Impftempo steigt, Rückstand steigt, Inzidenz sinkt nicht, Berlin zu hoch | #Frontpage | #Corona Lage #Covid–19 #Covid19 #Oeffnung #Lockerung #Lockdown

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Heute lassen wir den vorausgehenden Corona-Beitrag angehängt, denn der Stufenplan der Bundesregierung zur Lockerung von Corona-Maßnahmen ist weiterhin von großer Wichtigkeit für das Alltagsleben. Wir haben uns aber auch das für die Rückkehr zur Normalität sehr wichtige Impftempo wieder einmal angeschaut.

Die gute Nachricht: Es geht jetzt schneller. Gegenüber unserem letzten Artikel zum Impfgeschehen hat sich das Tempo mehr als verdoppelt und insgesamt sind nun 9,2 Prozent der Bevölkerung geimpft, Erst- und Zweitimpfungen zusammengerechnet. Wir hatten anlässlich unserer letzten Darstellung zu diesem Thema darauf hingewiesen, dass weit mehr als 200.000 Menschen täglich geimpft werden müssen, damit im Spätsommer, wie von Kanzlerin Merkel versprochen, wirklich jede*r einen Termin erhalten kann, der einen möchte.

Trotzdem bleibt vieles zu kritisieren. Nicht nur das Versäumte, sondern auch die übliche Bereicherung, die sich Politiker im Rahmen der Krise und durch die Krise gönnen. Die Bedenkenlosigkeit bei der Gestaltung des Reibachs sagt vor allem eines: Wir als Bürger*innen sehen vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Jede Form von Korruption ist verwerflich, aber Bereicherung an der Corona-Krise muss endlich Konsequenzen haben. Wir werden uns dazu in Kürze in einem anderen Beitrag äußern. Hier die Impfzahlen, Stand am heutigen Morgen:

Hier zur Graftik bei Statista
• Infografik: So kommen die Corona-Impfungen voran | Statista

Selbstverständlich haben wir auch dieses Mal weiter recherchiert: Okay, das Impftempo in Deutschland steigt, aber wie sieht es im Vergleich zu anderen Ländern aus? Obwohl eine deutsche Firma am ersten zugelassenen Impfstoff beteiligt ist, fand sich die Bundesrepublik zum Zeitpunkt unserer letzten Recherchen auf den ziemlich blamablen Plätzen 21 bzw. 23. Sicher sollte man beim Impfrennen, wie überhaupt, keinen Nationalismus pflegen, aber die EU machte insgesamt keine gute Figur und vor allem die Abstände zu Spitzenreitern unter den größeren Ländern, wie dem Vereinigten Königreich und den USA, waren augenfällig. Dass die israelische Weltklasse-Impfkampagne nicht zu covern sein würde, ist ohnehin schon lange sicher. Wie Effizienz und der Vorrang von Menschenleben gegenüber kaufmännischen Erwägungen aussehen, kann man dort aber sehr anschaulich betrachten. Mittlerweile haben in Israel unfassbare 96 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand 07.03.2021).

Demgegenüber herrscht eine weiterhin hohe Inzidenz von 68 im bundesdeutschen Durchschnitt (neue Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen). Wenn man diese ernst nimmt, darf nur die „kleine“ Form des Öffnungsplans umgesetzt werden, nicht diejenige, die erst ab einer Inzidenz von weniger als 50 gelten würde. Gleichzeitig müssten die regionalen Unterschiede stärker berücksichtigt werden, wobei nur Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein aktuell eine landesweite Inzidenz von unter 50 aufweisen. Berlin steht mit 71 alles andere als gut da und man kann innerhalb der Stadt die Maßnahmen nicht gut nach Bezirken unterschiedlich gestalten, trotz der auffälligen Spannweite von 37,1 bis 107,3. Wesentlich höher ist die Inzidenz nur in einigen Ost-Bundesländern und mein Wohnbezirk liegt leider mit über 90 innerhalb von Berlin besonders hoch, ebenso wie bei der besonders traurigen Statistik der Todesfallzahlen an und mit Covid19.

Die ebenfalls traurige Wahrheit: Deutschland fällt trotz höherem Tempo beim Impfgeschehen immer weiter zurück und steht mittlerweile weltweit auf Platz 35, das ergibt sich aus dieser Grafik. Sicher hinkt der Vergleich mit einigen Kleinstaaten, das gilt für das gesamte Krisengeschehen, aber wenn man sieht, dass innerhalb der EU wirtschaftlich angeblich schwächere Länder wie Griechenland und viele Nachbarn schon ein gutes Stück voraus sind, ohne dass es große Unterschiede bei Logistik und medizinischer Versorgung im Allgemeinen gäbe und obwohl die gemeinsame Impfstoffbeschaffung mit gerechter Verteilung innerhalb der EU doch so wichtig war, muss man sich Fragen stellen.

Besser: Man muss der heimischen Politik Fragen stellen. Besonders dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der bei all seiner Umtriebigkeit offenbar das Wesentliche nicht immer zuerst erledigt. Nun ja, was soll das Bashing wegen eines Spendendinners, wir erhalten fast jeden Tag neue Nachrichten über die seltsamen Wege einer ethisch wenig anspruchsvollen Generation von Karrierepolitikern.

Doch es passt ins frustrierende Bild. Deutschland ist ziemlich abgehängt, und wenn die Inzidenz nicht sinkt, hat das mittlerweile auch damit zu tun, dass im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig Tempo beim Impfen gemacht wird. Hier greift die Kritik derjenigen, die wirtschaftlich durch die Maßnahmen zur Kriseneindämmung immer mehr geschädigt werden und jener, die auf jeden Fall für strenge Maßnahmen sind, sofern sich das Ansteckungsgeschehen nicht beruhigt, an derselben Stelle: Die Politik verspielt die relativ gute Ausgangsposition, die Deutschland noch im vergangenen Frühjahr und Sommer hatte, und immer noch sterben viel zu viele Menschen an oder mit Covid19.

TH

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Liebe Leser*innen,

es ist wieder Zeit für ein wenig Corona-Service. Ohne Umschweife kommen wir zum Wesentlichen: So, wie im Folgenden dargestellt, sehen die wichtigsten Punkte des Öffnungsplans der Bundesregierung aus – inklusive der „Wenn, dann“-Konditionen, die darin enthalten sind: Wenn die Inzidenz bestimmte Werte unterschreitet, dann kann mehr geöffnet werden, wobei ab dem 8. März zwei – genau genommen: drei – unterschiedliche Szenarien berücksichtigt werden:

Was wir sehen, soll bis Ende März 2021 gelten. Und den bisherigen mittelschweren Lockdown zu einem Lockdown light machen – bei günstigem Verlauf des weiteren Pandemiegeschehens. Nicht explizit dargestellt, aber mitzudenken: Was ist, wenn die Inzidenz stark ansteigt? Gibt es dann auf jeden Fall das ausgewiesene Mindestmaß an Öffnungen? Eventuell im Vertrauen darauf, dass die Todesfallzahlen trotzdem sinken, weil immer mehr ältere und aus gesundheitlichen Gründen vulnerable Personen geimpft sind? Wohl eher nicht. Was geschieht, wenn die Inzidenz über 100 steigt, ist offen.

Der Begleittext zur Grafik lautet (vollständige Wiedergabe aus Präzisionsgründen):

von René Bocksch, 05.03.2021

Bund und Länder haben sich auf das weitere Vorgehen während der Corona-Pandemie geeinigt. Der Lockdown wird bis zum 28. März verlängert, allerdings verständigte sich die Regierung auch auf an die Sieben-Tage-Inzidenz gebundene Öffnungsmöglichkeiten.

Nachdem ab dem 01. März bereits Kitas, Grundschulen und Friseur_innen öffnen durften, werden am Montag dem 08. März Buchhandlungen, Blumenläden und Gartenmärkte sowie körpernahe Dienstleistungen und Flug- und Fahrschulen wieder zur Verfügung stehen. Dabei soll jedoch immer nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter auf den ersten 800 Quadratmetern der Eintritt ermöglicht werden und die generelle Maskenpflicht soll weiterhin bestehen.

Alle weiteren Öffnungsschritte im Fünf-Stufen-Plan sind dann abhängig von den Inzidenzwerten. Liegt diese im Wochenschnitt bei unter 100 Fällen pro 100.000 Einwohner_innen so darf auch der Einzelhandel und einige Kultureinrichtungen nach Terminvergabe wieder öffnen. Auch Individualsport im Freien mit maximal fünf Personen aus zwei Haushalten ist möglich. Bei einem Inzidenzwert unter 50 Fällen, dürfen Personen auch ohne Termin Einzelhandel und Kultureinrichtungen nutzen. Kontaktloser Sport darf dann sogar mit bis zu zehn Teilnehmer_innen stattfinden.

Öffnungsschritt 4 tritt frühestens am 22. März ein – hier bestimmt der Inzidenzwert in welchem Maße die Außengastronomie öffnen kann und ob Theater-, Konzert- und Kinobesuche ohne vorherige Terminvergabe und negativem Testergebnis möglich sind. Kontaktsportarten können draußen getrieben werden.

Die letzte Stufe beinhaltet weitere Lockerungen für den Einzelhandel und größere Freizeitveranstaltungen mit maximal 50 Personen im Außenbereich. Zudem darf bei geringer Inzidenz auch in der Halle wieder Kontaktsport stattfinden.

Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz zu irgendeinem Zeitpunkt wieder über 100 Fälle steigen, so greift die Notbremse und die strengen Lockdownregeln von vor dem 01. März treten wieder in Kraft. Über weitere Maßnahmen wird in der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März entschieden.

Was mich an der Grafik irritiert hat, ist die Ausweisung einer sogenannten 14-Tage-Inzidenz bei den Schritten 4 und 5. Ist damit die Einhaltung der betreffenden Werte innerhalb von 7 Tagen über 14 Tage hinweg gemeint oder ein Durchschnittswert von 100 oder 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen? Das ist nicht ganz das Gleiche, erstere Variante wäre die strengere. So kann man die Felder ganz links jedenfalls lesen. Deswegen habe ich nochmal ein wenig recherchiert. Dies hat die Bundesregierung bekanntgegeben:

Es geht also weiterhin um die 7-Tage-Inzidenz, also die erste der beiden oben beschriebenen Varianten, mit 14 Tagen ist eine Perspektive gemeint, die 14 Tage nach dem vorherigen Öffnungsschritt als weitere Lockerung angezielt wird. Außerdem, ganz wichtig: Die Maßgaben gelten nicht für eine Inzidenz über 100 in den 7 Tagen zuvor, sondern nur von 50 bis 100 und unter 50. Alles andere wäre auch sachfremd, denn wenn die Inzidenz erheblich ansteigen solle, muss selbstverständlich auch das Lockern noch einmal überdacht werden. Alles gilt vorerst bis zum 22. März, dann entscheidet erneut die Ministerpräsident*innenkonferenz über das weitere Vorgehen.

Ab dem 1. März – die bereits durchgeführten ersten Öffnungsschritte, unabhängig von der Inzidenz

Ab dem 22. März gibt es

den 2. Öffnungsschritt auf jeden Fall
den 3. Öffnungsschritt in zwei Varianten mit Inzidenz unter 50, unter 100 und wohl keine Öffnungen über den 2. Schritt hinaus bei über 100 sowie den 4. Öffnungsschritt in zwei Varianten, wenn zwischenzeitlich der 3. Öffnungsschritt eingeleitet wurde,

ab dem 05.04. gibt es

den 2. Öffnungsschritt auf jeden Fall
den 3. Öffnungsschritt in zwei Varianten mit Inzidenz unter 50, unter 100 und wohl keine Öffnungen über den 2. Schritt hinaus bei über 100 sowie den 5. Öffnungsschritt in zwei Varianten, wenn zwischenzeitlich der 3. und der 4. Öffnungsschritt eingeleitet wurden.

So habe ich die Gestaltung der Infografik interpretiert. Das würde auch bedeuten, dass oberhalb eines Inzidenz von 100 nur bis zum zweiten Schritt gegangen würde. Zusätzlich aber gilt folgendes:

Dabei ist eine sogenannte Notbremse vorgesehen: Steigt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner an drei aufeinander folgenden Tagen in dem Land oder der Region auf über 100, treten ab dem zweiten darauf folgenden Werktag die Regeln, die bis zum 7. März gegolten haben, wieder in Kraft.

Anders ausgedrückt: Es wird zurückgestellt auf Schritt 1, die Friseure und Kitakinder haben Glück, alle anderen eher nicht.

Am 22. März wird außerdem von den Ministerpräsident*innen entschieden, wie es weitergeht.

TH

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