Tag ohne Ende (Men in War, USA 1957) #Filmfest 451

Filmfest 451 Cinema

Men in War ist ein amerikanischer Schwarz-Weiß- Kriegsfilm von 1957über den Koreakrieg unter der Regie von Anthony Mann [2] [3] mit Robert Ryan und Aldo Ray als Anführern einer kleinen Abteilung amerikanischer Soldaten, die abgeschnitten sind und verzweifelt versuchen, sich wieder ihrer Truppeneinheit anzuschließen. Die Ereignisse des Films finden an einem Tag statt, dem 6. September 1950. Das Szenario basiert auf einem Roman aus dem Zweiten Weltkrieg von1949 über die Normandie-Landung[4] namens „Tag ohne Ende“ von Van Van Praag, das 1951 in „Combat“ umbenannt worden war. Kurz nach dem Ende des Koreakrieges gezeigt, war das Geschehen im Film noch sehr in den Köpfen der amerikanischen Öffentlichkeit.

Ein halbes Jahr vor Stanley Kubricks berühmten Erstlingswerk „Wege zum Ruhm“ machte Anthony Mann einen Kriegsfilm, der uns nicht, wie Kubrick, das Große Ganze und den Zynismus der hohen Offiziere zeigt und wie er sich auf den einfachen Soldaten auswirkt. Vielmehr erfahren wir überhaupt nichts über die politisch-militärischen Hintergründe. „Wer die Geschichte des einfachen Soldaten kennt, kennt die Geschichte aller Kriege“ steht vielmehr im Vorspann. Lernt man sie durch den Film kennen? Darüber und über andere Aspekte von „Men in War“ steht mehr in der -> Rezension.

Handlung (1)

Im ersten Jahr des  Koreakrieges, am 6. September 1950, wird ein isolierter und erschöpfter Zug von der amerikanischen 24. Infanteriedivision abgeschnitten. Der Funkkontakt geht verloren und der Zug ist von unsichtbaren nordkoreanischen Kämpfern umgeben, die einzelne Amerikaner beinahe lautlos töten und ihnen die Waffen abnehmen. Der Zugführer, Lieutenant Benson (Robert Ryan) hat nur vage Anweisungen, wie er einen Hügel namens 465 erreichen soll, um sich dort mit den US-Streitkräften zu verbinden. 

Die Einheit stoppt einen durchs Grasland preschenden Jeep, in dem Sergeant Montana (Aldo Ray) einen traumatisierten Offizier von der Ersten Kavallerie-Division von der Kampflinie zur medizinischen Versorgung abtransportiert. Nach der Schlacht am Nakdong-Fluss, wo „unsere Männer starben wie die Fliegen“ (im Original: „fell like rain“) kann der Oberst nicht mehr sprechen und sich bewegen, so dass Montana ihn am Beifahrersitz festgebunden hat.

Bensonn requiriert jedoch den Jeep für sein Platoon, um Ausrüstung und den kampfmüden Corporal Zwickley (Vic Morrow) damit fahren zu lassen und Montana wird genötigt, sich der kleinen Truppe anzuschließen.  Dies stellt sich als Glücksgriff heraus, denn Montana ist allen anderen US-Soldaten, auch Lieutenant Benson, an Erfahrung und Kampfgeschick weit überlegen. Vor allem dank seiner Fähigkeiten gelingt es den Amerikanern, den Fuß von Hügel 465 zu erreichen. Dessen Einnahme bezeichnet jedoch auch Montana als aussichtslos, nachdem klar ist, dass dort keine Amerikaner, sondern eine zahlenmäßig überlegene koreanische Einheit gut geschützt zwischen Felsen liegt.

Rezension

An der eingangs erwähnten Hypothese könnte man vor allem dann zweifeln, wenn man sie isoliert betrachten würde, aber gemeint ist, dass die Perspektive des Frontsoldaten, genau dann, wenn man sie isoliert betrachtet, klarmacht, wie unsinnig alle Kriege sind, dass alle Ideologie und aller Idealismus im langjährigen Kampfgetümmel irgendwann keine Rolle mehr spielen und es nur noch ums nackte Überleben gegen einen Gegner geht, der genau das Gleiche vorhat wie man selbst. Außerdem spielt „Wege zum Ruhm“ im Frankreich des Ersten Weltkrieges und die Strategie der Generäle musste einem 1950er-US-Publikum erklärt werden, während der Koreakrieg erst wenige Jahre vor „Men in War“ zu Ende gegangen und den Amerikanern noch sehr gegenwärtig war, inklusive seiner Hintergründe. Weiterhin war er die erste militärische Auseinandersetzung, in welche die USA nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verwickelt waren, ohne eindeutig zu siegen.

Anthony Manns Inszenierung steht in der Tradition der realistischen und ernsthaften Kriegsfilme der 1950er, die wenig beschönigten und dem Gegner meist einen gewissen Respekt entgegenbrachten, auch wenn sie klar aus der US-Sicht gefilmt waren. Von der komödienhaften Abhandlung, wie sie der Zweite Weltkrieg in bzw. ab den 1960ern erfuhr, war noch nichts zu spüren. Meist waren die Filme noch in Schwarz-Weiß gedreht und gaben sich damit als Dramen zu erkennen, in einigen von ihnen gibt es keinerlei Liebesgeschichte, ja nicht einmal weibliche Mitwirkende – womit Kriegsfilme am weitesten von allen Genres von den Hollywood-Konventionen abwichen. Auch wenn diese Darstellung realistisch ist, selbstverständlich war sie unter Berücksichtigung der typischen Elemente des US-Kinos nicht.

Der Regisseur hatte vor „Men in War“ Filme der Schwarzen Serie gedreht, im Folgenden seine bekannte Zusammenarbeit mit James Stewart in Western gestartet, das letzte Ergebnis dieser Kooperation war „Der Mann aus Laramie“ (1955). In „Men in War“ verbindet Mann die düstere Sicht des Films noir mit der Dramaturgie einiger seiner Stewart-Western, in denen eine Gruppe von Männern (dort allerdings inklusive Anwesenheit von Frauen) sich durch die Wildnis schlägt, um ein Ziel zu erreichen, das sich mehr und mehr als abstrakt und fragwürdig herausstellt (am eindeutigsten wird das in „Nackte Gewalt“ (1953) inszeniert). Stewart spielt in den Mann-Western stets einen gebrochenen Helden mit Vergangenheit, einen Einzelgänger, der am Ende Erlösung findet und sich mithilfe einer Frau in die Gesellschaft (re-) integriert.

Für „Men in War“ wäre er auch dann die falsche Besetzung gewesen, wenn er sich nicht mit Mann bei „Der Mann von Laramie“ überworfen und  beide ihre fruchtbare Zusammenarbeit beendet hätten. Ein so großer Star, auch wenn er einen zerrissenen Charakter spielt, wäre trotz Stewarts lakonischer Art zu sehr der Identifikation dienlich gewesen. Um den kriegsmüden Lieutenant darzustellen, war  Robert Ryan als Schauspieler der zweiten Garde, der oft neben Superstars die zwielichtigen Typen zu geben hatte, sehr gut geeignet und hat diesen Mann glaubhaft verkörpert, einschließend die Tatsache, dass er oftmals überfordert wirkt. Dass er für einen Leutnant zu alt ist und er und seine Gruppe sehr abgekämpft wirken, wenn man bedenkt, dass der Krieg in Korea gerade erst begonnen hatte, belegt eine gewisse Stilisierung. Diese stärkt die Aussage des Films, aber diese Stärkung gelingt denn auch vortrefflich, sodass die kritische Haltung dem Krieg gegenüber, die Mann einnimmt, beinahe in keinem Moment in Frage steht. Nur der etwas pathetische Schluss mit der einzigen gesungenen Passage in Elmer Bernsteins früher Filmmusik ist wohl für die Heimatfront gedacht, der man wenigstens Ehrungen für gefallene Soldaten vorführen zu müssen glaubte. Die Frage aber bleibt, welchen Sinn diese noch haben und ob die Erinnerung an die Toten einen Wert an sich darstellt, wenn sie in einem Kampf gestorben sind, dessen Grund aus gutem Grund außen vor gelassen wird.

Der Film ist routiniert gemacht und wechselt in gutem Rhythmus zwischen menschlichen und aktionsgebundenen Momenten. Wie in vielen anderen Filmen setzt Anthony Mann die Landschaft, in der gekämpft wird, ausdrucksvoll in Szene und man hat das Gefühl, jederzeit mitten im Geschehen zu sein. Die Gefahr durch die mit Guerillataktik kämpfenden Koreaner ist jederzeit spürbar und nimmt die Probleme der Amerikaner im Vietnamkrieg vorweg, wo die üppige Vegetation ein Ihres dazu beitrug, dass sich die US-Truppen nicht mit der Salamitaktik der Gegenseite klarfinden konnten.

Finale

„Men in War“ findet ein Echo in den Vietnamkriegsfilmen ab Ende der 1970er Jahren, in denen ebenso deutlich wie hier Soldaten gezeigt werden, die vom Krieg gezeichnet, zuweilen zerstört sind, begleitet von der beinahe vollkommenen Aufreibung eines Platoons. Allerdings gibt es auch zum Koreakrieg einige ähnliche Filme, die wir noch nicht gesehen haben. „Men in War“, der in Deutschland den   Titel „Tag ohne Ende“ trägt (gemäß der literarischen Vorlage) ist ansehnlich, weil er nichts beschönigt und bedrückend, weil es keinen sichtbaren ideologischen Überbau gibt, der die Lebensopfer auf beiden Seiten rechtfertigen will.

Die gezeigten Truppen der 24. Infanteriedivision kämpften tatsächlich in den frühen Tagen des Koreakrieges. Der Film verzichtet auf den Einsatz von schwerem Kriegsmaterial, weil das US-Verteidigungsministerium nicht bereit war, Panzer und anderes Gerät, das in Korea zum Einsatz kam, zur Unterstützung der Dreharbeiten zur Verfügung zu stellen.  

79/100

© 2021 (Entwurf 2015) Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Directed by Anthony Mann
Produced by Sidney Harmon
Anthony Mann (uncredited)
Written by Philip Yordan
Based on Day Without End (Combat)
1949 novel
by Van Van Praag

 

 

 

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