Lieben Sie Brahms? (Goodbye Again, USA / FR 1961) #Filmfest 466

Filmfest 466 Cinema

2021-05-07 FF 0466 Lieben Sie Brahms Goodbye Again USA 1961

Lieben Sie Brahms? (Originaltitel: Goodbye Again) ist ein französischamerikanischer Film von Regisseur Anatole Litvak aus dem Jahr 1961 basierend auf dem Roman Lieben Sie Brahms? (Originaltitel: Aimez-vous Brahms?) von Françoise Sagan.

Und damit Sie gleich musikalisch Bescheid wissen:

Das musikalische Hauptmotiv des Filmes ist der Symphonie Nr. 3 von Johannes Brahms, dem dritten Satz Poco allegretto entlehnt. Auch die Melodie des Filmliedes „Good bye again“ rührt daher. Die Musik, die erklingt, als Paula im Konzertsaal der ersten Begegnung mit Roger nachsinnt, stammt aus der Symphonie Nr. 1, dem Allegro non troppo des Finalsatzes.

Und was erfahrerene Kritiker*innen sagen:

„Elegant inszenierte, in der Auslotung der Konflikte jedoch an der Oberfläche bleibende Verfilmung eines Romans von Francoise Sagan, die sich in erster Linie auf das bemerkenswerte Spiel der Hauptdarsteller stützt.“

Der größte Vorteil des Films ist paradoxerweise auch sein größter Nachteil: Ingrid Bergman, mit 46 auf einem Höhepunkt ihres Lebens, ist zu attraktiv um plausibel die problematische Situation einer alternden Frau darzustellen.[2]

„Nach dem Roman der Sagan recht herkömmlich als gepflegte Unterhaltung gestaltet. Resignierender Nihilismus. Für Erwachsene mit Vorbehalt.“

 

Habe ich mich damals von der eleganten Inszenierung blenden lassen und das Thema des Alterns oder gar das der wahren Liebe noch nicht richtig erfassen können, als ich die herausragenden 9 Punkte vergab? Die IMDb-Nutzer*innen halten aktuell durchschnittlich 7,1/10 für den Film vor. Vielleicht sollt ich nochmal, auf ARTE wird „Lieben Sie Brahms“ sicher irgendwann wieder gezeigt werden.

Regisseur Anatole Litvak hatte mit Ingrid Bergman vier Jahre zuvor bereits „Anastasia“ gedreht, ihr sehr erfolgreiches amerikanisches Comeback, und man mag sich vorstellen, wie ihre Karriere ohne „den Bruch“ ausgeschaut hätte oder zu einer Zeit, als ihr Ausrücken nach Italien als noch verheiratete Frau moralisch nicht mehr so rigide bewertet worden wäre, wie es 1950 der Fall war:

Der Film entstand nur ein Jahr nach dem Erscheinen des Buches von Françoise Sagan. Litvak wollte die Rolle der Paula von Anfang an mit Ingrid Bergman besetzen. Bergman willigte sofort ein, weil ihr das Anliegen – die Liebe zwischen einer älteren Frau und einem jüngeren Mann zu thematisieren – sehr wichtig war. Bergman, die Ende der 40er Jahre wegen ihrer Liebesbeziehung zu Roberto Rossellini von der amerikanischen Öffentlichkeit gerügt wurde, sah in der Rolle eine Möglichkeit, die verkrusteten Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft in Frage zu stellen.

Sofern es sich nicht gerade um Western handelt, haben wir zuletzt auf dem Filmfest viele Rezensionen zu Streifen mit Ingrid Bergman vorgestellt (Frage ans Publikum: Hat Ingrid Bergmann je in einem Western mitgespielt?). Das ergibt sich aus der Tatsache, dass sie Ende der 1950er wieder zu den Topstars zählte und außerdem „reife“ Frauenrollen spielte, Personen mittleren Alters, die aber noch attraktiv genug sind, um mit männlichen Topstars gepaart zu werden. Männliche Topstars sind bekanntlich (beinahe) alterslos, besonders, wenn sie Cary Grant heißen (mit Bergman: „Berüchtigt“ (1946) von Alfred Hitchcock, „Indiskret“ (1958), die vorausgehende Laufnummer des Filmfests Filmfest, und „Vor Hausfreunden wird gewarnt“ (1960)). Die Françoise-Sagan-Verfilmung „Bonjour Tristesse“ (1958) haben wir kürzlich ebenfalls hier vorgestellt.

© 2021, 1989 Der Wahlberliner, Thomas Hocke

Regie Anatole Litvak
Drehbuch Samuel A. Taylor
Produktion Anatole Litvak
Musik Georges Auric
Kamera Armand Thirard
Schnitt Bert Bates
Besetzung

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