Tony Curtis – Der Kerl aus der Bronx (Tony Curtis, le gamin du Bronx, FR 2011) #Filmfest 401

Filmfest 401 Dokumentation

Tony Curtis (* 3. Juni 1925 in New York City; † 29. September 2010 in Henderson, Nevada), bürgerlich Bernard Schwartz, war ein US-amerikanischer Filmschauspieler, Maler, Autor und Künstler. Seine Frisur, der „Curtis Cut“ – das als Schmalztolle mit viel Pomade „gebändigte“ Haar –, war in den 1950er Jahren stilgebend für eine ganze Generation und wurde unter anderem von Elvis Presley kopiert. Curtis zählte zu den großen HollywoodStars. Filmgeschichte schrieb er unter anderem an der Seite von Marilyn Monroe und Jack Lemmon in dem Komödienklassiker Manche mögen’s heiß von Billy Wilder. (1)

Ganz sicher war „Manche mögen’s heiß“ einer der ersten Filme mit Tony Curtis, die ich gesehen habe. Trotzdem ist er mir durch diesen nicht besonders „präsent“ geworden. Warum? Weil er darin eine Frau namens Josephine spielt, an der Seite von Jack Lemmon als „Daphne“, und Jack Lemmon und Marilyn Monroe in ihrer Rolle als Ukulele-Spielerin der Frauenband, in der auch „Daphne“ und „Josephin“ anheuern, dominieren den Film. Ich nehme aber an, es war „Unternehmen Petticoat“ aus demselben Jahr, in dem ich Tony Curtis wirklich erstmals gesehen habe, und dieser Film wird darstellerisch dominiert von Cary Grant. War nicht so leicht, der Einstieg mit Tony Curtis. Nach den folgenden Infos ein wenig mehr Nachdenken über die Doku und Tony Curtis.

Übersicht

Tony Curtis war eine der letzten großen Hollywoodikonen. Er war ein leidenschaftlicher Schauspieler, der sich zum facettenreichen Charakterdarsteller hocharbeitete und fünf Jahrzehnte lang Kinozuschauer begeisterte. Ein bewegendes Interview mit Curtis und Kommentare von Wegbegleitern enthüllen einen charismatischen Mann, der seine Vergangenheit nie ganz verarbeiten konnte und darunter litt, dass man ihn in Hollywood nicht wirklich anerkannte. Mit Hilfe des Psychologen Glenn Wilson und des Biografen Allan Hunter wird auch das amerikanische Starsystem hinterfragt, an dem so viele große Schauspieler zugrunde gehen.

Inhalt

Der Film gibt Einblicke in die Karriere und das Privatleben von Tony Curtis, einer der letzten großen Hollywoodikonen. Der Schauspieler mit dem unwiderstehlichen Charme, der legendären Haartolle und dem rebellischen Look, für den er sich von Elvis Presley und James Dean inspirieren ließ, galt einer ganzen Generation als Idol und Sexsymbol.

Tony Curtis war ein leidenschaftlicher Schauspieler, der sich mit Talent und Ausdauer zum facettenreichen Charakterdarsteller hocharbeitete und fünf Jahrzehnte lang Kinozuschauer aller Altersgruppen begeisterte. Obwohl er sich auf kein Genre festlegen ließ und in Abenteuerfilmen ebenso glänzte wie in Sittenkomödien, Psychodramen oder Musicals, sind es wohl seine Auftritte in Klassikern wie „Manche mögen’s heiß“ (1959), „Spartacus“ (1960), „Dein Schicksal in meiner Hand“ (1967) und „Der Frauenmörder von Boston“ (1968), für die er am längsten in Erinnerung bleiben wird.

Ein bewegendes Interview mit dem Schauspieler und Kommentare von Freunden und Kollegen wie Hugh Hefner, Debbie Reynolds, Piper Laurie, Theresa Russell, Nehemiah Persoff und Mamie Van Doren enthüllen einen charismatischen Mann, der seine Vergangenheit nie ganz verarbeiten konnte und darunter litt, dass man ihn in Hollywood nicht wirklich anerkannte. Der Aufstieg gab Tony Curtis die Macht und Berühmtheit, die er sich so sehnlichst gewünscht hatte – doch sie wurden zu einer gefährlichen Droge.

„Tony Curtis – Der Kerl aus der Bronx“ schildert nicht nur das Leben der Hollywoodikone, sondern hinterfragt mit Hilfe des Psychologen Glenn Wilson und des Biografen Allan Hunter auch das amerikanische Starsystem, an dem so viele große Schauspieler zugrunde gehen.

Meinung

In der ARD-Programmbeschreibung, aus der ich die obigen Infos gezogen habe, sofern sie nicht aus (1) stammen, wird der Film mit 75 Minuten Laufzeit angegeben, alle anderen Quellen weisen 55 bis 56 Minuten aus und so lang war auch die ARTE-Videothek-Aufnahme, die ich mir angesehen habe. Wäre Ersteres die Originallänge, würde sich erklären, warum ich den Eindruck habe, die ARD-Beschreibung verspricht etwas mehr, als die Dokumentation halten kann, vor allem im letzten Abschnitt.

Denn so richtig hinterfragt wird das Starsystem nicht und es wirkt auch nicht, als sei Tony Curtis übermäßig und dauerhaft „typegecastet“ oder „getypecastet“ worden. Er hat in mehreren Genres reüssiert, sein Spektrum immer mehr erweitert, wenn auch seine größten Erfolge im Genre Komödie angesiedelt sind. Er fing mit Nebenrollen an, wie die meisten Stars. Sicher, in jener Zeit, als er nach oben drängte, gab es Kometen wie Marlon Brando oder Montgomery Clift, die auf der Bühne entdeckt wurden und sofort Hauptrollen in Filmen erhielten, aber das waren auch während der Welle der „Method Actors“ aus New York, die nach Hollywood gingen, Ausnahmen. Möglicherweise hat Curtis sich mit diesen Ausnahmen gemessen, weil er ebenfalls in der Theaterluft von New York seine ersten Schritte ins Schauspielerleben tat.

Weiterhin enthält die Biografie zwar einiges aus seiner Zeit vor Hollywood, jedoch einige wichtige Filme nicht, zum Beispiel Mittelalter-Kostümfilme an der Seite seiner damaligen Ehefrau Janet Leigh, mit denen er zum Star wurde. Wir haben deshalb das Titelbild aus unserer Rezension zu „The Black Shield of Falworth“ aus dem Jahr 1954 übernommen, den ich kürzlich rezensiert habe. Ebenfalls nicht in der Dokumentation erwähnt: „Unternehmen Petticoat“. Der ist aber wichtig, weil Cary Grant zu Curtis‘ Idolen zählte, ihn offenbar auch in patriotischen Filmen sah, die im damals laufenden Zweiten Weltkrieg spielten, und früh in der Dokumentation Erwähnung findet – und wie es zur Zusammenarbeit mit dem Superstar kam, der ca. 20 Jahre älter war als Curtis, das wäre doch eine schöne Geschichte gewesen, zumal „Destination Tokyo“ erwähnt wird, ein U-Boot-Film, in dem Grant die Hauptrolle innehalt. Der Bogen zu der Kriegskomödie, in der beide 16 Jahre später zusammen zu sehen sind, wird überraschenderweise nicht geschlagen.

Nach meiner Ansicht ist das mittlerweile für ARTE-Dokus typische Format von etwas unter einer Stunde zu kurz, um das Leben komplexer Schauspielerpersönlichkeiten auszuleuchten, dafür sind die üblichen 90 Minuten Fernsehfilm gerade richtig, in manchen Fällen darf und muss es vielleicht sogar mehr sein, wie etwa bei der insgesamt 180-minütigen, zweiteiligen Walt-Disney-Biografie, über die ich vor einiger Zeit geschrieben habe.

Eine Biografie wie „Tony Curtis – der Kerl aus der Bronx“ ist mir zu linear und zu episodisch angelegt, die Analyse kommt zu kurz. Natürlich kann man Dinge herauslesen, wie zum Beispiel, dass die meisten Stars, die eine emotional instabile Jugend hatten, später trotz ihres Ruhms Probleme bekamen, die Balance nicht so halten konnten wie andere, die aus sehr gefestigten Verhältnissen stammten. Das trifft allgemein auf Menschen zu und lässt sich anhand von Starkarrieren gut exemplifizieren. Aber die Mechanismen des Hollywood-System werden in anderen Biografien wesentlich eindrucksvoller dargelegt. Es fehlt eben an Laufzeit für tiefergehende Betrachtungen. So habe ich einige Details aus dem Leben von Tony Curtis erfahren, die mir neu waren, aber so richtig griffig geworden ist er für mich nicht, obwohl er selbst zu Wort kommt: Wenige Jahre vor seinem Tod wurde ein Interview zu Hause mit ihm geführt, Ausschnitte davon werden in der Dokumentation verwendet. Was zum Beispiel fehlt, sind private Aufnahmen und wichtige Events, dokumentierte Meilensteine, Szenen aus früheren Interviews und auch ein Aufhänger, der etwas aussagekräftiger ist als „Der Kerl aus der Bronx“, obwohl der Titel etwas über seine einfache Herkunft verrät, ihn aber auch darauf festlegt.

Im Film wird es übrigens dargestellt, als ob sich James Dean und Elvis Presley hätten von Tony Curtis inspirieren lassen, nicht umgekehrt, so steht es auch in der Einleitung der Wikipedia.

Hier kann man sich die Dokumentation bis 24.03.2021 anschauen: https://www.arte.tv/de/videos/055944-000-A/tony-curtis-der-kerl-aus-der-bronx/

6/10

© 2021 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

(1) Wikipedia

RegieIan Ayres

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