Prinz Eisenherz (Prince Valiant, USA 1954) #Filmfest 377

Filmfest 377 Cinema

 Der Pagenkopf macht den Unterschied

Die frühen 1950er waren eine sehr fantasievolle Zeit, besonders in Hollywood. Swashbuckler, Historienfilme, Abenteuerfilme – und Mittelalterfilme waren beinahe gleichzeitig en Vogue. Trotzdem war auch Platz für ernsthaftes Kino, wie man es heute nicht mehr so häufig antrifft, z. B. für gelungene Literaturverfilmungen. Was sich bis heute erhalten hat, ist auf jeden Fall die damals einsetzende Welle, Heftcomics zu verfilmen. Darunter auch „Prinz Eisenherz“. 1954 lief die Welle der Ritterfilme der klassischen Art allerdings schon aus; einige Nachzügler gab es, wie „Quentin Durward“ (1955) und sozusagen zum Abschluss die beste Ritterfilmparodie aller bisherigen Zeiten, „The Court Jester“ (ebenfalls 1955).

Ob man das nahe Ende des Genres 1954 schon absehen konnte? Vermutlich nicht, aber man hat dann doch schnell geschaltet und wenn es später noch einmal zu Verfilmungen von Stoffen aus dieser Zeit kam und sogar zur Darstellung von Wikingern, dann hatten sie einen etwas realistischeren und kritischeren Unterton; beginnend ca. mit „Die Wikinger“ aus dem Jahr 1958, obwohl die Besetzung der Hauptrollen sich zunächst nicht viel verändert hatte, dieser Film zeigte Kirk Douglas und Tony Curtis und wieder Janet Leigh in den Hauptrollen.

„Prince Valiant“ ist aber noch richtiges Sagen- und Märchenkino und ob es gelungen ist, darüber schreiben wir mehr in der -> Rezension.

Der Satz „You see it without glasses“, der oben auf dem Plakat abgebildet ist, das wir als Titelbild gewählt haben, ist auf die 3D-Filmwelle aus dem Jahr 1953 bezogen, der man das Cinemascope-Breitwandformat entgegengesetzt hatte. 3D ohne die Grün-Rot-Brillen, die man damals fürs 3D-Sehen brauchte, ist Cinemascope allerdings nicht, vielmehr ging das von Charles Chaplin via „Ein König in New York“ (1957) beförderte Gerücht um, dass es einige Jahre dauerte, bis diejenigen, die in den vorderen Reihen der Kinosäle saßen, sich so weit an das neue Format gewöhnt hatten, dass sie eine Vorstellung ohne Halsschmerzen überstehen konnten.

Handlung (1)

Nachdem der christliche König Aguar vom Thron gestürzt wurde, übernimmt der hinterhältige Wikinger Sligon die Macht in Scandia. Der entmachtete König sieht sich gezwungen, mit seiner Familie nach Britannien zu fliehen. Dort angekommen, versteckt er sich mit seiner Gemahlin und seinem Sohn, Prinz Eisenherz, in einer abgelegenen Abtei. Als ihnen zu Ohren kommt, dass Sligon nach ihnen suchen lässt, schickt Aguar seinen Sohn nach Camelot an den Hof von König Artus. Dort soll Prinz Eisenherz um Beistand bitten und sich bemühen, ein Ritter der Tafelrunde zu werden.

Auf seinem Weg nach Camelot wird Prinz Eisenherz Zeuge, wie eine Gruppe von Wikingern einem Ritter in schwarzer Rüstung einen Handel vorschlägt. Sligon werde dem schwarzen Ritter ein Heer an Kriegern entsenden, wenn er für ihn im Gegenzug das Versteck von Aguar in Erfahrung bringt. Auf dem Pferd des schwarzen Ritters reitet Prinz Eisenherz davon und trifft auf Sir Gawain, der ihn nach Camelot bringt. Dort berichtet er umgehend König Artus vom schwarzen Ritter, der bisher nur für eine Fantasiegestalt gehalten wurde. Daraufhin wird Prinz Eisenherz Knappe von Gawain, der ihm den Umgang mit Axt und Schwert beibringt. Ritter Sir Brack will unterdessen dem schwarzen Ritter auf die Spur kommen. Prinz Eisenherz zeigt ihm die Stelle, wo er den schwarzen Ritter gesehen hatte. Als Brack ihn allein lässt, wird Prinz Eisenherz plötzlich mit Pfeilen beschossen. Schwer verletzt wird er von Prinzessin Aleta und ihrer Schwester Ilene gefunden. Die beiden jungen Frauen bringen ihn zu ihrem Schloss, wo sich Aleta in der Folgezeit hingebungsvoll um seine Genesung bemüht. Zum Missfallen ihres Vaters, des Königs von Ord, der sie lieber Brack zur Frau geben will, verlieben sich Aleta und Prinz Eisenherz ineinander. Gemeinsam reisen sie schließlich nach Camelot, um den alljährlichen Ritterturnieren beizuwohnen. (…)

2021-02-06 Filmfest Cinema 2021Rezension: Anni und Tom über „Prinz Eisenherz“

Anni: Also, diese Ritterturnier war ja wohl ein absoluter Reinfall. Da kämpfen brav in vielen Reihen ein Haufen Ritter gegeneinander und immer schön in K. O.-Runden, und dann, wenn alle fertig sind, kommt noch irgendeiner daher, der sich überhaupt nicht qualifizieren musste – und dann noch einer. Was ist das für eine Auffassung vom Sport? Im DFB-Pokal gibt’s solche Ungerechtigkeiten jedenfalls nicht.

Tom: Du wirst es nicht glauben, in manchen anderen Ländern bei den Pokalwettbewerben schon. Da steigen die größeren Vereine erst ab Runde 3 oder 4 ein. In der Euroleague übrigens auch. Und es kommen welche von der Champions League runter. Das Durcheinander bei dem Turnier spiegelt ganz gut die Realität des 21. Jahrhunderts, finde ich.

Anni: Aber keiner hat mal nachgeschaut, ob die Spätankömmlinge eine Berechtigung hatten. Dann passiert sowas wie mit dem Prinz, der für seinen Ausbildungsritter kämpfen will und direkt auf dem Hosenboden landet. Echt finsteres Mittelalter. Und Robert Wagner mit Pagenkopf, na ja. Ich dachte immer, Tony Curtis hätte diese Rolle gespielt, aber der war wohl damals schon zu bekannt für so einen Ausbildungsfilm. 

Tom: Die Dramaturgie ist wirklich holprig, das kann man nicht anders sagen. Die Szenen werden sehr häufig einfach abgeblendet, ich vermute, die sind ursprünglich mehr ausgespielt gewesen. Aber die Vorlage ist halt eine Comicserie. Die wurden ab 1937 von einem gewissen Hal Foster gezeichnet und dem Vernehmen nach war er mit der Umsetzung in Bewetbilder so unzufrieden, dass er das Set verließ. Ich hab mal kurz gegoogelt, der ursprüngliche Prinz Eisenherz sah etwas markanter aus als Robert Wagner, aber alle Comicfiguren wurden ja mit der Zeit geglättet.

Anni: Dafür ist doch Aleta in Person des prototypischen Burgfräuleins Janet Leigh gelungen, oder? Wenn deren Rolle nur nicht so dämlich wäre. Nur, als sie Eisenherz da nachreitet und am Set erscheint, damit sie gut gefangen genommen werden kann, geht sie mal steil. Wenn ich bedenke, wie hinreißend Leigh zwei Jahre vorher in diesem „Scaramouche“ war. 

Tom: Die Zeit der französischen Revolution ist eben nicht das Mittelalter. Und auch da hatte sie nicht die aktive Rolle, auch wenn es die in „Scaramouche“ für eine andere Frau gab, die auch einen anderen, aktiven Typ verkörperte. Aber ich bitte dich, finsteres Mittelalter, du sagst es selbst. 

Anni: Nur James Mason. Der einzige, der richtig schauspielert und den fiesen Ritter von der Tafelrunde gut darstellt. Da spürt man schon, dass er sich für Rollen wie die in „Der unsichtbare Dritte“ als Spion eignet. Einer der vielseitigsten Schauspieler dieser Zeit. Sterling Hayden als Gawain hätte ich überhaupt nicht erkannt, wenn er nicht in der Besetzungsliste gestanden hätte. Okay, der ganze Film bietet Schauspielern nicht viel, womit sie sich auszeichnen können, dafür ist er zu roh. Nur der Kampf am Ende mit dem vielen Feuer wirkt deftig und auch ziemlich grausam, wenn man bedenkt, wie viele Menschen da wohl verbrannt wären, in echt. Und die Kämpfe sind auch eher plump. Die Schilde hingegen aus ziemlich dünnem Alublech oder so. Zumindest der runde von Prinz Eisenherz. 

Tom: Ist eben frühes Mittelalter, da war alles noch nicht so ausentwickelt, die ritterliche Kunst betreffend. Wobei die Artus-Sage, in welche die Handlung sozusagen eingewoben wurde, ja eigentlich noch früher spielt, um 600. 

Anni: So, das hat mir jetzt keine Ruhe gelassen, ich musste auch mal im Netz gucken. Tony Curtis hat 1954 sehr wohl  in einem Ritterfilm gespielt: „The Black Shield of Falworth„, und rate mal mit wem als Love Interest. Genau, Janet Leigh. Von wegen schon zu  hoch auf der Karriereleiter. Und bestimmt waren die Farben bei Universal kräftiger, dafür gab es kein Cinemascope. (Anmerkung anlässlich der Wiederveröffentlichung des Textes im „neuen“ Wahlberliner im Jahr 2021: Doch. Der benannte Ritterfilm war der erste in Cinemascope von Universal). Die Brauntönung der Außenaufnahmen in „Prinz Eisenherz“ hat mich etwas irritiert, aber vermutlich wollte man damit wirklich den Comics nacheifern, die ja auch in etwas gedeckten Farben gehalten sind. 

Tom: Ich muss sagen, ich bin etwas enttäuscht von „Prinz Eisenherz“, da gefallen mir die MGM-Ritterfilme besser, die von Richard Thorpe und Co. gedreht wurden. 

Anni: Da spielt ja auch ein Herr mittleren Alters namens Robert Taylor die Hauptrolle, das ist was anderes als mit diesen Jungspunden wie Wagner oder Curtis, hm? Aber man müsste sich mal alle diese Filme hintereinander anschauen, um den mit dem besten und glaubwürdigsten Ritterturnier zu küren. Du hast schon recht, der Plot, die Dialoge, die Kämpfe, alles irgendwie nicht so ganz an der oberen Kante des Genres. Man merkt nicht, dass mit Henry Hathaway ein richtig Guter als Regisseur dabei war. 

Tom: Hathaways Filme haben ja öfter mal logische Dellen. Bei den Komödien wie dem gnadenlos guten „Leoparden küsst man nicht“ (1938) waren die freilich konstitutiv für den Spaß und die Dialoge hat er sicher nicht selbst geschrieben. Nicht bei seinen besseren und nicht bei seinen manchmal etwas umständlicheren Filmen wie „Hatari“. 

Anni: Ich gebe 6/10.

Tom: Ich auch.

Anni: Nein!

Tom: Kommt auch mal vor.

60/100

© 2021, 2017 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

 

 

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