehen. Ein wenig politische Meinung gibt es auch: Oh mei, wer Anfang der 80er alles in der „Terroristenszene“ in Bayern war. Wahrscheinlich jeder, der gegen Wackersdorf demonstriert hat. Jedenfalls ein interessantes Zeitdokument, wenn auch etwas dröge umgesetzt und zu öffensichtlich. Ein soziales Thema gibt es auch: die Ausbeutung von Brummifahrern durch Akkordarbeit.

Viele Kurzkommentator*innen bemängeln jedenfalls, dass trotz der Kürze der Film länglich und spannungsarm wirkt. Ich möchte das nicht verschweigen, bevor Sie entscheiden, ob Sie um 23:15 am nächsten Samstag, den 05.12.2020, beim Bayerischen Rundfunk noch in einen Tatort einsteigen. Mittlerweile bekannter Bonus: Er dauert nur eine Stunde und ist vielleicht ein ganz gutes Betthupferl. Verschweigen möchte ich aber auch nicht, dass es selbstverständlich positive Stimmen zu dem Film und vor allem zum Team Lenz-Brettschneider-Faltermayer gibt, das ein wenig wirkt, als wolle man bereits die nächste Kontinuität aufbauen, nachdem harmonisch und logisch wirkenden Übergang von Veigl auf Lenz. Faltermeyer wurde dann aber nicht Lenzens Nachfolger. Ich werde selbstverständlich aufzeichnen, denn gäbe es bereits eine Rezension des Tatorts Nr. 135 im Wahlberliner, gäbe es diese Vorschau nicht, sondern wir würden auf die Rezension verweisen, wenn es um die Abendgestaltung am kommenden Wochenende geht, die übrigens am Sonntag wiederum unter Mitwirkung des heutigen Bayern-Duos Batic und Leitmayr stattfindet: „In der Familie„, 2. Teil.

Handlung

Im frühen Morgengrauen werden Kriminalkommissar Lenz und seine Mitarbeiter aus dem Bett geholt. Auf einem Rastplatz an der Autobahn, der von den Fernfahrern als Ruhe- und Treffpunkt aufgesucht wird, wurde der Fahrer eines Tanklastzuges im Führerhaus seines Wagens erschossen aufgefunden.

Der Zeitpunkt des Todes liegt schon etwas zurück: Der Mord muß, unbemerkt von Gästen und Personal der Raststätte, während der Nacht geschehen sein. Besitzer des Fahrzeuges ist eine Firma Oberkirchner in München, die für Raffinerien in Ingolstadt Öltransporte durchführt und ihre Fahrer im Akkord arbeiten läßt.

Der getötete Fahrer ist ein Student, Bruno Harkort, der gelegentlich für Oberkirchner arbeitete und aus Kollegialität und entgegen seinen eigenen Plänen am Vorabend für den überarbeiteten Berufsfahrer Werner Latsche eingesprungen ist.

Wer konnte ein Interesse daran haben, Harkort umzubringen? Wer wußte, daß er fuhr? Galt der Anschlag überhaupt ihm, oder war der ursprünglich eingeteilte Latsche dessen eigentliches Ziel? Latsches Leben ist das eines Akkordfahrers, der ständig auf Achse ist, ständig unter Zeitdruck, auf Fahrten ohne Beifahrer und mit manipuliertem Fahrtenschreiber; ein Leben voller Streß fast ohne Ruhepausen, das eines Tages zur Katastrophe führen muß. Erster Vorbote war ein schwerer Unfall mit drei Toten, der noch nicht lang zurückliegt. Latsche war zwar nicht schuld daran, hätte den Unfall aber vielleicht vermeiden können, wenn er nicht übermüdet gewesen wäre. Durch diesen vor kurzem erlebten Unfall war der Berufsfahrer angeblich so verunsichert, daß er Harkort bat, seine Fahrt zu übernehmen.

Wie sich herausstellt, war der Ermordete ein radikaler Weltverbesserer und Neinsager und in dieser Rolle für die Kollegen vom Landeskriminalamt kein Unbekannter. Die Unterlagen dokumentieren Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Teilnahme an gewalttätigen Aktionen, bei denen es Verletzte gab. Lenz erfährt außerdem, daß es eine tätliche Auseinandersetzung zwischen Harkort und seinem ebenfalls als Ruhestörer polizeibekannten Freund Widerberg gegeben hat, weil Harkort aus einer politischen Aktion aussteigen wollte. Alles deutet darauf hin, daß es sich um einen Fememord innerhalb einer Terroristengruppe handelt, und Widerberg wird festgenommen.

Rolle Darsteller
Kriminalkommissar Ludwig Lenz Helmut Fischer
Brettschneider Willy Harlander
Faltermayer Henner Quest
Werner Latsche Manfred Lehmann
Rolf Widerberg Pierre Franckh
Nina Friedrich Gisela Freudenberg
Kriminalrat Schubert Rolf Castell
Regie: Wilm ten Haaf
Buch: Frank Lämmel
Kamera: Peter Barthel
Szenenbild: Wolfgang Hundhammer

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