Monstermutter – Polizeiruf 110 Episode 390 #Crimetime Vorschau 31.01.2021 Das Erste 20:15 Uhr #Swiecko #Lenski #Raczek #RBB #Monster #Mutter

Crimetime Vorschau - Titelfoto © RBB / Eikon, Oliver Feist

Dieses Mal kein gespoilertes Ende – und doch

„Muss Kommissarin Olga Lenski sterben? Mit dem Polizeiruf 110 „Monstermutter“, ihrem 18. Fall, hört die alleinerziehende Ermittlerin und damit die Schauspielerin Maria Simon auf, für das deutsch-polnische Kommissariat bei Świecko/Frankfurt (Oder) zu arbeiten. Ihr Ermittlungspartner Adam Raczek, gespielt von Lucas Gregorowicz, erfährt die schmerzliche Nachricht über Olgas Kündigung viel zu spät. Als die Polizistin jedoch in Lebensgefahr gerät, ist jeder Ärger vergessen: Adam muss Olga schleunigst retten.“ (Tatort-Fans)

Die Frage ist dieses Mal nicht rhetorisch, denn aus dem weiteren Text geht hervor, dass das Presse-Preview zehn Minuten vor dem Ende endete. Der Hintergrund dürfte klar sein: Damit nicht wieder gewisse Vierbuchstabenzeitungen, denen zu Recht die Leser*innen in Scharen davonlaufen und die sich mit rechter Hetze und eben solchen Durchstechereien zu retten versuchen, das Ende vorab verraten können. So, wie beim Serientod und der Geistrückkehr von „Kommissar Lessing“ (Christian Ulmen) im Tatort Weimar mit dem passenden Titel „Der feine Geist„. Beide Redaktionsmitglieder von Tatort-Fans bedauern den Abgang von Olga Lenski, der keinen Spoiler darstellt, weil schon länger bekannt war, dass ihre Darstellerin Maria Simon aufhören wird. Wenn Raczek (Lucas Gregorowicz) weitermacht, ergibt sich eine Besonderheit in Form einer Übergabe mit Parallel-Lauf, denn vor der Verlegung des RBB-Polizeirufs ins polnische Swiecko im Jahr 2015 gab es fünf Jahre lang die Paarung Krause / Lenski.

Damit würde dem RBB etwas wie ein für hiesige Verhältnisse sanfter Wechsel gelingen, ohne viele Nebengeräusche, falls Maria Simon nicht noch spezielle Gründe auspackt oder sich pikiert zeigt, wie es seinerzeit bei Ritter / Stark in Berlin leider der Fall war. Im Moment gehe ich davon aus, dass es ihre eigene Entscheidung war, nicht weiterzumachen. Ist es schade? Ich finde auch, es ist schade, aber bei den Polizeirufen, weil es nur vier Schienen gibt, ist es relativ leicht, eine persönliche Rangfolge festzulegen: München war für mich mit Tauber / Obermaier und dann mit von Meuffels qualitativ die Nummer eins, beim Nachfolgerin Eyckhoff habe ich noch keine Einordnung vorgenommen, Rostock ist emotional der Kracher, mit einigem Abstand folgte für mich der RBB-Polizeiruf – auch, weil ich den Wechsel von Krauses plattem Brandburg an die polnische Grenze nicht unbedingt als Gewinn ansehe, weil die neuen RBB-Polizeirufe aus dieser Konstellation bisher zu wenig Eigenständiges gemacht haben. Klar: Die Drehbuchautor*innen sind in der Regel keine Spezialist*innen für ein solches Zweiländer-Kommissariat, andererseits war man peinlich darauf bedacht, politisch korrekt zu sein und keine nationalistischen Vorurteile zu zeigen. Oder doch? Der religiöse Wahn in „Heilig sollt ihr sein!“ war schon ein bisschen krass, mittlerweile könnte man die allfälligen Corona-Schwurbler auf deutscher Seite bringen, wenn es um Wahnvorstellungen geht.

Nein, ich habe den Polizeiruf Magdeburg nicht vergessen.  Das ist dort, wo sich jedes Silver Lining am Ende des düsteren Horizonts als Halluzination zu entpuppen pflegt. Immer, wenn man denkt, jetzt wird es etwas menschlich ansprechender, beißt Kommissarin Brasch wieder einen Kollegen weg, jetzt ist sie endlich allein. Gerade in unserer Krisenzeit ist diese manchmal ziemlich gewollt wirkende Form von Oberdüsternis und innerer Trostlosigkeit ein Problem, das man bei der Konzeption der aktuellen Sachsen-Anhalt-Schiene, nach dem Abgang von Schmücke / Schneider (2013), natürlich nicht vorausahnen konnte. Was sagen unsere üblichen Verdächtigen zum morgigen Tatort?

„Der Showdown – streng geheim! Wird Olga Lenski ihren Resturlaub noch nehmen können? Wird sie weiterhin gut gelaunt mit Tochter Alma im Auto fröhliche Lieder singen? Keine Ahnung. Denn die letzte Viertelstunde, der Showdown, wird bis zur Ausstrahlung geheim gehalten“, leitet der SWR3-Tatortcheck seine Begutachtung des Films ein und bestätigt in etwa das oben Geschriebene und endet folgendermaßen: „Nach dieser Folge finde ich es erst recht absolut bedauerlich, dass sich Kommissarin Olga Lenski aus dem Polizeiruf 110 verabschiedet. Jetzt hoffe ich nur, dass sie den Showdown überlebt und ihren Resturlaub mit Tochter Alma noch genießen kann. Und, weil ich ihn nicht kenne, hoffe ich, dass auch der Schluss zu diesem wirklich guten Polizeiruf passt. 4 von 5 Elchen.“

„Mütter und Monster – Abschied im Aggro-Modus: In ihrem letzten »Polizeiruf« wird Maria Simon als Kommissarin Lenski von einer ausgetickten Mutter als Geisel genommen“, schreibt Titelmonster Christian Buß im Spiegel (damit ist gemeint, er findet oft monstermäßig gute Titel für seine Texte, dieses Mal bleibt er dezent). „Man muss sich Louise wie eine ältere Version der Benni in »Systemsprenger« vorstellen, dem Arthouse-Überraschungshit über ein Mädchen, dessen Zerstörungs- und Selbstzerstörungsdrang durch keine therapeutischen oder pädagogischen Maßnahmen Einhalt geboten werden konnte“, steht des Weiteren zu lesen und am Ende findet Buß den Film psychologisch recht flach und kommt auf vorläufige 4/10. Wieso vorläufig? Weil, das Ende!

„Ein stimmiger, würdiger Abgang für diese eigenwillige, nie eigensinnige, konzentrierte, hochprofessionelle Kommissarin, die mit Kind, ohne Mann und ohne Befindlichkeitsschmus zehn Jahre uneitel ihren Job machte“, befindet Rainer Tittelbach in Tittelbach.TV hingegen und vergibt 5/6. Lenski wird abschließend u. a. so gewürdigt: „Geschickt wird der Mythos der guten Mutter zu einer Grundkonstante der Narration gemacht. Das Älterwerden der Tochter fand teilweise auch in den Filmen seinen Widerhall. Gespielt wurde sie von Anfang an von Simons Tochter Aennie Lade.“

Das wollen wir nämlich nicht vergessen, weil es sehr ungewöhnlich ist, dass eine Seriendarstellerin von Beginn an ihr eigenes Kind einbringt. Aenni Lade ist die Tochter von Maria Simon und Bernd Michael Lade, der an der Seite von Bruno-Ehrlicher im Dresden-Leipzig-Tatort des MDR einen Ermittler hat. Kino.de kommt zu dem Fazit, dass das Ensemble so gut spielt, dass die Logiklöcher erträglich sind (eine Einschätzung, die ich insbesondere bei vielen Tatorten teilen muss) und dass der RBB-Polizeiruf immer besser wurde – gemeint ist: nach Krauses Abgang – und Maria Simon den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg gewählt hat. Das sehe ich ein wenig anders, siehe oben, und wenn ich es anhand der Einschätzung von Kino.de präzisieren soll: Es war eben etwas Originelles, damals mit Krause, während es Duos, die dem Gepräge von Raczek / Lenski ähneln, insbesondere unter Einbeziehung der 20 Tatort-Teams und vieler weiterer Reihen / Serien, mittlerweile viele gibt.

Wir werden morgen Abend sehen, wie es endet. Dieses Mal: Wir werden es alle morgen Abend erst sehen. Selbst in diesen Zeiten macht die Demokratie hin und wieder Fortschritte.

TH

Handlung

Nach reiflicher Überlegung hat Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski entschieden, sich beruflich neu zu orientieren und ihren Dienst zu quittieren. Die Entscheidung ist ihr nicht leichtgefallen, der Einzige, den sie darüber informiert hat, ist ihr Dienststellenleiter Karol Pawlak. Ihr ursprünglicher Plan, mit ihrer Tochter Alma den angestauten Resturlaub abzubummeln, um sich danach kurz und schmerzlos von ihren Kollegen zu verabschieden, wird durch eine akute Gefahrensituation durchkreuzt: In Frankfurt (Oder) kommt es zu einem brutalen, tödlichen Übergriff auf eine Mitarbeiterin des Jugendamts, der Karol Pawlak Olga aus ihrem Urlaub zurückbeordert.

Adam Raczek ist wütend und enttäuscht, als er erfährt, dass seine Partnerin ihren Job an den Nagel hängt. Wann hatte sie vor, ihm das zu sagen? Sein Vertrauen in seine Kollegin ist erschüttert, und es kommt zum Eklat zwischen den beiden. Doch Adam weiß, dass er auf Olga bei diesem Fall nicht verzichten kann. Die junge Täterin, deren Identität und Motiv zunächst nicht bekannt sind, ist flüchtig. Sie scheint extrem gewaltbereit und gefährlich zu sein.

Als das Fluchtauto gefunden wird, gibt es eine erste Spur, die zur Identität der Täterin führt: Es handelt sich um Louisa Bronski, die am Morgen der Tat nach zweijähriger Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die einzige Person, die Lenski und Raczek befragen können, ist die Mutter, Nicole Bronski, die zu ihrer Tochter während ihrer Haftstrafe aber keinen Kontakt hatte.

Zu den wenigen Personen, die Louisa im Gefängnis besucht haben, gehört ein Anwalt namens Hannwacker, den Olga Lenski aufsucht, um herauszufinden, wo sich die Flüchtige aufhalten könnte. Doch Olga kehrt von der Befragung nicht zurück und Adam und seine Kollegen machen sich ernsthafte Sorgen, weil sie auch auf ihre Anrufe nicht reagiert. Als die Polizei den Anwalt schwer verletzt mit einer Schusswunde bewusstlos in seiner Kanzlei findet, ist klar, dass Olga Lenski in Gefahr ist.

Besetzung und Stab

Hauptkommissarin Olga Lenski – Maria Simon
Hauptkommissar Adam Raczek – Lucas Gregorowicz
Inspektor Karol Pawlak – Robert Gonera
Komisarz Wiktor Krol – Klaudiusz Kaufmann
Polizeihauptmeister Wolfgang Neumann – Fritz Roth
Rechtsmediziner Dr. Marian Kaminski – Tomek Nowicki
Louisa „Lou“ Bronski – Luzia Oppermann
ihre Mutter Nicole Bronski – Jule Böwe
Enno, der Mann von Nicole – Sebastian Reusse
Maria Lenski, Olgas Mutter – Natalia Bobyleva
Alma Lenski, Olgas Tochter – Aennie Lade
Rechtsanwalt Veith Hannwacker – Rainer Strecker
Ulrike Racknitz, Mitarbeiterin beim Jugendamt – Petra Hartung
SEK-Einsatzleiter Baldur Strack – Lars Pap
Jörg Beerenz – Tom Hahn
u.a.

Drehbuch – Christian Bach, nach einer Idee von Jan Galli u. Christian Klandt
Regie – Christian Bach
Kamera – Namche Okon
Schnitt – Kai Schröter
Szenenbild – Wolfgang Arens
Musik – Sebastian Pille

 

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